Herrlich, diese Ruhe. Sportlich ist die Luft etwas raus. Seit dem Irving Trade steht man bei 7-12 und hat Miami mittlerweile dicht im Nacken im Kampf um Platz 6. Sollten die Nets heute Nacht auch das zweite Spiel der Miniserie gegen die Cavs verlieren, ziehen die Heat bereits vorbei. Ansonsten haben sie am Samstag im direkten Duell die nächste Chance an 6 zu springen.
Der Kader und folglich auch die Rotationen sind gerade seltsam, was nach den großen Trades natürlich keine Überraschung ist. Die Defense der S5 um Dinwiddie/Bridges/Cam J/DFS/Claxton greift so langsam, overall zieht die Bankrotation das defensive Potenzial ziemlich runter.
Offensiv hat man drei große Probleme:
- Das erste Problem lässt sich einfach vom Papier ablesen, weil man mit Dinwiddie nur einen Playmaker auf gehobene Niveau hat. Also klar, mit Abstrichen Simmons. Aber der hat wieder Rücken (oder Knie oder beides). Mit ihm rechne ich erst nächste Saison wieder, dann hoffentlich in einer besseren körperlich Verfassung. Dinwiddie selbst schlägt sich in einer für ihn sicherlich zu großen Rolle mal exzellent, mal ist er total überfordert. Von seinem decision making und paint pressure ist man gerade brutal abhängig, das wird in den Minuten ohne ihn schonungslos offenbart.
- Die Anweisung lautet viele 3er zu nehmen und vor allem die Quoten von Dinwiddie, Cam Johnson und DFS sind im Schnitt um fast 11% gesunken, ohne dass sie reihenweise schlechte Würfe nehmen.
- Man schafft es nicht die entstandenen Vorteile auszuweiten oder auszunutzen, weil sie meistens schlicht übersehen werden. Dinwiddie macht das noch sehr solide, O’Neale ebenso die ganze Saison schon und auch Bridges zeigt vielversprechende flashes, aber ihm fehlt zu oft noch das Auge und das richtige Timing. Das killt dich natürlich, wenn du keinen go-to-guy hast und falls man die Playoffs erreichen sollte, dann wird das imho richtig hässlich werden.
Die Offense ist vor allem durch die Punkte 1 + 3 also statischer als sie eigentlich sein sollte und auch wenn ich nicht der allergrößte Cam Thomas Fan bin.. Man spielt gerade um ein deutliches First Round Exit, man hat eh kaum Flow, weil Advantages nicht gelesen werden und selbst Lichtblicke wie Bridges produzieren mit dem Ball in der Hand keine ballbewegende Offense, weil seine Possessions meistens in Midrange Pull-Ups enden. Also..for the love of god, lasst doch Cam Thomas spielen. Er kann zumindest für sich selbst kreieren und Vorteile entstehen lassen, wenn die Defenses ihn daran hindern wollen. Während seines dreifachen 40+ Meisterwerks zeigte er immerhin vorsichtige Ansätze, dass er Antworten darauf finden kann und seine Mitspieler daraus Kapital schlagen können. Er wirkt auch nicht gerade unbelehrbar, in seinen zuletzt begrenzten Minuten war er immer darum bemüht mehr im Flow der Offense (wie gesagt, der ist eh kaum existent) zu scoren. Keine Ahnung, was genau hinter der basketballerischen Erziehungsschelle steckt. Nach seinen 40+ Spielen hat er gleich mal „Ain’t sh*t funny“ Merch produzieren lassen, vielleicht ist das auch nicht so gut angekommen.
Ansonsten wird man im Sommer personell eine Antwort auf die Probleme finden müssen, wie auch immer die aussehen mag. Bis dahin wäre es auch eine Idee Claxton offensiv stärker einzubinden und aktiver die Zone attackieren zu lassen. Ist jetzt sicher nicht die eleganteste Lösung, aber er hat sein Repertoire am Korb so erweitern können wie es zu erhoffen war, nachdem er in seinen ersten Jahren doch ziemlich von Verletzungen ausgebremst wurde und offensiv stagnierte. Daher könnte man das kleine Experiment ebenso wie bei Thomas mMn ruhig mal wagen, ihrer Entwicklung dürfte es jedenfalls nicht schaden.
Das klingt jetzt alles wieder negativer als es eigentlich gemeint ist und vor allem Bridges zeigt ja deutlich mehr als allgemein erwartet. Und es wäre auch unfair zu erwarten, dass man nach dem großen Knall erstmal nicht auf verlorenem Posten steht. Von daher alles gut, man kann sich im Sommer neu ausrichten und den Roster vernünftig ausbalancieren. Entweder auf die jungen Spieler setzen oder halt die Assets nutzen, um sich in der Spitze zu verstärken. Vieles ist anders als 2016, aber eines hat sich nicht geändert: in Marks we trust
