Das man auf die Performance bei den Tests dieser Woche nicht zuviel geben sollte ;-)
Ich mein ... am Aussagekräftigsten waren die letzten Jahre teilweise die Stimmen von Beobachtern, welche sich vor der Saison bei den Tests in T1-3 von Bahrain positioniert haben und geguckt haben, wie gut die Boliden um die Kurve kommen. Wer wieviel Randsteine mitnehmen
kann, wer auf der Hinterachse rutscht ... usw. usw.
Das erste Rennwochenende ist in 5 Wochen und so manch Teams werden bis dahin noch an einigen Stellen schnitzen. Motorabdeckungen, Flügel, Barge Boards uvm.
Klar, man kann jetzt gewisse Tendenzen erkennen (z.B. dass Racing Bulls manch Kühlluft über die Airbox holen ... auch in anderen Jahren gab es da durchaus unterschiedliche Herangehensweisen ... siehe z.B. Toro Rosso STR10 & STR11).
Aber dass McLaren z.B. die geschwungendsten Frontflügel-Endplatten hat, oder dass dieses oder jenes Team hier und da Flügelchen oder Unterboden-Öffnungen hat, wo andere Teams bislang mit der "Basis-Konfiguration" rangehen ... das spielt eine untergeordnete Rolle.
Man sieht ja auch, dass bislang in dieser Woche nur wenig an FlowWiz und Aero-Rakes zum Einsatz gekommen ist (verglichen mit "normalen" Winter-Testfahrten). Der Fokus liegt diese Woche nicht gerade auf der Aerodynamik.
Und ja, so wird es halt deutlich dass die Mercedes- und Ferrari-Aggregate ordentlich Kilometer abspulen. Mit 4 (ok, Williams fehlt) bzw. 3 ausgerüsteten Teams kommt da einiges an Laufleistung diese Woche zusammen. Nicht nur weil die beiden Werksteams die meisten Runden gedreht sind.
Wie dem auch sei. Am Ende jeden Tages gibt es auf dem offiziellen F1-YouTube-Kanal ein Video vom Tag und Interviews mit Fahrern und Team-Verantwortlichen. Man sieht größtenteils zufriedene Gesichter, insbesondere bei Mercedes und Ferrari. Man spult Kilometer ab, man lernt das Auto kennen, man sammelt Daten, das Testprogramm läuft. Bei Alpine, Audi und Haas z.B. gab es öfter mal eine rote Flagge, aber man ist trotzdem zufrieden, dass man lernt und Fehler findet, die andere (z.B. Aston Martin) erst noch suchen müssen.
Gewiss, wenn man die Mercedes-Truppe sieht, wie sie die meisten Runden drehen, zufrieden drein schauen und ihnen nachgesagt wird, dass sie bereits jetzt am Setup tüfteln ... dann untermauert das nochmal die Favoriten-Rolle, welche das Team ohnehin schon seit mehreren Wochen inne hat.
Sei's drum. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Ferrari beispielsweise am Anfang einer größeren Regeländerung (2017 breite Autos, 2022 Ground Effect) zunächst sehr gut aussah.
Die Vergangenheit hat auch gezeigt, dass McLaren im Gegenzug dazu (2009 stark veränderte Aerodynamik, 2014 andere Aero und neue Motoren, 2017 breitere Autos, 2022 Ground Effect) bei einer großen Regeländerung der Technik schlechter Abschnitt als in der jeweiligen Saison vorher (2008, 2013, 2016, 2021...). Diesmal hieß es, dass man sich früher auf 2026 konzentriert hat, während Red Bull einen am Ende von 2025 bei der Performance auf- oder teilweise gar überholt hat.
sortiert nach dem WM-Stand letztes Jahr:
- McLaren: interessanter Bolide der insgesamt eher unauffällig wirkt ... er glänzt nicht so wie der Mercedes
- Mercedes: zuverlässig vorne weg. Der Test läuft bislang sehr geschmeidig
- Red Bull: Hadjars Ausrutscher war sicherlich nicht nützlich, ebenso dass man am Dienstag im Regen fuhr. Wirkt dennoch flott und schlank. Man sieht sich nicht auf Mercedes-Niveau
- Ferrari: Die Hoffnung stirbt zuletzt und so glauben die Tifosi, dass dieses Jahr die Top3 wieder drin sein
müssen. Der Test läuft gut, die Fahrer wirken zuversichtlich
- Williams: Man ist nicht dabei und das kann man auch nicht groß schön reden. Dass ein Video von der Sitzanpassung veröffentlicht wird, während Sainz und Albon eigentlich eher im Auto und auf der Strecke sein sollten ... ist nicht unbedingt beste PR. Das kann viel bedeuten, muss es aber nicht. Gerüchte um Crashtests und Übergewicht werden dementiert ... wer weiß schon was dran ist.
- Racing Bulls: Man bleibt das Anhängsel der großen Schwester
- Aston Martin: Newey dies, Newey das. Der Bolide fällt auf, aber das tat Neweys MP4-18 auch. Ists der große Wurf oder ist zu radikal und ambitioniert am Ende ein Fehler? Gerade die Aufhängungen wirken spektakulär und erinnern andererseits daran dass Neweys erste Red-Bull-Boliden Mitte der Nuller-Jahre ihre Performance-Probleme bei der Aufhängung hatten, bis Geoff Willis ins Team geholt wurde. Dass Honda weniger als anderthalb Tage (und vom Tag 1 nur 5 Runden, bis Stroll den Wagen um 18 Uhr geplant abstellte) an Erkenntnis-Gewinnen hat, während andere Motoren-Hersteller mit 3 Teams an 3 Tagen ihren Aggregaten zuhören ... nicht unbedingt von Vorteil. Klar, ist immernoch ne bessere Situation als 2015 in die F1 einzusteigen.
- Haas: Der Wagen wirkt nicht spektakulär, aber das tat er im Vorjahr auch nicht. Trotz Platz 8 war man da so konkurrenzfähig wie vor Komatsu lange nicht mehr. Also bloß nicht unterschätzen.
- Audi: Letztlich ist das kein neues Team, sondern die Sauber-Truppe in neuem Gewand. Keine blutigen Anfänger oder so, man weiß was man macht. Klar, dass man in Neuburg erstmals einen F1-Motor bastelt, nur ein Team ausrüstet und noch vor den Testfahrten moniert dass Mercedes einen Vorteil habe, weil man angeblich im laufenden Betrieb das Verdichtungsverhältnis erhöhen könnte ... das lässt einen nicht gerade an die eigene Konkurrenzfähigkeit glauben. Aber letztlich hat man bei Dakar und LMP auch nicht in Jahr 1 dominiert, sondern erstmal gelernt.
- Alpine: Nicht gerade das Team, das die meiste Aufmerksamkeit erhält. Man war halt letztes Jahr echt schlecht. Aber die Kiste läuft, man bringt durchaus eigene Ideen und schlechter werden als im Vorjahr soll es wohl nicht werden.
- Cadillac: Man will gewiss nicht viel erwarten, wenn ein Team bei 0 anfängt (obgleich man sich den SF-23 von Ferrari sehr genau angucken durfte). Das letzte/jüngste Team was neu in die F1 kam (ohne ein anderes zu kaufen) und es aufs Podium geschafft hat war Toyota. Das letzte derartige Team das siegreich war, war Stewart. Während Haas bei Ferrari über die Schulter guckt und den Wagen bei Dallara entwerfen lässt, entwickelt Cadillac halt selbst. Klar man hat bekanntes Personal das in der F1 nicht neu ist. Graeme Lowdon (früher Manor, Nick Chester (früher Enstone & Mercedes, John McQuilliam (Jordan, Manor, Prodrive), Jon Tomlinson (Williams) und als Berater das Urgestein Pat Symonds ... da sind mehrere "alte Gesichter". Aber letztlich wird es ein Lehrjahr, obgleich der Wagen in Relation zur Konkurrenz besser aussieht als alles was Manor, Caterham und HRT jemals auf die Strecke gebracht haben (die letzten drei Teams die neu in die F1 kamen und ihre Boliden selbst designten)