Weil ich das jetzt immer wieder, insbesondere von Dir lese: in den Niederlanden gab es kein pauschales “Böller-Verbot”, sondern nur ein Verbot bestimmter Pyrotechnik (die dann auch wegen der geographischen Lage schnell aus u.a. Deutschland beschafft werden konnte). Im Chaos Silvesters kann der Einsatz verbotener Pyrotechnik dann kaum ausfindig gemacht und geahndet werden. Das wäre bei einem wirklich kompletten Verbot von Pyrotechnik in privater Hand (worüber in NL jetzt auch diskutiert wird ->
Klick) und einem bloß zentralisierten Feuerwerk deutlich leichter, zumal mehr “kriminelle Energie” nötig wäre, um überhaupt etwas zu besorgen und zu zünden. Wer denkt, dass ich breite Massen einem solchen Verbot derart widersetzen, verkennt mEn die Wirkung von Pönalisierungen in der Bevölkerung. Dabei gilt ohnehin, dass das wohl entscheidende Argument, die Umwelt, auch wirkmächtig bleibt, wenn es in Neukölln manchmal noch ein wenig (und auch hier: weit weniger) kracht, aber insgesamt halt signifikant reduziert. Natürlich kriegt man keine Reduktion auf Null zustanden, aber das schafft kein Verbot. Man nimmt Pyrotechnik aber den Stellenwert des legal und sozial akzeptierten Verhaltens. Ob man das will, ist natürlich eine politische Entscheidung.
Im Übrigen war ich dieses Jahr in den Haag und fand es weit weniger schlimm als in den letzten Jahren in Berlin oder Hamburg. Das ist aber natürlich auch eine deutlich kleinere Stadt und hängt immer davon ab, wo man gerade genau ist. Es lag allerdings am nächsten Tag in der Tat sehr viel verballertes Material aus mit deutschen Aufschriften herum.
Zuletzt noch einmal zu dem Vergleich mit Autofahren “zum Spaß”: das ist zwar in der Abwägung zwischen privatem Nutzen und gesamtgesellschaftlichen Kosten genauso so einseitig wie Pyro an NYE, aber lässt sich tatsächlich nicht sinnvoll verbieten, weil es für Autofahren eben einen unstreitig sozial akzeptierten Use-Case, nämlich Bewegung von A nach B, gibt und es den Staat nix angeht, warum Person X jetzt gerade am Steuer sitzt. Hier können dann wirklich nur Preisinstrumente, wie bspw Steuern, helfen. Das ist bei einer Tätigkeit, die pauschal verboten werden soll, weil die Politik sich entscheidet, jeden Anwendungsfall zu unterbinden, eben komplett anders. Hier wäre auch aus Sicht der Steuerungs- und Gesetzgebungslehre mal ein klassischer Anwendungsbereich für ordnungsrechtliche Verbote und nicht für Lenkungsabgaben.