@Cudi Die Rote und die Weiße, wobei ich die Rote auch am besten fand. Bin mir aber unsicher, ob die wirklich so unterschiedlich schmeckten.
Buam in Polen Tag 2: Polnische Gastfreundschaft (Szeczin - Gdansk)
Um 3:30 wurde ich wach, weil mein Körper meinte, 12 Stunden Schlaf wären ausreichend. Also ließ ich mir damit Zeit, die Landkarte zu studieren und mich fertig zu machen. Um 5:30 Uhr verließ ich schließlich das Hotel und latschte zur nächsten Bushaltestelle. Ich wollte in den Vorort Kijewo, weil dort die Autobahnen Richtung Norden und Osten beginnen. Probleme gab es allerdings schon beim Kaufen der Fahrkarte. Ich erstand nämlich eine normale, stieg aber aus Versehen in einen Eilbus ein. Zum Glück kam kein Kontrolleur. Wer weiß, ob die Nummer mit dem dummen Touristen gezogen hätte.
In Kijewo angekommen lief ich erst einmal eine halbe Stunde im Kreis, ehe ich raffte, dass die Bushaltestelle selber der beste Spot war, um den Daumen rauszuhalten. Also stellte ich mich mit einem Schild, auf dem Gdansk stand an dem Straßenrand und beobachtete die zahlreichen Autos, die mich ignorierten. Wann immer Jemand hielt, wollte er nur einen Kollegen an der Bushaltestelle aufsammeln oder fuhr in die falsche Richtung. Da ich immer frustrierter wurde, packte ich schließlich das Schild weg und beschloss, einfach beim nächsten einzusteigen, egal wo der hinfuhr. Zwei Minuten später hielt ein Wagen, der 40 Kilometer nach Norden wollte. Das Schicksal hat einen seltsamen Humor.
Der Fahrer erklärte mir, dass die Baustellen an der Autobahn erst einmal bleiben würden, weil das Bauunternehmen bankrott war. Unterdessen wurde ich aus dem Radio von Liedern beschallt, welche die Zeugen Jehovas verbrochen hatten. Natürlich wies mich mein Fahrer auch darauf hin, dass man sich auf ihrer Internetseite weiter über Gott informieren könne. Glücklicherweise blieb das alles an Missionierungsversuchen und er ließ mich auf einer Raststätte rund 40 Kilometer nördlich raus, ohne das Thema weiter vertieft zu haben.
Dort stand ich rund 15 Minuten, ehe mich ein Fahrer ansprach, dass er mich mitnehmen könne, vorher aber noch Fritten beim großen M kaufen müsse. Ich wurde schonmal im Auto platziert und wartete eine Weile, ehe er zurückkam, losfuhr und mir eine Portion Pommes aufs Auge drückte. Der Mann sprach gutes Englisch und berichtete, dass er ein Neurochirurg war, was in Polen ein toller Job sei, da er Geld und Anerkennung bringt. Wir redeten fast ununterbrochen und er zeigte mir die alte Straße, welche neben der relativ neuen Autobahn entlangführte. Das polnische Autobahnnetz befindet sich nämlich immer noch im Aufbau. Ab Koszalin fuhren wir dann auch über Landstraße, weil es nur diese gab. Kurz darauf kamen wir in seinem direkt an der Straße liegenden Heimatort an und ich wurde spontan zum Frühstück eingeladen. In einer hübschen Wohnung bekamen wir von seiner Frau und seiner Mutter Schinken-Käse Sandwiches und Kaffee serviert, während seine 6 Jährige Tochter ganz interessiert nachsah, wer den der seltsame Besucher war. Und das Baby auf dem Arm der Frau starrte sowieso, als habe es einen Geist gesehen.
Als es wieder nach draußen ging, war es zum Glück trocken. Immer wieder hatte es Regenschauer gegeben. Mein Fahrer fuhr mich noch extra 900 Meter weiter die Straße hinunter und war davon überzeugt, dass dies der beste Platz wäre. Und tatsächlich: Nach nicht einmal 10 Minuten hielt ein hupender LKW. Der Fahrer konnte nur Polnisch, aber mein Schild hatte ihm ja bereits verraten, was mein Ziel war. Er kürzte auf dem Weg nach Gdansk über kleinere Nebenstraßen ab, spendierte mir Wasser und noch mehr Kaffee und brachte mich gegen 14:00 Uhr schließlich bis in die Innenstadt von Gdansk.
Dort angekommen quartierte ich mich in einem Hostel nahe des Bahnhofs ein und machte anschließend einen Stadtrundgang. Die reizvolle Altstadt war entspannter als das eher industrielle und hektische Szeczin. Am Wasser standen einige Angler, was ein Deutscher Tourist mit "Schau Gerda, da Baden sie die Würmer!" kommentierte. Fasziniert umrundete ich die größte Backsteinkirche Europas und bestaunte die alten Fassaden der Häuser. Schließlich kehrte ich in einem Restaurant ein, in welchem ich der einzige Gast war. Es mochte daran liegen, dass es noch Nachmittag war. Umgeben von äußerst kitschiger Dekoration aß ich eine Suppe mit Wurst und Eiern sowie als Hauptgang eine Wurst, welche unter gebratenen Zwiebeln begraben war. Es schmeckte köstlich.
Vollgefuttert ging es zurück ins Hostel. Die Dusche kam so schnell auf Touren wie Hirschi in einer Welt ohne Frauen, aber nach 5 Minuten war das Wasser endlich warm. Zusammen mit 5 anderen Leuten begab ich mich ins Bett, wobei ich zunächst den Tönen eines Smartphones, anschließend viel zu lauten Kopfhörern lauschen durfte, aus denen Modern Talking sickerte. Dann kam eine Frau ins Zimmer und nahm das Bett neben mir. Ich, nur mit einer Unterhose unter der Bettdecke bekleidet, versuchte heimlich zurück in meine Klamotten zu schlüpfen und sah dabei wohl sehr lächerlich aus. Aber irgendwann lagen dann alle ruhig in ihren Betten. Der Herr im Bett neben der Tür sägte wie ein Holzfäller und eine sehr lange Nacht nahm ihren Anfang.
Bilanz des Tages
Zurückgelegte Kilometer: 365
Fahrer: 3
Gegessen: Zu viel