BBL Offseason 26/27


Vielen Dank für diese Arbeit! Für mich sind da einige Teams dabei, die völlige Wundertüten sind. Vechta zum Beispiel, genauso aber auch Hamburg oder Frankfurt. Bei Trier bin ich trotzdem erstmal skeptischer. Das zweite Jahr ist immer deutlich schwieriger und man hat in der zweiten Saisonhälfte schon gesehen, dass sich Teams viel besser auf das Run and Gun einstellen konnten.

Ganz entscheidend wird sein, wie die einzelnen Teams die Doppelbelastung packen. Inzwischen spielt ja mehr als die Hälfte der Liga international und einige davon auch zum ersten Mal, wie Trier, Frankfurt oder die Belastung wird deutlich größer wie bei Rostock. Da wird es auch einige Schedule W/Ls geben.
 
Danke dir für Deine Einschätzung.

Genau das macht für mich den Reiz an diesen Predictions aus.

Trier ist da ein super Beispiel: Auf dem Papier gefällt mir der Kader richtig gut, aber das zweite Jahr wird wie Du sagst sicher schwieriger. Die Gegner kennen den Stil besser, der Überraschungseffekt ist weg und die Doppelbelastung kommt dazu.

Teamchemie, Verletzungen, Form, Belastungssteuerung oder eben diese typischen Schedule-Wins und -Losses kann man im August kaum seriös einpreisen.

Gerade deshalb freue ich mich jetzt schon darauf, während der Saison und am Ende nochmal auf die Einschätzungen zu schauen und zu sehen, wie sehr ich danebenlag.

Sollte dieser Thread also irgendwann gelöscht sein, dann wahrscheinlich aus Frust und Scham 😀
 

RASTA Vechta​

Vechta bleibt für mich ein starkes Team, aber nicht mehr in der unmittelbaren Top-4-Gruppe. Der Kader ist tief, flexibel und besitzt viel deutsche Qualität. Gleichzeitig gingen mit Alonzo Verge, Tevin Brown und TJ Bamba genau jene Spieler verloren, die zuletzt einen Großteil der Creation und des Shot Makings getragen haben.

Der neue Kader ist deshalb nicht schwach – aber offensiv weniger bewiesen.

Ausgangslage​

Vechta beendete die vergangene Saison auf Platz sieben, setzte sich im Play-In klar gegen Trier durch und zwang ALBA anschließend im Viertelfinale bis in Spiel fünf.

Das starke Saisonende war vor allem deshalb bemerkenswert, weil RASTA zuvor lange sehr wechselhaft gespielt hatte. Erst im Frühjahr entstand eine klare offensive Hierarchie und eine aggressive, schnelle Identität.

Genau diese Mannschaft gibt es nun aber nicht mehr unverändert.

Die Geschichte der Offseason​

Die wichtigste Konstante ist Tommy Kuhse. Er hat bereits bewiesen, dass er eine BBL-Offense führen kann und dürfte wieder deutlich mehr organisatorische Verantwortung übernehmen.

Dazu kommt D’Mitrik Trice, der zuletzt starke Zahlen in der ABA League 2 aufgelegt hat und als zweiter Creator sowie Shot Maker eingeplant ist.

Auf den Wings verstärken Matt Lewis, Armaan Franklin und Justin Edler-Davis den Kader. Lewis bringt Shooting und Defense, Franklin Größe und Vielseitigkeit, Edler-Davis Physis, Rebounding und potenziell ebenfalls Distanzwurf.

Im Frontcourt bleibt die Achse um Tibor Pleiß, Philipp Herkenhoff und Lars Thiemann bestehen. Damit besitzt Vechta sowohl Stretch-Five-Optionen als auch klassische Center- und Small-Ball-Varianten.

Was wurde verloren?​

Der Verlust von Verge, Brown und Bamba ist enorm.

Verge war nicht nur Topscorer, sondern der zentrale Advantage Creator. Brown brachte hochvolumiges Shooting und Bamba entwickelte sich zum Saisonende zu einem der explosivsten Scorer des Teams.

Damit verliert Vechta:
• primäre Creation
• Crunchtime-Scoring
• Pull-up-Shooting
• Wing-Athletik
• offensive Spitzenproduktion

Das ist der Hauptgrund, warum ich Vechta nicht mehr automatisch in Tier 2 sehe.

Was wurde hinzugewonnen?​

Der neue Kader verteilt Verantwortung auf mehr Spieler.

Kuhse und Trice können beide Pick-and-Rolls führen. Lewis, Franklin und Edler-Davis bringen unterschiedliche Wingprofile. Pleiß öffnet den Raum, Herkenhoff verbindet Positionen und Thiemann sorgt für Größe und vertikalen Druck.

Vechta wirkt dadurch ausgeglichener und tiefer, aber möglicherweise weniger dominant an der Spitze.

Wahrscheinliche Kaderidee​


Tommy Kuhse
D’Mitrik Trice
Matt Lewis
Philipp Herkenhoff
Tibor Pleiß

Franklin und Edler-Davis sind klare Alternativen auf den Wings, Thiemann auf Center.

Offensive Analyse​

Vechta hat kein grundsätzliches Creation-Problem. Kuhse ist ein bewährter BBL-Playmaker und Trice kann ebenfalls organisieren.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr:
Wer erzeugt gegen eine vorbereitete Topverteidigung aus dem Nichts einen guten Abschluss?

Genau dafür war Verge zuletzt enorm wertvoll.

Trice kann diese Rolle übernehmen, muss aber erst beweisen, dass seine bisherige Produktion vollständig auf BBL-Niveau übertragbar ist.

Das Shooting-Potenzial ist ordentlich. Pleiß zwingt Center aus der Zone, Lewis ist ein starker Distanzschütze und auch Trice sowie Edler-Davis können Spacing erzeugen.

Offensiv sehe ich Vechta deshalb weiterhin im oberen Ligendrittel – nur mit weniger gesicherter Spitzen-Creation.

Defensive Analyse​

Defensiv gefällt mir der Kader sogar sehr gut.

Lewis, Franklin und Edler-Davis bringen Größe und Physis auf den Flügeln. Herkenhoff kann mehrere Positionen verteidigen. Thiemann ist beweglicher als Pleiß, während Pleiß mit 2,18 Metern Länge und Präsenz am Ring gibt.

Held kann zwischen größeren, langsameren und kleineren, beweglicheren Formationen wechseln.

Das defensive Ceiling ist deshalb hoch, sofern die neue Perimeterrotation schnell zusammenfindet.

Deutsche Rotation​

Hier liegt eine klare Stärke.

Pleiß, Herkenhoff und Thiemann sind drei belastbare deutsche beziehungsweise lokale Rotationsspieler im Frontcourt. Dazu kommen Hemschemeier, Lanmüller, Sabally und weitere junge Spieler.

Vechta muss keine schwachen Minuten nur aus regulatorischen Gründen erzwingen.

Die deutsche Rotation ist klar überdurchschnittlich tief, auch wenn hinter Pleiß kein weiterer deutscher Star vorhanden ist.

Coaching und Belastung​

Christian Held bleibt Headcoach und muss kein völlig neues System installieren. Das reduziert das Integrationsrisiko.

Problematisch ist dagegen die frühe BCL-Qualifikation. Vechta muss deutlich früher als viele Konkurrenten wettbewerbsfähig sein, obwohl mehrere zentrale offensive Rollen neu verteilt werden.

Das kann die Vorbereitung erschweren, gleichzeitig aber auch früh Klarheit in die Hierarchie bringen.

Größte Stärke​

Tiefe und Rollenbalance
Vechta besitzt zwei echte Ballhandler, mehrere große Wings, unterschiedliche Centerprofile und eine starke deutsche Basis.

Größte Schwäche​

Fehlende nachgewiesene Top-End-Creation
Die Abgänge haben genau die Spieler betroffen, die enge Spiele entscheiden konnten. Diese Qualität muss erst neu entstehen.

Wichtigster Swing Factor​

: D’Mitrik Trice

Wenn Trice seine bisherige Produktion auf BBL-Niveau überträgt, besitzt Vechta wieder zwei starke Creator und ausreichend Shot Making für einen Top-4-Angriff.

Bleibt er eher ein guter Rotationsguard, fehlt gegenüber den besten Teams individuelle Spitzenqualität.

Floor​

Trice braucht Anpassungszeit, Franklin bleibt offensiv inkonstant und Pleiß verpasst einzelne Spiele.

Die Tiefe verhindert den Absturz, aber Vechta rutscht in den Play-In-Kampf.

Floor: Platz 9–12

Realistischer Verlauf​

Kuhse und Trice funktionieren als Guardduo, die Wingrotation ist stabil und der Frontcourt gehört zu den besseren der Liga.

Vechta spielt um die direkten Playoffs, bleibt aber etwas hinter den absoluten Spitzenteams.
Realistisch: Platz 6–9

Ceiling​

Trice wird ein echter Difference Maker, Lewis trifft hochprozentig, Franklin entwickelt sich zum Two-Way-Wing und Pleiß bleibt gesund.

Dann kann Vechta erneut Heimrecht angreifen.
Ceiling: Platz 3–5

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: leicht verschlechtert
Nicht weil schlecht rekrutiert wurde, sondern weil außergewöhnlich viel bewiesene BBL-Produktion verloren ging.

Größte Stärke: Tiefe, Rollenbalance, deutsche Rotation
Größte Schwäche: fehlende gesicherte Top-End-Creation
Swing Factor: D’Mitrik Trice
Floor: 9–12
Realistisch: 6–9
Ceiling: 3–5
Erwartete Saisonrolle: Playoff-/obere Play-In-Gruppe
Sicherheit: mittel

Vechta ist für mich damit kein klarer Top-4-Favorit – aber eines jener Teams, die bei funktionierender neuer Guardhierarchie sehr schnell wieder in genau diese Region vorstoßen können.
 

BMA365 Bamberg Baskets​

Kaum ein Team lässt sich schwieriger aus der Vorsaison fortschreiben. Bamberg gewann den BBL-Pokal, eliminierte Ulm im Viertelfinale mit 3:0 und zwang den späteren Meister ALBA im Halbfinale bis in Spiel fünf. Danach gingen Headcoach Anton Gavel und große Teile jener Mannschaft, die diesen Erfolg möglich gemacht hatte.

Der neue Kader ist offiziell komplett, aber eher Neuaufbau als Weiterentwicklung.

Die Geschichte der Offseason​

Der größte Abgang steht an der Seitenlinie. Anton Gavel wechselte vorzeitig zum FC Bayern. Sein Nachfolger Jesús Ramírez bringt allerdings selbst erheblichen BBL-Nachweis mit: Rund 140 Spiele als Headcoach und 2025 die Auszeichnung zum Trainer des Jahres nach Platz drei mit Braunschweig. Unterstützt wird er von Lars Masell.

Ramírez hat bereits eine klare Richtung formuliert: Tempo und eine sehr aggressive Verteidigung. Das passt auffällig gut zu den neuen Profilen.

Auf Point Guard übernimmt Jordan Jones. Er produzierte in der Slowakei 17,8 Punkte, 4,0 Assists und 1,8 Steals, kommt aber aus einer deutlich schwächeren Liga.

Mylik Wilson ist vielleicht der spannendste Guard-Neuzugang: 16,8 Punkte, 4,7 Rebounds, 4,5 Assists und 2,8 Steals in Ungarn. Dazu kommen der physische Two-Way-Wing Jordan Wright, NBA-/G-League-erfahrene Trevon Scott und der athletische Center Hason Ward.

Mit Joshua Obiesie erhält Ramírez außerdem einen großen deutschen Ballhandler, den er bereits länger verpflichten wollte. Obiesie bringt 139 BBL-Spiele mit und kann auf mehreren Perimeterpositionen eingesetzt werden.

Was wurde verloren?​

Das ist die entscheidende Seite der Bilanz.

Mit Ibi Watson geht Kapitän, Führungsspieler und wichtiger Crunchtime-Scorer. Austin Crowley entwickelte sich im Saisonverlauf zu einem enorm wertvollen Two-Way-Guard. Moritz Krimmer und EJ Onu wechseln gemeinsam mit Crowley nach Trier. Dazu sind Cobe Williams und weitere wichtige Teile der erfolgreichen Rotation nicht mehr da.

Der Verlust betrifft deshalb nicht nur Punkte:
• Creation
• Shooting
• defensive Automatismen
• Crunchtime-Erfahrung
• Leadership
• gemeinsame Playoff-Erfahrung
• Systemkenntnis unter Gavel

Bamberg ersetzt beinahe die komplette Hierarchie einer Mannschaft, die bereits bewiesen hatte, dass sie Spitzenteams schlagen kann.

Der Sonderfall Demarcus Demonia​

Demonia besitzt weiterhin einen Vertrag, seine sportliche Verfügbarkeit ist derzeit jedoch ungeklärt. Bamberg hat ausdrücklich erklärt, den neuen Kader so zusammengestellt zu haben, dass die Mannschaft auch ohne den Pokalfinal-MVP funktionieren kann. Für die Prognose plane ich ihn deshalb nicht als sicheren Bestandteil der Rotation ein.

Sollte er später wieder verfügbar sein, wäre das zusätzliches Ceiling – nicht Bestandteil meines aktuellen Floors.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Jordan Jones
Mylik Wilson
Jordan Wright
Trevon Scott
Hason Ward

Dahinter stehen unter anderem Obiesie, Richard Balint, Jonathan Bähre und Daniel Keppeler sowie Hochstadter und Terry.

Die wahrscheinliche Starting Five ist fast vollständig neu. Genau darin steckt gleichzeitig das Potenzial und das Risiko.

Offensive Analyse​

Bamberg besitzt deutlich mehr Creation, als man bei einem oberflächlichen Blick vermuten könnte.

Jones und Wilson können Pick-and-Rolls führen und selbst abschließen. Obiesie kann als großer Guard zusätzliche Organisation übernehmen. Scott und Wright können nach Closeouts attackieren.

Die Frage ist weniger, ob Bamberg Ballhandler besitzt, sondern auf welchem Niveau diese gegen BBL-Defense funktionieren.

Jones war in der Slowakei dominant, Wilson in Ungarn. Beide müssen nun einen erheblichen Wettbewerbssprung bewältigen. Gerade in der Crunchtime fehlt bislang ein bewiesener BBL-Spieler, von dem klar ist: Gib ihm den Ball und er produziert einen guten Abschluss.

Auch das Shooting sehe ich nicht als automatische Stärke. Die Athletik ist beeindruckend, aber mehrere Schlüsselspieler leben stärker von Drives, Transition und Physis als von Elite-Distanzwurf.

Offensiv dürfte Bamberg dynamisch und schwer auszurechnen sein – aber mit einem deutlich niedrigeren Floor als der letztjährige Kader.

Defensive Analyse​

Hier liegt das größte Potenzial.

Wilson sammelte in Ungarn 2,8 Steals pro Spiel. Wright wurde gezielt als defensivstarker, physischer Swingman verpflichtet. Scott bringt Größe und Mobilität auf den Forwardpositionen. Ward war schon am College ein hervorragender Shotblocker und kam in der G League auf 1,7 Blocks pro Spiel.

Ramírez kann mit viel Länge, Athletik und aggressiven Coverages arbeiten.

Bamberg dürfte versuchen, Ballverluste zu erzwingen und daraus Tempo zu entwickeln. Funktioniert das, könnte die Defense sogar schneller greifen als die Offense.

Problematisch wird es, wenn Gegner diese erste Aggressivität überspielen und Bamberg ins strukturierte Halbfeld zwingen. Auch das defensive Rebounding muss sich nach den vielen Veränderungen erst stabilisieren.

Deutsche Rotation​

Die Local-Player-Konstruktion ist interessant.

Obiesie besitzt echte BBL-Rotationsqualität. Bähre bringt Erfahrung und defensive Vielseitigkeit, sofern sein Körper hält. Keppeler ist als Backup-Big bewährt. Dazu kommen die Deutsch-Amerikaner Hochstadter und Terry.

Qualitativ sehe ich die deutsche Rotation ordentlich, aber nicht als wesentlichen Wettbewerbsvorteil.

Sie gibt Ramírez jedoch ausreichend Flexibilität, um die Importrotation nach Leistung und Matchup zusammenzustellen.

Coaching und internationale Belastung​

Ramírez ist für diesen Umbruch ein wichtiger Floor-Faktor. Er hat bereits gezeigt, dass er junge, athletische Mannschaften entwickeln und defensiv strukturieren kann.

Gleichzeitig kommt die Basketball Champions League hinzu. Bamberg ist direkt für die Gruppenphase qualifiziert und trifft auf Varese, Peristeri und Murcia. Die internationale Belastung ist damit deutlich höher als in der Vorsaison.

Gerade für einen fast komplett neuen Kader bedeutet das weniger Trainingszeit und stärkere Rotationsanforderungen.

Größte Stärke​

Athletik und defensive Vielseitigkeit
Jones, Wilson, Wright, Scott und Ward können ein extrem unangenehmes, schnelles Team bilden. Bamberg besitzt die körperlichen Voraussetzungen, Spiele über Defense und Transition zu verändern.

Größte Schwäche​

Kaum nachgewiesene BBL-Creation in der neuen Hierarchie

Fast alle zentralen offensiven Rollen müssen aus anderen Wettbewerben übertragen werden.

Wichtigster Swing Factor​

Jordan Jones

Wenn Jones seine Rolle als primärer Point Guard sofort auf BBL-Niveau übertragen kann, fällt sehr vieles an seinen Platz.

Dann kann Wilson stärker als Combo Guard spielen, Obiesie muss nicht überorganisieren und die athletischen Bigs bekommen genügend einfache Abschlüsse.

Ist Jones dagegen nur ein durchschnittlicher BBL-Guard, könnte Bamberg offensiv deutlich schwankender werden.

Floor​

Die neue Guardhierarchie benötigt Zeit, das Shooting schwankt und die BCL erschwert die Entwicklung.

Die Defense hält Bamberg konkurrenzfähig, aber die Mannschaft verpasst die Playoffs.

Floor: Platz 11–14

Realistischer Verlauf​

Ramírez etabliert früh eine gute Defense, Jones und Wilson übertragen ausreichend Creation und die enorme Athletik erzeugt einfache Punkte.

Bamberg spielt erneut um die Postseason, erreicht aber nicht automatisch das Niveau des Pokalsiegers.

Realistisch: Platz 7–10

Ceiling​

Jones wird ein überdurchschnittlicher BBL-Lead-Guard, Wilson ein echter Two-Way-Difference-Maker, Ward schützt den Ring und Scott/Wright funktionieren sofort.

Dann besitzt Bamberg wieder genügend Qualität für eine Überraschungssaison.

Ceiling: Platz 4–6 und Halbfinalpotenzial

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: deutlich verschlechtert – gemessen am außergewöhnlich erfolgreichen 2025/26-Team.

Größte Stärke: Athletik und defensive Variabilität
Größte Schwäche: ungeklärte BBL-Übertragbarkeit der neuen Creation
Swing Factor: Jordan Jones
Floor: 11–14
Realistisch: 7–10
Ceiling: 4–6
Erwartete Saisonrolle: Play-In-/Playoff-Grenzbereich
Sicherheit: niedrig bis mittel

Tier 4 – aber mit einem Ceiling, das problemlos in Tier 3 reicht.

Bamberg ist für mich eine der größten Wundertüten der Liga weil fast alles, was 2025/26 bereits nachgewiesen funktioniert hat, noch einmal neu bewiesen werden muss.
 
Zuletzt bearbeitet:

BMA365 Bamberg Baskets​

Kaum ein Team lässt sich schwieriger aus der Vorsaison fortschreiben. Bamberg gewann den BBL-Pokal, eliminierte Ulm im Viertelfinale mit 3:0 und zwang den späteren Meister ALBA im Halbfinale bis in Spiel fünf. Danach gingen Headcoach Anton Gavel und große Teile jener Mannschaft, die diesen Erfolg möglich gemacht hatte.

Der neue Kader ist offiziell komplett, aber eher Neuaufbau als Weiterentwicklung.

Die Geschichte der Offseason​

Der größte Abgang steht an der Seitenlinie. Anton Gavel wechselte vorzeitig zum FC Bayern. Sein Nachfolger Jesús Ramírez bringt allerdings selbst erheblichen BBL-Nachweis mit: Rund 140 Spiele als Headcoach und 2025 die Auszeichnung zum Trainer des Jahres nach Platz drei mit Braunschweig. Unterstützt wird er von Lars Masell.

Ramírez hat bereits eine klare Richtung formuliert: Tempo und eine sehr aggressive Verteidigung. Das passt auffällig gut zu den neuen Profilen.

Auf Point Guard übernimmt Jordan Jones. Er produzierte in der Slowakei 17,8 Punkte, 4,0 Assists und 1,8 Steals, kommt aber aus einer deutlich schwächeren Liga.

Mylik Wilson ist vielleicht der spannendste Guard-Neuzugang: 16,8 Punkte, 4,7 Rebounds, 4,5 Assists und 2,8 Steals in Ungarn. Dazu kommen der physische Two-Way-Wing Jordan Wright, NBA-/G-League-erfahrene Trevon Scott und der athletische Center Hason Ward.

Mit Joshua Obiesie erhält Ramírez außerdem einen großen deutschen Ballhandler, den er bereits länger verpflichten wollte. Obiesie bringt 139 BBL-Spiele mit und kann auf mehreren Perimeterpositionen eingesetzt werden.

Was wurde verloren?​

Das ist die entscheidende Seite der Bilanz.

Mit Ibi Watson geht Kapitän, Führungsspieler und wichtiger Crunchtime-Scorer. Austin Crowley entwickelte sich im Saisonverlauf zu einem enorm wertvollen Two-Way-Guard. Moritz Krimmer und EJ Onu wechseln gemeinsam mit Crowley nach Trier. Dazu sind Cobe Williams und weitere wichtige Teile der erfolgreichen Rotation nicht mehr da.

Der Verlust betrifft deshalb nicht nur Punkte:
• Creation
• Shooting
• defensive Automatismen
• Crunchtime-Erfahrung
• Leadership
• gemeinsame Playoff-Erfahrung
• Systemkenntnis unter Gavel

Bamberg ersetzt beinahe die komplette Hierarchie einer Mannschaft, die bereits bewiesen hatte, dass sie Spitzenteams schlagen kann.

Der Sonderfall Demarcus Demonia​

Demonia besitzt weiterhin einen Vertrag, seine sportliche Verfügbarkeit ist derzeit jedoch ungeklärt. Bamberg hat ausdrücklich erklärt, den neuen Kader so zusammengestellt zu haben, dass die Mannschaft auch ohne den Pokalfinal-MVP funktionieren kann. Für die Prognose plane ich ihn deshalb nicht als sicheren Bestandteil der Rotation ein.

Sollte er später wieder verfügbar sein, wäre das zusätzliches Ceiling – nicht Bestandteil meines aktuellen Floors.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Jordan Jones
Mylik Wilson
Jordan Wright
Trevon Scott
Hason Ward

Dahinter stehen unter anderem Obiesie, Richard Balint, Jonathan Bähre und Daniel Keppeler sowie Hochstadter und Terry.

Die wahrscheinliche Starting Five ist fast vollständig neu. Genau darin steckt gleichzeitig das Potenzial und das Risiko.

Offensive Analyse​

Bamberg besitzt deutlich mehr Creation, als man bei einem oberflächlichen Blick vermuten könnte.

Jones und Wilson können Pick-and-Rolls führen und selbst abschließen. Obiesie kann als großer Guard zusätzliche Organisation übernehmen. Scott und Wright können nach Closeouts attackieren.

Die Frage ist weniger, ob Bamberg Ballhandler besitzt, sondern auf welchem Niveau diese gegen BBL-Defense funktionieren.

Jones war in der Slowakei dominant, Wilson in Ungarn. Beide müssen nun einen erheblichen Wettbewerbssprung bewältigen. Gerade in der Crunchtime fehlt bislang ein bewiesener BBL-Spieler, von dem klar ist: Gib ihm den Ball und er produziert einen guten Abschluss.

Auch das Shooting sehe ich nicht als automatische Stärke. Die Athletik ist beeindruckend, aber mehrere Schlüsselspieler leben stärker von Drives, Transition und Physis als von Elite-Distanzwurf.

Offensiv dürfte Bamberg dynamisch und schwer auszurechnen sein – aber mit einem deutlich niedrigeren Floor als der letztjährige Kader.

Defensive Analyse​

Hier liegt das größte Potenzial.

Wilson sammelte in Ungarn 2,8 Steals pro Spiel. Wright wurde gezielt als defensivstarker, physischer Swingman verpflichtet. Scott bringt Größe und Mobilität auf den Forwardpositionen. Ward war schon am College ein hervorragender Shotblocker und kam in der G League auf 1,7 Blocks pro Spiel.

Ramírez kann mit viel Länge, Athletik und aggressiven Coverages arbeiten.

Bamberg dürfte versuchen, Ballverluste zu erzwingen und daraus Tempo zu entwickeln. Funktioniert das, könnte die Defense sogar schneller greifen als die Offense.

Problematisch wird es, wenn Gegner diese erste Aggressivität überspielen und Bamberg ins strukturierte Halbfeld zwingen. Auch das defensive Rebounding muss sich nach den vielen Veränderungen erst stabilisieren.

Deutsche Rotation​

Die Local-Player-Konstruktion ist interessant.

Obiesie besitzt echte BBL-Rotationsqualität. Bähre bringt Erfahrung und defensive Vielseitigkeit, sofern sein Körper hält. Keppeler ist als Backup-Big bewährt. Dazu kommen Balint sowie die Deutsch-Amerikaner Hochstadter und Terry.

Qualitativ sehe ich die deutsche Rotation ordentlich, aber nicht als wesentlichen Wettbewerbsvorteil.

Sie gibt Ramírez jedoch ausreichend Flexibilität, um die Importrotation nach Leistung und Matchup zusammenzustellen.

Coaching und internationale Belastung​

Ramírez ist für diesen Umbruch ein wichtiger Floor-Faktor. Er hat bereits gezeigt, dass er junge, athletische Mannschaften entwickeln und defensiv strukturieren kann.

Gleichzeitig kommt die Basketball Champions League hinzu. Bamberg ist direkt für die Gruppenphase qualifiziert und trifft auf Varese, Peristeri und Murcia. Die internationale Belastung ist damit deutlich höher als in der Vorsaison.

Gerade für einen fast komplett neuen Kader bedeutet das weniger Trainingszeit und stärkere Rotationsanforderungen.

Größte Stärke​

Athletik und defensive Vielseitigkeit
Jones, Wilson, Wright, Scott und Ward können ein extrem unangenehmes, schnelles Team bilden. Bamberg besitzt die körperlichen Voraussetzungen, Spiele über Defense und Transition zu verändern.

Größte Schwäche​

Kaum nachgewiesene BBL-Creation in der neuen Hierarchie

Fast alle zentralen offensiven Rollen müssen aus anderen Wettbewerben übertragen werden.

Wichtigster Swing Factor​

Jordan Jones

Wenn Jones seine Rolle als primärer Point Guard sofort auf BBL-Niveau übertragen kann, fällt sehr vieles an seinen Platz.

Dann kann Wilson stärker als Combo Guard spielen, Obiesie muss nicht überorganisieren und die athletischen Bigs bekommen genügend einfache Abschlüsse.

Ist Jones dagegen nur ein durchschnittlicher BBL-Guard, könnte Bamberg offensiv deutlich schwankender werden.

Floor​

Die neue Guardhierarchie benötigt Zeit, das Shooting schwankt und die BCL erschwert die Entwicklung.

Die Defense hält Bamberg konkurrenzfähig, aber die Mannschaft verpasst die Playoffs.

Floor: Platz 11–14

Realistischer Verlauf​

Ramírez etabliert früh eine gute Defense, Jones und Wilson übertragen ausreichend Creation und die enorme Athletik erzeugt einfache Punkte.

Bamberg spielt erneut um die Postseason, erreicht aber nicht automatisch das Niveau des Pokalsiegers.

Realistisch: Platz 7–10

Ceiling​

Jones wird ein überdurchschnittlicher BBL-Lead-Guard, Wilson ein echter Two-Way-Difference-Maker, Ward schützt den Ring und Scott/Wright funktionieren sofort.

Dann besitzt Bamberg wieder genügend Qualität für eine Überraschungssaison.

Ceiling: Platz 4–6 und Halbfinalpotenzial

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: deutlich verschlechtert – gemessen am außergewöhnlich erfolgreichen 2025/26-Team.

Größte Stärke: Athletik und defensive Variabilität
Größte Schwäche: ungeklärte BBL-Übertragbarkeit der neuen Creation
Swing Factor: Jordan Jones
Floor: 11–14
Realistisch: 7–10
Ceiling: 4–6
Erwartete Saisonrolle: Play-In-/Playoff-Grenzbereich
Sicherheit: niedrig bis mittel

Tier 4 – aber mit einem Ceiling, das problemlos in Tier 3 reicht.

Bamberg ist für mich eine der größten Wundertüten der Liga weil fast alles, was 2025/26 bereits nachgewiesen funktioniert hat, noch einmal neu bewiesen werden muss.
Balint ist aber doch Tscheche, oder?
 

SKYLINERS Frankfurt​

Frankfurt gehört für mich zu den Mannschaften, die sich durch die letzten Verpflichtungen am stärksten verändert haben. Am 13. August wurde der Kader mit Judah Mintz zunächst offiziell für komplett erklärt. Nach der überraschenden Trennung von Marcus Garrett folgte am 18. August mit Ryan Arcidiacono noch einmal ein hochkarätiger Ersatz.

Damit sehe ich die SKYLINERS nicht mehr als klassischen Tier-5-Kandidaten. Der Backcourt ist inzwischen zu tief und zu erfahren – auch wenn dafür im Frontcourt neue Fragen entstehen.

Ausgangslage​

Frankfurt beendete 2025/26 mit 12:22 Siegen auf Rang 15 und verlor die letzten sieben Saisonspiele. Die Mannschaft erzielte 80,9 Punkte, traf nur 33,3 Prozent ihrer Dreier und kassierte 86,1 Punkte pro Partie.

Trotzdem gab es eine brauchbare Basis. Isaiah Swope entwickelte sich mit 15,7 Punkten und 4,5 Assists direkt zum wichtigsten Creator. Will Christmas brachte 11,9 Punkte, 4,9 Rebounds und 2,5 Assists, Nahiem Alleyne etablierte sich nach seiner Verpflichtung als Starter. Alle drei bleiben.

Die Geschichte der Offseason​

Die wichtigste Veränderung findet im Backcourt statt.
Judah Mintz kommt aus der türkischen BSL, wo er 15,1 Punkte erzielte. Zuvor produzierte er in der G League 18,4 Punkte und 4,8 Assists. Er bringt genau das mit, was Frankfurt zusätzlich gesucht hat: Ringdruck, Eins-gegen-Eins-Creation und Freiwürfe.

Ryan Arcidiacono steht für das Gegenstück: Spielkontrolle, Erfahrung und Leadership. Der 32-Jährige absolvierte 257 NBA-Spiele und kam zuletzt in Puerto Rico auf 12,6 Punkte und 4,4 Assists. Er muss nicht Topscorer sein, um den Frankfurter Floor erheblich anzuheben.

Dazu kommt Thomas Klepeisz. Mehr als 200 BBL-Spiele, deutscher Pass, EuroCup-Erfahrung und Meisterschaft als Ulmer Kapitän machen ihn zu einem extrem wertvollen Rotationsspieler.

Auf den großen Positionen wurde Race Thompson verpflichtet. Der polnische Meister erzielte 11,4 Punkte und 6,0 Rebounds bei 38,8 Prozent Dreierquote und kann sowohl Power Forward als auch Center spielen.

Was wurde verloren?​

Frankfurt verabschiedete unter anderem Logan Johnson, Tyger Campbell und Jacob Holt sowie den langjährigen Guard Garai Zeeb. Damit gehen Ballhandling, Centergröße und viel Erfahrung innerhalb des Systems verloren.

Mindestens genauso wichtig ist die Veränderung in der sportlichen Leitung: Geschäftsführer Sport Sebastian Gleim kehrte nach nur einer Saison nach Neuseeland zurück. Headcoach Klaus Perwas und große Teile seines Trainerstabs bleiben dagegen erhalten.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Ryan Arcidiacono
Isaiah Swope
Will Christmas
Till Pape
Race Thompson

Mintz könnte ebenso problemlos starten. Gerade offensiv ist auch eine Formation mit Arcidiacono, Mintz und Swope gleichzeitig denkbar.

Der aktuelle Profikader ist dabei bemerkenswert guardlastig. Neben Thompson stehen mit Pape, Roman Bedime und Jacob Knauf die großen Positionen überwiegend mit deutschen Spielern zur Verfügung.

Offensive Analyse​

Die Creation ist gegenüber der Vorsaison klar verbessert.

Swope muss nicht mehr nahezu jede schwierige Situation lösen. Mintz kann selbst die erste Verteidigungslinie schlagen, Arcidiacono organisiert und Klepeisz entlastet als weiterer Ballführer. Christmas kann wieder stärker seine Vielseitigkeit ausspielen.

Frankfurt kann dadurch Formationen mit drei oder sogar vier Spielern aufstellen, die dribbeln, passen und selbst abschließen können.

Das größte Problem könnte paradoxerweise die Hierarchie werden.

Swope und Mintz brauchen Ballbesitz. Christmas ist ebenfalls kein reiner Spot-up-Spieler. Arcidiacono soll organisieren und Klepeisz benötigt zumindest genug Touches, um seine Qualität einzubringen.

Perwas muss deshalb aus außergewöhnlicher Guardtiefe eine klare Rollenverteilung formen.

Offensiv sehe ich Frankfurt deutlich näher am Mittelfeld als am letztjährigen unteren Drittel.

Defensive Analyse​

Hier ist die Einschätzung komplizierter.

Christmas und Alleyne bringen Größe auf den Wings, Thompson Physis und Mobilität im Frontcourt. Auch Arcidiacono gilt als engagierter Teamverteidiger.

Was fehlt, ist jedoch ein klassischer großer Rim Protector.

Thompson misst 2,03 Meter, Pape 2,06 Meter und Bedime ebenfalls 2,03 Meter. Knauf bringt mit 2,10 Metern mehr Länge, ist aber kein etablierter BBL-Starting-Center. Der aktuelle Kader verzichtet bewusst auf einen Import-Fünfer.

Gegen bewegliche Teams kann genau das ein Vorteil sein. Gegen dominante Center, offensives Rebounding und dauerhaften Ringdruck könnte es Frankfurts größte Schwachstelle werden.

Deutsche Rotation​

Frankfurts Local-Gruppe ist unterschätzt.

Klepeisz besitzt echte Qualität für enge Spiele. Pape ist seit Jahren ein relevanter BBL-Spieler. Caisin hat sich als Rotationswing etabliert, während Crnjac, Edoka, Bedime und Knauf zusätzliche Tiefe beziehungsweise Entwicklungspotenzial bringen.

Das ist regulatorisch besonders wichtig: Frankfurt kann alle sechs Importplätze sehr gezielt einsetzen und muss keine künstlichen deutschen Minuten erzeugen.

Die deutsche Rotation erhöht den Floor erheblich.

Coaching und Doppelbelastung​

Klaus Perwas bleibt ein wichtiger Kontinuitätsfaktor. Swope, Christmas, Alleyne, Pape und weitere Rollenspieler kennen sein System bereits.

Neu ist dagegen die massive Belastung durch den EuroCup. Frankfurt bestreitet dort 14 Gruppenspiele, inklusive Reisen nach Venedig, London, Teneriffa, Ankara, Rom, Cluj und Litauen.

Genau deshalb ergibt die tiefe Guardrotation Sinn. Problematischer ist die Belastung der großen Positionen: Thompson und Pape werden bei Gesundheit enorm wichtig sein.

Größte Stärke​

Guardtiefe und unterschiedliche Creation-Profile

Swope, Mintz, Arcidiacono, Klepeisz, Christmas und Alleyne ergeben eine ungewöhnlich tiefe Perimeterrotation.

Größte Schwäche​

Frontcourt-Größe und Rim Protection

Frankfurt hat sehr viele Antworten auf Guardpositionen – aber keine eindeutige Antwort auf einen dominanten klassischen BBL-Center.

Wichtigster Swing Factor: Judah Mintz

Arcidiacono erhöht den Floor. Mintz verändert das Ceiling.

Wenn seine türkische Produktion übertragbar ist und er gemeinsam mit Swope funktioniert, besitzt Frankfurt plötzlich zwei Guards, die eigenständig 15+ Punkte produzieren und Spiele entscheiden können.

Floor​

Die Guardhierarchie funktioniert schlechter als gedacht, Thompson bekommt gegen große Frontcourts Probleme und die EuroCup-Belastung erzeugt zusätzliche Niederlagen.

Floor: Platz 13–16

Realistischer Verlauf​

Swope bestätigt seine Entwicklung, Mintz bringt zusätzliche Creation und Arcidiacono/Klepeisz geben Stabilität.

Frankfurt ist deutlich besser als 2025/26, bleibt aufgrund von Frontcourt und Doppelbelastung aber außerhalb der sicheren Playoffgruppe.

Realistisch: Platz 9–13

Ceiling​

Mintz schlägt voll ein, Swope macht den nächsten Schritt, Arcidiacono bleibt körperlich stabil und Thompson funktioniert auch als undersized Five.

Dann besitzt Frankfurt genügend Creation und Erfahrung, um ernsthaft um die Play-Ins beziehungsweise direkten Playoffs zu spielen.

Ceiling: Platz 6–9

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: klar verbessert
Größte Stärke: Guardtiefe und Creation
Größte Schwäche: Größe und Rim Protection im Frontcourt
Swing Factor: Judah Mintz
Floor: 13–16
Realistisch: 9–13
Ceiling: 6–9
Erwartete Saisonrolle: Play-In-Kandidat
Sicherheit: mittel

Tier 4 – mit einem wesentlich höheren Floor als noch vor wenigen Wochen.

Frankfurt ist für mich inzwischen eine der Mannschaften, bei denen sich die Wahrnehmung des Kaders während der Offseason am stärksten verändert hat.

Die entscheidende Frage lautet jetzt vielmehr: Ist der bewusst kleine und deutsche Frontcourt gut genug, um diese außergewöhnlich tiefe Guardrotation über eine BBL- und EuroCup-Saison zu tragen?
 

EWE Baskets Oldenburg​

Oldenburg ist einer der konsequentesten Neuaufbauten dieses Sommers. Nach einer enttäuschenden Saison mit 16:18 Siegen, Rang elf und verpassten Play-Ins blieben aus der Kernrotation praktisch nur Seth Hinrichs und Nicholas Tischler. Dazu kommt ein neuer Headcoach. Die zehnköpfige Kernrotation ist offiziell abgeschlossen.

Dieser Kader gefällt mir grundsätzlich sehr gut. Gleichzeitig ist Oldenburg vielleicht das beste Beispiel dafür, warum Namen und Statistiken aus anderen Ligen nicht automatisch einen hohen Floor ergeben.

Die Geschichte der Offseason​

Mit Milenko Bogićević übernimmt ein Trainer, der zuletzt den MBC in schwieriger Lage stabilisierte und zuvor unter anderem in der VTB League sowie als Assistant Coach auf hohem europäischen Niveau arbeitete. Er will körperlich, aggressiv und mit mehreren Ballhandlern spielen. Bemerkenswert ist seine klare Aussage, nicht von ein oder zwei Stars abhängig sein zu wollen.

Der neue Backcourt besitzt dafür tatsächlich viele Möglichkeiten.

Jeremy Roach war vier Jahre Leistungsträger bei Duke, später bei Baylor und sammelte zuletzt erste Europaerfahrung in Polen. Dort erzielte er 11,6 Punkte, 2,5 Assists und traf 40 Prozent seiner Dreier.

Nate Johnson bringt mehr europäischen Nachweis mit. In Sassari kam er in Serie A und FIBA Europe Cup auf 13,3 Punkte, 3,8 Rebounds und 2,8 Assists. Er kann als Shooting Guard spielen, aber auch Creation übernehmen.

Ja’Qualyn Gilbreath kommt als ehemaliger MVP der Schweizer Liga. In der vergangenen Saison produzierte er 16,7 Punkte, 5,1 Rebounds und 4,1 Assists. Sein Sprung in die BBL ist allerdings deutlich größer.

Le’Tre Darthard bringt vielleicht das interessanteste Shootingprofil. In Ungarn traf er bei 13,5 Punkten außergewöhnliche 49,6 Prozent seiner Dreier; schon zuvor in Den Bosch lag er bei über 50 Prozent. Das wird so kaum vollständig reproduzierbar sein, die Wurfqualität ist aber offensichtlich.

Dazu kommt mit Zach Ensminger ein enorm wertvoller deutscher Guard. Beim erfolgreichen Bamberger Team legte er 7,1 Punkte, 3,3 Assists und 3,2 Rebounds auf und bringt bereits 123 BBL-Spiele mit.

Im Frontcourt setzt Oldenburg auf unterschiedliche Profile. Tylan Pope war mit 15,7 Punkten, 6,6 Rebounds und knapp 40 Prozent Dreierquote Playoff-MVP der ProA. Marcel Keßen kehrt nach Oldenburg zurück und erzielte zuletzt 9,9 Punkte für Heidelberg. Demajeo Wiggins bringt dagegen enormen Rebounddruck: Bei seiner letzten BBL-Saison in Göttingen kam er auf 11,8 Punkte und 10,3 Rebounds.

Was wurde verloren?​

Oldenburg verabschiedete nahezu die komplette letztjährige Rotation: Clemons, Fobbs, Lofton, Tucker, Zubcic, Stanic, Kyser und weitere Spieler sind weg.

Damit verschwinden viel individuelles Scoring, Erfahrung und bekannte BBL-Produktion.

Das ist aber nur begrenzt negativ zu bewerten, weil genau diese Mannschaft über längere Phasen nicht funktionierte. Der Neuaufbau war weniger Luxus als Konsequenz.

Oldenburg verliert Qualität – aber vor allem eine Hierarchie, die nicht zuverlässig genug funktioniert hat.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Jeremy Roach
Nate Johnson
Le’Tre Darthard
Tylan Pope
Demajeo Wiggins

Bogićević selbst spricht von vier bis fünf Spielern, die mit Ball kreieren können, sowie unterschiedlichen Optionen auf den Positionen vier und fünf. Genau darin liegt die Idee dieses Kaders.

Offensive Analyse​

Creation sollte grundsätzlich nicht das Problem sein.

Roach, Johnson, Gilbreath und Ensminger können Pick-and-Rolls führen. Darthard kann schwierige Würfe treffen. Pope und Tischler können Closeouts attackieren. Keßen besitzt Passing und Touch aus dem Frontcourt.

Damit ist Oldenburg deutlich weniger von einem einzelnen Guard abhängig als zuletzt.

Auch das Shooting besitzt Potenzial. Darthard ist klarer Spezialist, Johnson und Roach haben zuletzt gute Quoten produziert und Pope hat in College und ProA knapp 40 Prozent getroffen.

Das Risiko liegt in der Übertragung.

Roach war in Polen kein dominanter Lead Guard. Gilbreath kommt aus der Schweiz. Pope aus der ProA. Selbst Darthards spektakuläre Dreierquoten werden kaum dauerhaft bei 50 Prozent liegen.

Oldenburg kann deshalb offensiv sehr gut werden – aber fast jede wichtige Rolle verlangt einen Leistungssprung.

Defensive Analyse​

Der neue Kader wirkt körperlicher und athletischer.

Johnson, Gilbreath, Darthard, Ensminger und Tischler bringen Größe auf dem Perimeter. Pope kann mehrere Forwardtypen verteidigen. Wiggins kontrolliert das Brett und Keßen bietet dahinter mehr Größe.

Bogićević will aggressiv verteidigen und daraus Tempo entwickeln. Die Profile passen dazu.

Einen klassischen Elite-Rim-Protector sehe ich allerdings nicht. Wiggins ist vor allem Rebounder und physischer Center. Keßen lebt stärker von Spielverständnis und Vielseitigkeit.

Oldenburgs Defense muss deshalb über Ballpressure, Physis und gemeinschaftliches Rebounding funktionieren.

Deutsche Rotation​

Hier besitzt Oldenburg einen echten Vorteil.

Seth Hinrichs wurde zum neuen Kapitän bestimmt. Seine Erfahrung und Führungsqualität sind bei einem jungen Neuaufbau besonders wertvoll.

Dazu kommen Ensminger, Nicholas Tischler und Marcel Keßen als Spieler, die in engen BBL-Partien problemlos Minuten übernehmen können.

Mit Johann Helwig, Joel Harms und weiteren Nachwuchsspielern existieren zusätzliche Optionen. Die Kernrotation besteht offiziell aus zehn Profis, ergänzt durch Doppellizenz- und Nachwuchsakteure.

Die Local Rotation ist qualitativ klar überdurchschnittlich.

Coaching und Belastung​

Der Trainerwechsel erhöht zunächst die Varianz. Gleichzeitig halte ich Bogićević für einen wichtigen Floor-Faktor. Sein Fokus auf Teamchemie, mehrere Creator und flexible Rollen wirkt für diesen Kader ausgesprochen passend.

Ein weiterer Vorteil: Oldenburg gehört nicht zu den elf BBL-Teams, die 2026/27 international spielen.

Während viele direkte Konkurrenten Doppelwochen absolvieren, bekommt Oldenburg regelmäßig volle Trainingswochen. Gerade bei acht neuen Profis ist das ein erheblicher Vorteil.

Größte Stärke​

Tiefe Creation und ausgewogene Rollenverteilung
Oldenburg besitzt mehrere Ballhandler, mehrere Schützen und unterschiedliche Frontcourtprofile. Kaum ein Spieler muss zwingend außerhalb seiner natürlichen Rolle eingesetzt werden.

Größte Schwäche​

Extrem wenig gemeinsame und gesicherte BBL-Spitzenproduktion
Der Kader sieht sehr gut aus. Aber viele seiner interessantesten Spieler haben ihre besten Leistungen bislang in Polen, der Schweiz, Ungarn oder der ProA gezeigt.

Wichtigster Swing Factor: Jeremy Roach

Wird Roach zu einem überdurchschnittlichen BBL-Lead-Guard, kann der gesamte Kader nach oben springen.

Dann können Johnson und Darthard stärker scoren, Gilbreath die zweite Formation tragen und Ensminger seine optimale Connector-Rolle spielen.

Bleibt Roach dagegen eher ein solider Combo Guard, fehlt möglicherweise jener primäre Creator, der Oldenburg von einem tiefen Play-In-Kader zu einem echten Playoffteam macht.

Floor​

Die neuen Guards brauchen Eingewöhnungszeit, Pope und Gilbreath schaffen den Wettbewerbssprung nicht sofort und die neue Hierarchie bleibt unklar.

Die deutsche Qualität und fehlende Doppelbelastung verhindern einen Absturz.

Floor: Platz 10–13

Realistischer Verlauf​

Roach und Johnson bilden ein gutes Backcourtduo, Darthard liefert Shooting und Wiggins kontrolliert das Brett. Ensminger, Hinrichs, Tischler und Keßen geben der Mannschaft einen stabilen deutschen Kern.

Oldenburg spielt über die gesamte Saison um die direkten Playoffs.

Realistisch: Platz 6–9

Ceiling​

Roach wird ein Top-Guard, Gilbreath überträgt seine Schweizer Produktion, Darthards Shooting bleibt außergewöhnlich und Pope funktioniert sofort auf BBL-Niveau.

Dann besitzt Oldenburg Tiefe, Creation, Shooting, Rebounding und genügend deutsche Qualität für eine echte Überraschungssaison.

Ceiling: Platz 4–5

Gesamturteil​


Offseason-Tendenz: klar verbessert
Größte Stärke: Creation-Breite und Rollenbalance
Größte Schwäche: hohes Übertragungsrisiko
Swing Factor: Jeremy Roach
Floor: 10–13
Realistisch: 6–9
Ceiling: 3–5
Erwartete Saisonrolle: Playoff-/obere Play-In-Gruppe
Sicherheit: mittel bis niedrig

Tier 3 – allerdings mit deutlich höherer Varianz als Vechta oder Rostock.

Oldenburg gehört für mich zu den spannendsten Teams der Liga. Der Kader ist logisch, tief und athletisch – und profitiert davon, keine internationale Doppelbelastung zu haben.

Die entscheidende Frage lautet deshalb, wie viel dieses Talents bereits in der ersten gemeinsamen Saison tatsächlich BBL-Spitzenqualität wird.
 

SYNTAINICS MBC​

Der MBC ist wieder einmal ein Team, das auf den ersten Blick unspektakulärer wirkt, als es funktional tatsächlich sein könnte. Nach Platz 13 und 13 Siegen 2025/26 wurde der Kader deutlich verändert, gleichzeitig bleiben mit Spencer Reaves, Collin Welp, Jure Planinic und Kresimir Nikic mehrere wichtige Rotationsspieler. Der zwölfköpfige Kader ist mit Borisa Simanic offiziell komplett.

Entscheidend ist deshalb weniger ein kompletter Neuaufbau als die Frage, ob die neue Guardhierarchie unter Vladimir Jovanovic funktioniert.

Die Geschichte der Offseason​

Mit Vladimir Jovanovic übernimmt erneut ein Trainer aus der serbischen Basketballschule. Der neue Headcoach kommt direkt vom serbischen Verband und soll eine klarere Identität etablieren. Chris Schreiber bleibt als erster Assistent Teil des Systems.

Auf Point Guard übernimmt DeLonnie Hunt. In der ENBL produzierte er für Dinamo Zagreb 21,5 Punkte, 6,5 Assists und 40,4 Prozent Dreier, in der kroatischen Liga 15,6 Punkte und 4,6 Assists. Das ist ein starkes Profil – aber noch kein Nachweis auf BBL-Niveau.

Mit Kris Clyburn kehrt dagegen ein Spieler zurück, dessen BBL-Qualität bekannt ist. 2022/23 war er mit 17,1 Punkten MBC-Topscorer und mit 1,9 Steals sogar bester Balldieb der Liga. Seitdem spielte er allerdings in Frankreich, der Mongolei, China und Bahrain – seine aktuelle Übertragbarkeit ist damit schwerer einzuschätzen als sein Name vermuten lässt.

Anthony Gaines kommt aus Crailsheim und bringt aus 110 ProA-Spielen 10,9 Punkte, 6,1 Rebounds und 2,7 Assists mit. Er ist ein großer, vielseitiger Wing, aber BBL-Rookie.

Das letzte Puzzleteil ist Borisa Simanic. Der 2,11 Meter große serbische Forward besitzt EuroLeague-, ACB-, ABA- und Nationalmannschaftserfahrung und gibt dem MBC Shooting und Länge auf der Vier. Seine Karriereproduktion liegt allerdings deutlich unter dem Niveau eines klassischen primären Leistungsträgers.

Was wurde verloren?​

Der wichtigste Verlust ist Khyri Thomas, der offensiv viel individuelle Qualität und Shot Creation brachte. Auch Kapitän Charles Callison ist weg; Spencer Reaves übernimmt dessen Führungsrolle. Weitere Importspieler der Vorsaison wie Nemanja Djurisic gehören ebenfalls nicht mehr zum neuen Kader.

Damit verliert Weißenfels nicht nur Punkte, sondern vor allem:
• nachgewiesene BBL-Creation
• Crunchtime-Scoring
• Guard-Erfahrung
• Leadership

Der neue Kader verteilt diese Funktionen auf Hunt, Clyburn und Reaves – aber eben nicht mit derselben Sicherheit.

Wahrscheinliche Kaderidee​

DeLonnie Hunt
Spencer Reaves
Kris Clyburn
Borisa Simanic
Jure Planinic

Anthony Gaines, Collin Welp und Kresimir Nikic bilden die wichtigsten Alternativen. Gabriel de Oliveira bringt zusätzliche Frontcourt-Energie, Vuk Radojicic weitere Guardtiefe. Der offizielle Kader umfasst zwölf Spieler.

Offensive Analyse​

Der MBC steht und fällt offensiv mit Hunt.

Sein Profil ist attraktiv: schnell, guter Pull-up-Wurf, selbstständige Creation und gleichzeitig ausgeprägtes Playmaking. Seine ENBL-Zahlen waren hervorragend. Aber zwischen Dinamo Zagreb und einer primären BBL-Rolle liegt ein erheblicher Wettbewerbssprung.

Clyburn hilft genau deshalb. Er kann selbst abschließen, attackiert Closeouts und bringt Erfahrung gegen BBL-Verteidigungen mit. Reaves sorgt für Shooting und Stabilität.

Auch der Frontcourt ist offensiv vielseitig. Simanic zieht als 2,11-Meter-Forward Verteidiger nach außen, Welp traf vergangene Saison 41 Prozent seiner Dreier, und Planinic war mit 11,7 Punkten sowie 6,4 Rebounds einer der konstantesten Wölfe.

Das Problem: Hinter Hunt fehlt ein zweiter echter Point Guard mit vergleichbarer Creation. Clyburn und Reaves können Angriffe übernehmen, sind aber keine klassischen Organisatoren.

Das offensive Ceiling gefällt – der Floor hängt stark an einem einzigen neuen Lead Guard.

Defensive Analyse​

Defensiv besitzt der Kader interessante Größe.

Clyburn war bereits in seiner ersten MBC-Zeit ein herausragender Steal-Generator. Gaines reboundet für einen Wing außergewöhnlich gut. Simanic bringt 2,11 Meter und Reichweite, Planinic Physis und Rebounding.

Jovanovic kann mit Simanic oder Welp auf der Vier groß spielen und besitzt mit Planinic und dem 2,13 Meter großen Nikic klassische Center.

Allerdings beginnt Nikic die Vorbereitung nach einer Sprunggelenksverletzung noch ohne Körperkontakt. Das reduziert zunächst die Frontcourt-Tiefe.

Die Defense hat Potenzial, aber keinen offensichtlichen Elite-Anker. Viel wird davon abhängen, wie gut Hunt auf Point of Attack verteidigt und ob die großen Formationen schnell genug für moderne BBL-Offenses sind.

Deutsche und lokale Rotation​

Hier ist der MBC besser aufgestellt, als man zunächst vermuten könnte.

Reaves, Welp, Nikic und de Oliveira besitzen deutsche Spielberechtigung, dazu kommen die Youngster Mika Siegert und Abdul Wafa.

Reaves ist ein etablierter BBL-Spieler und neuer Kapitän. Welp absolvierte alle 48 Pflichtspiele der vergangenen Saison. Nikic kann reguläre Center-Minuten übernehmen und de Oliveira bringt Erfahrung aus BBL und ProA mit.

Das ist keine deutsche Spitzenrotation, aber funktional genug, um keinen Import aus regulatorischen Gründen auf einer falschen Position einsetzen zu müssen.

Coaching und Doppelbelastung​

Jovanovic ist neu, ein großer Teil des Kaders ebenfalls. Das erhöht das Integrationsrisiko.

Gleichzeitig spielt der MBC erneut in der ENBL. 2025/26 dominierte Weißenfels dort die Hauptrunde und erreichte das Final Four, kämpfte parallel in der BBL jedoch zeitweise massiv um den Klassenerhalt.

Die ENBL ist nicht mit EuroLeague oder EuroCup vergleichbar, erzeugt aber zusätzliche Reisen und englische Wochen. Für einen Zwölferkader mit mehreren neuen Schlüsselspielern ist das relevant.

Größte Stärke​

Vielseitiger Frontcourt und mehrere erfahrene Connector
Simanic, Welp, Planinic und Nikic ergeben unterschiedliche Kombinationen aus Shooting, Größe, Rebounding und Physis.

Größte Schwäche​

Hohe Abhängigkeit von DeLonnie Hunts BBL-Übertragung
Die Mannschaft besitzt mehrere sekundäre Ballhandler – aber nur einen klaren neuen Lead Guard.

Wichtigster Swing Factor: DeLonnie Hunt
Überträgt Hunt seine ENBL-Produktion auch nur annähernd, bekommt Weißenfels einen sehr guten Creator und die Rollen um Clyburn, Reaves und die Bigs greifen hervorragend ineinander.

Funktioniert dieser Sprung nicht, fehlt der Offense ein klarer Motor.

Floor​

Hunt benötigt Anpassungszeit, Clyburn erreicht nicht sofort sein früheres BBL-Niveau und die zusätzliche Belastung kostet Konstanz.

Floor: Platz 14–17

Realistischer Verlauf​

Hunt ist ein solider BBL-Lead-Guard, Reaves und Clyburn stabilisieren den Perimeter und der Frontcourt gewinnt über Tiefe und Shooting.

Der MBC bleibt außerhalb des direkten Abstiegsstrudels und hält Kontakt zu den Play-Ins.

Realistisch: Platz 10–14

Ceiling​

Hunt schlägt voll ein, Clyburn findet zu alter BBL-Stärke zurück und Simanic gibt dem Frontcourt auf beiden Seiten echte Qualität.

Dann ist Weißenfels deutlich mehr als ein Klassenerhaltskandidat.

Ceiling: Platz 7–10

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: ungefähr gleich stark – aber anders aufgebaut
Größte Stärke: vielseitiger Frontcourt und erfahrene Nebenrollen
Größte Schwäche: wenig nachgewiesene primäre Guard-Creation
Swing Factor: DeLonnie Hunt
Floor: 14–17
Realistisch: 10–14
Ceiling: 7–10
Erwartete Saisonrolle: unteres Mittelfeld mit Play-In-Chance
Sicherheit: mittel bis niedrig

Tier 4/5-Grenzfall.

Der MBC wirkt für mich stärker als ein klassischer Abstiegskader. Gleichzeitig hängt erstaunlich viel davon ab, ob Hunt aus sehr guter ENBL- und kroatischer Produktion tatsächlich einen stabilen BBL-Lead-Guard machen kann.

Genau deshalb ist Weißenfels wieder einmal ein Team, bei dem zwischen einem unangenehmen Play-In-Außenseiter und einer Saison mitten im Abstiegskampf erstaunlich wenig liegen könnte.
 

MHP RIESEN Ludwigsburg​

Ludwigsburg beginnt tatsächlich eine neue Ära. Mit Carles Durán kommt ein neuer Headcoach, mit Klublegende David McCray wurde erstmals die Position des Leiters Sport geschaffen. Gleichzeitig wurde ein großer Teil des Kaders ausgetauscht. Der Verein spricht selbst bewusst von einer strukturellen Neuaufstellung.

Trotzdem ist das kein kompletter Neustart: Elijah Hughes, Yorman Polas Bartolo, Jonas Wohlfarth-Bottermann, Keeshawn Kellman und mehrere deutsche Entwicklungsspieler bleiben. David Joplin komplettierte Ende Juli offiziell den Kader.

Ausgangslage​

Ludwigsburg beendete 2025/26 nach einem dramatischen letzten Spieltag nur auf Rang zehn. Vom siebten Platz kommend rutschten die RIESEN durch die Niederlage in Würzburg noch ab und verloren anschließend das erste Play-In-Spiel in Rostock deutlich mit 71:91.

Die Vorsaison zeigte zwei Gesichter: Phasenweise war Ludwigsburg wieder extrem unangenehm, physisch und defensiv stark. Gleichzeitig fehlte offensive Konstanz. Besonders zum Saisonende wurde deutlich, wie abhängig die Mannschaft von Shot Making einzelner Guards sein konnte.

Die Offseason​

Carles Durán bringt enorm viel Erfahrung aus Spanien mit. Er arbeitete unter anderem in Valencia, Bilbao und viele Jahre als Headcoach von Joventut Badalona. Seine angekündigte Idee passt durchaus zur Ludwigsburger Tradition: aggressiv verteidigen, schnell spielen und den Ball bewegen.

Der Backcourt wurde fast komplett neu aufgebaut.

Darius Perry kennt die BBL bereits aus Würzburg. 2023/24 kam er dort auf 10,7 Punkte, 2,8 Rebounds und 2,7 Assists. Zuletzt produzierte er in Italiens zweiter Liga 15,8 Punkte und 3,6 Assists.

Ish Leggett war in Rumänien mit 18,0 Punkten, 4,8 Rebounds und 3,3 Assists einer der produktivsten Combo Guards der Liga.

Justin Kier bringt dagegen vor allem Athletik, Defense und zusätzliches Playmaking mit. In seiner erfolgreichsten Saison in Den Bosch kam er auf 10,8 Punkte und 4,5 Assists.

Auf den Forwardpositionen bleibt Elijah Hughes der wichtigste offensive Fixpunkt. Er erzielte vergangene Saison 13,8 Punkte und nahm enorme 7,7 Dreier pro Partie – Ludwigsburg weiß also bereits, dass sein Shooting auf BBL-Niveau funktioniert.

Dazu kommen Patrick Cartier mit deutschem Pass und 42,1 Prozent Dreierquote aus seinen bisherigen europäischen Stationen sowie David Joplin, der zusätzlich Größe und Shooting auf der Vier bringen soll.

Was wurde verloren?​


Der personelle Schnitt ist größer, als die verbliebenen Namen zunächst vermuten lassen.

Mit Stef Smith und Tray Buchanan gehen zwei Mitglieder der letztjährigen offensiven „Hydra“ neben Hughes. Dazu verließen unter anderem Brandon Tischler, Toms Skuja, Babacar Sane, Lenny Anigbata und Johannes Patrick den Klub. Insgesamt verabschiedete Ludwigsburg zehn Spieler des letztjährigen 17er-Kaders.

Das bedeutet Verlust von:
• primärer Guard-Creation
• Shot Making
• Ballhandling
• Wing-Athletik
• gemeinsamer defensiver Erfahrung

Gerade Smith und Buchanan konnten auch dann Würfe erzeugen, wenn die eigentliche Offense bereits festgefahren war. Diese Funktion ist noch nicht eindeutig ersetzt.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Darius Perry
Ish Leggett
Elijah Hughes
Patrick Cartier
Keeshawn Kellman

Justin Kier könnte ebenso starten. Joplin dürfte erhebliche Minuten auf den Forwardpositionen bekommen, während Polas Bartolo weiterhin als defensiver Spezialist und Leadership-Figur wichtig bleibt.

Offensive Analyse​

Die entscheidende Frage lautet für mich nicht Shooting, sondern Creation.

Hughes ist ein bewiesener High-Volume-Schütze. Cartier kann das Feld öffnen, Joplin wurde explizit für zusätzliches Spacing verpflichtet. Auch Perry und Leggett müssen respektiert werden.

Aber wer führt diese Offense dauerhaft?

Perry ist ein guter BBL-Guard, war in Würzburg jedoch nie dominanter Lead Creator. Leggett kommt aus Rumänien. Kier besitzt Playmaking, ist aber stärker über Defense und Tempo definiert.

Duráns Idee könnte genau deshalb funktionieren: nicht ein dominanter Point Guard, sondern mehrere Spieler, die Entscheidungen treffen und den Ball bewegen.

Gegen gute Playoff-Defenses bleibt trotzdem die Frage, wer bei acht Sekunden Restzeit aus dem Dribbling zuverlässig einen Vorteil erzeugt.

Das offensive Ceiling ist ordentlich – der Floor hängt stark daran, ob Perry und Leggett ihre größeren Rollen tragen können.

Defensive Analyse​

Defensiv gefällt mir der Kader deutlich besser.

Kier wurde ausdrücklich wegen Athletik und Verteidigung geholt. Leggett bringt Physis für beide Guardpositionen. Polas Bartolo bleibt trotz seines Alters einer der intelligentesten Verteidiger der Liga. Joplin soll auch defensiv Verantwortung übernehmen. Kellman bringt Athletik am Ring, WoBo Erfahrung und Körperlichkeit.

Durán kann damit wieder jene aggressive Ludwigsburger Identität aufbauen, die Gegner zu Ballverlusten zwingt und daraus Transition erzeugt.

Elite-Rim-Protection sehe ich allerdings nicht. Kellman ist athletisch, WoBo positionell stark – aber keiner ist ein dominanter Shotblocker.

Ludwigsburg muss vor allem verhindern, dass Gegner überhaupt komfortabel bis zum Ring kommen.

Deutsche Rotation​

Die deutsche beziehungsweise lokale Struktur ist ungewöhnlich tief.

Cartier besitzt inzwischen den deutschen Pass. Dazu kommen Polas Bartolo, WoBo, Julis Baumer, Maxwell Dongmo Temoka, Lukas Modic sowie mehrere Nachwuchsspieler. Der erweiterte Kader umfasst insgesamt 18 Spieler, von denen ein erheblicher Teil parallel über die Porsche Basketball-Akademie entwickelt wird.

Das Top-End ist allerdings begrenzt. Cartier könnte Starter werden; dahinter sind viele Spieler eher Rollen- beziehungsweise Entwicklungsspieler.

Quantitativ ist die Local Rotation stark. Qualitativ gehört sie nicht zur Ligaspitze.

Coaching und Belastung​

Hier sehe ich zwei klare Pluspunkte.

Durán ist ein erfahrener Coach, der über Jahre junge Spieler auf ACB- und EuroCup-Niveau entwickelt hat. Gleichzeitig wird McCray als neuer Sportchef dauerhaft näher an Mannschaft und Kaderplanung arbeiten.

Und: Ludwigsburg spielt 2026/27 nicht international. Während elf BBL-Klubs einen europäischen Wettbewerb bestreiten, können sich die RIESEN vollständig auf Liga und Pokal konzentrieren. Das entspricht ausdrücklich der Vereinsphilosophie, nur bei entsprechender sportlicher Qualifikation international anzutreten.

Für einen jungen und stark veränderten Kader ist diese zusätzliche Trainingszeit ein echter Vorteil.

Größte Stärke​

Defensive Vielseitigkeit und Entwicklungspotenzial

Ludwigsburg besitzt viele athletische Guards und Forwards, genügend Größe und einen Trainer, dessen Philosophie genau zu diesen Profilen passt.

Größte Schwäche​

Keine gesicherte primäre Top-Level-Creation
Der Backcourt ist tief – aber keiner der neuen Guards hat bislang bewiesen, dass er über eine komplette BBL-Saison eine Playoff-Offense tragen kann.

Wichtigster Swing Factor: Ish Leggett

18 Punkte pro Spiel in Rumänien zeigen sein Potenzial. Wenn er daraus einen hochwertigen BBL-Two-Way-Guard macht, verändert sich die gesamte Bewertung.

Dann muss Perry weniger dominieren, Hughes bekommt bessere Würfe und Ludwigsburg besitzt neben Defense plötzlich auch echte Guard-Dynamik.

Floor​

Perry und Leggett erzeugen zu wenig konstante Creation, die jungen Spieler benötigen Zeit und Hughes wird defensiv stärker fokussiert.

Die Defense und fehlende Doppelbelastung verhindern den Absturz.

Floor: Platz 11–14

Realistischer Verlauf​

Durán etabliert schnell eine gute Defense. Perry organisiert solide, Leggett wird ein produktiver Combo Guard und Hughes bleibt verlässlicher Scorer.

Ludwigsburg bewegt sich erneut im Kampf um die Postseason.

Realistisch: Platz 7–11

Ceiling​

Leggett schlägt voll ein, Perry findet eine hervorragende Balance zwischen Creation und Scoring, Cartier/Joplin sorgen für stabiles Shooting und die Defense gehört zum oberen Ligadrittel.

Ohne internationale Belastung könnte Ludwigsburg dann über 34 Spieltage einige nominell stärkere Kader hinter sich lassen.

Ceiling: Platz 4–7

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: ungefähr gleich stark – aber mit höherer Varianz
Größte Stärke: Defense, Athletik und Coaching-Fit
Größte Schwäche: ungeklärte primäre Creation
Swing Factor: Ish Leggett
Floor: 11–14
Realistisch: 7–11
Ceiling: 4–7
Erwartete Saisonrolle: Play-In-/Playoff-Grenzbereich
Sicherheit: mittel bis niedrig

Tier 4 – mit realistischer Chance, sich in Tier 3 hochzuspielen.

Ludwigsburg ist für mich erneut ein Team, das über seine Defense wahrscheinlich früher funktionieren wird als über seine Offense. Entscheidend wird sein, ob aus einem tiefen, vielseitigen Backcourt auch ein Backcourt entsteht, der enge BBL-Spiele tatsächlich entscheiden kann.
 
Ich habe etwas das Gefühl, dass deine Einschätzungen etwas zu sehr von vergangenen Ergebnissen beeinflusst sind. Gerade bei den Skyliners und Oldenburg sehe ich ein ganz anderes SetUp als zuletzt. Für mich sind das Teams die auf dem Papier eher an der direkten PO Teilnahme schnuppern werden. Beide wirken viel homogener zusammengestellt und sind zudem gut gecoacht. Die Liga rückt wieder näher zusammen, was auch an den zusätzlichen Eurocup Teilnehmern liegt die einen anderen Marktzugang bekommen haben. In der Einordnung müsste Würzburg auf dem Papier eher ein boarderline PlayInn Team sein.
 
Ich habe etwas das Gefühl, dass deine Einschätzungen etwas zu sehr von vergangenen Ergebnissen beeinflusst sind. Gerade bei den Skyliners und Oldenburg sehe ich ein ganz anderes SetUp als zuletzt. Für mich sind das Teams die auf dem Papier eher an der direkten PO Teilnahme schnuppern werden. Beide wirken viel homogener zusammengestellt und sind zudem gut gecoacht. Die Liga rückt wieder näher zusammen, was auch an den zusätzlichen Eurocup Teilnehmern liegt die einen anderen Marktzugang bekommen haben. In der Einordnung müsste Würzburg auf dem Papier eher ein boarderline PlayInn Team sein.

Ich schätze deine Beiträge sonst auch sehr, und hier hast du wieder einen guten Punkt getroffen. Bei Frankfurt und Oldenburg kann es tatsächlich sein, dass ich noch etwas zu stark mitdenke, wo beide Teams herkommen.

Warum ich trotzdem noch etwas vorsichtiger bin, liegt vor allem daran, dass bei beiden zwar sehr viel Qualität dazugekommen ist, aber eben auch ziemlich viel neu zusammengesetzt werden muss. Auf dem Papier wirken beide deutlich homogener und logischer als im Vorjahr – da bin ich komplett bei dir. Ich möchte nur erstmal sehen, wie schnell sich daraus auch eine belastbare Hierarchie auf BBL-Niveau entwickelt.

Oldenburg finde ich dabei inzwischen richtig spannend.

Und Frankfurt hat mit den letzten Moves nochmal deutlich an Qualität gewonnen.
Deinen Punkt mit der engeren Liga und den vielen internationalen Teilnehmern finde ich ebenfalls wichtig. Das könnte am Ende tatsächlich dazu führen, dass Teams wie Frankfurt oder Oldenburg stärker profitieren, als ich es momentan einpreise.

Wo würdest du die beiden denn konkret sehen? Schon ziemlich klar in den Top 8 oder eher in diesem großen Pulk dahinter?
 
Ich habe aktuell leider nicht die Zeit mich mit den Teams zu beschäftigen. Deswegen auch nochmal ein riesiges Dankeschön für deine Ausführungen hier! Ziemlich stark!

Die Tatsache, dass die Liga noch näher zusammenrückt macht die Einschätzung noch schwerer als es im Basketball sowieso ist. Bei Frankfurt sehe ich es sehr positiv, dass Christmas nicht machen muss, was er kann, sondern das was er sollte. die deutschen Positionen sind für mich der x-Faktor. Wenn die Jungs ihre Rollen noch besser definiert bekommen, dann sehe ich den Floor aktuell eher auf der 8. allerdings hatte ich die Doppelbelastung nicht bedacht und die ist im Eurocup heftig. Also ziehe ich zurück und bin bei deiner Einschätzung.

Oldenburg wird für mich das Team to Watch sein am Anfang. Sehr spannende Spieler mit Upside Potenzial. Für
Mich ein Sleeper Kandidat und ich sehe sie am Ende in den Playoffs.

Aber ich habe Bonn nach den ersten Spielen in der letzten Saison auch lange gegen den Abstieg gesehen 😅
 
Ich habe aktuell leider nicht die Zeit mich mit den Teams zu beschäftigen. Deswegen auch nochmal ein riesiges Dankeschön für deine Ausführungen hier! Ziemlich stark!

Die Tatsache, dass die Liga noch näher zusammenrückt macht die Einschätzung noch schwerer als es im Basketball sowieso ist. Bei Frankfurt sehe ich es sehr positiv, dass Christmas nicht machen muss, was er kann, sondern das was er sollte. die deutschen Positionen sind für mich der x-Faktor. Wenn die Jungs ihre Rollen noch besser definiert bekommen, dann sehe ich den Floor aktuell eher auf der 8. allerdings hatte ich die Doppelbelastung nicht bedacht und die ist im Eurocup heftig. Also ziehe ich zurück und bin bei deiner Einschätzung.

Oldenburg wird für mich das Team to Watch sein am Anfang. Sehr spannende Spieler mit Upside Potenzial. Für
Mich ein Sleeper Kandidat und ich sehe sie am Ende in den Playoffs.

Aber ich habe Bonn nach den ersten Spielen in der letzten Saison auch lange gegen den Abstieg gesehen 😅

Danke für die Rückmeldung.

Ich habe mich bis dato noch nie so intensiv in der Preseason auch mit anderen Teams beschäftigt. Ich bin also sehr gespannt, wo ich nen Treffer lande und wo komplett daneben liegen werde.

Die BBL scheint mir in ihrer 61.Auflage wirklich eine neuerliche Wundertüte zu sein. Aus Würzburger Sicht hoffe ich da schon auch sehr, dass meine Fantasie erfüllt wird - nach dem Motto: Sasa wird schon was zaubern.

Und nach deinem Bonn-Call vom letzten Jahr weiß ich jetzt natürlich nicht, ob dein Oldenburg-Tipp Hoffnung oder Warnsignal ist. 😅
 

ratiopharm Ulm​

Kaum ein Team verkörpert das Prinzip „hohes Ceiling bei bewusst eingekauftem Entwicklungsrisiko“ so konsequent wie Ulm. Und diesmal treibt man es noch etwas weiter.

Nach Platz sechs und dem überraschend deutlichen 0:3 im Viertelfinale gegen Bamberg wurde die Mannschaft nahezu vollständig umgebaut. Gleichzeitig endete mit dem Wechsel von Thorsten Leibenath nach München nach 15 Jahren eine Ära in der sportlichen Führung. Ty Harrelson bleibt dagegen Headcoach.

Auf dem Papier finde ich den neuen Kader ausgesprochen spannend. Mit Ibi Watson, Jaylen Sims, Michael Rataj und Simi Shittu besitzt Ulm sehr viel individuelle Qualität. Die zentrale Frage ist für mich:
Wer organisiert dieses Team?

Die Geschichte der Offseason​

Der größte Coup ist Ibi Watson. Der 28-Jährige kommt nach einer herausragenden Saison aus Bamberg, wurde Zweiter der BBL-MVP-Wahl und erzielte dort 16 Punkte bei 41,6 Prozent Dreierquote. In den Playoffs steigerte er seine Distanzquote sogar auf 45,5 Prozent. Er ist nicht nur Shooter, sondern kann aus dem Dribbling scoren und defensiv den besten gegnerischen Wing übernehmen.

Mit Jaylen Sims kommt ein weiterer Spieler, dem ich sofort eine große Rolle zutraue. Der 1,98 Meter große Combo Guard gewann zuletzt die G-League-Meisterschaft und produzierte 16,8 Punkte, 5,1 Rebounds und 2,5 Assists. Er kann Creation übernehmen, ist aber kein klassischer Point Guard.

Michael Rataj ist vielleicht die spannendste Verpflichtung. Der deutsche Forward kehrt nach Collegejahren und seinem kurzen Meisterschaftsintermezzo bei ALBA zurück nach Ulm. Bei Oregon State kam er zuvor auf 16,8 Punkte und 7,2 Rebounds; bei Baylor musste er später aufgrund von Verletzungen im Team häufiger auf Center aushelfen. Ulm sieht ihn explizit als Führungsspieler und variablen 3/4/5.

Dazu kommt mit Armel Traoré ein 23-Jähriger mit NBA- und EuroLeague-Erfahrung, der bewusst nach Ulm wechselt, um erstmals eine größere offensive Rolle zu bekommen.

Und auf Center hat Ulm nach dem überraschenden Abgang von Chris Sengfelder noch einmal umgeplant: Simi Shittu kam nach seiner starken Rückrunde in Braunschweig, wo er 14,9 Punkte und 8,3 Rebounds in nur 25 Minuten produzierte.

Das ist schon ziemlich viel Qualität.

Was wurde verloren?​

Allerdings ist der Schnitt enorm.

Tommy Klepeisz und Tobias Jensen gingen ebenso wie Chris Ledlum, Mark Smith, Malik Osborne, Joel Soriano und Nelson Weidemann. Wenig später zog zusätzlich Kapitän Chris Sengfelder überraschend seine Ausstiegsklausel für einen Wechsel in die ACB.

Damit verliert Ulm praktisch seine komplette etablierte Hierarchie.

Besonders Klepeisz und Jensen hinterlassen etwas, das sich in keiner einfachen Scoringstatistik abbilden lässt: Organisation auf Point Guard. Jensen hatte sich bereits zum Starting Point Guard entwickelt, Klepeisz war über Jahre Leader und Entscheidungsträger. Dazu verschwinden mit Ledlum, Smith und Weidemann erhebliche Mengen an Creation und Athletik.

Und über allem steht der Abschied Leibenaths. Nach 15 Jahren verlässt einer der zentralen Architekten des gesamten Ulmer Modells den Klub.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Jaylen Sims
Ibi Watson
Michael Rataj
Armel Traoré
Simi Shittu

Das muss nicht die tatsächliche Starting Five werden. Gerade Devin Schmidt oder Teo Milicic könnten als nomineller Guard andere Konstellationen ermöglichen.

Offensive Analyse​

Ulm kann offensiv ausgesprochen schwer auszurechnen sein.

Watson besitzt bewiesenes BBL-Eliteshooting. Sims kann aus Pick-and-Roll und Isolation kreieren. Rataj kann kleinere Spieler im Post bestrafen, größere Spieler vom Dribbling attackieren und selbst als Connector agieren. Traoré bringt enorme Athletik. Shittu erzeugt Druck am Ring und am offensiven Brett.

Dazu kommt ein Spieler, den man vielleicht unterschätzt. Adam Atamna. Der erst 18-Jährige erzielte beim NextGen-EuroLeague-Turnier 2025 unglaubliche 33 Punkte pro Spiel bei 48,6 Prozent Dreierquote und spielte anschließend bereits für ASVEL auf höchstem europäischem Niveau.

Das offensive Talent ist damit enorm.

Was fehlt, ist der klassische Organisator.

Sims ist eher Combo Guard. Watson ist Scorer. Rataj Forward. Atamna erst 18. Teo Milicic ist zwar echter Point Guard und hat bereits in BBL und EuroCup Verantwortung übernommen, ist aber ebenfalls erst 18 Jahre alt.

Das muss kein Problem werden. Harrelson kann eine sehr moderne Offense spielen, in der mehrere Spieler initiieren und Entscheidungen treffen.

Aber wenn ein Gegner das Tempo herausnimmt und Ulm fünf Minuten lang im Halbfeld zwingt, jeden Angriff sauber zu organisieren, möchte ich sehen, wer tatsächlich dauerhaft die Kontrolle übernimmt.

Defensive Analyse​

Defensiv gefällt mir das Personal sehr.

Watson kann Topscorer verteidigen. Sims besitzt für einen Guard enorme Größe. Rataj kann mehrere Positionen übernehmen. Traoré bringt Kraft und Athletik, Shittu Physis und Rebounding.

Damit kann Harrelson groß und switchfähig spielen und gleichzeitig viel Druck auf den Ball erzeugen.

Was mir etwas fehlt, ist der klassische Ringbeschützer. Shittu ist ein sehr guter Rebounder und physischer Center, aber kein dominanter Shotblocker. Hinter ihm besitzt Ulm zahlreiche variable Forwardoptionen, jedoch keinen klassischen 2,10+-Meter-Defensivanker.

Ulm wird den Ring eher durch Athletik, Switching und Teamdefense schützen müssen als durch einen einzelnen Rim Protector.

Deutsche Rotation​

Hier liegt für mich einer der unterschätzten Unterschiede zur Vorsaison.

Rataj ist ein potenzieller deutscher Topspieler. Dahinter wird es deutlich spekulativer.

Devin Schmidt kommt als 31-jähriger deutscher Scharfschütze aus Hagens Aufstiegsteam. Lenny Liedtke wurde ProA-Youngster des Jahres. Dwayne Koroma kommt vom NCAA-Finalisten UConn, spielte dort allerdings kaum und muss sich erst im Profibasketball etablieren. Dazu kommen Teo Milicic und Nil Failenschmid-Clavera sowie weitere Spieler aus dem OrangeCampus.

Das Talent ist vorhanden, aber neben Rataj ist wenig gesicherte BBL-Produktion dabei.

Die Local Rotation besitzt viel Entwicklungspotenzial, aber weniger sofortige Sicherheit als zuletzt.

Coaching, Struktur und Belastung​

Ty Harrelson bleibt – und das ist wichtig. Trotz des enormen Kaderwechsels beginnt Ulm sportlich nicht bei null.

Strukturell ist der Abschied Leibenaths trotzdem erheblich. Die Kaderplanung wurde über 15 Jahre maßgeblich von ihm geprägt; nach seinem Wechsel nach München wurden die Verantwortlichkeiten um Geschäftsführer Dr. Thomas Stoll neu sortiert.

Dazu kommt erneut der EuroCup. Ulm hat sogar eine feste Lizenz für drei weitere Jahre erhalten. Das bedeutet weiterhin regelmäßige englische Wochen und Reisen auf hohem europäischen Niveau.

Bei einem Kader mit Atamna, Milicic, Liedtke, Koroma und weiteren Youngstern kann das Vorteil und Risiko zugleich sein: sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten – aber eben auch wenig Trainingszeit und Belastungssteuerung über mehrere Wettbewerbe.

Größte Stärke​

Athletik, Vielseitigkeit und individuelles Entwicklungspotenzial
Watson, Sims, Rataj, Traoré und Shittu können körperlich auf BBL-Niveau sofort mithalten und unterschiedlichste Lineups bilden.

Größte Schwäche​

Fehlende bewiesene Point-Guard-Struktur
Es gibt genug Spieler, die einen Angriff initiieren können. Aber keinen erwachsenen klassischen Lead Guard, von dem ich heute sicher weiß, dass er 25 bis 30 Minuten lang ein Spitzenteam kontrollieren kann.

Wichtigster Swing Factor​

Jaylen Sims
Nicht weil ich an seiner Qualität zweifle, sondern weil seine Rolle über die Bewertung dieses Teams entscheidet.

Ist Sims nicht nur ein guter Scorer und Combo Guard, sondern kann zusätzlich dauerhaft die Offense strukturieren, löst er Ulms größtes Fragezeichen.

Dann besitzt dieses Team sehr wenige offensichtliche Schwächen.

Floor​

Die neue Hierarchie braucht Zeit, die jungen deutschen Spieler liefern noch nicht konstant genug und gegen starke Halbfelddefenses fehlt ein echter Organisator. Durch den EuroCup entstehen zusätzlich Schwankungen.

Floor: Platz 8–11

Realistischer Verlauf​

Watson bleibt einer der besten Wings der Liga, Sims funktioniert als primärer Ballhandler, Rataj übernimmt sofort große Verantwortung und Shittu bestätigt seine Braunschweiger Leistungen.

Dann ist Ulm ein ziemlich sicherer Playoffkandidat.

Realistisch: Platz 4–7

Ceiling​

Rataj entwickelt sich zum deutschen Topspieler, Sims funktioniert als Lead Guard, Watson spielt erneut auf MVP-Niveau und ein Talent wie Atamna oder Milicic explodiert im Laufe der Saison.

Dann kann Ulm praktisch jeden Gegner außer vielleicht Bayern in einer Serie ernsthaft bedrohen.

Ceiling: Platz 2–4

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: mehr individuelles Top-End, aber weniger bewiesene Stabilität
Größte Stärke: Athletik, Vielseitigkeit und Scoringqualität
Größte Schwäche: klassische Point-Guard-Creation
Swing Factor: Jaylen Sims
Floor: 8–11
Realistisch: 4–7
Ceiling: 2–4
Erwartete Saisonrolle: direkter Playoffkandidat mit Halbfinalpotenzial
Sicherheit: mittel

Tier 3 – mit einem der höchsten Ceilings außerhalb von Bayern und ALBA.

Was Ulm für mich von Oldenburg, Frankfurt oder Ludwigsburg unterscheidet, ist die bereits nachgewiesene Qualität an der Spitze des Kaders. Watson ist ein BBL-Topspieler, Shittu hat die Liga bereits körperlich dominiert, Rataj bringt enormes Two-Way-Potenzial und Sims kommt als G-League-Champion.

Ich würde Ulm deshalb trotz des großen Umbruchs relativ weit oben einsortieren.

Aber dieser Kader ist typisch Ulm: Er kann im März deutlich besser sein als im Oktober. Und wahrscheinlich entscheidet weniger die reine Talentfrage als die Frage, wer in diesem außergewöhnlich vielseitigen Team am Ende wirklich das Spiel in die Hand nimmt.
 

NINERS Chemnitz​

Chemnitz ist für mich eines der schwierigsten zu bewertenden Teams dieser Offseason. Nicht, weil der Kader schlecht einzuschätzen wäre, sondern weil hier zwei völlig gegensätzliche Dinge zusammenkommen:

Zwölf Neuzugänge und damit praktisch keinerlei personelle Kontinuität – aber mit Rodrigo Pastore einen der stabilsten und prägendsten Trainer der Liga.

Nach dem enttäuschenden Ende der vergangenen Saison, als Chemnitz am letzten Spieltag noch aus den Play-Ins rutschte, wurde der Profikader praktisch vollständig ausgetauscht. Die zwölf Neuzugänge bilden laut Verein den neuen Kern.

Die Geschichte der Offseason​

Das neue Team beginnt im Backcourt mit zwei Spielern, bei denen die BBL-Übertragung keine große Spekulation mehr ist.

Cobe Williams kommt aus Bamberg. Dort war er beim Pokalsieger und späteren Halbfinalisten mit 14,6 Punkten und 4,1 Assists einer der wichtigsten Spieler. Dazu 38 Prozent Dreier, 1,5 Steals und starke Quoten innerhalb der Zone. Williams kann selbst scoren, Pick-and-Rolls führen und defensiv Druck erzeugen.

Daneben steht Stefan Smith. Der Combo Guard war in Ludwigsburg mit 16,5 Punkten, 4,4 Assists und 4,2 Rebounds einer der produktivsten Guards der Liga. Er attackiert aggressiv den Ring, kommt häufig an die Freiwurflinie und kann sowohl mit als auch ohne Williams Creation übernehmen.

Das ist ein bemerkenswert starkes Fundament.

Dazu kommt Phlandrous Fleming Jr., den BBL-Fans ebenfalls kennen. Pastore hat damit auf den kleinen Positionen nicht nur Scoring, sondern auch Größe, Physis und mehrere Ballhandler. Der Verein sieht Williams, Smith und Fleming ausdrücklich als zentrale Backcourt-Achse.

Im Frontcourt setzt Chemnitz auf eine Mischung aus Erfahrung und Entwicklung.

Darion Atkins kehrt nach vier Jahren zurück. In seiner ersten Chemnitzer Saison kam er auf 12,3 Punkte, 6,6 Rebounds und war sowohl offensiv als auch defensiv ein wichtiger Faktor. Inzwischen bringt er fast 600 Profispiele und reichlich internationale Erfahrung mit.

Neben ihm soll Nighael Ceaser Athletik und Physis liefern. Ben Burnham kommt nach einer herausragenden ProA-Saison bei Artland und war dort statistisch einer der effizientesten Spieler der Liga. Urald King bringt wiederum eine ganz andere Qualität: Erfahrung, Rebounding, körperliche Härte und mittlerweile einen brauchbaren Distanzwurf. In Trier lieferte er vergangene Saison 8,4 Punkte und 5,1 Rebounds bei knapp 36 Prozent von außen.

Was wurde verloren?​

Eigentlich müsste die Frage lauten: Was wurde nicht verloren?
Kevin Yebo, Aher Uguak, Corey Davis, Eric Washington, Yordan Minchev, John Newman, Nike Sibande, Kostja Mushidi und weitere Rotationsspieler sind weg. Anfang August verabschiedete Chemnitz mit Mushidi und Chris Wahren auch die letzten noch offenen Personalien.

Damit gehen:
• praktisch die gesamte eingespielte Rotation
• ein großer Teil der letztjährigen Scoring-Hierarchie
• jahrelange Identifikationsfiguren wie Yebo und Uguak
• fast sämtliche Automatismen

Normalerweise wäre das ein riesiges Warnsignal.

Bei Chemnitz relativiert es sich etwas, weil die vergangene Mannschaft trotz individueller Qualität nie richtig stabil wurde. Insbesondere offensiv fehlten Konstanz und verlässliches Shooting; am Ende reichte eine 16:18-Bilanz nicht einmal für die Play-Ins.

Der radikale Schnitt ist deshalb Risiko und Chance zugleich.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Die erste Testspiel-Starting-Five gegen Bamberg lautete:
Cobe Williams
Stefan Smith
Urald King
Ben Burnham
Nighael Ceaser

Das muss keinesfalls die Saisonformation bleiben. Pastore wechselte bewusst durch alle möglichen Kombinationen. Alle zwölf Profis kamen zum Einsatz.

Offensive Analyse​

Offensiv gefällt mir dieser Kader deutlich besser, als ich zunächst erwartet hatte.

Williams und Smith können beide aus dem Dribbling Vorteile erzeugen. Das ist ein riesiger Unterschied zu Teams, bei denen zunächst überhaupt geklärt werden muss, ob deren neue Guards auf BBL-Niveau Creation tragen können.

Hier wissen wir bereits, dass sie es können.

Fleming gibt einen weiteren Spieler, der mit Ball agieren kann. King kann kleinere Matchups bestrafen und das Feld zumindest respektabel öffnen. Burnham bringt Scoring auf der Vier. Atkins kann Pick-and-Roll spielen und gelegentlich Poppen.

Das dürfte Pastore ermöglichen, wieder deutlich stärker seine bevorzugte fluide Offense zu spielen: mehrere Entscheidungsträger, viel Bewegung, wenig starre Positionsgrenzen.

Die Frage ist eher das Shooting.

Smith war bislang kein Elite-Distanzschütze. King ist ordentlich, aber kein echter Spacer. Bei mehreren Frontcourt-Konstellationen könnte das Feld enger werden.

Williams' 38 Prozent aus Bamberg sind deshalb wichtig. Chemnitz braucht zusätzlich mindestens einen weiteren verlässlichen High-Volume-Schützen.

Defensive Analyse​

Hier sehe ich enormes Potenzial.

Williams war bereits am College ein ausgezeichneter Verteidiger und produziert Ballgewinne. Smith ist körperlich stark. Fleming bringt Länge auf dem Flügel. King kann mehrere Forwardtypen verteidigen.

Atkins ist zudem ein sehr intelligenter defensiver Big, der sowohl im Pick-and-Roll als auch als Help Defender funktioniert. Ceaser bringt dahinter die Athletik.

Das passt sehr gut zu Pastore.

Chemnitz dürfte wieder versuchen, aggressiv zu verteidigen, Ballhandler unter Druck zu setzen und aus Turnovern Tempo zu erzeugen.

Was mir fehlt, ist ein dominanter klassischer Rim Protector. Aber anders als bei einigen anderen Teams glaube ich, dass Chemnitz das kollektiv kompensieren kann.

Deutsche Rotation​

Das ist gleichzeitig eine der spannendsten und unsichersten Stellen.

Yohan Choupas, Mateo Šerić, Jannis von Seckendorff, Alexander Richardson und Elias Rödl bilden den deutschen Kern. Dazu kommen Nachwuchsspieler wie Luca Kellig. Der Verein führt aktuell genau diese neue Struktur im Profikader.

Die Profile gefallen mir.

Choupas bringt bereits höherklassige Erfahrung aus Frankreich. Šerić kennt die BBL. Von Seckendorff kommt nach starken ProA-Jahren mit enormer Energie und Athletik. Richardson bringt Körperlichkeit auf Center. Rödl ist ein hochinteressanter Shooter.

Aber:
Es gibt hier keinen etablierten deutschen BBL-Leistungsträger auf Rataj-, Ensminger-, Klepeisz- oder Tischler-Niveau.

Pastore muss aus dieser Gruppe mindestens zwei verlässliche Rotationsspieler formen.

Pastore als entscheidender Faktor​

Genau hier liegt für mich der wichtigste Grund, Chemnitz nicht zu tief einzuordnen.

Rodrigo Pastore ist nicht nur geblieben, sondern langfristig bis 2028 gebunden. Er prägt das Chemnitzer System seit 2015 und hat bereits mehrfach komplett veränderte Kader erfolgreich integriert.

Das ist bei zwölf Neuzugängen enorm wertvoll.

Die Spieler müssen sich kennenlernen – aber nicht gleichzeitig muss noch herausgefunden werden, wie Chemnitz eigentlich Basketball spielen möchte.

Das steht fest.

EuroCup​

Die Kehrseite ist die Belastung.

Chemnitz spielt erneut im BKT EuroCup. Der Klub kalkuliert mit mindestens 49 Pflichtspielen in Bundesliga, Pokal und Europa.

Und gerade für einen komplett neuen Kader ist das relevant. Wo Oldenburg oder Ludwigsburg zwischen Spielen mehrere Trainingstage bekommen, muss Pastore teilweise während englischer Wochen Automatismen entwickeln.

Letzte Saison war genau diese Belastung zeitweise sichtbar.

Größte Stärke​

Bewiesene Guardqualität plus Pastores System.
Williams und Smith gehören für mich gemeinsam zu den stärkeren Backcourt-Duos des breiten BBL-Mittelfelds.

Größte Schwäche​

Zwölf neue Spieler.
Man kann Talent verpflichten. Eingespieltheit kann man nicht verpflichten.

Swing Factor[/HEADING: Ben Burnham
Williams, Smith, Fleming und Atkins kann ich relativ gut einordnen.

Burnham ist für mich der Spieler, der die Bewertung stärker verändern könnte. Seine ProA-Produktion war außergewöhnlich. Schafft er den Sprung und wird auf der Vier ein echter BBL-Scorer, bekommt Chemnitz plötzlich eine weitere offensive Dimension.

Floor / Realistisch / Ceiling​

Floor: Platz 11–14
Wenn die Integration länger dauert, die deutsche Rotation noch nicht trägt und der EuroCup früh Körner kostet, kann Chemnitz erneut im Play-In-Rennen hinterherlaufen.

Realistisch: Platz 7–10
Williams und Smith tragen den Backcourt, Pastore formt schnell eine gute Defense und zwei bis drei der neuen Forwards funktionieren.

Ceiling: Platz 4–6
Wenn Burnham und Ceaser einschlagen, Fleming seine Qualität voll einbringt und die deutschen Rollen funktionieren, ist der Kader tief und vielseitig genug für direkte Playoffs.

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: qualitativ verbessert, strukturell extrem riskant
Größte Stärke: Guardqualität und Coaching
Größte Schwäche: komplette fehlende Kaderkontinuität
Swing Factor: Ben Burnham
Floor: 11–14
Realistisch: 7–10
Ceiling: 4–6
Erwartete Saisonrolle: Play-In mit realistischer Chance auf direkte Playoffs
Sicherheit: niedrig bis mittel

Tier 3/4-Grenze.

Chemnitz ist für mich nach der genaueren Beschäftigung etwas stärker, als ich den Kader zunächst eingeschätzt hatte.

Der Grund sind vor allem Williams und Smith. Bei vielen neu zusammengestellten Teams spekulieren wir darauf, dass die wichtigsten Guards BBL-Qualität entwickeln. Chemnitz weiß bereits, dass seine beiden zentralen Guards in dieser Liga sehr gute Spieler sein können.

Auf der anderen Seite sind zwölf Neuzugänge zwölf Neuzugänge.

Deshalb würde ich Chemnitz momentan noch hinter den Teams einordnen, deren Kern bereits stabiler ist. Aber ich wäre überhaupt nicht überrascht, wenn wir im Winter feststellen, dass Pastore aus diesem Kader wieder einmal schneller ein funktionierendes Team gebaut hat, als man es im August erwarten konnte.

Ein ganz kleines erstes Indiz gab es übrigens gestern: Beim 97:102 gegen Bamberg punkteten bereits alle zwölf Neuzugänge, sechs davon zweistellig, Williams verteilte sieben Assists. Für eine Prognose bedeutet ein erstes Testspiel praktisch nichts – aber für einen komplett neu zusammengesetzten Kader ist zumindest interessant, dass die Verantwortung offensichtlich schon früh breit verteilt wird.​
 

VET-CONCEPT Gladiators Trier​

Bei Trier besteht für mich eine gewisse Gefahr, die starke Aufstiegssaison einfach fortzuschreiben. Genau das würde dem neuen Kader aber nicht gerecht – in beide Richtungen.

Der Aufsteiger beendete die Hauptrunde 2025/26 auf Rang acht, setzte sich anschließend im Play-In gegen Rostock durch und erreichte damit direkt im ersten BBL-Jahr die Playoffs. Gegen Bayern war dann mit 0:3 deutlich Schluss.

2026/27 ist Trier auf dem Papier qualitativ besser und vor allem defensiv deutlich stärker. Gleichzeitig ist der Überraschungseffekt weg, die Liga kennt Schneiders extrem temporeichen Basketball inzwischen und erstmals kommt der FIBA Europe Cup dazu.

Deshalb sehe ich Trier nicht automatisch als Top-3-Team – aber als einen der interessantesten direkten Playoffkandidaten.

Was geblieben ist​

Das Wichtigste zuerst: Trier hat trotz einiger prominenter Wechsel erstaunlich viel Kontinuität.

Jordan Roland bleibt der offensive Fixpunkt. Der Offensive Player of the Year erzielte in der Hauptrunde 18,0 Punkte, traf 40,6 Prozent seiner Dreier und war einer der besten Shotmaker der gesamten Liga.

Auch Clayton Guillozet bleibt. Er entwickelte sich zu einem ausgesprochen wertvollen Connector, der scoren, kreieren und mehrere Positionen verteidigen kann. Dazu bleiben mit Marco Hollersbacher, Marten Linßen, Evans Rapieque und Maik Zirbes gleich mehrere Spieler, die Aufstieg, BBL-Premierensaison und Schneiders System bereits kennen.

Und vor allem bleibt Jacques Schneider. Sein Vertrag läuft bis 2028. Damit verändert sich der Kader, aber nicht die spielerische Idee.

Das ist für mich ein wesentlicher Unterschied zu vielen anderen ambitionierten Teams dieses Sommers.

Die Neuzugänge​

Die größte Geschichte ist eigentlich eine Rückkehr.

Eli Brooks begann bereits die vergangene Saison in Trier und war in seinen 13 Spielen mit 16,2 Punkten und 5,0 Assists sofort einer der besten Guards des Teams. Seine damaligen knapp 49 Prozent Dreier waren sicherlich nicht nachhaltig, aber seine Qualität als Lead Guard steht außer Frage. Anschließend zog ihn eine Ausstiegsklausel zu BAXI Manresa – nun kehrt er zurück.

Dahinter kommt mit Bennet Hundt ein deutscher Point Guard mit reichlich BBL-, Europa- und Nationalmannschaftserfahrung. Er muss hier nicht 25 Minuten dominieren, sondern soll Brooks entlasten, Tempo machen und defensiv Druck aufbauen.

Auf dem Flügel ist Justin Simon für mich einer der wichtigsten Transfers des gesamten Trierer Sommers. Der ehemalige BBL-Defensive-Player-of-the-Year wurde vergangene Saison erneut Zweiter bei dieser Wahl und produzierte für Ulm 7,8 Punkte, 4,3 Rebounds, 3,0 Assists und 1,6 Steals.

Dazu kommt Austin Crowley aus Bamberg.

Und hier gefällt mir die Kaderplanung besonders: Crowley kommt nicht allein. Mit Moritz Krimmer und EJ Onu wechseln gleich drei Spieler aus jener Bamberger Mannschaft nach Trier, die Pokalsieger wurde, Ulm im Viertelfinale mit 3:0 eliminierte und ALBA im Halbfinale bis ins fünfte Spiel zwang. Die drei kennen sich, kennen erfolgreiche BBL-Rollen und müssen nicht komplett neu herausfinden, wie sie miteinander funktionieren.

Onu ist dabei der spektakulärste Zugang: amtierender Defensive Player of the Year, 2,11 Meter groß und vergangene Saison 2,1 Blocks pro Spiel.

Was wurde verloren?​

Trier hat allerdings nicht nur aufgefüllt.

Steven Ashworth geht nach 10,9 Punkten und 5,3 Assists. Nolan Adekunle verliert man nach einer sehr starken ersten BBL-Saison Richtung NCAA; er brachte als Starter Defense, Transition und 42,9 Prozent Dreier. Urald King verlässt nach 8,3 Punkten und 4,9 Rebounds ebenfalls den Klub. Auch JJ Mann und George King sind nicht mehr Teil des Teams.

Das sind echte Verluste.

Trotzdem würde ich den Tausch insgesamt positiv bewerten.

Aus Ashworth wird Brooks plus Hundt. Aus der Wingrotation bekommt Trier Simon und Crowley. Unter dem Korb kommt Onu zusätzlich zu Linßen und Zirbes, während Krimmer die Vier verstärkt.

Die neue Version erscheint mir tiefer, physischer und defensiv wesentlich kompletter.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Eli Brooks
Jordan Roland
Justin Simon
Moritz Krimmer
EJ Onu

Dahinter wären unter anderem Hundt, Guillozet, Crowley, Hollersbacher, Linßen und Zirbes verfügbar.

Das ist bemerkenswert tief.

Offensive Analyse​

Trier wird weiterhin Trier bleiben.

Tempo. Frühe Entscheidungen. Transition. Viele Ballbesitze. Schnelle Dreier. Attackieren, bevor die gegnerische Defense vollständig organisiert ist.

Vergangene Saison gehörten die Gladiators über weite Strecken zu den offensiv produktivsten Teams der Liga.

Und diesmal gefällt mir die Guardstruktur sogar besser.

Brooks ist ein echter Organisator. Roland muss dadurch weniger Aufbauarbeit übernehmen und kann stärker das tun, worin er Elite ist: scoren. Guillozet kann zweite Units organisieren, Hundt hält das Tempo hoch und Crowley gibt zusätzliche Shot Creation.

Das ist sehr viel Ballhandling.

Das Fragezeichen sehe ich eher beim Spacing bestimmter Lineups.
Simon ist kein Spieler, den Gegner unbedingt eng an der Dreierlinie verteidigen müssen. Onu lebt offensiv primär am Ring. Auch Krimmer ist kein High-Volume-Shooter.

Mit Brooks, Roland oder Crowley lässt sich das auffangen. Aber gegen gute Playoffdefenses wird Schneider darauf achten müssen, nicht zu viele Non-Shooter gleichzeitig aufzustellen.

Defensive Analyse​

Hier sehe ich den größten Sprung.
Justin Simon + EJ Onu ist eine enorme defensive Kombination.
Simon kann den gefährlichsten gegnerischen Guard oder Wing übernehmen und ist gleichzeitig stark genug, um größere Spieler zu verteidigen. Onu schützt dahinter den Ring.

Dazu kommen Hundt als aggressiver Point-of-Attack-Verteidiger, Krimmer mit Physis, Hollersbacher und Rapieque als Energieverteidiger sowie Linßen und Zirbes für körperliche Center-Matchups.

Trier konnte vergangene Saison offensiv fast jeden Gegner unter Druck setzen. Defensiv war das nicht immer der Fall – besonders wenn Gegner das erste Pressing überwanden und bis zum Ring kamen.

Genau dort verändert Onu das Team.

Die Gladiators haben jetzt erstmals einen echten defensiven Fehlerkorrektor hinter ihrer aggressiven Perimeterverteidigung.

Deutsche Rotation​

Auch die gefällt mir richtig gut.

Hundt, Krimmer, Hollersbacher, Linßen, Rapieque und Zirbes ergeben sechs deutsche Spieler, von denen mehrere reguläre BBL-Minuten übernehmen können.

Das ist kein Konstrukt, bei dem die deutschen Spots lediglich formal besetzt sind.

Hundt kann die zweite Guardformation führen. Krimmer kann starten. Hollersbacher und Linßen haben sich bereits in der Liga bewiesen. Zirbes bringt Erfahrung und Rapieque Defense.

Das verschafft Schneider enorme Freiheit bei seinen Lineups.

Das zweite Jahr​

Hier kommt der Einwand ins Spiel, den ich bei Trier inzwischen stärker gewichte.

Vergangene Saison konnte der Aufsteiger viele Gegner mit seinem Tempo regelrecht überfallen. Nach 29 Spieltagen war Trier noch 16:13, verlor dann allerdings zunehmend Spiele; am Ende musste man als Achter über die Play-Ins gehen. Gegen Vechta gab es beispielsweise eine 97:123-Niederlage, nachdem RASTA Triers Tempo selbst offensiv beantwortete und die Trierer Defense große Probleme bekam.

Jetzt haben alle Trainer eine komplette Saison Videomaterial.

Trier wird niemand mehr unterschätzen.

Das bedeutet nicht, dass das System plötzlich nicht mehr funktioniert. Aber die nächste Entwicklungsstufe muss darin bestehen, auch Spiele gewinnen zu können, wenn der Gegner das gewünschte Tempo wegnimmt.

Brooks dürfte genau dabei helfen.

Europe Cup und Don Beck​

Neu ist außerdem die internationale Belastung.

Trier spielt erstmals seit mehr als zwanzig Jahren wieder europäisch und ist direkt für die Gruppenphase des FIBA Europe Cups qualifiziert. Das neue Format besteht aus Sechsergruppen – also zehn Gruppenspielen zusätzlich zu BBL und Pokal. In Triers Gruppe befinden sich unter anderem Trepça und Split; weitere Plätze hängen teilweise noch von der BCL-Qualifikation ab.

Das ist keine EuroLeague-Belastung, aber für einen Klub, der diese Abläufe erstmals erlebt, definitiv relevant.

Dazu kommt der überraschende Abschied von Don Beck am 14. August. Seine Position als President of Basketball Operations wird nicht neu besetzt; die sportlichen Aufgaben werden intern verteilt.

Kurzfristig würde ich das aber nicht überbewerten. Der Kader steht bereits und Schneider bleibt der klare sportliche Fixpunkt. Langfristig ist Becks Netzwerk und Einfluss schwieriger zu ersetzen.

Größte Stärke​

Die Kombination aus Creation, defensiver Qualität und Rotationstiefe.
Trier kann inzwischen auf sehr unterschiedliche Arten gewinnen.

Größte Schwäche​

Der neue Status.
Trier ist nicht mehr der freche Aufsteiger. Gegner kennen die Spielweise, bereiten sich gezielt darauf vor und die Mannschaft muss gleichzeitig erstmals europäische Wochen bewältigen.

Swing Factor​

:Austin Crowley

Bei Brooks, Roland, Simon und Onu weiß man ziemlich genau, was Trier bekommt.

Crowley könnte den Unterschied machen.

Wird er aus seiner Bamberger Rolle zu einem konstanten zweistelligen Scorer und zusätzlichen Creator, besitzt Trier neben Roland und Brooks eine dritte echte offensive Waffe im Backcourt.

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: verbessert
Größte Stärke: Zwei-Way-Tiefe
Größte Schwäche: Europe-Cup-Belastung und Anpassung der Gegner
Swing Factor: Austin Crowley
Negativer Verlauf: etwa Platz 8–11
Realistisch: Platz 4–7
Best Case: Platz 2–4
Erwartete Saisonrolle: direkter Playoffkandidat
Sicherheit: mittel bis hoch

Tier 3 – für mich allerdings ziemlich weit oben in diesem Tier.

Der Kader ist besser als derjenige, der vergangene Saison die Playoffs erreicht hat. Aber Teams wie Ulm, Bonn, Würzburg, Vechta und vielleicht auch ein Überraschungsteam aus Oldenburg/Frankfurt bilden inzwischen einen so engen Block, dass ich Trier nicht seriös automatisch über alle stellen würde.

Was mir an der Mannschaft besonders gefällt: Die Verantwortlichen haben die Schwächen der Vorsaison ziemlich gezielt adressiert. Brooks/Hundt bringen Kontrolle auf Point Guard, Simon verbessert die Perimeterdefense und Onu löst das Rim-Protection-Problem.

Und die drei Bamberger Crowley, Krimmer und Onu bringen bereits gemeinsame Erfahrung aus einer erfolgreichen Mannschaft mit.

Für mich ist Trier deshalb weniger eine Wundertüte als noch vor einem Jahr – aber gleichzeitig beginnt jetzt der schwierigere Teil: Aus der Überraschungsmannschaft muss ein dauerhaftes Playoffteam werden.
 

Telekom Baskets Bonn​

Bonn unterscheidet sich deutlich von Ulm, Chemnitz oder Oldenburg: Hier wurde nicht versucht, möglichst viel neues Talent zusammenzustellen. Stattdessen bleibt der Kern einer Mannschaft bestehen, die 2025/26 das Halbfinale erreicht hat.

Alijah Comithier, Grayson Murphy, Tylan Birts, Jeff Garrett, Joel Aminu, Michael Kessens und Patrick Heckmann bleiben. Auch das komplette Trainertrio um Marko Stankovic arbeitet weiter zusammen. Die wichtigsten Veränderungen betreffen damit vor allem den Backcourt und den Centerbereich.

Mit Aleksa Kovačević wurde die Kaderplanung am 30. Juli offiziell für abgeschlossen erklärt.

Für mich ist das ein ziemlich wichtiger Ausgangspunkt:

Während viele Konkurrenten erst herausfinden müssen, wer sie sein wollen, weiß Bonn das bereits.

Ausgangslage​

Die vergangene Saison war stark.

Bonn etablierte sich über weite Strecken in der oberen Tabellenhälfte, setzte sich im Viertelfinale gegen Würzburg durch und erreichte das Halbfinale. Dort war Bayern beim 0:3 letztlich eine Nummer zu groß.

Bemerkenswert war dabei, dass Bonn nicht von einem einzelnen dominanten Star lebte.

Comithier war Topscorer, Murphy organisierte, Garrett und Birts brachten Two-Way-Qualität, Aminu entwickelte sich weiter und Kessens gab dem Team Erfahrung und Präsenz am Brett.

Genau diese Struktur bleibt fast vollständig erhalten.

Was wurde verloren?​

Die relevanten Abgänge finden vor allem im Backcourt statt.

Zach Cooks und Jalen Finch sind weg. Dazu endet die Bonner Zeit von Jonathan Bähre.

Gerade Cooks und Finch konnten selbst Würfe kreieren und der Offense zusätzliche Dynamik geben.

Das ist deshalb für mich auch die zentrale Frage dieser Offseason:
Hat Bonn genügend individuelle Guard-Creation ersetzt?

Denn der Rest des Kaders musste gar nicht grundlegend verändert werden.

Was wurde hinzugewonnen?​

Der spannendste neue Guard ist John-Michael Wright.

Er kommt aus Kroatien, wo er sowohl national als auch in der ENBL klarer Leistungsträger war: 17,2 Punkte und 3,6 Assists in der Liga, 16,8 Punkte und 4,1 Assists international. In den kroatischen Playoffs steigerte er sich sogar auf 20 Punkte pro Spiel.

Wright ist körperlich, kann beide Guardpositionen spielen und trifft aus großer Distanz.

Das Profil passt sehr gut.

Die Frage ist nur, ob aus einem sehr guten Scorer aus Kroatien direkt ein Guard wird, der auch gegen BBL-Topteams konstant Vorteile erzeugt.

Mit Aleksa Kovačević kommt zusätzlich ein Local Point Guard. Er erzielte vergangene Saison in Koblenz rund zehn Punkte, drei Assists und drei Rebounds und besitzt bereits 68 BBL-Einsätze.

Für mich ist aber der spektakulärere Transfer: Leon Kratzer.
Der Europameister und ehemalige Bonner BCL-Sieger kommt nach Stationen bei Paris und Bayern zurück. In seiner letzten Bonner Saison legte er 9,1 Punkte und 6,3 Rebounds bei über 71 Prozent Zweierquote auf.

Ursprünglich reagierte Bonn damit auch auf die Knieoperation von Kur Jongkuch. Trotzdem ist Kratzer weit mehr als eine bloße Verletzungsvertretung.

Kratzer und Kessens ergeben eine enorme deutsche Centerrotation.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Grayson Murphy
John-Michael Wright
Alijah Comithier
Jeff Garrett
Leon Kratzer

Mit Birts könnte genauso gut ein weiterer Wing starten. Kessens bleibt ebenfalls eine vollkommen legitime Starting-Option.

Offensive Analyse​

Bonn wird auch 2026/27 wahrscheinlich keine Mannschaft sein, die ausschließlich über spektakuläre Isolation-Scorer kommt.

Murphy ist dafür ein hervorragender Organisator. Seine vergangene Saison zeigte immer wieder, wie vollständig sein Spiel ist – inklusive des ersten Triple-Doubles der Bonner Vereinsgeschichte mit zehn Punkten, zehn Rebounds und zwölf Assists.

Comithier hat sich inzwischen zum klaren Leistungsträger entwickelt und wurde deshalb vorzeitig bis 2028 verlängert.

Dazu kommen Wright, Birts, Garrett und Aminu.

Die Offense besitzt damit sehr viele Spieler, die gute Entscheidungen treffen können.

Was mir im Vergleich zu den absoluten Spitzenteams etwas fehlt, ist der offensichtliche Elite-Creator.

Wenn ein Playoffspiel völlig festgefahren ist, sehe ich bei Ulm Watson, bei Trier Roland/Brooks oder bei Bayern natürlich mehrere Spieler, die unabhängig vom System einen Wurf erzeugen können.

Bei Bonn muss die Qualität stärker aus der Gesamtheit entstehen.

Wright könnte genau deshalb extrem wichtig werden.

Defensive Analyse​

Hier liegt für mich Bonns großer Vorteil.

Birts, Comithier, Aminu, Garrett, Murphy, Kratzer, Kessens.

Das ist sehr viel Größe, Physis, Rebounding und defensive Intelligenz.

Bereits vergangene Saison gewann Bonn viele Spiele nicht über spektakuläres Shotmaking, sondern über Ballbesitze: Offensivrebounds, Steals, erzwungene Turnover und Defense. Gegen Hamburg beispielsweise erspielten sich die Baskets durch Offensivrebounds und Ballverluste des Gegners 16 zusätzliche Würfe.

Kratzer macht diese Identität noch konsequenter.

Er ist kein spektakulärer Shotblocker wie EJ Onu, aber ein sehr guter Positionsverteidiger, Rebounder und Pick-and-Roll-Big.

Ich halte Bonn deshalb für einen Kandidaten auf eine der besten Defenses der Liga.

Deutsche Rotation​

Die ist inzwischen richtig stark.

Kratzer und Kessens können praktisch sämtliche Center-Minuten als deutsche Spieler abdecken.

Dazu kommen Patrick Heckmann, Joel Aminu, Melvin Jostmann sowie Kovačević als Local Player. Dahinter stehen Kenan Reinhart und weitere Spieler aus dem Bonn-Rhöndorfer Programm bereit.

Das ermöglicht Stankovic enorme Freiheit bei den Importpositionen.

Und anders als bei manchen Konkurrenten sprechen wir hier nicht nur über Perspektivspieler.

Kratzer, Kessens, Heckmann und Aminu können in wichtigen BBL-Spielen echte Rollen übernehmen.

Die Local Rotation gehört für mich zum oberen Ligadrittel.

Coaching und Kontinuität​

Vielleicht Bonns größtes Pfund.

Stankovic bleibt. Lionel Bosco bleibt. Thomas Pennellier bleibt. Gleichzeitig bleiben sieben zentrale Rotationsspieler der Halbfinalmannschaft erhalten.

Das wirkt im August vielleicht weniger aufregend als zwölf Neuzugänge in Chemnitz oder die enorme Upside Ulms.

Über 34 Spieltage ist es aber unglaublich wertvoll.

Bonn muss keine neue Identität entwickeln. Bonn kann die vorhandene weiterentwickeln.

Die neue Doppelbelastung​

Hier liegt allerdings ein relevanter Unterschied zur vergangenen Saison.

Bonn spielte 2025/26 nicht international.

2026/27 kehrt der Klub direkt in die Basketball Champions League zurück. Der Halbfinaleinzug brachte den direkten Startplatz.

Stankovic hat selbst darauf hingewiesen, dass der Kader auch mit Blick auf diese zusätzliche Belastung zusammengestellt wurde.

Trotzdem verändert das die Voraussetzungen.

Mehr Reisen. Weniger Training. Belastungssteuerung. Dazu ein teilweise älterer Frontcourt mit Kessens, Kratzer und Heckmann.

Die Tiefe ist vorhanden – sie wird aber auch gebraucht.

Größte Stärke​

Kontinuität, Defense und Rollenstabilität.
Es gibt kaum ein anderes ambitioniertes BBL-Team, bei dem ich im August so genau weiß, wie die einzelnen Teile zusammenspielen sollen.

Größte Schwäche​

Die Frage nach dem echten offensiven Unterschiedsspieler auf Guard.
Murphy organisiert hervorragend. Comithier kann scoren.

Aber Wright muss wahrscheinlich einen Teil jener individuellen Creation liefern, die nach den Abgängen von Cooks und Finch fehlt.

Swing Factor[/HEADING: John-Michael Wright.
Wenn seine Produktion aus Kroatien auf BBL-Niveau übertragbar ist, wird Bonn offensiv deutlich gefährlicher.

Dann muss Murphy nicht übermäßig scoren, Comithier bekommt bessere Matchups und die starke Defense erhält genügend offensive Unterstützung.

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: leicht verbessert
Größte Stärke: Defense, Kontinuität und Local Rotation
Größte Schwäche: Top-End-Creation
Swing Factor: John-Michael Wright
Negativer Verlauf: Platz 7–10
Realistisch: Platz 3–6
Best Case: Platz 2–4
Erwartete Saisonrolle: direkter Playoffkandidat / Halbfinalkandidat
Sicherheit: hoch

Tier 2/3-Grenze – mit einem der höchsten Floors im Feld hinter Bayern und ALBA.

Bonn ist für mich vielleicht weniger spektakulär als Ulm und besitzt nicht die offensive Explosivität, die Trier entwickeln kann.

Dafür vertraue ich diesem Team stärker.

Die Mannschaft hat bereits bewiesen, dass ihr Grundgerüst in der BBL funktioniert. Der Kern bleibt zusammen, der Trainer bleibt, mit Kratzer wurde eine bereits vorhandene Stärke noch größer – und Wright ist eher eine Ergänzung zu einem funktionierenden System als ein Spieler, dessen Einschlagen über das gesamte Projekt entscheidet.

Der wichtigste Gegenpunkt ist die Rückkehr in die Champions League.

Wenn Bonn diese zusätzliche Belastung ordentlich moderiert und Wright auf BBL-Niveau funktioniert, wäre alles unter den direkten Playoffs für mich eher eine Enttäuschung als der erwartbare Verlauf.​
 

Fitness First Würzburg Baskets​

Bei Würzburg muss man aufpassen, nicht einfach die Entwicklung der vergangenen Jahre fortzuschreiben. Zweimal Halbfinale, 2025/26 erneut Platz fünf und erst in Spiel fünf des Viertelfinals mit 63:66 in Bonn ausgeschieden – dazu zweimal die Top 16 der Champions League.

Aber der Kader, der diese Stabilität erzeugt hat, existiert so nicht mehr.

Marcus Carr, Davion Mintz, Brae Ivey, Johnathan Stove, David Muenkat und Eddy Edigin sind alle weg. Damit verliert Würzburg praktisch seine komplette Guard-Creation und einen großen Teil seiner etablierten Rotation.

Was geblieben ist, ist vielleicht der wichtigste Grund, Würzburg trotzdem nicht zu unterschätzen:
Saša Filipovski, Charles Thompson und eine inzwischen sehr klare Klubidentität.

Was verloren geht​

Der personelle Verlust ist erheblich.

Marcus Carr war mit 16,7 Punkten bester Würzburger BBL-Scorer und gehörte lange zum MVP-Kreis. Dazu kamen 5,7 Assists – fünftbester Wert der Liga.

Davion Mintz erzielte 16,2 Punkte und traf 42 Prozent seiner Dreier.

Brae Ivey brachte weitere 11,1 Punkte, 38 Prozent Dreier und 1,5 Steals.

Allein diese drei Guards produzierten also über 44 Punkte pro Spiel.

Aber wichtiger als die reine Zahl ist ihre Funktion: Carr konnte Spiele organisieren und selbst übernehmen, Mintz schwierige Würfe treffen und Ivey defensiv Druck erzeugen.

Dazu verschwinden mit Muenkat, Stove und Edigin Physis, Rebounding, Defense und Erfahrung.

Würzburg ersetzt nicht einzelne Rollen – Würzburg baut seine komplette offensive Hierarchie neu.

Die neue Guardrotation​

Auf Point Guard soll Kenny Dye übernehmen.

Der 25-Jährige kommt von Steaua Bukarest und produzierte in Rumänien 16,8 Punkte, 4,5 Assists und 1,5 Steals. Sportdirektor Kresimir Loncar beschreibt ihn ausdrücklich als Spieler, der den Rhythmus kontrollieren und die klassische Würzburger Point-Guard-Rolle übernehmen soll.

Das Profil gefällt mir: guter Scorer, Pick-and-Roll-Erfahrung, Shooting und bereits drei Jahre Europa.

Aber der Sprung bleibt erheblich. Von Steaua Bukarest zum Lead Guard eines BBL-Playoffteams ist kein Selbstläufer.

Mit Sam Griffin kommt dagegen ein Guard mit deutlich stärkerem Wettbewerbsnachweis. Nach Griechenland und kurzen sehr produktiven Einsätzen in der spanischen ACB erzielte er vergangene Saison in der Türkei 12,5 Punkte in nur 21 Minuten und traf hervorragende 44 Prozent seiner Dreier. Loncar bezeichnet ihn explizit als Nachfolger für Mintz.

Max Jones ist wiederum der größte Upside-Transfer. Für Manchester kam er auf 17,2 Punkte in der britischen Liga und sogar 20,0 Punkte in der ENBL. Beim ENBL-Finalturnier erzielte er im Endspiel 36 Punkte. Er kann alle drei kleinen Positionen spielen und selbst Würfe kreieren.

Dazu kehrt Calvin Wishart zurück. Nach seiner starken ProA-Saison in Koblenz soll er nun wesentlich mehr Verantwortung erhalten. Schon zuvor hatte er im Würzburger Nachwuchsprogramm 20,7 Punkte und 7,9 Assists produziert.

Das ist eine tiefe Guardgruppe.

Nur wissen wir noch nicht, ob darin wieder ein Spieler auf Carr/Mintz-Niveau steckt.

Wing und Frontcourt​

Hier gefällt mir der Umbau sehr.

Brandon Tischler passt fast ideal zu Filipovski. Würzburg bezeichnet ihn selbst als einen der besten Verteidiger der Liga. Er kann mehrere Positionen übernehmen und soll offensiv den nächsten Entwicklungsschritt machen.

Eddie Colbert III ist dagegen ein offensiver Upside-Move. Der 2,02-Meter-Forward erzielte für Aalst 16,7 Punkte und 7,5 Rebounds, traf 40 Prozent seiner Dreier und wurde bei eurobasket.com zum Forward des Jahres in Belgien gewählt.

Das ist für Würzburg ein spannendes neues Element: ein größerer Forward, der selbst scoren und gleichzeitig das Feld öffnen kann.

Und dann bleibt Charles Thompson.
Er ist für mich der wichtigste Stabilitätsfaktor des Kaders. Thompson kennt Filipovskis Defense, verteidigt Pick-and-Rolls hervorragend, reboundet, setzt Screens und benötigt offensiv kaum Ballbesitz. In der vergangenen Saison zeigte er zudem mehrfach, dass inzwischen auch zweistellige Scoringproduktion möglich ist. Beim wichtigen 98:84 gegen Ulm erzielte er beispielsweise 19 Punkte bei sieben Treffern aus sieben Feldwürfen.

Hinter ihm kommt mit Marvin Ogunsipe ein erfahrener deutsch-österreichischer Big. Er erzielte zuletzt in Crailsheim 12,4 Punkte und 7,7 Rebounds in der ProA. Allerdings wurde er bereits verletzt verpflichtet und steht zunächst nicht zur Verfügung.

Das reduziert zu Saisonbeginn die Frontcourt-Tiefe.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Kenny Dye
Sam Griffin
Alen Pjanic
Eddie Colbert III
Charles Thompson

Max Jones könnte dabei genauso gut starten und als zusätzlicher Creator eine größere Rolle bekommen. Ob Skladanowski für Colbert III aufläuft, bleibt abzuwarten. Letzte Saison startete er bis ca. Februar.

Offensive Analyse​

Interessanterweise könnte Würzburg offensiv breiter werden, obwohl sie mit Carr und Mintz enorme individuelle Qualität verlieren.

Dye, Griffin und Jones können alle selbst kreieren. Colbert bringt mehr individuelles Scoring auf Forward als Muenkat. Wishart kann zweite Formationen organisieren.

Damit muss nicht mehr so viel über einen einzigen dominanten Point Guard laufen.

Die Kehrseite ist offensichtlich:
Carr und Mintz haben bewiesen, dass sie auf hohem BBL- und BCL-Niveau enge Spiele entscheiden können. Die neuen Guards noch nicht.

Gerade Carrs Mischung aus 16,7 Punkten und 5,7 Assists ist enorm schwer zu ersetzen.

Ich sehe deshalb weniger ein Talentproblem als eine Hierarchiefrage.

Wer bekommt im letzten Viertel den Ball? Dye? Griffin? Jones?

Wenn Filipovski daraus wieder eine klare Ordnung entwickelt, kann die Offense sehr gut werden. Wenn die Verantwortung zwischen drei ähnlichen Guards hängen bleibt, kann Würzburg offensiv erstmals seit einigen Jahren etwas an Top-End verlieren.

Defensive Analyse​

Hier habe ich wesentlich weniger Sorgen.

Thompson bleibt als Zentrum der Defense. Tischler ist ein hervorragender Perimeterverteidiger. Pjanic hatte vergangene Saison trotz mehrerer Verletzungen den mit Abstand besten Plus-Minus-Wert des Teams und bringt genau jene Energie und Vielseitigkeit, die Filipovski liebt.

Dazu besitzt der Kader wieder Länge auf den Wings und mehrere körperlich robuste Guards.

Filipovskis Mannschaften haben inzwischen über mehrere Jahre gezeigt, dass ihre Defense nicht ausschließlich vom individuellen Talent einzelner Imports abhängig ist.

Und genau deshalb halte ich Würzburgs strukturelle Basis weiterhin für relativ stabil.

Die deutsche Rotation​

Die ist sogar deutlich tiefer geworden.

Brandon Tischler, Alen Pjanic, Lukas Herzog, Christian Skladanowski, Leo Saffer, Marko Petric und Marvin Ogunsipe geben Würzburg zahlreiche deutsche beziehungsweise Local-Optionen.

Gerade Tischler und Pjanic können in wichtigen Spielen problemlos Minuten übernehmen.

Skladanowski zeigte vergangene Saison bereits Entwicklungsschritte und erzielte in Jena mit zwölf Punkten einen persönlichen BBL-Bestwert.

Das Top-End dieser Rotation ist vielleicht nicht spektakulär, aber sie ist tief und funktional.

Filipovski als größter Trumpf​

Das ist für mich der wesentliche Punkt in jeder Würzburg-Prognose.

Saša Filipovski hat seinen Vertrag bis 2029 verlängert. Seit seiner Ankunft Ende 2021 hat Würzburg sich von einem Abstiegskandidaten zu einem regelmäßigen Playoff- und Europapokalteam entwickelt. In den vergangenen Jahren wurden unter ihm unter anderem Otis Livingston und Jhivvan Jackson BBL-MVPs.

Das garantiert nicht, dass Dye der nächste Livingston oder Carr wird.

Aber wenn ich einem Trainer zutraue, aus einer neuen Guardgruppe relativ schnell klare Rollen zu entwickeln, dann Filipovski.

Das ist der wichtigste Grund, Würzburg höher einzuschätzen, als es die reine Summe der Abgänge zunächst nahelegt.

Internationale Belastung​

Würzburg startet Mitte September in die BCL-Qualifikation und trifft zunächst auf Manchester. Um die Champions League zu erreichen, wären vier K.-o.-Siege notwendig. Scheitert Würzburg, geht es im FIBA Europe Cup weiter. International spielen wird die Mannschaft also auf jeden Fall.

Das ist relevant.

Gerade die BCL-Qualifikation fällt mitten in die Phase, in der eine komplett neue Guardrotation eigentlich gemeinsame Trainingszeit benötigt.

Andererseits kennt Würzburg diese Doppelbelastung inzwischen seit zwei Jahren.

Das organisatorische Neuland, das beispielsweise Trier erwartet, gibt es hier nicht.

Größte Stärke​

Coaching, Defense und strukturelle Kontinuität.
Die Namen verändern sich. Die Idee nicht.

Größte Schwäche​

Keine nachgewiesene BBL-Spitzencreation im neuen Backcourt.
Dye, Griffin und Jones gefallen mir alle. Aber keiner hat bislang gezeigt, dass er auf diesem Niveau die Rolle von Carr oder Mintz übernehmen kann.

Swing Factor​

:Kenny Dye.
Wenn Filipovski aus ihm wieder einen überdurchschnittlichen BBL-Point-Guard entwickelt, fügt sich der Rest des Kaders sehr logisch zusammen.

Wenn nicht, wird die verlorene Qualität von Carr deutlich sichtbarer.

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: individuell zunächst leicht verschlechtert
Größte Stärke: Coaching, Defense und klare Klubidentität
Größte Schwäche: neue Guard-Hierarchie ohne BBL-Nachweis
Swing Factor: Kenny Dye
Negativer Verlauf: Platz 9–12
Realistisch: Platz 5–8
Best Case: Platz 3–5
Erwartete Saisonrolle: direkter Playoff-/oberer Play-In-Kandidat
Sicherheit: mittel

Tier 3.
Bei Würzburg komme ich nach dem Detailblick etwas vorsichtiger heraus als allein aufgrund der vergangenen Jahre.

Sechs Abgänge sind das eine. Dass Carr, Mintz und Ivey gleichzeitig verschwinden, ist etwas anderes. Würzburg verliert nahezu seine komplette bewiesene Guardproduktion und muss sie mit Spielern ersetzen, die noch kein BBL-Spiel absolviert haben.

Deshalb halte ich die Einordnung als automatisches Top-5-Team für zu bequem.

Aber mir wäre die Gegenposition – Würzburg deshalb gleich zum Borderline-Play-In-Team zu erklären – ebenfalls zu pessimistisch 😉.

Filipovski bleibt. Thompson bleibt. Pjanic bleibt. Die deutsche Rotation ist tief. Griffin bringt Erfahrung aus deutlich stärkeren Wettbewerben als viele andere neue BBL-Imports mit. Und die neuen Profile wirken erneut sehr bewusst für dieses System ausgewählt.

Für mich ist Würzburg deshalb kein sicherer Top-5-Kandidat mehr – aber weiterhin ein Team, das ich eher in den direkten Playoffs als außerhalb der Postseason erwarte.

Und vielleicht ist genau das diesmal die spannendste Würzburger Frage: Ob Filipovski ein weiteres Mal beweist, dass in diesem Klub inzwischen das System stärker ist als die Namen, die es verlassen.
 
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