Reisen - Ab in den Urlaub


Ende März geht es für 5 Tage nach Rom und ich freue mich so unglaublich auf diesen Trip. War zwar zig Mal in Italien, aber tatsächlich noch nie in der Ewigen Stadt. Werde die komplette Kameraausrüstung mitschleppen und mich mal so richtig austoben :)

Über Tipps für Restaurants oder Unternehmungen freue ich mich sehr!
 
Ende März geht es für 5 Tage nach Rom und ich freue mich so unglaublich auf diesen Trip. War zwar zig Mal in Italien, aber tatsächlich noch nie in der Ewigen Stadt. Werde die komplette Kameraausrüstung mitschleppen und mich mal so richtig austoben :)

Über Tipps für Restaurants oder Unternehmungen freue ich mich sehr!

Ich empfehle dir eine geführte Tour durch Kolosseum und Forum Romanum zu machen. Wir wurden damals am Kolosseum direkt von Mitarbeitern einer Agentur angesprochen. Wir hatten nichts vorher gebucht, das ging völlig spontan. Beides zusammen hat eigentlich 30€ gekostet aber der Typ hat uns als Studenten durch gehen lassen für 25€. Vorteil von so einer Tour ist, ihr braucht keine Stunden anzustehen um rein zu kommen. Außerdem kommt ihr durch den Eingang rein, wo früher die Gladiatoren eingelaufen sind. Über den normalen Weg kommt man da nicht hin. Nach der Tour könnt ihr euch noch nach Belieben im Kolosseum aufhalten. Die Führung durchs Forum Romanum kann man noch am nächsten Tag machen. So ein Ticket ist zwei Tage gültig. Eine englisch sprachige Tour sollte so ca. aller 30min beginnen. Gibt auch deutsche Touren aber die sind seltener. Aber ich denke englische Tour ist kein Problem für dich. Empfehlenswert ist es auch über diese Agentur gleich eine Führung für den Vatikan zu buchen. Wir haben das damals direkt bei dem Guide im Forum Romanum gemacht.
 
Hat einer von euch Geheimtipps für Koh Samui???....
Fliege in einer Woche und würde mir gerne noch ein paar Ideen geben lassen...
 
Im März nach Dublin inkl. Six Nations Cup und Trip ins Landesinnere, im Juni dann nach Sardinien in den Osten inkl. la Maddalena.
 
So, ich war eine Woche per Anhalter in Polen unterwegs und möchte nun ausführlich Bericht erstatten.

Buam in Polen Tag 1: Auf der Landkarte nach Rechts (Hamburg-Szeczin)

Ich kam aus der Nachtschicht heim, sprang unter die Dusche und hetzte dann mit dem Bus zum Horner Kreisel, von wo ich erst einmal nach Berlin wollte. Es war kurz nach 7 und noch dunkel. Bei leichtem Nieselregen kritzelte ich ein großes B auf mein Schild, platzierte mich an einer Haltebucht und hielt meinen feisten Daumen in den Wind. Bereits nach rund 20 Minuten hielt ein Kleinbus mit Berliner Kennzeichen an, dessen Fahrer schnell den Beifahrersitz freiräumte und mich einließ.

Während draußen die Sonne aufging, tauschten wir unsere Biografien aus. Der Mann war im Start Up Bereich tätig und hatte seine Freundin in Hamburg besucht (Sowie bei der Gelegenheit einige Firmenbezogene Gegenstände in den Kofferraum geladen). Regenschauer prasselten auf die Fensterscheibe und mein Fahrer betrachtete sehnsüchtig die Baustellen neben der Autobahn, welche laut seiner Aussage eine hervorragende Motocross-Strecke abgeben würden. Aber leider waren sie zu offen einsehbar. Der Mann war früher übrigens Polizist.

In Berlin musste ich die Berliner Allee erreichen. Dazu sprang ich in die erstbeste Straßenbahn, nur um festzustellen, dass der Fahrkartenautomat nichts von meinem 20 Euro Schein wissen wollte. Nach einer Station Schwarzfahren stieg ich daher aus und steuerte die erstbeste Bäckerei an, um den Schein klein zu machen. Ich liebe Apfelkuchen! Dummerweise schluckte der nächste Fahrkartenautomat mein Geld, ohne das Ticket rauszurücken. Laut Aussage des Fahrers keine Seltenheit, weshalb er mich ohne Fahrkarte weiterfahren ließ. Ich war geschockt. Als Hamburger kennt man solch eine Kulanz höchstens aus dem Märchen.

Ich stieg am Weissen See (Oder so ähnlich) aus der Straßenbahn und latschte die Berliner Allee hinauf, bis ich eine Brücke am Stadtausgang erreichte. Hier kritzelte ich Szeczin auf ein Schild und fragte mich, wie zur Hölle man das eigentlich ausspricht. Dann sah ich einigen polnischen Autos dabei zu, wie sie fröhlich weiterfuhren. Doch nach 15 Minuten hielt ein ebenso hilfsbereiter wie besorgter Bürger, der mich auf die nächste Raststätte brachte und mir während der Fahrt mitteilte, was er von der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung hielt.

Auf der Raststätte angekommen, platzierte ich mich nahe der Auffahrt und wartete erneut nur rund 15 Minuten, ehe ein Pole anhielt. Er sprach gutes Deutsch und war sichtlich erfreut darüber, dass sich Jemand für sein Land interessierte. Mit seinem Deutschen Lohn hatte er sich in Szeczin eine schicke Wohnung nahe des Zentrums gegönnt und fuhr mich über 1 Stunde in der Stadt herum, um mir alle Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Ein wenig Rechts war allerdings auch er, Syrer waren für ihn "Monkeys". Auch dass er mir zeigte, an welcher Stelle des Schlosses der Führer beim Überfall auf Polen gestanden hatte, war ein wenig unangenehm. Aber wie dem auch sei.

In der Innenstadt von Szeczin logierte ich in einer billigen Absteige mit Klo auf dem Gang. Aber immerhin war das Zimmer mit 60 Zloty unschlagbar billig. Da ich ein wenig Hunger hatte, flanierte ich trotz des Schlafmangels noch zu einer Biedronka Filiale und schwieg die Kassiererin an, da ich außer "Cien Dobry" nichts verstand. Hier, in diesem Supermarkt, fand auch eine große Liebe ihren Anfang: Ich traf Oranzada, eine Limonade, deren Geschmack irgendwo zwischen Himbeere und Kaugummi liegt. Geiles Zeug!

Da ich nun seit rund 30 Stunden auf den Beinen war, wankte ich zurück ins Hotel, stellte meinen Handywecker auf 6 Uhr und horchte anschließend 12 Stunden an der Matratze. Am nächsten Morgen wollte ich nach Gdansk, aber davon berichte ich beim nächsten mal.

Bilanz des Tages:
Zurückgelegte Kilometer: 409
Fahrer: 3
Sich über Berliner Fahrkartenautomaten geärgert: 2
 
@Cudi Die Rote und die Weiße, wobei ich die Rote auch am besten fand. Bin mir aber unsicher, ob die wirklich so unterschiedlich schmeckten.

Buam in Polen Tag 2: Polnische Gastfreundschaft (Szeczin - Gdansk)

Um 3:30 wurde ich wach, weil mein Körper meinte, 12 Stunden Schlaf wären ausreichend. Also ließ ich mir damit Zeit, die Landkarte zu studieren und mich fertig zu machen. Um 5:30 Uhr verließ ich schließlich das Hotel und latschte zur nächsten Bushaltestelle. Ich wollte in den Vorort Kijewo, weil dort die Autobahnen Richtung Norden und Osten beginnen. Probleme gab es allerdings schon beim Kaufen der Fahrkarte. Ich erstand nämlich eine normale, stieg aber aus Versehen in einen Eilbus ein. Zum Glück kam kein Kontrolleur. Wer weiß, ob die Nummer mit dem dummen Touristen gezogen hätte.

In Kijewo angekommen lief ich erst einmal eine halbe Stunde im Kreis, ehe ich raffte, dass die Bushaltestelle selber der beste Spot war, um den Daumen rauszuhalten. Also stellte ich mich mit einem Schild, auf dem Gdansk stand an dem Straßenrand und beobachtete die zahlreichen Autos, die mich ignorierten. Wann immer Jemand hielt, wollte er nur einen Kollegen an der Bushaltestelle aufsammeln oder fuhr in die falsche Richtung. Da ich immer frustrierter wurde, packte ich schließlich das Schild weg und beschloss, einfach beim nächsten einzusteigen, egal wo der hinfuhr. Zwei Minuten später hielt ein Wagen, der 40 Kilometer nach Norden wollte. Das Schicksal hat einen seltsamen Humor.

Der Fahrer erklärte mir, dass die Baustellen an der Autobahn erst einmal bleiben würden, weil das Bauunternehmen bankrott war. Unterdessen wurde ich aus dem Radio von Liedern beschallt, welche die Zeugen Jehovas verbrochen hatten. Natürlich wies mich mein Fahrer auch darauf hin, dass man sich auf ihrer Internetseite weiter über Gott informieren könne. Glücklicherweise blieb das alles an Missionierungsversuchen und er ließ mich auf einer Raststätte rund 40 Kilometer nördlich raus, ohne das Thema weiter vertieft zu haben.

Dort stand ich rund 15 Minuten, ehe mich ein Fahrer ansprach, dass er mich mitnehmen könne, vorher aber noch Fritten beim großen M kaufen müsse. Ich wurde schonmal im Auto platziert und wartete eine Weile, ehe er zurückkam, losfuhr und mir eine Portion Pommes aufs Auge drückte. Der Mann sprach gutes Englisch und berichtete, dass er ein Neurochirurg war, was in Polen ein toller Job sei, da er Geld und Anerkennung bringt. Wir redeten fast ununterbrochen und er zeigte mir die alte Straße, welche neben der relativ neuen Autobahn entlangführte. Das polnische Autobahnnetz befindet sich nämlich immer noch im Aufbau. Ab Koszalin fuhren wir dann auch über Landstraße, weil es nur diese gab. Kurz darauf kamen wir in seinem direkt an der Straße liegenden Heimatort an und ich wurde spontan zum Frühstück eingeladen. In einer hübschen Wohnung bekamen wir von seiner Frau und seiner Mutter Schinken-Käse Sandwiches und Kaffee serviert, während seine 6 Jährige Tochter ganz interessiert nachsah, wer den der seltsame Besucher war. Und das Baby auf dem Arm der Frau starrte sowieso, als habe es einen Geist gesehen.

Als es wieder nach draußen ging, war es zum Glück trocken. Immer wieder hatte es Regenschauer gegeben. Mein Fahrer fuhr mich noch extra 900 Meter weiter die Straße hinunter und war davon überzeugt, dass dies der beste Platz wäre. Und tatsächlich: Nach nicht einmal 10 Minuten hielt ein hupender LKW. Der Fahrer konnte nur Polnisch, aber mein Schild hatte ihm ja bereits verraten, was mein Ziel war. Er kürzte auf dem Weg nach Gdansk über kleinere Nebenstraßen ab, spendierte mir Wasser und noch mehr Kaffee und brachte mich gegen 14:00 Uhr schließlich bis in die Innenstadt von Gdansk.

Dort angekommen quartierte ich mich in einem Hostel nahe des Bahnhofs ein und machte anschließend einen Stadtrundgang. Die reizvolle Altstadt war entspannter als das eher industrielle und hektische Szeczin. Am Wasser standen einige Angler, was ein Deutscher Tourist mit "Schau Gerda, da Baden sie die Würmer!" kommentierte. Fasziniert umrundete ich die größte Backsteinkirche Europas und bestaunte die alten Fassaden der Häuser. Schließlich kehrte ich in einem Restaurant ein, in welchem ich der einzige Gast war. Es mochte daran liegen, dass es noch Nachmittag war. Umgeben von äußerst kitschiger Dekoration aß ich eine Suppe mit Wurst und Eiern sowie als Hauptgang eine Wurst, welche unter gebratenen Zwiebeln begraben war. Es schmeckte köstlich.

Vollgefuttert ging es zurück ins Hostel. Die Dusche kam so schnell auf Touren wie Hirschi in einer Welt ohne Frauen, aber nach 5 Minuten war das Wasser endlich warm. Zusammen mit 5 anderen Leuten begab ich mich ins Bett, wobei ich zunächst den Tönen eines Smartphones, anschließend viel zu lauten Kopfhörern lauschen durfte, aus denen Modern Talking sickerte. Dann kam eine Frau ins Zimmer und nahm das Bett neben mir. Ich, nur mit einer Unterhose unter der Bettdecke bekleidet, versuchte heimlich zurück in meine Klamotten zu schlüpfen und sah dabei wohl sehr lächerlich aus. Aber irgendwann lagen dann alle ruhig in ihren Betten. Der Herr im Bett neben der Tür sägte wie ein Holzfäller und eine sehr lange Nacht nahm ihren Anfang.

Bilanz des Tages
Zurückgelegte Kilometer: 365
Fahrer: 3
Gegessen: Zu viel
 
Buam in Polen Tag 3: Gefangen in der Hauptstadt (Gdansk - Warszawa)

Die Nacht im Hostel war alles andere als erholsam. Der Schnarcher hatte Ausdauer und ab Mitternacht stimmte ein weiterer Mitbewohner ein und fungierte quasi als etwas leiseres Echo. Daher beschloss ich gegen 3 Uhr und nach 4 Stunden unruhigem Schlaf, dass es keinen Sinn hatte und stand auf. Leider wachte der Schnarcher davon nicht auf, was ich irgendwie bedauerte. Als ich gegen 5 Uhr auscheckte, bekam ich von der Dame am Empfang 50 Zloty zurück, warum auch immer.

Nachdem ich eine Stunde in der Kälte auf den Bus gewartet hatte, fuhr ich nach Przejastowo im Südosten der Stadt. Ich warf noch einmal einen Blick auf die Karte und bereute dies sofort, da sich diese im aufkommenden Wind nicht mehr zusammenfalten ließ und stattdessen Risse bekam. Also knüllte ich die Karte genervt zusammen und stopfte sie irgendwie in den Rucksack. Dann platzierte ich mich an der Autobahnauffahrt und wartete rund 15 Minuten in klirrender Kälte, ehe ein Mann anhielt und mich bis zu einer Raststätte bei Elblag brachte.

Auf dieser Raststätte war wenig Verkehr. Ich stand über eine Stunde an der Ausfahrt, sah dem Hausmeister dabei zu, wie er die Dixieklos entleerte und bibberte angesichts der Kälte mehr, als ein Bremer vor dem nächsten Bayernspiel. Schließlich hatte ein LKW Fahrer, der nach Warszawa fuhr, ein Einsehen. Er konnte nur ca. 5 Worte Deutsch, aber das reichte, um mir zu erklären, dass er eine Schwester in Stuttgart hat. Eigentlich hatte ich an diesem Tag das östliche Bialystok erreichen wollen, aber Warszawa war mir auch recht.

Nach 4 Stunden fahrt erreichten wir die Vororte von Warszawa am frühen Mittag. Ich stieg aus und purzelte erst einmal einen Abhang hinunter, weil der LKW direkt an einer Senke geparkt hatte. Dann irrte ich orientierungslos umher, da nirgendwo ein Stadtplan ausgehängt war. Nein, ich hatte kein Internet dabei. Also stieg ich auf Verdacht in einen Bus und stellte fest, dass man in diesem nur mit Karte bezahlen konnte. Eine Solche hatte ich zwar tief im Rucksack verbuddelt, aber da ich zu faul war, um alles auszupacken, fuhr ich lieber eine Weile Schwarz. Nach einer Weile stieg ich dann ohne Plan aus und fragte einen Passanten, wo auf der Karte ich war. Aha, ich war in einem Vorort und in die falsche Richtung gefahren. Also schnell ein hübsches Mädel auf Englisch angequatscht, die mir bestätigte, dass ich den Bus 150 nehmen musste, um zur äußersten Metro-Station zu kommen.

Im richtigen Bus stand ich erneut vor dem Problem, dass der Fahrkartenautomat kein Bargeld akzeptierte. frustriert setzte mich mich trotzdem hin und hoffte, dass die Kontrolleure Verständnis für den Bargeld-Germanen hatten. Plötzlich schob sich eine Hand mit Ticket in mein Blickfeld. Eine Frau, die das Drama beobachtet hatte, wollte offenbar nicht, dass dieser dumme Tourist Schwarz fuhr. Da das Ticket 4,40 Zloty kostete, reichte ich ihr eine 5er Münze und schickte ihr ein dankbares Lächeln. Damit war die Sache für mich erledigt. Allerdings reichte sie mir dann doch tatsächlich noch die 60 Groszy Wechselgeld. Selten so viel Ehrlichkeit erlebt.

Da es noch sehr früh am Tag war, wollte ich versuchen, trotzdem noch das rund 160 Kilometer entfernte Bialystok zu erreichen. Ich fuhr also mit der Metro bis zum Bahnhof Dworzek Wilenski und marschierte an den Plattenbauten vorbei Stadtauswärts. Hinter mir ragte die Hochhaus-Skyline der Innenstadt in die Höhe. Warszawa lockte mich aber nicht. Die Stadt wirkte groß, laut und hektisch. Ich fühlte mich verwirrt und verloren und wollte nur noch hier raus. Aber es hielt keiner an, da ich noch zu tief im Stadtgebiet war. Immerhin brachte mich ein Ukrainer 2 Kilometer weiter, wo ich noch halbherzig den Daumen raushielt, ehe ich beschloss, dass ich genug Stress für diesen Tag gehabt hatte und in einem nahen 3 Sterne Hotel eincheckte. Das Zimmer kostete 190 Zloty, was umgerechnet knapp über 50 Euro waren. Ja, in Polen kann man mit Deutschem Durchschnittslohn recht ansprechend logieren.

Im Restaurant aß ich ein fettiges, aber schmackhaftes Schnitzel sowie eine Rote Beete Suppe, die nicht so mein Fall war. Dann begab ich mich auf mein Zimmer, stellte fest, dass ich das polnische TV Programm nicht raffte und duschte stattdessen lange und ausgiebig. Noch ein Blick aus dem Fenster. Eine leere Thunfischdose lag in der Regenrinne und ansonsten sah ich auf flach bebaute Wohngebiete. Gottseidank lag die Fernstraße auf der anderen Seite des Hotels. Da ich sonst nichts besseres zu tun hatte, wusch ich meine Kleidung mit Shampoo und hing sie zum trocknen über die Heizung. Da Wasser zu Boden tropfte, legte ich ein Handtuch darunter und hoffte, dass keiner reinkam. Dann kroch ich ins Bett und träumte davon, für immer in dieser Stadt gefangen zu bleiben.

Die Bilanz des Tages
Zurückgelegte Kilometer: 328
Fahrer: 2
Innenstädte ignoriert: 1
 
So, ich war auch mal wieder auf Tour. Eine Woche in Indien. Größtenteils geschäftlich, das Wochenende hatte ich aber zur freien Gestaltung. In Bengaluru (früher Bangalore) traf ich auf eine Mischung aus erster und dritter Welt. Die Stadt ist mit knapp 12 Millionen Einwohnern ein absoluter Moloch und leider viel zu schnell gewachsen. Früher mal Garden City nennen sie heute viele Einheimische nur noch Garbage City. Wobei ich persönlich trotzdem noch erstaunt war, wie viel Grün es dort gibt. Der Verkehr ist der absolute Horror. Ich würde mich als sehr guten Autofahrer beschreiben, der auch den Verkehr in London, Paris, L.A. oder Kapstadt gut verkraftet hat. In Indien würde ich vermutlich keine 100 m ohne Unfall kommen. Ich zitiere meinen indischen Kollegen: "There are no rules, it just works....somehow." Das Menschen direkt vor dem Office auf der Straße leben/schlafen, daran konnte ich mich schwer gewöhnen. Auch die zahlreichen Straßenhunde, die nachts die Straßen regieren sind gewöhnungsbedürftig. 20.000 Tollwutfälle allein in Bengaluru sind ne Hausnummer. Meine Impfung habe ich jedenfalls im Nachhinein als absolut sinnvoll empfunden. Mit dem Essen bin ich problemlos klar gekommen. Wenn man gewisse Hygieneregeln beachtet klappt das ganz gut. Habe mich dort wie die meisten Einheimischen weitestgehend vegetarisch ernährt. Positiv fand ich auf jeden Fall die Freundlichkeit der Menschen. Wir waren mit 1,87 m (ich) und 1,82 m (Kollegin) an vielen Stellen eine Attraktion. Keine Ahnung wie viele Fotos es mit uns gibt. Aber alle haben stets sehr nett gefragt.

Als absolutes Highlight empfand ich den Besuch in Mysore, welches ca. 3 h Fahrt von Bengaluru entfernt liegt und der Sitz des Maharaja ist. Der Palast ist der Hammer und muss den Vergleich mit europäischen Palästen nicht scheuen. Ein Abstecher zum Tempel auf dem Chamundi Hill und der Besuch der Nandi Statue lohnt sich ebenfalls. Wir waren zudem noch an einem Fluss etwas außerhalb an dem man Krokodile sehen kann. Mysore ist deutlich kleiner, grüner und entspannter als Bengaluru. Hier hätte ich es noch paar Tage ausgehalten. Positiv überrascht hat mich dort auch die Einstellung zu Verpackungsmüll. Viele Stände und Restaurants verkaufen ihr Zeug auf Bananenblättern oder auf Bambustellern. Es gibt fast nur noch Strohhalme aus Papier. Viele Parks und Naturreservate sind "Plastic free zones". Wenn sowas in Indien klappt sollte man eigentlich meinen wir in Deutschland sollten das doch auch hinbekommen. Alles in allem war ich jedenfalls sehr positiv überrascht von Indien und werde sicher auch mal privat wieder hingehen.
 
Buam in Polen Tag 4: Der wilde Osten (Warszawa - Siemiatycze)

Neuer Tag, neues Glück. Es galt, aus Warszawa rauszukommen. Also stieg ich vor dem Hotel in den Bus und fuhr bis Radzymin, wo ich mich mich an die Auffahrt stellte und in kleineren Schritten der Hauptstadt entrann. Eine Frau brachte mich zunächst direkt aufs Autobahnkreuz, wo man als normaler Fußgänger wohl nicht hingekommen wäre. Von dort aus kam ich mit dem nächsten Wagen bis zur ersten Raststätte außerhalb der Stadt. Ich war Warszawa entronnen.

Bereits das zweite Auto hielt. Es war ein Belgisches. Das Ehepaar im Inneren war bereits seit dem Vorabend unterwegs und wollte in einem Zug bis nach Vilnius in Litauen fahren. Sie erklärten sich bereit, mich bis Bialystok mitzunehmen. Der Mann redete Polnisch mit seiner Frau, sie Flämisch mit ihm. Ich verstand nur den Flämischen Teil und gab es bald auf, dem Gespräch folgen zu wollen. Stattdessen betrachtete ich die Baustellen, welche die Autobahn auch hier begleiteten. Nach einer Weile mussten wir durch eine hindurch und verfuhren uns erst einmal zwischen den Sandhügeln. Der Fahrer merkte trocken an, man müsse auch so etwas einmal gesehen haben.

Nachdem sie mich in Bialystok rausgelassen hatten, latschte ich gegen 12 Uhr Mittags durch die Stadt und stellte fest, dass dieser Ort nicht unbedingt der hübscheste war. Platte von Stadtgrenze zu Stadtgrenze. Ich verspürte wenig Lust, hier zu bleiben, zumal es noch sehr früh war. Also warf ich einem Taxifahrer einige Zloty in den Rachen, damit er mich vor die Tore der Stadt brachte, wo die Straße in Richtung Lublin ihren Anfang nahm. Er brachte mich zu einer Tankstelle, welche seiner Meinung nach ideal wäre.

Und tatsächlich: Nach mehreren Minuten hielt ein Mann, der sich als Caspar vorstellte. Er sah aus wie Conor McGregor und war beeindruckt, dass ich im Winter durch den "wilden Osten" trampte. Dies wäre die Ostgrenze der EU, erklärte er mir, die Leute anders. Wenn mir einer wehtun wolle, dann würde er dies tun. In der Folge machten wir einen kleinen Umweg über Nebenstraßen, wo er mir winzige Dörfer mit uralten Holzhütten zeigte, welche noch aus Zeiten vor dem Krieg stammten. Die meiste Zeit machte er aber Werbung für den weiter östlich liegenden Nationalpark. Leider hatte ich zu wenig Zeit für solche Abstecher, was sehr schade war. Er versuchte dennoch weiter, mich zu einem Besuch zu überreden, noch während er mich wie vereinbart in Zabludow aus dem Wagen ließ. "Its Huge!" betonte er im Bezug auf die Wälder.

In Zabludow wartete ich nicht lange, bis mich eine Frau mitnahm. Sie verstand immerhin ein bisschen Englisch und brachte mich bis Dziadkowicze. Mir fiel auf, dass selbst die kleinsten Dörfer riesige Kirchen besaßen. Und dann waren da noch die winzigen Siedlungen, die laut Hinweisschildern zwei Kilometer abseits der Straße lagen. Dabei war selbst die Hauptstraße bereits einsam gelegen. Dicht besiedelt war die Region nicht, ohne Auto war man hier aufgeschmissen. Teilweise waren noch Steppengebiete zu sehen, weil hier einfach nicht genug Leute wohnten, um alles zu bewirtschaften. Die Häuser waren teilweise uralt und leicht baufällig, wirkten aber dennoch heimelig.

In Dziadkowicze, einem winzigen Nest, in dem es weder Hotel noch Bahnhof noch irgendwas außer der üblichen Riesenkirche gab, stellte ich mich an den Ortsausgang und sorgte mich allmählich. Es war 14 Uhr und in drei Stunden würde es bereits dunkel werden. So malerisch der Ort auch war, ich wollte bei Minusgraden nicht hier stranden. Gottseidank hielt das nächste Auto bereits nach wenigen Minuten. Eine weitere Frau mit passablem Englisch brachte mich nach Siemiatycze. Dabei handelte es sich um eine hübsche Kleinstadt mit gleich zwei schönen Kirchen, einem kleinen Zentrum und immerhin zwei Hotels, warum auch immer. Die Frau brachte mich zum günstigsten und ich beschloss, dass es besser war, früh abzubrechen. Wer wusste schon, wann in dieser Einöde die nächste Unterkunft kommen würde?

Ich machte einen kleinen Stadtrundgang. Mit 13.000 Einwohnern war Siemiatycze angenehm entspannt. Es schien mir ein angenehmer Ort zum Leben, da man hier alles hatte. Es war nur ein verdammt entlegener Ort. Die Kathedrale war wunderschön. Eine Statue von Johannes Paul II stand davor. Das Schloss neben der Kirche wirkte arg verwahrlost. Zurück im Hotel aß ich im Restaurant zu Abend. Als ich mich setzte, machten sich die einzigen anderen Gäste vom Acker, es schien eine Familie aus der Stadt zu sein. Ich tafelte also alleine. Das Essen war verdammt gut, frisch gekocht und sehr schmackhaft. Mit das Beste, was ich bisher in Polen gegessen hatte. Im Anschluss taumelte ich vollgefuttert durchs leere Hotel zu meinem Zimmer. Da es zu früh zum Schlafen war, sah ich im Fernsehen irgendeinen Grottenkick aus der spanischen Liga, da ich dafür keinen Kommentar verstehen musste. Unterdessen dachte ich über den Zwiespalt nach, dass diese Stadt wenig zu bieten hatte und ich mich dennoch wohler fühlte, als in den Großstädten zuvor.

Bilanz des Tages
Zurückgelegte Kilometer: 298
Fahrer: 6
Kirchen: Unzählige
 
Hat jemand Tipps für Dublin für mich, Pubs, Restaurants, coole Plätze usw...?

Mein absolutes Highlight aus 2 Städtetrips nach Dublin war definitiv Howth. Von Dublin aus mit der "Dart" etwa 30 Minuten. An Howth als Ort kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern, das war nicht spektakulär. Aber man kann von dort aus an den Klippen langwandern und das war absolut atemberaubend. Das hat mich mehr geflashed als später die Cliffs of Moher, wahrscheinlich, weil es unerwartet kam und weil kaum Touristen da sind. Weil wir von der Tageszeit her ziemlich spät da waren, sind wir nur einen Teil an den Klippen lang gelaufen und zurück, beim nächsten Mal würde ich definitiv früher loslaufen und bis zum Baily Lighthouse wandern.

Mein zweites Highlight war definitiv die Bibliothek im Trinity College. Ich weiß, absoluter Touri Hotspot, wir haben lange gewartet und es war nicht günstig. Aber ich liebe Bücher, ich hätte Stunden in dieser Bibliothek stehen können, so faszinierend fand ich es. Ist aber vermutlich Geschmackssache.

Bei Regen kann ich das Guinnes House empfehlen, das ist echt gut und interessant gemacht. Und am Ende gibt's noch Guinnes in der Sky Bar.

Bei unserem zweiten Besuch wollten wir unbedingt in den Phoenixpark und in die Christ Church, aber dummerweise war der Papst an dem Wochenende in Dublin und beides war gesperrt.

Ansonsten durch die Straßen laufen und sich treiben lassen.

An Restaurants/Cafes fanden wir "The Church" gut, es ist in einer ehemaligen Kirche, das macht es interessant. Das Essen da war lecker, wenn auch nicht ganz günstig.
Beide Male waren wir bei einem Griechen, Mykonos Traverne. Das sieht nicht so besonders aus, leicht kitschig, aber das Essen war fantastisch und preislich vollkommen okay.
An unserem ersten Abend sind wir zufällig im Merchants Arch gelandet, ein Pub direkt an der Ha'penny Bridge am Durchgang zum Temple Bar district. Da kam gut klingende Live Musik raus, also sind wir rein. Vermutlich sind dort wirklich fast nur Touristen, aber die haben jeden Abend mehrere Bands da, die Stimmung ist sehr gut. Man kann hier auch essen und das Essen ist auch fantastisch. Ich empfehle die Beef and Guinnes Casserole, die war sehr sehr gut. Generell ist im Temple Bar district immer was los. Viele Touristen, aber auch viele Einheimische, die meinten, sie würden dort abends hingehen, weil eben mehr los ist als in Pubs außerhalb.
 
An Restaurants/Cafes fanden wir "The Church" gut, es ist in einer ehemaligen Kirche, das macht es interessant. Das Essen da war lecker, wenn auch nicht ganz günstig.
Beide Male waren wir bei einem Griechen, Mykonos Traverne. Das sieht nicht so besonders aus, leicht kitschig, aber das Essen war fantastisch und preislich vollkommen okay.
An unserem ersten Abend sind wir zufällig im Merchants Arch gelandet, ein Pub direkt an der Ha'penny Bridge am Durchgang zum Temple Bar district. Da kam gut klingende Live Musik raus, also sind wir rein. Vermutlich sind dort wirklich fast nur Touristen, aber die haben jeden Abend mehrere Bands da, die Stimmung ist sehr gut. Man kann hier auch essen und das Essen ist auch fantastisch. Ich empfehle die Beef and Guinnes Casserole, die war sehr sehr gut. Generell ist im Temple Bar district immer was los. Viele Touristen, aber auch viele Einheimische, die meinten, sie würden dort abends hingehen, weil eben mehr los ist als in Pubs außerhalb.
Vielen Dank!
 
Buam in Polen Tag 5: Ab in den Süden! (Siemiatycze - Rzeszow)

Nach einem einsamen Frühstück, denn ich war noch immer der einzige Hotelgast, wankte ich vollgefuttert zum Ortsausgang und wünschte mir, ich hätte nach dem Rezept für das leckere Rührei gefragt. Es herrschte klirrende Kälte, als ich in das erste Auto stieg. Ein älterer Herr brachte mich bis Sarnaki, was immerhin schonmal 10 Kilometer waren. Dort hielt dann auch schon nach einer Minute der zweite Wagen, welcher mich rund 17 Kilometer weiter nach Süden brachte.

In Losice stockte die Weiterreise erst einmal. Während ich mich neben dem Friedhof an der Fernstraße platzierte, glitt ich beinahe auf den gefroreren Pfützen aus. Die Erde knirschte unter meinen Stiefeln und ich verfluchte meine viel zu dünne Kleidung. Viele Wagen fuhren nur bis zum Nachbarort, wenn sie denn überhaupt auf die Straße einbogen. Also vertrieb ich mir die Zeit damit, die hübschen Gräber auf der anderen Seite des Zauns anzusehen. Selbst hier waren kulturelle Unterschiede zu erkennen. Zum Beispiel stand kein Geburtsdatum auf den Grabsteinen, sondern nur das Alter.

Plötzlich, als ich bereits überlegt hatte, es in einer anderen Richtung zu versuchen, hielt eine Frau, welche direkt nach Lublin fuhr. Unterwegs telefonierte ich mit ihrer Tochter, die ein wenig für uns dolmetschte. Musikalisch war die Fahrt sehr angenehm. Ich lernte die Polnische Band Lady Pank kennen, die mir auf Anhieb gefiel. Außerdem liefen immer wieder Lieder von Queen, die meine Fahrerin trotz mangelnder Englischkentnisse falsch, aber leidenschaftlich mitsang. Landschaftlich blieb die einsame Steppenlandschaft, zuweilen von Feldern, Wäldern und sogar einem großen Sumpf durchbrochen.

In Lublin angekommen, stellte ich fest, dass es noch sehr früh war und ich die Stadt zudem als recht hektisch empfand. Ich beschloss also, mir nur einen kurzen Stadtrundgang zu gönnen und mich anschließend Richtung Süden zu verkrümeln. Zu diesem Zweck brauchte ich abermals ein Taxi, welches mich zur Fernstraße brachte. Zunächst erschreckte ich eine unschuldige Autofahrerin, deren Wagen ich mit einem solchen verwechselt hatte, ehe ich die richtige Tür erwischte. Der Taxifahrer war sogar so beeindruckt von meiner langen Reise, dass er mich umsonst noch 15 Kilometer weiter zu einer besseren Stelle brachte.

In Nidrzwica Duza hielt zunächst niemand. Ich beobachtete eine Frau, welche den Kindern der nahen Schule mit einem riesigen Stoppschild über die Straße half, das mich an die Kellen aus der Boxengasse der F1 erinnerte. Irgendwann bedeutete sie mir, ich solle mich besser an die Bushaltestelle stellen, weil die Wagen dort besser halten könnten. Und tatsächlich, nach 2 Minuten bremste ein Auto mit zwei Jungen Männern.

Jakob war Fotograf und Videoeditor und wollte an diesem Tag noch ins 150 Kilometer entfernte Rzeszow fahren. Allerdings musste er noch schnell nach Hause, wo ich zum Essen eingeladen wurde. Im hübschen Ort Urzedow bekam ich Tomatensuppe und Teigtaschen von seiner Mutter vorgesetzt, während der Hund Lady unter dem Tisch saß und bettelte. Niedliches Tier! Im Badezimmer stand eine riesige Badewanne, in der sogar Rainer Calmund Platz gefunden hätte.

Anschließend fuhren wir durch den Sonnenuntergang hindurch nach Rzeszow. Die Gegend wurde hügeliger und ein Mittelgebirge nahm seinen Anfang. Wir sprachen viel über Sport und Kultur. Er berichtete, dass die Hälfte seines Dorfes einen Verwandten un Deutschland habe, der dort arbeite. Es war eine sehr angenehme Fahrt, während der das Gespräch nie einschlief. Als wir schließlich Rzeszow erreichten, war es bereits dunkel.

Jakob setzte mich im Zentrum ab, nahe des Monumentes der Revolutionären Kräfte. Ein riesiges Teil, welches von den Einwohnern sowohl verspottet als auch irgendwie gemocht wird. Es steht nicht unter Denkmalschutz, aber die Bürger lieben dieses Monument, welches wirkt, wie zwei steinerne Pobacken. Dafür hatte ich nach einem langen Tag aber keinen Sinn mehr. Stattdessen platzierte ich mich im sechsten Stock eines Hotels ein, nahm die Aussicht in mich auf und beschloss, dass es an der Zeit war, mal auf der Arbeit anzurufen, um allen bescheid zu sagen, dass ich noch lebte. Vor allem meine Chefin macht sich immer Sorgen, wenn ich Trampe. Warum auch immer. Die einzige Gefahr in Polen war, dass ich vom vielen Essen platzen könnte.

Vor dem Schlafen zappte ich mich noch durch die TV Sender. Kein Deutsch, Kein Englisch, aber immerhin ein Thai-Sender. Man staunt doch immer wieder.

Bilanz des Tages:
Zurückgelegte Kilometer: 340
Fahrer: 5
Thailändische Talkshows: 1
 
Dafür hatte ich nach einem langen Tag aber keinen Sinn mehr. Stattdessen platzierte ich mich im sechsten Stock eines Hotels ein, nahm die Aussicht in mich auf und beschloss, dass es an der Zeit war, mal auf der Arbeit anzurufen, um allen bescheid zu sagen, dass ich noch lebte. Vor allem meine Chefin macht sich immer Sorgen, wenn ich Trampe. Warum auch immer. Die einzige Gefahr in Polen war, dass ich vom vielen Essen platzen könnte.
Zunächst: Vielen Dank für deine täglichen Berichte, die sind mittlerweile ein Fixpunkt meiner Lesegewohnheiten hier und sehr kurzweilig geschrieben (y) Bitte weiter damit!
Und zu diesem Punkt: Auch ich muss zugeben dass ich teilweise wirklich positiv überrascht bin, wie problemlos du letztlich nur per Anhalter durch ganz Polen kommst und (zumindest wirkt es für mich so in deinen Berichten) zum Großteil auf hilfsbereite und freundliche Menschen triffst. Das lässt mich doch noch an das Gute in unserer Welt und der Gesellschaft glauben ;)
 
Buam in Polen Tag 6: Der Horror-Bahnhof (Rzeszow - Krakow)

Am Morgen des sechsten Tages fuhr ich nach einem ausgiebigen Frühstück zur Autobahnauffahrt und stellte mich bei klirrender Kälte dort auf. Rzeszow war eine schöne Stadt, aber dort rauszutrampen ist nicht einfach. Die einzige geeignete Stelle war vor einem Autobahnkreuz, sodass nur ein Bruchteil des Verkehrs in meine Richtung fuhr. Platz zum Halten hatten die Wagen auch nicht und hinzu kam, dass mir bei starken Minusgraden der Daumen abfror. Es waren Minus 5 Grad und ich war nur noch am Zittern, sodass ich nach einer halben Stunde beschloss, an diesem Tag lieber die Bahn zu nehmen, ehe ich als Gletschermumie endete.

Da ich nicht auf den Bus warten mochte, winkte ich in meiner Dekadenz ein Taxi heran und stellte fest, dass der Fahrer kein Englisch beherrschte. Daraufhin zeichnete ich eine Eisenbahn, welche im Kindergarten vielleicht für den Vorletzten Platz eines Zeichenwettbewerbs ausgereicht hätte. Aber die Botschaft kam an und nach 10 Minuten stieg ich am Bahnhof aus dem Wagen. Auch die Tresenkraft am Ticketschalter konnte nur Polnisch, aber zumindest der Name "Krakow" kam an. Dummerweise war der Zug aber 55 Minuten verspätet. Ich setzte mich also in die Wartehalle und wünschte mir etwas Englisches zu Lesen. Gab es aber nicht. Also war Däumchen-Drehen angesagt.

Als die Stunde um war, fand ich mich am Bahnsteig ein. Wer nicht kam, war der Zug. Nach einer halben Stunde kletterte ich also über die wackelige Notbrücke, welche wegen der Umbauarbeiten am Bahnhof zum mittleren Gleis führte, zurück zur Wartehalle. Dort teilte mir die Tresenkraft mittels Google-Translator mit, dass ich noch eine Stunde warten durfte. Klar, dass der Zug auch da nicht auftauchte. Ich stapfte also frustriert zurück ins Warme, um erneut nachzufragen. Kaum hatte ich die Halle erreicht, fuhr der Zug ein.

Wenige Minuten später kauerte ich schwer atmend in meinem Sitz und wünschte mir ein Sauerstoffzelt herbei. Aber immerhin war ich nun auf dem Weg nach Krakow. Dort angekommen, steuerte ich erstmal einen Media Markt an, um ein paar günstige CDs zu erstehen. Irritiert betrachtete ich das Regal, in dem Modern Talking mehr Platz einnahmen, als Pink Floyd und Queen zusammen. Anschließend machte ich mich auf die Suche nach einem bezahlbaren Hotel. Ich fand schließlich eines in Spuckweite der Altstadt mit malerischem Blick auf die Bahngleise.

Der Stadtrundgang in Krakow fiel etwas länger aus, denn es gab viel zu sehen. Die historische Altstadt mit ihren Bauten war faszinierend. Ich wusste gar nicht, welche Kirche ich mir als erstes anschauen sollte. Touristisch war die Stadt gut erschlossen, denn trotz Minusgraden rannten zahlreiche Fremdenführer mit Deutschen, Englischen und Niederländischen Gruppen durch die Gegend. Zudem musste man darauf achten, nicht unter einer der Pferdekutschen zu enden, welche Stadtrundfahrten anboten. Johannes Paul II war allgegenwärtig, war er doch vor seiner Wahl Erzbischof von Krakow gewesen. Überall waren Statuen und Wandbilder mit seinem Gesicht zu sehen.

Ich umrundete die Burganlage und genoss einen weiten Blick aufs Tal. Dann ruinierte ich ein Urlaubsfoto, indem ich durchs Bild trottete und machte mich wieder auf den Weg zurück. Unterwegs kehrte ich noch in einem Restaurant ein und vernichtete eine riesige Gänsekeule. Hat nichts mit Polen zu tun, war aber lecker.

Zurück im Hotel hatte ich erstmal seit fast einer Woche einen Deutschen Sender und somit Nachrichten. Ich erfuhr von der Thüringen-Sache mit der FDP, als Kemmerich schon zurückgetreten war und stellte fest, dass Kirk Douglas das Zeitliche gesegnet hatte. Bevor ich mangels Schlaf selbiges tat, schaltete ich die Flimmerkiste dann auch schnell aus und träumte vom Bahnhof in Rzeszow. Vermutlich, weil es dort so schön war.

Bilanz des Tages
Zurückgelegte Kilometer: 155
Verspätete Züge: 1
Gänsekeulen: 1
 
Ich fahre nach Pfingsten für ein paar Tage nach Amsterdam. Hat jemand ein paar Insider Tipps für Unternehmungen, Essen, Bars etc?
 
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