Als Betrachter muss man sich ja ohnehin wieder mehr oder weniger umgewöhnen.
Über viele Jahre kam einem als Fan schnell der Gedanke "kompakte Seitenkästen = gut" oder "viel Platz im Heck = gut"
Als der Williams FW33 damals im dunklen Blau bei den 2011-Testfahrten auftauchte, s
ah er fast so aus, als hätte man im Heck irgendwas vergessen. Williams hatte damals kräftig über das Getriebegehäuse gegrübelt und wie man Teile der Aufhängung unterbringt. Rund um den Diffusor gab es viel Luft zu sehen. Der Bolide fuhr aber nur hinterher, was auch daran lag dass man als Cosworth-Kunde mehr oder weniger nur zuguckte, wie andere Teams mit den Motormappings herum spielten und den Diffusor mit Auspuff-Abgasen fütterten.
2012 zeigte der Sauber C31 ähnlich viel Platz im Heck und eine der besten Saisons des Teams außerhalb der BMW-Zeit. Im Jahr darauf überraschte man mit recht schmalen Seitenkästen, doch das Konzept ging nicht wirklich auf. Spätestens 2014 dann kam das Team nach Abgang von Perez unter finanziellen Druck, zumal die Ferrari-Hybrid-Antriebe ordentlich kosteten. Die mexikanischen Sponsoren zahlten für Gutierrez' Engagement nicht mehr so viel wie früher. Der Bolide war stark übergewichtig und chancenlos. In der Folge hielt man sich mit Paydrivern über Wasser ... je nach dem wer die größte Mitgift brachte, wurde ins Cockpit gesetzt, auch wenn man dafür gegebenenfalls einen anderen Fahrer aus seinem Vertrag rauskaufen musste.
Während der Sauber 2015 einfach nurnoch hinterher fuhr, brachte McLaren 2015 (mit dem von Sauber herüber gekommenem Matt Morris) einen schlanken Boliden ... der dann regelmäßig unter einem zu heißen Honda-Motor litt.
Trotzdem, viele Jahre lang wurden die Lufteinlässe bei den Top-Teams (insbesondere Red Bull) immer kleiner und die Seitenkästen schmaler.
Und mit den Ground Effect Boliden gabs dann völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Mercedes mit den Zero Pods. Ferrari und Aston Martin mit vergleichsweise klobig wirkenden Seitenkästen. Red Bull und Alpine irgendwo dazwischen.
"Bathtubs" und "Water Slides" wurden zu Begriffen, die durch Boliden von Ferrari und Alpine geprägt wurden.
Während die meisten Jahre zuvor eine eng anliegende Motorabdeckung und schlankes Fahrzeug zumindest optisch einen schnellen Eindruck machte, so war es doch nun - quasi auch dank des Scheiterns der Mercedes-"Zero-Pods" - so, dass dieser Eindruck täuschen konnte.
Die Venturi-Tunnel veränderten das ganze aerodynamische Konzept, es ging weniger um Anstellung und Strömung auf das Diffusor-Dach als früher. Der Beam Wing war zurück und man spielte vermehrt mit der Motorabluft und wie man die Strömung auf der Oberseite der Seitenkästen lenkte, statt primär auszuklügeln wie man mit komplizierten Barge-Board-Gebilden die Strömung auf der Oberseite des Unterbodens möglichst präzise steuert.
Aber wenn man dann in den letzten Jahren mal einen Boliden ohne Motorabdeckung sah, dann sah man doch, dass unter der Haube weiterhin alles zu eng wie möglich zusammen geschoben wird. Gerade beim Ferrari war dann doch viel Luft in den Seitenkästen und "unter der Haube".
Fazit:
Ich hab nicht das was man Ahnung nennen könnte, wenn es darum geht wie der "ideale Seitenkasten" der aktuellen Fahrzeuggeneration nun aussehen sollte.
Man tendiert weiterhin gerne dazu sich beeindrucken zu lassen, wenn die Lufteinlässe recht klein ausfallen (da kommt wenig an den Red Bull von letzter Saison heran). Aber mit den neuen Antrieben geht man da gewiss erstmal auf Nummer sicher, bevor man sich vielleicht im Laufe der Saison heran tastet, wieviel Kühlung die Aggregate benötigen.
Und so sagt das Aussehen der Boliden gerade jetzt - während der ersten Testfahrten - noch wenig darüber aus, ob man in irgendeiner Weise Rückschlüsse auf die mögliche Performance schließen könnte. Vielleicht gibt es auch weiterhin kleinere "Badewannen" und "Wasserrutschen" oder eine Rückkehr der "Zero-Pods".