Tjoa, von 19 auf 1. Einem Weltmeister würdig diese Performance.
Da kann noch so über das Auto gemeckert werden, wenn das so klar gewesen wäre hätten das die Experten schon gestern vorhergesagt. Damit hat NIEMAND gerechnet
War natürlich stark das Rennen von Antonelli.
Klar ... es ist ihm manches entgegen gekommen.
2025 lag das komplette Feld innerhalb von einer Sekunde. 2026 kann man nur Ferrari, Red Bull, McLaren, Alpine und VCARB als "Aufgabe" bezeichnen, wenn es darum geht, die Gegner zu überholen. Audi, Williams, Aston Martin, Cadillac, Haas ... die konnte Antonelli locker stehen lassen.
In den vorhergehenden Jahren war Monza eine Strecke, auf der es eher schwierig war zu überholen. Die besten Überholmöglichkeiten (vor Variante del Rettifilio und vor Variante della Roggia) gab als nach schnellen Kurven, welche mit der wieder zunehmenden dirty air ein dichtes Hinterherfahren eingeschränkt möglich machten. Der DRS-Effekt war durch die schmalen Heckflügel in Monza auch meistens recht gering.
Dieses Jahr sieht die Sache anders aus. Monza ist eine "energienegative" Strecke, soll heißen es wird durch das KERS deutlich weniger Energie generiert, als in der Runde abgegeben werden darf. Es kommt zu viel Harvesting, es kommt zu vielen "Taktikspielchen" wer wann wie und wo seinen Boost einsetzt. Es kommt zu einem "Yo-Yo-ing", so wie wir es z.B. anfangs schon in Melbourne gesehen hatten.
Wer ein schnelleres Auto hat, hat dadurch keine Schwierigkeiten sich zügig an den Backmarkern vorbei zu arbeiten. "Nicht mein Rennen" denken sich da viele und lassen Antonelli vorbei fliegen.
Klar ... er hat ein bisserl Glück, dass sich beim ersten Start links eine große Lücke auftut.
Klar, er braucht Leclerc nicht überholen und Lawson ist für ihn auch kein Thema, da dieser hinter ihm startet.
Beim ersten Start lässt Antonelli schon einige Hinterbänkler locker stehen.
Beim zweiten Start hat er auch nicht viel Mühe, zumal er da auch seine neuen Mediums drauf hat, während einige Kontrahenten sich mit zu kalten Hards mühen, in der Hoffnung auf diesem Satz durchfahren zu können.
Bis Antonelli auf Platz 8 vor kommt, sieht das Ganze ziemlich spielerisch aus ... und zu dem Zeitpunkt liegt er weniger als 5 Sekunden hinter dem führenden Russell. Wohlgemerkt mit einem frischen Antrieb im Rücken.
Er kassiert Lindblad und Norris, nachdem diese ordentlich Energie in ihrem Zweikampf verbraten haben. Gasly versucht sich gegen mehrere Gegner zu wehren, bis seine Batterie alle ist und er gleich 3 Plätze kurz nacheinander verliert.
Piastri ist der erste Fahrer, hinter dem Antonelli "fest hängt" und der es ihm etwas schwerer macht. Da liegt er schon auf Platz 5 und 4 Sekunden hinter der Spitze. Und gegen Piastri und Hamilton setzte er sich nach ner Weile dann halt auch durch, weil er einfach den flotteren Boliden hatte.
Verstappen wehrt sich eine Weile. Der größte Gegner für die Mercedes in dem Rennen, zumal auch auf Mediums unterwegs. Antonelli findet einen Weg, aber es braucht mehr als einen Anlauf.
Gegen Russell hat er dann den Vorteil der besseren Reifen, nachdem er - wie gesagt - nicht mehr als 5 Sekunden entfernt war und auch hinter Piastri und Verstappen kaum Zeit verlor. Dennoch bleibt Russell danach vorne.
Die VSC-Phase kam natürlich Antonelli entgegen. Für Mercedes war klar, dass Verstappen und Hamilton höchstwahrscheinlich zu einem Boxenstop reinkommen werden, weil sie auf Medium-Reifen unterwegs waren. Dass man sich bei Ferrari dennoch entscheidet, Hamilton draußen zu lassen obwohl dieser sich schon 10 Runden vorner über seine Reifen beschwerte ... naja ... is halt n Ferrari-Ding.
Dennoch, man wollte die track position gegenüber Verstappen behalten und gleichzeitig bei Antonelli die Mediums los werden. Damit er also nicht mit gleich alten Reifen wieder hinter Verstappen landet, holt man nur Antonelli rein und lässt Russell draußen.
Wäre die VSC-Phase länger gegangen, hätte man Russell auch eine Runde später holen können.
Is natürlich doof für Russell, dass Antonelli dann gut 1 Sekunde schnellere Reifen hat und 14 Sekunden hinter ihm liegt ... wenn noch 24 Runden zu fahren ist.
Auch doof für Russell war, dass (dadurch dass er nicht in der Box war) Perez nach seinem Boxenstop direkt vor ihm auf die Strecke rauskommt. Denn die Cadillac fahren nach dem Ausscheiden der Aston Martin recht allein durch die Gegend. Perez hat es in der VSC-Phase nicht eilig und so verliert Russell - der Perez nicht überholen darf - mehrere Sekunden auf seine Verfolger, welche näher an der VSC-Deltazeit fahren.
Für Antonelli war es dann fast ein Kinderspiel die Führung wieder zu übernehmen. Klar ... mit dem Ausflug ins Kiesbett wär es beinahe noch schief gegangen.
Klar, es war ein starkes Rennen. Aber es spielte auch so manches in seine Karten. Die Charakteristik der Boliden in dieser Saison, wie weit das Feld teilweise auseinander liegt, der frische Antrieb, die Streckencharakteristik bzgl. Harvesting etc.