Alternative für Deutschland

Dieses Thema im Forum "Non-Sports" wurde erstellt von desl, 22. April 2013.

  1. desl

    desl Box-Moderator

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    Diese Partei ist wirklich erstaunlich.
    Ich mein, ich habe bislang nicht wahrgenommen, das ihr Parteiprogramm irgendetwas anderes enthält als den Euro-Ausstieg.

    Erstaunlich ist für mich die Tatsache, wieviel Medienpräsenz jene noch neue Partei bekommt. Schon vom Gründungsparteitag wurde medial weitläuf berichtet.
    Ob nun Nachrichten-Sendungen, Fernseh-Magazine oder Print-Magazine ... man kriegt fast das Gefühl, jene "neue" Partei bekommt mehr Aufmerksamkeit als sie eigentlich verdient hat.

    Mein Gott ... ich eröffne gar einen Thread zu dem Verein. o_O

    Die Chancen stehen freilich nicht schlecht für die "AfD". Man kann sie quasi als "die neue Protestpartei" verstehen. Mit Populismus in den Bundestag ... das ist das Programm.
    Wer auf Populismus steht und keinen Bock hat NPD oder Linke zu wählen, der wird hier fündig.
    Wer aus "Protest" keine der etablierten Parteien wählen will, aber auch die sich selbst zerfleischenden Piraten nicht wählen mag ... der hat mit der AfD einen potentiellen Stimmenhafen.


    In einer aktuellen "Sonntagsfrage" des Instituts Infratest Dimap kommt die AfD mit 3% schon auf mehr Zuspruch als die Piraten-Partei...


    Was denkt ihr über den Verein? Glaubt ihr, die AfD hat eine Chance in den Bundestag einzuziehen?
    Ist sie wirklich eine "Alternative", oder nur ein populistischer Haufen ohne große Inhalte?
     
    #1
  2. timberwolves

    timberwolves All-Star

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    Sie ist ein populistischer Haufen alter besserverdienender Männer. Dementsprechend ist sie natürlich keine Alternative und wird auch selbstverständlich an der 5% Hürde scheitern.

    Ich habe ein kleines bisschen den Gründungsparteitag im Ticker der Jungen Freiheit (genau DIE Junge Freiheit) verfolgt und fand besonders bemerkenswert, wie sich die Partei als direktdemokratische Alternative geriert, aber in Punkto innerparteilicher Demokratie schon während des Gründungsparteitag so jämmerlich darsteht, dass das ganze eigentlich nur noch als Witz verstanden werden kann. Da hat Lucke sein persönliches Parteiprogramm durchgedrückt und es gleichzeitig schon gegen Veränderung abgesichert (zukünftige Änderung bedürfen 75% Zustimmung. Darüberhinaus ist es sicherlich kein Zufall, dass politisch - sagen wir mal - 'einschlägige' (nicht, dass die Forumsrechte wieder erzürnt ist) Personen wie Schachtschneider, Hankel und Henkel das ganze Projekt mit angestoßen haben.
     
    #2
  3. Wirr

    Wirr ...

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    na ja, die Linke ist auch ein populistischer Haufen alter Männer. Mit Frauke Petry hat die AfD sogar auch ein junges weibliches Feigenblatt aus Sachsen, auch eine Analogie. Aber wahrscheinlich stört Dich v.a. das "besserverdienende".

    Der Schachzug mit den 75% ist ziemlich undemokratisch, aber clever. Da erspart man sich vor der Wahl endlose Programmdebatten und ist außerdem vor Unterwanderung erstmal gefeit. Viele Punkte wie die Forderung nach einer Einwanderung nach dem Modell Kanada und dem einfachen Steuerrecht ala Kirchchoff finde ich auch gut. Auch die Skepsis gegenüber Brüssel und dem Euro kann man zumindest nachvollziehen. Momentan trägt der Euro eindeutig zur Spaltung Europas bei. Sowas als "rechts" abzustempeln, zeugt von Denkfaulheit. Man muss da allein mal sehen, dass nach den AfD-Vorschlägen der Steuerzahler wegen der Euro-Rettung entlastet werden soll und dafür Banken und Hedgefonds bluten sollen. Außerdem wird mehr direkte Demokratie und das Arbeitsrecht für Asylbewerber gefordert. Das ist doch alles schon eher "links". Aber es wäre ja gelacht, wenn man das nicht alles feinsäuberlich nach Freund-Feind bzw. dem völlig überholten links-rechts-Schema kategorisieren könnte.

    Insgesamt teile ich sehr viele der Vorschläge und schau mal, ob es wirklich eine Wahlalternative ist. Gut für den politischen Diskurs ist die Partei auf alle Fälle.
     
    #3
  4. Chef_Koch

    Chef_Koch Moderator

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    Diese Sonntagsumfrage ist nicht immer repräsentativ. Ich denke bis zur Bundestagswahl haben die noch viel Zeit, einige Punkte zu konkretisieren. Dass sie die 5% Hürde knacken ist absolut realistisch, es könnte sogar ein riesen Überraschung geben. Diese Partei wird die frustrierten Wähler von CDU und FDP, aber durchaus auch von SPD anlocken und vielleicht sogar eigentliche Nichtwähler.
     
    #4
  5. emkaes

    emkaes MVP

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    Wenn man sich aber das Personal anschaut und sich vor Augen führt, wo die vorher rumgeturnt sind, dann ist es keine Denkfaulheit. Vielmehr müsste man dann annehmen, dass da wichtige Personen offenbar nach Jahrzehnten ihre politischen Positionen geändert hätten. Ich bleibe dabei: die Übereinstimmung zu den von mir an anderer Stelle genannten neokonservativen Kreisen ist frappierend. Zivile Koalition, Freie Welt, Abgeordnetencheck, etc pp. Dort tummelt sich ein Großteil derjenigen, die auch hier wieder mitmischen. Insbesondere Konrad Adam ist dort wie hier eine der zentralen Galionsfiguren, wiewohl ich bezweifle, dass er auch einer der zentralen Akteure ist. Zentral dürften die Leute sein, die schon seit 2003 beim Bürgerkonvent sind. Dort gab August von Finck Junior nachweislich 6 Millionen Euro für eine Kampagne. Ob er sich jetzt für den AfD engagiert ist offen, vermuten könnte man es fast. Politisch gibts zu Finck Junior auch eine klare Einordnung:

    Dafür, dass man nicht rechts ist, sind derartige Verbindungen leider eben doch sehr häufig vorhanden.
     
    #5
  6. Wirr

    Wirr ...

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    hmm, es geht aber doch auch um Inhalte.
    Abgesehen davon finde ich die Konstruktion "der ist rechtsaußen, man könnte fast vermuten, er ist mit dabei" äußerst schwach.
     
    #6
  7. Spielberg1

    Spielberg1 All-Star

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    Im Forum von Handelsblatt Online wird schon heiss und kontrovers über die neue Partei diskutiert (schon 280 Kommentare :eek: ). User wie timberwolves machen es sich viel zu einfach. Die Partei einfach mal pauschal in die rechte Ecke stellen ohne sich inhaltlich auch nur ein Jota mit der zentralen Forderung (kontrollierter Ausstieg aus dem Euro) auseinanderzusetzen wird nicht funktionieren (angesichts der gewaltigen Summen um die es bei der Eurokrise geht ist das nunmal das wichtigste Thema überhaupt für alle betroffenen Länder. Alternativlose Milliardenrisiken und Spardiktate sind ja nun ganz offensichtlich keine Ideallösung für ein friedliches und wohlhabendes Europa....). Ich weiss auch nicht ob es schonmal einen so hohen Akademikeranteil in einer Partei gab wie in der AfD. Ich möchte fast wetten, dass die AfD in den Bundestag einziehen wird, das Potential ist sehr groß.


    Repräsentative Umfrage

    19 Prozent würden die Anti-Euro-Partei wählen

    Die etablierten Parteien müssen sich langsam auf neue Konkurrenz einstellen. Der Zuspruch für die jüngst gegründete Anti-Euro-Partei ist ungebrochen, wie eine Umfrage im Auftrag von Handelsblatt Online ergab.

    BerlinDie neue Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat gute Chancen im Herbst in den Bundestag einzuziehen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Online-Marktforschungsinstituts Mafo im Auftrag von Handelsblatt Online. 19,2 Prozent der 1.003 Befragten bejahten demnach die Frage, ob sie der Partei bei der Bundestagswahl ihre Stimme geben würden (24,9 Prozent der Männer und 14,8 Prozent der Frauen).

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/repraesentative-umfrage-19-prozent-wuerden-die-anti-euro-partei-waehlen/8094336.html
     
    #7
  8. timberwolves

    timberwolves All-Star

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    hm und was ist mit "die sind rechtsaußen, sind auch dabei und sogar Aushängeschilder des Ganzen? Oder undemokratische innerparteiliche Vorgänge nicht als 'clever' sondern als Widerspruch zum eigenen Anspruch anzusehen? Will man eine Partei, die innerparteilich keine Diskussionen zulässt, die nach nur einem Parteitag schon festgefahrene Strukturen hat und die schon jetzt auf eine handvoll Leute zugeschnitten ist?
    Die AfD ist nämlich keineswegs, wie sie sehr gerne behauptet, eine 'Partei des neuen Typs', sondern vielmehr eine Partei, die all das verkörpert, was sie kritisiert.
     
    #8
  9. timberwolves

    timberwolves All-Star

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    Diese Zahlen decken sich doch ziemlich genau mit "jeder Fünfte würde eine Sarrazin-Partei wählen". Das sind die 20% die halt so eine Protestpartei wählen würden und dann doch ihr Kreuz bei der CDU machen oder nicht wählen gehen.

    Und was haben eigentlich alle mit dem Akademikeranteil? Oder ist das eigentlich die Ehrfurcht vor den vermeintlich weisen, alten Männern?
    Jedenfalls ist die Euphorie über Sarah Wagenknechts Promotion in Volkswirtschaftslehre nicht so groß :clown:
     
    #9
  10. Spielberg1

    Spielberg1 All-Star

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    Ohne Zweifel ist die AfD im Moment noch eine Protestpartei. Jedoch haben Sie ein sehr schlagkräftiges Argument und das ist nunmal die aktuelle haarsträubende und angeblich alternativlose Euro-Rettungspaket / Spardiktatpolitik die ja von der Opposition mitgetragen wird. Gerade erst wieder wurden Milliardenhilfen für den Pleitestaat Zypern durch den Bundestag abgenickt (mit der Zustimmung von Rot/Grün). Du selbst hast hast Dich inhaltlich auch noch nicht mit der Kernforderung der AfD auseinandergesetzt. Findest Du denn hochgradig gefährliche Milliardenbürgschaften und Spardiktate besser als einen kontrollierten Ausstieg aus dem Euro? Hälst Du auch Europa für gescheitert wenn man aus dem Euro aussteigt? Hälst Du die AfD-Forderung für rechtsradikal?

    Tja, und was die Umfragen angeht. Die AfD gewinnt mit jeder weiteren dazu. Aktuell hätten sie jetzt sogar schon die FDP eingeholt :D

    Anti-Euro-Partei

    AfD erstmals bei 5 Prozent

    Die Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland (AfD) kann einer Umfrage zufolge auf den Einzug in den Bundestag hoffen.

    http://www.n-tv.de/politik/AfD-erstmals-bei-5-Prozent-article10521931.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. April 2013
    #10
  11. heiko2183

    heiko2183 All-Star

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    Die Handelsblatt Studie wird aber auch kritisiert. Da war die Frage wohl sehr suggestiv und dementsprechend sollte man die 19% nicht so ernst nehmen.

    Ich glaube nicht so richtig an die große Erfolgsstory. Es gibt momentan einen raschen Zuwachs an Mitgliedern aber es gibt ja kaum Stukturen und eigentlich ist Lucke noch der Alleinunterhalter. Da wird es zwangsläufig noch einige Problemchen geben, die in der Öffentlichkeit dann mehr Gehör finden als die inhaltlichen Aussagen.

    Die Rechten (und damit meine ich dann die NPD Kategorie oder ähnlich denkende Spinner. Timberwolves hat da ja seine eigene Definition :o ) sehen natürlich jetzt hier die Chance mitzumischen und da wird es extrem schwer diese Leute rauszuhalten bevor Schaden angerichtet werden kann. Da reichen ja schon 2-3 Spinner in irgendeinem Landesverband die dann mit irren Aussagen extrem schaden können egal wie klar sich der Rest abgrenzt. Gerade bei einer neuen Partei ist das natürlich sehr gefährlich.

    Im Übrigen finde ich die "das war antidemokratisch" Vorwürfe bezüglich des Parteitags relativ sinnlos. Nach dem Chaos bei den Piraten war doch klar, dass man sowas unbedingt vermeiden muss. Am Ende des Parteitags gab es dementsprechend keine 1000 verwirrenden Anträge sondern dann tatsächlich ein übersichtliches Programm zu ausgewählten Themen.

    Das Programm finde ich eigentlich ganz vernünftig. Einzig beim Thema Bildung ist mir nicht ganz klar welche Richung man sich darunter vorstellen darf.

    Und ich befürchte, dass bei vielen Leuten die Botschaft "Euro muss weg - wir brauchen die D-Mark" nicht gut ankommt. Man müsste da die Risiken, Gefahren und Probleme der jetzigen Politik besser benennen.

    Ich bin inhaltlich ganz bei wirr... Ich mag einige Programmpunkte. Ich weiß nicht inwieweit diese Partei erfolgreich sein kann aber es ist überfällig, dass über Alternativen zum jetzigen "Retten" gesprochen wird.
     
    #11
  12. Wirr

    Wirr ...

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    @timberwolves: aber das kann doch nicht alles sein. Du solltest Dich doch wenigstens ansatzweise mal mit den Argumenten auseinandersetzen. Die Linken kann man auch mit "alles Stalinisten und Kommunisten" abbügeln. Ist das für Dich eine politische Auseinandersetzung? Sie bemühen sich ja auch, jeden wirklich Rechten rauszuhalten, weil sie genau wissen, das wird er Hauptansatzpunkt der Kritik sein. Das ist es auch, was mich so stört. Man darf sicher alles sagen, aber viele Diskussionen enden immer zwangsläufig in einer Sackgasse: Bei Kritik an der Außenpolitik Israels wird sofort die Antisemitismus-Debatte begonnen, bei mangelnder Integration die Rassismus- oder Fremdenfeindlichkeitsdiskussion und jetzt hier eben die "Rechtsaußen"-Thematik. Das ist schon ermüdend; man ist einfach zu faul/zu dumm, sich mit den Argumentionen auseinanderzusetzen.

    Ich denk aber auch, dass gerade der Hauptpunkt "Raus aus dem Euro!" sich gerade bei Konservativen nicht so sehr verfängt. Dann noch eher bei so desperaten Typen aus der Zone, die jetzt Linke wählen (das zeigen ja auch erste Analysen). Mir ist da auch zuviel völlig unbestimmt. Auf den ersten Blick sehe ich da eher Nachteile. Das liegt aber auch daran, das man eine vernünftige Abwägung der Kosten der Eurorettung mit den Kosten des Austritts nicht vornehmen kann. Was die Eurorettung nun genau kostet, weiß doch kein Mensch oder will kein Mensch sagen.
     
    #12
  13. emkaes

    emkaes MVP

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    1.) Ich würde mich freuen, wenn Du Inhalte findest, die über Schlagworte hinausgehen und mit denen man sich tatsächlich auseinandersetzen kann. Also Konzepte, wie die konservativen Schlagworte zu erreichen sind. Ein Parteiprogramm, das gesellschaftlichen Zusammenhalt, beste Bildung, haushalterische Solidität und den Austritt aus dem Euro fordert, kann ich Dir in 5 Minuten schreiben. Es gibt für mich kein nennenswertes Programm, das man in die Tiefe diskutieren könnte. Selbst auf dem Gründungsparteitag hat die Partei das ja tunlichst vermieden, um nicht den schönen Anschein zu verlieren. Da hat jemand von der Operationalisierungsproblematik der Piraten gelernt. Wenn Obstruktion das Ziel ist, stört Konstruktivität auch nur.

    2.) Einzig August von Finck ist eine reine Vermutung. Die restlichen Überschneidungen reichen eben zurück bis zum Bürgerkonvent bzw. zu einem der assoziierten Ableger. Adam, Henkel, die von Storchs, Appel, Seitz, Schachtschneider, etc. Das ist doch mehr als eine schwache Korrelation.
     
    #13
  14. Wirr

    Wirr ...

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    :confused: da habe ich doch einige Punkte aufgezählt.

    Wie auch immer, na klar sind da einige übliche Verdächtige mit dabei. Na und? Das kann doch nicht der einzige Punkt der Auseinandersetzung bleiben. Es sind ja nun auch keine Neonazis, mit denen man gar nicht erst reden braucht.
     
    #14
  15. emkaes

    emkaes MVP

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    Ich hoffe, ich habe das jetzt richtig verstanden?

    1.) Einwanderung nach Vorbild Kanada
    2.) Steuervereinfachung nach Kirchhoff

    Das sollen jetzt innovative Punkte der Politik sein?

    Ein Einwanderungsmodell, das von der größten Partei bis zur Parteivorsitzenden und Bundeskanzlerin offiziell als Vorbild genannt wird und das mit Blue-Card,Anerkennungsgesetz und veränderten Zugangsregelungen (Vorrangprüfung) bereits politischen Niederschlag gefunden hat? Die Aussage, dass eine angeblich "ungehinderte Einwanderung in die Sozialsysteme" unterbunden werden müsste, ist auch nur der Aufbau eines Popanz' gegen den sich dann stammtischgerecht agitieren lässt.

    Als zweites dann ein Modell, das von der Mehrheit der Bevölkerung unter großer öffentlicher Anteilnahme während eines Wahlkampfes verworfen wurde? Gut, das kann man machen, ich sehe da aber keine Innovationskraft, sondern wirklich nur sattsam bekannte Buzzwords. Wer sich gerade den Teil Familienpolitik und Bildungspolitik anguckt, dem wird doch schwindlig. Das könnte mit ein bisschen anderer Wortwahl praktisch in jedem Wahlprogramm einer im Bundestag vertretenen Partei auftauchen, so schwammig und nichtssagend ist das. Da steht doch nur so viel drin: Familie ist wichtig, die muss bestmöglich gefördert werden. Bildung ist auch wichtig, muss auch besser gefördert werden. Ach und gleichzeitig müssen wir natürlich die Schuldenbremse einhalten. Okay...

    Für mich bleibt da als echtes Alleinstellungsmerkmal letztlich nur der Anti-Euro-Kurs, der eben auch nicht gerade vor konkreten Maßnahmen strotzt. Ich würde halt dann gerne wissen, wie man Hedgefonds die Last der Krise tragen lässt und mit welchen Mitteln man sie dazu bekommt. Dann würde ich außerdem noch die Frage stellen, warum die Hedgefonds wieder die Bösen sein müssen. Weil die SPD gegen die mal eine erfolgreiche Heuschreckenkampagne gefahren hat? Wahrscheinlich schon. Außerdem wäre es schön zu erfahren, wie die AfD negative Auswirkungen abfedern würde, die unweigerlich gerade für die Sparguthaben aus dem Ende der Stützung des Bankensystems erwachsen würden.

    Letztlich ist das für mich eine klar erkennbare Protestpartei und da bleiben leider nicht viele Inhalte, sondern nur der Wunsch, Zustimmung von Enttäuschten zu maximieren. Wenn ich über die Inhalte nicht so wahnsinnig viel über die Gruppe lernen kann, gucke ich mir eben die beteiligten und handelnden Personen an. Und deren Vita und politische Positionen sind sattsam bekannt (weil es überwiegend Männer im Alter 65+ sind) und lassen durchaus einen Schluss bezüglich der politischen Positionen zu. Ich glaube nicht, dass Du mir dieses "induktive" Vorgehen als schäbig auslegen kannst. Dafür ist der Anteil der in Frage stehenden Leute an der Keimzelle der Partei doch schon bedeutend genug.

    PS: Offenbar hat auch die Adenauer-Stiftung ihre Hausaufgaben in Sachen Internetrecherche gemacht. Ist halt ein netter Treppenwitz, dass der Mövenpick-Besitzer möglicherweise der Hauptfinanzier der Partei ist, die alle Leute einsammeln will, die sich von der Politik auch aufgrund der "Mövenpickgesetzgebung" angewidert fühlen. ;)
     
    #15
  16. Wirr

    Wirr ...

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    na immerhin, dass ist doch mal der Beginn einer langen und fruchtbaren Diskussion ;)

    1. Warum sollte man nicht vorschlagen, z.B. Kanadas Punktesystem übernehmen? Das wäre doch nun wirklich mal neu.
    2. Warum Kirchhoffs Modell nun verworfen wurde, steht ja auf einem anderen Blatt. Einer der widerlichsten Aktionen von Schröder. Das die "Mehrheit" kein solches Modell wird, glaube ich übrigens nicht. Und wenn - na und? Man kann doch auch Minderheitenmeinungen vertreten.

    In der Studie stehen ja scheinbar auch knallharte Fakten: „Es ist durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen, dass Finck den Wahlkampf der AfD nicht an finanziellen Hindernissen scheitern lassen wird.“ :crazy: Ich seh da auch kein Problem. Woher soll das Geld denn kommen? An die staatlichen Fleischtöpfe, mit denen etwa die Analysen der Adenauer-"Stiftung" (eine Frechheit, sowas überhaupt Stiftung zu nennen) finanziert werden, kommen sie ja noch nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. April 2013
    #16
  17. liberalmente

    liberalmente Moderator

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    Und das dürfte auch zum Problem für die Partei werden. Als großer Redner oder gar Charismatiker ist mir Lucke bisher noch nicht aufgefallen. Die Protest-Rechtswähler in Deutschland scheinen aber gerade das zu brauchen. Schill Partei als Paradebeispiel dafür.
     
    #17
  18. emkaes

    emkaes MVP

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    Weil sich schon einmal die Frage stellt, was das bringt, wenn man "für den europäischen Binnenmarkt" und damit auch für die Arbeitnehmerfreizügigkeit ist. Damit beschränkt sich die Regelungsmöglichkeit für das Punktesystem auf außereuropäische Länder. Und auch das nur dort, wo nicht im Rahmen von bilateralen Abkommen andere Regelungen getroffen wurden. Letztlich zeigt auch die Entwicklung in Kanada, dass selbst hohe Qualifikationsniveaus die Zugezogenen nicht vor überproportionaler Arbeitslosigkeit und Marginalisierung schützen. Obwohl die Qualifikation oberhalb des kanadischen Niveaus liegt, sind sie von Arbeitslosigkeit stärker betroffen, was nicht zuletzt eben an gesellschaflichen Problemen (Diskriminierung) liegt, die man eben nicht per se durch eine veränderte Zuwanderungsregelung löst.

    Ich schrob ja, dass man das machen kann. Allerdings ist der Verweis auf Kirchoff für mich ein Fingerzeig dahingehend, dass der AfD an einer Steuererleichterung von Besserverdienenden gelegen ist. Seine Rechnung war ja: statt 42 Prozent nur noch 25 Prozent und dafür keine "Schlupflöcher" und Quersubventionen (Pendlerpauschale, etc.) mehr. Ich will die Debatte von damals nicht aufwärmen, aber Modellrechnungen von statistischem Bundesamt, IW und DIW haben damals gezeigt, dass Kirchoff die Auswirkungen der Absetzbarkeiten im System überschätzt hat. Die größten Verlierer seines Systems sind der Staat (Steuerausfälle) und Verdiener, die so wenig verdienen, dass sie nicht von der Senkung des Steuersatzes profitieren, aber eben gleichzeitig viel durch "Standardabsetzen" gutmachen konnten (Pendlerpauschale, doppelte Haushaltsführung oder Eigenheimzulage - gibts ja jetzt nicht mehr). Damit sah die Union nicht zu Unrecht die Gefahr, dass man gerade die Leute bestraft, die für einen Job große Opfer bringen. Denn letztlich wurde das Ding ja nicht von Schröder allein abgeschossen, sondern auch innerhalb der CDU, CSU und FDP gab es durchaus spürbare Sorgen bezüglich der Auswirkungen. Im übrigen war gerade damals wie auch heute noch nicht das Steuersystem das Problem, sondern die kriminelle Energie, mit der die Steuerpflicht umgangen wurde. Dazu sagt die AfD nichts, was sie deutlich hinter alle anderen Bewerber zurückfallen lässt.

    Deren Sinn und Zweck hat sich mir auch noch nicht so wirklich erschlossen. Natürlich haben die in bestimmten Bereichen (Auslandspräsenz und Begabtenförderung) eine wichtige Rolle, aber das könnte man genauso gut auch deutlich parteiferner organisieren. Mir kommen die immer als komischer morbider Annex aus den trüben 60er Jahren vor, einer Zeit, in der die BRD viel mehr Parteienstaat war als das heute der Fall ist.

    Ich sehe es im übrigen auch nicht als Problem, falls Finck junior da finanziert. Ich würde es hingegen schon als Problem sehen, wenn die AfD über ihre Finanzmittel keine Auskunft gibt. Problematisch wäre es auch, wenn sie behaupten würde, dass sie sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge/Kleinspenden finanziert, dies aber nicht belegt, so wie das zum Beispiel bei den ganzen vermeintlichen Grass-root-Bewegungen aus dem Umfeld des Bürgerkonventes kommuniziert wird. Letztlich muss der AfD jetzt ja aber an die Bundestagsverwaltung berichten. Ich denke, es würde der AfD schon schaden, wenn sich rausstellt, dass Finck junior ein Hauptfinanzier ist. Denn die Anti-Euro-Stimmung geht ja einher mit Vorurteilen gegen Superreiche, die sich aus der Verantwortung stehlen und den kleinen Steuerzahler die Zeche zahlen lassen. Finck Juniors Firmenkonglomerat ist das klassische undurchschaubare Geflecht, dass sich mit Sicherheit auch in den Finanzmärkten als Player engagiert.
     
    #18
  19. big D

    big D MVP

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    na ja, ist halt ne protest partei. die sind genauso wenig erstzunehmen wie piraten und co.

    prinzipiell finde ich es gut, dass diese position, die ja auch im deutschen volk nicht so selten ist (euro= teuro...) politisch vertreten wird, aber wählen würde ich so eine partei nicht.

    der euro ist wichtig für deutschland und europa, wir profitieren davon wirtschaftlich und politisch. und als größtes und stärkstes land haben wir auch eine verantwortung, den kleinen zu helfen. im gegenzug müssen die nehmerländer halt klar die politische führungsrolle der geberländer akzeptieren und sich an die sparauflagen halten, auch wenn es wehtut.

    im übrigen denken so IMO auch die meisten deutschen. man möchte den anderen ländern helfen, erwartet aber im gegenzug eine gewisse demut. was die leute hier aufregt, ist das die leute dort auf die straße gehen und deutsche als nazis bezeichnet.

    der gemeine deutsche denkt sich: "die haben es verkackt und statt vor uns auf die knie zu gehen und zu betteln gehen sie auf die straße und reden vom 2. WK". so etwas zu erwarten wäre natürlich auch blödsinn, aber die deutschen denken halt so. im prinzip wird erwartet, dass sich diese länder so verhalten wie wir nach dem 2. WK und nicht wie wir nach dem 1. ("wir bluten aus, weil wir reparationen zahlen müssen", was ja ähnlich wie das argument der griechen ist).

    ich bin der meinung, dass wir helfen müssen, aber wir müssen auch klarmachen, dass wir (zusammen mit den anderen soliden ländern) die sind die die zügel in der hand halten und da sollte man zumindest mal andeutungsweise den ausstieg deutschlands als drohung in den raum stellen um klarzumachen wer hier der bittsteller ist.

    ich bin auch der meinung, dass man diese länder nicht kaputtsparen darf und lieber etwas mehr helfen sollte, damit es dort wieder läuft.
    allerdings muss im gegenzug gesichert werden, dass es dann auch wirklich wieder läuft, diese länder müssen klarmachen, welche regelungen sie getroffen haben um in zukunft so etwas zu vermeiden.

    und das muss man auch dem wähler klarmachen. ein starkes europa hilft uns und ich glaube viele deutsche wären bereit an die schmerzgrenze zu gehen, wenn man europa damit langfristig stabilisieren könnte. was die (berechtigte) angst vieler deutscher dagegen ist, ist das wir uns verschulden um denen zu helfen und es dann TROTZDEM nicht reicht und das geld im boden versickert. das wäre dann in der tat sehr ärgerlich.

    das ist halt die große frage:

    schaffen wir es so den euroraum zu retten? oder verbrennen wir milliarden nur um das unvermeidliche hinauszuzögern?

    für die erste variante würden die meisten intelligenten deutschen bürger sicherlich einiges opfern, für die 2. verständlicherweise nicht. Es muss ein klares und stimmiges konzept zur zukunft des euroraums her (auch mehr politsche zentralsteurung der finanzpolitik der einzelstaaten) und kein weiteres verteilen mit der gießkanne. auch die geberländer haben nur begrenzte ressourcen.
     
    #19
  20. heiko2183

    heiko2183 All-Star

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    Kann man ernsthaft daran glauben, dass Europa die Schuldenproblematik in den Griff kriegt? Selbst Deutschland kommt doch von diesem roten Zahlen niemals runter und haftet jetzt auch noch für den finanziellen Ritt auf der Rasierklinge in anderen Ländern.
    Aber man redet einfach weiter vom "Stärken der Wettbewerbsfähigkeit" obwohl das doch offensichtlich nicht funktioniert.

    Und immer wieder: "Deutschland profitiert vom Euro" Wenn die Exportwirtschaft jetzt seit der Euro Einführung wirklich brutal viel innerhalb des Währunsgraums zugelegt hätte, könnte ich das verstehen. Das Gegenteil ist aber der Fall. Unabhängig von der Währung wurde der Anteil innerhalb Europas doch zunehmend kleiner.

    Aber die Debatte ist auch nicht neu. Ich bin der Meinung, dass Deutschland sich stärker um die eigenen Angelegenheiten (und den eigenen Schuldenberg) kümmern sollte und von der großen Euro Gemeinschaft nicht profitiert. Auch innerhalb Deutschlands gibt es Regionen wo man die Wettbewerbsfähigkeit stärken muss. Das sollte man erstmal im kleinen Rahmen hinbekommen...

    Mittelfristig wird sich der Lebensstandard in Europa wohl angleichen. Die Träumer gehen davon aus, dass alle so erfolgreich werden wie Deutschland. Ich fürchte die Realität geht in eine andere Richtung.

    Und ich bin froh, dass es nun immerhin eine Partei gibt die diese Eurorettung (und die Forderung nach "mehr Europa") in dieser Form für den falschen Weg hält. Natürlich beschränkt sich das momentan ziemlich stark auf das Hauptthema.
    Aber dazu hat hat man auch Fachleute, die die Zusammenhänge besser verstehen als der ein oder andere Abnicker in den anderen Parteien.
     
    #20

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