Vor allem, ein Spiel wird im Verbund aufgebaut. Wenn Sane jetzt ständig Bälle bekommen hätte, die er im Dribbling eins gegen sechs immer verliert, kann man meckern. Hat er aber nicht, und den Ball verloren haben zumeist andere. Das Bild zog sich aber durch die ganze Mannschaft, dass der, der den Ball hatte, oft keine Anspielstation hatte wenn er aggressiv angelaufen wurde. Weder Wirtz, noch Musiala, noch Pavlovic, noch Kimmich sahen da irgendwie gut aus. Sane hatte eine Flanke auf den Kameramann, das Fieldgoal und einmal im Gegenstoß den Ball verloren, weil er ihn sich zu weit vorgelegt hatte. That's it. Aber seine Pässe kamen wenigstens an und hatten Hand und Fuß, das Tor war eher Zufall.
Diese Idee, dass Sane das Spiel "an sich reißen" und Ballack und Özil in einer Person sein muss, ist von vorneherein Blödsinn. Er ist ein schneller Außenspieler der auch schon mal woanders auftaucht, aber nur dann viele gute Szenen hat, wenn der Gegner ihm viel Raum lässt. Messi-Dribblings kann er nicht. Organisator ist Wirtz, Sane spielt diese Rolle nicht. Was er verloren hat, ist Zielwasser, seine Abschlüsse gehen häufiger irgendwo anders hin als gedacht als früher. Er läuft sich auch öfter fest als früher, entweder weil er langsamer geworden oder seine Ballführung nicht mehr so eng ist. Das löst er, indem er jetzt eher abspielt. Karl läuft sich mindestens genauso oft fest, riskiert halt mehr und ist jünger und auf den ersten drei Metern schneller. Was man nur bei Sane sieht, ist, dass er kurze Strecken in der Abwehrpositionierung einfach geht statt läuft, wenn er die Zeit hat. Scheinbar hat er alterungsbedingt nicht mehr die Körner um immer in Bewegung zu sein. Seine Fernabschlüsse waren auch schon mal häufiger und besser. Einen auch nur gleichwertigen Ersatz gibt es in der Bundesliga aber nicht.