Warst du vor Ort?
Natürlich. Nur leider ging das erste Halbfinale schon so lange, dass ich das Bernet-Match nicht zu Ende schauen konnte.
Durch den Regen vom Donnerstag ist der gesamte Schedule auch etwas durcheinander geraten. Die Doppel-Halbfinals konnten noch nicht gestartet werden, da in beiden Partien mit von der Schulenburg und mit Nikles jeweils ein Spieler der Einzel-Halbfinals Teil der Partie war. Dadurch haben sich diese Partien endlos nach hinten geschoben, gerade weil beide Semis so lange gingen.
Von der Schulenburg kenne ich natürlich vom Namen. Wurde er nicht vor ein paar Jahren auch höher gehandelt? Hatte den so als Dreiergespann mit Riedi und Kym im Kopf.
Das war ja nicht nur das Dreiergespann, sondern mit Stricker zusammen das hoffnungsvolle Quartett. Von der Schulenburg war derjenige, welcher von den vieren vielleicht etwas abgefallen ist (was natürlich immer noch „hart“ formuliert ist, immerhin war auch er die Nummer 7 bei den Junioren) und er hat sich danach für den Weg über das College entschieden. Dort bildete er übrigens mit dem Luxembourger Chris Rodesch, der ja mittlerweile in den Top 200 steht, ein oftmals sehr erfolgreiches Doppel. Ich wäre nicht überrascht, wenn wir dieses in Zukunft auch mal bei den Profis sehen würden.
Das Match gegen Ribecai war ein stetiges Auf und Ab. Bei von der Schulenburg hat man gemerkt, dass er nicht die ganz grosse Power in seine Schläge bringt, aber ein ziemlich feines Händchen besitzt. Einzig das Feld war gestern etwas zu klein und das Netz etwas zu hoch. Er spielt unglaublich variabel, dabei extrem viele Stopps, die gestern aber häufig an der Netzkante hängen blieben. Man muss aber auch sagen, dass er verdammt starke Lobs spielt. Die Spritzigkeit geht ihm etwas ab, was vielleicht aber auch daran liegt, dass er am Freitag drei Matches gespielt hat (2x Einzel, 1x Doppel). Ich sehe da nicht den nächsten Topspieler, aber durchaus Chancen für einen soliden Top 200-Spieler. Eine Karriere wie jene eines Ritschard, welcher ja auch über das College kam, ist da wirklich realistisch.
Ribecai spielt sehr straight forward. Das kann gut kommen, wenn er die Bälle trifft. Wenn er sie nicht trifft, wirds relativ schnell vogelwild. Nettes Händchen dazu am Netz. Der wird sich im Ranking schon noch nach vorne spielen, aber ich denke nicht, dass es für Grand Slam-Qualis reicht. Dafür müsste er noch ordentlich an Konstanz zulegen.
Alles in allem nettes Match zwischen den beiden. Ribecai im ersten Satz klar besser, von der Schulenburg im zweiten. Der dritte Satz war ausgeglichen. Von der Schulenburg konnte bei 5:4 und 6:5 zum Match servieren, hat das Match aber nicht nach Hause gebracht. Ribecai dagegen hatte im TB zwei Matchbälle, welche er nicht verwerten konnten.
Meine Aufmerksamkeit war aber natürlich mehr auf dem anderen HF. Bernet zeigte seine Kämpferqualitäten und setzte sich gegen Nikles 6-7 6-4 6-4 durch. Gesehen habe ich nichts, aber ein rein schweizerisches Endspiel ist doch eine schöne Sache.
Die Aufmerksamkeit galt definitiv auch Bernet. Während sich für das erste Semi rund 30-40 Leute auf der Anlage einfanden, hat sich das Ganze zum zweiten Halbfinale definitiv gefüllt. Ich schätze, dass rund 100-150 Leute sich dann doch rund um den Platz eingefunden haben, was für ein M25 doch eine nette Zahl ist.
Die Qualitäten von Bernet hat man definitiv gesehen. Gerade im Vergleich zu den anderen Spielern sieht man schon, dass da jemand für höhere Gefilden auf den Platz steht. Er muss aber dringend seine Emotionen besser in den Griff kriegen, dass er den ersten Satz nach 5:2-Führung noch abgegeben hat, geht komplett auf seine eigene Kappe. Da darf er sich nicht so schnell aus dem Konzept bringen lassen und beginnt er einmal zu hadern, kommt er auch kaum raus. Im zweiten Satz hätte sich das Ganze ja auch fast wiederholt. Komfortable 4:1-Führung mit Doppelbreak, schlussendlich musste er einen Breakball abwehren, dass nicht plötzlich doch wieder 4:4 steht. Klar, Nikles stand vor seiner langen Verletzung knapp an den Top 200 und bringt einiges an Erfahrung mit, aber das sollte einem Spieler mit seinem Potenzial nicht passieren.
Nichtsdestotrotz: er hat sich reingefuchst, das Match gedreht und spielt nun gerade Finale. Dort steht es gerade 3:3 im ersten Satz. Egal wer gewinnt: beide haben auf jeden Fall ihr erstes ITF-Finale erreicht und einer der beiden holt folglich auch seinen ersten Profi-Titel. Und es wird sicherlich nicht der letzte gewesen sein.