College or bust?!


Ballking

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Werfe mal folgende Frage in den Raum (deutsches Kid) :

Stellt euch vor, ihr seid gerade 18 geworden, spielt NBBL und steht vor eurem ersten Profivertrag und gleichzeitig bekommt ihr von Colleges Angebote. Was würdet ihr tun? Erstmal 1-2 Jahre professionell Spielen und dann College? Gar kein College und versuchen, so in die NBA zu kommen? Und wenn College, welches? Welche wären dann gerade für Ausländer besonders geeignet bzw. sorgen aus Abseits des Sports für ne gute Ausbildung?

Oder ihr seit Ami, der gerade die HS hinter sich hat und jetzt nicht gerade mit Stipendien beschmissen wird: Trotzdem aufm kleines College gehen (vllt. sogar Division II/III oder Community College)? Wie stehen von da die Chancen auf einen NBA-Contract bzw. überhaupt auf professionellen B-Ball? Und wie sieht es da mit der akademischen Ausbildung aus?
Oder den Weg nach Europa oder gar nach China wagen, um 1-2 Jahre zu überbrücken? Oder gar den neuen G-League-Contract in Anspruch nehmen (also garantierte 125.000€ und Werbedeal), so One-and-Done komplett umgehen und so über Umwege in die NBA/in den Pro-Basketball zu kommen?

Die übergeordnete Frage: Muss man heute noch zwingend aufs College, um es in die NBA/in den Profi-Basketball zu schaffen? Und wenn, welche Colleges bieten einem dafür immer noch die besten Möglichkeiten?

Und: Haben Freshmen tatsächlich die größten Chancen auf eine (Top-) NBA-Karriere? Heute zieht ja kaum noch einer sein "Studium" durch und wenn die dann überhaupt gedraftet werden dann sind es meist 2nd-Rounder und da ist es fast egal, wie gut deren Seasons waren.

Meine Meining dazu: One-And-Done kippen und das Alter nicht ab - sondern hochstufen auf 20 Jahre. Bei vielen Topprospects ist sooo offensichtlich, das denen das College am Arsch vorbeigeht und die eh "Töpfern für Anfänger" belegen, um einen guten Schnitt zu haben. Die schlagen da nur Zeit tot, weil sie halt dieses Jahr überbrücken müssen und nehmen so Studenten die Plätze weg, die gerne durchziehen würden aber entweder überhaupt keinen Ball in den Korb werfen können/wollen oder es einfach nicht so gut können wie derjenige.
Die bräuchten das College wirklich nicht, die könnten direkt nach der HS durchstarten und da müsste man eigentlich innerhalb der USA mehr Möglichkeiten schaffen, außerhalb der NBA schon professionell gegen Herren zocken zu können.

Und mittlerweile bin ich auch wieder gegen eine Bezahlung von Collegeathleten. War ja lange dafür, aber seit dem ich mich seit geraumer Zeit intensiver damit beschäftige und daher weiß, was für Benefits und Vergünstigungen die Jungs und Mädels so bekommen (neben dem Vollstipendium), dann brauchen die echt nicht noch zusätzlich Kohle in den Hintern geblasen zu bekommen.
Das könntest du dem "Durchschnittsstudenten" am Campus dann echt nicht mehr erklären, warum der Basketball-/ Footballspieler neben dem Stipendium, top Trainingsmöglichkeiten, "Taschengeld", etwaige geile Trips nach Maui, Disneyland etc. auch noch regelmäßiges Gehalt beziehen sollte......

Vllt. kann da vor allem @theser ein wenig was dazu sagen ;D
 

theser

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Eine pauschale Antwort wird es für jedes Individuum nie geben. Wie auch im normalen Leben trifft man Entscheidungen und macht allzu oft die Rechnung ohne den Wirt. Jedenfalls erst 1-2 Jahre professionell spielen bevor es auf's College geht? Dann darf man wegen der Richtlinien aber kein Gehalt bekommen. Michigans Franz Wagner bekam in Berlin nie mehr als ne Ausbildungspauschale. Ob die jetzigen Prospects Delow oder Mattisseck was abbekommen weiß ich garnicht.

Beim Recruiting wird der Familie und dem Prospect ja mächtig Honig um den Bart geschmiert. Zu jedem College findet man positive/negative Beispiele: Gonzaga ist berühmt dafür gut mit "Ausländern" umzugehen. Sie retteten Brandon Clarke (CAN) die Karriere, machten aus Elias Harris (GER) vielleicht mehr als er jemals war, holten alles aus Rui Hachimura (JAP), fördern nun Filip Petrusev (SRB) und machen Killian Tillie (FRA) NBA-fit. Allerdings verarschten sie aber Jahre zuvor Mathis Mönninghoff oder Kevin Pangos (hieß so ähnlich vielleicht)

Alles andere als Division I ist sportlich betrachtet wohl Käse, denn die Chancen sind in Div II und III dramatisch geringer. In akademisch starken Programmen wie Stanford oder aus der "Ivy League" bekommt man wohl auch schulisch gar nix geschenkt. Wer aber in all den "skandalösen" Unis (man liest da viel) einen gescheiten Abschluss mit wertvollem Studiengang haben möchte kann selbstredend auch dort ehrlich studieren.

Ansonsten würde ich als deutsches Talent auch hier bleiben. Die Liga ist mehr als nur okay, Clubs müssen viele einheimische einsetzen und man hat stets die Garantie auf viel Courttime jeder Qualitätsstufe von 1. bis 4.Liga. Berlin überzeugt mich schwer mit seinem Programm Guards auszubilden, Frankfurt scheint das Nonplus-Ultra für "Bigs" zu sein. Letztendlich braucht man halt echt viel Glück damit alles richtig gut zusammenpasst.

Als Amerikaner hat man sicherlich schon noch die besten Chancen per College in die NBA zu kommen. Natürlich Division I und eine "Power 5 Conferences" (also Big12, BigTen, PAC12, ACC, SEC) und ein berühmtes Programm mit krassen Trainern und guten Trainings Facilities. Allerdings bewiesen auch Jungs wie Markelle Fultz, Ja Morant oder jetzt grad Anthony Edwards auch bei "kleineren" Programmen gut aussehen zu können wenn man die alleinige erste Geige spielt.

Offizielle Zahlen der NCAA vom NBA-Draft 2018 belegen:
  • 4.2% of draft-eligible Division I players were chosen in the 2018 NBA draft (52 / 1,230).
  • in total 53% of draft-eligible Division I players competed professionally (NBA, G-League or internationally) [662/ 1,230)
  • 17% of draft-eligible players from the five power conferences were drafted by the NBA, while 80% played professionally somewhere
Von China sollten sich Prospects tunlichst fern halten. Die Liga kommt einfach nicht in Schwung und hat ein schwaches Level. Auch das G League-Programm steckt noch in den Kinderschuhen und dürfte sich noch ein paar Jahre Zeit lassen. Grade das australische Youngster-Programm punktet dagegen mit qualitativer Liga, NBA-ähnlichem Spielstil, tollen Facilities, gutem Gehalt und möglichst garantiert positiver Entwicklung!

Ich denke die NCAA wird nicht umhin kommen sich irgendwann dem Druck der Öffentlichkeit zu beugen und den Athleten der großen Sportarten (also Football, Baseball, Basketball) Geld zu geben. Mehr als nur die aktuellen legalen "Taschengelder" und Annehmlichkeiten. Aber selbst im schlimmsten Fall - also ein abwandern aller Elite-Spieler in kommerzielle Ausbildungsprogramme - wird der College-Sport bestehen bleiben. Denn nicht für alle US-Prospects ist Platz in Europa, Australien oder G-League. Ein Großteil - wenn auch nicht mehr die sportliche Oberspitze - wird die über 100-jährige Tradition fortführen. Die NCAA-Granden werden dabei die Kaderschmiede des US-Sports weiterhin vehement verteidigen. Ob da nun One'n'Done oder Geld kommen oder gehen - es wird sich daran nix ändern. Wie der College-Sport in 50 Jahren exakt aussieht vermag ich nicht zu sehen. An ein NBA-Mindestalter von 20 glaub ich aber nicht, dann schon eher, dass 13-17-Jährige Highschooler erste Dollar-Millionäre werden dank entsprechener Vermarktung.

Ich hab da neulich so eine Rap-Casting-show bei Netflix gesehen. Dort meinte irgendeine Tröte zum Rapper: "Ich weiß, ob Deine Musik 10-jährige Mädchen kaufen und wollen. Und darauf kommt es an." Na, Halleluja... wenn das jetzt so ist lass ich mich einfrieren und möchte gerne in 1000 Jahren wieder aufgetaut werden :D

Egal, schon jetzt kämpfen drei verschiedene Wege um den #1-Spot im Draft 2020. Meiner Meinung nach sind dies:
  • James Wiseman (Memphis) und Cole Anthony (UNC), die für die fetten schweren Midmajor-Programme stehen
  • Anthony Edwards (Georgia) für ein relativ kleines Programm
  • LaMelo Ball, der nach Australien ging
Vielleicht mischen auch der Italiener Nico Mannion (Arizona) oder die Franzosen Theo Maledon (Frankreich), Deni Avdija (Israel), Killian Hayes (Ulm) oder RJ Hampton (austr. Liga) in in der Top5 mit... der kommende Draft wird also abwechslungsreicher und kunterbunter denn je. Bald werden sicher auch mal afrikanische Prospects aus der "NBA Africa" ganz vorne im Draft landen.
 
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Steigerwald

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Eine pauschale Antwort gibt es dafür nicht. Es muss jeder Spieler selbst abwegen, was für einen besser ist. Außerdem kommt es darauf an, wie groß die Rolle eines einzelen im europäischen Team ist und wie der Talentstatus ist.

Der akademische Hintergrund darf nicht vernachlässigt werden, denn genau dort hat das College System entscheidende Vorteile gegenüber dem Deutschen, was es eignetlich gar nicht gibt. Viele der Spieler bauen sich somit ein zweites Standbein neben dem des Profibasketballs auf, womit sie nach der Karriere weiterhin Geld verdienen können
Bestes Beispiel: Oscar da Silva. Er hat von Anfang gesagt, dass er nicht primär in die NBA will, sondern ein gutes Studium an einer rennomierten Uni (Stanford) haben möchte.

Es gibt mehr Beispiele an vielversprechenden Talenten, die in die USA gegangen sind, sich dort nicht so gut entwickelt haben und ihr Talent eher verschwendet haben z.B.

  • Heckmann
  • Bright
  • Müller
  • Freudenberg
  • Schilling
dem Gegenüber stehen Leute wie Giffey, Lo oder Moe Wagner.

Für Spieler vom Enwicklungspotential Regionalliga bis Pro A ist ein Wechsel ans College unproblematisch, da der Abschluss wichtiger ist ABER bei Leuten mit NBA Potenzial sieht es schon anders aus. Diese müssen dann schon genau ihre Karriere planen. Es kommt natürlich auch darauf an, welches College Interesse zeigt. Michigan und Konsorten sind schon für viele Zuschauer, gute sportliche und akdemische Ausbildung bekannt. Top Talente, die NBA Potential andeuten sind auf dem Weg, Profis zu werden und werden schon Begehrlichkeiten bei diversen Colleges/europäischen Vereinen geweckt haben. Hier ist die College-Bildung wohl erstmal zweitrangig, da mit Basketball der Lebensunterhalt verdient werden soll.
Europäische Toptalente gehen da eher den Weg wie jetzt Hartenstein. Bei einem europäischen Top-Club ausgebildet werden und dabei schon gutes Geld verdienen (wie es die meisten spanischen Talente auch machen).
Hier wäre der Schritt ins College zwar eine gute Vorbereitung auf das Leben in Übersee, aber ist doch risikoreich (man verdient kein Geld, schlechte Leistungen/Verletzungen lassen den Marktwert fallen). Franz Wagner hat sich dagegen für das College entschieden, da er dort wohl eine deutliche größere Rolle inne hat als in Berlin und sich dadurch schnellr entwickeltn kann. Außerdem hat er durch seinen Nachname einen großen Stellenwert in Michigan.

Sein Bruder Moe ist einen beeindruckendene Weg gegangen. Von der menschlichen Art ein super symphatischer Kerl, den man nur das beste auf Erden wünscht.

Dieses Jahr sind mit Franz Wagner (Michigan), Emanga (Northeastern), Thiemann (California ) und Ihnen (Minnesota ) einige junge und womöglich NBA oder Nationalspieler aufs College gewechselt. Bin gespannt wohin ihr Weg führt

Die Thematik ist einfach zu vielschichtig, um abschließend feststellen zu können, das eine System ist besser als das andere System.
 

theser

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Die Sache ist halt auch die: Nachher ist man immer cleverer und aus dem Konsens sollte man lernen. Insgesamt bleibe ich daher dabei, dass hierzulande zu bleiben die zumeist bessere Entscheidung ist.

US-College-Programme geben keinesfalls die Garantie, dass aus den Jungs was wird. Kommt der Coach, der einem vor Jahr 1 noch sabbernd am Rockzipfel hing dann im Recruiting vor Jahr 2 an einen besseren Spieler ran ist man Geschichte. Grade auch mit "ausländischen" Talenten ging man (besonders) früher verdammt fahrlässig um oder steckte sie in dämliche Rollen (Staiger, Wolf). Bei unserem winzigen Talentpool ist das schon verheerend auch nur einen Prospect auf diese Art zu verlieren.

Thema College-Degree: Schlägt die Sportinvalidität zu wird ein US-Degree - wenn's jetzt nicht grad Ivy League oder Stanford ist - in D meist nur als Schmalspur-Abschluss angesehen mit dem man keinesfalls gleich mal bei Siemens, Continental, BMW oder Brose anklopfen sollte. In Deutschland gibt's immerhin das vom Wert vergleichbare Fernstudium, während man zusätzlich Kohle mit BBall verdient, verlangt Disziplin, machen aber trotzdem viele Jungs. Auch suchen die Vereine Ausbildungs-Berufe, die sich gut mit dem Basketballer-Leben verbinden lassen.

Lasst uns mal ein bisschen die Vergangenheit blicken: Heckmann hatte nämlich alle Chancen auf dem Boston College. Neuer Trainer, neues Programm, er wurde schon als Freshman als zentraler Ballhandler angedacht und bekam viel Narrenfreiheit. Eigtl seine Paraderolle. Angesichts der folgenden Leistungen reichte das Talent oder der Arbeitswillen dann vielleicht doch nicht aus. Sicherlich kamen Verletzungen dazwischen. Ich würde hier eher meinen es war der normale Lauf der Dinge.
Kevin Bright war ein absolutes Edeltalent, ich habe ihn aber manchmal als zu ruhig eingeschätzt als, dass er sich im Pro-Ball durchbeißen kann. Nicht zu vergessen seine Verletzungsanfälligkeit. Das erste Jahr verlief in "Vandy" dabei doch richtig gut mit 30mpg, er ging gleich danach vorwiegend aus familiären Gründen wieder heim. Dass er nun nur noch Amateur-Ball spielt ist echt mega tragisch.
Malik Müller erwischte es echt böse. Bei seinem Beispiel würden mir die Alarmsirenen angehen, wenn ich ein Prospect wäre. Man durfte ja immer berechtige Zweifel haben, ob sich ein Spieler seiner Statur (knapp 1,90m, SG, bullig) jemals durchzusetzen vermag. Es lief recht ordentlich in der ProA, dann wollte er ja unbedingt in die NCAA. Die Virginia Tech Hokies aus der ACC haben ein gutes Programm, aber aus Gründen, die ich heute noch nicht checke musste er ein Jahr redshirten! Das Jahr drauf kam ein neuer Trainer, der nach Müllers wackligem FR-Year einfach mal ohne ihn plante. Zurück in D musste es dann ja unbedingt Bamberg in seiner Euroleague-Blütezeit sein. Anstatt also eine BBL-Nummer kleiner zu gehen mit Frankfurt, Braunschweig, MBC oder Gießen (allesamt gute Ausbildungsprogramme) spielte er wieder ProA für Baunach oder so'n Mist... Den Rest kennen wir, er ist immerhin zurück in der BBL als hinterster Bankwärmer für Hamburg. Schrecklich.

Niels Giffey zählt für mich ebenso auf's negative Konto. Als sehr begabter Offensiv-Spieler ging er zur UConn, als fast schon primitiver 3nD-Guy kam er zurück. Aktuell in der EL sieht man übrigens kleinere Flashes davon was möglich gewesen wäre...

Louis Olinde von Bamberg ist ein anderes Beispiel. Weiß garnicht obs akademisch gereicht hätte für's College. Aber der NBA-Draft-Kandidat blieb in D bei einem Club, welches Talente eher versauern lässt statt zu fördern. Erst seit der Insolvenz darf er endlich gescheit spielen und vergeltet dies auch mit guten Leistungen wie es eben ein Allrounder mit Def-Skills kann. Ich denke hier wäre vor 2 Jahren ein Club-Wechsel angebracht gewesen.

Ich will darauf hinaus, dass die Entscheidung wo man als Youngster nun hingeht ganz schön heftig ist. So viele reden auf dich ein, aber niemand weiß es wirklich.

So viel zur Vergangenheit, jetzt zur Zukunft. Ist Franz Wagners Entscheidung nach Michigan zu gehen gut? Derzeit ist man dort noch heiß auf ihn, weil er als riesiges Talent gilt. Bei der U18-EM hat man aber gesehen wie er auch spielen kann. Ich glaube nicht, dass man in Ann Arbour lange Geduld hat mit seinem bisher zumeist ineffizientem Game, schnell kann er aus der Starting Five fallen. ALBA Berlin hätte mMn dagegen mehr geboten, auch bei schwachen Leistungen, behaupte ich. Das Förderprogramm seit Coach Aito erscheint mir sehr stark. Bei dem krassen Schedule an EL- und BBL-Spielen hätte er wohl auch viel Spielzeit gesehen, wesentlich höheres Spiel-Niveau erlebt und gleichzeitig Kohle verdient.

Isaiah Ihnen ist ein klasse Allrounder, megaathletisch, riesige Wingspan, aber roher als noch ungefangener Fisch. Ich bezweifle auf stärkste, dass ihm ein strugglendes Programm wie die Gophers in Minnesota gerecht werden kann und hätte ihn gern lieber in der BBL gesehen. Ich lasse mich aber gern eines anderen belehren.
 

Mjerumani

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Die Sache ist halt auch die: Nachher ist man immer cleverer und aus dem Konsens sollte man lernen. Insgesamt bleibe ich daher dabei, dass hierzulande zu bleiben die zumeist bessere Entscheidung ist.

US-College-Programme geben keinesfalls die Garantie, dass aus den Jungs was wird. Kommt der Coach, der einem vor Jahr 1 noch sabbernd am Rockzipfel hing dann im Recruiting vor Jahr 2 an einen besseren Spieler ran ist man Geschichte. Grade auch mit "ausländischen" Talenten ging man (besonders) früher verdammt fahrlässig um oder steckte sie in dämliche Rollen (Staiger, Wolf). Bei unserem winzigen Talentpool ist das schon verheerend auch nur einen Prospect auf diese Art zu verlieren.

Thema College-Degree: Schlägt die Sportinvalidität zu wird ein US-Degree - wenn's jetzt nicht grad Ivy League oder Stanford ist - in D meist nur als Schmalspur-Abschluss angesehen mit dem man keinesfalls gleich mal bei Siemens, Continental, BMW oder Brose anklopfen sollte. In Deutschland gibt's immerhin das vom Wert vergleichbare Fernstudium, während man zusätzlich Kohle mit BBall verdient, verlangt Disziplin, machen aber trotzdem viele Jungs. Auch suchen die Vereine Ausbildungs-Berufe, die sich gut mit dem Basketballer-Leben verbinden lassen.

Lasst uns mal ein bisschen die Vergangenheit blicken: Heckmann hatte nämlich alle Chancen auf dem Boston College. Neuer Trainer, neues Programm, er wurde schon als Freshman als zentraler Ballhandler angedacht und bekam viel Narrenfreiheit. Eigtl seine Paraderolle. Angesichts der folgenden Leistungen reichte das Talent oder der Arbeitswillen dann vielleicht doch nicht aus. Sicherlich kamen Verletzungen dazwischen. Ich würde hier eher meinen es war der normale Lauf der Dinge.
Kevin Bright war ein absolutes Edeltalent, ich habe ihn aber manchmal als zu ruhig eingeschätzt als, dass er sich im Pro-Ball durchbeißen kann. Nicht zu vergessen seine Verletzungsanfälligkeit. Das erste Jahr verlief in "Vandy" dabei doch richtig gut mit 30mpg, er ging gleich danach vorwiegend aus familiären Gründen wieder heim. Dass er nun nur noch Amateur-Ball spielt ist echt mega tragisch.
Malik Müller erwischte es echt böse. Bei seinem Beispiel würden mir die Alarmsirenen angehen, wenn ich ein Prospect wäre. Man durfte ja immer berechtige Zweifel haben, ob sich ein Spieler seiner Statur (knapp 1,90m, SG, bullig) jemals durchzusetzen vermag. Es lief recht ordentlich in der ProA, dann wollte er ja unbedingt in die NCAA. Die Virginia Tech Hokies aus der ACC haben ein gutes Programm, aber aus Gründen, die ich heute noch nicht checke musste er ein Jahr redshirten! Das Jahr drauf kam ein neuer Trainer, der nach Müllers wackligem FR-Year einfach mal ohne ihn plante. Zurück in D musste es dann ja unbedingt Bamberg in seiner Euroleague-Blütezeit sein. Anstatt also eine BBL-Nummer kleiner zu gehen mit Frankfurt, Braunschweig, MBC oder Gießen (allesamt gute Ausbildungsprogramme) spielte er wieder ProA für Baunach oder so'n Mist... Den Rest kennen wir, er ist immerhin zurück in der BBL als hinterster Bankwärmer für Hamburg. Schrecklich.

Niels Giffey zählt für mich ebenso auf's negative Konto. Als sehr begabter Offensiv-Spieler ging er zur UConn, als fast schon primitiver 3nD-Guy kam er zurück. Aktuell in der EL sieht man übrigens kleinere Flashes davon was möglich gewesen wäre...

Louis Olinde von Bamberg ist ein anderes Beispiel. Weiß garnicht obs akademisch gereicht hätte für's College. Aber der NBA-Draft-Kandidat blieb in D bei einem Club, welches Talente eher versauern lässt statt zu fördern. Erst seit der Insolvenz darf er endlich gescheit spielen und vergeltet dies auch mit guten Leistungen wie es eben ein Allrounder mit Def-Skills kann. Ich denke hier wäre vor 2 Jahren ein Club-Wechsel angebracht gewesen.

Ich will darauf hinaus, dass die Entscheidung wo man als Youngster nun hingeht ganz schön heftig ist. So viele reden auf dich ein, aber niemand weiß es wirklich.

So viel zur Vergangenheit, jetzt zur Zukunft. Ist Franz Wagners Entscheidung nach Michigan zu gehen gut? Derzeit ist man dort noch heiß auf ihn, weil er als riesiges Talent gilt. Bei der U18-EM hat man aber gesehen wie er auch spielen kann. Ich glaube nicht, dass man in Ann Arbour lange Geduld hat mit seinem bisher zumeist ineffizientem Game, schnell kann er aus der Starting Five fallen. ALBA Berlin hätte mMn dagegen mehr geboten, auch bei schwachen Leistungen, behaupte ich. Das Förderprogramm seit Coach Aito erscheint mir sehr stark. Bei dem krassen Schedule an EL- und BBL-Spielen hätte er wohl auch viel Spielzeit gesehen, wesentlich höheres Spiel-Niveau erlebt und gleichzeitig Kohle verdient.

Isaiah Ihnen ist ein klasse Allrounder, megaathletisch, riesige Wingspan, aber roher als noch ungefangener Fisch. Ich bezweifle auf stärkste, dass ihm ein strugglendes Programm wie die Gophers in Minnesota gerecht werden kann und hätte ihn gern lieber in der BBL gesehen. Ich lasse mich aber gern eines anderen belehren.
Ich muss gestehen, dass mich Collegebasketball eigentlich null interessiert.
Aber ich lese immer sehr gerne, wenn du (gerne natürlich auch andere) was über den deutschen Nachwuchs schreibst.
Bei Franz Wagner hätte ich mir auch gewünscht, dass er bei Alba bleibt. Für so einen talentierten Spieler kann es doch eigentlich nichts Besseres geben, als jeweils über 30 Spiele in der BBL und der Euroleague zu haben, unter einem Trainer, der auf den Namen Aito hört. Dachte ich zumindest, aber sein Bruder hat ihm wohl zu sehr vom Collegeleben in Michigan vorgeschwärmt. Auch aus egoistischen Gründen finde ich das sehr bedauerlich, hätte seine Entwicklung gerne hier verfolgt.

Noch zwei Anmerkungen @theser:
Bamberg war nie insolvent. Aber es hat wohl nicht so wahnsinnig viel gefehlt ;)
Und war es eine Enttäuschung, wie sich Giffey damals an der UConn entwickelt hat bzw. eingesetzt wurde? Hatte man sich von seiner Entwicklung mehr erhofft/erwünscht?
 

theser

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Noch zwei Anmerkungen @theser:
Bamberg war nie insolvent. Aber es hat wohl nicht so wahnsinnig viel gefehlt ;)
Und war es eine Enttäuschung, wie sich Giffey damals an der UConn entwickelt hat bzw. eingesetzt wurde? Hatte man sich von seiner Entwicklung mehr erhofft/erwünscht?
Stimmt ;). Jedenfalls haben sie ihr "Programm" (ich deutsche den amerikanischen Begriff immer gern ein) ja nun geändert -> bspw je ca 25mpg für Olinde und Sengfelder in BBL und CL.

In der Tat erhoffte man sich beim DBB viel mehr von Giffey. Ich erinnere mich an ehrliche Interview von Verantwortlichen. Es sei zwar schön, dass Giffey 2x College-Meister wurde, aber er ging als talentierter Offensivspieler. Er konnte cutten, kreieren, lief geschickt um Screens, außergewöhnliches Entscheidungsverhalten, Two-Way-Player. Als er dann nach Jahren mal wieder zum National-Team zurückkam war das alles weg! Er konnte - bewusst übertrieben formulierter O-Ton eines Jugend-Bundestrainers - vorne eigtl nur noch in der Ecke stehen und freie Dreier einwerfen. Aus einem Hoffnungsträger wurde ein Roleplayer. So offen spricht der DBB mittlerweile nicht mehr drüber, aber so weit ich weiß berät man die Youngster nun genau, deckt alle Gefahren auf, steht nun bleibend in Kontakt mit Talent und College-Coach und fährt zum Check auch mal in die USA.

Wenn man die Chance hat nach Michigan zu gehen, dann geht man dort hin.
Klar gibt's da dolle Erfahrungen. Coach-Legenden, großartige Facilities, 20K Zuschauer, während der Madness 80K. Basketball hat eine andere Kultur in den USA. Aber wenn ich mal ganz objektiv an die Sache rangehe und so sehe, wie brillant sich so - ehrlich gesagt - mäßig talentierte Jungs wie Theis, Kleber in der NBA schlagen, dann glaube ich nicht mehr so an das College-System für ausländische Spieler. Ich denke wir sind uns einig, dass ein verletzungsfreier Zipser (ich erinnere an die letzte Playoff-Serie der Bulls) heute noch in der NBA spielen würde. Joe Voigtmann hätte im Sommer ebenfalls ein Plätzchen in der NBA gefunden. Auch der mMn viel zu früh in die USA gegangene Bonga erfüllt seine Roleplayer-Aufgaben in Washington. Bei der WM hatten wir nur Lo und Giffey als College-Besucher im Kader.

Die Besten Euros der NBA sind in Europa ausgebildet. Dieses Jahr könnten Giannis und Doncic das MVP-Race unter sich ausmachen und Gobert den DPotY-Titel abgreifen. Jokic, Nurkic, Capela, Fournier, Porzingis, Dragic, Marc Gasol, Rubio, Ibaka, Gallinari und ne riesige Anzahl an "Yet-to-Risern" wie Kurucs, Ntkilina oder Bitadze gingen durch die Euro-Lehre. Dem gegenüber stehen wenige College-Euro-NBAler wie Vucevic, Sabonis, Kanter, Anunoby. Auf dem College bleibt tatsächlich nur wenig für das Training, vom Umfang her kein Vergleich mit Europa und Männerbasketball.

Die Beweislast ist erdrückend, wie ich finde. Ist es also der eher unspektakulärere Weg in Deutschland (oder Europa: Positivbeispiel: Zirbes/Serbien, Negativbeispiel: Mushidi/weiß der Teufel wo, erst jetzt in B'schweig wieder gut) zu bleiben, aber dafür der eher nachhaltigere? Ich glaube schon.
 

Big d

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Man muss auch sehen das selbst D1 nicht D1 ist. Die Top d1 Programme haben ungefähr euroleague Niveau, während es kleinere D1 Programme gibt die höchstens 2. Bundesliga Niveau haben, wenn überhaupt.

Im Endeffekt kommt es auf dein Talent an, du musst halt gut genug sein um mit 20 Jahren in einem Major D1 Programm oder euroleague zu spielen und nicht nur auf der Bank zu sitzen.
 

MadFerIt

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Man muss auch sehen das selbst D1 nicht D1 ist. Die Top d1 Programme haben ungefähr euroleague Niveau, während es kleinere D1 Programme gibt die höchstens 2. Bundesliga Niveau haben, wenn überhaupt.

Im Endeffekt kommt es auf dein Talent an, du musst halt gut genug sein um mit 20 Jahren in einem Major D1 Programm oder euroleague zu spielen und nicht nur auf der Bank zu sitzen.
kein college-team hat euroleague-niveau. nicht mal annähernd. das beste college-team würde in der euroleague mit 34 niederlagen durch die saison gehen.
 
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