Skilanglauf bei den Olympischen Winterspielen 2026 🇮🇹


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Einleitung
Nach der letzten Olympia-Generalprobe am vergangenen Wochenende im Goms geht es nun auch für die Langläufer in die finale Phase der Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele in Mailand–Cortina. Am 7. Februar, also in zwölf Tagen, fällt mit dem Skiathlon der Frauen die erste olympische Entscheidung im Skilanglauf.
Insgesamt stehen zwölf Entscheidungen auf dem Programm. Traditionell werden, im Vergleich zu den Spielen 2022 in Peking, alle Wettbewerbe mit Ausnahme der Staffel und des Skiathlons wieder in der jeweils anderen Technik ausgetragen.
Austragungsort der Langlaufrennen ist das bekannte Lago di Tesero, wo jährlich das Finale der Tour de Ski stattfindet. Nach den Weltmeisterschaften 2013 kehrt damit erneut ein internationales Großereignis in den kleinen Ort im Trentino zurück.


Austragungsort & Strecken
Wie bereits erwähnt, finden die Langlaufwettbewerbe auf den bekannten Strecken am Lago di Tesero im Fleimstal (Val di Fiemme) statt. Die Loipen liegen auf knapp 1.000 Metern Höhe und damit in mittlerer Höhenlage. Dennoch haben viele Athleten einen Großteil ihrer Vorbereitung in größeren Höhen absolviert.
Für diese Olympischen Spiele wurde das Streckenprofil grundlegend überarbeitet. Aus einem eher einfachen Kurs sind nun mit die anspruchsvollsten Strecken im gesamten Weltcup- und Olympiaprogramm geworden. Zwar gelten sie nicht ganz so hart wie jene vor vier Jahren in Zhangjiakou, doch bereits bei den olympischen Testwettbewerben zeigte sich, dass das Feld auch hier deutlich selektiert wird.

Die wohl größte Herausforderung erwartet die Sprinter im Einzel- und Teamsprint. Die 1,5 Kilometer lange Runde beinhaltet drei Anstiege, wobei der letzte - der Zorzi-Anstieg - speziell für den Sprint nochmals verlängert wurde, um Windschattenvorteile auf der Zielgeraden zu minimieren. Wie schon bei der diesjährigen Tour de Ski oder bei der Generalprobe im Goms zu sehen war, bringen die anspruchsvollen Strecken mit Laufzeiten von rund 3:20 bzw. 3:50 Minuten viele reine Sprinter an ihre Grenzen. Am Ende werden vermutlich nur jene Athleten um Medaillen kämpfen, die zusätzlich über Distanzqualitäten verfügen. Gleiches gilt für den Teamsprint, bei dem jeder Sportler gleich drei Runden absolvieren muss. Entsprechend ist damit zu rechnen, dass viele Nationen mindestens einen Distanzläufer einsetzen werden.

Aber auch die Distanzrennen bringen hohe Anforderungen. Für Skiathlon und Staffeln werden zwei unterschiedliche Klassik- und Skating-Runden genutzt. Auf beiden Kursen wartet direkt zu Beginn der lange Anstieg aus dem Stadionbereich hinaus. Die Klassikschleife zeichnet sich anschließend durch einen rund 500 Meter langen Anstieg aus, gefolgt von einer etwa 800 Meter langen Abfahrt. Die Skatingrunde ist deutlich welliger und besteht aus mehreren kürzeren Anstiegen, was insbesondere 1:1-Spezialisten entgegenkommen dürfte. Als markanter Schlusspunkt wartet hier jedoch der spektakuläre Zorzi-Anstieg, der auf der Klassik-Runde nicht gelaufen wird.
Im 10-km-Einzelstart werden voraussichtlich zweimal die 3,5-km-Klassikschleife sowie zusätzlich eine 2,5-km-Runde gelaufen. Für den abschließenden 50-km-Massenstart kommt eine kombinierte 7,2-km-Runde zum Einsatz. Mit 272 Höhenmetern pro Runde ist sie extrem anspruchsvoll. Bei sieben Runden summieren sich die Höhenmeter auf knapp 1.900 Meter, also etwas vergleichbar mit den Strecken in Zhangjiakou.

Streckenprofil 1,5km (Sprint/Teamsprint): https://www.fis-ski.com/DB/v2/download/homologation/38284/certificate
Streckenprofil 2,5km Skating (Einzelstart): https://www.fis-ski.com/DB/v2/download/homologation/38276/certificate
Streckenprofil 3,3km klassisch (Skiathlon): https://www.fis-ski.com/DB/v2/download/homologation/38279/certificate
Streckenprofil 3,3km Skating (Skiathlon): https://www.fis-ski.com/DB/v2/download/homologation/38277/certificate
Streckenprofil 3,75km klassisch (Staffel): https://www.fis-ski.com/DB/v2/download/homologation/38280/certificate
Streckenprofil 3,75km Skating (Staffel): https://www.fis-ski.com/DB/v2/download/homologation/38278/certificate
Streckenprofil 3,75km Skating (Einzelstart): https://www.fis-ski.com/DB/v2/download/homologation/38281/certificate
Streckenprofil 7,2km klassisch (50km Massenstart): https://www.fis-ski.com/DB/v2/download/homologation/38283/certificate


Wettkampfprogramm
Das Wettkampfprogramm der Skilangläufer ist weitgehend identisch zu jenem von 2018. Erstmals in der olympischen Geschichte werden jedoch bei Frauen und Männern identische Renndistanzen ausgetragen.
Am ersten Wochenende stehen die beiden Skiathlons auf dem Programm, ehe am Dienstag die Sprints in der klassischen Technik folgen. Am Donnerstag und Freitag werden die Einzelstarts über 10 Kilometer in der Skating-Technik ausgetragen. Das zweite Wochenende gehört dann den beiden Staffelwettbewerben.
In der zweiten Woche ist das Programm etwas kompakter: Am Mittwoch finden die Teamsprints in der Skating-Technik statt, bevor am Samstag der 50-Kilometer-Lauf der Herren folgt. Den Abschluss der Olympischen Spiele bilden schließlich die 50 Kilometer der Frauen am letzten Wettkampftag.

Pro Nation sind maximal vier Athleten je Wettbewerb startberechtigt. In der Staffel sowie im Teamsprint darf jedes Land jeweils ein Team stellen.

Tag, DatumUhrzeitWettbewerb
Samstag, 07. Februar13.00 Uhr20km Skiathlon Frauen
Sonntag, 08. Februar12.30 Uhr20km Skiathlon Herren
Dienstag, 10. Februar09.15 UhrSprint klassisch Frauen/Herren Qualifikation
Dienstag, 10. Februar11.45 UhrSprint klassisch Frauen/Herren Finale
Donnerstag, 12. Februar13.00 Uhr10km Skating Frauen
Freitag, 13. Februar11.45 Uhr10km Skating Herren
Samstag, 14. Februar12.00 Uhr4x7,5km Staffel Frauen
Sonntag, 15. Februar12.00 Uhr4x7,5km Staffel Herren
Mittwoch, 18. Februar09.45 UhrTeamsprint Skating Frauen/Herren Qualifikation
Mittwoch, 18. Februar11.45 UhrTeamsprint Skating Frauen/Herren Finale
Samstag, 21. Februar11.00 Uhr50km Massenstart klassisch Herren
Sonntag, 22. Februar10.00 Uhr50km Massenstart klassisch Frauen

Auf eine Auflistung der letzten Olympiasieger und Weltmeister habe ich bewusst verzichtet, da bei nahezu allen Rennen - mit Ausnahme von Skiathlon und Staffel - bei der jeweils vergangenen Austragung in der anderen Technik gelaufen wurde.


Favoriten Herren
Bei den Herren führt bei diesen Spielen wohl kein Weg am norwegischen Team und insbesondere an Johannes Høsflot Klæbo vorbei. Alles andere als eine Goldmedaille in jedem Rennen wäre eine große Überraschung. Klæbo, der bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr alle sechs möglichen Goldmedaillen gewann, peilt an, diese Ausbeute bei Olympia zu wiederholen. Betrachtet man seine Auftritte beim vorolympischen Test sowie bei der Generalprobe im Goms, dürfte in den meisten Rennen kaum ein Weg an ihm vorbeiführen.
Die größten Chancen, ihn zu schlagen, bestehen wohl im Einzelstart über 10 Kilometer Skating und im 50-Kilometer-Massenstart klassisch. Über die 10 Kilometer gilt der Biathlet Einar Hedegart als härtester Konkurrent, nachdem er in dieser Saison die Rennen in Trondheim und Davos für sich entscheiden konnte. Aber auch Klæbos Teamkollegen Martin Løwstrøm Nyenget, Emil Iversen, Mattis Stenshagen und Harald Østberg Amundsen haben das Potenzial ihn dort zu schlagen. In beiden 10km Einzelstarts war Klæbo diese Saison auch nur Siebter und Vierter.
Über die 50 Kilometer klassisch wird hingegen vieles vom Rennverlauf abhängen. Ein von Beginn an hohes Tempo könnte Klæbo durchaus in Schwierigkeiten bringen – ähnlich wie bei den Spielen vor vier Jahren in Zhangjiakou, als die Russen und Iivo Niskanen ihn auf vergleichbar schweren Strecken unter Druck setzten. Niskanen dürfte bei diesen Spielen alles auf den 50er setzen und die übrigen Rennen weitgehend auslassen, weshalb dort mit einem extrem hohen Tempo seinerseits zu rechnen ist.

Außenseiterchancen auf Medaillen rechnet sich auch das heimische italienische Team aus. Mit Federico Pellegrino, Elia Barp und Simone Moncellini sind die Italiener vor allem im Einzelsprint sowie in den Teamwettbewerben stark einzuschätzen. Für Pellegrino wird der 50er zudem das letzte Rennen seiner langen und erfolgreichen Karriere sein.
Neben Italien hoffen auch die Finnen und Schweden auf Edelmetall. Bei Finnland ist neben Niskanen vor allem Lauri Vuorinen zu nennen, der WM-Dritte im Sprint des vergangenen Jahres. Gemeinsam mit Ristomatti Hakola gewann er zudem Silber im Teamsprint. Schweden holte bei der letzten WM drei Medaillen und verfügt mit Edvin Anger sowie den beiden jungen Talenten Alvar Myhlback und Anton Grahn über mehrere Athleten, die in dieser Saison bereits auf dem Podest standen. Entsprechend sind auch hier vor allem im Teamsprint und in der Staffel Medaillen realistisch.
Ähnliche Ambitionen haben die Franzosen, die bei den vergangenen vier Olympischen Spielen jeweils Staffelbronze gewannen. Auch die USA darf man nicht unterschätzen. Für das deutsche Team hingegen erscheinen Medaillen dieses mal leider eher unrealistisch.


Favoriten Frauen
Bei den Frauen präsentiert sich das Favoritenfeld deutlich breiter und offener als bei den Herren. Als klare Gesamtweltcupführende reist Jessica Diggins zu den Olympischen Spielen. Während sie 2022 zwei Einzelmedaillen gewinnen konnte, blieb sie bei den Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr in den Einzelrennen ohne Edelmetall. Es bleibt daher abzuwarten, ob es - wie im Vorjahr - ein Nachteil war, alle Weltcuprennen zu bestreiten, oder ob sie beim Saisonhöhepunkt diesmal in Bestform ist. Ihre größten Medaillenchancen dürften im 10km-Skatingrennen sowie im Skiathlon liegen.
In beiden Wettbewerben triumphierte bei der letzten WM die Schwedin Ebba Andersson. Sie und ihre Teamkollegin Frida Karlsson haben ihre Saison gezielt auf Olympia ausgerichtet und seit der Tour de Ski Anfang Januar keine Rennen mehr bestritten. Schon im vergangenen Jahr zahlte sich diese Strategie aus, als sie am Ende drei beziehungsweise zwei Goldmedaillen gewannen. Ob dieser Plan erneut aufgeht, wird sich zeigen.
Ebenfalls zu beachten sind in den Distanzrennen die Schwedin Moa Ilar als aktuelle Weltcupzweite sowie die starken Norwegerinnen um Astrid Øyre Slind, Heidi Weng und Karoline Simpson-Larsen. Außenseiterchancen besitzen auch die Finninnen Johanna Matintalo und Kerttu Niskanen, allerdings wohl nur über die 50 Kilometer klassisch, da sie keine starken Skaterinnen sind. Je nach Rennverlauf könnten zudem die schwedischen Sprinterinnen um Jonna Sundling, Linn Svahn und Maja Dahlqvist überraschen, vorausgesetzt, sie werden in den jeweiligen Distanzrennen eingesetzt.
Aus deutschsprachiger Sicht liegen die Hoffnungen vor allem bei Theresa Stadlober. Die Österreicherin zeigte eine starke Tour de Ski und verpasste in Oberhof nur knapp ihren ersten Weltcupsieg. In Peking holte sie bereits Bronze im Skiathlon. Für das deutsche Team hingegen wäre eine Einzelmedaille in den Distanzrennen eher eine Überraschung.

Im Sprint hingegen scheint alles auf die Schwedinnen hinauszulaufen. Alles andere als ein schwedischer Sieg wäre eine große Überraschung. Linn Svahn geht als eine der Topfavoritinnen ins Rennen. Sie gilt als stärkste Klassikerin im Team und gewann zuletzt auch in Goms auf vergleichbar anspruchsvoller Strecke. Ebenfalls ganz vorne einzuordnen ist Jonna Sundling, die die letzten vier Sprints bei Großereignissen für sich entscheiden konnte. Dahinter folgen mit Johanna Hagström und Maja Dahlqvist weitere schwedische Optionen, wenn auch mit etwas geringeren Chancen aufgrund des anspruchsvollen Profils.
Den olympischen Testwettbewerb gewann die Finnin Jasmi Joensuu, die sich ihren Traum von einer ersten Medaille erfüllen möchte. Ein großes Fragezeichen steht hingegen hinter Kristine Stavås Skistad: Sie hat seit der Tour de Ski kein Rennen mehr bestritten, war zuletzt krank und könnte auf der schweren Strecke Probleme bekommen.
Aus deutschsprachiger Sicht gibt es im Sprint gleich mehrere Medaillenkandidatinnen: die Schweizerin Nadine Fähndrich sowie die Deutschen Laura Gimmler und mit leichten Abstrichen Coletta Rydzek. Der Sprint dürfte damit die größte Chance auf eine Einzelmedaille für eine Athletin aus dem deutschsprachigen Raum darstellen.

Am schwierigsten vorherzusagen ist wohl der Teamsprint der Frauen. Die anspruchsvolle Strecke benachteiligt reine Sprinterinnen und begünstigt Athletinnen mit zusätzlicher Distanzstärke. Dadurch wird die Aufstellung vieler Nationen zur taktischen Frage. Etwa bei Norwegen, wo mehrere Optionen infrage kommen. Das deutsche Duo Gimmler/Rydzek gewann zwar die Generalprobe in Goms, profitierte dort jedoch von einem ausgedünnten Teilnehmerfeld. Sollte etwa eine Jonna Sundling das Tempo wie bei der WM vergangenes Jahr von Beginn an hochhalten, könnte es unter anderem für die deutschen Läuferinnen schwierig werden. Gute Chancen haben daher vermutlich eher Teams aus der Schweiz, den USA oder Finnland, wobei den Finninnen aktuell eine zweite starke Athletin fehlt.

Im Staffelrennen deutet nach den bisherigen Saisonergebnissen vieles auf ein Duell zwischen Schweden und Norwegen hin, mit leichten Vorteilen für die Schwedinnen, insbesondere sollte es zum Zielsprint kommen. Im Kampf um Bronze dürfte es auf ein enges Duell zwischen Deutschland und Finnland hinauslaufen. Weitere Medaillenkandidaten sind derzeit eher nicht in Sicht.
 
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