Skifliegen/Skispringen für Frauen - wie soll es weitergehen?


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Wenn normale Weltcup-Fliegen bei den Frauen im Kalender verankert werden sehe ich jetzt kein Problem auch eine Skiflug-WM auszutragen. Ich meine, was spricht denn dagegen? Ich würde allerdings das Teilnehmerfeld zunächst mal bei ca. 25 Athletinnen sehen. Die geringe Teilnehmerzahl entwertet ja die Medaillen an sich. Die Gewinnerinnen hätten diese ja auch errungen wenn 60 dabei wären.

So ganz durch die rosarote Brille darf man es aber auch nicht sehen. Man muss schon schauen, dass man ein möglichst attraktives Produkt transportiert und das hast du eher, wenn du beim Starterfeld auf die Qualität schaust.

Das Argument “Die Frauen trainieren genauso viel, zeigen das gleiche Engagement etc.“ -> deswegen muss alles gleich sein, finde ich zu kurz gedacht.
Der Punkt ist doch: So lange deutlich mehr Jungen als Mädels mit dem Skisprungsport anfangen, wirst du bei den Frauen nie die selbe Leistungsdichte haben wie bei den Männern.
Bei den Frauen hast du keine Wettkämpfe, wo eine nach der anderen in den Top 10 Hillsize springt und nen perfekten Telermark setzt. Diese pure Klasse, Flugkunst, die jetzt ca. 10-15 Männer verkörpern, bringt halt nur eine Nika Prevc und vielleicht im Ansatz noch zwei, drei andere mit. Rein objektiv betrachtet ist das weniger attraktiv. Nicht, weil Frauen zu doof zum Skispringen sind, sondern weil sie numerisch von klein auf in der Unterzahl sind… zudem leidet das Frauen-Springen nach wie vor daran, es immer wieder schwere Verletzungen von Top-Springerinnen gab (Bjoerseth, Pinkelnig, Louttit etc.) und andere aufgehört haben (Kramer, Seifriedsberger). Diese enorme Entwicklung, die manche beim Damen-Springen in der Breite sehen wollen, sehe ich genau deswegen nicht. Finde die Wettbewerbe vom Gefühl nicht hochkarätiger als noch vor sechs, sieben Jahren (Man müsste halt mal die Punktabstände vergleichen).

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich bin für eine Vierschanzentournee der Frauen und eine Skiflug-WM der Frauen. Auch bei WM und Olympia sollten sie gleich viele Wettkämpfe haben (nur wenn das gegeben ist, beginnen auch mehr Mädels mit dem Skispringen). In Sachen Starterfelder würde ich aber gerade bei der Skiflug-WM, gegebenenfalls auch bei der Tournee reduzieren. Auch das 50/50 bei Olympia halte ich eher für schwierig.
 

Kirsten

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Das 50/50 bei Olympia liegt ja nicht an der FIS ;)
Bei allem anderen begrenzt die FIS doch: es sind nur 40 im Wettkampf, bei der aktuellen Two Nights Tour nur 30 und dann 20 im 2. Durchgang. Beim Fliegen haben sie auch von Anfang an begrenzt. Spricht also nichts dagegen, dass sie auch bei der VST oder vor allem einer Skiflug-WM das Starterfeld ebenso kleiner halten als bei den Männern.

Was aber keinen Sinn macht ist zu sagen: erst wenn ihr in der Breite so gut seit wie die Männer, dürft ihr irgendwas. Denn dann wird das nie passieren, weil viele Damen gar nicht erst anfangen werden oder resigniert aufhören.

@Lazergirl Was heißt denn, sie wollen alles auf einmal? Sie haben jahrelang nur den COC gehabt, nach viel Kampf gibt es aber seit mittlerweile 15 Jahren einen Weltcup, die erste WM gab es 2009. Es hat also nochmal 12 Jahre gedauert, bis es vom Weltcup zum Fliegen ging. Nochmal länger, bis es die Tournee jetzt geben wird. Und nochmal länger, bis es vielleicht eine Skiflug WM gibt. Alles auf einmal sieht jedenfalls anders aus 😉
Klar hat es bei den Herren länger gedauert, aber da gab es ja auch z.B. keine Flugschanzen von Anfang an. Ich bin mir sehr sicher, hätte es damals die Strukturen gegeben, die Männer hätten auch alles "sofort" haben können. Da hätte doch niemand gesagt: Ohne, geil, Skifliegen. Aber nein, wir warten noch 10 Jahre und fragen dann mal, ob wir auch dürfen
 
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Finn-Lady

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Und auf sportlich überzeugende Argumente warte ich immer noch vergeblich. Außer Gleichberechtigung und Frauenrechte kommt da weiter nix.
Finde ich eine fehlerhafte Darstellung, denn die meisten Reaktionen lassen sich nicht auf Gleichberechtigung und Frauenrechte reduzieren. Du hast viele andere Argumente erhalten.
Natürlich geht es um perspektivisch gleiche Voraussetzungen für beide Geschlechter, um ihren Sport ausüben zu können. Das ist ein vollkommen legitimes Ansinnen, wie es das schon in vielen Sportarten gab. Da hinkt das Skispringen noch hinterher.
Aber das ist sicher nicht „Gleichberechtigung“ im Kontext einer klassischen politischen oder gesellschaftspolitischen Debatte, in die du die „Verfechter“ des Skispringens der Damen drängen möchtest. Wobei ich mich auch frage, warum man das im Jahr 2026 noch diskutieren muss. „Gleichberechtigung und Frauenrechte“ klingen bei dir (das ist mein Eindruck) negativ behaftet. Nicht jede/r, der das Skispringen der Damen schaut und sich für eine perspektivische Angleichung von Wettbewerben im Weltcup, bei der VST, einer WM oder gar Olympischen Spielen ausspricht, ist = ein/e fanatische Extremist/in. Aber ok, das wäre ein komplett anderes Thema, was vom Skispringen der Damen wegführt.
Die Ausführungen von @Benjamin wären mMn im übrigen eine sportlich überzeugende Argumentation. Wie siehst du also die Entwicklung des Skifliegens der Herren und die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Herren mit Blick auf das, was du den Damen jetzt absprichst?

Ich glaube, wenn ich auf die 50:50- Diskussion blicke, gehen wir doch alle größtenteils konform. Wir finden die neue Regelung kritikwürdig. Ich bleibe dabei, das ist aber nicht das Problem der Damen, sondern eines der FIS, die (womöglich) nicht so für ihre einzelnen Sportarten kämpft, wie es andere Verbände tun. Wer das alles nur auf die Entwicklung des Damen-Skispringens herunterbrechen will, macht es sich zu einfach.
 
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Stefan82

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Ich denke auch, dass man 2028 bereit sein sollte, eine Skiflug-WM der Frauen durchzuführen mit reduziertem Starterfeld. Über den genauen Modus kann man ja diskutieren.
Bei Olympia fehlt ja noch der Super-Team-Wettbewerb der Frauen. Hier sehe ich keinen Grund, warum es diesen noch nicht gibt. Hier widerspricht sich das IOC selbst.
Ich finde es gut, dass es die VST für die Damen geben wird und sicher auch bald eine Skiflug-WM. Ich kann mich noch an den Flug von Eva Gansder im Rahmen der Skiflug-WM 1996 am Kulm erinnern. Das ist mittlerweile 30 Jahre her.
Die VST und die Skiflug-WM wird verstärkt Mädels motivieren mit dem Skispringen anzufangen. Das wird mittelfristig auch die Leistungsdichte bei den Damen erhöhen und zu einer Steigerung der Attraktivität von Wettbewerben führen.
Wenn ich mir zum Beispiel normale Herren-Weltcups aus den Jahren um 2000 anschaue, waren dort die Leistungsunterschiede auch noch recht groß. Da hat sich in den letzten 20 Jahren enorm viel getan.
Diese Dynamik sollte man den Frauen ebenso ermöglichen, in dem man entsprechende Wettbewerbe einführt, auch wenn die Qualität in der Gesamtheit zunächst noch nicht so hoch ist.
 
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Stefan82

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Zum Modus einer Skiflug-WM der Damen könnte ich mir für den Anfang zum Beispiel folgendes vorstellen, um auch die Attraktivität und dir Spannung des Wettbewerbs zu erhöhen. In Anlehnung an die RAW-Air eine Entscheidung in drei Durchgängen an einem Tag. 1. DG mit 30 Athletinnen, der 2. DG mit den besten 20 und ein Finaldurchgang mit den Top 10. Alle Sprünge gehen in die Gesamtwertung ein.
 

Lazergirl

EFF #3
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Was mich halt massiv stört ist, dass man meint, die Entwicklung des Damen-Skispringen durch immer dichteres Anhängen an die Herren vorantreiben zu müssen! Mit den entsprechenden Auswirkungen auf das gesamte Programm vor Ort . Und auf das Starterfeld der Herren demnächst sogar. Was ich übrigens schon früher befürchtet hatte. Das kanns nicht sein, dass die Herren sich opfern müssen. Weil man bei den Damen nichts Eigenes hinbekommt. Ihnen was wegzunehmen ist ein Fehler! Und nicht richtig, weil es viel mehr Springer als Springerinnen gibt. Da kann man nicht angleichen, es ist unfair.

Wäre alles getrennt wäre es mir noch egal. So aber nicht. Wenn man eine WM macht dann bitte eigenständig! Sonst wars das mit den 4 DG bei den Herren, weil man ja das Vorprogramm in den Zeitplan kriegen muss.
 
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Stefan82

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Bei der Skiflug-WM wäre es relativ einfach zu lösen, wenn man diese um einen Tag verlängert. Bei der Tournee könnte ich mir auch Konzepte vorstellen, ohne dass man bei den Herren was kürzen muss. Ich mache das mal am Beispiel Oberstdorf 28.12. Damen (Training - ein Sprung, Quali und Wettkampf). Das gleiche Programm bei den Herren dann am 29.12.
Ich bin ja durchaus ein Fan von Weltcups, an denen alle nordischen Disziplinen zusammen sind. Vielleicht könnte man den Weltcup diesbezüglich anpassen/entwickeln. Ich weiß nicht, ob sich solche Veranstaltungen nicht sogar eher rechnen als Einzel-Weltcups. Man hätte eine Verdichtung vor Ort, aber vielleicht eine Entzerrung des Kalenders im Allgemeinen, in dem man sagt, dass der Weltcup aus 8 - 10 solcher Veranstaltungen (jeweils von Donnerstag bis Sonntag) besteht + WM/Olympia und im Skispringen die VST. Der Nachteil wäre jedoch, dass bestimmte Orte ganz aus dem Weltcup verschwinden würden, die dieses Konzept nicht abbilden können. Aber man kann sowas ja mal gedanklich durchspielen.
Insgesamt braucht es neue Konzepte für die Planungen im Wintersport. Die Verdichtung lässt es kaum zu alles ins Wochenende zu quetschen. Das ist zumindest im linearen Fernsehen nur noch schwer abbildbar. Andererseits braucht man die Wochenenden um es den Fans vor Ort zu ermöglichen auch dabei sein zu können. Das ist alles schwierig.
 
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Ich finde es sinnvoll darüber zu diskutieren, ob man die Skiflug-WM unbedingt an die Männer andocken muss. Das könnte man auch auf einer anderen Schanze machen. Muss sich halt ein Veranstalter finden. Gerade in Planica und Oberstdorf würden aber trotzdem Zuschauer kommen.
 

moiag

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Was mich halt massiv stört, ist, dass plötzlich auch Frauen Schulen besuchten und dieselben Gebäude, Bücher und Mittel nutzten, die ursprünglich nur für Jungen bestimmt waren. Das führte natürlich zu höher Konkurrenz in Schulen und Arbeitsplätzen, und zur Aufteilung von Geld, Räume, Wissen, Macht und Anerkennung - während Jungen und Männer plötzlich viel weniger davon hatten!
Nicht zu reden von der gemeinsamen Nutzung von Bussen, Trinkbrunnen, Wahlrechten und dem Wettbewerb um Arbeitsplätze...
Da kann man nicht alles plötzlich angleichen, es ist unfair!

Wäre alles getrennt, wäre es mir noch egal. So aber nicht. Wenn schon, dann bitte alles eigenständig!

Und bitte, man muss Frauen DAMEN benennen - damit sie genau wissen, was ihr Platz ist. Sie sind doch hoch respektiert, solange sie schön und hübsch und still sind, und KEINE limitierten Ressourcen von HERREN wegnehmen. Unverschämt!
 

sj44

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Ich finde es sinnvoll darüber zu diskutieren, ob man die Skiflug-WM unbedingt an die Männer andocken muss. Das könnte man auch auf einer anderen Schanze machen. Muss sich halt ein Veranstalter finden. Gerade in Planica und Oberstdorf würden aber trotzdem Zuschauer kommen.
Da könnte man durchaus in Erwägung ziehen, eine Woche davor oder danach auf der selben Schanze, da diese dann auch sprungbereit ist.
 

Finn-Lady

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Ich bin durchaus offen, für einzelne Veranstaltungen auch unterschiedliche Termine ins Auge zu fassen. Die Frage ist aber am Ende, wie praktikabel es für die einzelnen Veranstalter ist.
Vieles wird von Volunteers und Freiwilligen aus dem Ort gestemmt. Die muss man aber auch erst einmal finden. Das ist schon für ein Wochenende mit 3 Tagen schwierig zu organisieren, bei einem Flugwochenende sind es gar 4 Tage, die überbrückt werden müssen. Und da reden wir nur von den reinen Wettkampftagen und nicht von den Tagen, wo aufgebaut und abgebaut wird. Bei den Meisten geht’s halt dann auch nur, wenn Arbeitnehmer sich Urlaub nehmen.
Machen wir uns nichts vor, die Anzahl der Menschen, die bereit sind, ehrenamtlich tätig zu werden, ist rückläufig. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es bei Veranstaltungen im Ort stets die Gleichen sind, die Veranstaltungen stemmen. Ein Stück weit auch nachvollziehbar, da die beruflichen Anforderungen heute sich verändert haben.
 
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Man könnte ne Skiflug-WM schon auch an drei Tagen austragen denke ich, wenns daran scheitern sollte.
Freitag Vormittag zwei Trainingsflüge, Nachmittag die ersten beiden Durchgänge, Samstag Durchgang drei und vier, Sonntag Teamfliegen. Ne Qualifikation braucht man nicht, wenn man vorher beschränkt
 

christurion

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Zum Modus einer Skiflug-WM der Damen könnte ich mir für den Anfang zum Beispiel folgendes vorstellen, um auch die Attraktivität und dir Spannung des Wettbewerbs zu erhöhen. In Anlehnung an die RAW-Air eine Entscheidung in drei Durchgängen an einem Tag. 1. DG mit 30 Athletinnen, der 2. DG mit den besten 20 und ein Finaldurchgang mit den Top 10. Alle Sprünge gehen in die Gesamtwertung ein.
Sehe ich anders, der Modus sollte von der Anzahl der Sprünge der gleiche sein. Von mir aus mit 25/15 anstatt 40/30 bei den Herren, aber mit 4 Sprüngen.

Was mich halt massiv stört ist, dass man meint, die Entwicklung des Damen-Skispringen durch immer dichteres Anhängen an die Herren vorantreiben zu müssen! Mit den entsprechenden Auswirkungen auf das gesamte Programm vor Ort . Und auf das Starterfeld der Herren demnächst sogar. Was ich übrigens schon früher befürchtet hatte. Das kanns nicht sein, dass die Herren sich opfern müssen. Weil man bei den Damen nichts Eigenes hinbekommt. Ihnen was wegzunehmen ist ein Fehler! Und nicht richtig, weil es viel mehr Springer als Springerinnen gibt. Da kann man nicht angleichen, es ist unfair.

Wäre alles getrennt wäre es mir noch egal. So aber nicht. Wenn man eine WM macht dann bitte eigenständig! Sonst wars das mit den 4 DG bei den Herren, weil man ja das Vorprogramm in den Zeitplan kriegen muss.
Dieses Jahr hat man übrigens die NoKo-Herren an den Kulm drangehängt. Stört dich das auch?

Ich finde es sinnvoll darüber zu diskutieren, ob man die Skiflug-WM unbedingt an die Männer andocken muss. Das könnte man auch auf einer anderen Schanze machen. Muss sich halt ein Veranstalter finden. Gerade in Planica und Oberstdorf würden aber trotzdem Zuschauer kommen.
Bei einem reduzierten Starterfeld wird das aber ein ziemlich kurzer Spaß. Das wäre kein attraktives Produkt, besonders für Zuschauer mit langer Anreise.
 
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