Curling EM in Lillehammer


Harald2509

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Heute hat in Lillehammer, also in Norwegen, die Curling Europameisterschaft der Damen und Herren begonnen. Die deutschen Damen haben ihr erstes Spiel schon erfolgreich beenden können. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem klar verloren LSD wurde Estland mit 13 zu 3 dann doch recht deutlich bezwungen. Auch Dank eines überragenden neunten Ends.

Für alle nicht so mit den Curling Regeln vertrauten eine kurze erklären zum LSD.

Der LSD (last stone draw) regelt das Recht, den letzten Stein im ersten End spielen zu dürfen. Was immer ein Vorteil ist, denn mit dem letzten Stein, kann nochmal alles in einem End geändert werden. Im Curling zählen nur die Steine im Haus (im Zielfeld) die besser als der beste Stein des Gegners liegen.

Zurück zum LSD. Vor der Partie werden von jedem Team zwei Steine mit ihrer Entfernung zum Mittelpunkt gemessen. Der eine dieser Steine wird mit einer Rotation nach innen, der andere Stein mit einer Rotation nach außen gespielt. Wer von beiden Teams mit den 2 gemessenen Steinen näher am Zentrum liegt, hat den Vorteil, den letzten Stein im ersten End zu haben. Das bleibt solange bestehen, bis ein Team punktet. Immer die Mannschaft, die gepunktet hat, eröffnet ein End. Somit hat die andere Mannschaft den letzten Stein.

Sind am Ende der Round Robin, hier spielen alle Teams einmal gegeneinander, 2 Mannschaften punktgleich, entscheidet der direkte Vergleich. Bei z.B. drei punktgleichen Teams, die im direkten Vergleich je einmal gewonnen oder verloren haben, entscheidet der LSD zur die tabellarische Reihenfolge. Hierzu werden alle vor den Begegnungen gespielten LSD zusammengerechnet. Allerdings wird pro Team der schlechteste Wert nicht mitgezählt.
 

Harald2509

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Die deutschen Curling Damen sind ergebnistechnisch richtig gut bei der EM unterwegs. 3 Spiele, 3 Siege.
Im Spiel gegen den Titel Mitfavorit aus der Schweiz konnte man knapp gewinnen. Und die deutschen Spielerinnen sorgten dabei für ein Kuriosum.

Statistisch waren alle Schweizerinnen auf ihren Position deutlich besser als die deutschen Damen. Das bedeutet, sie haben in den Augen der Experten, die jeden gespielten Stein bewerten, präziser gespielt. Im Ergebnis aber verloren.

Seit etwa 30 Jahren bin ich Curling Fan.
Das man auf jeder Position schlechter gespielt hat und trotzdem das Eis als Sieger verlässt, habe ich noch nie erlebt.
Und das nicht gegen irgendwen sondern gegen das Schweizer Team um Skippin Silvana Tirizoni. also gegen eine der 3-5 besten Damen Teams weltweit, die in Bestbesetzung gespielt haben.
 

Harald2509

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Die deutschen Curling Damen haben tatsächlich mit Platz 4 das Playoff Halbfinale erreicht. Damit war nicht zu rechnen.
Lange Zeit ist es her, das die Deutschen Curlingdamen die Round Robin erfolgreich überstanden haben und um Medaillen spielen dürfen.
Seit Andrea Schöpp und die Damen des SC Riessersee nicht mehr nominiert wurden, waren die deutschen Aussichten für eine Medaille nur gering. Andrea Schöpp ist mit den Damen, unter anderem 2 mal Weltmeisterin, 7 mal Europameisterin und 1992 Olympiasiegerin geworden.

Das Weltklasse Damen Team aus der Schweiz hat als Tabellenfünfter knapp die Playoffs verpasst.
Die Deutschen und die Schweizerinnen sind mit 6 Siegen bei 3 Niederlagen gleichauf.
Der Tiebraker geht an Deutschland, da man im direkten Vergleich gegen die Schweizer Damen gewonnen hat.

Die deutschen Damen haben mit der Schweiz eine richtig große Mannschaft aus den Playoffs verdrängt. Deren Skippin (Mannschafts-Kapitänin) Silvana Tirinzoni, die an Position 3 also auf der technisch anspruchsvollsten Position spielt, wurde 2 mal Weltmeisterin bei den Damen.

Vize Skippin Alina Pätz, die an Position 4 in jedem End die beiden letzten Steine der Schweizerinnen spielt ist, unter anderem 4 mal Weltmeisterin bei den Damen und einmal Weltmeisterin im Mixed geworden.

Auch wenn man aus Sicht der Schweizerinnen traurig sein dürfte, dass die Playoffs verpasst wurden, haben sie sportlich sehr gut gecurlt.
Auf den getrennten Wertungen der Positionen 1, 2 und 3 hat jeweils die Schweizer Spielerin die Statistikwertung gewonnen.
Vize Skippin Alina Pätz belegte an Position 4 auch Platz 4.
 
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Harald2509

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Riesenerfolg für den einst so erfolgreichen, mittlerweile aber selbst von der Sportförderung nicht zielführend, will sagen mit viel zu wenig Fördergeldern unterstützten Deutschen Curlingverband.

Die deutsche Curling Damen Nationalmannschaft, also das Team des CC Füssen, hat es in einem spannenden Spiel um Platz 3 geschafft, sich die EM-Bronzemedaille zu sichern. Gegen das klar favorisierte Russland mit 9 : 6 gewonnen.

Es war ein spannendes, enges, aus deutscher Sicht kompliziertes Spiel.

Die deutschen Damen konnten im neunten End zwei Steine schreiben und gingen damit erstmals in Führung. Viermal musste in der Partie ein Rückstand aufgeholt werden.

End 10 brachte dann alle quasi an den Rand des Wahnsinns.
Nach einem Fehlstein, der Stein 11 im 10ten End misslang der deutschen Spielerin und einer perfekten russischen Antwort darauf, sprach alles gegen die Damen aus Füssen.

Russlands erfahrene Weltklassespielerin Kovaleva spielte in letzten End 2 Fehlsteine hintereinander. Das dürfte ihr, wenn überhaupt, lange nicht mehr passiert sein.

Ich freue mich für die deutschen Damen. Endlich gibt es mit Daniela Jentsch und ihren Füssener Teamkolleginnen nicht nur würdige sondern auch mit einer Medaille dekorierte Nachfolgerinnen von Andrea Schöpp und den Damen des SC Riessersee.
 
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