Die Begeisterung über den neuen Chagaev kann ich nicht teilen. Der neue Chagaev ist der alte.
Positiv gesehen ist er ein solider Techniker und Top10-15 in einer gruseligen Gewichtsklasse.
Gegen Haye geht er KO, gegen die Klitschkos braucht er gar nicht erst anzutreten. Er ist viel zu plattfüssig und zu langsam, die Kondition ist zu schlecht, um größeren Druck, über etwas längere Phasen auszuüben.
Er ist pummeliges Mopperl mit bescheidenen Punchoutput. Außer auf die Linke braucht Haye auf recht wenig aufzupassen.
Chagaevs Stärke ist das Angucken des Gegners und Nichtsmachen über weite Phasen zwecks Einteilung der mittelprächtigen Kondition. Er hat zudem nicht den Biss, um Haye oder Klitschko in tiefere Wasser zu führen. Er ist eine Schlafmütze.
Kombinationen beherrscht er nicht vernünftig. Der Spitzname White Tyson ist mehr als grotesk, zumal sein Style absolut nicht mit dem einst mit einem fantastischen Schlagrepertoire ausgestatteten Tyson zu tun hat, der eine um Lichtjahre bessere Schlagtechnik, Schlaghärte und Kondition hatte.
Tysons Schlagkraft kam auch aus den Beinen, Tyson entwickelte fantastische Hebel und brachte in unnachahmlicher Art und Weise den Körper hinter die Schläge. Für Chagaev sind das unbekannte Welten.
Chagaev sieht aus als ob er regelmäßig zur Pommesbude geht. Da schwabbelt es im Ansatz erkennbar, für einen Leistungssportler mag das im Sumo-Ringen von Vorteil sein, aber sicher nicht im Boxsport.
Rudolf Scharping auf Baldrian würde etwa vergleichsweise aggressiv wie Chagaev im Ring zu Werke gehen.