Fernweh: Nord-/Südpol-, das europäische und nordamerikanische Kino


Young Kaelin

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Film Nordpol:

Grönland Le Voyage d'Inuk (Inuk) Abenteuer (2010)

Film Südpol:

Südpol Shackleton Abenteuer (2002)


Verzeichnis der europäischen und nordamerikanischen Filme in alphabetischer Länderreihenfolge:

Europäische Filme:

Finnland Hymylievä mies (Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki) Sportfilm (2016)
Frankreich Les Miserables (die Elenden) Drama (1998)
Italien La leggenda del pianista sull’Oceano (Die Legende vom Ozeanpianisten) Drama (1998)
Kroatien Halimin put (Halimas Weg) Drama/Kriegsfilm (2012)
Polen Krótki film o milosci (ein kurzer Film über die Liebe) Liebesdrama (1988)
Schweden Du Levande (Das jüngste Gewitter) Komödie (2007)
Spanien Mar Adentro (Das Meer in mir) Drama (2004)
Ukraine Povodyr Поводир Historischer Film (2014)
United Kingdom Hunger Drama (2009)
Weissrussland Idi i smotri Иди́ и смотри́ (Komm und sieh) Antikriegsfilm (1985)


Nordamerikanische Filme:

Kanada Incendies (die Frau, die singt) Thriller/Krieg/Drama (2010)
USA Hachiko Tierfilm (2009)
 
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Le Voyage d'Inuk (Inuk) Grönland Abenteuer (2010) flagge-groenland-wehende-flagge-15x22.gif

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Der Film Inuk wird bei IMDb lediglich mit 6,9 bewertet. Irgendwo kann ich die nicht so tolle Bewertung verstehen. Trotzdem denke ich, dass der Film einiges mehr an Wertschätzung und auch eine passabel höhere Bewertung verdient hätte.

Regisseur Mike Magidson hat ein vielschichtiges cineastisches Werk auf die Beine gestellt, welche auf diversen Ebenen angelegt ist.

Die Schönheit Grönlands ist überragend eingefangen. Die Natur ist ergreifend schön, genauso wie die Filmmusik. Diese 2 Faktoren helfen dem Film, keine Frage.

Die Geschichte an sich ist wenig spektakulär, die Dialoge sind karg und aufs Nötigste runtergefahren, fast wie ein filmischer Peter Bichsel.

Allerdings: in diesem Film gibts philosophische Trouvaillen zu entdecken, die unscheinbar daherkommen und doch so wahr und tief sind.

Das Drehbuch fand ich nicht überall ganz stimmig, die Figuren sind oft nicht perfekt herausgearbeitet. Hier liegt wohl der Schlüssel zur niedrigen Bewertung. Allerdings ist die Frage, ob man damit dem Film nicht Unrecht tut, denn vermutlich fährt der Film sehr bewusst eine sich aufs wesentlich beschränkende, karge Schiene. Es ist ein Film, der auf den Moment setzt, der nicht alles vom Hundersten ins Tausendste erklären will, aber dort, wo es was aufzuklären gibt, der vermeintlichen Nachfrage Folge leistet.

Erzählt wird die Geschichte von der beeindruckenden Heimleiterin Aviaaja.

Inuk, ein Inuitjunge, der in Uummannaq geboren wurde, hat seinen Vater Kivioq früh verloren. Als Inuk sehr krank war, wollten ihn sein Vater und seine Mutter auf dem Schlitten nach Nuuk ins Spital bringen. Das Eis war schon brüchig und als der Vater wiedermal testen wollte, ob das Eis noch genug stark war, brach er ein und verschwand vor den Augen des kleines Sohnes und seiner Frau im Eis.
Inuks Mutter schaffte es alleine mit dem Jungen in die Stadt und Inuk überlebte.

In Nuuk verkauft Inuk Geschnitztes von einem Eisbärjäger, der früher Schamane war.

Es erstaunt, wie modern diese Stadt Nuuk daherkommt: Supermarkts, Busse, Musik aus Kopfhörern. Inuks Mutter muss sehr gelitten haben. Sie hat sich dem Alkohol zugewandt und bechert mit ihren Kumpels.

Inuk ist einsam und sichtbar überall unerwünscht. Als er in einem Auto Wärme sucht und einschläft, wird er von der Polizei geschnappt.

Es wird entschieden, ihn nach Ummannaq und in ein Kinderheim zu bringen. Aviaaja reist mit ihm. Sie arbeitet im Heim mit. Die Stätte ist modern eingerichtet. Inuk lernt die sympathische Naja kennen. Die zwei sind sich sofort sympathisch. Minik wohnt auch im Heim. Auch er trägt viel Schmerz in sich und manchmal kann er ihn nicht mehr unterdrücken und wird dann überaus agressiv.

Inuk lernt Ikuma kennen, einen erfahrenen Robbenjäger. Ikuma ist ein verbitterter Mann, der sich mit dem Klimawandel nicht anfreunden kann, sich an Vergangenem festhält und am Leben leidet. Er greift des öfteren zur Flasche.

Da Ikuma immer knapp bei Kasse ist, werden er und andere überredet, mit dem Heim einen Hundeschlittenausflug zu machen und den Kindern etwas über das Leben in der Natur beizubringen. Ikuma kauft sich mit dem Geld ein neues Gewehr mit Zielfernrohr. Mit dem alten Gewehr hatte er nichts mehr getroffen.

Am Abend sitzt man zusammen und Unatok erzählt, wie er als 11-jähriger seine erste Robbe erlegte. Ikuma soll gar einen Eisbären erlegt haben.

Ikuma passt auf Inuk auf und bringt ihm bei, wie man mit Schlittenhunden umzugehen hat. Er klärt auf, wie das Eis in den letzten Jahren immer schlechter geworden wäre.

Als Ikuma und Inuk zusammen arbeiten, stellt sich raus, dass Ikuma Inuks Vater Kivioq kannte und wusste, wie er damals umgekommen war. Inuks Mutter sei damals unglaublich stark gewesen.

Ikuma legt Wert darauf, Inuk beizubringen, dass man auf dem Eis nur weiterkomme, wenn alle einander helfen. Inuk verwendet Kivioqs Peitsche und Ikuma lässt Inuk den Schlitten übernehmen und bringt ihm die Robbenjagd bei.

Inuk und Naja haben es gut zusammen. Inuk fragt nach, wieso sie im Kinderheim wohne. Ihre Eltern hätten immer Streit gehabt und eines nachts sei alles ruhig gewesen. Danach hätte sie ihre Eltern nie mehr wieder gesehen.

Ikuma fragt Inuk, ob er in Naja verliebt sei. Ja, es könne sein, sagt Inuk, aber es mache ihm mehr Spass, Schlitten zu fahren.

Wieder betrinkt sich Ikuma und stürzt sich in der Nacht ohne Grund auf Inuk.

Am Morgen sucht man Inuk vergebens. Er hat sich einen Schlitten und ein Rudel Schlittenhunde genommen und ist aufs Eis gefahren. Nach einem Halt bindet er die Hunde los, was seine Lage aussichtslos macht. In der Nacht zündet er seinen Schlitten an und am Tag entledigt er sich einiger seiner Kleider. Offenbar mag er nicht mehr.

Ikuma hat sich, wohl von schlechtem Gewissen geplagt, auf die Suche nach Inuk gemacht.
Zuerst findet er die Peitsche von Kivioq. Schliesslich findet Ikuma Inuk tatsächlich, gibt ihm die Peitsche. Plötzlich versinkt Ikuma im Eis und Inuk rettet ihn.

Ikuma ist durchnässt, weiss aber, wo es eine Hütte gibt und die Zwei schaffen es tatsächlich, diese zu erreichen. Beim Gespräch erzählt Ikuma von seinen Schwierigkeiten mit dem Umbruch auf Grönland. Er habe es nicht geschafft, sich anzupassen und habe angefangen, zu trinken. Irgendwann haben ihn dann seine Frau und sein Sohn verlassen und seien nie mehr zurückgekommen.

Inuk gebe ihm das Gefühl, etwas Wert zu sein. Dafür möchte er ihm danken.

2 Tage nachdem die Kinderheimgruppe zurückkam, hörten sie von einem Jäger, dass er Inuk und Ikuma südlich des Jagdgebietes gesehen hat.

Aviaaja schreibt Inuks Mutter, dass sie denkt, dass Inuk die Welt in der sie alle leben würden, verstanden hätte, mit all den Herausforderungen. Er wisse jetzt, dass Eis mehr als nur ein Wort sei, und sei sich sicher, dass Inuk die Spuren der Vorfahren nicht mehr aus den Augen verlieren werde.

Inuk schnitzt währenddem in der Wildnis für seine Mutter. Für die Jagd benutzt Ikuma wieder sein altes Gewehr ohne Zielfernrohr. Als er eine Robbe sieht, legt er an und trifft.
Inuk eilt zur Robbe, um sie zu holen......

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Die im Film gezeigten Kinder stammen wirklich aus dem Kinderheim in Uummannaq. Bei der Sozialarbeiterin, welche im Film mitspielt, handelt es sich um Ann Andreasen. Sie leitet das Kinderheim in Uumannaq auch im richtigen Leben.

Es gibt im Film ein paar wirklich gute Sätze, welche mir besonders schön in den Ohren klangen:

Aussenstehende wundern sich oft, dass wir so verschiedene Wörter für das Eis haben, aber für uns Inuit ist Eis mehr als ein Wort. Es ist unsere Seele......

Das Eis spricht zu ihm und er antwortet...

Wann sind wir da? Ganz einfach: wir werden da sein, wenn wir da sein werden. ...

Ein alter Schamane hätte mal gesagt: man selbst zu sein und gleichzeitig ein Teil der Welt, welche einen umgebe, sei das, was unsere Identität ausmacht. Doch was geschieht mit uns, wenn sich die Welt, die uns umgibt, sich allmählich auflöst?

Mir hat der Film überaus gefallen. Kompliment an alle, welche da mitgeholfen haben, das Werk zu realisieren.

Inuk - trailer

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Shackleton Südpol Abenteuer (2002) flag antarctic (Copy) (Copy) (Copy) (2).png

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Der zweiteilige Film Shackleton zeichnet im Wesentlichen die tatsächliche Antarktis-Expedition der Jahre 1914 bis 1917 von Sir Ernest Henry Shackleton und seiner Mannschaft nach. Ziel der Expedition war es, die Antarktis mit dem Schiff Endurance zu erreichen und diese dann von der Vahsel-Bucht ausgehend bis zur Rossmeer Basis im Mc Murdo-Sund zu durchschreiten. Die Expedition war insofern logistisch zusätzlich anspruchsvoll, als auf der Rossmeer-Seite Depots angelegt werden sollten, welche für das Gelingen der Expedition lebenswichtig waren.

Für die Regie als auch für das Drehbuch des Abenteuerstreifens war Charles Sturridge besorgt. Soweit ich das recherchieren konnte, fiel mir auf, wie akribisch genau die Filmdarstellung mit den wahren Ereignissen übereinstimmt.

Sir Ernest Shackleton war schon bei der Discovery-Expedition 1903 des berühmten Robert Falcon Scott (demjenigen, der sich später mit Roald Amundsen später ein Wettrennen lieferte, wer zuerst den Südpol erreichte) dabei, allerdings wurde er damals wegen angeblicher Dienstuntauglichkeit nach Hause geschickt.
Als Leiter der Nimrod-Expedition kehrte Shackleton wieder in die Antarktis zurück und stellten einen neuen Rekord auf, als sie bis 88 23'S gelangten und so, nur noch 180 km vom Südpol entfernt, wieder umkehren mussten.

In der Zwischenzeit hatte Amundsen den Südpol "erobert" und nachdem Shackletons Vorträge nicht mehr gefragt waren, befasste sich Shackleton nun ernsthaft mit dem neuen Plan der Durchquerung der Antarktis.

Um dem Unternehmen Leben einzuhauchen, nannte er dieses etwas hochtrabend "Imperial Trans-Antarctic Expedition".


geplante Route der Durchquerung (hellblaue Linie):

Shackleton_Endurance_Aurora_map2.png

tatsächliche Route:

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Für die Expedition wurden 60000 Pfund budgetiert. Die Suche nach Geld gestaltete sich nicht einfach. Schlussendlich erhielt er von der Regierung 10000 Pfund, von der Royal Geographical Society eigentlich nur 500 Pfund, Dudley Docker rückte 10000 Pfund heraus, die unternehmungslustige Janet Stancomb-Wills unterstützte Shackleton mit einem Beitrag, dessen Höhe man nie herausfand, aber substanziell gewesen sein soll und besonders die 24000 Pfund von Sir James Caird sicherten endgültig die Finanzierung.

Shackleton kaufte einem Belgier das Schiff Polaris ab und taufte es in Endurance um.

In Europa überstürzten sich damals die politischen Ereignisse. Am 28.7.1914 erklärte Oesterreich-Ungarn Serbien den Krieg. Als Shackleton unsicher ist, ob man die Expedition trotzdem durchführen soll, erhält er von Winston Churchill die Meldung: proceed (weitermachen). Offensichtlich hatte Shackleton aus Scotts Fehlschlag gelernt, denn er hatte 69 Schlittenhunde aus Alaska organisiert. Bei der Verabschiedung stösst seine Frau Emilie auf die Maitresse Rosalind (welche in Tat und Wahrheit Rosalind Chetwynd war, und mit der Shackleton ein langjähriges Techtelmechtel hatte), was zu gewissen innerfamiliären Verwerfungen führte.

Jedenfalls trifft Shackleton am 13.10.1914 in Buenos Aires ein. Dort steigen der Fotograf Hurley und der
Matrose Bakewell dazu. Der Waliser Blackborow wird zunächst als zu jung abgelehnt, schafft es snrt als "Blinder Passagier" doch noch aufs Schiff.

Am 5.11.1914 erreicht man die Grytviken Walfang Station, Südgeorgien. Am 5.12.1914 bricht die Endurance
Richtung Antarktis auf. Zunehmend hat man mit Packeis zu kämpfen. Als man schon hinter Coats Land fährt, sieht man eine geschützte Bucht. Shackleton lehnt eine Landung mit der Begründung ab, dass ihn dies zusätzliche 200 Milen Schlittenfahrt kosten würde. Eine Entscheidung, welche ihm später noch leid tun wird.

Jedenfalls fährt man ins Packeis, entscheidet sich, Kohle zu sparen und zu stoppen. Zuerst wehrt man sich, versucht sich freizuschaufeln, was aber nicht gelingt. Man findet sich ab, im Eis zu verharren. In der Folge beginnt das Eis, gegen das Schiff zu drücken. Auf der Endurance lässt man sich nicht unterkriegen, veranstaltet Theatervorstellungen und hält tägliche Routinen ein. Dennoch: das Packeis ist unerbittlich und die Lage der Endurance wird immer ungemütlicher. Die Rationen werden auf die Schlitten gebracht. Schliesslich können die Planken der Endurance den Druck nicht mehr aushalten. Wasser dringt ein. Die Crew bringt die Rettungsboote und Proviant in Sicherheit. Schliesslich verlässt man das Schiff, nicht ohne immer wieder zurück zu kehren und soviel es irgendwie geht, an Proviant und wichtigen Gütern zu retten.

Man richtet sich auf einer Scholle ein, holt auch noch das 3. Rettungsboot. Die Endurance sinkt. Zudem wird das Essen langsam knapp. Schliesslich ist man gezwungen, sogar die Hunde zu schlachten.

Eigentlich wollte man zur Robertson Insel, aber man driftet auf der Scholle immer weiter von ihr weg. Schliesslich will man sich zur Elephant Island durchschlagen. Die drei Rettungsboote heissen James Caird, Dudley Docker und Stancomb Wills. Perce Blackborow sind die Zehen abgefroren. Trotzdem gibt man ihm die Ehre, Elephant Island als Erstem zu betreten. Die Leute sind erschöpft. Der Zimmermann Harry "Chippy" McNish, der sich früher Befehlen widersetzte, bessert sein Image auf, indem er die James Caird aufpeppt. 6 Leute sollen sich nach Südgeorgien durchschlagen und Hilfe holen. Frank Wild wird zum Chef der verbleibenden Leute auf Elephant Island bestimmt.

Die Leute, die sich in die James Caird setzen sind: Shackleton, McNish, Mc Carthy, McLeod, Hudson, Vincent. Die Reise ist gefährlich. Man gelangt in rauhes Meer und hat mehrmals Glück.

In England bittet Rosalind Shackletons Frau um Vergebung. Es ist ein seltsames Gespräch, das unter die Haut geht.

Die Leute im Boot schaffen es trotz mitunter hohem Wellengang, James Caird auf Südgeorgien zu landen. Allerdings auf der falschen Seite der Insel. Man lässt 3 Leute zurück und 3 versuchen, sich zur anderen Seite durchzuschlagen. Das Ganze ist nicht risikolos, aber es gelingt. Danach holt man zuerst die 3 Jungs auf der anderen Seite der Insel ab.

Die Jungs auf der Elephant Insel abzuholen, gestaltet sich deutlich schwieriger. Nicht weniger als 4 Anläufe braucht es, bis man endlich auf Elephant Island gelangen kann. Zwar musste man dort Blackborow die Zehen amputieren, aber alle sind noch am Leben.

Zusammen fährt man nach Punta Arenas, Chile, wo die Jungs begeistert empfangen werden.

Schliesslich fährt man England, wo sich innerhalb von 3 Monaten der grösste Teil der Mannschaft an der Front befindet.

Shackleton wird im Jahr 1922 noch ein letztes Mal in die Antarktis aufbrechen. Begleitet wird er von 8 Männern, welche schon bei der Endurance-Expedition dabei waren: Frank Wild, Frank Worsley, James McIlroy, Alexander Macklin, Charles Green, Leonard Hussey. Alexander Kerr, Thomas McLeod.

Beim Eintreffen des Schiffs in Südgeorgien stirbt Sir Ernest Shackleton an einem Herzinfarkt.

Auf Anweisung seiner Frau wurde Shackleton auf dem Friedhof der Walfangstation in Gudviken beerdigt.

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Wie schon erwähnt, hat man hier die historischen Begebenheiten glänzend aufgearbeitet und einen eindrücklichen Film auf die Beine gestellt. Besonders überzeugen die Aufnahmen der Polarregion, welche aber IMDb zufolge nicht aus der Antarktis stammen, sondern aus Grönland oder Island.

Die Rückkehr von Shackleton nach England war keine triumphale. Seine Ankunft in England soll kaum wahrgenommen worden sein.

Tim McCarthy und Alfred Cheetham sind beide in Kämpfen des 1. Weltkriegs gefallen. Ernest Wild (von der Crew im Süden, welche die Depots anlegte), soll während seines Militärdienstes an Typhus gestorben sein.

Kein Zweifel, all diese Männer haben einiges bei dieser Expedition riskiert und ein guter Ausgang war ungewiss. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass Shackleton bei seinen Leuten (von 1-2 Leuten zwischenzeitig abgesehen) einen guten Ruf genoss. Man nannte ihn "Boss", was aber offenbar eher liebevoll gemeint war.

Dass es Shackleton gelang, seine ganze Mannschaft lebend wieder nach Chile zu bringen, war wohl eine der beeindruckendsten Rettungsleistungen ever. Dazu brauchte es mit Sicherheit einen starken Leader, der Shackleton zweifellos war, aber auch eine charakterstarke Crew, welche Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden konnte und bestimmt auch eine gehörige Prise Glück.

Diese jeweiligen Antarktisexpeditionen sind im Normalfall historisch gut erfasst und es gibt da eine Menge Material im Internet.

Sowohl der Film, als auch die Recherche, haben hier richtig Spass gemacht, auch wenn der Film mit Total 3 Std. und 26 min. Laufzeit für beide Teile nicht gerade kurz ausfiel.

shackleton 2002 - trailer - engl.


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Incendies (die Frau, die singt) Kanada Thriller/Krieg/Drama (2010) flagge-kanada-wehende-flagge-15x23.gif

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Der frankokanadische Regisseur Denis Villeneuve hat mit dem Film Incendies ein anspruchsvolles und vielschichtiges Meisterwerk abgeliefert.

Der Film wurde für den Oscar nominiert. Meines Erachtens zu Recht. Villeneuve fordert dem Betrachter/der Betrachterin einiges ab. Seine diversesten Zeitsprünge sind so verwirrend, wie die äusserliche Aehnlichkeit von Jeanne Marwan und Nawal Marwan. Zudem wird der ahnungslose Zuschauer etwas im Unklaren gelassen, wo die Geschichte im Nahen Osten genau spielt (in Tat und Wahrheit ist es wohl der Libanon).

Seltsamerweise würde ich trotzdem den am Film Interessierten raten, KEINE Besprechungen zu lesen, sich NICHT über den Film zu informieren und ihn einfach zu geniessen. Glauben Sie mir, die Chance ist sehr gross, dass dies kein Reinfall wird.

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Wer trotzdem gerne etwas über den Film erfahren möchte, darf natürlich trotzdem gerne weiterlesen.

Grundlage des Filmes sind eigentlich Teile der Lebensgeschichte der Libanesin Souha Fawaz Bechara, welche sie im Jahr2000 unter dem Titel Resistante auf französisch herausgab. Im Jahr 2001 erschien das Buch beim Hugendubel-Verlag unter dem Titel "Zehn Jahre meines Lebens für die Freiheit meines Landes". Der libanesisch-kanadische Schriftsteller Wajdi Mouawad machte daraus 2003 ein Theaterstück, welches schon Incendies hiess. Diese Vorarbeit nutzte Denis Villeneuve, um 2009 den Film Incendies in französischer Sprache zu drehen.

Die vielen Zeitsprünge machen es nicht einfach, den Film inhaltlich wiederzugeben, aber schiessen wir los:

Nawal Marwan ist in Kanada verstorben. Ihr Testament wird durch den Notar Jean Lebel verlesen, bei dem sie 18 Jahre lang als Sekretärin arbeitete.

Nawal vermacht ihren gesamten Besitz ihren Kindern, den Zwillingen Jeanne und Simon Marwan. Das Geld werde zu gleichen Teilen aufgeteilt. Den Rest so, wie sie es sich wünschten und sich einigen.
Sie möchte nackt ohne einen Sarg bestattet werden und auch ohne Gebete. Das Gesicht nach unten, von der Welt abgewandt. Keine Inschrift, keinen Grabstein, keine Inschrift für jene, die ihre Versprechen nicht halten.

An Jeanne: Notar Lebel wird Dir einen Umschlag geben, dieser Umschlag ist für Euren Vater bestimmt, finde ihn und gib ihm den Umschlag.

An Simon: Der Notar wird Dir einen Umschlag geben. Dieser Umschlag ist für Euren Bruder bestimmt, finde ihn und gib ihm den Umschlag.

Wenn beide Umschläge ihrem Empfänger ausgehändigt worden sind, werdet ihr einen Brief erhalten. Das Schweigen wird gebrochen und ein Versprechen wird eingelöst und ihr könnt einen Stein auf mein Grab setzen, der meinen Namen in das LIcht der Sonne trägt.

Simon und Jeanne wissen nichts von einem Bruder. Jeanne sagt, ihr Vater wäre im Krieg erschossen worden, aber der Notar Lebel hält dies für eine unbekannte Variable.

Simon verhält sich defensiv, während Jeanne neugierig ist und der Sache auf den Grund gehen will.

Sie reist in den Nahen Osten auf Spurensuche.

Nawal war schwanger, als ihre Brüder den Geliebten und Vater ihres Kindes umbrachten. Er war Muslime und wurde als Beschmutzer der Familienehre angesehen. Der Sohn wird mit 3 Punkten am rechten Fuss tätowiert, ihr weggenommen und in ein Waisenhaus gesteckt. Nawal studiert, wird politisiert. Sie sucht ihren Sohn, kann ihn aber nicht finden. Bei einem Ueberfall auf einen Bus, kann sie sich retten, indem sie sich als Christin zu erkennen gibt.

Sie heutert bei einem wichtigen Politiker an, wo sie als Französisch-Lehrerin für ein Kind tätig ist. Sie nutzt das Vertrauensverhältnis aus und erschiesst den Politiker, landet in einem berüchtigten Gefängnis.

Jeanne findet das Frauengefängnis auch. Man zeigt ihr dort sogar die Zelle 72, in der sie sass. Man habe alles getan, um die Frau zu brechen. Es sei niemandem gelungen. Sie wäre im Gefängnis bekannt gewesen, als "die Frau, die singt", denn sie hätte immer gesungen.

Im Gefängnis wäre ein berüchtigter Folterer gewesen: Abou Tarek. Er hatte Nawal auch vergewaltigt und diese wurde schwanger. Man habe gewartet, bis sie im Gefängnis entbunden habe und sie erst dann entlassen.

Jeanne informiert Simon, dass die Mutter im Gefängnis war und vergewaltigt wurde. Den Bruder habe sie wohl im Gefängnis gekriegt, sie brauche ihn, Simon, jetzt hier.

Simon reist tatsächlich mit Notar Lebel in den Nahen Osten.

Man findet heraus, wer damals die Hebamme war und findet sie. Die Hebamme führt aus, dass Nawal ......Zwillinge bekommen habe.....

Die Suche konzentriert sich nun auf Abou Tarek, aber man findet keine Sterbensurkunde. Immerhin kriegt man raus, dass ihr vermisster Bruder Nihad heisst.

In einer Geheimdienstaktion wird Simon an einen unbekannten Ort gebracht. Ihm wird eröffnet, dass Nawal ihnen geholfen habe, so werde man ihm jetzt auch helfen. Man habe Nihad aus dem Kinderheim geholt und ihn auf den Krieg vorbereitet. Er sei ein exzellenter Schütze gewesen. Er war ein Sniper, hätte auf alles geschossen. Eines Morgens habe man ihn gefangen und umerzogen, dann hätte man ihn in ein Gefängnis gesteckt...... als Folterer......

Simon und Jeanne können 1 und 1 zusammenzählen oder wie simon meint: 1 und 1 gibt 1......

Als Folterer wäre Nihad zum Abou Tarek geworden. Er lebe jetzt in Kanada....

In einer Rückblende sieht man Nawal schwimmen gehen. Dort sieht sie einen Mann mit dem Tatoo. Es ist ihr Sohn Nihad/Abou Tarek, der gleichzeitig Sohn und Vergewaltiger war. Sie erleidet einen Schock.

In Kanada finden Simon und Jeanne Abou Tarek.
Sie überreichen ihm zwei Briefe, welche Nawal vor ihrem Tod schrieb.
in einem schreibt Nawal an den Vater Abou Tarek.
im anderen schreibt Nawal an den Sohn Abou Tarek.

Vermutlich habe ich eh schon zuviel vom Film Preis gegeben, aber was in den zwei Briefen stand, verrate ich nicht.

Es erinnert mich in der Qualität an den Brief aus Happy Times, dem chinesischen Beitrag der Serie.

Wer kann hier wie dort so etwas Wunderbares, Grossartiges schreiben?
Ich war am Ende des Filmes sprachlos. Was für ein Meisterwerk!

Grosses Dankeschön an alle, welche da mithalfen, diesen eindrücklichen Film auf die Beine zu stellen!

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Souha Behara hatte 1988 versucht, den Oberbefehlshaber der von Israel ausgehaltenen Südlibanesischen Armee, Antoine Lahad, zu erschießen, und wurde daraufhin zehn Jahre in dem Gefängnis Khiam festgehalten.

Antoine Lahad überlebte schwer verletzt. Sucha hatte sich als Aerobic-Lehrerin von Lahads Frau in die Familie eingeschmuggelt. Ihre Zellennummer war 7.


Incendies - trailer französisch (engl. subs)

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Hachiko USA Tierfilm (2009) flagge-vereinigte-staaten-von-amerika-usa-wehende-flagge-15x23.gif

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Hachiko ist ein Remake des japanischen Films "Hachikô monogatari" von Seijiro Koyama aus dem Jahr 1987.

Allerdings haben meine Recherchen ergeben, dass es auch schon im Jahr 1925 einen japanischen Film unter der Leitung von Kiyoshi Masamoto gegeben haben soll. Leider konnte ich diesen Film nicht finden. Jedenfalls gabs die angeführten Schauspieler tatsächlich und sie passen auch in jene Zeit. Dieser frühe Film ist darum so bemerkenswert, weil der Professor Hidesaburo Ueno bekanntlich am 21.5.1925 starb.

Die beiden Hachiko-Filme von 1987 und 2009 beruhen im Wesentlichen insofern auf Tatsachen, als es jeweils tatsächlich einen Akita-Hund namens Hachiko gab, der jahrelang treu auf seinen Herrn an einem Bahnhof wartete, nachdem Herr Ueno schon längst verstorben war.

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In der Schule sollen die Schüler Vorträge zum Thema "mein persönlicher Held" halten. Der junge Ronnie erzählt seiner Klasse die Geschichte von Hachiko, dem Hund seines Grossvaters Parker Wilson. Alle hätten ihn Hachi genannt.

Der Hund Hachiko wird in einem Holzkäfig aus Japan in die USA verschickt. Hachi tauchte am Bahnhof der Stadt, in der sein Opa wohnte, auf. Der Bahnhof heisst Bedridge Station.
Ein Arbeiter zieht eine sich auf Rollen bewegende Ladebühne. Der Holzkäfig mit Hachi fällt runter, der Käfig öffnet sich und Hachi ist frei. Zufällig kommt der Musikprofessor Parker Wilson vorbei, sieht das Hundewelpen und will es beim Bahnhof abgeben. Allerdings will der Bahnhofsbeamte es nicht aufnehmen und schlägt vor, das Hündchen doch bei sich aufzunehmen und ihn am nächsten Tag ins Tierheim zu bringen. Parker bekommt ein schlechtes Gewissen und nimmt Hachi mit nach Hause. Seine Frau ist vom neuen Gast nicht sehr begeistert. Die Tochter Andy, welche einen Freund hat, der Michael heisst, mag das Welpen allerdings.

Am nächsten Tag fährt Parker wirklich zum Tierheim. Dort bietet man ihm an, den Hund lediglich für 2 Wochen aufzunehmen. Parker bringt Anschläge an, worin er den Besitzer des Hundes sucht. Allerdings bleibt die Suche ohne Erfolg und auch am Bahnschalter meldet sich niemand.

Ein Japankenner steckt Parker, dass der Hund aus einer Präfektur aus Zentraljapan stammt. Es sei ein Akita, eine ganz spezielle Rasse. Hachi heisse acht und sei in Japan eine Glückszahl. Die spirituelle Bedeutung der Zahl acht sei die Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Akitas sind sehr stolze Hunde und gelten als stur. Vom Apportieren hält Hachi zunächst nichts und alle Erfolge von Parker bleiben erstmal vergeblich. Als Parkers Frau sieht, wie gerne Parker den kleinen Hund hat, willigt sie ein, dass Hachi von nun an bei ihnen lebt.

Hachi wird grösser und entwickelt eine grosse Liebe zu Parker, genauso wie umgekehrt auch. Hachi beginnt, Parker am Bahnhof abzuholen. Immer um 17.00 Uhr wartet Hachi auf Parker.

Als Michael zu Besuch kommt und auch er erfolglos versucht, dass Hachi apportiert, sagt ihm Parker, dass Akitas nicht darauf aus seien, zu gefallen. Sie seien nicht käuflich. Wenn ein Akita apportiere, mache er das aus einem bestimmten Grund.

Michael und Andy heiraten.

Parker und seine Frau Cate haben es gut zusammen. Hachi ist längst Bestandteil der Familie geworden. Die Tochter Andy ist auch glücklich mit Michael, wird mit Ronnie schwanger. Alles erscheint bestens.

Eines Morgens will Hachi Parker nicht gehen lassen. Er verhält sich seltsam, apportiert sogar. Parker ist etwas durcheinander, kann sich das Verhalten von Hachiko nicht erklären.

Während einer Vorlesung erleidet Parker einen Herzinfarkt und stirbt.

Hachi wird vergeblich auf seinen Herrn warten. Michael holt ihn am Bahnhof ab.

Cate verkauft das Haus und zieht von Bedridge weg. Hachi zieht zu Andy, welche ihn sehr liebt. Aber Hachi büxt aus und wartet immer um 17.00 am Bahnhof auf Parker. Nachdem er festgestellt hat, dass in dem Haus von Parker jetzt andere Leute eingezogen sind, lebt er nur noch am Bahnhof, wo er mittlerweile schon bekannt ist. Ein Zeitungsmann wittert eine Story, schiesst Fotos und eine Reportage über Hachi erscheint.

Von da an wird Hachi ein bisschen zur Attraktion und man sammelt auch Geld für ihn.

10 Jahre wird Hachi am Bahnhof auf Parker warten. Cate besucht ihn, genauso wie Parkers Grab.

In einer Szene erinnert sich Hachi an die Zeit mit Parker wie in einem Traum und wacht nicht mehr auf.

Ronnie bringt seinen Vortrag zu Ende: Er hätte seinen Opa nie kennengelernt. Er starb, als ich noch ein Baby war. Aber wenn ich die Geschichten über ihn und Hachi höre, ist er mir ganz nahe. Durch sie weiss ich, was Treue bedeutet und dass man nie jemanden vergessen sollte, den man geliebt hat. Deshalb werde Hachi für immer und ewig sein Held sein.

Am Ende sieht man, dass Ronnie auch ein Hündchen hat. Er nennt es.... Hachi...

Abspann:

Der echte Hachiko wurde 1923 in Odate geboren. Als sein Herrchen Dr. Hidesaburo Ueno , ein Professor an der Universität Tokio, im Mai 1925 starb, wartete Hachiko neun Jahre lang täglich am Bahnhof auf ihn. Hachiko starb am (8.)März 1934.(1935) (kursiv: die Daten sind von mir. Wikipedia und der Spiegel nennen als Todesdatum den 8.3.1935.)

Heute steht eine Bronzestatue von Hachiko vor dem Shibuya-Bahnhof in Tokio. Dort, wo er immer gewartet hat.

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der echte Hachiko:

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Nun, ich hatte den 1987er Hachiko-Film in der Pipeline und überlegte mir, ihn damals für Japan starten zu lassen. Er schied knapp gegen Nobody knows aus. Beide Hachiko-Filme waren auf meiner cineastischen To-do Liste. Bin froh, habe ich Hachiko für die USA ausgewählt. Es gab diverseste andere Optionen.

Die Treue des Hundes hat mich tief bewegt. Je nachdem, wie man aufgestellt ist, sollte man sich bei diesem Film Taschentücher bereit halten. Es gibt ein Video von Richard Gere, der hier neben den 4 Filmhunden die Hauptrolle spielt, wo er ausführt, dass er beim Lesen des Drehbuchs wie ein Baby geweint habe. Ich kann ihn verstehen.

Nachdem ich als Kind von einem Hund gebissen wurde, wollte ich nichts mehr von Hunden wissen und hatte immer Respekt. In Brasilien änderte sich das. Wir hatten dort nacheinander 2 Hunde: erst Leao, dann Chanel. Ich hätte im Leben nicht daran gedacht, dass ich Hunde jemals so gern bekommen könnte. Beide Hunde waren aussergewöhnlich. Wenn ich in die Stadt fuhr, habe ich ihr Wehklagen noch sicher 30 m weit gehört. Als ich zurückkam, war so eine ehrliche Freude zu spüren, was einfach herzerwärmend war.
Einmal, als ich wirklich traurig war und auf dem Bett lag, sprang Chanel aufs Bett und hielt mir eine Tatze auf die Schulter. Wenn ichs nicht selbst erlebt hätte, würde ich das nicht glauben.

Leao und Chanel haben mich alle beide vieles gelehrt. Hunde können vor allem echte Freunde sein, amigo verdadeiro....... Hachiko ist vor allem ihnen gewidmet. Ich werde die 2 nie vergessen.


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Hachiko - trailer - english

Hachiko 2009 - full - spanisch

Hachiko 1987 - jap. m. span. subs.

Hachiko Doku jap. 1. Teil
Hachiko Doku jap. 2. Teil
Hachiko Doku jap. 3. Teil
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Grundsätzlich habe ich für den Rest der Serie auch schon für Europa alle Filme bereit.
Für Polen war der Pianist von Roman Polanski vorgesehen. Habe den Film aus dem Grund rausgekippt, weil ich schon ein paar Filme habe, welche aus der Nazizeit stammen und das Thema nicht überfrachten wollte.

Bei der Suche nach einem guten Film aus Polen bin ich auf das Werk Krótki film o milosci von Regisseur Krzysztof Kieslowski gestossen, welches immer wieder in den Bestenlisten der polnischen Filme auftaucht.

Der Film ist stimmungsmässig wie ein Wechsel von E-moll zu A-moll. Der Zuschauer wird mit einer seltsamen Melancholie konfrontiert, mit Bitterkeit, Schmerz und einem Rest von Liebe, die sich in diesem düsteren und dunklen Werk schliesslich doch ans Licht kämpft. Dargereicht mit einer milden und sanften Brise Poesie, welche durch den Film weht.

Gleich zu Beginn kommt ein einbandagierter Unterarm ins Bild, eine Hand, welche ihn berühren will und eine andere, welche diese Hand fest- und zurückhält. Der bandagierte Arm gehört zu einem Jungen, der im Bett liegt.

Tomek ist 19 Jahre alt. In einem Waisenhaus aufgewachsen, kann er sich zwar an seine Geburt erinnern, nicht aber an seine Eltern. Wurzellos ist er und sanft, ehrlich, aber ohne Halt. Er arbeitet auf der Post und wohnt bei seiner Gotte, deren Sohn Marcin abwesend ist. Während dieser Zeit darf Tomek bei ihr wohnen und die Gotte ist dankbar dafür. Sie mag nicht allein sein und wünscht sich, dass Tomek sesshaft bleibt.

Wie schon Marcin vorher, beobachtete auch Tomek mit einem Opernglas eine überaus hübsche Nachbarin, die im gegenüberliegenden 0815 Wohnblock im Appartment 376 wohnt. Mittlerweile hat Tomek dieses gegen ein veritables Fernglas eingetauscht. Immer um 20.30 h klingelt sein Wecker und er spioniert die Frau aus, wird Zeuge deren Lebens, ihrer Liebschaften. Es ist eine Abwechslung in seinem eintönigen, kargen Leben, welches keinen Platz für Emotionen lässt. Tomek ist ein Junge mit gutem Herz, welches ihm aber nicht viel nützt. Er ist ein Rad im Getriebe und bleibt gefühlsmässig liegen. Sein Fernglas ist sein Schlüssel zu einer anderen Welt, welche real und doch unwirklich ist.

1 Jahr spioniert er schon hinter der Frau her, weiss ihre Telefonnummer, kennt ihre Lover, die kommen und gehen.

Als wiedermal ein Lover auftaucht, meldet er eine kaputte Gasleitung in Appartment 376. Durchs Fernglas sieht er, wie die Serviceleute eintreffen, das Liebesspiel unterbrochen wird. Um näher bei ihr zu sein, nimmt er die Stelle als Milchauslieferer an.

Als Tomek seine Nachbarin weiterhin beobachtet, bekommt er einen Streit mit einem Lover mit. Sie weint und verschüttet Milch. Es ist ein wunderbares, geniales Bild, welches Kieslowski da verwendet. Das Weinen über verschüttete Milch.....

Tomek fragt die Gotte, warum Leute weinen? Sie sagt, Menschen würden aus unterschiedlichen Gründen weinen: wenn jemand stirbt, man zurückbleibt, wenn man Situationen nicht mehr aushält. Marcin hätte mal Zahnweh gehabt. Er habe ein Eisen erhitzt und es gegen die Schulter gedrückt. Er habe so das Zahnweh vergessen.

Unser Held legt einen Abholschein ins Postfach des Appartments 376. Sie erscheint am Schalter. Schon zum zweitenmal bekommt sie Abholscheine und am Postschalter gibts dann nichts abzuholen. Sie wird beschuldigt, sich die Zettel selber geschrieben zu haben und hätte wohl betrügen wollen. Die Frau ist sauer und verlässt die Poststelle ungehalten.

Tomek bekommt ein schlechtes Gewissen, rennt ihr nach und gesteht, dass er die Abholscheine geschrieben habe. Er habe sie sehen wollen. Die Frau läuft weg und Tomek ruft ihr nach, er habe sie gestern weinen sehen. Die Frau kommt zurück, fragt ihn, wie er das wisse. Er sagt, er hätte sie ausspioniert. Die Frau fühlt sich zu Recht belästigt und lässt ihn das auch wissen. Als Tomek traurig vondannen zieht, bekommt sie Mitleid.

Die Frau steht am Fenster und hält nach Tomak Ausschau. Sie gibt Zeichen, er solle sie anrufen, was er auch macht. Sie hätte das Bett extra umgestellt, er solle Vergnügen haben. Sie bekommt Besuch und geht auch gleich zur Sache. Als der Liebhaber das Licht ausmacht, macht sies wieder an. Sie erklärt ihrem Lover von dem Spanner gegenüber.
Der Liebhaber geht nach draussen, fordert den "Pöstler" auf, runter zukommen, was Tomek auch macht. Er bekommt eine gezimmert.

Tomek verträgt weiterhin die Milch. Die Frau hat ihm abgepasst, will wissen, was er von ihr wolle. Tomek sagt, er liebe sie. Ob er Sex mit ihr wolle? Nein. Ob er mit ihr zu den Seen, nach Budapest gehen wolle? Nein. Später wird Tomek an die Tür der Frau klopfen und sie zum Kaffee einladen, was die Frau annimmt.

Im Restaurant will die Frau wissen, wie lange er sie schon ausspionieren würde? Was er mache? Die Frau glaubt nicht an die Liebe. Sie erzählt von einem Mann, der nach Australien gereist ist. Tomek kennt ihn auch und hat Briefe abgefangen, aber er wusste nicht, dass sie von ihm waren.

Die Frau wird sauer: Er würde sie bedrängen, bringe die Milch, sende falsche Abholscheine, schicke Gasarbeiter, halte Briefe zurück. Aber sie ist desillusioniert und wirft die Briefe bedeutungslos auf den Tisch.

Von sich selber hat die Frau keinen guten Eindruck. Sie sei eine schlechte Frau. Tomek ist das egal. Er liebt sie trotzdem. Sie gehen ins Appartment 376 und werden von der Gotte ausspioniert. Die Frau macht Tomek an. Dieser kommt zum Orgasmus. Salopp schickt ihn die Frau ins Badezimmer, nutzt diesen verletzlichen Moment aus. Tomek ist völlig durcheinander, rennt aus dem Haus.

Die Frau beginnt nun ihrerseits, Tomek mit dem Feldstecher auszuspionieren, gibt ihm Zeichen, dass er sie anrufen soll. Der aber geht ins Bad. Die Frau schreibt ein Schild: es tut mir leid, bitte komm zurück. Tomek schneidet sich die Pulsadern auf.

Tomek wird im Krankenwagen weggebracht. Die Frau klingelt bei Tomeks Wohnung, entschuldigt sich. Sie suche Tomek, er hätte seinen Mantel liegen gelassen, sie sieht das abgedeckte Fernglas. Die Gotte sagt, er wäre im Spital, es wäre nichts ernsthaftes. Sie sagt ihr, dass Tomek sich in sie verliebt habe. Sie solle ihn nicht besuchen.

Die Frau beginnt, Tomek zu vermissen. Vom Pöstler erfährt sie, dass sich Tomek aus Liebeskummer die Pulsadern aufgeschnitten habe.
Als das Telefon klingelt und sich niemand meldet, denkt sie, es wäre Tomek und sagt ihm, er habe Recht gehabt. Es stellt sich aber heraus, dass nicht Tomek am Draht war, dafür erfährt man endlich der Namen der Frau: Magdalena, Magda.

Magda beobachtet nun die Wohnung Tomeks. Sie sieht, dass er zu Hause ist und lächelt.
Später sucht Magda Tomeks Wohnung auf. Die Gotte stellt sich zwischen sie und Tomek, der im Bett liegt.

Nun kickt die erste Sequenz des Filmes wieder ein, als eine Hand versucht, einen Arm zu packen und eine andere Hand sie zurückhält.

Magda blickt durchs Fernrohr auf ihr Appartment 376. Wie im Traum sieht sie sich selber, kommt in die Wohnung zurück, holt die Milch und schüttet sie aus. Sie sieht sich selber, wie sie weint. Ein Mann erscheint. Es ist Tomek. Er legt ihr die Hand auf die Schulter. Die Beiden sind zärtlich zueinander. Magda schliesst sanft die Augen......

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Kieslowski hat mit dem Film schon ein Meisterwerk geschaffen und ich habs nicht bereut, dass ich nicht den Pianisten ins Rennen schickte.

Die Szene mit der verschütteten Milch ist ebenso genial wie die Leistung der beiden Hauptdarsteller:

Grazyna Szapolowska als Magda ist nicht nur ein Crush, sie spielt auch überragend, genauso wie Olaf Lubaszenko als Tomek.

Die Filmmusik war vom Feinsten. Dieses Klavierspiel war sehr stimmig und hat überaus gefallen.

Wenn man wissen will, was Liebe ausmacht, wie sie konditioniert wird, wie sie missbraucht oder eben auch gefördert wird, der hat mit diesem Film ein gutes Tool.

Dieses: was willst Du von mir? Nichts! war toll und vielleicht der Ursprung aller wirklichen Liebe.

Der Film war düster, der Block erinnerte an Hühnerbatteriehaltung. Die Unpersönlichkeit war schmerzvoll. Die Bilder wie gesagt, düster, dunkel. Das Fernrohr wirkte wie der dicke Strohhalm eines Ertrinkenden. Man möchte nicht wissen, wieviele Menschen einsam vor ihren Computern sitzen. Vielleicht wurden aus den Fernrohren in der Zwischenzeit halt Computer.

Besonders Magda hat im Film noch die Kurve gekriegt zu erkennen, was für sie wichtig ist. Der 19-jährige Tomek musste der Gesettelten Magda die Augen öffnen, dass sie nicht per se eine schlechte Person ist, sondern sich selber dazu machte. Sie hatte sehr wohl das Tool in sich, echt und wahrhaftig zu lieben. Manchmal brauchts ein Fernrohr um zu erkennen, wo die Wahrheiten dieser Welt liegen und Regisseur Kieslowski hat damit meisterhaft und lustvoll gespielt.

Danke an alle, welche dazu beigetragen haben, der Welt einen solchen Film zu schenken. Chapeau.

Krotki film o milosci - trailer - engl. subs.

Krotki film o milosci - full - polnisch - engl. subs.

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Idi i smotri Иди́ и смотри́ (Komm und sieh) Weissrussland Antikriegsfilm (1985) flagge-weissrussland-wehende-flagge-15x30.gif

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Elem Klimov hat mit Idi i smotri wohl wirklich einen der besten Antikriegsfilme ever realisiert. Es ist ein harter, brutaler, kompromissloser Film, der hier während 2 Stunden und 22 min auf den Betrachter hernieder prasselt. Das Werk ist dramaturgisch hervorragend angelegt, die Geschichte nimmt zunehmend Fahrt auf und gipfelt in einem furiosen Finale des Schreckens. Klimov lässt dem Zuschauer dabei keine Ruhe und nagelt ihn gnadenlos fest. Die Bilder sind mitunter dermassen eindringlich, dass sie schwer auszuhalten sind.

Weissrussland 1943, Krieg

Die Hauptfigur, Fljora Gaischun, gräbt mit seinem Kumpel im Sand nach Waffen und Kriegsmaterial. Man findet einen Stahlhelm, ein Telefon, ein Gewehr. Ueber ihnen kreist ein Flugzeug.

Als Fljora zum Haus seiner Mutter kommt, bittet diese ihn, die Zwillingsschwestern tot zu schlagen. Die Kinder lachen, sie denken, das wäre alles ein Spiel. Zwei russische Soldaten schauen durchs Fenster rein, fragen, wo das Gewehr sei? Fljora zeigt es ihnen und die Soldaten nehmen Fljora gegen den Widerstand seiner Mutter mit.

Das Lager der Soldaten ist einfach eingerichtet. Eine Kanone ist zu sehen, ein Verwundeter, ein Panzer. Man kündigt den Partisanen eine harte Zeit an. Fljora muss noch nicht ins Gefecht. Seine Schuhe werden mit jenen eines Soldaten getauscht. Als Fljora die Gegend erkundet, hört er Glascha weinen. Das Mädchen ist hübsch, aber mit den Nerven runter. Auch Florja ist verzweifelt. Glascha möchte lieben, Kinder haben. Sie versucht, Fljora zu küssen. Dieser meint, er wolle kämpfen. Deutsche Fallschirme sind zu sehen und umgehend fallen Bomben. Das Lager wird zerstört. Florja ist endgültig im Krieg angekommen. Er baut sich eine Hütte, für sich und Glascha. Die ist krank, zittert. Florja hält sie, gibt ihr etwas Wärme in kalten Zeiten.

Fljora und Glascha schlagen sich zum Haus seiner Mutter durch, aber niemand ist dort. Etwas Suppe ist noch warm. Fljora vermutet die Familie auf einer Insel, hinter dem Sumpf. Auf dem Weg sieht Glascha, dass hinter dem Haus Leichenberge liegen.
Im Wald stossen die zwei auf Partisanen, sehen einen Mann, der von den Deutschen mit Benzin übergossen und angezündet wurde. Aber noch lebt er.

Einer modelliert aus einem Totenkopf einen Typen, der wie Hitler aussieht, den rechten Arm ausgestreckt. Man bespuckt die Skulptur.

Fljora zieht mit einem Grüppchen weg. Gascha bleibt zurück.

Flugblätter fallen vom Himmel: "Tötet die Juden-Bolschewisten, poliert ihnen die Fresse".

Das versprengte Grüppchen besteht nur noch aus 4 zermürbten Soldaten. Einer wirkt gebrochener als der Andere. Minen gehen los. Ein abgehackter Fuss zeugt vom Geschehen. Fljora ist nur noch ein Kumpel geblieben. Man erreicht Baguschowka. Die 2 finden eine Kuh. Schüsse ertönen. Der Begleiter Rubesh sackt ebenso wie später die Kuh zusammen. Fljora ist total fertig. Nichtmal der strahlende Mond kann ihn trösten.

Ein Motorrad mit Seitenwagen fährt durch den Nebel. Auf seinem Beifahrersitz eine Leiche, welche ein Schild hält: heute früh habe ich einen deutschen Soldaten beleidigt.
SS-Stahlhelme.

Die Wehrmachtsoldaten betreten ein Haus, wo sich auch Fljora befindet. Die Zivilisten offerieren Essen. Es wird ihnen nichts helfen. Im Film heisst das Dorf Perechody. Fljora warnt die Leute, man werde sie ermorden. Die Leute werden in eine Scheune getrieben.
Es ist zu hören, wie gerufen wird, dass alle ohne Kinder sollen rauskommen. Fljora gelingt es, aus dem Fenster zu steigen. Die Scheune ist gross und rappelvoll. Man zündet die Scheune an und applaudiert hämisch den Sterbensschreien. Am Ende geben Flammenwerfer der Scheune den Rest. Die Häuser werden gnadenlos abgefackelt. Fljora wird gepackt. Man hält ihm eine Pistole an die Schläfe. Totaler Schrecken in Fljoras Gesicht. Ein Foto wird geschossen und Fljora sackt zu Boden. Man wird ihn für tot halten.

Ein missbrauchtes Mädchen irrt über das Feld. Blut rinnt ihr die Beine runter und schwappt aus ihrem Mund.

Danach übernehmen die Weissrussen und sinnen auf Rache. Die Uebersetzer flehen um Gnade, genauso wie ein deutscher Einsatzleiter. Die Karten sind neu gemischt und wer in einem Krieg das Gewehr auf den Anderen richten kann, ist im Vorteil. Erbarmen ist nicht angesagt.

Der Uebersetzer muss die Deutschen mit Benzin bespritzen. Danach werden alle exekutiert.

Am Ende werden echte Bilder der getöteten Weissrussen, der Juden gezeigt. Bilder von Hitler und dessen Propagandareden, Bücherverbrennungen, KZ-Aufnahmen und immer werden die Sequenzen unterbrochen, als Fljora voller Wut auf ein Hitlerbild in einer Pfütze feuert. Fljora sieht gealtert aus.

Ein Einblender zeigt: 628 weissrussische Dörfer wurden samt allen deren Bewohnern verbrannt.

Fljora rennt den Truppen nach und schliesst sich ihnen an.

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Der Film war schon etwas vom Besten, was Kriegsfilme zu leisten im Stande sind.

Elem Klimov hat nach diesem Film nie mehr einen gedreht. Er hätte filmisch alles erreicht, was er je angestrebt habe.

Es wäre auch schwierig gewesen, jemals dieses Meisterwerk zu toppen.

Aleksey Kravchenko als Fljora Gaischun war von 2-3 Einstellungen abgesehen, wo ich fand, dass ein gewisses Overacting stattfand, schlicht Weltklasse. Auch Olga Mironova als Glascha war überdurchschnittlich gut.

Klimov hat es verstanden, den Zuschauer im Film zu integrieren. Die Filmlänge hat er bis zur letzten Minute genutzt.

Beim im Film zu sehenden Massaker soll es sich um jenes von Chatyn handeln.


Chatyn | Chatyn
Хатынь | Хатынь Koordinaten: 54° 20′ N, 27° 57′ O

es handelt sich übrigens nicht um das gleiche Katyn, bei welchem auch Kriegsverbrechen begangen wurden:

Katyn
Катынь Koordinaten 54° 46′ N, 31° 41′ O


Dieses: Nie wieder Krieg! tönt im Ohr und angesichts der fortwährenden Kriege und Waffenverkäufe wird man nicht froher. Die Absolution wird von den 5 ständigen UN-Vetorechtsmitgliedern je nachdem grosszügig erteilt, egal wie abstrus die Begründungen für gewisse Kriege auch sind. Man hat imo aus dem ganzen vergangenen Quark nicht wirklich das gelernt, was man hätte lernen MÜSSEN.

idi e smotri / come and see - trailer - engl. subs.

Idi e smotri - full (wer am film interessiert ist, kann sich bei opensubtitles.org einen deutschen untertitel holen, welcher auf den film passt (einer von den 2 passt) und ihn mit einem vlc player drag und droppen.


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Povodyr Поводир Ukraine Historischer Film (2014) flagge-ukraine-wehende-flagge-15x23.gif

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Beim Beitrag für die Ukraine gab es einen Zweikampf zwischen der Komödie "My thoughts are silent" und "Povodyr". Schlussendlich hab ich mich für Oles Sanins Povodyr entschieden, was sich als vermutlich weitaus grössere Herausforderung erwies.

Das Werk ist im Detail äusserst komplex, was wohl mit ein Grund ist, dass die Rezensionen doch sehr kompakt ausfallen und sich auf das Allerwesentlichste beschränken.
Ich kann die Schreiberlinge verstehen, denn nicht zum ersten Mal bei einem Beitrag über einen Film aus einem Land aus der ehemaligen Sowjetunion raucht mir der Kopf.

Der Film vermittelt derart viel Mystik, Träume, Informationen, dass man da doch etwas erschlagen wird.

Grundthema des Films ist im Wesentlichen der Holodomor, also die Tötung durch Hunger in der Ukraine in den Jahren 1932 und 1933. Gemäss Wikipedia soll diese Hungersnot zwischen 3 und 14 Millionen Menschenleben gekostet haben. Zudem sind für den Film auch die Kobzaren, also Barden, welche mit einer Laute, einer sogenannten Bandura, Folksmusik machen und deren Texte in der damaligen Zeit offenbar auch politische Inhalte hatten, wichtig. Die Barden waren oft blind.

Der Film beginnt mit einem Einspieler, wo es auch heisst: In den 1930ern verhaftete das Sowjetregime hunderte blinder Barden. Sie verschwanden, ohne eine Spur zu hinterlassen.

Charkiw, Ukraine 1934

Blinde Männer steigen in einen Zug ein. Zeitgleich zwängt sich ein kleiner, 13-jähriger Junge, in einen Kasten unterhalb des Zuges. Es ist der Amerikaner Peter Shamrock.

In den damaligen Zeiten war es nichts Ungewöhnliches, dass Züge vollgefüllt mit gefangenen Staatsfeinden nach Sibirien gebracht wurden, wo sie für eine bessere Zukunft Strassen, Fabriken, Kraftwerke, Kanäle bauten. Die Arbeitslager hatten aber keinen Platz für blinde Musiker. Sein ganzes Leben habe er nach Dokumenten und Beweisen dafür gesucht. Wer würde schon einem wie ihm glauben?

Rückblende 2 Jahre früher:

Der amerikanische Kommunist und Ingenieur Michael Shamrock weilt in der Ukraine und lehrt, wie man einen amerikanischen Traktor baut. Das Modell heisst "Der Internationale". Michael wird für die Herstellung geehrt und mit einer Reise nach Moskau belohnt. Er weilt mit seinem Sohn Peter in der Ukraine und hat eine Beziehung mit der Künstlerin Olga Levytska. Der strenge Genosse Vladimir hat aber ebenso ein Auge auf Olga geworfen, die sich aber erstmal nur für Michael interessiert.

Michael Shamrock wird ein Buch mitgegeben, das er einem Engländer Namens Gareth Jones, einem englischen Journalisten, abgeben soll. Er werde ihn am Bahnhof erwarten.

Was Michael nicht weiss: Im Buch ist im Einband eine Mitteilung des rebellischen Funktionärs Nikolai Sytnyk an Gareth Jones eingearbeitet, mit einem streng geheimen Dekret des sowjetischen Volkskomitees der soz. Republik Urkraine, wo unter anderem erwähnt wird, alle Nahrungsreserven abzuziehen. Die Mitteilung selber lautet: Mein lieber Freund Gareth Jones. Ich sende Dir die Dokumente. Vielleicht werden sie das Töten unschuldiger Leute stoppen und die Zerstörung meiner Nation. Ich bleibe ein Kommunist und ein Ukrainer. Nikolai Sytnyk.

Am Bahnhof wird Michael von Vladimir abgefangen. Im Zug machen sich Leute an Michaels Koffer zu schaffen, was von Peter bemerkt wird. Er ruft seinen Vater, da seien Diebe. Michael geht nachschauen und wird niedergestochen. Peter kann fliehen. Vladimir fragt nach den Dokumenten. Aber die sind erstmal nirgends zu finden. Man war Sytnik auf die Schliche gekommen. Er gab zu, dass er Michael die geheimen Dokumente mitgab. Vladimir sagt, wenn diese Dokumente auftauchen, seien sie erledigt.

Aus der Zeitung erfährt Olga vom Tod von Michael.

Peter befindet sich im Zug und das Buch mit ihm. Von da an wird fieberhaft nach ihm gesucht, denn Vladimir und seine Genossen wollen verhindern, dass das Dekret den britischen Journalisten erreicht. Ein Steckbrief über Peter wird herausgegeben. Die Bahnhöfe werden informiert. Zwar trudeln die Informationen der Bahnhofsangestellten immer etwas zu spät ein, aber in etwa weiss Vladimir immer, wo Peter gerade war.
Peter freundet sich mit dem blinden Ivan Kocherga an. Er ist ein Kobzar und man wird von ihm im Verlauf des Filmes viel über die Tradition der Barden erfahren. Zwischenzeitlich heisst Peter auch zur Tarnung Andryi. Inzwischen schiebt man den Mord an Michael Staatsfeind Nikola Sytnyk unter.

Ivan und Peter treffen Orysia. Sie ist Ivans grosse Liebe. Andryi führt den blinden und weisen Ivan. Sie wollen nach Kalinovka an eine Hochzeit. Dort werde man etwas Essen für die Reise finden. Fast hätte Peter das Buch vergessen. Im Dorf trifft Ivan auf Vladimir. Der beginnt Ivan auszufragen. Plötzlich erreicht ein Wagen mit dem getöteten Dorfvorsteher, der sich den Anordnungen widersetzte, die Festgemeinde. Ivan nützt das Durcheinander aus und flieht. Peter hatte sich in einem Heustock versteckt.

Inzwischen sucht Vladimir nach Ivan und Peter. Als Peter für Ivan eine Zigarette rollen soll, sieht er eine Zeitung in der steht, dass sein Vater tot ist. Ivan kümmert sich um eine Gruppe Waisenkinder. Als Ivan mit der Gruppe einen Fluss überqueren will, bleibt Peter zurück. Ivan seinerseits geht zurück zu Orsyias Haus, aber dort ist nichts als Verwüstung. Man hat sie umgebracht und wohl in einen Brunnen geworfen. Ivan wird von Vladimir geschnappt. Man schlägt ihn zusammen. Fragt nach Peter.

Offenbar reist Peter wieder nach Charchiw. Unterwegs gab es viel Nebel, welchen ihn schützte. Man habe viele Kobzaren gefangen genommen, aber Peter weiss nicht, was man mit ihnen anstellte.

Peter dringt in ein Haus ein, stiehlt Essen. An der Wand ein Foto des Paares: Vladimir und Olga. Plötzlich taucht Olga Levytska auf, schnappt sich Peter, ruft nach der Polizei. Aber dann erkennt sie ihn, freut sich. Sie habe nach ihm gesucht. Dann hätte Vladimir ihr die Nachricht gebracht, dass er an Typhus gestorben sei.

Vladimir erfährt, dass man den englischen Journalisten, dem Sytnyk versuchte, die Papiere zu schicken, aus dem Land gewiesen hat. Olga Levytska arbeitete selber im Untergrund.

Ivan erzählt die Geschichte, als die Zarin die Kosaken blendete. Anstelle von Schwertern hätten die Kosaken daraufhin Banduras genommen, begannen Lieder über die Freiheit zu singen und wären den sowjetischen Authoritäten gefährlicher geworden, als dies Saboteure je vermocht hätten.

Ueberraschend lässt man Ivan frei.

Olga sucht Peter auf, versorgt ihn und seine Kumpel. Sie verspricht ihm, dass ihre Freunde ihn aus dem Land bringen werden. Sie werde nachfolgen.

Nun kickt die Einleitung wieder ein. Peter in seinem Zugsabteil unten. Ivan verletzt oben mit den Kobzaren.

Der Zug hält. Vladimir steht dort. Ivan wird ein Messer in den Magen gerammt. Man will alle Kobzaren in die Luft sprengen. Als Vladimir sieht, wie Peter zu Ivan geht, lässt er die Sprengung stoppen. Die Dokumente seien in der Bandura versteckt. Ivan packt Vladimir und ruft Peter zu, er solle fliehen. Der nimmt die Bandura und flieht. Ivan reisst Vladimir mit sich in die Tiefe. Am Ende erfolgt die Sprengung.

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Nachtrag:

Ein junger Ivan sagt zu Peter: "weisst Du, warum sich Blumen immer zur Sonne wenden? Weil Blumen Augen haben.... sie glauben daran, dass die Dämmerung kommen wird.

Peter sagt am Schluss: "Mein ganzes Leben habe ich nach den Dokumenten gesucht und für andere Zeugen. Wer würde einem wie mir glauben?"

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Das Drehbuch von Povodyr hat mich nicht vollends überzeugen können. Die schauspielerische Leistungen aller wesentlicher Protagonisten allerdings schon. Grundsätzlich muss man nicht unbedingt Vorkenntnisse haben, um sich den Film zu geben. Allerdings fände ich es gut, sich vorgängig etwas über die Kobzaren und den Holomodor anzulesen. Vermutlich fällt dann der Einstieg etwas leichter.

Wenngleich der Spannungsbogen am Schluss toll war: durch den Film hindurch war mir das etwas zu mau. Hier und dort hätte man das wohl straffen, beziehungsweise das Geschehen einen Tick interessander darstellen können. Die Geschichte selber war allerdings wirklich gut.

Habe den Film mit engl. Untertiteln gesehen. In der Version sagte Sytnik, Michael Shamrock solle das Buch einem Engländer, "Harret Johnson", einem englischen Journalisten abgeben...... Ich meine, das wäre ein Uebersetzungsfehler, denn vermutlich müsste das wie andernorts auch Gareth Jones heissen.

Da ich normalerweise kyrillische Schriftzeichen lesen kann, habe ich beim Abspann gesehen, dass da von einem Gareth Jones die Rede ist und habe das recherchieren können.
Die Rede ist von ihm hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gareth_Jones_(Journalist) Diese Figur gabs also tatsächlich.

Povodyr wurde für den Oscar von der Ukraine nominiert, allerdings war die Nominierung gegenüber einem anderen ukranischen Beitrag nicht unumstritten.

Die Ortschaft Charkiw, hatte ich immer als Charkow in Erinnerung, aber schreibt man wohl auf deutsch wirklich Charkiw. Man lernt nie aus.

Povodir - trailer - engl. subs.

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Halimin put (Halimas Weg) Kroatien Drama/Kriegsfilm (2012) flagge-kroatien-wehende-flagge-15x23.gif

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Der Film Halimin put entstand unter der Regie von Arsen Anton Ostojic und wurde von Kroatien 2014 für den Oscar nominiert.

Beruhend auf wahren Begebenheiten, zeichnet der Film Geschehnisse in Bosnien zwischen 1977 und 2000 nach. Erzählt wird im Wesentlichen eine Familiengeschichte, welche eine Liebe des Serben Slavomir zur Muslimin Safija zum Grundthema hat, welche sich aber auf die ganze Verwandschaft Safijas, insbesondere auf deren Tante, Halima, auswirkt.

Der Bosnienkrieg dauerte von April 1992 bis 14. Dezember 1995 und spielt mit seinen Auswirkungen auf die Familien auch im Film eine grosse Rolle.

Arsen Ostojic präsentiert uns einein Film, der gespickt mit Zeitsprüngen, Rückblenden, ist, was es für den Zuschauer anspruchsvoll macht, dem Werk folgen zu können. Allerdings lässt Ostojic niemanden im Regen stehen, denn seine Erwählweise ist entschleunigt und angenehm.

Genialerweise hat Ostojic die kroatische Seite des Konflikts völlig rausgenommen und kann so die Familiengeschichte neutral und unaufgeregt erzählen.

Im Film wird deutlich, dass eine Liebschaft zwischen einem Serben und einer Muslimin schon 1977 problematisch sein konnte. Während Slavomirs Vater (die Mutter weniger) die Beziehung ihres serbischen Sohnes Slavomir zur Muslimin Safija relativ entspannt sieht, stösst sie bei Safijas muslismischer Familie im Film auf erheblichen Widerstand.

Als Safija 1977 von Slavomir schwanger wird, versucht sie, das Kind mit Sprüngen von einer Leiter zu töten. Schliesslich bekommt Safija das Kind doch. Es ist ein Junge, den man Mirza nennt. Der Knabe kommt in Obhut von Safijas Tante Halima, welche kinderlos geblieben ist und deren sympathischem Mann Salko.

Im Bosnienkrieg kämpft Slavomir auf Seiten der bosnischen Serben gegen die bosnischen Muslime.
Halimas Mann, Salko, verschwindet genauso wie der Adoptivsohn Mirza und taucht nicht wieder auf, genauso wie andere Mitglieder der bosnischen Verwandtschaft.

Nach dem Krieg arbeitet man in Bosnien an der Aufarbeitung, legt Massengräber frei. UN-Personal sammelt die Knochen und Schädel der Verstorbenen, legt sie auf Plastikplanen. Mit Hilfe von DNA-Abgleichen versucht man, die Toten zu identifizieren.

Auch Halima sollte ihre DNA abgeben, aber sie hat sich bislang standhaft geweigert. Ihren Mann Salko konnte man Mithilfe der DNA dessen Bruders Mustafa schon eindeutig zuordnen, aber für Mirza konnte man bislang keine DNA Uebereinstimmung bestätigen. Man glaubt an einen Laborfehler und bietet Halima wieder auf. Diese hat Angst, dass es auffliegt, dass Mirza gar nicht ihr Sohn war und versucht nun verzweifelt, Safija zu finden.

Slavomir lebte 2 Jahre in Deutschland. Er fürchtete die Rache von Safijas Vater Avdo und deren Bruder. Als er zurückkommt, besucht er Safija, die ihn noch immer liebt. Er fragt nach dem Baby und Safija erzählt ihm, dass das Kind tot geboren wurde. Safija wird mit ihm mitgehen. Sie bauen ein Haus, haben 3 Kinder.

Nun sucht Halima also Safija auf, will sie überreden, sich für sie auszugeben und einen DNA-Test abzugeben, damit Mirza begraben werden kann. Aber Safija hat Angst. Auf ihr lastet es schwer, dass sie Slavomir angelogen und ihm von einer Totgeburt erzählt hatte. Safija befürchtet, Slavomir würde ihr etwas antun, wenn er es wüsste.

Slavomir ist ein gebrochener Mann. Der Krieg ist nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Die Dämonen quälen ihn. Er muss schreckliches erlebt haben. Regelmässig betrinkt er sich. Richtig ausfällig wird er zunächst nicht, aber irgendetwas scheint in seiner Seele und in seinem Herz gebrochen zu sein. Safija trägt die Last so gut wie allein, die 3 Kinder durchzubringen, zu versorgen. Auf Slavomir kann sie nicht bauen.

Als Safija in der Küche an einem Teig arbeitet, schneidet sie sich. Das tropfende Blut löst bei ihr Flashbacks aus. Sie sucht Halima auf, weint sich die Augen wund und ist völlig fertig.

Safija ist jetzt bereit, ihre DNA abzugeben. Mustafa fährt Safija und Halima nach Bihac zum UN-Zentrum. Als Halima für den DNA-Test aufgerufen wird, geht Safija hin und gibt sich als Halima aus.

Ein für allemal will Safija mit der Vergangenheit aufräumen, koste es, was es wolle. Sie sucht Slavomir in der Beiz auf, der sich mal wieder betrinkt und legt ihm das Foto von Mirza auf den Tisch.

Als Slavomir das Foto sieht..........

Nun, das eindrückliche Ende dieses Filmes verrate ich nicht. Das soll jede/r selber ohne Spoiler sehen dürfen.

Mich hat es aber defintiv aus den Socken gehauen, das muss ich schon sagen.

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Hintergrund des Filmes war die wahre Geschichte des bosnischen Paares Zahida und Muharem Falic, welches in einem Dorf nahe Prijedor in Bosnien lebte. Ihr adoptierter Sohn Emir starb beim Massaker der Koricani-Klippen beim Berg Vlasic. 12 Jahre lang suchte man nach dessen biologischer Mutter, welche in Zagreb lebte, sich aber weigerte, DNA abzugeben, um die Ueberreste ihres Sohnes Emir allenfalls identifizieren zu können. Die biologische Schwester von Emir lebt in Vitez, Bosnien. Sie war problemlos einverstanden, eine Blutprobe für einen DNA-Test abzugeben, falls man Emirs Knochen finden sollte. Zahida Falic starb im Mai 2011.


Arsen Anton Ostojic ist mit Halimin put ein Meisterwerk gelungen, wie es wenige gibt. Mir hat der Film überaus gefallen, er hat mich auch bewegt.

Ostojic ist es gelungen, bei dieser ganzen Tragödie ohne offensichtliche Schuldzuweisungen auszukommen. Ich sah da keinen Mahnfinger und dies alles ist angesichts des Sprengstoffes, den dieses Thema in sich birgt, eine Meisterleistung.

Dem Zuschauer werden in dem Film viele Insider-Informationen vermittelt. Die Häuser mit den farbenfrohen Teppichen, der Drang, sich unkompliziert einen oder mehrere Schnaps zu gönnen, die Art zu diskutieren und zu fabulieren. Das alles kam mir bekannt und stimmig vor.

In diesem Film waren die Folgen des Krieges für alle Beteiligten bitter: Ich sah nicht eine Siegerin, einen Sieger. Dafür viele, welche ihre seelischen Verletzungen, die sie sich in diesem verdammten Krieg geholt hatten, nicht wirklich in den Griff bekamen.

Mit der Bestattung der Angehörigen konnte da und dort ein Kapitel der Geschichte zu einem einigermassen guten Ende gebracht werden. Etwas Mut und Zuversicht für eine bessere Zukunft war am Ende zu spüren. Mit einem Blick nach vorne auf ein hoffentlich besseres Leben.

Insgesamt ein vollauf gelungener Film aus Kroatien. Prädikat: überaus wertvoll und empfehlenswert.
Chapeau an alle, die da mitarbeiteten.

Halima s path - trailer - engl. subs.

Halimin put - full - serbokroatisch


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Du Levande (Das jüngste Gewitter) Schweden Komödie (2007) flagge-schweden-wehende-flagge-15x25.gif

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Dem schwedischen Regisseur Roy Arne Lennart Andersson ist mit "Du Levande" ein Kultfilm geglückt.
Bin froh, dass ich in Europa nun ein paar Filme, die mir besonders lieb sind, ins Rennen schicken kann und "Du Levande" zählt zweifellos dazu.

Andersson versteht es genial, kurze Episoden zu erzählen. Sie werden in diesem Film locker aneinander gereiht. Bei genauerer Betrachtung wird man merken, dass sie manchmal durchaus miteinander verwoben sind.

Die Episoden sind mitunter grotesk, skurril, traurig, surreal, komisch. Textreich ist das Ganze nicht, aber wenn mal was gesagt wird, ist es vom Allerfeinsten:

Anna:
Forgive those who only think of themselves. Forgive those who are greedy and cheap. And those who deceive and cheat or grow rich by paying miserable wages. Dear lord, forgive them. Forgive them. And Lord, forgive those who humiliate and desecrate. Forgive those who torture and kill. Forgive those who bomb and destroy cities and villages. Forgive those who are dishonest, those who lie and are false. Forgive governments who withhold the truth from the people. Dear Lord, forgive them. Forgive those who are heartless, merciless, and quick to pass judgment. Please Lord, forgive them. Forgive courts that pass sentences which are too harsh or convict the innocent. Forgive them.

The minister:
Anna... We have to close and lock up now.

Anna:
Forgive newspapers and TV channels that mislead. That distract attention from that which is important. Dear Lord, forgive them.

The minister:
There now, Anna. We have to close and lock up now.

Anna:
Dear Lord, forgive them. Forgive them.

Beispiele von Episoden:

Eine Lehrerin rennt weinend aus dem vollbesetzten Klassenzimmer. Die Kinder folgen ihr, fragen was los sei. Sie sagt, ihr Mann hätte sie eine Hexe genannt. Was das sei, fragen die Kinder. Die Lehrerin: fragt doch meinen Mann. Der ist Teppichverkäufer, meint zu einem Kundenpärchen: heute liefe vieles schlecht. Es wäre nicht sein Tag, erzählt er den Kunden, er habe Streit mit seiner Frau gehabt. Er habe ihr Hexe gesagt. Das wäre aber nicht nett gewesen, tönts vom Paar. Der Verkäufer gibt zu bedenken, dass sie ihn einen alten Furz genannt habe. Die Kundin hält Hexe für schlimmer und wartet die Meinung ihres Mannes ab. Dem ist es egal, mit einem: wisse es der Teufel fordert er seine Frau auf, zu gehen.

Ob er angerufen habe? Nein. Jonas, hast Du Holger angerufen? Was hast Du gesagt? Ob du Holger angerufen hast? Nein und Lasse? Lasse hast Du Holger angerufen? Nein.


Ein Mann schildert seinen Albtraum: Er scheitert bei einem familiären Festessen, bei dem er allerdings zu niemandem verwandt gewesen sei. Er hätte niemanden gekannt. Alles wäre so deprimierend gewesen. Also hätte er sich was lustiges ausgedacht: einen Tischtuchtrick, den er allerdings noch nie vorher gemacht hatte. Mit China Geschirr auf dem Tisch. Die Polizei sei gekommen. es hätte eine Verhandlung gegeben. Er wurde wegen grober Fahrlässigkeit verurteilt. Dann sieht man die Sequenz: Nach sorgfältigster Prüfung versucht er ein Tischtuch unter einem vollbedeckten ellenlangen Tisch voll mit einem über 200 Jahre alten Porzellanset runterzuziehen. Er beschwichtigt die Leute, welche offensichtlich nicht wirklich Vertrauen in seine Magie haben, man solle sich keine Gedanken machen. Die Gäste schlagen vor, ob man nicht wenigstens erst essen wolle. Der Mann findet, das sei nicht notwenig. Es kommt, wie es kommen soll: Der Mann reisst das Tischtuch quer mit allem Geschirr über den Tisch. Auf dem Tisch kommen Hakenkreuz-Intarsien im Holz zum Vorschein. Der Mann wird wegen grober Fahrlässigkeit und Zerstörung von Eigentum angeklagt. Dem Gericht wird wacker Bier in Masskrügen gereicht. Die Richter verurteilen den Angeklagten erst zu lebenslänglich, nach etwas Bier dann doch zur Hinrichtung auf einem elektrischen Stuhl. Wie bei einer Auktion zählt der Vorsitzende runter: elektrischer Stuhl zum Ersten zum Zweiten und zum Dritten. Die Zuschauer finden das offenbar angemessen. Der Rechtsanwalt des Angeklagen heult vor sich hin. Der Angeklagte beruhigt ihn lakonisch: so sei nunmal das Leben. Die Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl geschieht vor Schaulustigen, welche sich hinter einer Glasscheibe versammelt haben und wie im Kino Popcorn essen. Ein Pfarrer erscheint würdevoll. Der Verurteilte wehrt sich, aber die Uebermacht derjenigen, die ihn festhalten, ist zu gross. Immer wieder wird ihm gesagt, er solle sich doch bitte entpannen. Jemand im Raum beklagt noch immer das schöne, alte Service. Ueber 200 Jahre alt sei es gewesen! Dem armen Benny, der schon auf dem elektrischen Stuhl sitzt, wird empfohlen, doch an was anderes zu denken. Der Mann, der das geträumt hat, hält nun den elektrischen Stuhl für eine schreckliche Erfindung. Was man sich dabei nur gedacht habe!

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Insgesamt ein Film, der mich sehr zum Grinsen gebracht hat. Wirklich toller Humor, den Roy Arne Lennart Andersson auftischt. Ein Markenzeichen scheinen die blassen Farben im Film zu sein. Sie untermalen das Geschehen perfekt, denn satte Farben würden zu diesem Werk nun wirklich nicht passen.

Bei Zusammenfassungen, welche den Film besprechen, war es erstaunlich, wie viele kleine Schmankerl und Besonderheiten Andersson in seinem Werk versteckt hat. Sie waren mitunter so gut versteckt, dass ich sie nicht gefunden hatte......

Wenn sich jemand mal einen lustigen, skurrilen, besonderen Film geben will: Du Levande könnte das eventuell abdecken.

Für mich Humor auf allerhöchstem Niveau mit Klasse und einem netten Augenzwinkern.

Toll gemacht, Meister Andersson aus Schweden. Danke für viele lustige Minuten. :beten:

Du Levande - ein Art Trailer..

Du Levande - full - port. subs.

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Hymylievä mies (Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki) Finnland Sportfilm (2016) flagge-finnland-wehende-flagge-15x24.gif

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Der Film des jungen finnischen Regisseurs Juho Kuosmanen ist schwarz-weiss gedreht, obwohl er erst im Jahr 2016 erschien. Kuosmanen nutzt dieses Stilmittel geschickt, um uns in vergangene Zeiten zu versetzen und etwas aus der wahren Lebensgeschichte des finnischen Boxers Olli Mäki zu erzählen.

Olli Mäki ist ein durchaus talentierter Boxer, wird 1957 2. bei den Europameisterschaften der Amateure. 1959 wird er sogar Europameister im Leichtgewicht.

Im Oktober 1960 wechselt der Bäcker aus Kokkola ins Profilager. Nach nur 10 Profifights, von denen er 8 gewinnt, erhält er die Chance, gegen den Amerikaner Davey Moore um dessen Federgewichts-Weltmeistergürtel im heimischen Olympiastadion von Helsinki zu kämpfen.

Als Kampfdatum wird der 17. August 1962 festgelegt. Ringrichter ist kein Geringerer als Ex-Boxweltmeister Legende Barney Ross.

Olli Mäkis Manager, Elis Ask, ist ein umtriebiger Mann. Mit vielen Sponsorenverpflichtungen und öffentlichen Auftritten ist er bemüht, den Fight zu promoten, ihn zu einem ganz grossen finnischen Sportevent zu machen.

Aber unser Held Olli Mäki hat Probleme. Er wiegt über 60 Kilo, hat Mühe, auf die erforderliche Wettkampflimite von 57 Kilo zu kommen. Noch kurz vor dem Fight wiegt er über 60 Kilo.

Zudem hat er sich hoffnungslos in die Kindererzieherin Raija verliebt. Diese ist sehr bodenständig und eine gute Ergänzung zum Boxer mit dem tadellosen Charakter. Im Film gibt es eine Szene, wo er mit Kindern spielt und mit einem Glas eine Fliege fängt. Er stellt die Frage: töten oder freilassen? Die Antworten der Kinder sind gemischt. Olli entscheidet sich fürs frei lassen.

Mäki ist ein positiv einfacher Mensch. Starallüren sind ihm fremd. Er hasst die Sponsorentermine. Sie sind ihm ein Greuel.

Und doch: Olli hat auch Angst, zu versagen. Was, wenn er verliere? Was, wenn er all die Leute, und auch sie, Raija, enttäusche? In Raija hat er eine gute und einfühlsame Gesprächspartnerin. Sie wird die bemerkenswerten Sätze sagen: "wie sie denn enttäuscht sein könne, wenn sie ihn um überhaupt nichts gefragt habe. Wenn jemand enttäuscht sei, wäre dies, weil die Leute blöde Phantasien hätten. Er wäre für die nicht verantwortlich".

Ob er Sie heiraten wolle, wird Olli sie fragen und diese fragt zurück: wirst Du Weltmeister? Natürlich werde er das, sagt Olli. Die Antwort gefällt Raija. Sie werde ihn heiraten und das Paar wird sich noch am Kampftag, dem 17. August 1962, die Ringe zur Verlobung aussuchen. Raija hat Olli nie zu etwas gedrängt, ist nicht nur seine Geliebte, sondern auch eine echte Freundin. Sie ist verständnisvoll und mag ihren Olli, so wie er ist. Olli seinerseits weiss sie zu schätzen, respektiert sie. Es ist schön, den Beiden im Film zuzusehen und nach allem was man weiss, war das auch im wirklichen Leben so.

Olli wird in der Endphase der Vorbereitung zum Kampf seinem Körper alles abverlangen.
Er wird mit Kleidern in der Sauna sitzen, was ihn einmal so schwächt, dass er danach zusammenklappt. Er wird sich auch den Finger in den Hals stecken, um das Gegessene wieder zu erbrechen. Olli betreibt Raubbau an seinem Körper, aber anders ist die Gewichtsabnahme nicht zu schaffen. Diese Rosskur wird einiges an Kraft aus seinem dünnen Körper rauben.

Am Tag des Wiegens bringt Champion Davey Moore 56.5 Kg auf die Waage. Olli Mäki steigt auf die Waage. Die Blicke sind gespannt, nicht zuletzt jene von Manager Elis Ask.
Der Mann an der Waage schiebt die Gewichte hin und her. Aber er ist nicht zufrieden, mit dem, was seine mechanische Waage anzeigt. Olli Mäki muss blankziehen. Wieder neugierige Blicke und dann die erlösende Meldung: Olli Mäki, 56.98 Kg.

Dem Manager Elis Ask fällt ein Stein vom Herzen. Der Kampf wird stattfinden.

Die Veranstaltung wird Zuschauermässig ein Erfolg: 25000 Menschen wollen sich die Boxkämpfe ansehen, wovon 23643 zahlend.

Der Film zeigt die Einsamkeit des Boxers vor dem Fight. Der Walk-In. Raija sitzt im Publikum.

Die erste Runde verläuft ganz ordentlich für Olli. Beide boxen in der Normalauslage. Die Stimmung im Stadion ist ausgezeichnet, allerdings nur bis zur 2. Runde, als eine links-rechts Kombination von Davey Moore Mäki trifft und Letzterer schwer zu Boden muss.
Nochmal rappelt sich Mäki auf, wird sofort wieder zu Boden geschlagen. Das Ganze wiederholt sich. Auf wackligen Beinen gerät Mäki in einen Schlaghagel Davey Moores.
Schliesslich hat Barney Ross ein Einsehen und bricht den Fight ab. Absolute Ruhe im Stadion. Davey Moore wird zum Sieger ausgerufen.

Im Film fragt Mäki, was passiert sei? Er hat den entscheidenden Schlag nicht kommen sehen, vermutlich habe er sein Kinn zu hoch gehalten. Mäki übergibt Moore noch im Ring Blumen.

Olli Mäki sitzt allein in der Kabine, geschlagen, gedemütigt. Reporter erscheinen, fragen, wie er sich fühle, wie er den Match sehe. Olli wird sagen, dass es der leichteste Fight seiner professionellen Karriere gewesen sei. Der Fight sei so schnell vorbei gewesen, dabei hätte er sich doch auf die vollen 15 Runden eingestellt.

Am Abend findet trotzdem eine Feier statt. Raija ist happy, als sie Olli sieht. Die Zwei sind auch ein Paar, wenn der Erfolg ausbleibt und das Leben reinkickt. Der Sieger Davey Moore steht währenddessen einsam und verlassen in einer Ecke. Olli und Raija empfehlen sich schon bald und verlassen die seltsam unlustige Festgemeinde.

Olli und Raija spazieren. Ein altes Paar läuft an den Zweien vorbei. (Hier hat sich Juho Kuosmanen einen Gag erlaubt, das Paar ist niemand anders als Raija und Olli Mäki selber. Dass sie im Grunde nur von hinten zu sehen sind, sind hier wohl die Kirsche auf der Torte).

"Denkst Du, wir werden wie die 2 sein? Du meinst alt? Ja, glücklich?
Natürlich werden wir das". Raija und Olli packen Steine und lassen sie übers Wasser "schiefern".


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Nun, ich musste ziemlich um diesen Film kämpfen. Versuchte 3-4 mal erfolglos ihn downzuloaden, bis es klappte. Wusste auch nicht, ob die Subs dazu passen.

Manchmal muss man im Leben fighten und wenns nur für einen Forenbeitrag ist.

Mir hat der Film von Juho Kuosmanen über Olli Mäki äusserst gut gefallen. Es ist ein unaufgeregter Film, der einiges an Einblicken vermittelt, was bei einem Boxer und seiner Entourage vor so einem wichtigen Kampf sowohl organisatorisch, als auch vom Setup des Boxers her, abgeht.

Ich fand auch das im Film gezeigte Boxen ganz ordentlich und die Szenen des Niederschlags sind erstaunlich nahe an der Realität, ja ich wüsste nicht, wie man die Schlussszene beim Abbruch identischer mit dem tatsächlichen Fight darstellen könnte. Dafür hat Kuosmanen wohl das Bildmaterial sehr genau studiert.

Olli Mäki hat auch danach noch mit durchzogenem Erfolg geboxt. Raija und er sollen über 55 Jahre lang verheiratet gewesen sein. Ollis Sohn, Veli-Pekka Mäki, ist im Boxsport als Boxtrainer und Promoter aktiv.

Dem Gegner, Davey Moore, war kein gutes Schicksal beschieden. Er wurde in seinem Kampf gegen Sugar Ramos am 21.3.1963 gestoppt. Er gab noch im Ring ein Interview,

ringinterview davey moore

wo er okay zu sein schien und brach dann offenbar in der Garderobe zusammen. 2 Tage später verstarb er.

Der bekannte Sänger Bob Dylan nahm den Tod zum Anlass, ein Lied darüber zu schreiben, welches ziemlich bekannt wurde:

Lied von Bob Dylan zum Tod von Davey Moore

Bin sehr dankbar, dass ich diesen wunderbaren Film über Olli Mäki schauen durfte.
Kompliment an Juho Kuosmanen, der ein besonders gutes Werk erschuf. Respekt.:beten:

der fight olli mäki vs. davey moore ist hier ab 04.44 zu sehen

the happiest day in the like of Olli Mäki - trailer

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Hunger United Kingdom Drama (2009) flagge-grossbritannien-wehende-flagge-15x23.gif

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Nordirland, Jahr 1981, 2187 Menschen wurden bei den Unruhen seit 1969 ermordet.

Die britische Regierung hatte allen paramilitärischen Gefangenen den politischen Status entzogen.
Die irischen Republikaner im Maze Gefängnis manifestieren einen "Leintuch-" und "sich nicht waschen" Protest.

Auf den Strassen hämmern Menschen mit Kochdeckeln auf den Boden und machen ihrem Aerger Luft.

Der Gefängniswärter Ray Lohan wäscht sich seine Knöchel. Die Verletzungen auf dem Handrücken zeugen von Gewalt. Bevor er ins Auto steigt, wird er die Unterseite nach einer Bombe absuchen.

Es sind aufgeladene, hasserfüllte Zeiten in Nordirland. Die Regierung um Margaret Thatcher ist unnachgiebig und fährt gegenüber der IRA die harte Linie.

Davey Gillen wird ins Gefängnis gesteckt. 6 Jahre hat man ihm aufgebrummt. Er will die Gefängniskleidung nicht tragen, was ihm einen Eintrag: nonconforming prisoner, einbringt. Dem nackten Gillen wird eine Wolldecke gereicht. In der Zweierzelle steckt schon Gerry Campbell. Er fasste 12 Jahre Knast.

Die Zelle ist trostlos. Die Wände hat man aus Protest über die Haftbedingungen mit Kot beschmiert. Uriniert wird unter den Türen durch auf den Gang. Der Zuschauer ahnt, dass es dort nicht gut gerochen haben muss. Es gibt Besuche, welche man nicht selten zum Austausch von Mitteilungen ausnutzt. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Frauen stecken sich Meldungen in die Vagina und übergeben sie den Häftlingen, welche sie wiederum in den Hintern stecken oder man küsst sich und klebt die Mitteilungen hinter die Zunge. Auf einem dieser Wege gelangt auch ein Radio ins Gefängnis. Die Insassen wissen, was "draussen" läuft.

Die Gewalt der Insassen schaukelt sich mit der Gewalt der Wärter auf. Die Stimmung ist feindselig. Wer da am längeren Hebel sitzt, wird schnell klar. Die Insassen werden übel zusammengeschlagen. Offenbar hat man auch Infos bekommen, wie die Gefangenen ihre Mitteilungen bekommen. Mit einem Spiegel werden ihre Hintern kontrolliert, genauso wie ihre Münder. Und immer wieder Schläge. Es gibt auch einen Aufseher, der die Gewalt seiner Mitarbeiter nicht mehr aushält.

Bei einem Besuch seiner bedürftigen Mutter wird der Wärter Ray Lohan von einem Attentäter ermordet.

Der katholische, erst 28-jährige Priester Dominic Moran wird zu Bobby Sands geführt. Das Gespräch wird einen passablen Teil des Films ausmachen. Am Anfang wird noch wacker gescherzt. Aber er ist absehbar, dass das Gespräch ernster Natur sein wird. Letzten Oktober haben 10000 für die Hungerstreiker demonstriert. Es gab internationalen Druck. Die ganze Welt hätte Margaret Thatcher beschworen, ihren Forderungen nachzugeben. Es wäre nichts dabei herausgekommen. Der Hungerstreik war nutzlos.

Bobby war als Junge Querfeldeinläufer. Aber im Grunde ist er ein Stadtmensch, hat Angst vor Rindern.

Er steckt dem Priester, dass er am 1.3. in den Hungerstreik gehen werden. Der Priester gibt ihm zu verstehen, dass er doch einen Sohn habe und ob die Familie davon wisse?
Bobby sagt, beim 1. Hungerstreik wäre der Fehler gewesen, dass alle gleichzeitig anfingen. Diesmal würden die Männer gestaffelt im Abstand von 2 Wochen anfangen, in den Hungerstreik zu treten. Wenn einer sterbe, werde er ersetzt. 75 Männer hätten sich gemeldet. Diesmal sei der Protest anders. Man sei bereit, zu sterben.

Der Priester gibt zu verstehen, dass man sich mit einer unerschütterlichen britischen Regierung anlege, welche die Unabhängigkeit eindeutig verschmähe. Für sie wären sie Terroristen, darum könnten die auch leicht mit ihrem Tod leben. Und die Hungerstreiker wollten ja nichtmal verhandeln. Ihr setzt drauf, dass sie kapitulieren? Bobby bejaht das.

Der Geistliche hatte den 1. Hungerstreik begleitet, weil er eine Protestaktion war und nicht, dass einer daran stirbt und Verhandlungen ablehnt. Ob er Selbstmord begehen wolle, fragt ihn der Pfarrer.
Was er Selbstmord nenne, nenne er Mord, sagt Bobby Sands.

Der Priester glaubt, dass Bobby nach 4 Jahren Knast nicht mehr rational denken könne und den Realitätssinn verloren habe. Bobby wird ihm geistreich antworten: sein Leben zu riskieren, sei nicht nur das Einzige, was er tun könne, es sei gut und richtig. Das Leben bedeute ihm alles, die Freiheit bedeute ihm alles.

Am Ende des Gespräches wird Bobby den Geistlichen um Zigaretten bitten. Der schiebt ihm das Päckchen rüber. Dominic Moran wird ihn nicht mehr besuchen. Er geht ohne ein Wort des Abschieds.

Margaret Thatcher wird sagen, dass die Gefängnisinsassen möglicherweise ihre letzte Karte zogen und ihre Gewalt gegen sich selber richteten, indem sie einen Hungerstreik bis in den Tod begonnen haben. Sie versuchen Mitleid zu erwecken, um so Zwietracht, Bitterkeit und Hass zu schüren.

Bobby Sands wird immer schwächer. Im Film wird berichtet, was bei einem HUngerstreik mit dem Körper passiert.

Am Schluss entwickelt Bobby eitrige Wunden. Essen wird ihm immer bereit gestellt, aber Bobby wird es nicht anrühren. Blut ist in der Toilette zu sehen. Er erbricht. Als Zuschauer sieht man einem Sterbenden zu. Der Schauspieler Michael Fassbender, der Bobby Sands spielt, hat 20 kg abgenommen. Auch er sieht völlig ausgemergelt aus. Deshalb sind diese Szenen auch so erschütternd, weil sie authentisch sind.

Bobby Sands wird von Vögeln träumen, sieht sich selber als Junge.

Mittlerweile hat man ein Konstrukt über ihm angebracht, worüber man die Decke legt. Offenbar sind die Wunden schon zu schmerzhaft. Die Eltern besuchen ihn. Halbtot nimmt er sie wahr. Die Mutter wird ihn küssen, seine Stirne berühren. Vögel fliegen in die Freiheit. Bobby Sands ist tot.

Einspieler: Bobby Sands starb nach 66 Tagen Hungerstreik. Während der Zeit wurde er ins britische Parlament gewählt als M. P. für Fermanagh und South Tyrone.

Nach weiteren 7 Monaten wurde der Streik beendet, weitere 9 Männer starben.

16 Gefängnisoffiziere wurden während den "blanket und no wash"- Protesten von Paramilitärs getötet.

In den folgenden Tagen und Monaten entsprach die britische Regierung allen Gesuchen der Gefangenen, ohne sie allerdings jemals als politiische Gefangene anzuerkennen.

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Kann mich noch gut an die Zeit der Hungerstreikenden in Nordirland erinnern. Das war damals ein gewaltiges Medienereignis und die Wut auf Frau Thatcher ist bis heute geblieben.

Steve McQueen hätte aus dem Stoff ein hochemotionales Werk machen können. Ich finde, er hat die Chance genutzt und genau das nicht getan. Stattdessen hat er besonders im Gespräch von Pfarrer Dominic Moran und Bobby Sands genau vermittelt, wo die Differenzen lagen und die Unterredung war philosophischer Stoff auf allerhöchstem Niveau.

Inwieweit die Verhältnisse im Gefängnis tatsächlich so wie im Film waren, vermag ich nicht wirklich zu beurteilen. Nach dem, was ich darüber gelesen habe, stimmt das Gesehene allerdings damit überein.

wer mehr zum Hungerstreik erfahren möchte:



Sie werden mich nicht brechen , denn der Wunsch nach Freiheit für das irische Volk ist fest in meinem Herzen. Bobby Sands.


Bobby Sands 66 Days - Doku - engl.

Hunger - trailer - engl.

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Young Kaelin

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Les Miserables (die Elenden) Frankreich Drama (1998) flagge-frankreich-wehende-flagge-15x23.gif

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Der Beitrag für Frankreich ist eine #Herzensangelegenheit.

Für einmal musste ich nicht in der IMDb-Datenbank wühlen, mich durch Bestenlisten sehen.

Mir war sofort klar, dass ich für Frankreich nur diesen Film, in genau dieser Fassung nominieren würde.

Als ich diesen Film zum ersten Mal sah, hat es mich aus den Socken gehauen. Ich schaue ihn in losen Abständen immer mal wieder an. Es ist mir nie langweilig dabei geworden.

Les Miserables ist die Verfilmung des gleichnamigen Werkes von Victor Hugo, dessen Bücher ich genauso verschlungen habe, wie jene von Emile Zola und Honore de Balzac.

Man sollte nicht sterben müssen, ohne "die Elenden" von Victor Hugo gelesen zu haben. Auf dem deutschen Markt gibt es viele Ausgaben, welche stark gekürzt wurden. Ich empfehle die vollständige Ausgabe.

Der Film des dänischen Filmemachers Bille August hält sich nicht strikt an den Roman. Trotzdem ist ein imo überragender Film dabei herausgekommen. Der Film ist auch auf Wikipedia gut dokumentiert. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, einen eigenen, langen Beschrieb zu verfassen. Dachte, ich wäre es sowohl Bille August, als auch vor allem Victor Hugo, schuldig:

Auf der Suche nach einem Schlafplatz wird Jean Valjean, der auf Bewährung entlassene Sträfling, der 19 Jahre Gefängnis abgesessen hat, überall abgewiesen. Jean Valjean kann nicht lesen. Er wird an den Bischof verwiesen, der ihn zu Valjeans Erstaunen aufnimmt und ihn bewirtet. Valjean hatte ursprünglich Brot gestohlen. In der Nacht holen Valjean die Gedanken an den Steinbruch von Toulon ein, wo er als Sträfling gearbeitet hat. Er stiehlt Geschirr beim Bischof, wird von ihm dabei ertappt und Valjean schlägt den Geistlichen nieder, flieht. Die Polizei hat Silber bei Valjean gefunden und bringt ihn zum Bischof. Der Bischof bestätigt Valjeans Behauptung, dass er ihm das Geschirr geschenkt habe, er lässt ihm obendrein noch die teuren Leuchter mitgeben. Der Bischof reisst Valjean die Kapuze runter und sagt die bemerkenswerten Sätze: Vergessen Sies nicht, vergessen Sies nie: Sie haben versprochen, ein neuer Mensch zu werden. Auf die Frage von Valjean, wieso er das tue, antwortet ihm der Bischof: Du gehörst nicht mehr den Bösen. Mit diesem Silber habe ich Deine Seele freigekauft. Ich habe Furcht und Hass ein Lösegeld entrichtet und nun gebe ich Dich Gott zurück.

Neun Jahre später:

Javert erscheint in Vigo. Er ist der neue Polizeiinspektor. Javert war beim Steinbruch als Aufseher zu sehen, als Valjean dort arbeitete. Javert besichtigt die Ziegelei, dem grössten Unternehmen im Ort. Sie gehört dem Bürgermeister. Polizeikapitän Beauvais berichtet Javert: der sei seltsam, scheu, lebe bescheiden. Valjean scheint Javert sofort zu erkennen.

Valjean zieht sein gesamtes Geld von der Bank ab. Er wolle neue Investitionen tätigen. Später wird er das Geld vergraben.

Eine Vorarbeiterin steckt Valjean, dass im Betrieb eine Frau, Fantine, mit einem unehelichen Kind arbeite. Sie schlägt Valjean vor, sie zu entlassen. Valjean hört kaum richtig hin und vertraut dem Urteil der Mitarbeiterin. Fantine verkauft erst ihre Haare, dann sich selber. Ihre Tochter, Cosette, wohnt bei den Thenardiers. Diese machen Druck und wollen mehr Unterhaltszahlungen für Cosette.
Ein Arbeiter, Lafitte, ist unter einen Wagen geraten. Valjean wird dazugerufen und hebt den Wagen an, befreit Lafitte. Als Javert sieht, über welche unbändige Kraft Valjean verfügt, erinnert er sich an Valjean aus dem Steinbruch.
Valjean vermittelt Lafitte einen Job als Gärtner im Marienkloster von Paris. Javert will eine Volkszählung in Vigo durchführen lassen, mit Informationen zur Bevölkerung.
Fantine wird von Betrunkenen bepöbelt, als sie ihre Dienste anbietet. Javert sieht dem Geschehen zu, greift dann ein und schlägt Fantine, schickt die Pöbelnden weg. Er nimmt sie fest und will sie 6 Monate ins Gefängnis stecken.
Valjean mischt sich ein. Fantine ist sauer auf Valjean, der sie aus dem Betrieb rausgeworfen habe, spuckt ihm ins Gesicht. Aber Valjean will, dass man Fantine frei lässt und setzt das gegenüber Javert durch und supendiert ihn. Valjean kümmert sich um die kranke Fantine. Valjean will Cosette herbringen lassen. Es entwickelt sich eine zarte, herzerwärmende Liebe von Valjean zu Cosette. Nachdem die Thernadiers immer nur Geld wollen, Krankheiten Cosettes vorschieben, lässt Valjean eine Vollmacht Fantines aufsetzen, welche dazu berechtigt, gegen Vorzeigung des Dokumentes Cosette ausgehändigt zu bekommen.

In der Ferne findet ein Prozess statt, bei dem ein Angeklagter beschuldigt wird, dass er Valjean sei, was der bestreitet, aber es gibt Zeugen, welche seine Identität bestätigen. Valjean hätte gegen die Bewährungsstrafe verstossen, was lebenslänglich bedeute. Morgen käme es zur Verhandlung. Javert bittet um seine eigene Verurteilung, da er ihn falsch denunziert habe. Valjean nimmt die geforderte Bestrafung Javerts nicht an. Er befiehlt Javert, sich selbst zu verzeihen und ihn, Valjean, der Barmherzigkeit zu beschuldigen. Valjean ordnet Javert an, Präfekt zu bleiben, geht zum Gericht. 3 Zeugen bestätigen, dass der Angeklagte Jean Valjean sei. Darauf erbarmt sich der richtige Jean Valjean und bekennt sich, Jean Valjean zu sein und kann anhand von Narben, Tätowierungen der Zeugen beweisen, dass er die Beschuldiger kennt. Bevor man ihn packen kann, verlässt er das Gericht.

Fantine unterschreibt die Vollmacht. Ihr geht es schlechter. Sie bittet Valjean, sich um Cosette zu kümmern, sollte sie nicht durchkommen und ersucht Valjean, ihr eine Kette zu geben. Er verspricht, sich um Cosette zu kümmern.

Ein Haftbefehl trifft bei Javert ein. Er soll Valjean festnehmen. Valjean bittet Javert, 2 Tage zu warten, um in der Zwischenzeit Cosette zu holen, doch Javert glaubt ihm nicht. Als Javert Fantine eröffnet, dass sie hinter Gitter komme und ihre Tochter nie wieder sehen werde, ist das zuviel für Fantine. Sie stirbt.

Valjean schlägt Javert zusammen, küsst die tote Fantine ein letztes Mal. Mit Hilfe von Beauvais gelingt Valjean die Flucht. Valjean hat die Anteile an der Fabrik an die Beschäftigten abgegeben, holt sich Geld aus dem Versteck, eilt zu den Thenardiers, wo er Cosette gegen Vorzeigung der Vollmacht befreit. Aber Javet ist ihm auf den Fersen. Cosette geht mit Valjean nach Paris.

Valjean und Cosette kommen nach Paris. Dort wurden auf Javerts Wink hin die Kontrollen verstärkt, die Beiden müssen über die Stadtmauer klettern, wobei Javert sie entdeckt. Doch auf der anderen Seite der Mauer ist ein Nonnenkloster, und zwar jenes, in dem Lafitte als Gärtner arbeitet. Valjean und Cosette erhalten Einlass. Javert wird von den Nonnen das Betreten des Klosters verwehrt.

10 Jahre später:

Cosette ist angehende Novizin des Klosters. Aber Cosette möchte raus. Jean Valjean, der im Kloster Lafitte heisst, hat das Glück von Cosette im Visier und setzt sich dafür ein, dass sie zusammen das Nonnenkloster verlassen dürfen, was auch gelingt. Cosette wird Jean Valjean immer Papa nennen. Alles ist spannend für Cosette, die von der neuen Umgebung fasziniert ist. Sie sieht den jungen Revolutionär Marius sprechen, welcher der Anführer der ABC-Gesellschaft ist. Der will den König stürzen, das uneingeschränkte Wahlrecht. Javert hält Marius für politisch gefährlich und beobachtet ihn. Als Cosette Marius sieht, ist es Liebe auf den ersten Blick und umgekehrt. Jean Valjean gibt mit Cosette Essen an Bedürftige aus. Sie lernen den kleinen Gavroche kennen. Der steckt Cosette, dass Marius gerne einen Spaziergang mit ihr machen würde.
Jean Valjean erzählt Cosette, dass er nicht ihr leiblicher Vater ist. Er hätte ihrer Mutter versprochen, für sie zu sorgen.
Marius kommt an die Tür. Er und Cosette tauschen sich aus. Marius überreicht ihr einen Brief. Man verabredet sich für "morgen Abend". Heimlich treffen sich Marius und Cosette. Diese gesteht Marius, dass seine Rede grossartig war. Man kommt sich naher.
Jean Valjean findet die Kette für Cosette. Javert ist über die Liebschaft von Marius und Cosette auf dem Laufenden. Javert will "Monsieur Lafitte" stecken, dass seine Tochter von einem gefährlichen Radikalen verführt wurde. Valjean erfährt, dass ein Monsieur Javert von der Polizei ihn sprechen wolle. Jean lässt sich verleugnen, er wäre nicht hier und verreist. Javert hinterlässt "Lafitte" einen Brief. Cosette übergibt den Brief und Jean Valjean wird böse, als er vom Verhältnis von Marius und Cosette erfährt. Cosette gesteht, dass sie Marius liebe. Jean erklärt Cosette, dass er ein Sträfling sei und er erzählt ihr seine Geschichte.

Javert erfährt, dass "Lafittes" Tochter Cosette heisst. Er sucht "Lafittes" Wohnung auf, aber die ist leer.
Die Studenten sind mit den Vorbereitungen der Revolution beschäftigt. Marius kann Cosette zu Hause nicht antreffen, findet aber auf der Bank ein Mitteilung von Cosette, wo sie sich befindet. Marius taucht bei Cosette auf. Cosette und Valjean wollen nach England.

Die Aufständischen um Marius errichten Barrikaden. Javert will sich bei den Revolutionären einschleusen. Valjean hat vor, mit Cosette zu fliehen. Cosette will aber auf Marius warten.

Marius ist den Vorbereitungen der Revolution beschäftigt, will sich aber noch für eine Stunde entfernen. Er wird Javert im Schlepptau zu Cosette führen. Javert hat Marius überwältigt. Javert erzählt Cosette, dass ihre Mutter eine Hure war. Cosette stösst ihn zu Boden und kann Marius befreien. Der hat Javerts Waffe und wird ihn abführen. Cosette erzählt Jean Valjean die Geschichte. Der bricht auf, wird dem gefangenen Javert begegnen. Valjean steckt Marius, dass er zu Cosette gehen soll. Der kleine Gavroche wird getroffen und sinkt tot hin.

Javert soll erschossen werden. Valjean kümmert sich um ihn und schneidet ihm die Fesseln durch, lässt ihn laufen. Javert bittet darum, ihn zu töten, sonst werde er ihn, Jean Valjean, weiter hetzen. Valjean feuert einen Schuss in die Luft und sagt: sie sind tot, Javert.

Die Barrikade hält nicht stand. Marius ist schwer verletzt. Jean Valjean flieht mit ihm in die Kanalisation. Revolutionäre werden erschossen. Javert ist Valjean und Marius auf den Fersen.

Valjean schafft es mit Marius aus der Kanalisation, läuft aber direkt Javert vor die Füsse. Marius wird geborgen. Valjean handelt mit Javert den Kuhhandel aus, Marius zu Cosette zu bringen und sich dann wieder Javert zu stellen.

Valjean bringt den verletzten Marius wirklich zu Cosette. Endlich übergibt Jean Valjean die Kette Fantines an Cosette. Fantine wäre eine gute Frau gewesen. Er hätte sie geliebt. Der Abschied von Cosette fällt emotional aus.

Am Flussufer erwartet Javert Valjean. Was dann passiert, soll sich jede/r selber ansehen.

Es ist unglaublich eindrücklich. Mehr möchte ich dazu nicht verraten.

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Ich denke, dass die Vorlage des Romans von Victor Hugo derart stark ist, dass man sie cineastisch nicht verhunzen kann. Auch andere Verfilmungen sind stark und sehenswert. Welche die Beste ist, überlasse ich gerne dem geneigten Publikum.

Bei dieser 1998-er Ausgabe von Bille August fand ich die schauspielerischen Leistungen überragend.

Was ein Liam Neeson, ein Hans Matheson, ein Geoffrey Rush und besonders auch Uma Thurman oder Claire Danes leisten, war aussergewöhnlich gut.

Die Szene, als der Bischof Jean Valjean die Kapuze nach unten reisst und die anschliessenden Sätze wirken wie ein Glaubensbekenntnis der modernen Art, welches sehr tief angelegt und eine echte Trouvaille ist.

Die Figur des Jean Valjean hat mich persönlich schon im Roman von Victor Hugo fasziniert. Im Film erweckt sie Liam Neeson zu neuem Leben. Wie man so eine Figur überhaupt erfinden kann, weiss vermutlich nur Victor Hugo selbst. Am Nächsten sehe ich vielleicht noch Dostojewskis Fürst Myschkin im Roman "der Idiot".

Bei so einer Figur, so einem Film, wird man schnell demütig und dankbar. Es sind mitunter auch solche Werke, welche einen eine Liebe zum Film entwickeln lassen, die nie vergeht.

Les Miserables - trailer - engl.

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Mar adentro (Das Meer in mir) Spanien Drama (2004) flagge-spanien-wehende-flagge-15x22.gif

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Der Film Mar Adentro von Alejandro Amenabar wurde im Jahr 2005 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

Das Werk beruht auf der tatsächlichen Lebensgeschichte von Ramon Sampedro. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, gibt der Film recht gut die wirklichen Ereignisse wieder.

Ramon bereist die Welt in jungen Jahren als Mechaniker auf einem Schiff und kehrt dann wieder nach Spanien zurück. Am 23. August 1968 unternimmt er einen Ausflug ans Meer. Im Film wird Ramon erzählen, dass er abgelenkt war, als er mit einem Kopfsprung ins niedrige Wasser sprang und auf dem Boden aufschlug. Ramon verliert das Bewusstsein nicht. Er sagt, es stimme, was man über Sterbende sage. Auch er hätte die wichtigsten Bilder seines Lebens nochmal gesehen. Man sage, Ertrinkende sterben einen schnellen, süssen Tod. In diesem Moment hätte er sterben sollen. Ramon hat sich bei diesem Sprung einen Halswirbel gebrochen. Man rettet ihn gerade noch rechtzeitig, aber er wird für immer Tetraplegiker bleiben.

Das Leben erscheint Ramon Sampedro unter seinen Bedingungen unwürdig. Er möchte sterben und in der Folge dreht sich der Film im Wesentlichen um Fragen der Sterbehilfe, was ein Leben lebenswert macht.

Religiöse Aspekte spielen im Film ebenso eine Rolle, wie die Pflege eines Tetraplegikers. Der Umgang einer Familie, von Bekannten, mit einem Tetraplegiker, dem Todeswunsch eines lieben Menschen und die Auswirkungen auf Angehörige.

Zudem geht es um rechtliche Aspekte des begleiteten Sterbens, um Freiheiten eines Menschen, der noch klar denken kann.

Ramon Sampedro ist ein recht witziger Zeitgenosse, der nicht mit Sarkastik spart und er ist sehr intelligent. Da er mit der Hand nicht schreiben kann, tut er dies mit dem Mund. Er schreibt wunderschöne Gedichte. Wenn er sich konzentriert und sich Raum gibt, kann er in seinen Gedanken fliegen.

Unser Held ist nicht allein. Er wird insbesondere von der Familie seines Bruders mit reinem Herzen und viel Liebe gepflegt.

Um seine Forderung nach Sterbehilfe rechtlich durchzudrücken, arbeitet er mit Julia zusammen. Diese leidet selber an der degenerativen Krankheit Cadasil. Für Ramon war dies Bedingung, denn er wollte eine Anwältin, welche die Leiden aus eigener Erfahrung kennt.

Rosa, welche in einer Konservenfabrik arbeitet, sieht im Fernsehen einen Bericht über Ramon. Er wird die bemerkenswerten Sätze sagen: "wenn man vollkommen von Anderen abhängig ist, lerne man, lachend zu weinen. Deshalb lache er so viel".

Die Fernsehsendung hat Rosa Eindruck gemacht. Sie wird Ramon mit dem Velo aufsuchen und sieht sich vor allem als jemand, der Ramon Lebenswille einhauchen will. Die Konversation endet im Streit, denn Ramon will einfach nur sterben. Nebenbei arbeitet Rosa auch fürs Radio, welches Ramon auch hört und sie wird sich bei ihm übers Radio entschuldigen und extra für ihn ein Lied auflegen.

Obwohl Julia in einer Beziehung steckt, verliebt sie sich in Ramon. Sie möchte Ramons Gedichte als Buch herausgeben. Nach einem Schlaganfall in Ramos Haus verschlechtert sich ihr Zustand.

Rosa besucht Ramon wieder. Erzählt ihm, dass man die Konservenfabrik geschlossen hätte. Noch immer will sie ihm helfen, wieder gesund zu werden. Sie würde alles dafür geben.

Ein Pater taucht auf, versucht, Ramon erfolglos umzustimmen. Er wird sagen, dass Ramon vielleicht einfach ein bisschen mehr Liebe brauche.

Julia ist eifersüchtig auf Rosa und lebensmüde. Sie eröffnet Ramon, dass sie für sein Buch einen Verleger finden will. Danach komme sie mit dem Exemplar und dann würden sie sich gemeinsam umbringen. Ramon ist damit einverstanden.

Ramons Fall wird vor Gericht verhandelt, endet aber für Ramon mit einer Niederlage.

Ramon schreibt an Julia: er habe das Urteil des Landgerichts erhalten. Die Richter verstehen zwar, dass er sterben wolle. aber verweisen darauf, dass es eine Straftat sei, ihm dabei zu helfen. Er freut sich aufs Buch und es werde der süsseste Tod sein, den er sich vorstellen könne. Die reine gegenseitige Liebe und alles werde im Gleichgewicht sein.

Das Buch kommt heraus. Julia macht einen Rückzieher und schickt Roman nur das Buch. Sie wird nie mehr bei Ramon erscheinen.

Ramon fliegt in seinem Traum wieder übers Land, sieht seinen eigenen Unfall, wird im Traum gerettet.

Rosa ruft ihn an und taucht dann bei Ramon auf. Sie liebt Ramon über alles, aber sie will ihm helfen, indem sie ihm beisteht, sich umzubringen.

Besonders Ramons Bruder hat sich immer gegen den Selbsttod ausgesprochen. Aber seine Worte vermögen Ramons Ansichten nicht zu verändern. Ramon wird mit Rosa in ein Haus mit Blick aufs Meer gehen.

Ramon klagt die Trägheit der Institutionen an, verspricht Rosa ihr ein Zeichen zu geben, wenn er tot sei. Seinen Tod hat Ramon sorgfältig geplant. Alle Schritte des Sterbebegleitung sind unterteilt, alle für sich nicht strafbar. Er wird auch seinen eigenen Tod filmen lassen.

Er wird sagen, dass die Verantwortung für diese Tat nur bei ihm liege. Er werde sich von seinem kostbarsten Gut, seinem Körper trennen. So wie er das sehe, hätte man das Recht zu leben, aber nicht die Pflicht dazu.

Ramon Sampedro trinkt das Zyankali vor laufender Kamera. Der Todeskampf wird gezeigt, gepaart mit Aufnahmen seines Unfalls unter Wasser, bis er tot ist.

Gene, eine langjährige Freundin von Ramon, wird Julia aufsuchen und ihr einen Brief von Ramon übergeben. Diese leidet an Demenz und kann sich nicht mehr an Ramon erinnern..

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Alejandro Amenabar hat mit Mar adentro schon ein Meisterwerk abgeliefert. Er hat das Thema Sterbehilfe sehr präzis und einfühlsam behandelt. Das Drehbuch ist überragend, die Träume, der Witz, der Sarkasmus von Ramon Sampedro begeistern.

Die Geschichte wurde sehr stimmig erzählt. Zwar entspricht Julia nicht den realen Ereignissen und wurde aus div. Liebschaften von Ramon zusammengebastelt, aber das war überzeugend.

Fand besonders auch die schauspielerischen Leistungen absolut überragend, besonders Ramon Sampedro wurde glänzend gespielt. Nicht ganz so toll fand ich einzig Javier und Gene.

Der Film hat aber seltsamerweise noch eine andere Kompetente: er wird die Betrachter unweigerlich die eigenen Positionen zu den jeweiligen Themen reflektieren lassen und vor allem die eigenen Antworten auf: was macht unser Leben aus? Was macht unser Leben lebenswert? Nutzen wir die kurze Zeit, die wir hier haben richtig? Werden wir unseren Bedürfnissen gerecht? Was machen wir für uns und was für andere?

Dieser "bewusste/unbewusste" Sidekick auf unsere eigene Befindlichkeit und unser Verhältnis zur Sterbehilfe ist ein wesentlicher und toller Aspekt dieses Filmes.

Die im Film als "Rosa" bezeichnete Frau gibts wirklich: Allerdings heisst sie Ramona Maneiro. Sie stellte ihm das Glas mit der Zyankali-Wasserlösung bereit, das Sampedro mit einem Strohhalm austrank. Dies galt zum Zeitpunkt der Tat als Beihilfe zum Suizid und war strafbar. Erst nach Ablauf der Verjährungsfrist gestand sie im Januar 2005 ihre Tat.

Hier gibts auch ein Foto des "richtigen" Ramon Sampedro zu sehen:



hier ein tolle Filmanalyse, welche ich Interessierten sehr empfehlen kann:


das Buch von Ramon Sampedro:


zum Abschluss ein Gedicht von Ramon Sampedro:

Ins Meer hinein, ins Meer,
in seine schwerelose Tiefe,
wo die Träume sich erfüllen,
und Zwei in einem Willen sich vereinen,
um zu stillen eine große Sehnsucht.

Ein Kuss entflammt das Leben
mit einem Blitz und einem Donner,
und sich verwandelnd
ist mein Körper nicht mehr Körper,
als Dräng ich vor zum Mittelpunkt
des Universums.

Die kindlichste Umarmung
und der reinste aller Küsse,
bis wir beide nicht mehr sind
als nur noch eine große Sehnsucht.

Dein Blick und mein Blick
wortlos hin und her geworfen,
wie ein Echo wiederholend: tiefer, tiefer,
bis weit jenseits allen Seins,
aus Fleisch und Blut und Knochen.

Doch immer wach ich auf
und immer wär ich lieber tot,
um endlos mich mit meinem Mund
in deinen Haaren zu verfangen.

– Ramón Sampedro –

Mar adentro - trailer - engl. subs

mar adentro - full - spanisch

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Young Kaelin

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La leggenda del pianista sull’Oceano (Die Legende vom Ozeanpianisten) Italien Drama (1998) flagge-italien-wehende-flagge-15x26.gif

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Die Legende vom Ozeanpianisten konnte sich im Rennen um den Beitrag für Italien knapp gegen Cinema Paradiso durchsetzen.

Der Film wurde mir von Kumpel Andy wärmstens empfohlen. Das Werk beruht auf dem Roman vom grandiosen Autoren Alessandro Baricco, welcher Novecento heisst. Er hat im übrigen auch den Roman Seide geschrieben, welchen ich den geneigten Lesern ebenso empfehlen kann.

Die Legende vom Ozeanpianisten wird mit viel Aufwand und Liebe zu Details präsentiert. Fast die ganze Geschichte spielt sich auf einem Schiff ab, welches im Film mit einer sagenhaft schönen Innenarchitektur glänzen kann. Da wurde geklotzt und nicht gekleckert. Das Schiff selber ist genauso edel, würdevoll.

Kurzum: der Rahmen für eine tolle Geschichte könnte kaum besser sein. Der Regisseur Giuseppe Tornatore hat es verstanden, die ungewöhnlich schöne Poesie des Buches in tolle Bilder zu verwandeln.

Und natürlich ist da die Musik, welche von Ennio Morricone einmal mehr meisterhaft komponiert wurde und allerhöchsten Ansprüchen genügt.

Der Film beginnt mit einem selten schönen Satz: Man ist noch lange nicht am Ende, wenn man eine gute Geschichte zu erzählen hat und einem, der zuhört.

Dem Trompeter Max Tooney ist der Zaster ausgegangen und er verkauft seine Trompete einem Händler. Max spielt nochmal ein Lied, welches der Händler wiedererkennt. Dieser lässt eine Schallplatte laufen, kennt aber weder den Namen des Stückes noch jenen des Pianisten.
Max weiss nur zu gut, wer da auf der Schallplatte zu hören ist und erzählt die Geschichte vom Ozeanpianisten:

An Bord des Ozeandampfers Virginian wird ein Baby auf einem Piano vom schwarzen Heizer Danny Boodman entdeckt. Da der Junge am 1.1.1900 gefunden wird, gibt ihm der Finder den Namen Danny Boodman T.D. Lemon Novecento.

Novecento wächst bei den Heizern des Ozeanriesen auf. Da Danny Angst hatte, dass man ihm seinen Jungen aufgrund fehlender Papiere wegnehmen würde, verbrachte der Junge die ersten Jahre versteckt im Bauch der Virginian. Als Novecento 8 Jahre alt ist, verletzt sich sein gefühlter Vater bei einem Arbeitsunfall schwer und stirbt 3 Tage später. An die 50 Male hat Novecento die Ueberfahrt Europa - Amerika und zurück gemacht. Er setzte nie einen Fuss an Land und ging nie von Bord. Novecento hatte kein Heimatland, keinen Geburtstag, keine Familie. Er war 8 Jahre alt, aber offiziell nie geboren worden.

Der kleine Junge spielt virtuos Klavier. Später wird er sich mit Max anfreunden, der in der Bordkapelle Trompete spielt. Novecento glänzt mit Jazzeinlagen, spielt auf Zurufe Melodien nach, wie die italienische Tarantella. Sein Ruhm steigt, sein Talent ist nicht zu überhören und er wird vor allem auch als Jazzpianist berühmt.

Während die Passagiere und auch Bediensteten an Land gehen, wird Novecento immer einsam auf dem Schiff zurückbleiben. Er wird das Festland sein ganzes Leben lang nicht betreten.

Der Jazz-Musiker Jelly Roll Morton gilt als Erfinder des Jazz und hört von dem überragenden Talent Novecentos. Jelly ist ein gut gekleideter, selbstbewusster Schwarzer. Er fordert Novecento zum Pianoduell heraus, das tatsächlich zustande kommt. Jelly mimt den coolen Mann. Als Novecento ihm die Hand zum Gruss entgegenstreckt, geht Jelly nicht darauf ein.

Jelly spielt gut. Seine Hände wären so leicht wie Schmetterlinge, er liebkose die Tasten. Es heisst, er hätte sich seinen Ruhm in den Bordellen von New Oreleans erspielt. Die Leute in den oberen Stockwerken der Bordelle wollten ruhige Musik hören und Jelly lieferte sie ihnen.

Als Novecento kontern soll, spielt er Stille Nacht. Max redet ihm zu. Novecento spielt Tango, wechselt dann den Musikstil. Das Publikum ist zuerst nicht zufrieden mit der Darbietung von Novecento und buht ihn aus. Jelly setzt sich nochmal ans Piano und spielt vom Feinsten. Novecento fühlt sich herausgefordert, setzt wie Jelly eine Zigarette aufs Piano, murmelt ihm ein: wie Du willst, A..loch, zu und hämmert dann richtig aufs Piano.... die Hände wirbeln nur so über die Tasten. Allen bleibt erstmal die Spucke weg. Jelly lässt das Glas fallen. Novecento spielt wie in Trance. Schweissgebadet beendet er seinen Vortrag. Totenstille im Saal. Er nimmt die Zigarette, setzt sie auf die Saiten des Pianos und die Zigarette fängt Feuer. Dann schlendert er mit der Zigarette zu Jelly, bietet ihm die Zigarette an: "Rauch Du sie". Er könne nicht rauchen. Das Publikum flippt aus.

Novecento hat das Duell gewonnen. Man sagt, Jelly Roll Morton hätte sich für den Rest der Reise in seine Kabine eingesperrt. In Southampton hätte er die Virginian verlassen und ein anderes Schiff für die Rückreise nach Amerika genommen.

Novecento verliebt sich einmal in eine blonde Schönheit. Er wird bei ihrem Anblick die Schallplatte aufnehmen, welche der Händler Max vorspielen wird. Per Zufall stellt sich heraus, dass Novecento den Vater des Mädchen bei einer früheren Reise kennenlernte. Der Vater hatte ihm von der Stimme des Meeres erzählt und diese Stimme höre man nur vom Land aus.

Fast hätte Novecento wegen ihr das Schiff doch noch verlassen, aber Novecento fühlte sich nur auf dem Schiff wohl und kehrte wieder zum Schiff zurück.

Max hatte ihn immer ermuntert, doch an Land zu gehen, aber alles Bitten half nichts.

Am 29.8.1933 hat Max die Virginian verlassen. Er hatte genug vom Ozean, hatte vorerst nie wieder was von der Virginian oder von Novecento gehört.

Der Musikhändler steckt Max, das die Virginian ausgemustert wurde und dass sie gesprengt werden soll.

Max geht vor Ort, überzeugt die Abwracker, dass sein Freund Novecento noch an Bord sei. Mit dem Plattenspieler und der Schallplatte gelingt es Max tatsächlich, dass der aus seinem Versteck kommt. Er will trotz der Sprengung nicht an Land. Die Wolkenkratzer zerdrücken ihn. Auf seinem Schiff kennt er sich aus. Novecento wird ausführen, dass ein Piano nur 88 Tasten habe. Es wäre nicht unendlich. Auf der Gangway habe er Millionen von Tasten gesehen und kein Ende. Tasten bis ins Unendliche. Auf einer Klaviatur mit unendlichen Tasten könne man keine Musik machen. Die ganze Welt würde ihn zu Boden drücken. Dieses Uebermass mache ihm Angst. Das Land wäre ein zu grosses Schiff für ihn. Die Reise wäre zu weit. Er könne nicht vom Schiff gehen. Höchstens könne er aus dem Leben gehen.
¨
Max hätte Lust gehabt, wieder Trompete zu spielen und mit Novecento eine Big Band zu gründen.

Max und Novecento umarmen sich ein letztes Mal. Traurig geht Max von Bord. Novecento wird ihm zurufen, dass er hoffe, dass es im Himmel ein Piano gibt.

Das Schiff mit Novecento an Bord fliegt in die Luft.

Max bedankt sich beim Händler. Als Max gehen will, gibt ihm der Händler die Trompete wieder zurück. Er werde sie noch brauchen. Es soll das Geld vergessen. Eine gute Geschichte sei mehr wert, als eine alte Trompete. Max nimmt die Trompete mit.

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Die Legende des Ozeanpianisten ist ein sehr poetischer Film, mit schönen Bildern, Metaphern und einer überragenden musikalischen Untermalung.

Es ist eine Geschichte über Grenzen, über ein Zuhause im Ueberschaubaren und sie zeigt auf, was passieren kann, wenn man nicht die Kraft und nicht den Mut aufbringen kann, Widerstände und gesetzte Grenzen zu prüfen und sie allenfalls zu überwinden.

Dieses Spiel mit den Auswanderern, Reisenden und dem zwar ebenso Reisenden, aber im goldigen Käfig gefangenen Novecento, den nichtmal die Aussicht auf eine Liebe oder eine Zukunft mit einem vertrauten Kumpel dazu bewegen konnte, seine Wohlfühloase aufzugeben, waren eindrücklich.

Schlussendlich ist Novecento sogar lieber in die Luft geflogen, mit einem Schiff, dass soviele Kilometer reiste, als er diese wenigen Schritte gewagt hätte, neues Land zu betreten und neue Erfahrungen zu sammeln.

Insofern verstehe ich den Film als Aufruf, mutig und tapfer zu sein und sich immer wieder auszuprobieren, auch wenn der Weg steinig und hart sein mag.

Die Figur von Jelly Roll Morton gabs übrigens wirklich:


die legende vom ozeanpianisten - trailer - deutsch

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