🇩🇪 Skiflug-WM Oberstdorf: 22. bis 25.01.2026 (Herren)


Benjamin

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Während die meisten anderen Wintersportarten ihren Fokus auf die Olympischen Spiele richten, die in wenigen Wochen beginnen, steht bei den Skispringern zuvor noch ein anderer Saisonhöhepunkt an: Die Skiflug-WM auf der Heini-Klopfer-Flugschanze in Oberstdorf!

Man muss kein Prophet sein, um den Topfavoriten für diesen Wettkampf zu benennen: Ein gewisser Domen Prevc war in der Vergangenheit auf Flugschanzen oft nochmals ein bisschen besser als auf Großschanzen. Auf den Großschanzen der aktuellen Saison dominiert er nach Belieben - welche Kreise wird er dann erst auf der Flugschanze um die Konkurrenz fliegen! Und ganz nebenbei hält er in Oberstdorf ja seit vier Jahren auch den Schanzenrekord:


Grundsätzlich muss aber jeder Sieg erstmal errungen werden - und zumindest hinter Domen Prevc ist das Feld relativ offen. Da fallen mir mit Ryoyu Kobayashi, Ren Nikaido, Daniel Tschofenig, Jan Hörl, Stefan Kraft, Stephan Embacher, Anze Lanisek und Timi Zajc doch einige Springer ein, denen ich grundsätzlich zutrauen würde, eine Medaille zu holen. Ganz vergessen darf man - wenn es auf die ganz großen Schanzen geht - wohl auch die Norweger nicht.

Aus deutscher Sicht traue ich am ehesten Felix Hoffmann zu, im Einzel weit nach vorn zu springen. Er hatte vor drei Jahren beim Weltcup-Finale in Planica schon mal ein bisschen auf sich aufmerksam gemacht, als er im Training und in der Quali sehr stark geflogen ist - nur im Wettkampf hatte er es damals leider nicht ganz umsetzen können. Grundsätzlich kann er also fliegen. Hinter seiner Form steht nach der längeren knie- und krankheitsbedingten Pause natürlich ein gewisses Fragezeichen - aber wer weiß, vielleicht konnte er diese Zeit auch positiv zur Erholung nutzen.

Kommen wir zurück zu Domen Prevc: @Vorticity , @Hakuba und @sj44 hatten es im Sapporo-Thread bereits angesprochen: Ihm könnte in dieser Saison etwas Historisches gelingen: Noch nie hat ein Springer vier verschiedene große Einzeltitel in einer Saison geholt (Ammann und Nykaenen schafften vier große Titel in einer Saison, darunter waren aber jeweils zwei Olympiasiege). Manche waren recht dicht dran:
Nykänen 1988: Es fehlte der Sieg bei der Skiflug-WM. Da wurde er 3.
Breseden 1994: Es fehlte der Sieg bei der Skiflug-WM. Da wurde er 2.
Simon Amann 2010: Es fehlte der Sieg bei der VST. Da wurde er 5.
Kamil Stoch 2018: Es fehlte der Sieg bei der Skiflug-WM. Da wurde er 2.
Kobayashi 2022: Es fehlte der Sieg bei der Skiflug-WM. Da wurde er 13.
Funaki 1998: Es fehlte der Sieg im Gesamtweltcup. Da wurde er 2.

Domen Prevc hat bereits die Vierschanzentournee gewonnen; der Gesamtweltcup ist ihm der Sieg bei nunmehr 467 Punkten Vorsprung eigentlich nur noch im Falle einer Verletzung zu nehmen. Bei der Skiflug-WM ist er der Top-Favorit - und wenn man mich Stand heute fragen würde, wem ich am ehesten mindestens einen Olympiasieg zutrauen würde, würde ich auch als erstes Domen Prevc nennen. Er wäre damit dann gleichzeitig der zweite Springer nach Matti Nykaenen, der alle fünf großen Einzeltitel in seiner Karriere mindestens einmal gewinnt - denn letzte Saison wurde er ja bereits Weltmeister!

Aber wie schon weiter oben erwähnt: Ein jeder Sieg muss erst einmal errungen werden - also warten wir's ab!

-o-​

Eine kleine Geschichte will ich noch zur Schanze selbst erzählen, die ja eine der beindruckendsten Anlagen der Welt ist - gerade der schiefe Anlaufturm ist ja ein echtes Wahrzeichen, und man kann als Tourist bis nach oben auf den Schanzenturm fahren. Als ich ein kleiner Junge war, es müsste vor gut 31 Jahren gewesen sein, ich war damals 13, da war ich mit meiner Familie im Allgäu im Urlaub, und wir haben auch die Flugschanze von Oberstdorf besichtigt. Natürlich wollte ich unbedingt auch auf den Schanzenturm, aber meine Mutter wollte mich nicht begleiten, weil sie eine gewisse Höhenangst hat und alte klapprige Aufzüge auch nicht mag. Zum Glück durfte ich dann allein nach oben fahren - obwohl laut damaliger Vorschrift Kinder ohne Begleitung Erwachsener eigentlich erst ab 14 Jahren nach oben durften.
30 Jahre später habe ich mit meiner Mutter nochmals einen Ausflug nach Oberstdorf gemacht. Zunächst stand eine kleine Wanderung von Oberstdorf zum Freibergsee an, und wie zufällig standen wir kurze Zeit später auch am Anlaufturm der Schanze. Und diesmal ist es mir tatsächlich gelungen, meine Mutter zur Fahrt mit dem Schrägaufzug zu überreden! Und sie hat es nicht bereut - denn die Aussicht von dort oben ist wirklich sehr schön!

Daran musste ich bei der diesjährigen Vierschanzentournee denken. Wer weiß, wenn meine Mutter gewusst hätte, wie oft die Aufzüge bei Skisprungschanzen ausfallen - ob sie dann immer noch mitgekommen wäre?


Schanzendaten

K-Punkt: 200 m
Hillsize: 235 m
Offizieller Schanzenrekord: 242,5 m (Domen Prevc, 20.03.2022)



Zeitplan

Mittwoch, 21.01.2026


19.00 Uhr: Mannschaftsführersitzung

Donnerstag, 22.01.2026

14.30 Uhr: Offizielles Training
17.00 Uhr: Qualifikation

Freitag, 23.01.2026

15.00 Uhr: Probedurchgang
16.00 Uhr: Einzelwettkampf (Dg. 1 und 2)

Samstag, 24.01.2026

15.30 Uhr: Probedurchgang
16.30 Uhr: Einzelwettkampf (Dg. 3 und 4)

Sonntag, 25.01.2026

15.15 Uhr: Probedurchgang
16.15 Uhr. Teamwettkampf

Quelle: Offizielle Einladung

Ich schätze mal, dass auch alles im TV übertragen wird.


Start- und Ergebnislisten

Startliste Training
Ergebnis Training

Startliste Qualifikation
Ergebnis Qualifikation

Startliste Einzelwettkampf
Ergebnis Probedurchgang Freitag
Ergebnis Probedurchgang Samstag
Ergebnis Einzelwettkampf

Startliste Teamwettkampf
Ergebnis Probedurchgang Sonntag
Ergebnis Teamwettkampf
 

Benjamin

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Ich will mal noch ein bisschen Beitragsrecycling betreiben. Ich hatte bereits bei der letzten Skiflug-WM in Oberstdorf den Thread eröffnet und dabei auf sämtliche Skiflug-Weltmeisterschaften, die in Oberstdorf stattgefunden hatten, zurückgeblickt. Diesen Beitrag möchte ich hier - aktualisiert - nochmals posten:


Historischer Rückblick

Übersicht über die bisherigen Skiflugweltmeister im Einzel


1972: Walter Steiner
1973: Hans-Georg Aschenbach
1975: Karel Kodejška
1977: Walter Steiner
1979: Armin Kogler
1981: Jari Puikkonen
1983: Klaus Ostwald
1985: Matti Nykaenen
1986: Andreas Felder
1988: Ole Gunnar Fidjestøl
1990: Dieter Thoma
1992: Noriaki Kasai
1994: Jaroslav Sakala
1996: Andreas Goldberger
1998: Kazuyoshi Funaki
2000: Sven Hannawald
2002: Sven Hannawald
2004: Roar Ljøkelsøy
2006: Roar Ljøkelsøy
2008: Gregor Schlierenzauer
2010: Simon Ammann
2012: Robert Kranjec
2014: Severin Freund
2016: Peter Prevc
2018: Daniel Andre Tande
2020: Karl Geiger
2022: Marius Lindvik
2024: Stefan Kraft


Übersicht über die bisherigen Skiflugweltmeister im Team

2004: Norwegen
2006: Norwegen
2008: Österreich
2010: Österreich
2012: Österreich
2014: - ausgefallen -
2016: Norwegen
2018: Norwegen
2020: Norwegen
2022: Slowenien
2024: Slowenien


Bereits zum sechsten siebten Mal findet in Oberstdorf die Skiflug-Weltmeisterschaft statt; so viele Skiflug-Weltmeisterschaften gab es sonst bislang nur in Planica.

1973: Die Anfänge - Hans Georg Aschenbach

Die Skiflug-WM 1973 war die zweite Skiflug-WM in der Geschichte; ein Jahr zuvor hatte sie in Planica stattgefunden. Der Titelverteidiger war Walter Steiner aus der Schweiz, und es hätte nicht viel gefehlt, und er hätte ihn verteidigt. Gerade einmal den kleinstmöglichen Rückstand von 0,5 Punkten hatte er damals nach zwei Sprüngen auf keinen geringeren als Hans-Georg Aschenbach aus der DDR. 0,5 Punkte mehr, und Walter Steiner wäre bis heute der einzige Springer mit drei Einzeltiteln im Skifliegen gewesen! So teilt er sich den Titel des erfolgreichsten Einzelspringers bei Skiflug-Weltmeisterschaften mit Sven Hannawald.

Aber auch für Hans-Georg Aschenbach bedeutete dieser Titel viel. Oben war noch die Rede davon, dass Matti Nykaenen der einzige Springer ist, der alle fünf großen Titel gewonnen hat. Möglich ist das aber erst seit 1980, d.h. seit es den Gesamtweltcup gibt. In den 70ern gab es den Gesamtweltcup nicht; man konnte also auch nur vier große Titel gewinnen. Und Hans-Georg Aschenbach hat sie gewonnen!


1981: Jari Puikkonen in 8 Durchgängen

Die Regeln bei der Skiflug-WM haben sich im Lauf der Jahre immer wieder geändert. Anfang der 80er-Jahre waren besonders viele Flüge notwendig, um eine Medaille zu erringen. Die Regeln sahen vor, dass an drei Tagen jeweils drei Flüge durchgeführt werden mussten (der Letzte fiel bei dieser WM allerdings aus), allerdings wurde auch immer der schlechteste Flug gestrichen.

Jari Puikkonen dominierte zu Beginn nach Belieben, er hatte sich bereits nach einem Tag einen Vorsprung von 54,5 Punkten erarbeitet. Auch am zweiten Tag war Puikkonen der Beste, aber die Konkurrenz kam näher. Aber der Vorsprung war groß genug, dass Armin Kogler trotz der besten Leistung am dritten Tag nicht mehr an Puikkonen herankam; dieser gewann mit 60,5 Punkten Vorsprung.



1988: Auch Matti Nykaenen ist schlagbar

1988 war das Jahr des Matti Nykaenen. Nicht, dass es sein einziges Jahr war - aber diesem war noch erfolgreicher als sonst. Er gewann die Vierschanzentournee, er gewann den Gesamtweltcup, und er gewann alle drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen.

Doch bei der Skiflug-WM sollte ein anderer die Nase vorn haben: Der Norweger Ole Gunnar Fidjestøl gewann vor dem Jugoslaven Primoz Ulaga und Matti Nykaenen die Goldmedaille. Das Video zeigt neben Fidjestøl und Nykaenen auch Jan Bokloev, der bereits im V-Stil springt. Aber seine Zeit war noch nicht gekommen; er belegte Rang 14.



1998: Kazuyoshi Funaki, der Stilist

Als die vielleicht schönste Skiflug-WM ging die WM 1998 in die Geschichte des Skifliegens ein - zumindest, wenn man nach den Haltungsnoten geht. Perfekte äußere Verhältnisse gaben den Springern Gelegenheit zu schönen Flügen, und insbesondere einer nutzte das aus: Der Japaner Kazuyoshi Funaki, der bereits die Tournee gewonnen hatte, griff nun auch nach dem Skiflug-WM-Titel.

Doch am ersten Tag musste er sich zunächst dem aufstrebenden jungen deutschen Springer Sven Hannawald geschlagen geben (nach den damaligen Regeln zählten beide Tage auch als separate Weltcupspringen - übrigens zum letzten Mal bei einer Skiflug-WM). Aber am zweiten Tag zeigte Funaki seine ganze Klasse und holte sich den Titel. Aber auch aus deutscher Sicht konnte man mit den Plätzen 2 und 3 für Sven Hannawald und Dieter Thoma hochzufrieden sein.

Aber die Besonderheit dieser Tage waren Funakis Haltungsnoten; er bekam in seinen vier Flügen insgesamt 18 mal die Note 20,0 - im zweiten und vierten Durchgang je 5 mal.


Außerdem wurden erstmals bei einer Skiflug-WM auch im Wettkampf Flüge auf über 200 m gezeigt.


2008: Ein neuer Star am Fliegerhimmel: Gregor Schlierenzauer

Es war die ganz große Zeit der Österreicher, und so nimmt es nicht wunder, dass sich damals auch zwei Österreicher um den Titel duellierten. Martin Koch, der vor allem als Flieger bekannt war, gegen den erst 18jährigen Gregor Schlierenzauer. Zunächst schien im Fliegen die Erfahrung zu siegen; nach drei Durchgängen führte Martin Koch, doch der Vorsprung war nicht groß. Und nach einem etwas schwächeren Flug im entscheidenden und letzten Durchgang hatte schließlich doch Gregor Schlierenzauer die Nase vorn.

Auch bei dieser WM haben die Haltungsnoten eine große Rolle gespielt. Denn Martin Koch hatte in der Summe die größeren Weiten erzielt; aber durch die Haltungsnoten war am Schluss doch Schlierenzauer vorn. Es war die letzte Skiflug-WM ohne Wind- und Gatekompensation.

Während ein ganz Großer bei dieser WM seine erste Medaille holte, gewann ein anderer ganz Großer seine letzte: Janne Ahonen landete hinter den beiden Österreichern auf Platz 3; es sollte das letzte Mal sein, dass er bei einer Einzelmeisterschaft auf dem Podest stand.



2018: Holt Stoch sich alles?

Die Frage, ob es wieder einmal einem Springer gelingt, alle fünf großen Titel zu holen, stand bereits bei der letzten Skiflug-WM 2018 im Raum. Vor kurzem erst hatte Kamil Stoch die Tournee gewonnen - als zweiter Springer überhaupt mit vier Tagessiegen. Stoch hatte zu diesem Zeitpunkt auch bereits den Gesamtweltcup, einen WM-Titel und zwei Olympiasiege geholt. Er galt nie als der ganz große Flieger - aber in dieser Form war ihm auch ein Sieg beim Skifliegen zuzutrauen.

Die WM stand dann aber ganz im Zeichen des Norwegers Daniel Andre Tande, der von Beginn an keinen Zweifel daran ließ, dass der Sieg hier nur über ihn gehen würde. Kamil Stoch wurde schließlich Zweiter hinter Daniel Andre Tande. Den dritten Platz belegte Richard Freitag - es war die einzige Einzelmedaille seiner Karriere. Ein bisschen knatschig war ich damals schon, denn er hatte nach den ersten beiden Durchgängen auf dem zweiten Platz gelegen - und erst im dritten Durchgang war er mit deutlich schlechteren Verhältnissen hinter Kamil Stoch zurückgefallen. Einen vierten Durchgang gab es dann nicht mehr.

Andererseits konnte man froh sein, dass Richard Freitag überhaupt an den Start gehen konnte: Denn zuvor hatte er sich in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen bei der Tournee einen harten Kampf mit Kamil Stoch geliefert, bevor der Sturz in Innsbruck alle Träume zunichte machte. So gesehen war die Medaille bei der Skiflug-WM auch ein kleiner Sieg!

 
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Lazergirl

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Hat ES Deutschland die Rechte nicht? In meiner TV Zeitung steht nix. Nur Öffentlich-rechtliche.:weghier:
 
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