1. Liebe Sportfans,

    jeder leidenschaftliche Sportfan kennt sie - Momente oder Highlights der Sport-Geschichte, die einem Gänsehaut, Herzrasen, Freudenschreie oder bittere Tränen (oder Freudentränen) bescherten und bei denen man den Atem angehalten hat oder am ganzen Körper vor Spannung zitterte, sich mit Freunden in den Armen lag usw. An die man immer wieder gerne zurückdenkt und sie bei Youtube oder in Videos rauf und runter schaut. Seien es Tore, Treffer, Punkte in letzter Sekunde, die Meisterschaften oder Turniere entschieden haben oder legendäre, dramatische, sensationelle, spannende, überraschende, niemals für möglich gehaltene Wendungen oder Ereignisse in verschiedenen Sportarten, die für einen selbst immer unvergessen bleiben werden, die einen sogar vielleicht geprägt haben im Leben. Momente des (Lieblings-)Sports, an die man sich immer wieder gerne oder ungern (wenn es die eigene Lieblingsmannschaft/den eigenen Lieblingssportler negativ betrifft) erinnert. "Weißt du noch...? Erinnerst du dich als...? "Für solche Momente muss man den Sport einfach lieben!"

    Wir wollen wissen - welche Momente haben euch geprägt, welche bleiben für immer in eurer Erinnerung?

    Macht mit bei der Wahl zu den Sportmomenten für die Ewigkeit! Alles weitere findet im entsprechenden Thread im Community-Bereich unter den Foren-Events. Wir freuen uns über eure Teilnahme!

    Viele Grüße
    Euer Administratoren-Team
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Schach

Dieses Thema im Forum "Sonstige Sportarten & Sport Allgemein" wurde erstellt von Young Kaelin, 15. Februar 2017.

  1. Young Kaelin

    Young Kaelin 3 time NUSBTS-Champion, CAAO-Champion & p4p king

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    ich sollte irgendwo noch das buch von kasparow auf einer diskette haben. die partie hab ich gerade nochmal nachgespielt und... war erstaunt:

    der compi gibt mir da nirgendwo einen klaren vorteil für schlechter.... im gegenteil: es ist wohl genauso wie dus sagst.

    der compi sieht jedenfalls fast durch die ganze partie durch immer weiss im vorteil, wenn ich das richtig seh. wahrscheinlich war Schlechters 35. Txf4 der entscheidende bock. der compi spukt mir Td8 als besser aus. Da gibts wohl nix anderes, als kasparow nachzulesen.

    bei einem Quiz hätte ich ohne Joker auf die Version mit Vorteil Schlechter, dann remis dann Verlust gesetzt. Die offensichtliche Mär hatte ich im Gedächnis so abgespeichert, weil hier und dort gelesen. Einer ueberprüfung hält das nicht stand, da geb ich Dir Recht. :thumb:.
     
    #21
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  2. speedclem

    speedclem Team-Kapitän

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    ich habe das jetzt auch nur aus dem kopf behauptet, hatte das bei kasparow so gelesen, gut dass dus nochmal nachgespielt hast.
    allerdings sah schlechters angriff schon sehr gefährlich aus, und die Zeitgenossen und auch spätere Analytiker sahen ihn meist auf der siegerstraße, was aber kasparow und andere widerlegten. da sieht man auch wieder mal die "macht" der computer. ich liebe diese alten Partien und Geschichten.
     
    #22
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  3. Young Kaelin

    Young Kaelin 3 time NUSBTS-Champion, CAAO-Champion & p4p king

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    chuky der zerstreute schachspieler....., den Jungen muss man einfach gern haben. :cool4:
     
    #23
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  4. Young Kaelin

    Young Kaelin 3 time NUSBTS-Champion, CAAO-Champion & p4p king

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    zur Schande von Riad:

    1) http://www.chess-international.de/archive/82106

    zur Schande von Riad:

    2)http://www.hindustantimes.com/other...bia-tourney/story-teKAhpYsS1cfRGnlsPRLgL.html

    endlich mal eine, die sich wehrt. Gibt ihre WM-Titel ab aufgrund ihrer Ueberzeugungen. Bravo Anna Muzychuk. Respekt. :thumb:


    "However, the event got mired in controversy even before its commencement as Israeli chess players were denied visas.

    Earlier, Saudi Arabia’s top cleric, Grand Mufti Sheikh Abdulaziz Al Sheikh, had said in 2016 that chess is “forbidden” in Islam because it wastes time and can lead to rivalry among players.

    Similarly, top Iranian clerics had also discouraged the country from hosting the game, saying it could lead to gambling, which was not permissible in Islam."

    ist ja ein toller Kleriker-Haufen da unten. :mensch:
     
    #24
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  5. desl

    desl Box-Moderator

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    Verfolgt jemand von euch das WM-Kandidatenturnier das derzeit in Berlin stattfindet?

    "Senior" Kramnik kann bislang auftrumpfen und hat mit Siegen gegen Grischuk und Aronjan (mit den schwarzen Steinen) derzeit nach drei Tagen mit 2,5 Punkten die Führung inne. Dahinter liegen Caruana und (der als Mit-Favorit gehandelte) Mamedyarov, die ihre Auftakt-Partien gegen So bzw. Karjakin gewinnen konnten. Caruana und Mamedyarov trennten sich gestern Unentschieden. Caruana hatte zeitweise die etwas bessere Stellung, aber er geriet etwas in Zeitnot und konnte den Vorteil nicht ausnutzen.

    Heute ist Ruhetag und morgen treffen u.A. Kramnik und Caruana aufeinander.
    Mamedyarov trifft auf So, der derzeit auf dem letzten Rang liegt, aber auch das Turnier zwei Mal mit schwarz hintereinander beginnen musste.
    Grischuk und Ding Liren haben beide 1,5 Punkte und spielen morgen gegeneinander.
    Das vierte Duell morgen ist dann Karjakin gegen Aronjan (beide 1 Punkt)
     
    #25
  6. Sm0kE

    Sm0kE Aktueller Sportforen-GrandPrix-Champion

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    Ja!

    Das lasse ich eigentlich nie aus, das Niveau ist schlicht zu gut, man lernt immer wieder so einiges dazu. Frage mich allerdings, was mit Aronian los ist, den hatte ich eigentlich weiter vorne erwartet.
     
    #26
  7. Sm0kE

    Sm0kE Aktueller Sportforen-GrandPrix-Champion

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    :crazy::crazy::crazy:

    Da kann man mal sehen, dass selbst GMs diesen Levels in Zeitnot die übelsten Klopper bringen. Oder einfach komplett schlachblind sein können, siehe Grishuk vs Ding und 21. ... gxf4 22. Rxf4 .. Züge, die ich auf Anhieb sehe (wie hier Bh4+ :eek:), sollte man als GM schon sehen dürfen. :D

    Und die sehen es beide nicht. Der eine sieht die Gefahr nicht, und der andere dann den offensichtlichen Zug nicht. :crazy::laugh:

    https://www.chessbomb.com/arena/2018-fide-berlin-candidates/04-Grischuk_Alexander-Ding_Liren

    Caruana hingegen war im 33., als er den vorentscheidenden Zug übersieht, wodurch Kramnik überhaupt erst nochmal in die Partie zurückkommt, immerhin in totaler Zeitnot mit nur noch 2 Minuten auf der Uhr. ;)
     
    #27
  8. speedclem

    speedclem Team-Kapitän

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    ich hoffe auf caruana oder aronjan (der wohl langsam ins rollen kommt...)
    kramnik ist immer noch richtig stark und kann mit Anfang 40 eine gewaltige Erfahrung einbringen, ich erinnere mich an ihn, als er anfang/mitte der 90er mit langen haaren und riesenbrille als shootingstar auftauchte... ABER: einen matcherfolg gg Carlsen traue ich ihm dennoch nicht mehr zu... (finde übrigens 12 Partien für eine wm immer noch viel zu kurz, die 24 damals waren schon gut, das waren epische schlachten, die sich über Wochen hinzogen, häufig in 2 Städten)
    eine Paarung marmedsharow vs Carlsen wäre auch reizvoll, der marmeladov ist ja ein offensiver Angriffsspieler mit fantasievollen Ideen...
    ABER: eigentlich traue ich nur aronjan (die nerven!!) und caruana zu, den champ zu entthronen.
    caruanas Leistung im sinquefield cup 2014(?) ist vllt das beste turnierergebnes eines "Super-Großmeisters" EVER!
     
    #28
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  9. Sm0kE

    Sm0kE Aktueller Sportforen-GrandPrix-Champion

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    Mamedyarov heißt der Mann. ;)
     
    #29
  10. desl

    desl Box-Moderator

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    3 sehr interessante Partien gestern.

    1 weniger interessante.
    Bei Mamedyarov kams schnell zum Abtausch der Figuren und nachdem die Damen aus dem Spiel waren, war die Sache gegessen.

    Aronjan gegen Karjakin hatte durchaus was für sich. Nachdem Aronjan mit seinem Springer den e4-Bauern nam, hatte er zwei Bauern mehr auf dem Feld. Karjakin konnte diesen Abstand um einen Bauern verkürzen, als es zum Abtausch der Damen und Läufern kam, aber nachdem sich Karjakin entschied den schwarzen Bauern auf e3 nicht zu nehmen sah es für ihn bald dennoch recht düster aus. Aronjan hatte letztlich drei Bauern bei ansonsten noch jeweils einem Turm auf dem Feld ... da konnte Karjakin dann irgendwann nicht mehr siegen. Der Sieger des Kandidatenturniers 2016 liegt damit jetzt schon ziemlich weit hinten.

    Grischuk gegen Ding fand ich eine sehr spannende Partie. Grischuk opferte früh einen Springer, aber der andere störte mitten in Dings Stellung. Dessen Läufer fanden kaum Platz und es wirkte als sei Grischuk gut auf die Stellung vorbereitet ... während Ding während des Spiels deutlich länger zu grübeln hatte. Letztlich bekam Ding seinen König aus der Gefahrenzone rüber zum Damenflügel und nach manch Figurenabstausch entknotete sich die Stellung. Später wurde es etwas eng für Grischuk, weil Ding einer Figurenumwandlung nahe kam, aber Grischuk konnte c1 verteidigen bis nach und nach die Damen und Türme vom Platz verschwanden. Letztlich blieb eine Stellung, bei der keiner einen Freibauern hätte ins Ziel bringen können.

    Kramnik gegen Caruana war das erwartete Highlight. Die Damen waren schnell aus dem Spiel, aber die beiden steuerten nicht auf ein Remis zu. Beide konnten ihre Bauern weit nach vorne bringen und Kramniks Stellung gefiel mir etwas besser. Caruana hatte zeitweise sich um weiße Bauern auf a7 und d7 zu kümmern. Einen der Bauern wandelte Kramnik um, was Caruana einen Turm kostete. Doch in der Folge piesackte Karuana mit seinem Springer und dem verbliebenen Turm Kramniks König und attackierte einen der weißen Türme. Als Kramnik mit seinem Turm auf e1 und danach auf d1 auswich, konnte sich Caruana diesen Turm schnappen. Die an der Stelle drohende Umwandlung des h-Bauern von Caruana sorgte dann letztlich für die Entscheidung. Womöglich hat Kramnik in dem Spiel gute Chancen liegen gelassen. Ich hab nicht das ganze Spiel live gesehen und dachte eher, dass Caruana um ein Remis wird kämpfen müssen. Nun hat er noch den Sieg rausgeholt und damit die alleinige Führung im Turnier.
    Durchaus etwas überraschend, galt Caruana (nach einem etwas durchwachsenen 2017) nicht unbedingt als Turnier-Favorit (eher Kramnik, Aronjan und Mamedyarov).


    Heute in der fünften Runde:

    Die punktgleichen Grischuk und Aronjan. Beide mit bislang durchaus schönen Partien ... ein Sieg für einen der beiden könnte den Anschluss an die Spitze bedeuten.

    So, der nach zwei Unentschieden an Sicherheit gewinnt, trifft auf Kramnik.

    Ding, nach 4 Unentschieden punktgleich mit Grischuk und Aronjan, spielt gegen Mamedyarov der nun mit Kramnik gleichauf hinter Caruana liegt.

    Und Caruana trifft auf Karjakin. Die beiden hatten ja vor 2 Jahren am letzten Tag um den Turniersieg gespielt. Caruana (damals schwarz) brauchte einen Sieg oder ein Unentschieden (wenn Anand gegen Svidler gewänne, was nicht geschehen ist). Er spielte offensiv, doch Karjakin nutzte die Schwäche in Caruanas Stellung aus und zog siegreich in den WM-Kampf mit Carlssen ein. Nach bislang 2 Niederlagen und 2 Unentschieden läufts dieses Mal aber nicht gut für Karjakin.
     
    #30
  11. desl

    desl Box-Moderator

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    18.387
    Königsindisch ... Katalanisch ... das sah alles mehr oder weniger ähnlich aus, was gestern gespielt wurde. Führte auch alles zum Remis, aber auf recht unterschiedliche Weise.

    Caruana-Karjakin war schnell vorbei. Bei den ersten vier Zügen wählten die beiden übrigens die selbe Eröffnung, wie bei ihrem Remis im Kandidatenturnier 2016.
    die Leichtfiguren verschwanden schon bald vom Tisch und nachdem auch die Türme das Feld verließen folgten sogleich die Damen. Mit symmetischer Bauernstruktur und unterschiedlich farbigen Läufern war da nix mehr zu holen.

    Ding gegen Mamedyarov dauert da schon etwas länger. Auch hier wurde katalanisch gespielt. Beide guckten ähnlich lange aufs Brett. Etwas spektakulär sah es aus, als Mamedyarov mit Läufer und Dame auf a3 vorpreschte, aber die Stellung entschärfte sich bald und führte zum Abtausch weiterer Leichfiguren. Nachdem sich die Bauernstruktur in der Mitte öffnete und noch zwei Türme abgetauscht wurden passierte nicht mehr viel. Keiner der beiden schien eine Idee zu haben, wie er noch in die gegnerische Stellung eindringen kann, ohne die eigene Verteidigung entschieden zu schwächen. Schade eigentlich, ich glaube da wär für beide noch was möglich gewesen und ich glaub so manch Spieler hätte da noch weiter gemacht ... z.B. ein Magnus Carlsen oder auch ein Kramnik gemessen an dem, was er so bei diesem Turnier zeigt.

    Apropos Kramnik, jener spielte mit Wesley So die längste Partie des Tages, die sich aus einem abgelehnten Damengambit entwickelte (verbesserte Tarrasch-Verteidigung). So schaute eine Weile mit seiner Dame auf dem Königsflügel vorbei, was aber nicht viel einbrachte. Die Dame ging zurück auf h2 und wirkte da relativ deplatziert. Nach 21. d5 kam es zum Tausch der Bauern und der Türme auf der e-Linie. Sos Dame fand wieder mehr Platz in der Mitte und wenig später wurden weitere Leichtfiguren und auch die Türme auf der c-Linie abgetauscht. Mit weniger Figuren auf dem Brett sah der isolierte Freibauer von So auf der d-Linie nicht mehr schlecht aus, aber er konnte diesen nicht halten. Alles sah sehr ausgeglichen und nach Remis aus, aber Kramnik wollte noch weiterspielen. Beide manövierten ihre Damen über das Feld, um den Gegner jeweils Schach zu geben und die verbleibenden Bauern auf dem Damenflügel zu beseitigen. Danach ging dann nichts mehr.

    Einen Sieg verpasst hat Levon Aronjan gegen Alexander Grischuk. Nach gut 18 Zügen wirkte Aronjans Stellung sehr stabil ... während die von Grischuk auf der schwarzen Seite eher so aussah, als würde sie ihm gleich um die Ohren fliegen. Aronjans Turm drohte auf der g-Linie, Grischuks Springer hatten wenig Platz, auf dem Damenflügel hatte Aronjan mehr Möglichkeiten und nachdem seine Bauern vorgesprescht waren, sah es für Aronjan deutlich besser aus, während Grischuk auch so langsam nicht mehr viel Zeit auf der Uhr hatte.
    Aronjan holte sich dann auch Materialvorteil (Turm für Springer) und war auf der Siegerstraße. Warum er dann aber 24. Td1 spielte statt der langen Rochade weiß ich nicht. Vielleicht sorgte er sich darum, dass die schwarze Dame den König irgendwie hätte angreifen können ... aber hätte Grischuk das versucht, dann wäre er ohne die Dame in der Nähe des eigenen Königs sehr bald matt gewesen.
    Nach Td1 steckte der weiße König fest, Grischuk spielte Sg5 und drohte mit Sf3, wodurch die beiden Läufer Aronjans an ihrer Stelle erstmal gebunden waren (der weiße Läufer hätte sonst über b5 mit eingegriffen). Die Stellung war damit ausgeglichen
    Aronjan blieb bei seinem Plan, wandelte den c-Bauern um, damit der schwarze Läufer Platz macht, um dann mit seiner Dame anzugreifen.
    Doch als Grischuk mit 27. ... Kg8 auswich, stand Aronjan plötzlich wieder auf Gewinn. Doch statt den Läufer auf c8 zu nehmen, spielte Aronjan Qd8+ ... vielleicht nahm er an, dass Grischuk nach h7 ausweicht und er dann den störenden Springer auf g5 kassieren kann. Doch Grischuk antwortete mit Qf8. Aronjan konnte den Springer nicht nehmen (ohne seinen Turm zu verlieren). Hätte Aronjan den Läufer geschlagen, dann hätte er klaren Materialvorteil gehabt, gepaart mit der deutlich besseren Stellung. Aber dazu kam es nicht ... die Damen, der verbliebene schwarze und einer der weißen Türme verschwanden vom Feld und damit war die Sache gegessen.

    Schade für Aronjan ... mit zwei Siegen in Folge hätte er die Niederlage gegen Kramnik quasi vergessen machen können und hätte zur Spitze aufgeschlossen


    Runde 6

    Caruana trifft auf Grischuk. Letzterer spielt zwar schön, ist aber in diesem Turnier auch schon hier und da unter Druck geraten ... und manchmal wird seine Zeit auch knapp ... was aber bei Caruana zuweilen auch der Fall ist.

    Aronjan spielt heute gegen So. Keine Ahnung, ob Aronjan sich noch in den Hintern beißt wegen des verpassten Sieges gestern. So spielt meiner Ansicht nach dieses Turnier eher zurückhaltend ... vielleicht wegen dem weniger erfolgreichen Start.

    Ding trifft auf Karjakin. Für Karjakin wird das schnelle Remis gestern nach dem für ihn bislang enttäuschendem Turnier fast schon ne Erholung gewesen sein. Dings Partien dieses Turnier sind - verglichen mit manch anderen - eher unspektakulär ... er zeigt, finde ich, etwas weniger Initiative.

    Top-Partie des Tages wird, denke ich, Kramnik gegen Mamedyarov sein. Allzu glücklich wirkten beide mit ihren Remis gestern nicht. Für beide geht es darum den Anschluss an Caruana zu halten
     
    #31
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  12. timberwolves

    timberwolves All-Star

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    Seit Jahren möchte ich schon Aronjan gegen Carlsen sehen, aber leider flattern dem in wichtigen Momenten zu häufig die Nerven. Mamedyarov find ich überraschend gut, aber ich hab die letzten 1,5 Jahre auch kaum verfolgt. Caruana ist der solideste Allrounder von allen und auch wenn mir sein Spielstil weniger gibt als der von Aronjan oder auch Grischuk, aber Carlsen ist halt wenn es drauf ankommt eine absolute Maschine und die besiegt man wahrscheinlich weniger mit romantischem Feingeistschach, als mit 'supersolidem', konstanten Spiel. Wenn ich mich recht erinnere, hat Caruana ja auch ne ganze gute Bilanz gegen Carlsen. Jetzt etwas unabhängig vom Turnier, aber Ding Liren wird ne große Zukunft haben, der hat von den jüngeren meiner nach das größte Potential.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. März 2018
    #32
  13. Nico

    Nico Administrator

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    9.444
    @desl: sehr coole Analysen! Ich komme dieses Mal kaum zum live Schauen, freue mich dann aber über die Berichte und spiele ein bisschen nach.
     
    #33
  14. desl

    desl Box-Moderator

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    Tag 6, Freitag

    Unspektakuläre Partie zwischen Ding und Karjakin. Nachdem Karjakin den b2-Bauern nam, war seine Dame so gestellt, dass sie nur zwischen b2 und a2 hin und her springen konnte, wenn schwarz keinen großen Nachteil kassieren wollte. Liren hätte noch die Möglichkeit gehabt die Situation zu entschärfen (z.B. Qd3 und danach zweiten Turm auf b1 holen), doch Liren entschied sich weiter der schwarzen Dame mit seinem linken Turm zu drohen und so kam es alsbald zum Remis durch Zugwiederholung. Ding bleibt damit bei den Remis-Ergebnissen und Karjakin bleibt am Tabellen-Ende.

    Caruana und Grischuk spielten Benoni und Caruanas Stellung sah durchaus ordentlich aus. Nachdem dann aber manch Figuren vom Feld verschwanden, sah es auf dem Brett etwas chaotisch aus und schwarz hatte einen Freibauern auf der c-Linie. Caruana hatte nurnoch eine Minute auf der Uhr und die Zeitkontrolle war zu weit weg. Er "flüchtete" sich in das Remis durch Zugwiederholung anstatt etwaige Risiken zu gehen, die Stellung in der Kürze der Zeit falsch zu berechnen.

    Ein Remis durch Zugwiederholung lag auch bei Mamedyarov-Kramnik in der Luft. Doch Kramnik nahm das Angebot von Mamedyarov nicht an und spielte 28...h5 ... was der Partie dann ganz schön Schwung gab.
    Bei Zug 34 spielte Kramnik dann Tdc8, anstatt den gegnerischen Turm zu nehmen (oder Springer auf c4, was auch zu einem Tausch der Türme geführt hätte). So konnte Mamedyarov dann die Türme in der schwarzen Hälfte abtauschen und hatte danach die Gelegenheit den Bauern auf der h-Linie zu nehmen.
    Mamedyarov blieb auf der Siegerstraße, wandelte später seinen g-Bauern um und kurz darauf drohte Kramnik nochmal mit Matt ... doch Mamedyarov sah die Falle, wehrte mit Tg2 ab und Kramnik sah seine Niederlage ein.
    Nach starkem Turnierstart wollte Kramnik hier vielleicht zuviel. Wieder ein Patzer, wieder eine Niederlage. Caruana und Mamedyarov sind damit wieder punktgleich ... so wie bei ihrer Partie gegeneinander, bevor beider gegen Kramnik spielten.

    Die unterhaltsamste Partie war wohl So gegen Aronjan. So entwickelte in der spanischen Partie nach und nach eine etwas bessere Stellung. Nach 38 Te6 war die schwarze Dame in arger Bedrängnis. Df7 oder Dh4 von Aronjan hätten womöglich den Nachteil einer Leichtfigur bedeutet. Aronjan zog seine Dame auf g5, was zum Tausch der Dame gegen den angreifenden weißen Turm und einen Springer führte. De4 von So folgte und Aronjan konnte eine weitere Leichtfigur nicht verteidigen.
    So hatte nun klaren Materialvorteil gegen den Aronjan noch eine ganze Weile versuchte an zu kämpfen ... aber den Sieg ließ sich So nicht mehr nehmen.
    Nach dem verpatzten Sieg gegen Grischuk am Vortag ein weiterer Dämpfer für Aronjan.
    In Runde 5 hatte er noch den Anschluss zur Spitze vor sich liegen ... wenig später zieht ihm diese wieder davon.
     
    #34
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  15. desl

    desl Box-Moderator

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    Tag 7, Sonntag

    Siebter Tag ... also jener mit den Partien, die es bei diesem Turnier noch nicht gab.

    Mamedyarov stürmte auf Grischuk und dessen weiße Steine an. Beide hatten ein Dutzend Züge ... und schon einen Läufer und einen Springer weniger. Mamedyarov sorgte wenig später für eine Zugwiederholung deren Alternativen für weiß nicht so ratsam gewesen wären. Grischuk bezeichnete seine Eröffnung später zunächst als Disaster ... Mamedyarov war mit dem Remis zufrieden.

    Ding spielte sein 7tes Remis in 7 Partien. Kramnik schien an einem Remis nicht sonderlich interessiert zu sein. Zur Mitte des Spiels gab er seine Dame ab ... im Gegenzug für einen Turm und einen Springer und für steigende Chancen seines Freibauern auf der b-Linie. Gleich darauf verschwanden die 4 Läufer und 2 weitere Springer vom Feld. Damit sah die Stellung recht ausgeglichen aus, da Kramnik einen Vorteil bei den Bauern hatte. Es folgten zahlreiche Züge in einem Marathon-Spiel und schließlich brachte Kramnik seinen h-Bauern bis zur Umwandlung ... was ihn jedoch den Turm und den Springer kostete. Mittlerweile hatte Liren einen Bauern mehr und Kramnik musste sich mit einem Remis begnügen, das er durch Dauerschach erzielte. Mit 6 Stunden spielte er erneut eine sehr lange Partie ... der Schach-Senior im Turnier sitzt insgesamt wohl am längsten am Brett ... ob das vielleicht zu viele Kräfte kostet?

    Eine lange Zeit sehr ausgeglichene Stellung hatten So und Karjakin. Doch So vermanövrierte sich und nach 35. ... Ke8 und 36. Kb6 steckte der schwarze Turm in der Klemme. Das kostete So einen Springer und er gab dann auf, weil er im Bauernendspiel gegen den aufgerückten weißen König schlecht ausgesehen hätte.

    Aronjan und Caruana spielten gegeneinander die Wiener Variante. Aronjan gilt da als Experte ... Caruana nicht (zwei Niederlagen, ein Remis).
    Die Stellung bot durchaus Möglichkeiten ins Remis abzuflachen, aber nach zwei weniger glücklichen Tagen war Aronjan auf Angriff aus. Ab 16. g4 rückte Aronjan nach vorne. Er versucht am Königsflügel nach vorne zu preschen, während gleichzeitig Caruana am Damenflügel noch nicht weit entwickelt ist (Turm nicht aktiviert, Läufer noch hinten drin...).
    Aronjan grübelte ne ganze Weile über seinen Angriff ... und zog ihn dann auch durch, während seine Zeit knapper wurde. Auf Kosten eines ganzen Turmes holte er sich zwei Freibauern auf der 6ten Reihe ... dem schwarzen König gegenüberstehend. Das brachte jedoch nichts mehr. Mit 32. Dh4 wäre Aronjan noch in ein Remis durch Dauerschach gekommen (wie er nach der Partie feststellt, aber in der Kürze der Zeit in der Partie kaum zu sehen), aber er spielt den Läufer auf c4. Aronjan gewinnt zwar dann nach Umwandlung seines g-Bauern den Turm zurück, aber das nützt nichts mehr ... Aronjans Angriff ist zu Ende und Caruana hat zwei ziemlich freie Bauern auf der vierten Reihe. Die kann Aronjan (nun unter arger Zeitnot) nicht mehr aufhalten und gibt auf.

    Kämpferischer Einsatz von Aronjan, der es heute wissen wollte und dabei mit der "Wiener Variante" auch auf seinem Terrain war ... aber der Angriff hat sich nicht ausgezahlt und nun steht Aronjan (wie schon erwähnt, in der Partie gegen Grischuk noch mit Tuchfühlung zur Spitze) am Ende des Tableaus.
    Caurana auf der anderen Seite führt nun allein mit 5 Punkten aus 7 Spielen.

    Es sieht so aus als würde sich der Turniersieg zwischen ihm und Mamedyarov entscheiden.
     
    #35
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  16. desl

    desl Box-Moderator

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    Tag 8, Montag

    In den ersten 5 Zügen der Partie zwischen Caruana und So in der russischen Verteidigung glich das Spiel dem Duell zwischen Kramnik und Caruana in der 4ten Runde. So spielte jedoch d3 statt den zweiten Springer rauszuholen, so dass die Springer noch eine Weile auf dem Brett verblieben. Zum Abtausch der Damen kam es aber auch hier (wie bei Kramnik-Caruana) recht schnell.
    Caruana stand gut, doch nach Abtausch der ersten Türme stürmte So mit seinen Springern vor, um sich den d-Bauern zu schnappen, um dort eine gewisse Lücke für den eigenen Bauern zu schlagen. Um seine Springer jedoch zurück zu führen, musste So eine Qualität opfern und verlor seinen Turm gegen einen Läufer von Caruana. Seinen Mehrbauer konnte So nicht ausspielen. Den Bauern auf der d-Linie musste er mit Umwandlung zu Dame opfern, um Caruanas g-Bauern abzufangen. Um den auch nehmen zu können, musste er entweder Caruanas Turm von der 3ten Reihe ablenken, oder den Caruanas König weit genug weg bekommen, um ggf. mit dem Springer den G-Bauern zu nehmen. Das kostete So dann auch den b-Bauern. Mit König und Turm lässt sich gegen König und Springer nicht zwingend mattsetzen. Am Ende verschwanden dann auch noch Turm und Springer vom Feld und es waren nurnoch die Könige übrig ... logischerweise Remis.

    Eine interessante Partie bot wieder einmal Levon Aronjan, doch nach und nach verschwanden die Figuren vom Brett und schließlich erzwang Ding ein Remis durch Dauerschach aus dem Aronjan nicht rauskam, ohne einen Bauern auf dem Königsflügel zu verlieren (was schmerzhaft geworden wäre). Ding bleibt damit bei den Remisen ... und damit auch im Mittelfeld des Tableaus.

    Karjakin spielte gegen Mamedyarov ähnlich wie in der 5ten Runde gegen Caruana. Nach je 7 Zügen sah das Brett fast gleich aus wie in der vorhergehenden Partie. Mamedyarov reagierte etwas anders als Caruana, aber ansonsten entwickelte sich das im weiteren Verlauf ähnlich. Die Leichtfiguren wurden abgetauscht und diesmal verschwanden auch die Damen.
    Schließlich bedrohte Karjakin mit seinem Turm abwechselnd den König und Mamedyarovs Bauern, was dieser mit seinem Turm abwehrte. Mamedyarov hätte auch seinen König ziehen können, aber so kam es zur Zugwiederholung und damit zum Remis.

    Wer spielte wieder am längsten? Kramnik natürlich. In der ersten Partie hatte er Grischuk besiegt, der nun weiß hatte. Am Vortag war Grischuk nicht gerade glücklich, da er nachdenken musste, während Mamedyarov einfach nur seine Vorbereitung runter spielte (und so gerade mal 5 Minuten bis zum Spielende auf seiner Uhr verbrauchte).
    Beim 13ten Zug nahm Kramnik nicht den Springer auf d4, sondern brachte seinen Läufer ins Spiel. Das brachte Grischuk einen Mehrbauern und nachdem er die Damen beseitigte, blieb nicht viel von Kramniks etwaigem Stellungsvorteil. Nach 24 Zügen waren zwei weitere Leichtfiguren gegangen und anschließend wurden die Figuren stundenlang über den Platz manövriert. Kramniks Läuferpaar stand mal auf a3, a4 ... und mal auf h1, h2.
    Kramnik kam nicht wirklich voran ... er musste immer wieder seine Läufer aus der Gefahrenzone bringen. Grischuk hatte so langsam aber doch seine Bauern auf f4 und g4 vorgebracht. Der Druck auf Kramnik wurde so langsam größer. Hätte Grischuk 70. e6 gespielt, dann wäre der Bauer wohl durch gekommen ... womöglich mit Endspiel Dame gegen Turm und Läufer. Grischuk schlug hingegen, wonach wenig später beide einen Bauern weniger hatten und die Lage recht ausgeglichen aussah ... abgesehen von Grischuks Mehrbauern.
    Doch da Kramnik beim 75. und 76. Zug nicht Lf3 spielte (Druck auf den g-Bauern), sondern stattdessen zwei Mal recht harmlos Schach gab, kam es dazu, dass Grischuk auf klarer Siegerstraße lag. Mittlerweile hatten ohnehin beide Spieler nurnoch wenig Zeit auf der Uhr ... das ähnelte schon fast einer Schnellschach-Partie und vielleicht war das der Grund, warum Kramnik Grischuks Gewinnmöglichkeit nicht sah. Er äußerte später auf der PK, dass er annahm, die Stellung werde ohnehin zum Remis führen. Kramnik konnte nun nicht mehr verhindern, dass Grischuk einen weiteren seiner Bauern abräumte. Nachdem Kramnik dann auch einen seiner Läufer für Grischuks Springer hergab, war der Sieg Grischuks quasi besiegelt. Kramnik konnte nicht verhindern, dass einer der beiden Bauern Grischuks durchgeht und musste somit nach der 7 Stunden dauernden Partie aufgeben.

    Grischuk hat damit bei Sieg und Niederlage gegen Kramnik und dem zusätzlichen Sieg gegen So nun +1 und damit noch Tuchfühlung zu Caruana und Mamedyarov. Kramnik dagegen ist hinter den Remis-Spieler Ding in die untere Hälfte zurück gefallen. Er spielt zwar die spannendstens und wohl aufregendsten Partien bei diesem Turnier ... aber sein Risiko wird - wie auch bei Aronjan - nicht immer belohnt und hier und da schleichen sich nunmal auch Fehler ein (mehrere Situationen gegen Caruana, kein Txc1 gegen Mamedyarov, kein Bf3 gegen Grischuk), was ihm die drei Niederlagen einbrachte. Wie auch immer ... dass er die Wild Card bekommen hat ist durchaus gut, ohne den derzeit forsch spielenden Kramnik würde dem Turnier durchaus was fehlen. Er wäre übrigens für das Kandidaten-Turnier qualifiziert gewesen, wenn So das World-Cup-Halbfinale gegen Ding Liren gewonnen hätte.
     
    #36
  17. timberwolves

    timberwolves All-Star

    Registriert seit:
    29. Dezember 2004
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    6.496
    Es ist doch leider inzwischen so, dass am Ende der bessere menschliche Schachcomputer gewinnt. Durch heutige Digitalisierung können Spiele viel besser gelernt werden, als zu einer Zeit wo alle nur Zettel und Stift hatten. Heute haben ja alle Zugriff auf unfassbare Datenbanken mit allen möglichen gespielten Spielen quer über Globus und Spielstärken hinweg.
    Und selbst früher wurde doch von nicht wenigen und ziemlich einflussreichen Spielern bedauert, dass alle ihre Eröffnungen lernen, die sie dann mechanisch gegeneinander abarbeiten. Nicht ohne Grund galt ja 960 als die Zukunft des Schachs, weil dort noch Kreativität und Finesse und nicht Auswendiglernen im Vordergrund stehen (hat sich ja nicht wirklich durchgesetzt).

    Ich meine ich gucke mir natürlich immer noch gerne Spiele an, um dann aber auch immer wieder festzustellen, dass die Spieler, die was wagen und auch mal was anderes probieren gegen die Carlsens und Caruanas im großen und ganzen immer chancenloser werden. Ich finde neben 960 inzwischen Schnell- und Blitzschach da eigentlich fast interessanter.
     
    #37
  18. speedclem

    speedclem Team-Kapitän

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    4.930
    wobei ich da schon einen unterschied zwischen caruana und Carlsen sehe (auch wenn ich jetzt nicht mehr jede Partie nachspiele wie in den 90ern oder frühen 2000ern). Carlsen spielt für mich sehr "computermäßig", der quetscht seine Stellungen aus, spielt häßlich aussehende Züge, die auch ein rechner empfehlen würde. caruana, wie bei seiner siegesserie vor wenigen Jahren, spielt auch mal "klassisch" oder ansatzweise wie die alten Meister. topalow, dieser Bulgare, war ja ein Beispiel wie man mit kreativen angriffsschach an guten tagen die Weltelite aufmischen konnte. aber er wurde dann irgendwann "zu alt" für seinen Stil. bei tal zbsp vergisst man oft, dass der sich in den 70ern zu einem sehr guten positionsspieler entwickelte und so mal über einen längeren Zeitraum ohne Niederlage blieb.
    topalow konnte sich nicht so umstellen.
    mamedjarow ist noch ein Beispiel eines kreativen, risikofreudigen Angriffsspielers, obwohl seine beiden siege im kandidatenturnier eher geschenkt der Gegner waren, die er eiskalt nutzte...
    aber ich sehe es ähnlich, das Schach, was mich interessiert, wurde eher früher gespielt.
    960 hat mich aber nie so begeistert, ich liebe halt die Vielfalt der Eröffnungen. reti, aber auch spanisch, überhaupt die offenen spiele...
     
    #38
  19. Sm0kE

    Sm0kE Aktueller Sportforen-GrandPrix-Champion

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    Kommentar Nakamura zur heutigen Partie Caruana vs Ding und speziell der Phase vom 52. bis 64. Zug:

    "The computer, as usual, shows what a bunch of clowns humans are at chess..."

    Sprach die Nr. 7 der Welt. :D:laugh::thumb:
     
    #39
  20. desl

    desl Box-Moderator

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    Tag 9, Dienstag

    Die Partie zwischen So und Grischuk ... naja ... sie fand kaum statt. Grischuk wählte die Berliner Verteidigung und die ganze Zeit über fand sich eine sehr ausgeglichene Stellung, die später auch fast völlig symmetrisch war. So hatte nur knapp mehr als 10 Minuten von seiner Uhr verbraucht, Grischuk guckte - wie so oft - länger ins Brett hinein, fand aber nichts überraschendes.
    Nach dem großen Schlagen auf dem Königsflügel hatten beide 7 symmetrisch stehende Bauern und jeweils einen Springer. Da ging nichts mehr.
    Grischuk war anschließend glücklicher als nach seinem Sieg gegen Kramnik am Vortag ... weil er nach der Partie mit Kramnik einfach nur müde war.
    Judit Polgar sprach Grischuk darauf an, dass er seine Partien hinterher mit dem Computer analysiere, Grischuk erklärte, dass er dazu auf chessbomb oder chess24 gucke (quasi auch gucken, was die Engine von den Zügen hielt usw.). Schon irgendwie interessant, dass ein Spitzensportler zur Analyse seines Wettkampfes auf die gleichen Mittel zugreift wie die Zuschauer. Wo hat man das sonst so?

    Vor dem Spiel gegen Ding hatte Aronjan seinem Team versprochen "vernünftiges Schach" zu spielen ... und auch gegen Mamedyarov war er weniger offensiv, als z.B. in manch anderen Partien dieses Turniers. Mit 8. Se8 hätte Aronjan im Tausch gegen Bauer und Springer einen der schwarzen Türme kassieren können, aber er deckte lieber seinen Bauer und lies Mamedyarov fianchettieren. Se6 kam etwas später und führte zum Abtausch zweier Läufer und zweier Springer. Die Stellung blieb ziemlich ausgeglichen. Aronjan ärgerte sich später noch, dass er nicht 32. Ld4 gespielt hatte (damit hätte er den e-Bauern verteidigt) und stattdessen b3 zog, um zwei Türme aus dem Spiel zu nehmen, und um den schwarzen König mit Te1+ in ungeliebte Gefilde zu drängen (oder vielleicht gar den Springer zu gewinnen) ... aber er übersah wohl, dass der König nach e6 & d7 ausweichen konnte. Den Mehrbauern hatte Mamedyarov aber nur kurz ... und so kam es dann auch schließlich zum Remis.

    Ausnahmsweise spielte Kramnik mal nicht die längste Partie ... aber er sorgte wieder für Spektakel. Das ging zunächst aber von Karjakin aus, der mit 9. h4 überraschte, wonach Kramnik lange grübelte. Er entschied sich für einen Abtausch der c-Bauern und spielte dann 11....f5, was so richtig Unruhe reinbrachte und seine Dame auf den Königsflügel brachte. Vom Material her gewiss noch ausgeglichen, aber Karjakin platzierte sein Läuferpaar hübsch und die schwarze Dame war nun etwas eingeschränkt. Kramnik hätte das vielleicht noch etwas auflückern können ... aber vielleicht hatte er nach den Marathon-Schlachten auch keine Lust auf eine lange Partie? 16...e5 war auch nicht gerade ideal, denn nach Karjakins 17. d5 wurde dessen Bauern zur größeren Bedrohung. Beide nahmen einen Springer und nachdem Karjakin auf f3 schlug, musste Kramnik zurück schlagen ... nur womit? Qxf3 hätte zum Abtausch der Damen geführt, aber durch Opfer der Qualität (Turm gegen weißen Läufer) hätte Kramnik den drohenden (cxb7) Bauern nehmen können. Nicht gerade angenehm ... aber vielleicht eher ein Remis.
    Doch stattdessen schlug Kramnik mit dem Turm, was durchaus bedrohlich aussah, wenn er seine Läufer da noch ins Spiel gebracht hätte. Karjakin hätte nun 20. cxb7 den Läufer gewinnen können, aber vielleicht sah er Qb3 nicht. Denn hätte er dann den Läufer auf b7 mit seinem Turm geschlagen, so hätte er nach einem Turm-Opfer Kramniks aufpassen müssen, dass nicht der andere Turm und der verbliebene schwarze Läufer mit einspringen, um den ziemlich exponierten weißen König matt zu setzen. Qb3 hätte Schach gegeben, in Ruhe den Läufer schlagen können und beide schwarzen Türme wären bedroht gewesen ... ok, der Druck auf den weißen König wäre dagewesen, aber schwarz hätte den König nicht matt gesetzt, dieser hätte sich hinter die Läufer zurück ziehen können. Aber da kommen nunmal auch mehrere Züge zusammen und Karjakin wollte sicherlich nicht aus versehen ein Matt übersehen.
    20. Le2 war da für Karjakin die sicherere Variante. Kramnik blieb dann nurnoch sein Turm-Opfer, wonach er aber immerhin den bedrohlichen c-Bauern nehmen konnte. Karjakin gab sich danach keine Blöße mehr. Für Kramnik hätte es laut Engine vielleicht noch Wege gegeben Material zurück zu gewinnen, aber die perfekten Züge fanden da beide nicht.
    Karjakin igelte sich mehr oder weniger ein und verteidigte so seinen Materialvorteil gegenüber den drohenden Läufern. Letztlich waren Kramnik damit die Chancen entglitten und er gab auf.

    Etwas überraschend war, dass Kramnik später nicht auf der Pressekonferenz war. Das lag daran, dass Aronjan-Mamedyarov wenig später endete, während Kramnik noch auf Karjakin wartete. Dadurch fand erst die Aronjan-Mamedyarov-PK statt und Kramnik hatte keine Lust mehr zu warten und verschwand ... nach 4 Niederlagen und 2 Remis in den letzten 6 Spielen wahrscheinlich auch ziemlich frustriert. Ob nun sein Preisgeld gekürzt wird bleibt abzuwarten ... so viel wird es wohl eh nicht werden, nach zwischenzeitlicher Turnierführung ist Kramnik mit So und Aronjan gemeinsamer Letzter.
    Irgendwie schade ... Kramnik kämpft, bringt spannende Partien, sorgt gewissermaßen für Unterhaltung und Spektakel ... aber es wird nicht belohnt. Jede Kramnik-Partie dieses Turnier scheint interessanter zu sein als die meisten Partien von Ding Liren dieser Tage ... aber es nützt nix.



    Zu Ding - Caruana komm ich später.
     
    #40
    Young Kaelin gefällt das.

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