Also im Prinzip seh ich ein ähnliches Schachspiel mit noch mehr Warten und Fintieren wie gegen Agnew. Pascal muss für die Punkte eigentlich konditionell über seinem Limit boxen und Kovalev so konstant wie möglich zurückdrängen, denn im Rückwärtsgang ist der Krusher nur noch halb so imposant, kann allerdings jederzeit gefährlich umschalten. Viel hängt davon ab wann und ob Kovalev sich das erste Mal richtigen Respekt verschaffen kann. Dementsprechend viel oder wenig wird Pascal sich trauen und auf den Punktzetteln konkurrenzfähig sein. Wenn Pascal so viel an den Seilen rumlungert bzw. wegen seinem Energiemanagement rumlungern muss und sich auf drohen und fintieren beschränkt wie gegen Bute, hat er nur die kleine KO-Chance. Kovalev hat genug Positionsgefühl, Eier und die langen, geraden Hände um in diesen Phasen auch ohne größere Treffer den Kampf zu kontrollieren und den besseren Eindruck zu machen.
Bin sehr gespannt ob Kovalev sich auf Pascals nicht vorhandenen Rhythmus und unorthodoxes Schlagarsenal einstellen und mit entsprechenden Kontern grüßen kann, wenn der Gegner angeflogen kommt. Dieses Feeling konnte bisher eigentlich nur Hopkins gegen Pascal aufbauen. Allgemein Kovalevs Reaktion auf Pascals Spurts wird sehr interessant. Haut er da mit oder geht er komplett raus aus den Aktionen bzw. macht zu. Der Krusher hat defensiv bessere Deckung und Anthizipationsvermögen als landläufig angenommen, aber ein Loch in seinem Game ist wie er sich bei Vorstößen des Gegners die mehr als 2 Schläge beinhalten, verhält. Speziell gegen Agnew ging er wirklich zu 90% immer nur gerade zurück als ob er sich auf Schienen bewegte, wenn der Gegner überraschend an den Mann gesprungen kam. Der Kopf blieb auch immer auf einer Linie. Das kann gegen einen energetischen Vulkan wie Pascal schiefgehen und ist generell zu ausrechenbar und wirkt oft etwas unorganisiert.
Andererseits fand ich Pascal gegen Bute wahnsinnig unpräzise und ineffizient. Bute stand teilweise wie festgefroren und mangelhaft gedeckt in der Gegend rum bei Pascals Attacken und der konnte letztendlich nicht viel drauß machen. Selbst für seine Verhältnisse hat er auch sehr wenig mitgeboxt und selber aufgebaut in diesem Kampf. Der Pascal der gegen Dawson glänzte ging wesentlich pro-aktiver zur Sache und hat auch mal versucht den Gegner in bestimmte Position oder Situationen zu bringen um dort dann zu agieren. Gegen Bute hat er ja nichtmal halbwegs mitgejabbt und sich defensiv vollends auf dessen Verunsicherung verlassen.
Was Roy in seiner Ecke angeht. Nunja man hat gegen Bute gesehen dass auch er nichts Bahnbrechendes und großartig Neues aus Pascal rausholen konnte. Ich denke mal er ist in erster Linie ein Ratgeber und mentaler Tool für Pascal, der ihm Komfort gibt und in entscheidenden Situationen vielleicht 5% mehr Energie und Köpfchen. Allerdings fehlen ihm seit 2010 mehr als diese 5 Prozent. Mit der damaligen Leistung würde ich es ihm zutrauen Kovalev in keinen Rhythmus kommen zu lassen. Mittlerweile ist er aber doch so eindimensional dass ich mir das nur im Falle von sehr frühen Erfolgserlebnissen ergo Wirkungstreffern an Kovalevs Kopf vorstellen kann. Ansonsten wird der Krusher die Sache regeln und Pascal in Schach halten über 12 Runden.
In jedem Fall aber für Beide hier ein paar schwierige und teils neue Elemente mit denen sie konfrontiert werden und der Chaosfaktor ist auch nicht zu unterschätzen.
Kinder, den Kampf MUSS man einfach sehen!
Einschätzungen von ein paar Leuten aus der Szene
http://http://ringtv.craveonline.com/news/383381-fight-picks-who-wins-sergey-kovalev-vs-jean-pascal
Augen auf bei Kalles Analyse. Da war ich völlig baff angesichts der Ausführlichkeit und Tiefe.