ROSTOCK SEAWOLVES
Die ROSTOCK SEAWOLVES verändern ihren Kader nicht grundlegend, sondern bauen auf einer erfolgreichen Basis auf.
Headcoach Przemyslaw Frasunkiewicz bleibt ebenso wie seine Assistenten Piotr Blechacz und Tom Schmidt. Mit TJ Crockett Jr., DeAndre Lansdowne, Owen Klassen, Elias Baggette, Dominic Lockhart, Robin Amaize und Bent Leuchten kehrt ein großer Teil der etablierten Rotation zurück. Die zentralen Abläufe und die defensive sowie offensive Grundidee müssen daher nicht neu installiert werden.
Gleichzeitig wurden wichtige Rollen gezielt neu besetzt. Artur Konontšuk, Zach Copeland, Philipp Hartwich, Johnathan Stove und Todd Withers ergänzen die Mannschaft. Withers wurde am 24. Juli ausdrücklich als letzter Neuzugang vorgestellt; der Rostocker Kader ist damit offiziell komplett.
Die sportliche Herausforderung wächst dennoch erheblich. Rostock nimmt erstmals am BKT EuroCup teil und bestreitet mindestens 49 Pflichtspiele in BBL, Pokal und Europapokal. Der Kader ist deshalb nicht nur auf eine mögliche Play-In-Teilnahme, sondern ausdrücklich auf eine dauerhafte Doppelbelastung ausgelegt.
Ausgangslage nach 2025/26
Rostock spielte 2025/26 die erfolgreichste BBL-Saison der bisherigen Vereinsgeschichte. Die SEAWOLVES beendeten die Hauptrunde mit einer ausgeglichenen Bilanz von 17 Siegen und 17 Niederlagen auf dem neunten Tabellenplatz. Im ersten Play-In-Spiel wurde Ludwigsburg deutlich mit 91:71 besiegt, ehe der erstmalige Einzug in die Playoffs durch eine 69:76-Niederlage in Trier verpasst wurde.
Auch strukturell machte die Mannschaft einen Schritt nach vorne. Rostock war mit durchschnittlich 42,8 Rebounds das beste Reboundteam der BBL. Owen Klassen führte die Liga mit 8,9 Rebounds pro Partie an, während TJ Crockett Jr. mit knapp 17 Punkten zu den produktivsten Scorern des Wettbewerbs gehörte.
Die Saison war trotzdem nicht frei von Schwankungen. Rostock konnte an guten Abenden Mannschaften wie Bonn, Würzburg, Vechta oder Ludwigsburg bezwingen und offensiv explodieren. Gleichzeitig gab es Phasen, in denen die Ballbewegung stockte, das Shooting einbrach und die Mannschaft gegen aggressive Perimeterverteidigung Schwierigkeiten bekam.
International erreichten die SEAWOLVES im FIBA Europe Cup die zweite Gruppenphase. Der EuroCup stellt 2026/27 jedoch eine deutlich höhere Herausforderung dar – sowohl qualitativ als auch hinsichtlich der Reisedichte und des Belastungsmanagements.
Die Erwartungshaltung hat sich damit verändert. Rostock ist kein Außenseiter mehr, der sich nur über den Klassenerhalt definiert. Nach Platz neun und zwei aufeinanderfolgenden Play-In-Teilnahmen muss sich der Verein daran messen lassen, ob er den nächsten Schritt Richtung sichere Postseason schafft.
Die Geschichte der Offseason
Der wichtigste Erfolg der Rostocker Offseason war die erneute Verpflichtung von
TJ Crockett Jr. Der Combo Guard erzielte in der vergangenen BBL-Saison 16,8 Punkte, 2,8 Rebounds und rund 2,5 Assists. Er bleibt der wichtigste individuelle Scorer des Teams und kann sowohl aus dem Pick-and-Roll als auch aus Isolationen und im offenen Feld selbst Abschlüsse erzeugen.
Auch die erfahrene Achse um
DeAndre Lansdowne und
Owen Klassen bleibt erhalten. Lansdowne soll weiterhin die Offense organisieren, Führungsverantwortung übernehmen und defensiv Stabilität geben. Klassen bleibt der zentrale Rebounder und einer der verlässlichsten physischen Center der Liga.
Mit Elias Baggette und Dominic Lockhart wurden zwei wichtige deutsche Spieler langfristig bis 2028 gebunden. Bent Leuchten verlängerte bis 2027. Dadurch besitzt Rostock nicht nur quantitativ, sondern auch funktional eine belastbare deutsche Rotation.
Die erste Neuverpflichtung war
Artur Konontšuk. Der estnische Nationalspieler kennt die BBL aus seiner Zeit in Oldenburg und sammelte anschließend Erfahrung in der türkischen Liga sowie in der Basketball Champions League. In der vergangenen Saison traf er wettbewerbsübergreifend mehr als 40 Prozent seiner Dreier. Konontšuk bringt Shooting, Größe, Rebounding und die Fähigkeit mit, beide Forwardpositionen zu besetzen.
Zach Copeland erweitert den Backcourt um einen explosiven Scorer. Der frühere Bamberger kann Würfe aus dem Dribbling treffen, in kurzer Zeit Punkte produzieren und als offensiver Impulsgeber der zweiten Formation eingesetzt werden. Er ist jedoch eher Shot Maker als klassischer Point Guard.
Mit
Philipp Hartwich kehrt ein bekanntes Profil zurück. Der 2,18 Meter große deutsche Center unterschrieb für zwei Jahre und ergänzt Klassen und Leuchten. Hartwich bringt Ringschutz, Länge, Blockarbeit und defensive Präsenz ein, ist offensiv aber vor allem Finisher und Rollenspieler.
Johnathan Stove komplettiert die Guard- und Wingrotation. Der ehemalige Würzburger besitzt inzwischen 98 BBL-Spiele sowie EuroCup-Erfahrung. In Rostock muss er nicht zwingend als primärer Scorer auftreten. Seine Vielseitigkeit, Physis, Belastbarkeit und Erfahrung machen ihn vielmehr zu einem Spieler, der unterschiedliche Lineups verbinden kann.
Der letzte Baustein ist
Todd Withers. Der 30-Jährige kommt mit Erfahrung aus der G League, Italien, der Türkei, Israel, Australien und Neuseeland. Withers soll Härte, defensive Vielseitigkeit, Rebounding und Distanzwurf einbringen. Zuletzt erzielte er für Canterbury 12,5 Punkte und 5,7 Rebounds und traf 38,2 Prozent seiner Dreier.
Die Strategie ist deutlich: Rostock wollte keinen jungen Hochrisikokader, sondern eine erfahrene, körperlich belastbare und europäisch erprobte Mannschaft aufbauen.
Was wurde verloren?
Der sportlich größte Verlust ist
D’Shawn Schwartz. Der Forward erzielte in der vergangenen BBL-Saison 14,0 Punkte und 6,0 Rebounds. In entscheidenden Momenten konnte er Spiele nahezu allein übernehmen – besonders sichtbar bei seiner 39-Punkte- und 14-Rebound-Gala in Vechta. Schwartz verband Größe, Shooting, Rebounding und eigene Wurferzeugung.
Mit
Łukasz Kolenda verliert Rostock einen weiteren ballfähigen Guard, der sowohl als Organisator als auch als Schütze eingesetzt werden konnte. Sein Abgang reduziert die bisherige Spielmacherstruktur, auch wenn Copeland und Stove insgesamt mehr Scoringtiefe einbringen.
Andy van Vliet war als Stretch Five ein besonderes taktisches Element. Seine Fähigkeit, als 2,13 Meter großer Center den Dreier zu treffen, öffnete den Raum für Crockett und Lansdowne. Diese Kombination aus Größe, Shooting und Rim Protection wird im neuen Kader nicht direkt ersetzt.
Auch der Abschied von Kapitän
Sid-Marlon Theis ist relevant. Nach sechs Jahren und 216 Pflichtspielen verliert der Verein eine zentrale Führungsfigur und das letzte dauerhaft verbliebene Bindeglied zur Aufstiegsmannschaft. Sein sportlicher Output war zuletzt überschaubar, sein Wert für Kabine, Standort und Vereinskultur dagegen erheblich.
Damit verliert Rostock:
• einen großen primären Wing-Scorer
• einen Stretch Center
• einen zusätzlichen Guard-Organisator
• langjähriges Leadership
• einen Teil der offensiven Flexibilität der Vorsaison
Der neue Kader ist tiefer, aber nicht zwangsläufig in jeder Spitzenrolle besser.
Was wurde hinzugewonnen?
Rostock besitzt nun mehr
erprobte Tiefe.
Stove, Copeland, Konontšuk und Withers sind keine reinen Entwicklungsprojekte. Alle vier haben bereits mehrere professionelle Stationen absolviert und unterschiedliche Rollen kennengelernt. Hartwich kennt Trainer, Verein und Liga.
Die Mannschaft kann dadurch leichter auf Formschwankungen, kleinere Verletzungen und die EuroCup-Belastung reagieren. Während der Vorsaison einzelne Ausfälle die Rollenverteilung stark veränderten, stehen Frasunkiewicz nun zwölf Spieler zur Verfügung, die grundsätzlich BBL-Minuten übernehmen können. Der offizielle Profikader umfasst fünf Guards, vier Wings beziehungsweise Forwards und drei Center.
Hinzu kommen mehr Shooting und defensive Flexibilität auf den Forwardpositionen. Konontšuk und Withers können das Feld öffnen, ohne dass Rostock auf Größe oder Rebounding verzichten muss. Stove und Lockhart können größere Guards und Wings übernehmen.
Der Kader bietet außerdem verschiedene Möglichkeiten:
• große Lineups mit Konontšuk und Withers auf den Forwardpositionen
• physische Formationen mit Stove als großem Guard
• Small Ball mit Withers auf der Fünf
• klassische Centerlineups mit Klassen oder Hartwich
• entwicklungsorientierte Minuten für Leuchten
• offensive Bankformationen um Copeland
Das ist ein klarer Gewinn an taktischer Variabilität.
Wahrscheinliche Kaderidee
Point Guard: DeAndre Lansdowne
Shooting Guard: TJ Crockett Jr.
Small Forward: Artur Konontšuk
Power Forward: Todd Withers
Center: Owen Klassen
Zentrale Bankspieler:
Elias Baggette
Zach Copeland
Johnathan Stove
Dominic Lockhart
Robin Amaize
Bent Leuchten
Philipp Hartwich
Frasunkiewicz kann die Rollen je nach Wettbewerb und Gegner stark variieren. Stove könnte ebenso starten wie Lockhart oder Baggette. Auch Hartwich dürfte gegen besonders große Center früh eingesetzt werden, während Leuchten in offensiveren Formationen Minuten erhalten kann.
Offensive Analyse
Rostock besitzt viele ballfähige Guards, aber keinen klassischen dominanten Point Guard im besten Basketballalter.
Lansdowne ist erfahren, physisch und entscheidungsstark, wird im Juni 2027 jedoch 38 Jahre alt. Seine Belastung muss angesichts des EuroCups gesteuert werden. Baggette ist ein solider deutscher Spielmacher, aber noch kein nachgewiesener offensiver Führungsspieler eines Playoff-Teams.
Crockett kann Vorteile erzeugen und schwierige Würfe treffen. Seine Stärke liegt jedoch eher im Scoring als in der dauerhaften Organisation. Copeland ist ebenfalls ein offensiv orientierter Combo Guard.
Rostock besitzt somit
sekundäre Entscheidungsträger, aber keine völlig sichere langfristige Antwort auf aggressive Ballverteidigung. Das ist die wichtigste strukturelle Einschränkung.
Konontšuk und Withers sollen den verloren gegangenen Stretch-Faktor ersetzen. Copeland bringt Pull-up-Shooting, Stove kann offene Würfe treffen und Crockett ist aus dem Dribbling gefährlich.
Gleichzeitig ist die Centerrotation nahezu vollständig ohne Distanzwurf aufgebaut. Klassen, Hartwich und Leuchten operieren überwiegend innerhalb der Dreierlinie. Das bedeutet, dass mindestens einer der beiden Forwardplätze fast immer mit einem verlässlichen Schützen besetzt sein muss.
Lineups mit Lockhart, Lansdowne und einem klassischen Center könnten offensiv eng werden. Frasunkiewicz muss deshalb die Balance zwischen Verteidigung, Ballhandling und Shooting sorgfältig steuern.
Crockett bleibt der wichtigste Guard für Ringdruck. Klassen ist ein ausgezeichneter Blocksteller, Roller und Offensivrebounder. Hartwich sorgt für Lob-Gefahr, während Withers und Konontšuk von den Forwardpositionen zum Brett gehen können.
Das offensive Rebounding dürfte erneut zu Rostocks größten Stärken zählen. Die Mannschaft war bereits in der vergangenen Saison das beste Reboundteam der Liga und hat ihre Größe nicht reduziert.
Bzgl. der Crunchtime Offense entsteht die größte Frage nach dem Abgang von Schwartz.
Crockett ist der wahrscheinlichste erste Ansprechpartner. Copeland kann schwierige Würfe treffen, Lansdowne organisiert und Stove besitzt Erfahrung. Trotzdem fehlt ein großer Creator, der gegen Switches wiederholt selbst ein günstiges Matchup attackiert.
Rostock hat mehr Optionen, aber möglicherweise weniger eindeutige Spitzenqualität für den letzten Angriff.
Offensive Einordnung: tief, erfahren und reboundstark – aber nicht auf jeder Guardposition dynamisch genug für die absolute Ligaspitze.
Defensive Analyse
Rostock kann defensiv sehr groß und physisch spielen.
Lansdowne, Stove, Lockhart, Amaize, Konontšuk und Withers ermöglichen verschiedene Wechselkonzepte. Lockhart bleibt der wichtigste defensive Spezialist, während Stove und Withers zusätzliche robuste Körper auf den Positionen zwei bis vier einbringen.
Die Centerrotation ist außergewöhnlich tief. Klassen positioniert sich gut und beendet Ballbesitze über Rebounds. Hartwich bringt 2,18 Meter, Länge und Shotblocking. Leuchten besitzt mehr offensives Entwicklungspotenzial und sollte in seiner zweiten Profisaison körperlich stabiler auftreten.
Rostock kann damit gegen klassische Center, große Frontcourts und offensive Reboundteams bestehen. Schwieriger könnten sehr schnelle Five-out-Mannschaften werden. Klassen und Hartwich sind keine natürlichen Switch-Center. Wird Withers als Small-Ball-Fünfer eingesetzt, verliert Rostock wiederum einen Teil seiner strukturellen Reboundüberlegenheit.
Ein weiteres Thema ist die Point-of-Attack-Defense gegen besonders schnelle Guards. Lansdowne bringt Erfahrung und Physis mit, ist aber nicht mehr der schnellste Verteidiger. Crockett und Copeland müssen defensiv konstant arbeiten, damit die tiefe Centerrotation nicht permanent in schwierige Hilfeentscheidungen gezwungen wird.
Defensive Einordnung: hoher Floor durch Größe, Erfahrung und Rebounding; begrenzte Flexibilität gegen extrem schnelle Small-Ball-Offenses.
Deutsche und lokale Rotation
Rostock besitzt eine der tiefsten deutschen Rotationen der Liga:
• Owen Klassen
• Elias Baggette
• Dominic Lockhart
• Robin Amaize
• Bent Leuchten
• Philipp Hartwich
Hinzu kommen Mika Freitag, Bruno Loll, Matthes Tilsen und Benedict Baumgarth im erweiterten Aufgebot.
Entscheidend ist nicht nur die Anzahl. Baggette, Lockhart, Amaize, Leuchten und Hartwich können tatsächlich BBL-Minuten übernehmen. Rostock muss keinen Local Player allein aus regulatorischen Gründen einsetzen.
Besonders wertvoll ist die deutsche Centerrotation. Mit Klassen, Leuchten und Hartwich stehen drei deutsche Big Men zur Verfügung. Dadurch kann Rostock seine ausländischen Positionen flexibel auf Guards und Forwards verteilen.
Die deutsche Gruppe besitzt allerdings wenig eigenes Topscoring. Ihr Wert liegt in Verteidigung, Organisation, Physis und Rollenstabilität.
Einordnung der deutschen Rotation: quantitativ und funktional überdurchschnittlich.
Coaching und Kontinuität
Przemyslaw Frasunkiewicz geht in seine dritte Saison an der Ostsee. Unter ihm entwickelte sich Rostock von einer Mannschaft aus dem unteren Mittelfeld zu einem regelmäßigen Play-In-Kandidaten. Die Verträge von Frasunkiewicz und Assistant Coach Piotr Blechacz wurden verlängert; Tom Schmidt war bereits länger gebunden.
Der Coach erhält einen Kader, der gut zu seinem Stil passt: erfahrene Guards, mehrere physische Wings, starkes Rebounding und eine tiefe Centerrotation.
Die Herausforderung liegt weniger in der Installation des Systems als im Rotationsmanagement. Zwölf erfahrene Spieler erwarten Minuten. Gleichzeitig muss Frasunkiewicz zwischen BBL und EuroCup Belastung verteilen, ohne dass Rollen und Hierarchie unklar werden.
Internationale Belastung
Rostock bestreitet erstmals den BKT EuroCup. In der regulären Runde warten unter anderem Jerusalem, Burgos, Ljubljana, Tortona, Aris Thessaloniki, Le Mans und Riga. Zusammen mit BBL und Pokal stehen mindestens 49 Pflichtspiele im Kalender.
Diese Belastung ist wesentlich höher als im bisherigen FIBA Europe Cup. Die Gegner sind stärker, die Reisen anspruchsvoller und die Regenerationsphasen kürzer.
Rostocks Kader ist tief genug, um diese Herausforderung grundsätzlich anzunehmen. Dennoch gehören mehrere Leistungsträger zu den älteren Spielern der Liga. Lansdowne, Klassen, Hartwich, Stove, Withers, Amaize und Lockhart benötigen eine kluge Belastungssteuerung.
Die internationale Teilnahme erhöht das sportliche Ceiling, weil die Mannschaft regelmäßig auf hohem Niveau gefordert wird. Sie reduziert aber den Floor in der BBL-Hauptrunde, falls sich Müdigkeit und kleinere Verletzungen häufen.
Größte Stärke
Außergewöhnliche Tiefe, Erfahrung und Reboundkontrolle
Rostock verfügt über zwölf grundsätzlich einsetzbare Profis, eine belastbare deutsche Rotation und drei unterschiedliche Center. Kaum ein Gegner wird die SEAWOLVES allein über Physis oder Kaderbreite dominieren.
Größte Schwäche
Keine dynamische Elite-Creation auf der Point-Guard-Position
Rostock besitzt viele gute Guards, aber keinen sicheren überdurchschnittlichen primären BBL-Playmaker. Lansdowne ist erfahren, Baggette stabil und Crockett explosiv – dennoch bleibt offen, wer gegen aggressive Playoff-Verteidigungen dauerhaft den ersten Vorteil erzeugt.
[V]Wichtigster Swing Factor[/B]: Zach Copeland
Copeland kann die zentrale offensive Lücke schließen.
Etabliert er sich als effizienter zweiter Scorer, Pull-up-Schütze und sekundärer Creator, wird Rostock schwer auszurechnen. Dann kann Crockett entlastet werden und Stove eine passendere verbindende Rolle übernehmen.
Bleibt Copeland dagegen ein schwankender Volumenschütze, fehlt der Mannschaft nach Schwartz’ Abgang möglicherweise ein zweiter Spieler, der in schwierigen Phasen eigenständig Punkte produziert.
Floor
Im negativen Szenario macht sich die EuroCup-Belastung früh bemerkbar. Lansdowne und Klassen müssen Spiele aussetzen, Hartwich und Stove verlieren durch kleinere Beschwerden Rhythmus und die breite Rotation entwickelt keine klare Hierarchie.
Konontšuk und Withers treffen ihre Dreier nur durchschnittlich. Copeland produziert zwar Punkte, benötigt dafür aber viele Würfe. Crockett wird von gegnerischen Verteidigungen konsequent gedoppelt.
Rostock bleibt durch Rebounding, Heimstärke und deutsche Tiefe konkurrenzfähig, verliert jedoch mehrere enge Spiele und verpasst die Postseason.
Floor: Platz 11 bis 14 – unteres Mittelfeld mit Abstand zum Abstiegskampf.
Realistischer Verlauf
Im wahrscheinlichsten Szenario bleibt Crockett einer der produktivsten Guards der Liga. Lansdowne und Baggette organisieren die Offense solide, Konontšuk und Withers geben dem Frontcourt ausreichend Spacing und Stove stabilisiert unterschiedliche Formationen.
Rostock gehört erneut zu den besten Reboundteams und besitzt genug Tiefe, um die EuroCup-Wochen ohne vollständigen Leistungseinbruch zu überstehen. Gleichzeitig verhindern die fehlende Elite-Creation und die hohe Belastung eine konstant dominante Hauptrunde.
Realistischer Korridor: Platz 7 bis 11 – sichere Play-In-Nähe mit realistischer Chance auf die direkte Playoff-Qualifikation.
Ceiling
Im positiven Szenario bleibt Crockett gesund und entwickelt sich zu einem der besten Scorer der BBL. Copeland wird zum effizienten zweiten Shot Creator, Konontšuk bestätigt sein Shooting und Withers verbindet Defense, Rebounding und Spacing.
Stove findet zu seiner offensiv stärkeren Form aus Weißenfels oder Hamburg zurück. Baggette macht den nächsten Entwicklungsschritt und Leuchten wird zu einem überdurchschnittlichen deutschen Rotationscenter.
Frasunkiewicz nutzt die Tiefe konsequent, ohne die Hierarchie zu verlieren. Die Mannschaft gewinnt enge Spiele, kontrolliert erneut die Bretter und profitiert in der Rückrunde von der internationalen Erfahrung.
Ceiling: Platz 5 bis 7 – direkte Playoffs
Für einen echten Halbfinalanspruch müsste Rostock allerdings gegen Spitzenteams noch verlässlichere Guard-Creation entwickeln.
Gesamturteil
Offseason-Tendenz:
Leicht verbessert.
Rostock verliert mit Schwartz die beste große individuelle Offensivoption und mit van Vliet einen taktisch wertvollen Stretch Center. Die neuen SEAWOLVES sind dafür tiefer, erfahrener und besser auf die EuroCup-Belastung vorbereitet.
Größte Stärke:
Kaderbreite, Rebounding und eine außergewöhnlich tiefe Centerrotation.
Größte Schwäche:
Fehlende dynamische Elite-Creation auf der Point-Guard-Position.
Wichtigster Swing Factor:
Zach Copelands Wirkung als zweiter verlässlicher Shot Creator.
Floor:
Platz 11 bis 14.
Realistischer Verlauf:
Platz 7 bis 11.
Ceiling:
Platz 4 bis 7.
Erwartete Saisonrolle:
Playoff-/Play-In-Grenzbereich.
Sicherheit der Einschätzung:
Mittel bis hoch.
Vorläufige Tier-Einordnung
Tier 4: volatile Play-In-Kandidaten – mit deutlicher Nähe zu Tier 3
Rostock ist kein klassischer volatiler Neuaufbau. Die SEAWOLVES besitzen Kontinuität, BBL-Nachweis, Coachingstabilität und eine der tiefsten Rotationen der Liga. Ihr Floor liegt deshalb höher als bei den bisherigen Tier-5-Mannschaften.
Die Volatilität entsteht aus einer anderen Quelle: dem erstmaligen EuroCup-Programm und der Frage, ob genügend hochwertige Creation vorhanden ist, um aus einem sehr breiten Kader auch ein echtes Playoff-Team zu formen.
Rostock kann in seiner besten Version um einen direkten Playoff-Platz und möglicherweise sogar um Heimrecht kämpfen. In einer durchschnittlichen Saison dürfte die Mannschaft erneut im Play-In-Korridor landen.
Die entscheidende Frage lautet:
Ist Rostock lediglich tiefer geworden – oder hat die Mannschaft neben TJ Crockett Jr. auch genügend zusätzliche Spitzenqualität gewonnen, um den nächsten Schritt vom Play-In-Team zur sicheren Playoff-Mannschaft zu machen?