Endlich sind sie weg, aber ich erwarte auch unter einem neuen Front Office keine große Verbesserung. Die Bulls sind so tot wie noch nie – und eigentlich wie kein anderes NBA-Team zuvor. Schuld daran sind die Reinsdorfs und sonst niemand.
Dieses „Wir dürfen nicht tanken“ kam immer von ganz oben, und das ist einfach ein Fehler. Klar sollte man das nicht öffentlich sagen, aber schau dir OKC, Dallas oder die Spurs an: Irgendwann muss man versuchen, einen Top-3-Pick zu ergattern – und dann natürlich auch das nötige Glück haben, die richtige Wahl zu treffen. So wird man wieder relevant.
Die Bulls haben es dagegen geschafft, ständig um Platz 9 herum zu draften – und selbst dort oft falsch zu liegen, weil sie immer die „netten Typen“ nehmen: Spieler mit hohem Floor, aber ohne echtes Star-Potenzial. Und wenn sie mal ein Risiko eingehen, wie bei Patrick Williams, liegen sie komplett daneben. Da kam dann auch noch Pech dazu – was wir ohnehin häufiger hatten als andere Teams (siehe Derrick Rose oder Lonzo Ball).
Meine Begeisterung für die Bulls ist inzwischen fast erloschen. Ich schaue gelegentlich noch auf die Standings, aber ich habe keinerlei Hoffnung, dass sich etwas verbessert. Generell ist meine Liebe zur NBA stark zurückgegangen. Mittlerweile bin ich komplett bei den Bears gelandet und interessiere mich deutlich mehr für Football als für Basketball.
Auch ein Wechsel im Front Office wird daran kurzfristig nichts ändern. Es sei denn, man schafft es irgendwie, jemanden wie Bob Myers oder Steve Kerr nach Chicago zu holen – was allerdings extrem unrealistisch ist.
Und man sieht ja, dass die Reinsdorfs völlig planlos agieren. In der Pressekonferenz hat Michael Reinsdorf tatsächlich gesagt, man hoffe weiterhin, Billy Donovan zu behalten. Und auf die Frage, was wäre, wenn ein neuer GM einen eigenen Coach möchte, meinte er ernsthaft: Wenn ein neuer GM keinen „Hall-of-Fame-Coach“ und College-Champion will, dann wollen wir ihn auch nicht.
Wie kann man so etwas sagen? Wie dumm kann man sein?
Natürlich müsste man jetzt einen kompletten Neuanfang machen. Und natürlich wollen potenzielle neue GMs freie Hand – inklusive eigener Trainerwahl. Niemand will einen Coach vorgesetzt bekommen. So etwas hat es meines Wissens nach auch noch nie gegeben.
Typisch Chicago Bulls: Sie machen alles anders – und leider meistens falsch. Ich sehe es schon kommen: Die Top-GMs sagen ab, eine Notlösung wird geholt, die dann Billy Donovan abnickt. Man verliert zu Beginn der Saison viele Spiele, und nach einem halben oder ganzen Jahr wird der Coach doch entlassen. Wieder ein verlorenes Jahr.
Ich mag Donovan mehr als AK, und er trägt sicher nicht die Hauptschuld an der Misere. Aber wenn er wirklich so gut wäre, wie oft behauptet wird, hätte er einige junge Spieler besser entwickeln müssen. Gerade bei Patrick Williams hätte man deutlich mehr Fortschritte sehen müssen.
Die Bulls bleiben eben die Bulls. Und wäre Michael Jordan damals nicht – mit viel Glück – nach Chicago gekommen, wären die Bulls heute vermutlich die schlechteste US-Sport-Franchise aller Zeiten.