Starterquoten im Weltcup und im COC: Saison 2026/27


Benjamin

Zahlenfreund
Beiträge
41.616
Punkte
113
Weltcup Herren

Vor der nächsten Saison hat es doch mehrere Änderungen an der Berechnung der Weltcup-Starterquoten der Herren gegeben; sie finden sich alle auf Englisch in Abschnitt 4 des aktuellen Weltcupregelments. Meist wirken sie sich nicht stark aus - es ist allerdings so, dass es deutlich mehr Sonderregelungen gibt. Ich fasse das Ganze daher hier mal auf Deutsch zusammen.
  • Es wird weiterhin eine Weltrangliste geführt; für jeden Springer sind dort die Weltcup- und SGP-Punkte aus den letzten 12 Monaten bzw. 7 Perioden summiert; die Weltrangliste wird nach jeder Periode aktualisiert.
  • Aus der Weltrangliste wird die "World Cup Allocation List" (WCAL) gebildet; sie besteht lediglich aus den fünf besten Springern jeder Nation in der Weltrangliste.
  • Zur Berechnung der Starterquoten werden nun die Top 45 der WCAL herangezogen; jede Nation erhält zunächst so viele Startplätze, wie sie Springer in den Top 45 der WCAL besitzt.
So weit, so gut, das ist erstmal nichts Neues. Als nächstes kommen die Bonusplätze aus dem COC. Hier hat man die Regeln neu formuliert, hier heißt es nun:
The top 3 of the COCJ-M period, with a maximum of one (1) athlete per nation. If two or more competitors have the same number of points at the end of the period, the order will be determined according to the highest number of individual victories resp. according to the successive ranks in FIS COC events.
Der zweite Halbsatz ist tatsächlich neu, wird aber in den seltensten Fällen Auswirkungen haben. Bislang war es theoretisch möglich, dass ein Land auch mehr als einen Bonusplatz über den COC bekommen konnte, aber nur dann, wenn es weniger als 5 Plätze über die Weltrangliste geholt hatte. Da aber die Bonusplätze meist an Österreich, Norwegen, Slowenien, Deutschland, Polen oder Japan gegangen sind und diese Länder in der Regel schon 5 Plätze über die Weltrangliste geholt haben, gab es meist auch nur einen Bonusplatz pro Land.
Der zweite Satz steht neu in den Regeln drin, aber meines Wissens nach wurde das bislang auch so gehandhabt. In der vorletzten COC-Periode des letzten Winters hatten nämlich Luca Roth und Žak Mogel gleich viele Punkte, aber nur Deutschland bekam den Bonusplatz, weil Luca Roth eben einen Sieg gefeiert hatte und Žak Mogel nicht.
Dass es Nachrücker gibt, dass also auch der viertbeste Springer einer COC-Periode einen Bonusplatz holen kann, wenn vor ihm zwei Springer aus derselben Nation platziert sind, steht weiterhin nicht drin. Hoffen wir mal, dass es trotzdem weiterhin so gehandhabt wird, denn sonst würde es deutlich schwerer werden, einen Bonusplatz zu holen.

Es gibt auch weiterhin Zusatzstartplätze für Länder mit sehr wenigen Startplätzen, aber hier wird es nun kompliziert. Denn wie viele Zusatzstartplätze es gibt, hängt von der Art der Veranstaltung ab; dabei wird zwischen "Single Men Events", "Joint Events", "Special Joint Events" und "Four Hills Events" unterschieden:
  • Single Events sind Wettkampfwochenenden, an denen nur die Herren teilnehmen. Hier gibt es wie bisher einen Zusatzstartplatz für alle Verbände mit bislang 3 Startplätzen und 2 Zusatzstartplätze für alle Verbände mit bislang 0, 1 oder 2 Startplätzen (explizit steht es zwar nur für solche Verbände drin, die wenigstens einen Punkt in der aktuellen oder der letzten Saison geholt haben, aber ich schätze mal, es gilt für alle; sonst hätte ja ein Land, das diese Bedingung nicht erfüllt, kaum eine Chance, jemals im Weltcup starten zu dürfen).
  • Joint Events sind Wettkampfwochenenden, an denen Damen und Herren teilnehmen. Da gibt es einen Zusatzstartplatz für alle Länder mit bislang drei Startplätzen und 2 Zusatzplätze für alle Länder mit bislang 2 Startplätzen. Aber bei Ländern, die noch weniger Startplätze haben, wurden die Regeln verschärft: Wer bislang 0 oder 1 Startplätze hatte, bekommt nun nur noch einen Zusatzplatz geschenkt.
  • Bei Special Joint Events bin ich mir nicht ganz sicher - ich habe es so verstanden, dass das zwar Weltcupwochenenden sind, an denen Damen und Herren starten, an denen aber trotzdem die Regeln für Single Events gelten.
  • Four Hills Events sind natürlich die Stationen der Vierschanzentournee. Hier sind die Regeln am strengsten, hier bekommen lediglich die Länder mit bislang 0, 1 oder 2 Startplätzen einen Zusatzstartplatz.
Den Bonusplatz für JWM-Medaillenträger gibt es weiterhin; er kann auch weiterhin nur von Springern genutzt werden, die vom Alter her noch an der letzten JWM hätten teilnehmen können.

Und schließlich gibt es weiterhin die nationale Gruppe; sie umfasst 4 Springer und kann im Winter zweimal, im Sommer einmal eingesetzt werden. Sollte ein Skiverband eine ausgefallene Veranstaltung eines anderen Skiverbands übernehmen, so kann er da eine zusätzliche nationale Gruppe stellen. Bei Joint Events gibt es allerdings auch nochmals eine Sonderregelung für die nationale Gruppe. Hier gibt es ja keine Qualifikation für den zweiten Wettkampf, da nehmen nur die besten 50 aus dem ersten Wettkampf (oder aus der gemeinsamen Quali? Das hab' ich grad nicht 100%ig im Kopf) teil. Daher kann die nationale Gruppe hier entweder nur im ersten oder in beiden Wettkämpfen eingesetzt werden, nicht aber nur im zweiten. Wird sie nur im ersten Wettkampf eingesetzt und landen mehr Springer des jeweiligen Landes unter den Top 50, als das Land ohne der nationalen Gruppe an Quotenplätzen hat, dann werden die Top 50 für den zweiten Wettkampf noch mit Platz 51, 52 usw. aus dem ersten Wettkampf aufgefüllt.
An dieser Stelle würde mich noch interessieren, wann man denn eigentlich melden muss, ob man die nationale Gruppe einsetzen will. Denn es wäre ja durchaus denkbar, dass alle Springer der nationalen Gruppe am ersten Tag die Top 50 verpassen - in diesem Fall wäre es aus meiner Sicht nicht fair, wenn der zweite Wettkampf dann trotzdem offiziell als Einsatz der nationalen Gruppe zählt, auch wenn de facto keiner der Springer daran teilnimmt.

Außerdem gilt auch weiterhin die Sonderregelung für Wettkampf-Wochenenden, an denen ein Teamspringen oder ein Super-Teamspringen stattfindet (Mixed wird nicht erwähnt, aber ich würde mich wundern, wenn es da dann wieder nicht gelten würde): Wenn ein Land weniger als 4 bzw. 2 Startplätze hat und am Teamspringen bzw. am Super-Teamspringen teilnimmt, dann darf es auch im Einzel 4 bzw. 2 Springer an den Start bringen.



COC Herren

Beim COC hat sich, soweit ich sehe, nichts geändert. Es wird geprüft, wie viele Springer ein Land in der COC-Rangliste der letzten 12 Monate hat. Wenn es mindestens 6 Springer dort hat, bekommt es zunächst 6 Startplätze. Wenn es 5 Springer dort hat, bekommt es zunächst 5 Startplätze. Wenn es 4 oder weniger Springer dort hat, bekommt es zunächst 4 Startplätze.
Auch hier gibt es 3 Bonusstartplätze für die Länder, deren Athleten in der vorangegangenen FIS-Cup-Periode am besten abgeschnitten haben.

Zweimal pro Winter und zweimal pro Sommer kann eine nationale Gruppe bestehend aus 6 Springern eingesetzt werden. Wenn ein Land eine Veranstaltung eines anderen Landes übernimmt, kann es auch hier eine zusätzliche nationale Gruppe einsetzen.

 
Zuletzt bearbeitet:

Benjamin

Zahlenfreund
Beiträge
41.616
Punkte
113
Weltcup Damen

Erstmals gibt es in dieser Saison auch ein Starterquotensystem für die Damen. Bislang war es ja üblich, dass jeder Verband sechs Athletinnen an den Start bringen durfte - das ist nun anders. Im Großen und Ganzen funktioniert das System ähnlich wie bei den Herren, im Detail gibt es aber doch einige Unterschiede.
  • Es wird eine Weltrangliste geführt; für jede Springerin sind dort die Weltcup- und SGP-Punkte aus den letzten 12 Monaten bzw. 7 Perioden summiert; die Weltrangliste wird nach jeder Periode aktualisiert.
  • Aus der Weltrangliste wird die "World Cup Allocation List" (WCAL) gebildet; sie besteht lediglich aus den fünf besten Springerinnen jeder Nation in der Weltrangliste.
Nun kommt der erste Unterschied zu den Herren: Während bei den Herren grundsätzlich die ersten 45 der WCAL relevant sind, gilt das bei den Damen nur für Single Events (und vermutlich Special Joint Events?). Bei Joint Events, also solchen, bei denen sowohl Damen als auch Herren am Start sind, bekommen die Damen zunächst nur so viele Startplätze, wie ein Land Springerinnen in den Top 35 der WCAL hat.

Außerdem bekommen nun auch bei den Damen die besten Springerinnen aus dem ICOC einen Bonusplatz; die Regelung ist dieselbe wie bei den Herren. Zusätzlich gibt es Bonusplätze für JWM-Medaillenträgerinnen; diese können nur von Springerinnen genutzt werden, die vom Alter her noch an der letzten JWM hätten teilnehmen können.

Spannend finde ich, wie die FIS nun die maximal mögliche Anzahl von Startplätzen berechnet:
  • Bei den Herren: Maximal 5 Plätze über die WCAL, maximal ein Bonusplatz über den COC, maximal ein Zusatzstartplatz aus der JWM ergibt maximal 7 Startplätze insgesamt.
  • Bei den Damen: Maximal 5 Plätze über die WCAL, maximal ein Bonusplatz über den COC, maximal ein Zusatzstartplatz aus der JWM ergibt maximal... 6 (!) Startplätze insgesamt. Erklärt mir die Rechnung, ich verstehe sie nicht...
Auch bei den Damen gibt es weitere Zusatzstartplätze für Länder mit wenigen Startplätzen, auch hier unterscheidet sich die Regelung von Event zu Event.
  • Bei Single Events (und vermutlich auch bei Special Joint Events) gibt es jeweils einen zusätzlichen Startplatz für Länder mit 0, 1 oder 2 Startplätzen.
  • Bei Joint Events gibt es jeweils einen zusätzlichen Startplatz für Länder mit 0 oder 1 Startplätzen.
Eine generelle Sonderregelung gilt für die Vierschanzentournee der Damen, hier heißt es:
Only the best 40 athletes in the World Allocation List (max five (5) athletes per nation) will be allowed to compete in the Qualification Round of each stage of the Four Hills Tournament.
Von Nachrückern steht hier nichts: Man müsste das also so interpretieren, dass lediglich die besten 40 Springerinnen in der WCAL an der Tournee teilnehmen dürfen; im Fall von Verletzungen o.ä. könnten es also auch weniger sein.

Und schließlich gibt es bei den Damen auch noch die "Events with special regulation for participation" - das sind die Skiflugwettkämpfe, wo nochmals andere Regeln gelten.

Die Regeln für die nationale Gruppe sind dieselben wie bei den Herren; außerdem dürfen auch die Damen, wenn an einem Wochenende ein Team- oder Super-Team-Springen stattfindet und ein Land daran teilnimmt, auch im Einzel 4 bzw. 2 Springerinnen an den Start bringen.

Quelle: https://assets.fis-ski.com/f/252177/x/4faa6fd6e0/wcrglj-women-2024-e_clean.pdf


ICOC Damen

Im ICOC sind die Regeln einfach: Jedes Land darf 8 Springerinnen an den Start bringen und bis zu zweimal zusätzlich eine nationale Gruppe bestehend aus sechs Springerinnen.

Interessanterweise wird eine ICOC-Rangliste analog zur Weltrangliste geführt, die auch wieder die Resultate der letzten 12 Monate enthält. Noch hat sie keine Auswirkungen, aber es deutet darauf hin, dass es möglicherweise in Zukunft auch eine Regelung im ICOC geben könnte.

Quelle: https://assets.fis-ski.com/f/252177/x/24508acdb0/i-cocj-women-2023-e_clean.pdf
 

Benjamin

Zahlenfreund
Beiträge
41.616
Punkte
113
Starterquoten im SGP für die erste Periode der Saison 2026/27 (Wisła - Courchevel)

Eines vorweg: Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen für Single Events, Joint Events und Special Joint Events kann es in Zukunft auch passieren, dass sich die Anzahl der Startplätze innerhalb einer Periode verändert. Je nachdem, wie gut die FIS das aufbereitet, weiß ich nicht, ob ich diesen Thread dann in Zukunft fortführen werde.

Herren

Ins Auge fällt vor allem, dass die Schweiz einen weiteren Startplatz gewinnt und nun sogar sechs Springer an den Start bringen kann, denn Remo Imhof hat einen der Bonusstartplätze geholt. Aus demselben Grund erhöht sich auch bei Frankreich die Starterquote auf 4. Dafür verlieren Deutschland und Norwegen einen Platz.
Weiter hinten hat Hektor Kapustik einen dritten Startplatz für die Slowakei geholt. Die Leidtragenden sind Italien und Tschechien, die wieder einen Startplatz verlieren.

Österreich: 7* (0)

Polen: 6* (0)
Schweiz: 6 (+1)

Deutschland: 5 (-1)
Japan: 5 (0)
Norwegen: 5 (-1)
Slowenien: 5 (0)
USA: 5* (0)

Finnland: 4 (0)
Frankreich: 4 (+1)

Bulgarien: 3 (0)
Estland: 3 (0)
Kasachstan: 3 (0)
Slovakei: 3 (+1)

Italien: 2 (-1)
Tschechien: 2 (-1)
Alle übrigen: 2

Quelle: Offizielles Quotendokument


Damen

Ich habe mal spaßeshalber auch dazugeschrieben, wie viele Plätze die einzelnen Verbände im Vergleich zu dem bislang kaum geregelten System verlieren; zugegebenermaßen haben aber viele von ihnen bisher ohnehin nicht die größtmögliche Anzahl an Sportlerinnen an den Start gebracht.

Im Moment ist es übrigens so, dass die insgesamt 6 Bonusplätze für JWM und ICOC an 6 verschiedene Nationen gegangen sind, so dass tatsächlich niemand theoretisch auf mehr als 6 Startplätze kommt. Wir müssen uns also noch mindestens eine Periode gedulden, bis wir sehen, was passiert, wenn jemand theoretisch auf 7 Plätze käme.

Deutschland: 6 (0)
Norwegen: 6* (0)
Slowenien: 6 (0)

Finnland: 4* (-2)
Tschechien: 4* (-2)

China: 3 (-3)
Italien: 3 (-3)
Kanada: 3 (-3)
Österreich: 3 (-3)
Polen: 3 (-3)
USA: 3 (-3)

Frankreich: 2 (-4)
Rumänien: 2 (-4)
Schweden: 2 (-4)
Schweiz: 2 (-4)

Alle übrigen: 1

Quelle: Offizielles Quotendokument
 
Oben