Würzburg Baskets | Beyond the Arc


Was läuft da gerade schief?​

Was mich aktuell beschäftigt, ist weniger die Frage, warum wir gegen Ulm und Bonn gewinnen, aber gegen Rostock, AEK oder Iraklis verlieren. Entscheidend ist vielmehr, warum unsere Mannschaft innerhalb eines Spiels derart stark an Stabilität verlieren kann.

Das zentrale Problem liegt aus meiner Sicht in der fehlenden Verlässlichkeit unserer Halbfeld-Offense. Solange wir durch aggressive Defense, Ballgewinne und Offensivrebounds zusätzliche Abschlüsse generieren, funktioniert unser Basketball sehr gut: Wir kommen zu einfachen Punkten, erhöhen den Druck auf den Gegner und können das Spieltempo kontrollieren. Werden diese Elemente jedoch neutralisiert, fehlen uns bislang belastbare Alternativen. Dann stockt die Ballbewegung, die Angriffe werden statischer und wir geraten häufiger in schwierige Würfe oder individuelle Aktionen. Dadurch sinkt nicht nur unsere offensive Effizienz, sondern auch unsere Fähigkeit, den Rhythmus und die Kontrolle über das Spiel zu behalten.

Diese offensive Unsicherheit wirkt sich unmittelbar auf die Defensive aus. Wenn mehrere Angriffe ohne klare Struktur oder erfolgreichen Abschluss bleiben, verlieren wir häufig die Balance in der Rückwärtsbewegung und ermöglichen dem Gegner einfache Punkte in der Transition. Aus einzelnen erfolglosen Possessions entstehen so gegnerische Runs, die wiederum den Druck auf unsere Offense erhöhen. Wir spielen dann nicht mehr aus einer kontrollierten Struktur heraus, sondern reagieren nur noch auf das Spiel des Gegners. Ein 6:35-Lauf gegen Rostock oder lediglich sechs eigene Punkte im Schlussviertel gegen AEK sind deshalb keine gewöhnlichen Schwächephasen, sondern deutliche Hinweise auf eine Kettenreaktion aus fehlender Halbfeld-Offense, nachlassender Transition Defense und mangelnder Spielkontrolle.

Genau hier sind Filipovski und sein Trainerteam gefordert. Die Mannschaft benötigt verlässliche Halbfeldaktionen, klar definierte Verantwortlichkeiten für die Ballhandler und eine bessere Kontrolle des Spieltempos. Entscheidend ist, auch dann zu guten Abschlüssen zu kommen, wenn Ballgewinne, Offensivrebounds oder einfache Transition-Punkte ausbleiben. Gleichzeitig müssen gegnerische Runs frühzeitig unterbrochen werden – etwa durch klare offensive Abläufe, bessere Entscheidungen im Ballvortrag oder eine gezielte Anpassung des Tempos –, bevor sich daraus ein nachhaltiger Kontrollverlust entwickelt. Die Transition Defense muss dabei unabhängig von der offensiven Effizienz funktionieren. Nach einem Fehlwurf, Ballverlust oder schwierigen Abschluss darf nicht automatisch der nächste gegnerische Lauf entstehen. Defensive Stabilität darf nicht davon abhängen, ob die eigenen Angriffe erfolgreich abgeschlossen werden.

Ich glaube daher nicht, dass uns primär individuelle Qualität fehlt. Entscheidend ist vielmehr, aus den vorhandenen Einzelspielern eine Mannschaft zu formen, die auch unter Druck auf funktionierende Abläufe zurückgreifen kann. Die Siege gegen Ulm und Bonn zeigen, welches Leistungsniveau grundsätzlich möglich ist, wenn Defense, Transition und Energie ineinandergreifen. Die Niederlagen gegen Rostock, AEK und Iraklis verdeutlichen dagegen, dass dieses Niveau bislang nicht konstant abgesichert werden kann, sobald die erste offensive Option wegfällt und der Gegner unser Tempo kontrolliert.

Unser Ceiling haben wir bereits gesehen. Die eigentliche Aufgabe des Trainerteams besteht nun darin, den Floor nachhaltig anzuheben. Eine gute Mannschaft zeichnet sich nicht nur dadurch aus, wie stark sie in ihren besten Phasen spielen kann, sondern auch dadurch, wie stabil sie bleibt, wenn die eigenen Stärken nicht unmittelbar greifen. Genau dann müssen Halbfeld-Offense, Spielkontrolle und Defensive unabhängig voneinander funktionieren – und sich zugleich gegenseitig stabilisieren.
 

Würzburg gegen MBC: Ceiling, Resilienz und eine neue Qualität in der Rotation​

Nach den letzten drei Niederlagen war das heute ein richtig wichtiger Sieg. Nicht nur wegen des Pokalviertelfinales, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie er zustande gekommen ist.

Das erste Viertel hat wieder einmal gezeigt, was diese Mannschaft eigentlich kann. Wenn Würzburg ins Laufen kommt, der Ball gut bewegt wird und die Würfe fallen, ist das offensiv schon beeindruckend. Die 28:16-Führung war ein schönes Beispiel für das Ceiling, über das wir hier zuletzt häufiger gesprochen haben. Das Potenzial ist zweifellos vorhanden. Die Frage ist vielmehr, wie zuverlässig die Mannschaft es abrufen kann.

Interessanter fand ich deshalb fast die Phase nach der Halbzeit. Der MBC kommt von 50:39 auf 50:47 heran, Würzburg trifft vier Minuten lang keinen Korb und plötzlich ist genau die Situation da, an der die Mannschaft zuletzt mehrfach gescheitert ist. Die Offense stockt, der Gegner bekommt Momentum und das eigene Spiel droht auseinanderzufallen.

Filipovski hatte vor dem Spiel sinngemäß gesagt, dass seine Mannschaft Erfahrungen sammeln müsse, um sich aus solchen Situationen herauszuarbeiten. Und genau darum geht es. Erfahrung kann man nicht trainieren, die muss man machen. Heute haben die Jungs in dieser Hinsicht Resilienz gezeigt. Sie haben die schwierige Phase überstanden und sich im letzten Viertel wieder deutlich abgesetzt. Nach Rostock, AEK und Thessaloniki ist das für mich eine wichtige Entwicklung.

Was mir außerdem richtig gut gefallen hat, war die Rotation. Ich hatte heute über weite Strecken den Eindruck, dass eigentlich immer fünf Spieler auf dem Feld standen, die defensiv konkurrenzfähig waren und meist offensiv genügend Möglichkeiten hatten.

Mit Ogunsipe gewinnt Filipovski aus meiner Sicht deutlich mehr Flexibilität. Colbert und Ogunsipe können auf der Vier und Fünf spielen, Tischler auf Drei und Vier, Jones auf Zwei und Drei, Pjanic auf Drei und Vier. Dazu sind Dye und Wishart auf der Eins mittlerweile zwei wirklich gute Optionen, während Griffin auch Verantwortung im Ballvortrag übernehmen kann. Gerade auf den Positionen Drei bis Fünf lässt sich jetzt viel variabler kombinieren.

Ogunsipe gefällt mir dabei bislang ausgesprochen gut. Er wirkt in seinen Aktionen deutlich selbstsicherer als Saffer, bringt Physis mit und gibt Filipovski eine zusätzliche verlässliche Option unter dem Korb. Auch Herzog, Jones und teilweise Pjanic, gerade defensiv, machen die Rotation inzwischen breiter. Es geht nicht nur darum, den Startern Pausen zu verschaffen, sondern darum, unterschiedliche Lineups aufs Feld bringen zu können, ohne unmittelbar an Qualität zu verlieren.

Besonders bemerkenswert fand ich stellenweise die defensive Variabilität. Das Hedgen und Switchen hat phasenweise richtig gut funktioniert. Thompson ist dabei unglaublich wertvoll, weil er trotz seiner Größe beweglich genug ist, um auch außerhalb der Zone zu verteidigen. Zusammen mit Tischler funktioniert das für meinen Geschmack phasenweise hervorragend.

Allerdings war längst nicht alles gut. Die Rebounds waren auch heute eine echte Baustelle. 16 Offensivrebounds für den MBC bedeuten, dass Würzburg nur rund 57 Prozent der verfügbaren Defensivrebounds gesichert hat. Das ist deutlich zu wenig. Gerade wenn Thompson beim Hedgen weit herausrückt oder nach einem Switch nicht mehr unter dem Korb steht, müssen seine Mitspieler konsequenter ausboxen. Eine gute defensive Sequenz bringt wenig, wenn der Gegner anschließend eine zweite Chance bekommt.

Positiv waren dagegen die nur neun Ballverluste und die 11/26 Dreier. Wishart mit 19 Punkten, Dye mit fünf Assists ohne Turnover und Thompson mit zwölf Rebounds liefern ebenfalls gute Argumente dafür, dass diese Mannschaft auf mehreren Positionen Qualität besitzt.

Für mich bleibt deshalb die Unterscheidung zwischen Floor und Ceiling entscheidend. Dass Würzburg ein hohes Ceiling hat, wissen wir inzwischen. Das haben wir gegen Ulm, Bonn und heute im ersten Viertel gesehen. Entscheidend wird sein, ob die Mannschaft ihren Floor stabilisieren kann. Sie muss lernen, auch dann wettbewerbsfähig zu bleiben, wenn die Würfe nicht fallen und der Gegner einen Lauf startet.

Heute gab es dafür zumindest eine ziemlich ermutigende Antwort. Ein einzelnes Spiel macht aus einer schwankenden Mannschaft noch keine konstante, aber vielleicht war das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die größere Variabilität in der Rotation in den nächsten Wochen auswirkt.
 
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