Willkommen auf dem Dorf in Sachsen.
Mein Sohn hat gestern Nachmittag meine bessere Hälfte mit dem Hitlergruß begrüßt. Ein Klassenkamerad hat ihm diesen gezeigt und erklärt, dass dies lustig sei. Leichtgläubig wie mein Sohn manchmal ist, hat er das nicht hinterfragt, sondern geglaubt ... denn bislang waren Nationalsozialismus, 2ter Weltkrieg, Holocaust, Reichspogromnacht, SA usw. usw. sowohl bei uns zu Hause, als auch in der Grundschule nicht wirklich ein Thema. Wir haben es nur manchmal "angeschnitten" (Schwester ist etwas älter, daher gibt es bei ihr in der Schule da auch mehr Unterricht zu, als es in einer Grundschule der Fall ist).
Besagter Klassenkamerad hat einen großen Bruder der in das Bild des typischen nichtsnützigen braunen Halbstarken fällt. Zwischen Mixery und Monster Energy und Mofa wird gegen alles nicht heterosexuelle nicht bio-deutsche gehetzt, weil man sich sonst nicht besser fühlen kann, wenn es irgendwann nicht zum Hauptschulabschluss reicht.
Der alleinerziehende Vater ist zum einen überfordert und zum anderen "von der alten Schule", wie er es ausdrücken würde. Wenn die Kinder gegenüber anderen gewalttätig sind ist das ok. Man schlägt sein eigenes Kind ja auch.
Klar fährt er eine Yamaha-Enduro ohne Schalldämpfer, weil den Bus fährt unter Umständen ein Ausländer. Wer will das schon?
Und wenn doch mal was klemmt und einer der Söhne wegen Suspendierung vorrübergehend nicht zur Schule darf? Na dann sitzt der halt den ganzen Tag zuhause und zockt Fortnite. Passt schon.
Ja so ist das halt in sächsischen Städten. Hier und da hat man "liberale" oder "gutbürgerliche" Viertel, mal sehr bunt, mal ziemlich familär, wo z.B. Grüne, SPD und Linke die meisten Stimmen holen. Hier und da hat man auch die wohlhabenderen Ecken, wo selbst die FDP (oder Ableger) noch die meisten Zweitstimmen holt ... und wo sich der gemeine "Pöbel" selten was in der Ecke leisten kann. Und dann gibt es noch reichlich Ecken, wo die CDU immernoch das Sagen hat. Und dann gibt es noch die AfD-Hochburgen ... in den Städten häufig dort wo die Wohnungen günstig sind. Plattenbauten und ähnliches, wo Migranten (die selbst mit bester Schufa-Auskunft bei Privatvermietern direkt abgelehnt werden) auf Rentner treffen die nach 40-50 Jahren in der hart erarbeiteten WBS-70-Bleibe weiter verweilen wollen und um sich herum "überall Ausländer" sehen.
Wer da einen Traum vom Eigenheim träumt hat entweder das Glück, dass Oma und Opa was vererben, oder man zieht in die AfD-Hochburg (vor der Wende war Platte schön ... jetzt sehen viele Ecken verranzt aus), oder man muss halt etwas weiter raus, weil der Preis richtet sich nunmal nach der Lage ... und dann noch nach der Lage ... und außerdem nach der Lage.
Ja aber wenn es ein Stück weit rausgeht, dann wird es in Sachsen auch leicht mal braun. Familien die schon in 3ter oder 4ter Generation im gleichen Kaff wohnen scheuen Veränderung. Der Gastarbeiter aus Vietnam, der ging ja irgendwann wieder. Der Russe ging auch (und hat noch was mitgenommen). Der Wessi hat einem alles genommen. Da kommt schon Argwohn auf, wenn man das dritte Haus auf das 5000m²-Grundstück der Großeltern gesetzt hat, denen die Grüüüünen eine Wärmepumpe in den schimmelnden Keller bauen wollen. Man hätte ja auch gerne einen kleinen Pool wie der neue Nachbar, der kein Dynamo-Fan ist und nicht mal aus dem Osten kommt.
Früher war alles besser und deswegen wird es Zeit für Veränderung. Aber nicht die Veränderung die diese ganzen Regenbogen-Leute wollen mit ihren Gerndersternchen und Feinstaubplaketten und anderem Weichei-Kram. Nein es muss wieder sein wie früher, als Verbrecher noch an der Grenze abgewiesen und nicht reingelassen wurden. Als es noch die Mark gab. Als Vergewaltigung in der Ehe noch legal war und die Frau ordentlich gekocht hat (sonst gibts halt ne Watschen). Als Kinder noch Respekt hatten und vom Lehrer bei Bedarf noch gezüchtigt wurden. Als Dynamo noch in der ersten Liga gespielt hat und man sich mit Lok Leipzig geprügelt hat, statt mit Brause-Hersteller-Anhängern.
Jaaaaa, da will manch Dörfler wieder hin und wählt deswegen die AfD, weil diese noch für "Werte" steht. Deutsche Tugenden.
Steht auf ihr Deutschen und wehrt euch. Wehrt euch gegen die, die euch das Land wegnehmen wollen. Wehrt euch gegen die Wessi-Politiker die euch das Geld aus der Tasche ziehen und euch sagen, wie ihr zu leben haben sollt. Uns ging es doch gut früher. Nun wirtschaften die Politiker alles kaputt. Deswegen kommt die rumänische Krankenpflegerin auch nicht mehr vorbei um Oma aus dem Bett zu hieven und zu waschen (is zwar Ausländerin und ne arbeitende Frau, ist aber ne ganz liebe, also von daher ist das ok ... ich hab ja eigentlich nichts gegen Ausländer ... aaaaber).
Ach ich schweife ab. Und man braucht es nicht romantisieren und verklären und behaupten manch Gedankengut wäre erst in den letzten Jahren entstanden.
Viel häufiger kommt es doch vor, dass Rassisten sich nun einfach öfter "trauen" offen rassistisch zu sein. Manch einer schämt sich nicht mehr wenn man über "Kanacken" und "Schwuchteln" pöbelt. Früher war man sich bewusst, dass man damit aneckt. Heute macht man dies gerne ... mit einer AfD bei 40% wähnt man sich unter mehr Gleichgesinnten.
Dorf in Sachsen ist dann irgendwo auch Kulturkampf. "Städter die sich für was besseres halten" die aus der Stadt zugezogen sind und alteingesessene Dorfkinder die mit voller Inbrunst bei "Leila" und Gigi d'Agostino (döt dödödöt) mitsingen, weil irgendwelche links-grün versifften Emanzen einem das verbieten wollen.
Und irgendwann isses dann halt so weit, dass man drüber nachdenkt, wie man seinem Kind "kindgerecht" beibringt was vor 80-90 Jahren in Deutschland und Europa so los war und dass ein Hitlergruß nicht ansatzweise lustig ist. Dann überlegt man sich, ob man dem eigenen Kind beibringen muss, dass es sich von anderen fernhält weil es ein potentieller schlechter Einfluss ist. Gleichwohl weiß man, dass es jenes Kind eigentlich auch nicht leicht hat und man kann nicht beeinflussen wie es vom Vater und großem Bruder indoktriniert wird.