noch ein paar lose Gedanken.
- Arsenal ist ein würdiger Meister und ich gönne es ihnen auch. Nach drei Vizemeisterschaften in Folge (einmal haben 89 Punkte nicht gereicht) musste man sich ja auch langsam fragen, ob man irgendwann auch wirklich mal über die letzte Hürde kommt oder weiter nur die Brautjungfer bleibt. Aber man war aus meiner Sicht in diesem Jahr das stabilste und beste Team der Liga, was die 31 Spieltage an der Spitze auch gut abbilden. Gönne ich auch Kickern wie Rice oder Eze, die ich immer mochte, sehr. Mikel Arteta natürlich auch ein perfektes Beispiel für die "Trainer müssen mehr Zeit bekommen"-Fraktion im Fußball, nachdem er seine Arsenal-Karriere mit zwei achten Plätzen eröffnet hat.
- zu United hab ich ja eh immer wieder Romane geschrieben, aber ein Punkt ist mir noch ins Auge gestochen, und zwar die Offensive. In der bodenlosen Vorsaison lieferte man 44 Tore (Platz 16) und 56,9 xG (Platz 13) ... in dieser Saison kam man auf 69 Tore (Platz 3) und 72,2 xG (Platz 3). Das ist dann schon eine tolle Transformation in einem Jahr, und diese Entwicklung war auch unter Amorim schon zu beobachten. Man hat sich deutlich mehr gute Torchancen erarbeitet und auch die Effizienz deutlich oben schrauben können, das sieht man ganz deutlich. Dabei kam man primär übers Kollektiv, aber dass die Neuzugänge Mbeumo (11), Sesko (11) und Cunha (10) die drei besten Torschützen waren und auf der anderen Seite des Platzes der vierte Neuzugang (Senne Lammens) vielleicht sogar der beste Transfer war, stimmt mich auch für die kommende Transferperiode recht positiv.
- bei Liverpool kann man natürlich von einer enttäuschenden Saison sprechen. Die Entscheidung, den Meisterkader so radikal umzubauen, hat ja damals schon für Aufregung gesorgt und sieht aus heutiger Sicht schon ein bisschen nach "Operation erfolgreich, Patient tot" aus. Aber: ich schreibe Liverpool wirklich null ab. Ich weiß, viele Fans dort sind enttäuscht, dass Arne Slot (so sieht es zumindest aus) weitermachen darf, und ich kann das als Fan eines Vereins, der jetzt zweimal hintereinander mit einem Lame Duck Manager in die Saison gegangen ist und das im Saisonverlauf korrigieren musste, auch echt gut verstehen. Aber ich traue Liverpool und Slot tatsächlich zu, das nächste Saison wieder in bessere Bahnen zu lenken. Aber gut, ich hatte nach den Startschwierigkeiten auch erwartet, dass sich die neu zusammengewürfelte Mannschaft im Saisonverlauf langsam findet und sich steigert. Ist nicht passiert, wobei da natürlich auch Verletzungen eine große Rolle gespielt haben. Who knows, vielleicht muss man wirklich im Herbst die Reißleine ziehen und ärgert sich dann, dass man jetzt nicht den Schnitt gemacht hat. Aber in Stein gemeißelt ist das für mich nicht.
- die drei Bs (Bournemouth, Brighton, Brentford) haben mir wieder sehr viel Spaß gemacht. Das sind kleinere Klubs mit vergleichsweise wenigen Mitteln (im nationalen Vergleich), die aber einfach richtig gute Arbeit machen und eine riesige Bereicherung für die Liga sind. Bournemouth und Brighton wurde folgerichtig auch mit einem internationalen Startplatz belohnt ... Brentford verpasst diesen nur durch die schlechtere Tordifferenz. Hätte die jetzt eher als Sunderland noch im internationalen Geschäft gesehen, aber im Mittelfeld wars halt auch brutal eng (zwei Punkte zwischen Platz 7 und 11). Vor der Arbeit Iraolas kann ich wirklich nur den Hut ziehen, der bringt die Mannschaft auch echt jedes Jahr nach vorne ... von 12 auf 9 auf 6. Jetzt der Abschied, mal sehen, wohin es ihn zieht. Der sechste Platz ist auch aufgrund der vielen namhaften Abgänge vor der Saison echt beeindruckend, vielleicht kann die EL ein Argument sein, um einen Alex Scott noch ein weiteres Jahr zu halten. Die Entscheidung für Marco Rose hab ich nicht verstanden, aber wer weiß. Hürzeler mit Brighton back-to-back auf Platz 8 ... gefühlt hat man da auf der Zielgeraden noch ein bisschen was liegen gelassen, mit drei Niederlagen in den letzten vier Spielen. EL wäre drin gewesen, aber unterm Strich trotzdem wieder eine grundsolide Saison. Auch von Brentford, um die ich vor der Saison ein bisschen Sorgen hatte, nachdem man Trainer Frank und Leistungsträger Mbeumo, Wissa und Norgaard gehen lassen musste. Aber das Werk lief mit Keith Andrews einfach stabil weiter. Wie gesagt, hätte ich auch nicht ungern im internationalen Geschäft gesehen.
- bei Chelsea würde ich aus dieser Saison zwei Dinge ableiten: a) Geld verbrennen alleine reicht nicht, und b) Enzo Maresca ist ein richtig guter Trainer. Maresca war doch der einzige in der Boehly-Ära, der so etwas wie ein stabiles Team formen konnte (vielleicht noch Pochettino mit Abstrichen), aber er hat dem Verein in dieser Saison auch ein bisschen einen Bärendienst erwiesen, mit den City-Verhandlungen und den - gefühlt - erzwungenen Rausschmiss. Danach ging nicht mehr so viel, und das verpasste internationale Geschäft ist die Konsequenz. Jetzt kommt mit Xabi Alonso wieder ein Heiland, mal schauen, wie sich das am Ende darstellt. Die Egos bei Chelsea sind nicht so groß wie bei Real, dafür ist der Kader gefühlt dreimal größer, Spieler wie Enzo Fernandez machen auch gerne mal Problemchen und Boehlys Transferstrategie ist gefühlt bisher eher "lass mal alles einkaufen, was geradeaus laufen kann" als ein durchdachtes Konzept. Fußball ist kurzlebig und es kann sich alles einfach wahnsinnig schnell drehen, aber ich sehe diese Trainerverpflichtung fürs Erste wirklich gelassen.
- Newcastles Saison hat mir persönlich sehr viel Schadenfreude bereitet. Da ist gefühlt im letzten Kalenderjahr wirklich alles schiefgegangen ... ging ja schon mit dem durchwachsenen Transfersommer los, in dem mehrere Wunschspieler abgesagt haben und dann Alexander Isak seinen Abgang erzwungen hat. Aber auch auf dem Platz hat es dann eigentlich nie gepasst, und gerade die Neuzugänge haben einfach nicht gezündet. Da war Nick Woltemade (bei dem Eddie Howe offenbar mit der Frage, wie er ihn jetzt am besten einsetzen soll, ein bisschen überfordert war) mit seinen 8 Saisontoren sogar noch ganz in Ordnung, wenn man es mit Yoane Wissa und Anthony Elanga vergleicht. Wissa hat es nach einer 19 Tore-Saison bei Brentford jetzt auf ein einziges Törchen in 19 Ligaspielen für Newcastle gebracht ... Elanga, letztes Jahr bei Nottingham noch mit 17 Scorern, blieb in 32 Ligaspielen für Newcastle gar ohne Torerfolg (aber immerhin 1 Assist ^^). Puh. Und dass am Ende der ewige Rivale Sunderland in die EL geht, während man selbst trotz der Saudi-Millionen auf Platz 12 einläuft, ist dann die Höchststrafe. Besser wirds ohne internationalem Geschäft wohl auch nicht, Anthony Gordon ist so gut wie weg und auch Sandro Tonali wird umworben. Ich bin jetzt sehr gespannt, ob Eddie Howe weitermachen darf (Kredit hat er nach den letzten Jahren ja genug) oder ob man hier die Reißleine zieht.
- bisher keine gute Saison für Oliver Glasner, muss man so festhalten ... aber das könnte sich übermorgen noch ein bisschen ändern

und ich würds ihm sehr gönnen, wenn er mit einem Titel zum Abschluss gehen würde. Aber in der Liga gings im Vergleich zum Vorjahr nach hinten, und während er im Herbst/Winter noch als Kandidat für größere Aufgaben gehandelt wurde, hört man davon eigentlich schon länger nichts mehr. Da hat die sportliche Talfahrt im Frühjahr nicht geholfen, aber er tut sich dann auch mit seiner Kritik an den Vorgesetzten auch keinen großen Gefallen. Und wieder geht er mit zerschlagenem Porzellan ... ich empfinde das als sehr schade, auch wenn ich verstehen kann, dass die Situation für den Trainer gerade in der Premier League frustrierend sein kann, wenn der Verein wirtschaftlich arbeiten muss. Die Ligaposition muss man dann auch in dem Kontext sehen, dass man mit einer dünnen Personaldecke eine Doppelbelastung hatte. Wie auch immer, ich wünsche Glasner das Happy End und dann bin ich gespannt, wo es ihn hinzieht. Ich sehe ihn auch von der Spielanlage aber eben mehr bei einem Mittelklasseteam als bei einer größeren Nummer.
- wilde Saison von Nottingham Forest. Man hat in der Vorsaison mit Platz 7 brutal überperformt, aber Abstiegskampf und vier (!) verschiedene Trainer hätte ich auch nicht zwingend erwartet. Und am Ende wäre man trotzdem fast noch ins Conference League-Finale gegangen. Keine Ahnung, wie das bei denen jetzt weitergeht. Mit Elliot Anderson und Morgan Gibbs-White hat man (noch) zwei überragende Kicker am Start, aber der Abgang von Anderson dürfte in Stein gemeißelt sein (wenn nicht zu City, dann zu United) und Gibbs-White musste man letztes Jahr schon mit der Androhung rechtlicher Maßnahmen von einem Transfer abhalten. Immerhin, mit Vitor Pereira scheint man für den Moment zufrieden sein.
- Zweimal Platz 17, dabei 38 und 41 Punkte geholt, in Summer 39 der 76 Spiele verloren ... gibt Vereine, bei denen ich so eine Bilanz erwarten würde, aber ganz sicher nicht von Tottenham. Ich kann verstehen, dass denen gestern erst mal ein riesiger Stein vom Herzen gefallen ist, aber puh, die müssen ganz schnell wieder in die Spur kommen. Und ganz ehrlich, wenn ich zum Beispiel an das Fiasko mit Igor Tudor denke, hätten sich die Verantwortlichen dort die Championship mehr als verdient gehabt, ehe sie de Zerbi mit Geld zugeschissen haben und der ihnen den Arsch gerettet hat. Wenn da jetzt wirklich Sebastian Kehl kommt, bin ich skeptisch, was die Kehrtwende angeht.
- die Premier League hat aus meiner Sicht weiterhin ein eklatantes Schiedsrichter- und VAR-Problem, und ich sehe da schwarz, was die Hoffnung auf Besserung angeht. Auch, weil die Liga aus meiner Sicht komplett falsch mit der Thematik umgeht ... Fehler werden nicht zugegeben, sondern per "Double Down" als richtige Entscheidung deklariert. Kritik wird aus Prinzip als Götterlästerung ausgelegt, weil es ja undenkbar ist, dass die Schiedsrichter nicht perfekt sind. Am schlimmsten ist die Tatsache, dass es wirklich überhaupt keine konseqente Linie gibt - da werden gleiche Vergehen vom gleichen Schiedsrichter in zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden komplett unterschiedlich bewertet, und man kommt von dem Eindruck nicht weg, als würde man das Regelbuch jede Woche so umschreiben, dass es halt grade passt. Ich weiß, mit Schiedsrichtern und VAR hadert man praktisch überall, aber England macht für mich wirklich einen katastrophalen Job. Es wäre was anderes, wenn man den offenen Dialog suchen, transparent kommunizieren und Fehler eingestehen würde, aber diese menschliche Komponente fehlt halt komplett. Wirklich übel.
- und wo wir grade noch bei den Schiedsrichtern sind: ich wünsche mir sehr, dass man in puncto Eckbällen/Standards was macht. Wie schon mal erwähnt, ich nehme es Arsenal absolut übel, dass sie diese Plage über die Premier League gebracht haben - aber es liegt an der Liga, etwas dagegen zu tun. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Fans gibt, die diese Wrestling-Einlagen und dieses Chaos im Fünfer geil finden. Aber auch hier, eine konsequente Linie wäre schon mal ein erster Schritt.