Würzburg Baskets | Beyond the Arc


Was läuft da gerade schief?​

Was mich aktuell beschäftigt, ist weniger die Frage, warum wir gegen Ulm und Bonn gewinnen, aber gegen Rostock, AEK oder Iraklis verlieren. Entscheidend ist vielmehr, warum unsere Mannschaft innerhalb eines Spiels derart stark an Stabilität verlieren kann.

Das zentrale Problem liegt aus meiner Sicht in der fehlenden Verlässlichkeit unserer Halbfeld-Offense. Solange wir durch aggressive Defense, Ballgewinne und Offensivrebounds zusätzliche Abschlüsse generieren, funktioniert unser Basketball sehr gut: Wir kommen zu einfachen Punkten, erhöhen den Druck auf den Gegner und können das Spieltempo kontrollieren. Werden diese Elemente jedoch neutralisiert, fehlen uns bislang belastbare Alternativen. Dann stockt die Ballbewegung, die Angriffe werden statischer und wir geraten häufiger in schwierige Würfe oder individuelle Aktionen. Dadurch sinkt nicht nur unsere offensive Effizienz, sondern auch unsere Fähigkeit, den Rhythmus und die Kontrolle über das Spiel zu behalten.

Diese offensive Unsicherheit wirkt sich unmittelbar auf die Defensive aus. Wenn mehrere Angriffe ohne klare Struktur oder erfolgreichen Abschluss bleiben, verlieren wir häufig die Balance in der Rückwärtsbewegung und ermöglichen dem Gegner einfache Punkte in der Transition. Aus einzelnen erfolglosen Possessions entstehen so gegnerische Runs, die wiederum den Druck auf unsere Offense erhöhen. Wir spielen dann nicht mehr aus einer kontrollierten Struktur heraus, sondern reagieren nur noch auf das Spiel des Gegners. Ein 6:35-Lauf gegen Rostock oder lediglich sechs eigene Punkte im Schlussviertel gegen AEK sind deshalb keine gewöhnlichen Schwächephasen, sondern deutliche Hinweise auf eine Kettenreaktion aus fehlender Halbfeld-Offense, nachlassender Transition Defense und mangelnder Spielkontrolle.

Genau hier sind Filipovski und sein Trainerteam gefordert. Die Mannschaft benötigt verlässliche Halbfeldaktionen, klar definierte Verantwortlichkeiten für die Ballhandler und eine bessere Kontrolle des Spieltempos. Entscheidend ist, auch dann zu guten Abschlüssen zu kommen, wenn Ballgewinne, Offensivrebounds oder einfache Transition-Punkte ausbleiben. Gleichzeitig müssen gegnerische Runs frühzeitig unterbrochen werden – etwa durch klare offensive Abläufe, bessere Entscheidungen im Ballvortrag oder eine gezielte Anpassung des Tempos –, bevor sich daraus ein nachhaltiger Kontrollverlust entwickelt. Die Transition Defense muss dabei unabhängig von der offensiven Effizienz funktionieren. Nach einem Fehlwurf, Ballverlust oder schwierigen Abschluss darf nicht automatisch der nächste gegnerische Lauf entstehen. Defensive Stabilität darf nicht davon abhängen, ob die eigenen Angriffe erfolgreich abgeschlossen werden.

Ich glaube daher nicht, dass uns primär individuelle Qualität fehlt. Entscheidend ist vielmehr, aus den vorhandenen Einzelspielern eine Mannschaft zu formen, die auch unter Druck auf funktionierende Abläufe zurückgreifen kann. Die Siege gegen Ulm und Bonn zeigen, welches Leistungsniveau grundsätzlich möglich ist, wenn Defense, Transition und Energie ineinandergreifen. Die Niederlagen gegen Rostock, AEK und Iraklis verdeutlichen dagegen, dass dieses Niveau bislang nicht konstant abgesichert werden kann, sobald die erste offensive Option wegfällt und der Gegner unser Tempo kontrolliert.

Unser Ceiling haben wir bereits gesehen. Die eigentliche Aufgabe des Trainerteams besteht nun darin, den Floor nachhaltig anzuheben. Eine gute Mannschaft zeichnet sich nicht nur dadurch aus, wie stark sie in ihren besten Phasen spielen kann, sondern auch dadurch, wie stabil sie bleibt, wenn die eigenen Stärken nicht unmittelbar greifen. Genau dann müssen Halbfeld-Offense, Spielkontrolle und Defensive unabhängig voneinander funktionieren – und sich zugleich gegenseitig stabilisieren.
 

Würzburg gegen MBC: Ceiling, Resilienz und eine neue Qualität in der Rotation​

Nach den letzten drei Niederlagen war das heute ein richtig wichtiger Sieg. Nicht nur wegen des Pokalviertelfinales, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie er zustande gekommen ist.

Das erste Viertel hat wieder einmal gezeigt, was diese Mannschaft eigentlich kann. Wenn Würzburg ins Laufen kommt, der Ball gut bewegt wird und die Würfe fallen, ist das offensiv schon beeindruckend. Die 28:16-Führung war ein schönes Beispiel für das Ceiling, über das wir hier zuletzt häufiger gesprochen haben. Das Potenzial ist zweifellos vorhanden. Die Frage ist vielmehr, wie zuverlässig die Mannschaft es abrufen kann.

Interessanter fand ich deshalb fast die Phase nach der Halbzeit. Der MBC kommt von 50:39 auf 50:47 heran, Würzburg trifft vier Minuten lang keinen Korb und plötzlich ist genau die Situation da, an der die Mannschaft zuletzt mehrfach gescheitert ist. Die Offense stockt, der Gegner bekommt Momentum und das eigene Spiel droht auseinanderzufallen.

Filipovski hatte vor dem Spiel sinngemäß gesagt, dass seine Mannschaft Erfahrungen sammeln müsse, um sich aus solchen Situationen herauszuarbeiten. Und genau darum geht es. Erfahrung kann man nicht trainieren, die muss man machen. Heute haben die Jungs in dieser Hinsicht Resilienz gezeigt. Sie haben die schwierige Phase überstanden und sich im letzten Viertel wieder deutlich abgesetzt. Nach Rostock, AEK und Thessaloniki ist das für mich eine wichtige Entwicklung.

Was mir außerdem richtig gut gefallen hat, war die Rotation. Ich hatte heute über weite Strecken den Eindruck, dass eigentlich immer fünf Spieler auf dem Feld standen, die defensiv konkurrenzfähig waren und meist offensiv genügend Möglichkeiten hatten.

Mit Ogunsipe gewinnt Filipovski aus meiner Sicht deutlich mehr Flexibilität. Colbert und Ogunsipe können auf der Vier und Fünf spielen, Tischler auf Drei und Vier, Jones auf Zwei und Drei, Pjanic auf Drei und Vier. Dazu sind Dye und Wishart auf der Eins mittlerweile zwei wirklich gute Optionen, während Griffin auch Verantwortung im Ballvortrag übernehmen kann. Gerade auf den Positionen Drei bis Fünf lässt sich jetzt viel variabler kombinieren.

Ogunsipe gefällt mir dabei bislang ausgesprochen gut. Er wirkt in seinen Aktionen deutlich selbstsicherer als Saffer, bringt Physis mit und gibt Filipovski eine zusätzliche verlässliche Option unter dem Korb. Auch Herzog, Jones und teilweise Pjanic, gerade defensiv, machen die Rotation inzwischen breiter. Es geht nicht nur darum, den Startern Pausen zu verschaffen, sondern darum, unterschiedliche Lineups aufs Feld bringen zu können, ohne unmittelbar an Qualität zu verlieren.

Besonders bemerkenswert fand ich stellenweise die defensive Variabilität. Das Hedgen und Switchen hat phasenweise richtig gut funktioniert. Thompson ist dabei unglaublich wertvoll, weil er trotz seiner Größe beweglich genug ist, um auch außerhalb der Zone zu verteidigen. Zusammen mit Tischler funktioniert das für meinen Geschmack phasenweise hervorragend.

Allerdings war längst nicht alles gut. Die Rebounds waren auch heute eine echte Baustelle. 16 Offensivrebounds für den MBC bedeuten, dass Würzburg nur rund 57 Prozent der verfügbaren Defensivrebounds gesichert hat. Das ist deutlich zu wenig. Gerade wenn Thompson beim Hedgen weit herausrückt oder nach einem Switch nicht mehr unter dem Korb steht, müssen seine Mitspieler konsequenter ausboxen. Eine gute defensive Sequenz bringt wenig, wenn der Gegner anschließend eine zweite Chance bekommt.

Positiv waren dagegen die nur neun Ballverluste und die 11/26 Dreier. Wishart mit 19 Punkten, Dye mit fünf Assists ohne Turnover und Thompson mit zwölf Rebounds liefern ebenfalls gute Argumente dafür, dass diese Mannschaft auf mehreren Positionen Qualität besitzt.

Für mich bleibt deshalb die Unterscheidung zwischen Floor und Ceiling entscheidend. Dass Würzburg ein hohes Ceiling hat, wissen wir inzwischen. Das haben wir gegen Ulm, Bonn und heute im ersten Viertel gesehen. Entscheidend wird sein, ob die Mannschaft ihren Floor stabilisieren kann. Sie muss lernen, auch dann wettbewerbsfähig zu bleiben, wenn die Würfe nicht fallen und der Gegner einen Lauf startet.

Heute gab es dafür zumindest eine ziemlich ermutigende Antwort. Ein einzelnes Spiel macht aus einer schwankenden Mannschaft noch keine konstante, aber vielleicht war das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die größere Variabilität in der Rotation in den nächsten Wochen auswirkt.
 
Sam Griffin:Zu früh, um ihn abzuschreiben. Bisher zu schwach, um nicht alarmiert zu sein

Ich habe mir die bisherige Karriere von Sam Griffin etwas genauer angeschaut, weil mich die Frage beschäftigt, ob die Sorgen aus dem Mainthread berechtigt sind. Sehen wir gerade einen Spieler, der mit seiner neuen Rolle und dem Würzburger System noch Schwierigkeiten hat, oder müssen wir uns ernsthaft fragen, ob seine Verpflichtung ein Fehler war?

Nach neun Pflichtspielen verstehe ich die Kritik durchaus. Griffin sollte unserem Backcourt zusätzliche offensive Qualität geben, bislang bleibt er aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem wäre ich vorsichtig, ihn jetzt schon abzuschreiben. Dafür finde ich seine bisherigen Karrierestatistiken zu interessant.

Zunächst die Zahlen aus Würzburg.

Ich habe alle neun Pflichtspiele berücksichtigt, also BBL, FIBA Europe Cup, BBL-Pokal und auch die Champions-League-Qualifikation gegen Manchester.

Die Punkteausbeute nach Spielen:

- Manchester: 26
- Oldenburg: 10
- Ulm: 11
- Bonn: 16
- AEK Larnaca: 13
- Rostock: 5
- Iraklis: 6
- SYNTAINICS MBC: 12
- MZT Skopje: 0

Das sind insgesamt 99 Punkte beziehungsweise 11,0 Punkte pro Spiel.

Viel interessanter als der reine Punkteschnitt finde ich allerdings seine Effizienz.

Über die neun Spiele kommen wir nach unserer bisherigen Auswertung auf ungefähr folgende Werte:

- eFG%: 42,0 %
- True Shooting: 42,8 %
- Punkte: 11,0 pro Spiel

Die eFG% berücksichtigt den höheren Wert von Dreipunktwürfen, während True Shooting zusätzlich die Freiwürfe einbezieht. Beide Kennzahlen zeigen ziemlich deutlich, wo das Problem liegt. Griffin nimmt Würfe, verwandelt sie aber bislang viel zu ineffizient.

Auch sein statistischer Impact ist noch nicht überzeugend. In den sieben zunächst ausgewerteten Liga- und Europe-Cup-Spielen lag seine PIR bei ungefähr 4,1 pro Partie, das durchschnittliche Plus/Minus bei etwa −6,1. Gegen Manchester kam er auf eine starke PIR von 25, stand allerdings bei −11 im Plus/Minus. Gegen den MBC waren es eine PIR von 6 und ein ausgeglichenes Plus/Minus.

Das sind keine Werte, die man von einem Spieler erwartet, der offensiv eine wichtige Rolle übernehmen soll. Allerdings sollte man gerade Plus/Minus nach so wenigen Spielen nicht überinterpretieren. Es beschreibt zunächst, was während seiner Einsatzzeit passiert, und nicht ausschließlich seine individuelle Leistung.

Aber wie sah das an seinen vorherigen Stationen aus?
Hier wird es interessant. Griffin hat nach dem College an drei europäischen Stationen gespielt, bevor er nach Würzburg kam.

Lavrio (Griechenland):
13,4 Punkte pro Spiel, etwa 57,9 % eFG.

Granada (Spanien):
15,2 Punkte pro Spiel, etwa 50,9 % eFG.

Merkezefendi (Türkei):
12,0 Punkte pro Spiel, etwa 54,0 % eFG.

Über diese drei Stationen ergibt sich nach unserer bisherigen Berechnung eine gewichtete eFG% von ungefähr 55,2 % und ein Punkteschnitt von etwa 12,8 Punkten.

Das sind zunächst vorläufige Vergleichswerte, weil wir die historischen Wurfversuche noch einmal vollständig gegenprüfen müssten. Aber das Bild ist bemerkenswert: Griffin hat auf drei unterschiedlichen europäischen Stationen effizienter abgeschlossen als bislang in Würzburg.

Natürlich sind die griechische, spanische und türkische Liga nicht einfach mit der BBL gleichzusetzen. Auch Spielzeit, Rolle, Mitspieler und Wurfauswahl unterscheiden sich. Trotzdem reden wir nicht über jemanden, der noch nie bewiesen hat, dass er auf professionellem Niveau effizient scoren kann.

Wie viel würde seine frühere Effizienz in Würzburg verändern?
Das habe ich einmal modellhaft durchgerechnet.

Wenn Griffin bei seinem bisherigen Würfvolumen statt der aktuellen rund 42 % eFG wieder seine historischen 55,2 % erreichen würde, käme er bei unveränderter Freiwurfausbeute auf ungefähr 14,3 Punkte pro Spiel statt 11,0.

Das wären gut drei zusätzliche Punkte pro Partie, ohne dass er häufiger werfen müsste.

Natürlich ist das keine Prognose. Es zeigt aber, dass wir nicht unbedingt einen völlig anderen Griffin brauchen, sondern zunächst einmal einen, der seine bisherigen Würfe deutlich besser verwertet.

Braucht Griffin grundsätzlich länger, um bei einem neuen Team anzukommen?
Das wollte ich ebenfalls wissen und habe mir seine College-Entwicklung angeschaut. Dafür habe ich jeweils die ersten zehn Spiele einer Saison mit dem Rest verglichen.

UT Arlington 2019/20:
8,1 → 10,0 Punkte, eFG von 51,4 auf 53,7 %.

UT Arlington 2020/21:
12,0 → 14,2 Punkte, eFG von 49,5 auf 50,8 %.

Tulsa 2021/22:
16,2 → 13,9 Punkte, eFG von 51,4 auf 44,4 %.

Tulsa 2022/23:
15,2 → 15,2 Punkte, eFG von 48,5 auf 47,6 %.

Wyoming 2023/24:
19,3 → 15,8 Punkte, eFG von 60,0 auf 49,0 %.

Die College-Zahlen stammen aus bisherigen Spielprotokollauswertungen und sollten vor einer endgültigen Veröffentlichung noch einmal mit den Originalstatistiken abgeglichen werden.

Ein eindeutiges Muster lässt sich jedenfalls nicht erkennen. Bei Arlington wurde er im Saisonverlauf besser, bei Tulsa und Wyoming war er teilweise von Beginn an besonders produktiv.

Die einfache Erklärung, Griffin brauche grundsätzlich zehn oder fünfzehn Spiele, um anzukommen, funktioniert deshalb nicht.

Allerdings gibt es mit Lavrio durchaus ein interessantes Beispiel. Dort steigerte er seine Punkteausbeute von 10,9 in den ersten zehn Spielen auf 15,9 in den folgenden zehn. Dass er sich innerhalb einer Saison erheblich steigern kann, hat er also schon gezeigt.

Und was machen wir jetzt aus diesen Zahlen?
Zunächst einmal finde ich die aktuelle Kritik berechtigt. Wer über neun Pflichtspiele bei rund 42 % eFG und 43 % True Shooting liegt, hat ein ernsthaftes Effizienzproblem. Das kann man nicht mit ein paar guten Szenen oder dem Manchester-Spiel wegdiskutieren.

Umgekehrt wäre es genauso falsch, dieses Manchester-Spiel einfach auszuklammern. Dort hat Griffin 26 Punkte in 26 Minuten erzielt, sechs seiner zehn Dreier getroffen und kam auf 70,6 % eFG sowie rund 71 % True Shooting. Das war ein richtig guter individueller Auftritt, auch wenn wir das Spiel verloren haben.

Dass er dieses Niveau nicht jeden Abend erreichen wird, ist klar. Aber zwischen den 70,6 % gegen Manchester und seinen bisherigen 42 % im Gesamtschnitt liegt eine gewaltige Spanne.

Mich beschäftigt deshalb, warum er seine nachgewiesene Effizienz derzeit nicht auf das Parkett bringt.

Liegt es an seiner Rolle? An der Qualität seiner Abschlüsse? An der defensiven Intensität? An fehlender Sicherheit im neuen System? Oder daran, dass er bisher schlicht zu viele schwierige Würfe nimmt?

Das wären für mich die entscheidenden Fragen an das Trainerteam.

Mein Fazit: Gebt ihm Zeit.

Seine aktuelle Leistung ist schwach genug, um alarmiert zu sein. Seine bisherige Karriere ist aber gut genug, um ihn nach neun Spielen noch nicht abzuschreiben.

Ich würde ihm deshalb weitere Spiele geben und besonders darauf achten, ob sich seine eFG%, sein True Shooting und seine Wurfauswahl verbessern. Die Punkte allein erzählen nur die halbe Geschichte.
 
Danke für deine gut ausgearbeitete Analyse. Fühle mich mit meinem Bauchgefühl durch deine Zahlen bestätigt, Sam Griffin noch ein paar Spiele Zeit zu geben. Er hat schließlich bei allen Stationen bewiesen, dass er ein guter Shooter ist. Und dafür wurde er auch geholt (siehe Statement von Kreso zu seiner Verpflichtung, die ich im Main-Thread gepostet hatte).

Ein interessanter von dir genannter Aspekt könnte unter Umständen der Punkt defensive Intensität sein. Damit meine ich nicht nur die defensive Intensität des Gegners, sondern die von Sasa erwartete (anstrengende) Defensearbeit an seine Spieler. Vielleicht wurde das bisher von Griffin bei seinen anderen Stationen nicht so abgefordert und kostet ihm die Körner und daraus resultierende Konzentration beim Wurf. Vielleicht ist es auch die gegnerische Defense-Intensität in der BBL, an die sich Griffin erst noch gewöhnen muss. Oder ein Mix aus beiden Komponenten.

Man sollte auf keinen Fall jetzt hektisch handeln, dazu ist auch kein Anlaß. Ich glaube er wird sich steigern.

Ich weiß nicht ob Du Zahlenmaterial findest und analysieren kannst was seine 2er Punkte Ausbeute anbetrifft. Insbesondere wenn er versucht zum Korb zu ziehen, sehe ich bei ihm große Defizite.
 
Den Gedanken mit der defensiven Intensität finde ich interessant. Gerade wenn Griffin unter Saša defensiv deutlich mehr gefordert wird, könnte das durchaus Auswirkungen auf seine offensive Effizienz haben. Ob das tatsächlich eine Rolle spielt, lässt sich natürlich schwer belegen.

Ich habe mir aber mal seine Zweierquoten an den bisherigen europäischen Stationen angeschaut, und da wird es richtig auffällig:

Lavrio: 60,0 % (72/120)
Granada: 45,9 % (17/37)
Merkezefendi: 47,5 % (86/181)

Über alle drei Stationen lag er damit bei 51,8 %, während er in Würzburg bislang gerade einmal 14 seiner 53 Zweier trifft (26,4 %).

Bei gleicher Anzahl an Abschlüssen wären das mit seiner bisherigen Karrierequote rechnerisch fast drei Punkte mehr pro Spiel. Allein durch die Zweier!

Um zu wissen, ob er früher besser am Ring abgeschlossen hat oder einfach andere Würfe genommen hat, bräuchten wir die entsprechenden Shotcharts.

Aber die Zahlen bestätigen zumindest, dass seine aktuellen Probleme bei den Zweiern alles andere als typisch für seine bisherige Karriere sind.

Ich bleibe deshalb dabei: Die Leistungen sind bislang enttäuschend, aber ich würde ihm noch Zeit geben. Spannend wird sein, ob sich gerade diese Zweierquote in den nächsten Spielen wieder seinem bisherigen Niveau annähert.
 

Beyond the Arc | War das jetzt die ersehnte Resilienz?​


Ich weiß nicht, wie es euch ging, aber als Chemnitz im vierten Viertel immer näher kam, war ich unglaublich angespannt. Nach Rostock und AEK hatte ich schon wieder dieses ungute Gefühl, dass uns das Spiel komplett entgleiten könnte.

Und dann trifft ausgerechnet Sam Griffin diesen Dreier. Was für ein geiler Moment! Für mich war das ein richtiges Statement.

Ich habe danach länger darüber nachgedacht, ob wir da tatsächlich Resilienz gesehen haben oder ob wir einfach Glück hatten.

Gerade bei Griffin finde ich die Situation bemerkenswert. Ein Spieler, der bislang seinen eigenen Ansprüchen hinterherläuft und dessen Wurf noch nicht so fällt, wie wir uns das erhofft haben, übernimmt ausgerechnet in dieser Phase Verantwortung. Ist kurz davor, all das zu machen, was seine Kritiker bemängeln. Aber er nimmt diesen Harakiriwurf mit ablaufender Uhr. Dass er ihn trifft, macht den Moment natürlich besonders. Aber schon die Bereitschaft, ihn zu nehmen, ist für mich ein Zeichen von Widerstandsfähigkeit. Sich von den bisherigen Misserfolgen nicht entmutigen zu lassen, hat für mich durchaus etwas von Resilienz.

Schauen wir auf die Zahlen, war das offensiv ohnehin ein bemerkenswerter Abend. 14/25 Dreier (56 %), 60 % bei den Zweiern und eine eFG% von 69,2 %. Das geschätzte Offensivrating lag bei rund 125 Punkten pro 100 Ballbesitze. Dazu 20 Assists, sieben Spieler mit zweistelliger Punkteausbeute und nur 14 Ballverluste gegenüber 20 bei Chemnitz.

Besonders interessant finde ich, dass wir nach der Halbzeit nur noch vier unserer elf Dreier getroffen haben und trotzdem das dritte Viertel mit 27:15 gewinnen konnten. Da kamen die Punkte zunehmend über Abschlüsse in Korbnähe. Wir waren also keineswegs ausschließlich von unserer außergewöhnlichen Dreierquote abhängig.

Aber die Zahlen zeigen auch, woran es noch fehlt.

Chemnitz holte zehn Offensivrebounds gegenüber unseren sieben und kam 26-mal an die Freiwurflinie, wir dagegen nur 14-mal. Allein im Schlussviertel machten die NINERS elf Punkte von der Linie. Dazu 31 zugelassene Punkte in diesem Abschnitt. Das ist schon ein deutliches Zeichen, dass wir bei zunehmendem gegnerischem Druck Probleme bekommen, defensiv stabil zu bleiben und das Spiel zu kontrollieren.

Und 56 % Dreierquote werden wir nun mal nicht jeden Abend haben.

Umso wichtiger finde ich, was nach dem 86:83 passierte. Chemnitz blieb anschließend gut zwei Minuten ohne Punkte. Die Defensive fand wieder Zugriff, Griffin traf seinen Dreier und aus drei Punkten Vorsprung wurden am Ende wieder zehn.

Natürlich waren dabei auch vergebene Würfe und Freiwürfe der Chemnitzer. Aber wir haben eben auch wieder verteidigt und offensiv Lösungen gefunden.

Noch wichtiger finde ich, was dieser Abend für die gesamte Mannschaft bedeuten könnte.

Nach den jüngsten Erfahrungen wäre ein weiterer Einbruch psychologisch ziemlich bitter gewesen. Stattdessen hat die Mannschaft erlebt, dass sie einen beinahe verspielten Vorsprung wieder stabilisieren und das Spiel gewinnen kann.

Aus psychologischer Sicht ist das eine wertvolle Selbstwirksamkeitserfahrung. Die Jungs haben jetzt selbst erlebt, dass sie auch unter massivem Druck wieder handlungsfähig werden können.

Natürlich macht ein erfolgreicher Abend noch keine resiliente Mannschaft. Aber solche Erfahrungen können etwas verändern.

Vielleicht waren es am Ende gerade diese zwei Minuten und Griffins Dreier, die für die weitere Saison wichtiger werden als der Sieg selbst.
 

Beyond the Arc | War das jetzt die ersehnte Resilienz?​


Ich weiß nicht, wie es euch ging, aber als Chemnitz im vierten Viertel immer näher kam, war ich unglaublich angespannt. Nach Rostock und AEK hatte ich schon wieder dieses ungute Gefühl, dass uns das Spiel komplett entgleiten könnte.

Und dann trifft ausgerechnet Sam Griffin diesen Dreier. Was für ein geiler Moment! Für mich war das ein richtiges Statement.

Ich habe danach länger darüber nachgedacht, ob wir da tatsächlich Resilienz gesehen haben oder ob wir einfach Glück hatten.

Gerade bei Griffin finde ich die Situation bemerkenswert. Ein Spieler, der bislang seinen eigenen Ansprüchen hinterherläuft und dessen Wurf noch nicht so fällt, wie wir uns das erhofft haben, übernimmt ausgerechnet in dieser Phase Verantwortung. Ist kurz davor, all das zu machen, was seine Kritiker bemängeln. Aber er nimmt diesen Harakiriwurf mit ablaufender Uhr. Dass er ihn trifft, macht den Moment natürlich besonders. Aber schon die Bereitschaft, ihn zu nehmen, ist für mich ein Zeichen von Widerstandsfähigkeit. Sich von den bisherigen Misserfolgen nicht entmutigen zu lassen, hat für mich durchaus etwas von Resilienz.

Schauen wir auf die Zahlen, war das offensiv ohnehin ein bemerkenswerter Abend. 14/25 Dreier (56 %), 60 % bei den Zweiern und eine eFG% von 69,2 %. Das geschätzte Offensivrating lag bei rund 125 Punkten pro 100 Ballbesitze. Dazu 20 Assists, sieben Spieler mit zweistelliger Punkteausbeute und nur 14 Ballverluste gegenüber 20 bei Chemnitz.

Besonders interessant finde ich, dass wir nach der Halbzeit nur noch vier unserer elf Dreier getroffen haben und trotzdem das dritte Viertel mit 27:15 gewinnen konnten. Da kamen die Punkte zunehmend über Abschlüsse in Korbnähe. Wir waren also keineswegs ausschließlich von unserer außergewöhnlichen Dreierquote abhängig.

Aber die Zahlen zeigen auch, woran es noch fehlt.

Chemnitz holte zehn Offensivrebounds gegenüber unseren sieben und kam 26-mal an die Freiwurflinie, wir dagegen nur 14-mal. Allein im Schlussviertel machten die NINERS elf Punkte von der Linie. Dazu 31 zugelassene Punkte in diesem Abschnitt. Das ist schon ein deutliches Zeichen, dass wir bei zunehmendem gegnerischem Druck Probleme bekommen, defensiv stabil zu bleiben und das Spiel zu kontrollieren.

Und 56 % Dreierquote werden wir nun mal nicht jeden Abend haben.

Umso wichtiger finde ich, was nach dem 86:83 passierte. Chemnitz blieb anschließend gut zwei Minuten ohne Punkte. Die Defensive fand wieder Zugriff, Griffin traf seinen Dreier und aus drei Punkten Vorsprung wurden am Ende wieder zehn.

Natürlich waren dabei auch vergebene Würfe und Freiwürfe der Chemnitzer. Aber wir haben eben auch wieder verteidigt und offensiv Lösungen gefunden.

Noch wichtiger finde ich, was dieser Abend für die gesamte Mannschaft bedeuten könnte.

Nach den jüngsten Erfahrungen wäre ein weiterer Einbruch psychologisch ziemlich bitter gewesen. Stattdessen hat die Mannschaft erlebt, dass sie einen beinahe verspielten Vorsprung wieder stabilisieren und das Spiel gewinnen kann.

Aus psychologischer Sicht ist das eine wertvolle Selbstwirksamkeitserfahrung. Die Jungs haben jetzt selbst erlebt, dass sie auch unter massivem Druck wieder handlungsfähig werden können.

Natürlich macht ein erfolgreicher Abend noch keine resiliente Mannschaft. Aber solche Erfahrungen können etwas verändern.

Vielleicht waren es am Ende gerade diese zwei Minuten und Griffins Dreier, die für die weitere Saison wichtiger werden als der Sieg selbst.
 

Beyond the Arc | Wenn die Defensive den Unterschied macht​

91:62 gegen Warschau. Was mir an diesem Sieg besonders gefällt ist die Art, wie es zustande gekommen ist.

Gegen Chemnitz brauchten wir noch eine außergewöhnliche Dreierquote von 56 %. Heute reichen 30,3 %, um einen Gegner mit 29 Punkten Unterschied zu schlagen.

16 Steals, 17 Offensivrebounds und lediglich 62 zugelassene Punkte. Dazu 19/20 Freiwürfe. Wir haben heute auf ganz unterschiedlichen Wegen Vorteile erzeugt und waren deutlich weniger von unserem Shooting abhängig.

Besonders beeindruckt hat mich Colbert mit seinen sechs Steals, 17 Punkten und nur einem Ballverlust. Aber auch Herzog mit 14 Punkten, fünf Rebounds und drei Assists verdient Erwähnung. Und Max Jones zeigt mit gerade einmal sieben Punkten, aber einem Plus/Minus von +22, dass sein Wert nicht ausschließlich am Scoring hängt.

Interessant finde ich auch die Rotation. Alle zwölf Spieler bekommen mindestens zehn Minuten, keiner mehr als 26.

Natürlich ist noch nicht alles perfekt. Griffin sucht weiterhin seine offensive Effizienz, und auch unsere Dreierquote bleibt wechselhaft.

Nach Rostock haben wir über fehlende Stabilität gesprochen, nach Chemnitz über gestiegene Resilienz. Heute haben wir gesehen, dass die Mannschaft auch einen weniger guten Shooting-Abend souverän kompensieren kann. Selbst das schwächere zweite Viertel hat uns nicht aus dem Konzept gebracht.

Es entwickelt sich gerade das, was uns bislang gefehlt hat: ein verlässlicher Floor, auf den wir auch dann zurückgreifen können, wenn offensiv nicht alles zusammenläuft.

Vier Heimsiege sind schön. Jetzt bin ich gespannt, ob wir diese Stabilität auch auswärts auf das Parkett bekommen.
 

Beyond the Arc | Sam Griffin im Vergleich mit den Shooting Guards der BBL​

Ich habe mir Griffins bisherige Leistungen noch einmal im Vergleich mit den Starting Shooting Guards beziehungsweise offensiv ähnlich eingesetzten Backcourt-Spielern der anderen BBL-Teams angesehen. Und auch wenn ich ihm weiterhin Zeit zugestehen würde, sind die Zahlen schon ziemlich ernüchternd.

Griffin erzielt aktuell 10,4 Punkte in 24,4 Minuten. Dafür benötigt er allerdings 12,2 Feldwurfversuche pro Spiel. Seine 32,4 % Dreierquote bei immerhin 6,8 Versuchen sind noch gar nicht das größte Problem.

Mit 29,6 % bei den Zweiern, 40,2 % eFG und gerade einmal 41,7 % True Shooting liegt er hinsichtlich der offensiven Effizienz am Ende meines Vergleichsfeldes. Dessen Median liegt bei rund 62 % TS.

Wie groß der Unterschied ist, zeigen einige Beispiele:

Andreas Obst (Bayern): 10,3 PPG, 25 % Dreier, aber 68,8 % Zweier und 58,4 % TS.

Jordan Wright (Bamberg): 15,7 PPG, 42,3 % Dreier, 59,0 % eFG und 62,9 % TS.

Judah Mintz (Frankfurt): 17,8 PPG, 44,4 % Dreier, 64,6 % eFG und 67,0 % TS.

Trenton Gibson (Hagen): 19,0 PPG, 39,4 % Dreier, 59,2 % eFG und 64,2 % TS.

Spencer Reaves (MBC): Sogar 22,7 PPG bei 57,1 % Dreiern und rund 70 % TS. Allerdings bislang erst drei Spiele.

Interessant finde ich aber vor allem die Spieler, deren Dreier ebenfalls nicht fallen.

Stef Smith trifft in Chemnitz nur 25 % seiner Dreier, kommt trotzdem auf 16 Punkte und 51,8 % TS. Justin Elder-Davis liegt bei 22,9 % Dreiern, erreicht aber immerhin 48,5 % TS.

Der Unterschied liegt wesentlich in den Abschlüssen innerhalb der Dreierlinie und an der Freiwurflinie.

Griffin hat in fünf BBL-Spielen gerade einmal drei Freiwürfe genommen. Das sind 0,6 pro Spiel! Smith kommt auf 4,2, Wright auf 4,5 und Gibson auf 5,2.

Auch beim Playmaking gibt es noch Luft nach oben. Griffins 2,6 Assists stehen 2,4 Ballverlusten gegenüber. Positiv sind dagegen seine 1,6 Steals, die zeigen, dass er durchaus auch abseits des Scorings etwas beiträgt.

Für mich wird immer deutlicher, dass Griffin momentan nicht einfach nur einen Shooting-Slump durchmacht. Ihm fehlen vor allem effiziente Alternativen, wenn der Distanzwurf nicht fällt.

Das heißt nicht, dass er diese Fähigkeiten grundsätzlich nicht besitzt. Wir haben bei Mintz gesehen, wie sich ein Guard nach einem schwierigen Einstieg entwickeln kann. Aber bei Griffin würde ich jetzt weniger auf die reine Dreierquote schauen, sondern auf bessere Abschlüsse, mehr Zug zum Korb und ein stabileres Assist/Turnover-Verhältnis.

Der Dreier gegen Chemnitz war ein großartiger Moment. Die Zahlen zeigen allerdings ziemlich deutlich, wie viel Entwicklung offensiv noch notwendig ist.
 
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