Die Reichweite wäre nicht das größte Problem, wenn das Schnelladen unterwegs nicht so exorbitant teuer wäre. Bis zu 90 Cent für eine kWh sind eine Menge Holz...
Hängt halt davon ab, wo man lädt und mit welcher Ladekarte. EWE Go (gibt es an der Autobahn recht viele Ladesäulen direkt am McDonalds) zahle ich mit deren Karte 52 Cent. EnBW (der größte Anbieter) hat eigene Tarife, ebenso Ionity, Aral Pulse und Tesla - auch die sind weit verbreitet. 90 Cent zahlt man wirklich nur, wenn man ad hoc mit Kreditkarte lädt...was ich persönlich nie mache.
Was die Reichweiten und Ladegeschwindigkeit angeht: ein Hyundai Ioniq 6 schafft die 400 km auf der Autobahn ganz entspannt (bei Tempo 130) und lädt in 18 Minuten von 10 auf 80%. In der Zeit schaffe ich es gerade so, aufs Klo zu gehen und mir einen Kaffee zu holen.
Keine Ahnung, wer heutzutage noch 650 km am Stück fahren will/muss, aber einen Autofahrer, der 6h am Stück am Steuer sitzt, halte ich für relativ gefährlich - da lassen Aufmerksamkeit und Konzentration massiv nach.
Und der Wiederverkaufswert von Ioniq 5 und 6 ist jetzt auch nicht so verkehrt, wenn ich mir mal die Online-Portale ansehe. Man muss immer beachten, dass die meisten Autos der Jahre 2021 bis 2023 unter Abzug der Umweltprämie gekauft wurden.
Ich fahr jetzt seit 2 Monaten E-Auto und will nichts anderes mehr: auch wenn der Kia nicht das neueste Modell ist, ist er leise, sparsam, gut ausgestattet und großartig motorisiert. Und für mein Fahrprofil (überwiegend Strecken unter 100km, 4,5 Mal im Jahre 300 km an die Ostsee und vielleicht 2 lange Strecken im Jahr) ideal. Zudem stellt man sich relativ schnell auf die neuen Gegebenheiten ein:
Ich bin letztens zu Verwandten gefahren (400 km Gesamtstrecke hin und zurück, zu 90% Autobahn), da hätte der Akku knapp nicht durchgehend gereicht. Also auf der Rückfahrt beim Supermarkt das Auto an einen Schnellader, 15 Minuten einkaufen gewesen und 25% aufgeladen, so dass ich entspannt bis nach Hause kam. Preis waren trotz "Fremdladesäule" 62 Cent. Klingt viel, nehme ich ab und zu aber in Kauf, weil ich schlicht die meiste Zeit zuhause lade für demächst 24 Cent je kWh.
Was ich sagen will: es gibt sicher Fahrprofile, die E-Autos noch nicht abdecken (schwere Anhängelast, viel Langstrecke unter Zeitdruck), aber 90% der deutschen Autofahrer könnten problemlos auf ein E-Auto umsteigen. Gut, dass es noch nicht so viele tun, denn das würde die aktuelle Ladeinfrastruktur nicht abdecken. 30-40% E-Autos wären aber jetzt schon problemlos möglich (wenn man sich allein mal den Anteil an Wohneigentümern in Deutschland ansieht).