Weiter geht mein kleiner Überblick zu den deutschen Herren mit den Spielern zwischen 200 und 100 in der Rangliste.
Peter Gojowczyk 191/27
Nach Rang 194 im Jahr 2015, wobei das Jahr auch von Verletzungen gezeichnet war wird Gojo in diesem Jahr ohne Verletzung nicht mit dem gleichen Ergebnis zufrieden sein. Ein paar HFs bei Challengern, die gelungene Quali bei den AO und ein Hauptfeld Sieg in Metz waren noch die besten Ergebnisse. Für einen Mann der vor 2 Jahren noch am Rand der top 100 stand, einen Raonic in Halle besiegen konnte und im HF von Doha einst Nadal am Rand der Niederlage hatte ist das zu wenig. Für solch ein Jahr zum Großteil auf der Challenger Ebene bekommt man am Ende nicht mal 100.000 Dollar vor 2 Jahren und 100 Plätzen weiter vorne waren es noch rund 300.000 Dollar. Über ein drittel des Preisgeldes bekam er für die Quali der AO, da sieht man wieder wie abhängig auch die Spieler weiter hinten von den GSs sind. Den Rest der Saison hat er wohl mehr Ersparnisse aufgebracht, als wirklich Geld verdient. Eine Saison die für ihn in Australien begann und über Europa, nach Asien, zurück nach Europa, dann nach Nordamerika, wieder Europa, nochmal Asien und nochmal nach Europa führte kostet mit Trainer sicherlich eine sechsstellige Summe. Hoffentlich hat er ein paar Sponsoren, die ihm in solchen Zeiten helfen. Da der Leistungsunterschied zwischen Rang 100 und 200 so gering ist, ist eine Saisonplanung auch ziemlich schwer.
Gojo braucht die schnellen Plätze, da kann er an guten Tagen mit seinen schnellen flachen Grundschlägen fast alle ärgern, wenn die flachen Bälle ihr Ziel verfehlen, kann er auch gegen fast alle verlieren.
Maximilian Marterer 176/21
Maxi Marterer zählt zu den Aufsteigern im deutschen Tennis. Der große Sprung in die top 200 gelang mit 2 Siegen in Folge bei Challengern in Marokko. Dafür gab es zwar jeweils 80 Punkte, aber jeweils auch nur 6.150 Euro. Insgesamt kommt Marterer auf keine 50.000 Euro in dieser Saison. Das ist bei einem 21 jährigen nicht so schlimm wie bei einem Spieler der 10 Jahre älter ist, aber es zeigt, dass man nach wie vor nur auf der Tour vom Sport leben kann. Challenger können mittelfristig nur dazu dienen das Ranking aufzubessern um danach wieder Geld auf der großen Tour zu verdienen.
Marterer trainiert genau wie Gojo, Bachinger, Molleker, Mayer usw an der Tennisbase in Oberhaching. Nach allem was man hört gibt es dort in Deutschland die besten Bedingungen und natürlich den kürzesten Draht zum Davis Cup Chef Kohlmann. Dort kann er in aller Ruhe den nächsten Schritt machen, das mediale Interesse an seiner Person ist sehr gering, so kann er in aller Ruhe die nächsten Schritte Richtung top 100 machen. Bis zum Sommer hat er nicht so viel zu verteidigen, bei optimalem Verlauf klopft er bis dahin schon bei den ersten 100 an.
Daniel Brands 169/29
Auch bei ihm werfen wir einen Blick auf die Zahlen, mit Rang 169 ist er 10 Ränge schlechter als zu Beginn des Jahres. Er hat immerhin 180.000 Dollar in diesem Jahr verdient. Über 100.000 gab es alleine für die gelungenen Auftritte bei den AO wo er aus der Quali die zweite Runde erreichte und bei den USO wo er die Quali überstand. Wie bereits bei Gojo geschrieben ist es sehr eng in diesem Bereich Weltrangliste. Natürlich kann nicht jeder der mal in den top 100 war, dort langfristig bleiben. Für die Plätze von 50 bis 100 gibt es etwa 200 Bewerber, die hoffen das Jahr unter den ersten 100 zu beenden. Die Rechnung geht natürlich nicht auf, aber die ehemalige Nr 51 der welt gehört aus meiner Sicht zu den talentierteren der 200 Bewerber, zu denen die durchaus mal konstant ein paar Jahre unter den ersten 100 bleiben könnten. Allerdings muss er dafür konstant sein Leistungsvermögen abrufen, was ihm in den letzten Jahren nicht gelang. Im vergangenen Jahr hatte er eine Phase mit 6 1. Niederlagen in Runde 1 und später mit 4 Auftaktniederlagen gegen eigentlich schlagbare Gegner. Solche Phasen sollte er sich nicht erlauben, wenn er nochmal in die top 100 möchte.
Michel Berrer 159/36
Eigentlich hatte Berrer in 2015 seinen abschied für die AO 2016 angekündigt, aber nachdem 2015 für ihn relativ erfolgreich lief entschloss er sich noch ein Jahr zu verlängern. In 2016 schloss er rund 50 Plätze schlechter ab, aber er steht noch immer besser als Leute die höher gehandelt werden wie Brands oder Gojo. In den letzten Interviews sah es so aus als würde er 2017 nicht mehr auf der Tour aufschlagen doch das letzte Wort war noch nicht gesprochen. Das Ranking interessiert ihn mit seinen 36 Jahren weniger als die ATP Rente, wie er es nennt. Also spielt er mehr ATP Qualis als Challenger und ist meist ohne Coach unterwegs da mit seiner Erfahrung einen Trainer nicht so dringend braucht wie ein jüngerer Spieler. Unter den Bedingungen sind 155.000 Dollar an Preisgeld in diesem Jahr nicht so schlecht, ob es ihn überzeugt weiter zu spielen sehen wir spätestens in Australien.
Nach der Karriere wird der Schwabe in seiner Heimat dem Sport als Trainer erhalten bleiben. Sicherlich eine gute Sache, wenn man das halbe Leben auf der Tour verbracht hat kann man sicherlich einiges weitergeben.
Tobias Kamke 120/30
Für Tobias Kamke ist das abgelaufene Jahr ein Schritt in die richtige Richtung. Auf Rang 277 ist er in die Saison gestartet und musste den langen weg über Challenger zurück auf die Tour gehen. Eines konnte er gewinnen und gegen Ende des Jahres konnte er mit dem VF von Stockholm auch ein kleines Ausrufezeichen auf der Tour setzen. Zwischen 2010 und 2014 beendete er 5 mal in Folge eine Saison unter den ersten 100, natürlich will er da wieder hin. Dann muss er seltener auf die Challenger ausweichen und kann auch mehr als 160.000 Dollar durch Preisgeld einnehmen wie im laufenden Jahr. Seit einem guten Jahr wird Kamke wieder von Nensel betreut, der gleichzeitig auch Dusan Lajovic betreut. Scheinbar hat diese Kombination Kamke wieder auf den richtigen weg geführt. Als Kamke erstmals mit Nensel trainierte musste er den Trainer mit Görges teilen, da hat Kamke häufigfer nur die zweite Geige gespielt.
Benjamin Becker 121/35
Über 10 Jahre ist es mittlerweile her, dass er Bambi erschoss. Zumindest wählte Andy Roddick diesen Vergleich als Becker damals Andre Agassi in Rente schickte. Seither ist er besonders in den USA der „Bambi Killer“. Zum Jubiläum lief dieses Spiel während der USO besonders oft, von daher gehört Becker zu den Menschen die sich am meisten über das Dach in New York gefreut haben, weniger Regenunterbrechungen bedeuten natürlich weniger Wiederholungen von diesem Spiel.
Becker ist hinter Kohli und Mayer die klare Nummer 3 dieser Generation, doch trotz weit über 4 Mio die er mittlerweile an Preisgeld gesammelt hat spielt Geld noch immer eine Rolle auf den Reisen.
Tennis-Profi zu sein, bedeutet für viele ein Minus-Geschäft
„Ich hätte gerne vier Millionen Dollar auf meinem Konto“, sagt der 35-Jährige. So viel hat er in seiner Karriere an Preisgeld gewonnen und das klingt, als habe er ausgesorgt. Mitnichten: Die Steuern gehen ab, dazu muss Becker jährlich hohe Fixkosten zahlen für Reisen, Trainer, Ausrüstung. „Pro Saison sind das etwa 125 000 Dollar“, sagt er. „Und das bedeutet Druck, denn dieses Geld muss erstmal reinkommen. Man muss ja seine Familie ernähren.“ Anfangs sei ihm das gar nicht so bewusst gewesen. Ohne den Vorschuss eines privaten Sponsors hätte er es nicht auf die Tour geschafft. Wer professionell ist und sogar für ein paar Wochen im Jahr einen Physiotherapeuten beschäftigt, macht meist Miese. Spieler aus reichen Verbänden wie die Franzosen, Australier oder Chinesen bekommen dagegen jede Unterstützung. Ihr Weltranglistenplatz ist oft nicht besser, aber ihr Alltag leichter und die Sorgen geringer. Vom Deutschen Tennis-Bund brauche man nichts zu erwarten, sagt Becker.
http://www.tagesspiegel.de/sport/us...das-minus-im-millionengeschaeft/14470758.html
Schon witzig, dass heute der Chinesische Verband als reich gilt und vom deutschen Verband für alt gediente nichts mehr zu erwarten ist. Aber zurück zu Becker die abgelaufene Saison ist mit Abstand die schlechteste seit 2011 und da war er lange verletzt. In diesem Jahr zwickte die Schulter ab und an, aber länger fiel er nie aus. Erst 2 Jahre ist es her, dass er mit Rang 35 sein Karriere hoch erreichte, von daher sollte er sich als Spätstarter vom College noch mindestens eine Saison geben. Bei 360.000 Dollar an Preisgeld, kann man auch nach Abzug der Steuern die Fixkosten decken und der Familie ein angenehmes Leben ermöglichen.