Man darf das natürlich kritisieren, aber waren die hochgewetteten Medaillenchancen abseits des Eiskanals wirklich zu erwarten?
Deutschland bekam diesmal nix oder kaum etwas bei NoKo und Biathlon. Das ist sicherlich ein Rückschritt zu früheren guten Resultaten, aber angesichts der auch im Vorfeld weit stärker einzuschätzenden internationalen Konkurrenz keine Pleite.
Die zu hohe Erwartungshaltung wird maßgeblich von einer nationalen Fokussierung der deutschen Medien geschürt.
Das stört mich einfach. Es setzt die Sportler*innen unter einen falschen öffentlichen Favoritendruck, wenn man in quasi jeder Sportart auf deutsche Erfolgs- oder Medaillenchancen verweist.
Dabei sogar die Konkurrenz irgendwie medial ausblendet.
In manchen Disziplinen fand ich es schon schlechter als erwartet. In erster Linie natürlich die Nordische Kombination, wo ich fix mit einer Medaille im Team und mindestens eine weitere in den Einzelrennen gerechnet hätte.
Im Biathlon war die gesamte Saison natürlich durchwachsen und doch hätte ich auch hier mit mehr Medaillen gerechnet. Eine weitere Staffel-Medaille und auch mal einer der vielen Außenseiter-Chancen bei den Einzelrennen. Da Biathlon in Deutschland so im Fokus steht, hat man natürlich noch ein bisschen mehr diese negative und enttäuschte Berichterstattung.
Skispringen war zwar das Raimund-Gold dabei, auf der anderen Seite haben die eigentlich aussichtsreichen Damen enttäuscht und wir in den Team-Entscheidungen nichts geholt.
Das Langlauf-Abschneiden mit einmal Bronze war auch eher enttäuschend. Damen Staffel, Sprint Damen wären zwei weitere gute Chancen gewesen.
Alpin war deutlich mehr drin, wenngleich man da im Vorfeld nicht mit mehr rechnen konnte.
Ich fand Olympia aus deutscher Sicht aber eigentlich weniger wegen des Medaillenspiegels bitter, sondern eher wegen der vielen unglücklichen einzelnen Momenten.
Dürr schmeißt zweimal ne Medaille weg, einmal am ersten Tor und einmal kurz vor dem Ziel, Preuß verballert mehrmals im entscheidenden Anschlag, Geiger stürzt in der Nordischen Kombination, der ärgerliche Abbruch im Super Team. Da war schon viel Pleiten Pech und Pannen dabei. Gerade für Dürr und Preuß tut es mir Leid, weil es die letzte Chance für zwei langjährige Aushängeschilder war, eine olympische Einzelmedaille zu gewinnen. Im Sport gehören Tränen und Triumphe dazu, so muss es sein, aber da erhofft man sich dann natürlich auch das Happy End (wie bei Shiffrin im Slalom) und so war es dann eher ein Tiefschlag nach dem anderen.
Weil auch schon viel über die Wertigkeit der Medaillen im Eiskanal geschrieben wird…ja, da haben wir Standort-Vorteile, aber die hat die Schweiz und Österreich dafür zum Beispiel im Alpin und Norwegen und Schweden im Langlauf.
Deswegen gilt es die Medaillen und die Leistungen der Athleten trotzdem zu honorieren, aber rein vom emotionalen Aspekt nehmen die mich nicht so wirklich mit. Wahrscheinlich weil ich die Sportarten auch sonst nicht so verfolge. Bei den Sommerspielen freu ich mich mehr über Bronze in der Leichtathletik als fünf Goldene im Reitsport.
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Naja, die Medien berichten halt, was den Großteil der Bevölkerung interessiert. Das sind in erster Linie deutsche Athleten, in zweiter Linie die Superstars und in dritter Linie Exoten mit einer besonderen Geschichte. Alle anderen fallen in der Berichterstattung nach unten raus. In erster Linie geht es um Klicks. Das muss man nicht gut finden, aber im Endeffekt befinden sich die Medien-Plattformen auch in einem Wettbewerb mit vielen anderen - und stehen unter Druck. Viele interessieren sich eben dafür, welche Medaillen-Chancen es aus deutscher Sicht an Tag xyz gibt. Deswegen auch die Berichterstattung. Ich will ja gar nicht leugnen, dass der Bogen manchmal ein wenig überspannt wird, auch mit reißerischen Überschriften. Beim Skisprung-Team hat die Bild wie ich meine von „Medaillen-Klau“ berichtet. Manche Medien machen das mehr, andere weniger. Letztlich ist es auch ein Spagat zwischen Seriösität und der Jagd nach Klicks.