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Wie seht Ihr Vechta?
Balint ist aber doch Tscheche, oder?BMA365 Bamberg Baskets
Kaum ein Team lässt sich schwieriger aus der Vorsaison fortschreiben. Bamberg gewann den BBL-Pokal, eliminierte Ulm im Viertelfinale mit 3:0 und zwang den späteren Meister ALBA im Halbfinale bis in Spiel fünf. Danach gingen Headcoach Anton Gavel und große Teile jener Mannschaft, die diesen Erfolg möglich gemacht hatte.
Der neue Kader ist offiziell komplett, aber eher Neuaufbau als Weiterentwicklung.
Die Geschichte der Offseason
Der größte Abgang steht an der Seitenlinie. Anton Gavel wechselte vorzeitig zum FC Bayern. Sein Nachfolger Jesús Ramírez bringt allerdings selbst erheblichen BBL-Nachweis mit: Rund 140 Spiele als Headcoach und 2025 die Auszeichnung zum Trainer des Jahres nach Platz drei mit Braunschweig. Unterstützt wird er von Lars Masell.
Ramírez hat bereits eine klare Richtung formuliert: Tempo und eine sehr aggressive Verteidigung. Das passt auffällig gut zu den neuen Profilen.
Auf Point Guard übernimmt Jordan Jones. Er produzierte in der Slowakei 17,8 Punkte, 4,0 Assists und 1,8 Steals, kommt aber aus einer deutlich schwächeren Liga.
Mylik Wilson ist vielleicht der spannendste Guard-Neuzugang: 16,8 Punkte, 4,7 Rebounds, 4,5 Assists und 2,8 Steals in Ungarn. Dazu kommen der physische Two-Way-Wing Jordan Wright, NBA-/G-League-erfahrene Trevon Scott und der athletische Center Hason Ward.
Mit Joshua Obiesie erhält Ramírez außerdem einen großen deutschen Ballhandler, den er bereits länger verpflichten wollte. Obiesie bringt 139 BBL-Spiele mit und kann auf mehreren Perimeterpositionen eingesetzt werden.
Was wurde verloren?
Das ist die entscheidende Seite der Bilanz.
Mit Ibi Watson geht Kapitän, Führungsspieler und wichtiger Crunchtime-Scorer. Austin Crowley entwickelte sich im Saisonverlauf zu einem enorm wertvollen Two-Way-Guard. Moritz Krimmer und EJ Onu wechseln gemeinsam mit Crowley nach Trier. Dazu sind Cobe Williams und weitere wichtige Teile der erfolgreichen Rotation nicht mehr da.
Der Verlust betrifft deshalb nicht nur Punkte:
• Creation
• Shooting
• defensive Automatismen
• Crunchtime-Erfahrung
• Leadership
• gemeinsame Playoff-Erfahrung
• Systemkenntnis unter Gavel
Bamberg ersetzt beinahe die komplette Hierarchie einer Mannschaft, die bereits bewiesen hatte, dass sie Spitzenteams schlagen kann.
Der Sonderfall Demarcus Demonia
Demonia besitzt weiterhin einen Vertrag, seine sportliche Verfügbarkeit ist derzeit jedoch ungeklärt. Bamberg hat ausdrücklich erklärt, den neuen Kader so zusammengestellt zu haben, dass die Mannschaft auch ohne den Pokalfinal-MVP funktionieren kann. Für die Prognose plane ich ihn deshalb nicht als sicheren Bestandteil der Rotation ein.
Sollte er später wieder verfügbar sein, wäre das zusätzliches Ceiling – nicht Bestandteil meines aktuellen Floors.
Wahrscheinliche Kaderidee
Jordan Jones
Mylik Wilson
Jordan Wright
Trevon Scott
Hason Ward
Dahinter stehen unter anderem Obiesie, Richard Balint, Jonathan Bähre und Daniel Keppeler sowie Hochstadter und Terry.
Die wahrscheinliche Starting Five ist fast vollständig neu. Genau darin steckt gleichzeitig das Potenzial und das Risiko.
Offensive Analyse
Bamberg besitzt deutlich mehr Creation, als man bei einem oberflächlichen Blick vermuten könnte.
Jones und Wilson können Pick-and-Rolls führen und selbst abschließen. Obiesie kann als großer Guard zusätzliche Organisation übernehmen. Scott und Wright können nach Closeouts attackieren.
Die Frage ist weniger, ob Bamberg Ballhandler besitzt, sondern auf welchem Niveau diese gegen BBL-Defense funktionieren.
Jones war in der Slowakei dominant, Wilson in Ungarn. Beide müssen nun einen erheblichen Wettbewerbssprung bewältigen. Gerade in der Crunchtime fehlt bislang ein bewiesener BBL-Spieler, von dem klar ist: Gib ihm den Ball und er produziert einen guten Abschluss.
Auch das Shooting sehe ich nicht als automatische Stärke. Die Athletik ist beeindruckend, aber mehrere Schlüsselspieler leben stärker von Drives, Transition und Physis als von Elite-Distanzwurf.
Offensiv dürfte Bamberg dynamisch und schwer auszurechnen sein – aber mit einem deutlich niedrigeren Floor als der letztjährige Kader.
Defensive Analyse
Hier liegt das größte Potenzial.
Wilson sammelte in Ungarn 2,8 Steals pro Spiel. Wright wurde gezielt als defensivstarker, physischer Swingman verpflichtet. Scott bringt Größe und Mobilität auf den Forwardpositionen. Ward war schon am College ein hervorragender Shotblocker und kam in der G League auf 1,7 Blocks pro Spiel.
Ramírez kann mit viel Länge, Athletik und aggressiven Coverages arbeiten.
Bamberg dürfte versuchen, Ballverluste zu erzwingen und daraus Tempo zu entwickeln. Funktioniert das, könnte die Defense sogar schneller greifen als die Offense.
Problematisch wird es, wenn Gegner diese erste Aggressivität überspielen und Bamberg ins strukturierte Halbfeld zwingen. Auch das defensive Rebounding muss sich nach den vielen Veränderungen erst stabilisieren.
Deutsche Rotation
Die Local-Player-Konstruktion ist interessant.
Obiesie besitzt echte BBL-Rotationsqualität. Bähre bringt Erfahrung und defensive Vielseitigkeit, sofern sein Körper hält. Keppeler ist als Backup-Big bewährt. Dazu kommen Balint sowie die Deutsch-Amerikaner Hochstadter und Terry.
Qualitativ sehe ich die deutsche Rotation ordentlich, aber nicht als wesentlichen Wettbewerbsvorteil.
Sie gibt Ramírez jedoch ausreichend Flexibilität, um die Importrotation nach Leistung und Matchup zusammenzustellen.
Coaching und internationale Belastung
Ramírez ist für diesen Umbruch ein wichtiger Floor-Faktor. Er hat bereits gezeigt, dass er junge, athletische Mannschaften entwickeln und defensiv strukturieren kann.
Gleichzeitig kommt die Basketball Champions League hinzu. Bamberg ist direkt für die Gruppenphase qualifiziert und trifft auf Varese, Peristeri und Murcia. Die internationale Belastung ist damit deutlich höher als in der Vorsaison.
Gerade für einen fast komplett neuen Kader bedeutet das weniger Trainingszeit und stärkere Rotationsanforderungen.
Größte Stärke
Athletik und defensive Vielseitigkeit
Jones, Wilson, Wright, Scott und Ward können ein extrem unangenehmes, schnelles Team bilden. Bamberg besitzt die körperlichen Voraussetzungen, Spiele über Defense und Transition zu verändern.
Größte Schwäche
Kaum nachgewiesene BBL-Creation in der neuen Hierarchie
Fast alle zentralen offensiven Rollen müssen aus anderen Wettbewerben übertragen werden.
Wichtigster Swing Factor
Jordan Jones
Wenn Jones seine Rolle als primärer Point Guard sofort auf BBL-Niveau übertragen kann, fällt sehr vieles an seinen Platz.
Dann kann Wilson stärker als Combo Guard spielen, Obiesie muss nicht überorganisieren und die athletischen Bigs bekommen genügend einfache Abschlüsse.
Ist Jones dagegen nur ein durchschnittlicher BBL-Guard, könnte Bamberg offensiv deutlich schwankender werden.
Floor
Die neue Guardhierarchie benötigt Zeit, das Shooting schwankt und die BCL erschwert die Entwicklung.
Die Defense hält Bamberg konkurrenzfähig, aber die Mannschaft verpasst die Playoffs.
Floor: Platz 11–14
Realistischer Verlauf
Ramírez etabliert früh eine gute Defense, Jones und Wilson übertragen ausreichend Creation und die enorme Athletik erzeugt einfache Punkte.
Bamberg spielt erneut um die Postseason, erreicht aber nicht automatisch das Niveau des Pokalsiegers.
Realistisch: Platz 7–10
Ceiling
Jones wird ein überdurchschnittlicher BBL-Lead-Guard, Wilson ein echter Two-Way-Difference-Maker, Ward schützt den Ring und Scott/Wright funktionieren sofort.
Dann besitzt Bamberg wieder genügend Qualität für eine Überraschungssaison.
Ceiling: Platz 4–6 und Halbfinalpotenzial
Gesamturteil
Offseason-Tendenz: deutlich verschlechtert – gemessen am außergewöhnlich erfolgreichen 2025/26-Team.
Größte Stärke: Athletik und defensive Variabilität
Größte Schwäche: ungeklärte BBL-Übertragbarkeit der neuen Creation
Swing Factor: Jordan Jones
Floor: 11–14
Realistisch: 7–10
Ceiling: 4–6
Erwartete Saisonrolle: Play-In-/Playoff-Grenzbereich
Sicherheit: niedrig bis mittel
Tier 4 – aber mit einem Ceiling, das problemlos in Tier 3 reicht.
Bamberg ist für mich eine der größten Wundertüten der Liga weil fast alles, was 2025/26 bereits nachgewiesen funktioniert hat, noch einmal neu bewiesen werden muss.
Ja, Richard Balint ist Tscheche. Kein Plan wie der mir als Local reingerutscht ist. Danke für die Rückmeldung.Balint ist aber doch Tscheche, oder?