BBL Offseason 26/27


Vielen Dank für diese Arbeit! Für mich sind da einige Teams dabei, die völlige Wundertüten sind. Vechta zum Beispiel, genauso aber auch Hamburg oder Frankfurt. Bei Trier bin ich trotzdem erstmal skeptischer. Das zweite Jahr ist immer deutlich schwieriger und man hat in der zweiten Saisonhälfte schon gesehen, dass sich Teams viel besser auf das Run and Gun einstellen konnten.

Ganz entscheidend wird sein, wie die einzelnen Teams die Doppelbelastung packen. Inzwischen spielt ja mehr als die Hälfte der Liga international und einige davon auch zum ersten Mal, wie Trier, Frankfurt oder die Belastung wird deutlich größer wie bei Rostock. Da wird es auch einige Schedule W/Ls geben.
 
Danke dir für Deine Einschätzung.

Genau das macht für mich den Reiz an diesen Predictions aus.

Trier ist da ein super Beispiel: Auf dem Papier gefällt mir der Kader richtig gut, aber das zweite Jahr wird wie Du sagst sicher schwieriger. Die Gegner kennen den Stil besser, der Überraschungseffekt ist weg und die Doppelbelastung kommt dazu.

Teamchemie, Verletzungen, Form, Belastungssteuerung oder eben diese typischen Schedule-Wins und -Losses kann man im August kaum seriös einpreisen.

Gerade deshalb freue ich mich jetzt schon darauf, während der Saison und am Ende nochmal auf die Einschätzungen zu schauen und zu sehen, wie sehr ich danebenlag.

Sollte dieser Thread also irgendwann gelöscht sein, dann wahrscheinlich aus Frust und Scham 😀
 

RASTA Vechta​

Vechta bleibt für mich ein starkes Team, aber nicht mehr in der unmittelbaren Top-4-Gruppe. Der Kader ist tief, flexibel und besitzt viel deutsche Qualität. Gleichzeitig gingen mit Alonzo Verge, Tevin Brown und TJ Bamba genau jene Spieler verloren, die zuletzt einen Großteil der Creation und des Shot Makings getragen haben.

Der neue Kader ist deshalb nicht schwach – aber offensiv weniger bewiesen.

Ausgangslage​

Vechta beendete die vergangene Saison auf Platz sieben, setzte sich im Play-In klar gegen Trier durch und zwang ALBA anschließend im Viertelfinale bis in Spiel fünf.

Das starke Saisonende war vor allem deshalb bemerkenswert, weil RASTA zuvor lange sehr wechselhaft gespielt hatte. Erst im Frühjahr entstand eine klare offensive Hierarchie und eine aggressive, schnelle Identität.

Genau diese Mannschaft gibt es nun aber nicht mehr unverändert.

Die Geschichte der Offseason​

Die wichtigste Konstante ist Tommy Kuhse. Er hat bereits bewiesen, dass er eine BBL-Offense führen kann und dürfte wieder deutlich mehr organisatorische Verantwortung übernehmen.

Dazu kommt D’Mitrik Trice, der zuletzt starke Zahlen in der ABA League 2 aufgelegt hat und als zweiter Creator sowie Shot Maker eingeplant ist.

Auf den Wings verstärken Matt Lewis, Armaan Franklin und Justin Edler-Davis den Kader. Lewis bringt Shooting und Defense, Franklin Größe und Vielseitigkeit, Edler-Davis Physis, Rebounding und potenziell ebenfalls Distanzwurf.

Im Frontcourt bleibt die Achse um Tibor Pleiß, Philipp Herkenhoff und Lars Thiemann bestehen. Damit besitzt Vechta sowohl Stretch-Five-Optionen als auch klassische Center- und Small-Ball-Varianten.

Was wurde verloren?​

Der Verlust von Verge, Brown und Bamba ist enorm.

Verge war nicht nur Topscorer, sondern der zentrale Advantage Creator. Brown brachte hochvolumiges Shooting und Bamba entwickelte sich zum Saisonende zu einem der explosivsten Scorer des Teams.

Damit verliert Vechta:
• primäre Creation
• Crunchtime-Scoring
• Pull-up-Shooting
• Wing-Athletik
• offensive Spitzenproduktion

Das ist der Hauptgrund, warum ich Vechta nicht mehr automatisch in Tier 2 sehe.

Was wurde hinzugewonnen?​

Der neue Kader verteilt Verantwortung auf mehr Spieler.

Kuhse und Trice können beide Pick-and-Rolls führen. Lewis, Franklin und Edler-Davis bringen unterschiedliche Wingprofile. Pleiß öffnet den Raum, Herkenhoff verbindet Positionen und Thiemann sorgt für Größe und vertikalen Druck.

Vechta wirkt dadurch ausgeglichener und tiefer, aber möglicherweise weniger dominant an der Spitze.

Wahrscheinliche Kaderidee​


Tommy Kuhse
D’Mitrik Trice
Matt Lewis
Philipp Herkenhoff
Tibor Pleiß

Franklin und Edler-Davis sind klare Alternativen auf den Wings, Thiemann auf Center.

Offensive Analyse​

Vechta hat kein grundsätzliches Creation-Problem. Kuhse ist ein bewährter BBL-Playmaker und Trice kann ebenfalls organisieren.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Wer erzeugt gegen eine vorbereitete Topverteidigung aus dem Nichts einen guten Abschluss?

Genau dafür war Verge zuletzt enorm wertvoll.

Trice kann diese Rolle übernehmen, muss aber erst beweisen, dass seine bisherige Produktion vollständig auf BBL-Niveau übertragbar ist.

Das Shooting-Potenzial ist ordentlich. Pleiß zwingt Center aus der Zone, Lewis ist ein starker Distanzschütze und auch Trice sowie Edler-Davis können Spacing erzeugen.

Offensiv sehe ich Vechta deshalb weiterhin im oberen Ligendrittel – nur mit weniger gesicherter Spitzen-Creation.

Defensive Analyse​

Defensiv gefällt mir der Kader sogar sehr gut.

Lewis, Franklin und Edler-Davis bringen Größe und Physis auf den Flügeln. Herkenhoff kann mehrere Positionen verteidigen. Thiemann ist beweglicher als Pleiß, während Pleiß mit 2,18 Metern Länge und Präsenz am Ring gibt.

Held kann zwischen größeren, langsameren und kleineren, beweglicheren Formationen wechseln.

Das defensive Ceiling ist deshalb hoch, sofern die neue Perimeterrotation schnell zusammenfindet.

Deutsche Rotation​

Hier liegt eine klare Stärke.

Pleiß, Herkenhoff und Thiemann sind drei belastbare deutsche beziehungsweise lokale Rotationsspieler im Frontcourt. Dazu kommen Hemschemeier, Lanmüller, Sabally und weitere junge Spieler.

Vechta muss keine schwachen Minuten nur aus regulatorischen Gründen erzwingen.

Die deutsche Rotation ist klar überdurchschnittlich tief, auch wenn hinter Pleiß kein weiterer deutscher Star vorhanden ist.

Coaching und Belastung​

Christian Held bleibt Headcoach und muss kein völlig neues System installieren. Das reduziert das Integrationsrisiko.

Problematisch ist dagegen die frühe BCL-Qualifikation. Vechta muss deutlich früher als viele Konkurrenten wettbewerbsfähig sein, obwohl mehrere zentrale offensive Rollen neu verteilt werden.

Das kann die Vorbereitung erschweren, gleichzeitig aber auch früh Klarheit in die Hierarchie bringen.

Größte Stärke​

Tiefe und Rollenbalance
Vechta besitzt zwei echte Ballhandler, mehrere große Wings, unterschiedliche Centerprofile und eine starke deutsche Basis.

Größte Schwäche​

Fehlende nachgewiesene Top-End-Creation
Die Abgänge haben genau die Spieler betroffen, die enge Spiele entscheiden konnten. Diese Qualität muss erst neu entstehen.

Wichtigster Swing Factor​

: D’Mitrik Trice

Wenn Trice seine bisherige Produktion auf BBL-Niveau überträgt, besitzt Vechta wieder zwei starke Creator und ausreichend Shot Making für einen Top-4-Angriff.

Bleibt er eher ein guter Rotationsguard, fehlt gegenüber den besten Teams individuelle Spitzenqualität.

Floor​

Trice braucht Anpassungszeit, Franklin bleibt offensiv inkonstant und Pleiß verpasst einzelne Spiele.

Die Tiefe verhindert den Absturz, aber Vechta rutscht in den Play-In-Kampf.

Floor: Platz 9–12

Realistischer Verlauf​

Kuhse und Trice funktionieren als Guardduo, die Wingrotation ist stabil und der Frontcourt gehört zu den besseren der Liga.

Vechta spielt um die direkten Playoffs, bleibt aber etwas hinter den absoluten Spitzenteams.
Realistisch: Platz 6–9

Ceiling​

Trice wird ein echter Difference Maker, Lewis trifft hochprozentig, Franklin entwickelt sich zum Two-Way-Wing und Pleiß bleibt gesund.

Dann kann Vechta erneut Heimrecht angreifen.
Ceiling: Platz 3–5

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: leicht verschlechtert
Nicht weil schlecht rekrutiert wurde, sondern weil außergewöhnlich viel bewiesene BBL-Produktion verloren ging.

Größte Stärke: Tiefe, Rollenbalance, deutsche Rotation
Größte Schwäche: fehlende gesicherte Top-End-Creation
Swing Factor: D’Mitrik Trice
Floor: 9–12
Realistisch: 6–9
Ceiling: 3–5
Erwartete Saisonrolle: Playoff-/obere Play-In-Gruppe
Sicherheit: mittel

Vechta ist für mich damit kein klarer Top-4-Favorit – aber eines jener Teams, die bei funktionierender neuer Guardhierarchie sehr schnell wieder in genau diese Region vorstoßen können.
 

BMA365 Bamberg Baskets​

Kaum ein Team lässt sich schwieriger aus der Vorsaison fortschreiben. Bamberg gewann den BBL-Pokal, eliminierte Ulm im Viertelfinale mit 3:0 und zwang den späteren Meister ALBA im Halbfinale bis in Spiel fünf. Danach gingen Headcoach Anton Gavel und große Teile jener Mannschaft, die diesen Erfolg möglich gemacht hatte.

Der neue Kader ist offiziell komplett, aber eher Neuaufbau als Weiterentwicklung.

Die Geschichte der Offseason​

Der größte Abgang steht an der Seitenlinie. Anton Gavel wechselte vorzeitig zum FC Bayern. Sein Nachfolger Jesús Ramírez bringt allerdings selbst erheblichen BBL-Nachweis mit: Rund 140 Spiele als Headcoach und 2025 die Auszeichnung zum Trainer des Jahres nach Platz drei mit Braunschweig. Unterstützt wird er von Lars Masell.

Ramírez hat bereits eine klare Richtung formuliert: Tempo und eine sehr aggressive Verteidigung. Das passt auffällig gut zu den neuen Profilen.

Auf Point Guard übernimmt Jordan Jones. Er produzierte in der Slowakei 17,8 Punkte, 4,0 Assists und 1,8 Steals, kommt aber aus einer deutlich schwächeren Liga.

Mylik Wilson ist vielleicht der spannendste Guard-Neuzugang: 16,8 Punkte, 4,7 Rebounds, 4,5 Assists und 2,8 Steals in Ungarn. Dazu kommen der physische Two-Way-Wing Jordan Wright, NBA-/G-League-erfahrene Trevon Scott und der athletische Center Hason Ward.

Mit Joshua Obiesie erhält Ramírez außerdem einen großen deutschen Ballhandler, den er bereits länger verpflichten wollte. Obiesie bringt 139 BBL-Spiele mit und kann auf mehreren Perimeterpositionen eingesetzt werden.

Was wurde verloren?​

Das ist die entscheidende Seite der Bilanz.

Mit Ibi Watson geht Kapitän, Führungsspieler und wichtiger Crunchtime-Scorer. Austin Crowley entwickelte sich im Saisonverlauf zu einem enorm wertvollen Two-Way-Guard. Moritz Krimmer und EJ Onu wechseln gemeinsam mit Crowley nach Trier. Dazu sind Cobe Williams und weitere wichtige Teile der erfolgreichen Rotation nicht mehr da.

Der Verlust betrifft deshalb nicht nur Punkte:
• Creation
• Shooting
• defensive Automatismen
• Crunchtime-Erfahrung
• Leadership
• gemeinsame Playoff-Erfahrung
• Systemkenntnis unter Gavel

Bamberg ersetzt beinahe die komplette Hierarchie einer Mannschaft, die bereits bewiesen hatte, dass sie Spitzenteams schlagen kann.

Der Sonderfall Demarcus Demonia​

Demonia besitzt weiterhin einen Vertrag, seine sportliche Verfügbarkeit ist derzeit jedoch ungeklärt. Bamberg hat ausdrücklich erklärt, den neuen Kader so zusammengestellt zu haben, dass die Mannschaft auch ohne den Pokalfinal-MVP funktionieren kann. Für die Prognose plane ich ihn deshalb nicht als sicheren Bestandteil der Rotation ein.

Sollte er später wieder verfügbar sein, wäre das zusätzliches Ceiling – nicht Bestandteil meines aktuellen Floors.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Jordan Jones
Mylik Wilson
Jordan Wright
Trevon Scott
Hason Ward

Dahinter stehen unter anderem Obiesie, Richard Balint, Jonathan Bähre und Daniel Keppeler sowie Hochstadter und Terry.

Die wahrscheinliche Starting Five ist fast vollständig neu. Genau darin steckt gleichzeitig das Potenzial und das Risiko.

Offensive Analyse​

Bamberg besitzt deutlich mehr Creation, als man bei einem oberflächlichen Blick vermuten könnte.

Jones und Wilson können Pick-and-Rolls führen und selbst abschließen. Obiesie kann als großer Guard zusätzliche Organisation übernehmen. Scott und Wright können nach Closeouts attackieren.

Die Frage ist weniger, ob Bamberg Ballhandler besitzt, sondern auf welchem Niveau diese gegen BBL-Defense funktionieren.

Jones war in der Slowakei dominant, Wilson in Ungarn. Beide müssen nun einen erheblichen Wettbewerbssprung bewältigen. Gerade in der Crunchtime fehlt bislang ein bewiesener BBL-Spieler, von dem klar ist: Gib ihm den Ball und er produziert einen guten Abschluss.

Auch das Shooting sehe ich nicht als automatische Stärke. Die Athletik ist beeindruckend, aber mehrere Schlüsselspieler leben stärker von Drives, Transition und Physis als von Elite-Distanzwurf.

Offensiv dürfte Bamberg dynamisch und schwer auszurechnen sein – aber mit einem deutlich niedrigeren Floor als der letztjährige Kader.

Defensive Analyse​

Hier liegt das größte Potenzial.

Wilson sammelte in Ungarn 2,8 Steals pro Spiel. Wright wurde gezielt als defensivstarker, physischer Swingman verpflichtet. Scott bringt Größe und Mobilität auf den Forwardpositionen. Ward war schon am College ein hervorragender Shotblocker und kam in der G League auf 1,7 Blocks pro Spiel.

Ramírez kann mit viel Länge, Athletik und aggressiven Coverages arbeiten.

Bamberg dürfte versuchen, Ballverluste zu erzwingen und daraus Tempo zu entwickeln. Funktioniert das, könnte die Defense sogar schneller greifen als die Offense.

Problematisch wird es, wenn Gegner diese erste Aggressivität überspielen und Bamberg ins strukturierte Halbfeld zwingen. Auch das defensive Rebounding muss sich nach den vielen Veränderungen erst stabilisieren.

Deutsche Rotation​

Die Local-Player-Konstruktion ist interessant.

Obiesie besitzt echte BBL-Rotationsqualität. Bähre bringt Erfahrung und defensive Vielseitigkeit, sofern sein Körper hält. Keppeler ist als Backup-Big bewährt. Dazu kommen die Deutsch-Amerikaner Hochstadter und Terry.

Qualitativ sehe ich die deutsche Rotation ordentlich, aber nicht als wesentlichen Wettbewerbsvorteil.

Sie gibt Ramírez jedoch ausreichend Flexibilität, um die Importrotation nach Leistung und Matchup zusammenzustellen.

Coaching und internationale Belastung​

Ramírez ist für diesen Umbruch ein wichtiger Floor-Faktor. Er hat bereits gezeigt, dass er junge, athletische Mannschaften entwickeln und defensiv strukturieren kann.

Gleichzeitig kommt die Basketball Champions League hinzu. Bamberg ist direkt für die Gruppenphase qualifiziert und trifft auf Varese, Peristeri und Murcia. Die internationale Belastung ist damit deutlich höher als in der Vorsaison.

Gerade für einen fast komplett neuen Kader bedeutet das weniger Trainingszeit und stärkere Rotationsanforderungen.

Größte Stärke​

Athletik und defensive Vielseitigkeit
Jones, Wilson, Wright, Scott und Ward können ein extrem unangenehmes, schnelles Team bilden. Bamberg besitzt die körperlichen Voraussetzungen, Spiele über Defense und Transition zu verändern.

Größte Schwäche​

Kaum nachgewiesene BBL-Creation in der neuen Hierarchie

Fast alle zentralen offensiven Rollen müssen aus anderen Wettbewerben übertragen werden.

Wichtigster Swing Factor​

Jordan Jones

Wenn Jones seine Rolle als primärer Point Guard sofort auf BBL-Niveau übertragen kann, fällt sehr vieles an seinen Platz.

Dann kann Wilson stärker als Combo Guard spielen, Obiesie muss nicht überorganisieren und die athletischen Bigs bekommen genügend einfache Abschlüsse.

Ist Jones dagegen nur ein durchschnittlicher BBL-Guard, könnte Bamberg offensiv deutlich schwankender werden.

Floor​

Die neue Guardhierarchie benötigt Zeit, das Shooting schwankt und die BCL erschwert die Entwicklung.

Die Defense hält Bamberg konkurrenzfähig, aber die Mannschaft verpasst die Playoffs.

Floor: Platz 11–14

Realistischer Verlauf​

Ramírez etabliert früh eine gute Defense, Jones und Wilson übertragen ausreichend Creation und die enorme Athletik erzeugt einfache Punkte.

Bamberg spielt erneut um die Postseason, erreicht aber nicht automatisch das Niveau des Pokalsiegers.

Realistisch: Platz 7–10

Ceiling​

Jones wird ein überdurchschnittlicher BBL-Lead-Guard, Wilson ein echter Two-Way-Difference-Maker, Ward schützt den Ring und Scott/Wright funktionieren sofort.

Dann besitzt Bamberg wieder genügend Qualität für eine Überraschungssaison.

Ceiling: Platz 4–6 und Halbfinalpotenzial

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: deutlich verschlechtert – gemessen am außergewöhnlich erfolgreichen 2025/26-Team.

Größte Stärke: Athletik und defensive Variabilität
Größte Schwäche: ungeklärte BBL-Übertragbarkeit der neuen Creation
Swing Factor: Jordan Jones
Floor: 11–14
Realistisch: 7–10
Ceiling: 4–6
Erwartete Saisonrolle: Play-In-/Playoff-Grenzbereich
Sicherheit: niedrig bis mittel

Tier 4 – aber mit einem Ceiling, das problemlos in Tier 3 reicht.

Bamberg ist für mich eine der größten Wundertüten der Liga weil fast alles, was 2025/26 bereits nachgewiesen funktioniert hat, noch einmal neu bewiesen werden muss.
 
Zuletzt bearbeitet:

BMA365 Bamberg Baskets​

Kaum ein Team lässt sich schwieriger aus der Vorsaison fortschreiben. Bamberg gewann den BBL-Pokal, eliminierte Ulm im Viertelfinale mit 3:0 und zwang den späteren Meister ALBA im Halbfinale bis in Spiel fünf. Danach gingen Headcoach Anton Gavel und große Teile jener Mannschaft, die diesen Erfolg möglich gemacht hatte.

Der neue Kader ist offiziell komplett, aber eher Neuaufbau als Weiterentwicklung.

Die Geschichte der Offseason​

Der größte Abgang steht an der Seitenlinie. Anton Gavel wechselte vorzeitig zum FC Bayern. Sein Nachfolger Jesús Ramírez bringt allerdings selbst erheblichen BBL-Nachweis mit: Rund 140 Spiele als Headcoach und 2025 die Auszeichnung zum Trainer des Jahres nach Platz drei mit Braunschweig. Unterstützt wird er von Lars Masell.

Ramírez hat bereits eine klare Richtung formuliert: Tempo und eine sehr aggressive Verteidigung. Das passt auffällig gut zu den neuen Profilen.

Auf Point Guard übernimmt Jordan Jones. Er produzierte in der Slowakei 17,8 Punkte, 4,0 Assists und 1,8 Steals, kommt aber aus einer deutlich schwächeren Liga.

Mylik Wilson ist vielleicht der spannendste Guard-Neuzugang: 16,8 Punkte, 4,7 Rebounds, 4,5 Assists und 2,8 Steals in Ungarn. Dazu kommen der physische Two-Way-Wing Jordan Wright, NBA-/G-League-erfahrene Trevon Scott und der athletische Center Hason Ward.

Mit Joshua Obiesie erhält Ramírez außerdem einen großen deutschen Ballhandler, den er bereits länger verpflichten wollte. Obiesie bringt 139 BBL-Spiele mit und kann auf mehreren Perimeterpositionen eingesetzt werden.

Was wurde verloren?​

Das ist die entscheidende Seite der Bilanz.

Mit Ibi Watson geht Kapitän, Führungsspieler und wichtiger Crunchtime-Scorer. Austin Crowley entwickelte sich im Saisonverlauf zu einem enorm wertvollen Two-Way-Guard. Moritz Krimmer und EJ Onu wechseln gemeinsam mit Crowley nach Trier. Dazu sind Cobe Williams und weitere wichtige Teile der erfolgreichen Rotation nicht mehr da.

Der Verlust betrifft deshalb nicht nur Punkte:
• Creation
• Shooting
• defensive Automatismen
• Crunchtime-Erfahrung
• Leadership
• gemeinsame Playoff-Erfahrung
• Systemkenntnis unter Gavel

Bamberg ersetzt beinahe die komplette Hierarchie einer Mannschaft, die bereits bewiesen hatte, dass sie Spitzenteams schlagen kann.

Der Sonderfall Demarcus Demonia​

Demonia besitzt weiterhin einen Vertrag, seine sportliche Verfügbarkeit ist derzeit jedoch ungeklärt. Bamberg hat ausdrücklich erklärt, den neuen Kader so zusammengestellt zu haben, dass die Mannschaft auch ohne den Pokalfinal-MVP funktionieren kann. Für die Prognose plane ich ihn deshalb nicht als sicheren Bestandteil der Rotation ein.

Sollte er später wieder verfügbar sein, wäre das zusätzliches Ceiling – nicht Bestandteil meines aktuellen Floors.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Jordan Jones
Mylik Wilson
Jordan Wright
Trevon Scott
Hason Ward

Dahinter stehen unter anderem Obiesie, Richard Balint, Jonathan Bähre und Daniel Keppeler sowie Hochstadter und Terry.

Die wahrscheinliche Starting Five ist fast vollständig neu. Genau darin steckt gleichzeitig das Potenzial und das Risiko.

Offensive Analyse​

Bamberg besitzt deutlich mehr Creation, als man bei einem oberflächlichen Blick vermuten könnte.

Jones und Wilson können Pick-and-Rolls führen und selbst abschließen. Obiesie kann als großer Guard zusätzliche Organisation übernehmen. Scott und Wright können nach Closeouts attackieren.

Die Frage ist weniger, ob Bamberg Ballhandler besitzt, sondern auf welchem Niveau diese gegen BBL-Defense funktionieren.

Jones war in der Slowakei dominant, Wilson in Ungarn. Beide müssen nun einen erheblichen Wettbewerbssprung bewältigen. Gerade in der Crunchtime fehlt bislang ein bewiesener BBL-Spieler, von dem klar ist: Gib ihm den Ball und er produziert einen guten Abschluss.

Auch das Shooting sehe ich nicht als automatische Stärke. Die Athletik ist beeindruckend, aber mehrere Schlüsselspieler leben stärker von Drives, Transition und Physis als von Elite-Distanzwurf.

Offensiv dürfte Bamberg dynamisch und schwer auszurechnen sein – aber mit einem deutlich niedrigeren Floor als der letztjährige Kader.

Defensive Analyse​

Hier liegt das größte Potenzial.

Wilson sammelte in Ungarn 2,8 Steals pro Spiel. Wright wurde gezielt als defensivstarker, physischer Swingman verpflichtet. Scott bringt Größe und Mobilität auf den Forwardpositionen. Ward war schon am College ein hervorragender Shotblocker und kam in der G League auf 1,7 Blocks pro Spiel.

Ramírez kann mit viel Länge, Athletik und aggressiven Coverages arbeiten.

Bamberg dürfte versuchen, Ballverluste zu erzwingen und daraus Tempo zu entwickeln. Funktioniert das, könnte die Defense sogar schneller greifen als die Offense.

Problematisch wird es, wenn Gegner diese erste Aggressivität überspielen und Bamberg ins strukturierte Halbfeld zwingen. Auch das defensive Rebounding muss sich nach den vielen Veränderungen erst stabilisieren.

Deutsche Rotation​

Die Local-Player-Konstruktion ist interessant.

Obiesie besitzt echte BBL-Rotationsqualität. Bähre bringt Erfahrung und defensive Vielseitigkeit, sofern sein Körper hält. Keppeler ist als Backup-Big bewährt. Dazu kommen Balint sowie die Deutsch-Amerikaner Hochstadter und Terry.

Qualitativ sehe ich die deutsche Rotation ordentlich, aber nicht als wesentlichen Wettbewerbsvorteil.

Sie gibt Ramírez jedoch ausreichend Flexibilität, um die Importrotation nach Leistung und Matchup zusammenzustellen.

Coaching und internationale Belastung​

Ramírez ist für diesen Umbruch ein wichtiger Floor-Faktor. Er hat bereits gezeigt, dass er junge, athletische Mannschaften entwickeln und defensiv strukturieren kann.

Gleichzeitig kommt die Basketball Champions League hinzu. Bamberg ist direkt für die Gruppenphase qualifiziert und trifft auf Varese, Peristeri und Murcia. Die internationale Belastung ist damit deutlich höher als in der Vorsaison.

Gerade für einen fast komplett neuen Kader bedeutet das weniger Trainingszeit und stärkere Rotationsanforderungen.

Größte Stärke​

Athletik und defensive Vielseitigkeit
Jones, Wilson, Wright, Scott und Ward können ein extrem unangenehmes, schnelles Team bilden. Bamberg besitzt die körperlichen Voraussetzungen, Spiele über Defense und Transition zu verändern.

Größte Schwäche​

Kaum nachgewiesene BBL-Creation in der neuen Hierarchie

Fast alle zentralen offensiven Rollen müssen aus anderen Wettbewerben übertragen werden.

Wichtigster Swing Factor​

Jordan Jones

Wenn Jones seine Rolle als primärer Point Guard sofort auf BBL-Niveau übertragen kann, fällt sehr vieles an seinen Platz.

Dann kann Wilson stärker als Combo Guard spielen, Obiesie muss nicht überorganisieren und die athletischen Bigs bekommen genügend einfache Abschlüsse.

Ist Jones dagegen nur ein durchschnittlicher BBL-Guard, könnte Bamberg offensiv deutlich schwankender werden.

Floor​

Die neue Guardhierarchie benötigt Zeit, das Shooting schwankt und die BCL erschwert die Entwicklung.

Die Defense hält Bamberg konkurrenzfähig, aber die Mannschaft verpasst die Playoffs.

Floor: Platz 11–14

Realistischer Verlauf​

Ramírez etabliert früh eine gute Defense, Jones und Wilson übertragen ausreichend Creation und die enorme Athletik erzeugt einfache Punkte.

Bamberg spielt erneut um die Postseason, erreicht aber nicht automatisch das Niveau des Pokalsiegers.

Realistisch: Platz 7–10

Ceiling​

Jones wird ein überdurchschnittlicher BBL-Lead-Guard, Wilson ein echter Two-Way-Difference-Maker, Ward schützt den Ring und Scott/Wright funktionieren sofort.

Dann besitzt Bamberg wieder genügend Qualität für eine Überraschungssaison.

Ceiling: Platz 4–6 und Halbfinalpotenzial

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: deutlich verschlechtert – gemessen am außergewöhnlich erfolgreichen 2025/26-Team.

Größte Stärke: Athletik und defensive Variabilität
Größte Schwäche: ungeklärte BBL-Übertragbarkeit der neuen Creation
Swing Factor: Jordan Jones
Floor: 11–14
Realistisch: 7–10
Ceiling: 4–6
Erwartete Saisonrolle: Play-In-/Playoff-Grenzbereich
Sicherheit: niedrig bis mittel

Tier 4 – aber mit einem Ceiling, das problemlos in Tier 3 reicht.

Bamberg ist für mich eine der größten Wundertüten der Liga weil fast alles, was 2025/26 bereits nachgewiesen funktioniert hat, noch einmal neu bewiesen werden muss.
Balint ist aber doch Tscheche, oder?
 
Oben