Ich selbst habe nie "richtig" geraucht, aber alle anderen in meiner Familie waren Raucher und haben mehr oder weniger versucht aufzuhören. Dabei gab es unterschiedliche Wege oder Gründe.
Mein Bruder
Mein Bruder hatte so seine Phase, in welcher er pro Jahr gefühlt jede Woche mit dem Rauchen aufgehört hat ... und wieder angefangen hat. Letztlich war er auch derjenige, der am spätesten damit anfing.
Da er sowieso immer knapp bei Kasse war (jede Woche 1-2 Mal Disko nimmt halt Geld), musste er beim Rauchen sparen. Steuerfreie Stangen von irgendwem der irgendwen kennt, der Luftwaffen-Ausbildungs-Kaserne in Budel (Niederlande) ist zum Beispiel ... oder auch Zigaretten-Hülsen zum selber Stopfen ... was ihm irgendwann mal tierisch auf den Sack ging, weil er die Teile auf der Autorückbank liegen hatte und nach einer harten Bremsung überall Hülsen im Auto rumlagen.
Dass er immer wieder anfing lag dann zum Teil daran, dass er noch "Vorräte" hatte. Wer will schon ne teuer verdiente Stange ungequalmt rumliegen lassen? Naja ... irgendwann war er nurnoch Partyraucher ... und irgendwann nurnoch schnorrender Partyraucher. Nach dem Ende des Studiums wurden die Partys seltener. Der körperliche Entzug erledigte sich so quasi von selbst. Zu Rauchen fand er dann irgendwann sinnlos ... und zu teuer.
Meine Schwester
So rund um ihre Volljährigkeit herum war meine Schwester mit ihrem Dasein unzufrieden. Uncoole Klamotten, schlecht sitzende Dauerwelle, nicht das beste Brillengestell usw.
Schließlich änderte sie ihr Aussehen mehr oder weniger radikal. Die Dauerwelle wich einem Kurzhaarschnitt, die Brille wurde ersetzt, an die Beine kamen kürzere Röcke und bei mir lieh sie sich die Poloshirts die ich nicht mehr trug. Größe 152 ... passte perfekt, um die Oberweite in Szene zu setzen. Wie auch immer, sie fing in einer Disko an zu arbeiten und dort wurd eh überall gequalmt. Sie fing auch mit dem Rauchen an ... gewissermaßen, um "ins Gespräch zu kommen". Raucher sind gesellig und gesprächig ... man kann leicht mit Typen ins Gespräch kommen, wenn man sie mal nach Feuer fragt usw. Jedenfalls ging sich das für sie aus. Coolere Klamotten, viele neue Freunde, mehr Männer und so weiter.
Einige Jahre später sah ihr Leben anders aus. Schule und auch Studium waren vorbei, sie war nun mit ihrem Freund seit mehreren Jahren zusammen und die beiden wohnten - berufsbedingt - in einem kleinen Örtchen.
Früher hatte sie geraucht, um Leute kennenzulernen. Das kam ihr nun irgendwie sinnlos vor. Sie hatte ihren Mann, sie hatte ihre Freunde. Hochzeit und Kinder ... das waren eher ihre Zukunftspläne. Das Rauchen wurde in dem Sinne "Leute kennenlernen" quasi überflüssig und als ihr das bewusst wurde hörte sie von einem Tag auf den anderen auf.
Meine Mutti
In den 70gern, als meine Eltern zusammenkamen, heirateten und ein Haus bauten, da verbrauchten beide noch zusammen 4 Schachteln Zigaretten am Tag. Das war ja damals wohl noch mehr oder weniger normal (Hausbau is ja auch stressig), auch wenn man schon hochschwanger ist. Eine zeitlang - zu meinen Kindheitstagen - hatte meine Mutti aufgehört, aber ich weißt nicht mehr wie und warum.
Irgendwann wurde das Leben stressiger. Geld knapp, Mann wechselt Arbeitsstätte, Tochter pubertäre Zicke usw.
Sie fing wieder mit dem Rauchen an. Gott sei Dank. Das war für alle in der Familie entspannender.
Aber einige Jahre später - 2006 - wollte sie nicht mehr ... nur wie aufhören?
Es kam manches zusammen. Ihre Depressionen machten ihr damals mehr zu schaffen, ihre Schwiegereltern waren kürzlich gestorben (waren ihr wichtiger als die leiblichen Eltern) und nach einer Zahn-OP bekam sie die Anweisung 10 Tage lang nicht rauchen zu dürfen.
Sie sagte sich "Wenn ich es jetzt schaffe aufzuhören, dann komme ich auch mit dem anderen ****** klar.".
Gewissermaßen sprach sie sich selbst damit Stärke zu. Es war dann der Stolz auf sich selbst auch nach den Überstandenen 10 Tagen nicht wieder zur Zigarette zu greifen. Im Hauswirtschaftsraum liegt in einer Schublade eine Schachtel Marlboro von 2006. Wahrscheinlich schmecken die eh nicht mehr allzu dolle. Es ist quasi ein "Ich könnte jederzeit wieder anfangen (die Zigaretten sind ja da), aber ich mache es nicht."
Übrigens, meine Mutti hatte zunächst ein wenig Probleme sich zeitlich an das Nichtrauchen zu gewöhnen. Das Rauchen war Teil ihres Tagesrythmus. Sie rauchte nur an einem bestimmten Platz, nie nebenbei. Sie setzte sich zum Rauchen hin, machte ein kleines Päuschen, nahm sich ihre 5 Minuten. Einkäufe erledigt? Eine Rauchen, dann weiter. Erdgeschoss gesaugt? Eine Rauchen, dann weiter. Unkraut gejähtet? Eine Rauchen, danach weiter.
Sie meinte anschließend mal zu mir, sie wüsse nun garnicht wohin mit der ganzen Zeit ... bzw. sie nimmt zwar noch ihre Päuschen, aber irgendwie fehlt was.
Naja ... irgendwann hat sie sich auch daran gewöhnt.
Meine Schwester ist übrigens der Überzeugung, dass meine Mutti auch aufhörte, weil sie ihr die Anweisung gegeben hatte, dass sie nicht drinnen rauchen dürfe, wenn ihr Enkel da sei. Meine Schwester war damals mit dem ersten Kind schwanger.
Mein Paps
Mein Paps war leidenschaftlicher Pfeiffenraucher. Zahlreiche Pfeiffen hatte er im Sortiment, manchmal versuchte er unterschiedliche Tabaksorten.
Als bei ihm die ALS-Krankheit zunehmend schlimmer wurde, hatte er sich öfters verschluckt und oder heftig gehustet. Meine Mutti bat ihn daraufhin mit dem Rauchen aufzuhören ... in der Hoffnung, dass dies etwas hilft (bzw. die Auswirkungen der Krankheit weniger schlimm macht). Das war wohl das einzige Mal, dass er vorrübergehend mit dem Rauchen aufhörte ... aber es dauerte nicht lange, bis er wieder anfing ... obgleich er weniger rauchte als vor der Erkrankung. Letztlich war das für ihn wohl auch ein Teil "Lebensqualität". Vieles funktionierte für ihn nicht mehr so wie früher und weiteres viel nach und nach weg. Sprechen, Auto fahren, Fahrrad fahren, Essen, Gehen ... nach und nach wurde ihm eine Sache nach der anderen genommen. Das Rauchen war so gewissermaßen noch etwas was zu ihm dazugehörte ... etwas was selbstverständlich war und immernoch ging ... etwas, was er sich quasi noch bewahren konnte. Und er wusste ja auch, dass ihn das Rauchen nicht umbringen würde.
Schließlich klappte auch das Rauchen nicht mehr ... an dem Tag ist er dann gestorben.
Meine bessere Hälfte
Meine Freundin (oder besser gesagt Lebensgefährtin) hat früher mehr geraucht. Als wir zusammenkamen und erstrecht als wir zusammenzogen wurde dies nach und nach weniger. Es spielte für sie wohl eine Rolle, dass ich den Geschmack nicht gerade leiden kann, wenn ich sie nach einer Zigarette küsse. Heute raucht sie nurnoch sehr selten ... z.B. wenn bei der Arbeit der totale Stress auf sie einprasselt, oder - als "Party-Raucherin" - wenn sie mit rauchenden Freundinnen unterwegs ist (das hat quasi auch geschwankt ... je nachdem wer schwanger oder am Stillen war).
Sie beschwert sich quasi fast immer, dass wenn sie nach mehreren Wochen oder Monaten eine Zigarette raucht, dass diese überhaupt nicht (oder gar ekelig) schmeckt und ihr im Prinzip auch selten "etwas bringe" (Entspannung o.Ä.). So ganz trennt sie sich doch nicht. Sie hat immer eine Schachtel mehr oder weniger versteckt. Aber vielleicht hat sie gewissermaßen nie "genug" geraucht, damit das von Brummsel angesprochene Suchtgedächtnis stimuliert werden würde.
Selbst wenn sie bei uns zuhaus mehr oder weniger heimlich bei einer kleinen Party mit anderen zusammen auf dem Balkon raucht, so ist es ihr extrem wichtig, dass unsere Kinder das nicht mitkriegen. Jene Gelegenheiten werden irgendwann wohl komplett wegfallen.