So langsam entflammen in mir echte Titel Contention-Hoffnungen.
Vorbehalte sind da, keine Frage. Das Shooting könnte ein Problem werden bzw. Lineups auf das Feld zu bekommen, bei denen man zumindest potentiell gutes Shooting hat. Dann natürlich die Erfahrung/Jugend des Teams. Bis auf old man Barnes keine echten Vets im Team, die auch Minuten sehen.
Dazu mit Castle, Harper und Bryant einige Spieler, die zwar in der RS situativ gut aussehen, aber in high leverage Situationen Bauschmerzen machen. Dann gibt es noch die bulligen Forwards wie Aaron Gordon oder J-Dub, für die man keine echten defensiven Matchups hat. Da muss dann halt Barnes herhalten...
Ist letztlich aber vielleicht auch alles egal, wenn man Victor Wembanyama hat. Am Ende steht und fällt alles mit Wemby. Bei ihm mache ich mir, sofern gesund, keine Sorgen, dass er sofort in den Playoffs funktioniert. Der Floor als Defender ist so hoch, dass er auch an einem schlechten offensiven Tag positiven Impact haben wird. Zudem haben die letzten Wochen ihm sicherlich geholfen, sich schonmal auf die entsprechende Physis einzustellen. Viel härter als die Pistons, Knicks oder Clippers kann man ihn kaum angehen.
Der Gameplan vieler Teams, ihn irgendwie vom Ball fernzuhalten, ist auch nur bedingt durchführbar. Dafür ist Wemby einfach zu gewillt, seine Gravity auch abseits des Balls einzusetzen. Man darf nicht unterschätzen, wie wertvoll es ist, wenn Wemby nach Screens einfach nur hart abrollt, Cuts antäuscht, sich aufpostet, ohne den Ball zu bekommen oder off ball Screens setzt. Er zwingt Defensiven so mit und ohne Ball immer wieder zu schweren Entscheidungen und öffnet Räume.
Diese Uneigennützigkeit ist ein riesiges Plus für das Team. Natürlich wird er hier und da mal schlechte Würfe nehmen, zu sehr in die Midrange abtauchen und ein paar dumme TOs produzieren. Das macht mir aber alles keine Sorgen. Einziges Fragezeichen ist für mich sein Conditioning.
Er wird konstant +35 min spielen müssen, wenn man gegen die besten Teams bestehen will und in diesen Minuten an beiden Enden des Feldes 100% geben müssen. Schaut man sich an, wie er aktuell bei B2Bs aus allen Löchern pfeift, kann ich mir kaum vorstellen, dass er über vier umkämpfte Playoffserien keine konditionellen Ausfallerscheinungen hat. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
Zu den Stärken des Teams muss man wenig sagen. Durch Wemby und den Haufen an aggressiven Drivern erzeugt man riesigen Druck auf den Ring und ist schwer aus der Zone zu halten. Die Konsequenz ist, dass Jedes Team versuchen wird, die Spurs so gut es geht zu einem Shooting Team zu machen. Vor allem die Ballhandler Castle, Harper und Fox werden an der Dreierlinie ignoriert werden. Fox ist zwar heiß in die Saison gestartet, aber ist insgesamt dann doch zu inkonstant als Shooter und die defensive Attention wird entsprechend aussehen.
Da kommen dann Devin Vassell und Julian Champagnie ins Spiel. Die beiden sind neben Wemby (mit Abstrichen) die einzigen Spieler, die einen Trackrecord als solide effiziente Volumen-Shooter (+10 3PA/100) haben und auch entsprechend verteidigt werden. Sie werden die Dinger fliegen lassen müssen, damit das Team wenigstens im Ansatz von draußen respektiert wird. Wäre schön, wenn auch Fox, Johnson und Barnes ab und zu mal einen versenken können.
Der X-Faktor wird für mich Fox sein. In der RS kann er sich seine Spots raussuchen, da in Stretches auch dominieren und sich sonst immer mal wieder zurücknehmen und die jungen Wilden übernehmen lassen. Das wird in der Form in der Postseason nicht drin sein. Fox muss imo sehr aggressiv sein, um a) Wemby zu entlasten und b) für creation gegen gesetzte Half Court Defensiven zu sorgen. Es gibt im Team keinen Spieler, dem man "einfach mal den Ball geben kann" und der Punkte erzwingen kann. Wemby ist da noch nicht auf höchstem Niveau, befürchte ich. Es wird viele Situationen geben, wo Fox aus einem simplen P&R was rausholen muss. Ausruhen ist da nicht. Das Team braucht Fox als aggressiven Scorer, der Löcher reißt und Wemby und co. in gute Situationen bringen kann. Ohne einen starken Fox könnte dem Team zu schnell offensiv die Luft ausgehen.
WENN Fox liefert, könnte das durch die offensive Egalität und Versatilität abseits vom Wemby-Fox Duo zu einer tauglichen Playoff-Offense werden. Es ist schon eine Ansage, locker sechs Spieler zu haben, die sich selbst etwas kreieren können und realistisch +20 Punkte in einem Spiel auflegen können. Defensiv und offensiv ist man sehr flexibel.
Kommen wir zu den Ballhandlern neben Fox. Ich bleibe ein verknallter Fanboy von Stephon Castle. Er wird erwartbar Probleme bekommen, wenn er zum Werfer gemacht wird und in die Rolle des leading Decision Makers gegen gesetzte Defensiven gezwungen wird. Ich glaube trotzdem an ihn - auch in den Playoffs. Er wird definitiv Lehrgeld zahlen, teils haarsträubende TO produzieren und auch mal miese Effizienz haben. Seine Defense, das Passing, Rebounding und sein Drang zum Korb (kann er auf RS-ähnlichem Niveau Fouls ziehen?) könnten aber in manchen Matchups unverzichtbar werden (OKC).
Dylan Harper ist sehr schwer einzuschätzen. Er wird stellenweise an den Ring kommen, aber auch er wird zum Werfer gemacht werden. Am wichtigsten ist für mich die Frage, ob er auch an Tagen, wo beim Scoring wenig geht, Wege findet, dem Team zu helfen. Das ist von einem Rookie Guard viel verlangt.
Am Ende ist das einfach alles sehr spannend. Ich traue so jungen und unerfahrenen Teams eigentlich nicht. Da gibt es einfach in der Historie keine Beispiele, wo solche Truppen direkt einen Titel geholt haben. Ich halte die Spurs aber auch nciht für die klassischen Regular Season Merchants. Dafür sind zu viele der Stärken auf die Playoffs übertragbar.
Ich denke, das Team wird Startschwierigkeiten haben, aber letztlich abliefern. Eine Serie muss man imo mindestens gewinnen. Alles andere wäre eine Enttäuschung. Hätte ich vor der Saison niemals gedacht, aber Victor Wembanyama macht es möglich.