Abschlussbericht Regular Season 2025/2026
Am 13.11. stellte Sean Grande einen Trend-Wechsel fest und ich habe das dann hier sofort gepostet:
Und bei mir änderte sich in der Zeit wieder ein bisschen der Tonfall. Ich war zugegeben sehr pessimistisch vor der Saison. Und ich hatte Stevens im Verdacht, ganz bewusst einen Krater in das Roster gebaut zu haben, der es Mazzulla fast unmöglich machen würde, besser als die Play Ins abzuschließen.
Das Problem? Tatum, der beste Rebounding Forward der Liga, der beim Titelgewinn den Go-To-Move des Gegners mit seiner Defense gegen Center egalisiert hat, wird nicht spielen. Und es gab keinen Ersatz, weil man davon ausgeht, dass er irgendwann zurückkehrt.
Also hat Stevens einfach keinen Rebounder geholt.
Und ich war genervt. Das Team hat dann auch zuerst genau so gespielt, als ob es keine Möglichkeit hat, um diesen Krater herum, vernünftigen winning basketball zu spielen, egal, wie sehr sie sich bemühen. Denn Mühe und Willen hat man natürlich immer gesehen. Aber sie wurden Ende Oktober richtig fies an den Boards dominiert.
Aber wie kam es dann gegen Anfang November zum Trendwechsel und insgesamt zu diesem Meisterstück von Mazzulla und seinen Spielern? Wieso sind sie Top-2-Seed, obwohl sie nicht genügend offensichtliche Qualität an den Brettern haben?
Ein Versuch der Erklärung.
These: Der Gegner bekommt besonders viele Offensiv-Rebounds, wenn er gegen eine Mannschaft abschließt, die im scramble modus ist. Denn, wer scrambled, der blockt nicht aus.
Wie kommt man zu 99% in die set defense?
- Turnover vermeiden
- Pace kontrollieren
- Hochprozentig abschließen
- Den Gegner zu niedrig prozentigen Abschlüssen zwingen
Und wie holt man dann die Rebounds? Als Team. Jeder blockiert seinen Mann und irgendwer ist frei, wegen der Transition D des Gegners und holt dann den Rebound.
Das klingt so einfach und ist doch so genial. Mazzulla hat das Problem durch seine Offense in den Griff bekommen, die seinem Team ermöglicht hat, eine Defense zu spielen, die längere Rebounds produziert und die dann außerhalb vom Radius derjenigen landen, die üblicherweise die Offensiv-Rebounds dominieren (Adams, Robinson, oder die Cutter von der Baseline).
Denn es ist ja auch wahr, dass man die Regular Season sehr gut abschließen kann, obwohl manche Truppen einem nicht liegen. Im Osten zählen dazu glücklicherweise nur die Knicks, die sehr viele Rebounds holen. Im Westen gibt es Probleme gegen Nuggets, die Adams-Rockets, die Wolves und natürlich gegen OKC, die trotz allem noch viele Turnover produzieren und selbst herausrangend verteidigen und somit die Celtics doch noch zum scramblen zwingen.
Okay.. man hat also die besten strategischen Ableitungen aus den Fähigkeiten des Rosters herausgeholt.
Aber warum hat es auf dem Court funktioniert?
Die Spieler haben jedes Spiel Vollgas gegeben. Mazzulla hat eine Rotation geschaffen, bei der eine Armada an Wings konditionell befähigt wurde, immer wieder alles geben zu können. Hauser, Scheierman, Walsh, Gonzales, Harper jr (zu Beginn noch Minott) wurden hereinrotiert, wurden sprunghaft mit 25 Minuten belastet, dann wieder heruntergefahren, bis sich eine richtige Rotation gebildet hat. Wenn die auf dem Court standen, haben sie alles geben können.
Wie sind sie dazu befähigt worden?
Herausragendes Player Development, welches bereits beim G-League-Team begann (Queta und Hauser sind z.B. G-League-Gewächse). Maine und Boston sind sehr eng miteinander verzahnt. Tatum hat dort sein erstes 5 on 5 gespielt. Maine spielt so wie Boston.
Und dann die Celtics University. Spieler sind aktive Teilnehmer des Video Scoutings. Die Spieler haben sich aktiv auf den nächsten Gegner individuell eingestellt.
Und der Staff. In 24/25 war der Staff vielleicht noch ein bisschen in der Findungsphase nach den Abgängen aus dem Titeljahr, aber dieses Jahr gab es exzellentes Coaching, von dem insbesondere auch die ganzen fringe player profitieren konnten.
Und zu guter Letzt: unsere Stars.
Brown war der Franchise Spieler und Closer, White hat alles in der Defense herausgehauen, Pritchard war nach Startschwierigikeiten der gewohnte Punktebringer. Hauser ist Mister Gravitation da draußen und Queta hat seine Entwicklung bereits bei der EM in Ansätzen gezeigt und ist nun vielleicht sogar ein Top 10 Center.
In Summe funktioniert es dann, wenn man Basketball als einen Fluss begreift, bei dem die Offense, die Defense bedingt und die Defense, die Offense bedingt.
Und wer eigentlich keine Defender und Rebounder hat und viel zu wenig Size auf den Forward-Positionen, der schafft es dann, wie die Celtics mit Mazzulla, dass man durch ein exzellentes Fundament eine innovative Taktik erfindet, bei der man dann doch plötzlich genügend Rebounds sammelt und gegenüber 90% der Gegner im Vorteil ist, weil das Team abgesehen von diesem "Krater" im Roster insgesamt einfach sehr viele Dinge doch sehr, sehr gut kann.
Hut ab. Das war eine Meisterleistung.