BBL Offseason 26/27


murill05anchez

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Hallo zusammen,

ich habe mir die Offseason mit den Transfers und Kaderentwicklungen aller 18 BBL-Teams etwas genauer unter die Lupe genommen und daraus eine "Gesamteinschätzung" gebastelt.

Das Ganze ist natürlich meine subjektive Sicht, auch wenn ich versucht habe, sie mit möglichst vielen objektiven Daten und nachvollziehbaren Kriterien zu unterfüttern.

Der Beitrag soll vor allem als Diskussionsgrundlage dienen. Also gerne ergänzen, widersprechen oder die eigene Sicht auf die Teams einbringen.
 
Bevor ich mich auf ein endgültiges Power-Ranking aller 18 BBL-Teams festlege, möchte ich die Liga zunächst Schritt für Schritt durchgehen.

Dafür ordne ich die Mannschaften vorläufig in fünf Tiers ein – beginnend bei Tier 5 und anschließend bis hinauf zu Tier 1.

Diese Einteilung ist noch keine endgültige Rangliste, sondern zunächst ein Arbeitsrahmen: Teams mit ähnlicher Ausgangslage, vergleichbarem Kaderniveau und ähnlicher Erwartungshaltung werden gemeinsam betrachtet.

Für jeden Verein folgt eine eigenständige Analyse der Offseason, der Kaderkonstruktion, der voraussichtlichen Rollenverteilung sowie von Floor, realistischem Verlauf und Ceiling. Dabei soll nicht nur bewertet werden, wie stark ein Team auf dem Papier aussieht, sondern auch, wie gut die einzelnen Bausteine voraussichtlich zusammenpassen und wie belastbar die jeweilige Prognose tatsächlich ist.

Erst wenn alle 18 Mannschaften vollständig analysiert und miteinander abgeglichen wurden, entsteht daraus das endgültige Power-Ranking.

Die Reihenfolge innerhalb der einzelnen Tiers ist deshalb zunächst bewusst offen. Entscheidend ist nicht, wer im ersten Entwurf auf Platz zwölf oder dreizehn steht, sondern wie sich das Gesamtbild der Liga nach der vollständigen Betrachtung aller Teams darstellt.
 

Basketball Löwen Braunschweig​


Braunschweig besitzt die ungewöhnlichste Ausgangslage der Liga.

Die Löwen stiegen als Tabellen-17. sportlich ab, erhielten am 19. Juni 2026 jedoch gegen ein Kompensationsentgelt von 800.000 Euro die Wildcard für den freien BBL-Platz. Erst ab diesem Zeitpunkt bestand endgültige Planungssicherheit. Geschäftsführer Nils Mittmann kündigte unmittelbar danach an, den Fokus auf die Kaderzusammenstellung zu legen. Damit begann die verbindliche BBL-Planung erheblich später als bei den meisten Konkurrenten.

Dabei muss zwischen einer verkürzten Kaderbauphase und einer tatsächlich verkürzten sportlichen Vorbereitung unterschieden werden.

Medizinchecks, Leistungstests und Individualeinheiten begannen am 3. August; das offizielle Mannschaftstraining ist für den 6. August vorgesehen. Bis zum ersten Pflichtspiel am 10. September plant der Verein fünf Testspiele. Braunschweig verfügt damit über eine reguläre Trainingsphase, musste den Kader aber innerhalb eines komprimierten Sommerfensters zusammenstellen.


Ausgangslage nach 2025/26​


Die Saison 2025/26 war für die Basketball Löwen eine massive sportliche Enttäuschung. Nach einer zuvor positiven Entwicklung rutschte der Verein tief in den Abstiegskampf und beendete die Hauptrunde auf dem 17. Tabellenplatz.

Der Klassenerhalt gelang nicht sportlich, sondern erst durch die spätere Wildcard-Entscheidung.

Ramón Díaz hatte die Mannschaft im Februar übernommen und stabilisierte sie zumindest in der Schlussphase. Vier Heimsiege zum Saisonende – darunter Erfolge gegen Ulm und Chemnitz – brachten Braunschweig noch auf Rang 17. Genau diese Position war später entscheidend, weil sie den Löwen das Vorrecht im Wildcard-Verfahren verschaffte. Die Schlussphase war deshalb besser als das Gesamtergebnis, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mannschaft über die Saison hinweg weder offensiv noch defensiv verlässlich genug funktionierte.

Die zentralen Probleme lagen in einer instabilen Guard-Hierarchie, wechselhafter Halbfeld-Creation, personellen Veränderungen während der Saison und einer zu geringen Konstanz.

Zwar verfügte Braunschweig phasenweise über individuelle Qualität, fand aber zu selten eine dauerhaft belastbare Mannschaftsidentität.

Die Erwartungshaltung für 2026/27 muss deshalb realistisch bleiben. Die Löwen wollen sich deutlich besser präsentieren, beginnen die Saison aber als Wildcard-Klub, der zunächst beweisen muss, dass er sportlich dauerhaft in die BBL gehört.

Die Geschichte der Offseason​


Die erste wichtige Entscheidung nach der Wildcard war die Verlängerung mit Ramón Díaz. Der Spanier unterschrieb für zwei weitere Jahre mit einer Option auf eine dritte Saison. Seine Weiterbeschäftigung schafft zumindest auf der Headcoach-Position Kontinuität.

Der Verein kündigte schnellen, attraktiven Basketball an, dessen Grundlage eine intensive Verteidigung bilden soll.

Mit Oriol Comas erhielt Díaz einen neuen Assistant Coach. Comas bringt Erfahrungen aus Spanien, Mexiko, Österreich und Rumänien mit und unterschrieb ebenfalls für zwei Jahre. Nach Vereinsangaben ist der Trainerstab damit vollständig. Die sportliche Führung um Geschäftsführer Nils Mittmann blieb bestehen.


Der Neuaufbau​


Eddy Edigin Jr. wurde als erster Neuzugang verpflichtet. Der 30-jährige Center bringt 194 BBL-Spiele, internationale Erfahrung, Physis, Rebounding und eine belastbare Defensivrolle mit. Er unterschrieb für eine Saison.

Anschließend kehrte Gian Aydinoglu nach Braunschweig zurück. Der deutsche Point Guard hatte mit Kirchheim das ProA-Finale erreicht und dort in 43 Spielen knapp 20 Minuten pro Partie absolviert. Er ist als energiereicher Verteidiger, Entwicklungsspieler und ergänzender Ballhandler einzuordnen – nicht als neuer offensiver Führungsspieler.

Mit Felipe Haase verpflichteten die Löwen einen vielseitigen Stretch-Big, der Ramón Díaz bereits aus der gemeinsamen Zeit bei den Mexico City Capitanes kennt. Haase kann werfen, passen, aus dem High Post agieren und grundsätzlich beide Big-Man-Positionen besetzen. Diese Trainer-Spieler-Verbindung reduziert sein Integrationsrisiko.

Die zentrale Guard-Verpflichtung erfolgte erst am 31. Juli. Devin Askew kommt nach seiner College-Laufbahn und Auftritten in der NBA Summer League als Profi-Rookie nach Braunschweig. Der 1,96 Meter große Combo Guard soll sowohl selbst kreieren als auch Mitspieler einsetzen. Damit wird ihm voraussichtlich eine wesentlich größere Rolle übertragen, als er zuletzt bei Villanova innehatte, wo er als Sixth Man ausgezeichnet wurde.

Am 2. August folgte Zaba Bangala. Der schwedische Nationalspieler kommt aus der BNXT League, in der er für Mechelen 16,8 Punkte und 8,8 Rebounds erzielte. Bangala ist mit 2,02 Metern für einen Center relativ klein, verfügt aber über Explosivität, Mobilität, Physis und Rebounding.

Neben diesen Neuzugängen bestehen längerfristige Verträge mit Chip Flanigan, Luka Ščuka, Ferdinand Zylka und Benny Schröder. Flanigan hatte 2025 einen Zweijahresvertrag unterschrieben, Ščuka ist bis 2027 gebunden, Zylka bis 2028 und Schröder aufgrund seines 2024 abgeschlossenen Dreijahresvertrags bis 2027. Dadurch ist der Sommer trotz vieler Veränderungen kein vollständiger Neustart.

Der Kader war am Stichtag jedoch nicht offiziell als abgeschlossen kommuniziert.

Vor allem im Backcourt wäre ein weiterer belastbarer Ballhandler oder Combo Guard sportlich sinnvoll. Die bisherige Konstruktion lässt noch Flexibilität, gleichzeitig erhöht jeder offene Platz kurz vor Trainingsbeginn das Integrationsrisiko.


Was wurde verloren?​


Der größte Verlust ist David N’Guessan. Der Big Man war mit 14,1 Punkten, 6,5 Rebounds und einer Zweierquote von rund 70 Prozent der konstanteste und effizienteste Braunschweiger Spieler. Er erzeugte vertikalen Ringdruck, lief das Feld, schloss oberhalb des Rings ab und war als Rebounder kaum durch einen einzelnen Neuzugang zu ersetzen. Sein Wechsel nach Spanien hinterlässt nicht nur eine statistische, sondern vor allem eine funktionale Lücke.

Hinzu kommt Bryant Crawford. Der Guard kam erst während der Saison, entwickelte sich aber in seinen zehn Einsätzen mit 14,6 Punkten und 4,5 Assists zum wichtigsten individuellen Creator der Schlussphase. Er konnte Pick-and-Rolls führen, aus dem Dribbling abschließen und in schwierigen Situationen Würfe erzeugen. Dass Braunschweig ohne ihn in die neue Saison geht, verschiebt beinahe die gesamte Verantwortung für die primäre Creation auf Devin Askew.

Joshua Obiesie wechselte nach der vorzeitigen Vertragsauflösung nach Bamberg. Mit seiner Größe für die Guardposition, seiner deutschen Spielberechtigung und seinem Potenzial als sekundärer Ballhandler war er ein schwer ersetzbares Profil. Seine Leistungen waren nicht konstant genug, dennoch verliert Braunschweig einen Local Player, der physisch auf mehreren Positionen einsetzbar war und selbst Vorteile erzeugen konnte.

Damit gingen drei wichtige Funktionen verloren:
- der effizienteste Ring-Finisher,
- der beste individuelle Guard-Creator der Schlussphase,
- ein großer deutscher Combo Guard mit eigenständigem Scoring.

Die Neuzugänge ersetzen diese Funktionen nicht eins zu eins. Braunschweig hat den Kader anders konstruiert: physischer, breiter im Frontcourt und defensiv flexibler – aber mit deutlich weniger nachgewiesener Creation.


Was wurde hinzugewonnen?​


Die Frontcourt-Rotation ist vielseitiger geworden. Edigin bringt BBL-Erfahrung, physische Stabilität und eine klare Rollenspieleridentität. Bangala ergänzt Mobilität, Explosivität und Rebounding. Haase bietet Shooting, Passing und offensive Variabilität. Dazu kommen Ščuka als beweglicher Forward sowie Flanigan als physischer Wing.

Braunschweig kann damit unterschiedliche Big-Man-Kombinationen aufstellen:

- Haase neben Bangala für Spacing und Mobilität,
- Haase neben Edigin für Struktur und Physis,
- Ščuka neben einem Center für mehr Geschwindigkeit,
- Bangala als Small-Ball-Center in aggressiveren Defensivsystemen.

Auch die deutsche Rotation ist quantitativ belastbar. Zylka, Schröder, Edigin und Aydinoglu können grundsätzlich reguläre BBL-Minuten übernehmen. Dahinter stehen junge Entwicklungsspieler. Gerade Edigin stabilisiert die Local-Player-Struktur, weil Braunschweig nicht gezwungen ist, sämtliche Center-Minuten mit Importspielern zu besetzen.

Das größte neue Potenzial liegt jedoch in Askew. Er bringt Größe, Athletik und die Fähigkeit mit, beide Guardpositionen zu spielen. Sollte er den Übergang in den europäischen Profibasketball schnell bewältigen, könnte Braunschweig einen körperlich interessanten Lead Guard gefunden haben. Seine Verpflichtung ist aber zugleich die größte sportliche Wette des Kaders.

Wahrscheinliche Kaderidee​


Point Guard: Devin Askew
Shooting Guard: Ferdinand Zylka
Small Forward: Chip Flanigan
Power Forward: Felipe Haase
Center: Zaba Bangala oder Eddy Edigin Jr.

Luka Ščuka dürfte unabhängig von einem möglichen Bankstart erhebliche Minuten auf beiden Forwardpositionen erhalten. Benny Schröder ist als energiereicher Wing mit Entwicklungspotenzial einzuplanen. Aydinoglu soll defensiven Druck erzeugen und die Ballorganisation phasenweise übernehmen. Edigin beziehungsweise Bangala bilden je nach Matchup das Centerduo.

Die Rollenverteilung verdeutlicht das zentrale Problem: Hinter Askew gibt es mehrere Connector und ergänzende Entscheidungsträger, aber keinen zweiten nachgewiesenen BBL-Lead-Guard.


Offensive Analyse​


Die Offensive wird voraussichtlich stärker system- als isolationsorientiert sein. Askew dürfte zahlreiche Pick-and-Rolls erhalten, während Haase als Pick-and-Pop-Big, High-Post-Passer und Stretch-Four eingebunden wird. Zylka sorgt für Spacing, Flanigan kann aus Closeouts entscheiden und Ščuka bringt zusätzliche Größe und Beweglichkeit auf den Forwardpositionen.

Das klingt grundsätzlich ausgewogen, setzt aber voraus, dass Askew sofort eine sehr anspruchsvolle Rolle ausfüllen kann. Er kommt nicht als langjähriger dominanter College-Point-Guard, sondern als Profi-Rookie, der bei Villanova überwiegend von der Bank eingesetzt wurde. Der Sprung zum primären Creator eines BBL-Teams ist erheblich.

Gegner werden wahrscheinlich früh testen, wie Braunschweig auf Ballpressure und aggressive Pick-and-Roll-Verteidigung reagiert. Wird Askew gedoppelt oder aus der Mitte gedrängt, müssen Ščuka, Flanigan und Haase zuverlässig vier-gegen-drei-Situationen lösen. Sie können passen und Entscheidungen treffen, sind aber keine klassischen Guard-Creator.

Das Shooting besitzt Potenzial, aber keine außergewöhnliche Sicherheit. Haase hat in der G League bereits hochvolumig getroffen, seine Quote fiel in der vergangenen Saison jedoch ab. Zylka ist ein etablierter BBL-Schütze, während Ščuka zumindest respektiert werden muss. Bangala und Edigin werden die Zone dagegen eher besetzen als öffnen.

Beim Ringdruck fehlt der sichere Ersatz für N’Guessan. Bangala kann als Roller und Offensivrebounder Druck erzeugen, Askew besitzt körperliche Voraussetzungen für Drives und Schröder attackiert entschlossen. Dennoch ist nicht garantiert, dass daraus eine konstant effiziente Halbfeld-Offense entsteht.

Die Crunchtime ist die größte offene Frage. Crawford konnte am Ende der Vorsaison selbst Würfe kreieren. Für 2026/27 ist noch nicht erkennbar, wer neben Askew in den letzten fünf Minuten zuverlässig einen Vorteil erzeugt.

Vorläufige offensive Einordnung:
unteres BBL-Drittel, mit Potenzial in Richtung Mittelfeld, falls Askew und Haase überzeugen.


Defensive Analyse​


Defensiv ist die Konstruktion plausibler. Díaz möchte seine Identität ausdrücklich auf der Verteidigung aufbauen. Mit Flanigan, Schröder, Bangala, Edigin und Ščuka stehen mehrere physische und bewegliche Spieler zur Verfügung.

Bangala ermöglicht aggressivere Pick-and-Roll-Coverages. Er kann höher verteidigen, Guards zeitweise vor sich halten und schnell zum Korb zurückkehren. Edigin bietet mehr klassische Körperlichkeit gegen schwere Center. Haase besitzt ausreichend Größe, ist aber kein natürlicher Ringschützer.

Genau dort liegt die Einschränkung: Braunschweig verfügt über keinen ausgewiesenen langen Elite-Rim-Protector. Bangala ist für die Centerposition undersized, Edigin lebt stärker von Positionierung und Physis als von vertikaler Länge. Die Defense muss deshalb kollektiv funktionieren. Gute Point-of-Attack-Verteidigung und frühe Hilfe sind notwendig, damit der Ring nicht dauerhaft attackiert wird.

Das Rebounding sollte stabil sein. Bangala führte seine Liga in dieser Kategorie an, Edigin ist ein bewährter Arbeiter und Haase sowie Ščuka können von den Forwardpositionen unterstützen. Ob die Gruppe N’Guessans Effizienz und Aktivität vollständig kompensiert, bleibt dennoch offen.

Vorläufige defensive Einordnung: Potenzial für das BBL-Mittelfeld, bei gutem Zusammenspiel auch etwas darüber; der fehlende klassische Ringschutz begrenzt das Ceiling.


Deutsche und lokale Rotation​


Die deutsche Rotation ist für einen voraussichtlichen Abstiegskandidaten ordentlich:

- Ferdinand Zylka ist ein etablierter BBL-Rotationsspieler und Schütze.
- Eddy Edigin Jr. kann auch in engen Spielen reguläre Center-Minuten übernehmen.
- Benny Schröder besitzt Athletik, Größe und Entwicklungspotenzial.
- Gian Aydinoglu bringt Energie und defensive Intensität.
- Esli Edigin und Luca Joe Ewelt sind perspektivische Ergänzungsspieler.

Die Gruppe verfügt damit über mehrere tatsächlich einsetzbare Spieler und nicht nur über formale Kaderplätze. Allerdings ist die Rollenqualität unterschiedlich. Zylka und Eddy Edigin sind die verlässlichsten Local Player. Schröder kann den nächsten Schritt machen, ist aber noch kein garantiert konstanter Leistungsträger. Aydinoglu muss nach seiner ProA-Saison beweisen, dass er auch gegen BBL-Ballhandler offensiv ausreichend Druck erzeugen kann.

Die deutsche Rotation erhöht den Floor, trägt die Mannschaft aber nicht allein aus dem Abstiegskampf.


Coaching und Kontinuität​


Die Verlängerung mit Ramón Díaz ist nachvollziehbar. Er kennt den Standort, gewann in der Schlussphase wichtige Spiele und erhält nun erstmals die Möglichkeit, die Mannschaft nach seinen Vorstellungen zusammenzustellen und durch eine vollständige Vorbereitung zu führen.

Mit Haase holte der Verein zudem einen Spieler, der Díaz bereits kennt. Diese Verbindung kann helfen, die neue Spielidee schneller zu installieren. Der neue Assistant Coach Comas teilt nach Vereinsangaben ähnliche basketballerische Vorstellungen.

Trotzdem sollte die Kontinuität nicht überschätzt werden. Díaz leitete nur einen Teil der vergangenen Saison, mehrere zentrale Spieler sind neu und die künftige Guard-Hierarchie muss erst aufgebaut werden. Es handelt sich um Trainerkontinuität, aber nicht um vollständige System- und Kaderkontinuität.


Internationale Belastung​


Braunschweig hat für 2026/27 keinen internationalen Wettbewerb kommuniziert. Der Pflichtspielauftakt erfolgt am 10. September im BBL-Pokal in Bremerhaven. Dadurch können sich die Löwen vollständig auf die nationalen Wettbewerbe konzentrieren.

Das ist ein relevanter Vorteil gegenüber mehreren direkten Konkurrenten. Ein möglicherweise noch schmaler Kader muss keine zusätzlichen Reisen oder englischen Wochen auffangen. Außerdem erhält das neue Team mehr Trainingszeit, was gerade bei einem neuen Lead Guard und einer weitgehend veränderten Frontcourt-Rotation wichtig ist.


Größte Stärke​


Braunschweig besitzt keinen dominanten Starcenter, kann aber verschiedene Profile kombinieren. Haase bringt Shooting und Passing, Bangala Mobilität und Rebounding, Edigin Erfahrung und Physis, Ščuka Beweglichkeit und Skill.

Diese Vielfalt erlaubt Díaz, seine Lineups an unterschiedliche Gegner anzupassen und sowohl größer als auch beweglicher zu spielen.


Größte Schwäche​


Die Mannschaft hängt offensiv stark von Devin Askew ab. Hinter ihm stehen gute ergänzende Spieler, aber kein Guard, der auf BBL-Niveau bereits konstant Pick-and-Rolls organisiert, Isolationen gewinnt und in der Crunchtime Würfe erzeugt hat.

Sollte keine weitere Verpflichtung erfolgen oder Askew Eingewöhnungszeit benötigen, droht eine der schwächeren Halbfeld-Offensiven der Liga.


Wichtigster Swing Factor: Devin Askew

Kein anderer Spieler verändert die Braunschweiger Prognose so stark.

Wird Askew unmittelbar zu einem überdurchschnittlichen BBL-Lead-Guard, hebt er den gesamten Kader an: Haase erhält offene Pick-and-Pop-Würfe, Bangala wird als Roller gefährlicher, Zylka profitiert als Schütze und Flanigan sowie Ščuka können passendere Nebenrollen übernehmen.

Bleibt Askew dagegen ein inkonstanter Rookie mit Problemen gegen europäischen Ballpressure, fehlt Braunschweig die offensive Basis. Dann wird selbst eine wettbewerbsfähige Defense nur schwer genügend Siege produzieren.

Floor

Im negativen, aber plausiblen Szenario benötigt Askew mehrere Monate zur Anpassung. Die Gegner nehmen ihm die Mitte, Braunschweig produziert zu viele Ballverluste und findet keinen verlässlichen sekundären Creator.

Haases Shooting überträgt sich nur durchschnittlich, Bangala bekommt gegen größere BBL-Center Probleme und der kollektive Ringschutz reicht nicht aus. Die jungen deutschen Spieler liefern Energie, aber keine konstante zusätzliche Creation.

In diesem Szenario gehört Braunschweig offensiv zu den schwächsten Teams der Liga und muss nahezu jeden Sieg über Verteidigung, Rebounding und Einsatz erarbeiten.

Floor: Tabellenplatz 16 bis 18 – unmittelbarer Abstiegskampf.


Realistischer Verlauf

Im wahrscheinlichsten Szenario entwickelt sich Braunschweig zu einer unangenehmen, physischen Mannschaft, die defensiv wettbewerbsfähig ist, aber offensiv erheblichen Schwankungen unterliegt.

Askew zeigt Qualität, ist jedoch noch kein durchgehend effizienter BBL-Star. Haase stabilisiert das Spacing und die Entscheidungsfindung. Bangala und Edigin bilden eine funktionale Centerrotation, während Zylka, Flanigan, Ščuka und Schröder für ausreichend Flügelqualität sorgen.

Die fehlende internationale Belastung und die vorhandene deutsche Rotation verhindern einen vollständigen Absturz. Gleichzeitig fehlen gegenüber den meisten Play-In-Anwärtern Creation, nachgewiesenes Top-End-Talent und offensive Sicherheit.

Realistischer Korridor: Tabellenplatz 14 bis 17.

Braunschweig wäre damit ein ernsthafter Abstiegskandidat, aber nicht automatisch das schwächste Team der Liga.


Ceiling

Das Ceiling wird erreicht, wenn Askew seine Größe und Begabung schnell in hochwertige BBL-Creation übersetzt, Haase als Stretch-Big und Connector funktioniert und Bangalas Athletik vollständig übertragbar ist.

Zusätzlich müsste Ščuka eine größere offensive Rolle übernehmen, Schröder einen deutlichen Entwicklungsschritt machen und die von Díaz angestrebte Verteidigung mindestens im oberen Mittelfeld der Liga landen.

In dieser Version besitzt Braunschweig mehrere flexible Forwards, eine tiefe Big-Man-Rotation, eine brauchbare deutsche Gruppe und genügend Shooting. Das Team könnte dann deutlich früher als erwartet den Klassenerhalt sichern und Kontakt zum Play-In-Bereich aufnehmen.

Für eine echte Playoff-Prognose fehlen jedoch ein zweiter hochwertiger Creator und nachgewiesene offensive Spitzenqualität.

Ceiling: Tabellenplatz 11 bis 14 – unteres Mittelfeld mit Außenseiterchance auf den Play-In-Kontakt.


Gesamturteil​


Offseason-Tendenz:
Ungefähr gleich stark – aber funktional anders konstruiert.

Braunschweig hat die verlorene Qualität von N’Guessan, Crawford und Obiesie nicht eindeutig ersetzt. Dafür ist die Frontcourt-Rotation vielseitiger, die deutsche Centerposition stabiler und die geplante defensive Identität klarer.

Größte Stärke:
Physische und taktisch variable Frontcourt-Rotation.

Größte Schwäche:
Zu wenig nachgewiesene Guard-Creation hinter beziehungsweise neben Devin Askew.

Erwartete Saisonrolle: Abstiegskampf.

Sicherheit der Einschätzung: Niedrig.

Die geringe Sicherheit ergibt sich aus der zum Stichtag noch nicht offiziell abgeschlossenen Kaderplanung, der zentralen Rolle eines Profi-Rookies und der hohen Zahl neu zu definierender Rollen.

Vorläufige Tier-Einordnung

Tier 5: unteres Mittelfeld und Abstiegskampf

Braunschweig besitzt mehr funktionale Substanz, als der Wildcard-Status allein vermuten lässt. Der Kader ist aber zu abhängig von einer einzigen, noch nicht auf BBL-Niveau bestätigten Guard-Wette, um ihn bereits oberhalb der Abstiegskampfgruppe einzuordnen.

Die Löwen haben ihren Floor durch BBL-Erfahrung, deutsche Rotation und Frontcourt-Physis etwas stabilisiert. Zwischen diesem Floor und dem Ceiling liegt dennoch eine große Spannweite. Entscheidend wird nicht sein, ob Bangala ausreichend Rebounds holt oder Edigin seine Rolle erfüllt. Entscheidend wird sein, ob Braunschweig in engen BBL-Spielen jemanden besitzt, der strukturiert den ersten Vorteil erzeugt und am Ende eines Angriffs einen guten Wurf produziert.
 
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Phoenix Hagen​


Phoenix Hagen geht als Hauptrundenerster und Meister der ProA in die Saison 2026/27. Der sportliche Aufstieg wurde Ende Mai durch den Finaleinzug gesichert, am 7. Juni folgte vor 3.145 Zuschauern in der ausverkauften Ischelandhalle die ProA-Meisterschaft. Anschließend erfüllte der Verein auch die noch offenen Bedingungen des BBL-Lizenzverfahrens.

Der engere Profikader ist nach der Verpflichtung von Tyler Polley vollständig. Er umfasst fünf Spieler aus der Aufstiegsmannschaft – Marcus Graves, Bjarne Kraushaar, Fabian Bleck, Marvin Omuvwie und Tim Uhlemann – sowie die Neuzugänge Trenton Gibson, Cameron Krutwig, Adam Kunkel, Anthony Polite und Tyler Polley. Ergänzt wird die Gruppe durch Entwicklungs- und Farmteamspieler wie Nicola Schultze, Jan Razdevšek und Kamari Scott.

Phoenix ist damit kein typischer Aufsteiger, der seinen ProA-Kader weitgehend unverändert in die BBL übernimmt. Der Verein hat den identitätsstiftenden Kern gehalten, die ausländische Rotation aber vollständig auf höheres internationales Niveau ausgerichtet.

Ausgangslage nach 2025/26​


Phoenix beendete die ProA-Hauptrunde mit 28 Siegen aus 34 Spielen auf dem ersten Tabellenplatz. Der direkte Vergleich entschied die punktgleiche Konstellation mit Crailsheim zugunsten der Hagener. In den Playoffs setzte sich Phoenix zunächst mit 3:0 gegen Karlsruhe durch, benötigte anschließend gegen Bremerhaven fünf Spiele und gewann schließlich das in Hin- und Rückspiel ausgetragene Finale gegen Kirchheim.

Die Aufstiegsmannschaft besaß eine ungewöhnlich breite offensive Struktur. Marcus Graves führte das Team als Point Guard, Devin Schmidt war mit 16,0 Punkten der produktivste Scorer, Jeffrey Carroll brachte 12,2 Punkte und 37,6 Prozent Dreierquote ein, während Uhlemann, Kraushaar, Bleck, Omuvwie und Kapitän Dennis Nawrocki die über Jahre gewachsene deutsche Achse bildeten.

Phoenix gewann nicht nur über individuelles Talent. Die Mannschaft verfügte über eine klare Hierarchie, mehrere Ballhandler, viel Shooting und ein ausgeprägtes gemeinschaftliches Selbstverständnis. Headcoach Chris Harris bezeichnet die eigene Kultur wiederholt als „We before me“. Die Aufstiegssaison war deshalb weniger ein kurzfristiger Ausreißer als das Ergebnis eines über Jahre aufgebauten Programms.

Der Sprung von der ProA in die BBL bleibt dennoch erheblich. Viele offensive Vorteile, die Phoenix gegen Zweitligaverteidigungen erzeugte, werden gegen größere, schnellere und taktisch variablere Gegner schwieriger herzustellen sein. Der Meistertitel garantiert deshalb keinen komfortablen Klassenerhalt.


Die Geschichte der Offseason​


Der Aufstiegskern bleibt bestehen

Die wichtigste Personalentscheidung betrifft Marcus Graves. Der 1,85 Meter große Point Guard erzielte in der Aufstiegssaison 13,5 Punkte und 5,4 Assists und stand in allen seinen 44 Pflichtspielen in der Starting Five. Zuvor hatte er bereits mit Trier die ProA-Meisterschaft gewonnen. Graves ist damit der primäre Organisator und wichtigste Führungsspieler der neuen Mannschaft.

Auch Bjarne Kraushaar bleibt. Der deutsche Guard besitzt bereits 106 BBL-Einsätze und absolvierte seit 2022 insgesamt 161 Pflichtspiele für Phoenix. In der vergangenen Saison gelangen ihm mehrere Double-Doubles; über seine gesamte Hagener Zeit kommt er auf durchschnittlich 4,4 Assists. Seine Rolle ist besonders wertvoll, weil er die Mannschaft als deutscher Ballhandler entlastet und neben Graves oder als dessen Backup eingesetzt werden kann.

Tim Uhlemann verlängerte ebenfalls. Er absolvierte alle 45 Pflichtspiele, startete 38-mal und erzielte 10,1 Punkte pro Partie. Mit Fabian Bleck bleibt zudem der mit Abstand erfahrenste BBL-Spieler des Kaders: Bleck hat 373 Bundesliga-Partien bestritten und ist bis 2027 gebunden. Marvin Omuvwie komplettiert den fünfköpfigen Aufstiegskern.

Phoenix hält damit nicht zwingend seine fünf individuell besten Spieler, wohl aber fünf Akteure, die System, Trainer, Standort und Rollenverteilung kennen.

Die neue Guardrotation​


Trenton Gibson war der erste externe Neuzugang. Der Combo Guard erzielte zuletzt in der polnischen ersten Liga 15,0 Punkte, 5,2 Rebounds und 5,6 Assists bei 37,7 Prozent Dreierquote. Er kann neben Graves als physischer Scoring Guard spielen, aber auch selbst Pick-and-Rolls führen.

Adam Kunkel ergänzt ein klareres Shootingprofil. In der vergangenen Saison kam er für Palencia in weniger als 20 Minuten auf 12,7 Punkte und traf 35,5 Prozent seiner Dreier. In der Vorsaison hatte er bei demselben Klub sogar 45,2 Prozent aus der Distanz erzielt. Kunkel spielte dort bereits mit Cameron Krutwig zusammen, was die Integration beider Neuzugänge erleichtern dürfte.

Das interessanteste Profil ist Anthony Polite. Der 1,98 Meter große Schweizer kann mehrere Perimeterpositionen besetzen und erzielte 2022/23 für Hamburg 13,2 Punkte und 5,2 Rebounds in der BBL. Anschließend spielte er in der spanischen ACB und der Basketball Champions League. Polite hat allerdings aufgrund eines Kreuzbandrisses und eines nicht geglückten Comebackversuchs seit zwei Jahren keinen regulären Vereinsbasketball bestritten.

Der neue Frontcourt​


Cameron Krutwig kommt nach einer Saison in der spanischen ACB. Der 2,06 Meter große und 116 Kilogramm schwere Center ist kein klassischer vertikaler Rim Runner, sondern ein spielintelligenter Big Man, der aus dem Post und High Post passen, Blöcke stellen und über Winkel sowie Körperkontrolle abschließen kann. In Palencia hatte er zuvor 11,3 Punkte und 6,8 Rebounds erzielt.

Tyler Polley komplettiert den Profikader als Stretch Four. Der frühere UConn-Spieler besitzt Erfahrung aus Griechenland und der Basketball Champions League. In der G League nahm er zuletzt mehr als die Hälfte seiner Feldwürfe aus der Distanz; ein Jahr zuvor traf er 36,4 Prozent seiner Dreier. Seine Hauptfunktion besteht darin, das Feld für Graves, Gibson, Polite und Krutwig zu öffnen.


Was wurde verloren?​


Der bedeutendste Abgang ist Devin Schmidt. Der Deutsch-Amerikaner war mit 16,0 Punkten der beste Scorer der Aufstiegsmannschaft und wechselt zu ratiopharm ulm. Er verband hochvolumiges Shooting mit sekundärem Playmaking und konnte Spiele durch schwierige Pull-up-Dreier verändern.

Jeffrey Carroll verlässt den Verein ebenfalls. Nach seinem Comeback von einer schweren Knieverletzung absolvierte er alle 45 Pflichtspiele und erzielte 12,2 Punkte bei 37,6 Prozent aus der Distanz. Er brachte Größe, Rebounding, Shot Making und Erfahrung auf dem Flügel ein.

Dennis Nawrocki war als Kapitän und defensiver Energielieferant ein zentraler Teil der Kabinen- und Vereinskultur. Seine 8,0 Punkte und 37,7 Prozent Dreierquote beschreiben nur einen Teil seines Wertes. Auch die Center Lucas N’Guessan und Anzac Rissetto stehen nicht mehr im neuen Profikader. Rissetto kam in der Vorsaison auf 5,8 Punkte und 3,4 Rebounds; N’Guessan lieferte vor allem Ringdruck, Länge und vertikales Finishing.

Phoenix verliert somit:
- seinen Topscorer,
- einen großen Two-Way-Wing,
- den Kapitän,
- beide klassischen Center der Aufstiegsmannschaft,
- einen erheblichen Teil des langjährig gewachsenen Leaderships.

Der gehaltene Kern verhindert einen vollständigen Neustart. Die offensive und defensive Rollenverteilung verändert sich dennoch stärker, als es die Zahl von fünf Rückkehrern vermuten lässt.


Was wurde hinzugewonnen?​


Die Neuzugänge erhöhen die internationale Erfahrung und die offensive Variabilität. Gibson kann scoren und organisieren, Kunkel bewegt sich als Schütze ohne Ball, Polite kann bei voller Gesundheit mehrere Rollen übernehmen, Krutwig bringt Playmaking auf der Centerposition und Polley öffnet als Stretch Four den Raum.

Gegenüber der Vorsaison verfügt Phoenix über mehr potenzielle BBL-Größe auf den Guard- und Wingpositionen. Gibson misst 1,93 Meter, Kunkel 1,93 Meter und Polite 1,98 Meter. Die Mannschaft kann deshalb Lineups mit mehreren ballfähigen Spielern aufstellen, ohne vollständig auf Größe verzichten zu müssen.

Der Kader ist zudem funktional klar gebaut:
- Graves organisiert.
- Gibson erzeugt Ringdruck und sekundäre Creation.
- Kunkel und Polley sorgen für Shooting.
- Polite übernimmt variable Two-Way-Aufgaben.
- Krutwig verbindet die Offense als Passing-Big.
- Kraushaar stabilisiert die zweite Formation.
- Bleck, Omuvwie und Uhlemann liefern Physis, Erfahrung und Kontinuität.

Das ist für einen Aufsteiger eine nachvollziehbare Konstruktion. Die offene Frage betrifft weniger die Rollenpassung als deren Qualität auf BBL-Niveau.


Wahrscheinliche Kaderidee​


Point Guard: Marcus Graves
Shooting Guard: Trenton Gibson
Small Forward: Anthony Polite
Power Forward: Tyler Polley
Center: Cameron Krutwig

Kunkel könnte anstelle von Polite starten, falls Phoenix zu Beginn mehr Shooting benötigt oder Polites Belastung vorsichtig steuert.

Zentrale Bankspieler

- Bjarne Kraushaar
- Adam Kunkel
- Fabian Bleck
- Marvin Omuvwie
- Tim Uhlemann

Die Rotation ist im Kern zehn Spieler tief. Allerdings ist zwischen einer theoretischen Zehnerrotation und zehn Spielern, die gegen BBL-Gegner dauerhaft positive Minuten liefern, zu unterscheiden.


Offensive Analyse​


Phoenix besitzt mehrere Spieler, die einen Angriff initiieren können. Graves ist ein erfahrener Pick-and-Roll-Organisator, Gibson kann als zweiter Ballhandler agieren, Kraushaar führt die Bankformation und Polite kann nach Closeouts Entscheidungen treffen. Damit ist die Mannschaft weniger von einem einzelnen Guard abhängig als einige andere Tier-5-Teams.

Krutwig könnte die Offense erheblich bereichern. Seine Fähigkeit, aus dem High Post zu passen, eröffnet Hand-off-Aktionen mit Kunkel, Gibson oder Graves. Gleichzeitig kann er kleinere Center im Post attackieren und nach offensiven Rebounds zweite Chancen erzeugen.

Das Shooting ist auf dem Papier eine Stärke. Kunkel besitzt nachgewiesenes Volumen, Polley ist ein klarer Stretch Four, Gibson traf zuletzt 37,7 Prozent und Polite erzielte in seiner Hamburger BBL-Saison 37,5 Prozent aus der Distanz. Die belastbare Quote der gesamten Formation bleibt dennoch unsicher, weil mehrere Werte aus kleineren Rollen oder anderen Wettbewerben stammen.

Die zentrale offensive Frage lautet, wer gegen eine vorbereitete BBL-Defense zuverlässig den ersten Vorteil erzeugt. Graves und Gibson haben dies in der ProA beziehungsweise in Polen gezeigt. Beide müssen nun beweisen, dass sie auch gegen größere Point-of-Attack-Verteidiger effizient zum Ring gelangen.

Vorläufige offensive Einordnung: ausreichend Creation und Shooting für das BBL-Mittelfeld, aber ohne nachgewiesenen BBL-Primärscorer.


Defensive Analyse​


Die defensive Konstruktion besitzt interessante Wings, aber keinen klassischen Ringschützer. Polite, Omuvwie und Bleck können physisch verteidigen, Gibson bringt Größe für einen Guard mit und Uhlemann kann unterschiedliche Forwardtypen übernehmen.

Krutwig ist kräftig, intelligent und positionell stabil. Er ist jedoch weder besonders schnell im Raum noch ein vertikaler Shotblocker. Polley bringt Länge, ist mit 97 Kilogramm aber kein physisch dominanter Power Forward. Gegner dürften deshalb versuchen, Krutwig in hohen Pick-and-Rolls zu attackieren oder Phoenix durch schnelle, athletische Center am Ring unter Druck zu setzen.

Phoenix muss defensiv kollektiv funktionieren: gute Ballverteidigung, frühe Hilfe, saubere Box-outs und kontrolliertes Transition-Verhalten. Bricht die erste Verteidigungslinie regelmäßig, besitzt die Mannschaft dahinter wenig natürliche Fehlerkorrektur.

Vorläufige defensive Einordnung: variabel auf den Flügeln, aber mit begrenztem Rim-Protection-Ceiling.


Deutsche und lokale Rotation​


Die vier zentralen deutschen Rotationsspieler sind Kraushaar, Bleck, Omuvwie und Uhlemann. Kraushaar und Bleck besitzen umfangreichen BBL-Nachweis, Uhlemann hat bereits 31 Bundesligaspiele absolviert und Omuvwie bringt Physis sowie defensive Energie ein.

Damit ist die Local-Player-Gruppe erfahrener als bei vielen Aufsteigern. Gleichzeitig fehlt ihr ein deutscher Spieler mit sicherer BBL-Starterproduktion. Bleck ist primär ein Rollenspieler, Kraushaar muss seine gute ProA-Entwicklung erneut auf Erstliganiveau übertragen, und bei Uhlemann sowie Omuvwie ist offen, wie effizient ihre Offense gegen größere Verteidiger bleibt.

Hinter diesen vier Spielern fällt der BBL-Nachweis deutlich ab. Schultze, Razdevšek und Scott sind eher Entwicklungs- beziehungsweise Ergänzungsspieler als feste Teile einer engen Erstligarotation.

Einordnung der deutschen Rotation: solide und erfahren, aber ohne klaren deutschen Leistungsträger im oberen BBL-Regal.

Coaching und Kontinuität​


Chris Harris bleibt Headcoach und arbeitet weiterhin mit Andrius Mikutis, Johannes Hülsmann und Demetrius Ward zusammen. Damit besitzt Phoenix vollständige Trainerkontinuität.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Fünf Kernspieler kennen Harris’ System, seine Kommunikation und die Hagener Kultur. Zudem bestehen Verbindungen zwischen Kunkel und Krutwig sowie zwischen mehreren Neuzugängen und früheren Phoenix-Spielern. Die Mannschaft sollte deshalb schneller eine funktionierende Hierarchie entwickeln als andere neu zusammengestellte Konkurrenten.

Die offene Frage ist Harris’ Anpassung an die BBL. Seine Ideen funktionierten hervorragend in der ProA. Nun muss er Lösungen gegen deutlich größere und athletischere Lineups sowie gegen Trainer finden, die defensive Schwächen gezielter und konsequenter attackieren.


Internationale Belastung​


Phoenix nimmt an keinem europäischen Wettbewerb teil. Der Klub kann seine Wochen daher weitgehend auf Training, Regeneration und die Vorbereitung des nächsten BBL-Gegners ausrichten.

Für einen Aufsteiger mit mehreren neuen Schlüsselspielern ist dies ein bedeutender Vorteil. Während international aktive Konkurrenten zwischen Reisen und Spielen kaum trainieren können, erhält Harris mehr Zeit, die neue Frontcourt-Defense und die veränderte offensive Hierarchie zu entwickeln.


Größte Stärke​


Kontinuität kombiniert mit klarer Rollenpassung

Phoenix hält Trainer, System, Point-Guard-Achse und mehrere Identifikationsfiguren. Gleichzeitig wurden die Importpositionen nicht wahllos mit talentierten Spielern besetzt, sondern mit klar unterscheidbaren Profilen ergänzt.

Der Kader wirkt geplant und nicht zusammengewürfelt.


Größte Schwäche​


Begrenzter Ringschutz und defensive Fehlerkorrektur

Krutwig ist ein intelligenter Center, aber kein vertikaler Defensivanker. Auch hinter ihm steht kein klassischer langer Shotblocker.

Gelingt es Phoenix nicht, den Ball vor sich zu halten und konsequent auszuboxen, könnten BBL-Gegner die Zone und das offensive Brett dominieren.


Wichtigster Swing Factor: Anthony Polite

Polite hat bereits bewiesen, dass er in der BBL zweistellig scoren, rebounden, werfen und mehrere Positionen verteidigen kann. Auf seinem früheren Niveau wäre er möglicherweise der beste Two-Way-Spieler des Kaders.

Nach einem Kreuzbandriss und zwei Jahren ohne regulären Vereinsbasketball ist seine Leistungsfähigkeit jedoch schwer vorherzusagen. Zwischen einer eingeschränkten Rotationsrolle und einem echten BBL-Unterschiedsspieler liegt eine enorme Spannweite.

Kein anderer Spieler verändert Phoenix’ Floor und Ceiling so stark.


Floor

Im negativen Szenario erreicht Polite sein früheres Niveau nicht. Graves und Gibson haben Schwierigkeiten, gegen BBL-Athletik dauerhaft Vorteile zu erzeugen, während Kunkels und Polleys Shooting zu schwankend bleibt.

Defensiv wird Krutwig regelmäßig in Pick-and-Rolls attackiert. Phoenix verliert das Reboundduell, kann die Zone nicht ausreichend schützen und muss offensiv zu viele schwierige Würfe nehmen.

Die Mannschaft bleibt aufgrund ihrer Kontinuität und Heimstärke konkurrenzfähig, verliert aber viele enge Spiele gegen physisch überlegene Gegner.

Floor: Tabellenplatz 16 bis 18 – unmittelbarer Abstiegskampf.


Realistischer Verlauf

Im wahrscheinlichsten Szenario ist Phoenix offensiv besser als ein gewöhnlicher Aufsteiger. Graves, Gibson und Kraushaar sorgen für ausreichend Ballhandling, Krutwig stabilisiert die Halbfeld-Offense und Kunkel sowie Polley erzeugen Spacing.

Polite benötigt Zeit, entwickelt sich im Saisonverlauf aber zu einem brauchbaren Rotationsspieler. Die Defense bleibt durchschnittlich bis unterdurchschnittlich, ohne vollständig einzubrechen.

Phoenix gewinnt viele Heimspiele über Struktur, Atmosphäre und eingespielte Abläufe, hat auswärts aber Probleme gegen besonders athletische Mannschaften.

Realistischer Korridor: Tabellenplatz 13 bis 16.

Der Klassenerhalt ist erreichbar, aber keineswegs selbstverständlich.


Ceiling

Im positiven Szenario bleibt Graves auch in der BBL ein effizienter Lead Guard. Gibson überträgt seine polnische Produktion, Kunkel und Polley treffen hochvolumig und Krutwig etabliert sich als einer der besseren Passing-Center der Liga.

Polite findet annähernd zu seiner Hamburger Form zurück und gibt der Mannschaft genau den großen, vielseitigen Two-Way-Wing, der im restlichen Kader fehlt. Bleck, Kraushaar, Omuvwie und Uhlemann liefern stabile BBL-Minuten.

In dieser Version besitzt Phoenix mehrere Ballhandler, fünf legitime Schützen, einen spielmachenden Center und eine ungewöhnlich eingespielte deutsche Gruppe.

Ceiling: Tabellenplatz 9 bis 12 – Kontakt zum Play-In.

Für eine sichere Play-In-Prognose fehlen allerdings Rim Protection und ein nachgewiesener offensiver BBL-Star.


Gesamturteil​


Phoenix verliert mit Schmidt, Carroll und Nawrocki viel Produktion und Leadership. Die neuen Profile passen jedoch besser zu den Anforderungen der BBL und erhöhen Größe, internationale Erfahrung, Shooting und taktische Variabilität.

Größte Stärke:
Klare Rollen, mehrere Ballhandler und außergewöhnlich viel Kontinuität für einen Aufsteiger.

Größte Schwäche:
Kein verlässlicher Ringschützer und begrenzte defensive Fehlerkorrektur.

Wichtigster Swing Factor:
Anthony Polites Gesundheit und Annäherung an sein früheres BBL-Niveau.

Floor: Platz 16 bis 18.

Realistischer Verlauf: Platz 13 bis 16.

Ceiling: Platz 9 bis 12.

Erwartete Saisonrolle:
Unteres Mittelfeld beziehungsweise Abstiegskampf.

Sicherheit der Einschätzung: Mittel.

Vorläufige Tier-Einordnung

Tier 5: unteres Mittelfeld und Abstiegskampf

Phoenix wirkt von den bisher analysierten Tier-5-Mannschaften am geschlossensten. Der Kader ist vollständig, der Trainer bleibt, fünf wichtige Spieler kennen das System und die neue Importrotation besitzt nachvollziehbare Rollen.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Phoenix auch individuell stärker als die direkten Konkurrenten ist. Die Mannschaft lebt stärker von ihrer Konstruktion als von eindeutigem BBL-Top-End-Talent.

Phoenix ist damit der bisher plausibelste Kandidat, den unmittelbaren Abstiegskampf frühzeitig zu verlassen. Gleichzeitig ist die Mannschaft nur wenige negative Entwicklungen davon entfernt, selbst bis zum Saisonende um den Klassenerhalt spielen zu müssen.
 
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