Im Endeffekt wird am endgültigen WM-Kader sowieso rumgemeckert werden. Das war schon 1990 so, bei meiner ersten von A bis Z erlebten WM. Warum Illgner als Nummer 1? Warum wird mit Steiner ein Spieler ohne jedes Länderspiel nominiert? Warum bleiben mit Wohlfarth und Walter zwei Torjäger daheim und Mill fährt mit? Warum fährt ein Günter Hermann quasi ohne Länderspiel mit und Hansi Dorfner bleibt daheim? Beckenbauer hat auch munter die Spieler in der zweiten Reihe runtergeputzt ("Aumann hat gezeigt, dass er schlechter als Illgner ist", "Karlheinz Riedle kann Rudi Völler nicht ersetzen"...). Nur war er halt unantastbar und die Medienwelt längst noch nicht so groß. Außerdem waren es generell andere Zeiten.
Der WM-Kader wird am Ende nicht aus den (form-) stärksten Spielern bestehen, sondern aus denen, die aus Sicht von Nagelsmann die beste Gruppe bilden und die meisten Eventualitäten abdecken. Wenn Nagelsmann mit einem Regisseur und einem Arbeiter im Mittelfeld plant (so wie 2024), dann fahren nur zwei aus Pavlovic/Nmecha/Stiller mit.
Dass er sich Urbig jetzt mal aus der Nähe anschaut, finde ich OK (bin aber auch Bayernfan), weil er bei Bayern tadellos spielt, fußballerisch der aktuell vielleicht sogar beste Keeper ist und eine geringere Fehlerquote als Atubolu hat, bei allerdings weniger Spielen. Zudem ist er der einzige deutsche Keeper, der CL spielt (OK, Blaswich ist da noch). Sollte Neuer aufhören und Urbig ihn beerben, wäre er sicher ein Kandidat für die kommenden Turniere. Im Endeffekt wird Torwart Nummer 3 nicht entscheidend sein. Da zählt eher das Mindset innerhalb der Gruppe.
Am Ende muss Nagelsmann den Kader verantworten, weil er den Turnier(miss-)erfolg verantworten muss. Ich gehe aber ohnehin davon aus, dass es sein letztes Turnier als Bundestrainer ist.