le freaque
Bankspieler
Ich glaube eher, dass Ricken einfach Angst vor ihm hat. Ich glaube kaum, dass die damals im Zimmer auf Augenhöhe waren.Der BVB hat Sammer ja letztes Jahr nicht ohne Grund von Amazon zurückgepfiffen, weil es dort zu oft zu unangenehm wurde, wenn er seinen Mund geöffnet hatte. Und genau in diese Kategorie fällt die obrige Aussage wieder. Er kann die Kernaussage treffen, widerspricht so wohl kaum einer, aber er muss das als Repräsentant von Borussia Dortmund anders verpacken.
Eigentlich braucht es keinen Beweis mehr, dass er aus dem Verein befördert gehört, aber Ricken findet wahrscheinlich wieder einen Weg, um seinen Zimmer-Bestie im Verein zu halten.
Ich habe Sammer in der Doku über die letzten Monate der DDR-Nationalmannschaft gesehen (btw: die Fußball-Dokus der ÖR aus den letzten Monaten, auch z.B. die WM 94, aber auch diese über die DDR-NM finde ich absolut grandios - auch für Menschen, die mit Fußball nichts am Hut haben) und fand ihn toll. Richtig toll. Und ich bilde mir ein, so ein kleines bisschen verstanden zu haben, warum Sammer so ist, wie er eben ist. Warum er auch eben diese Haltung hat.
Sein Problem ist für mich, dass er seinen Weg, seine Geschichte, seine Art, Widerstände zu überwinden ,auch seine Verbitterung wegen des zu frühen Karriereendes (was alles absolut respektabel ist, teilweise sogar in der Beharrlichkeit und Willensstärke bewundernswert) zu Allgemeingut erklärt. Er kriegt aber den Transfer nicht hin, trotzdem offen zu bleiben, zu akzeptieren, dass die Voraussetzungen heute ganz andere sind: gesellschaftlich und auch fußballerisch. Er lässt seine Erfahrungen nicht einfließen (was ja gut und sicher auch hilfreich wäre), er versucht, sie dem Jetzt überzustülpen. Und das kann nicht funktionieren.
man kann aus einem langen Gespräch mit Sammer auch als junger Fußballer oder aktueller Trainer oder Kaderplaner bestimmt eine Menge mitnehmen. Aber als Entscheider oder echter Wegweiser für aktuelle Entscheidungen ist er einfach nicht geeignet. Das war er aber auch schon nicht, als er Sportdirektor beim DFB war. Sammer ist (sportlich, nicht persönlich, das kann ich null beurteilen) einfach komplett irgendwo zwischen 1988 und 2000 gefangen. Ist auch nicht schlimm, viele in meiner Generation hängen selbst ohne die extremen Umwälzungen, die Sammer erlebt hat, in dieser Zeit fest ("Phil Collins und Bon Jovi, das war noch Musik"). Aber Entscheidungen über die Zukunft sollten dann doch besser andere treffen. Nicht zwingend biologisch Jüngere, aber Menschen mit einem jüngerem Geist.