Würde da 2 Gründe sehen, wenn man von schwer einschätzbaren Metaerklärungen wie "Kompetenzgerangel", "Seilschaften" usw. absieht.
Erstens, die Basis. Man braucht halt körperliches (genetisches) Talent, um in einer Top-3 der Welt in einem beliebigen Sport zu enden, UND dieses Talent muss schon als Kind und Jugendlicher gefördert oder genutzt werden. Instinktive körperliche Strukturen bilden sich früh, wie das aussieht wenn sowas fehlt, sieht man ja an den Berichten über Schulsport. Jemand der a) nicht das körperliche Talent hat, aber durch Zufall oder Verwandtschaft in den Leistungssport kommt, wird nicht in der Top-3 landen, und b) der das Talent hat, aber durch Zufall nie mit diesen Spitzensport in Berührung kommt, auch nicht. Es muss beides zusammenkommen. Dirk Nowitzki hatte z.B. Holger Geschwindner, wo wäre der ohne diesen Trainer gelandet?
Zweitens, die Förderung. Die ist halt nicht so breit wie sie sein müsste, um mit einigermaßen hoher Quote diese körperlichen Talente in einen für sie perfekten Sport zu bringen. Wurde ja in der DDR gemacht, da war es dann eher weniger freiwillig. Das ist dann ein weiterer Faktor, hat das Talent auch nach 4, 5 Jahren als 14jährige(r) noch Bock auf diesen Aufwand? Macht es Spaß? Wir haben hier in einer 40k-Kleinstadt teilweise 4 Jugendmannschaften pro Jahrgang im Fußball, aber im Handball, Volleyball usw. in manchen Altersstufen gar keine.
Ich habe so mit 18 ein paar körperlich surreal starke Leute (Springwunder, geisteskranke Sprinter) im Sport getroffen, die in verschiedenen Sportarten vermutlich in die Weltspitze hätten kommen können. Nicht unbedingt in der, die sie gemacht haben. Die haben damit aber nie angefangen, womit die Geschichte dann zu Ende ist.
Die dritte Erklärung ist, dass flächendeckendes Beschei*en bei uns eher nicht so toll unterstützt wird. Aber, das ist eine andere Geschichte. Und die trifft sicher auch nicht auf alle Sportsparten zu, beim alpinen Slalom z.B. braucht man halt brutales Talent, Reflexe und Gefühl für das Fahren. Darum ist es auch so nervig, wenn das bei der einen oder anderen Nation einfach durchgewunken wird, weil das dazu führen wird, dass alle anderen auch darüber nachdenken. Oder es tun.
Am Ende muss man erstens dankbar sein, dass immer noch Leute einen Großteil ihres Lebens damit verbringen, im Kreis zu laufen um für Leute am Fernseher Medaillen "heim" zu bringen. Und sich über das Ergebnis freuen. Ich denke, so ein Vinzenz Geiger springt nicht absichtlich schlecht, die anderen springen halt manchmal weiter.