Ich möchte jetzt auch mal noch versuchen, etwas Konstruktives beizutragen. Es ist offensichtlich, dass es ein neues Konzept braucht. Zwar sind sich ja alle einig, dass es so nicht funktioniert und die Streitigkeiten eingedämmt werden sollten, aber wir schaffen es halt nicht, es wirklich andes handzuhaben. Das ist wie in einer zerstrittenen Ehe, bei der man irgenwannd realisiert, dass es eben nicht genügt, sich vorzunehmen, künftig nicht mehr zu streiten. Da braucht es dann entweder ein ganz neues Konzept oder halt eine Trennung. Man muss sich dazu auch ehrlich und wertungsfrei fragen, welchen Zweck das Nonsports-Forum denn überhaupt haben soll und was die User möchten. Nur dann kann man auch Lösungen finden.
Sachliche Information:
Es wird vielfach geäussert, das Forum sei teilweise eine extrem gute Informationsquelle. Dem würde ich auch zustimmen, als Beispiel können etwa die Posts von
@stillbrick zum Thema Nahost-Konflikt oder der demokratischen Partei in den USA herhalten. Diese Beiträge sind aber nicht geeignet für ein Forum, in dem vor allem emotionale diskutiert wird und die meisten User keine grosse Recherche für ihre Beiträge betreiben. So gehen diese langen mit viel Effort erarbeiteten Posts etwas unter bzw. passen nicht so recht. Wenn an das fördern wollte, müsste klar sein, dass in bestimmten Threads nicht wild diskutiert, sondern vor allem zugehört bzw. gelesen wird. Dazu müsste dann halt ein oder mehrere User verantwortlich für einen Thread sein, und dort in grösserem Stil Informationen bereit stellen und Fragen der anderen User beantworten. Das hätte dann fast mehr von einem "ask me anything" auf reddit und weniger einer Diskussion. Als Ergänzung wäre es inhaltlich sicher auch spannend, wenn sich beim kuratierenden User oder den Mods immer wieder ein anderer User "bewerben" könnte, einen bestimmten Aspekt aus seiner Sicht etwas detaillierter darzustellen, wofür er sich dann aber ein paar Tage Zeit nehmen würde.
Wie man das technisch am besten löst, weiss ich nicht. Auf jeden Fall müsste klar sein, dass es eine Nulltoleranz für Streitigkeiten und unsachliche Posts gibt. Versuchsweise könnte man sich das etwa für einen Nahost/Antisemitismus-Thread vorstellen, den das Thema löst ja fast am meisten Emotionen aus zurzeit. Dann wäre aber auch ganz klar, dass ausserhalb dieses Threads kein Platz für Gespräche darüber ist. Verstösse würden zügig mit Sperren beantwortet.
Andere Meinungen entdecken und ergründen vs sich mit Gleichgesinnten austauschen:
Es wird auch immer wieder gesagt, wie wichtig es sei, anderen zuzuhören und offen für andere Meinungen zu sein. Ich würde zustimmen, dass es durchaus wichtig ist, immer mal wieder frische Inputs zu erhalten, an denen man sich dann abarbeiten kann. Indes erhält man die sich widersprechenden Meinungen ja eh in den Medien schon täglich vorgehalten. Ich glaube nicht, dass das Interesse hier so gross ist, andere Meinungen zu hören, und allenfalls auch davon lernen zu können. Sonst gäbe es nicht so viele emotionale Diskussionen, in denen vor allem der eigene Standpunkt wiederholt und verteidigt wird. Dann wäre fast ein Konzept wie das obengenannte ("sachliche Information") interessanter.
Viel mehr glaube ich, möchten sich die Leute gerne mit Gleichgesinnten austauschen. Wir lesen in den Medien so viel über Spaltungen, Streit, Krieg, polarisierende Meinungen etc., da wollen ganz viele sich einfach in angenehmer, konstruktiver Weise mit Leuten unterhalten, die im Grundsatz dieselbe Meinung haben. Man hört dazu teilweise auch das negative Wort "Echo-Kammer", aber das trifft es für mich nicht. Wenn man wirklich in einer Sache vorankommen will oder zumindest eine gute Zeit haben will, dann hilft es enorm, wenn man nicht immer wieder die absoluten basics neu verhandeln muss. Da kann man etwa religiöse Gemeinschaften als Beispiel nehmen, an denen nur Leute teilnehmen, welche der etwaigen Religion zumindest positiv gegenüber eingestellt sind, und nicht solche, die Religionen ablehnen oder die Existenz eines Gottes verneinen. Oder wenn ich über Autos, Motoren etc. diskutieren möchte, hilft es auch herzlich wenig, wenn ich es mit Leuten mache, die Autofahren verteufeln oder kein Interesse an Technik haben. Das muss überhaupt nicht heissen, dass alle zu allem dieselbe Meinung haben. Aber es braucht ein gewisses Übereinkommen, eine bestimmte Basis an gleichen Werten und Meinungen, ansonsten ist eine Diskussion nicht produktiv. Dann dreht man sich immer im Kreis und erzielt keinerlei Fortschritte.
Ich könnte mir als gut vorstellen, dass man z.B sagt, in den Thread zu einzelnen Parteien schreiben nur Personen mit einer Sympathie für diese, wie es etwa im NBA-Bereich mit den verschiedenen Teams gemacht wurde. "Merz leck Eier" im CDU-Bereich und "Die Linken verherrlichen Antisemitismus" gibt es dann halt nicht mehr. Im Thread zu den Linken kann man dann natürlich immer noch über die CDU lästern, und umgekehrt, aber die Freude daran wird ohne Widerworte schnell abnehmen und dafür Platz für konstruktivere Diskussionen machen.
Dazu dürfte man m.E. auch vom Forum aus ganz direkt kommunizieren, dass etwa AfD-Sympathisanten keinen Platz im Nonsport haben und sofort gesperrt werden. Nicht weil diese auch anderswo keinen Platz haben sollten, aber nicht hier, weil sie hier eine Minderheit darstellten, welche aber dennoch für viel Unruhe sorgen kann. So wie man in einem Fc Bayern Forum auch keine Dortmund-Fans haben möchte.
Emotionen ausleben, Lust am Streit:
Wie gesagt, sehe ich keinen grossen inhaltlichen Gewinn in den immergleichen Streitigkeiten, auch wenn manche User mantraartig wiederholen, man dürfe sich nicht vor Andersdenkenden verschliessen. Ich bin ehrlich gesagt davon überzeugt, dass es bei dieser Art von "Diskussion", wo Linke auf AfDler oder der Bolsonaroanhänger auf den Lula-Fan trifft, nicht zu 1% darum geht, etwas über die andere Ansicht zu erfahren. Es geht um Emotionen, man will die Wut und den Hass abladen, man will kämpfen, will gewinnen und zerstören. Und, was m.E. besonders wichtig ist: man will an der eigenen Identität schaffen und sich deshalb von anderen abgrenzen können. Nichts schärft die eigene Identität und damit das Ego so sehr wie wenn man sagen kann "Wir sind anders als ihr, ihr werdet und könnt uns nie verstehen". Entweder man erhält dann ganz viel Zuspruch von der eigenen, dominierenden Seite oder aber fühlt sich als der tapfere kleine Heldentrupp, welcher sich alleine gegen eine feindliche Übermacht stellt. Das sind auf eine Art berauschende Zustände.
Meine Befürchtung ist, dass dies für die meisten die Hauptmotivation ist, sich an diesem Forum zu beteiligen und dass es eigentlich gar nicht mehr so viel Freude machte, wenn die Kämpfe wegfielen. Natürlich sind die Streitereien ermüdend, aber dieses Reiben und sich Abgrenzen schüttet auch viel Dopamin und was sonst noch aus, es ist aufregend und stimulierend. Einerseits möchte man es nicht, weil man spürt, dass es auslaugt, aber auf der anderen Seite macht es auch süchtig. Aber letztlich ist es halt doch schädlich, für die Gemeinschaft und für die Einzelnen.
Ich persönlich glaube, dass daraus nichts Gutes kommt und es weit gesündere Möglichkeiten gibt, sich abzureagieren. Aber wenn man zumindest erkennt, dass es bloss ein Dopamin- oder Egospiel ist, dann lässt es sich auch etwas besser damit umgehen, ohne dass es zu persönlich/intim wird. Auf das Forum übertragen könnte man immer noch einzelne begrenzte Thread zulassen, in denen halt wild über alles diskutiert werden kann, quasi so ähnlich wie es jetzt in jedem Thread ist. Logischerweise immer noch mit einer Netiquette, aber dennoch ohne die obgenannten Regeln. Es wäre dann zumindest einfacher zu moderieren und man würde auch sehen, wo es die User denn hinzieht, wenn sie verschiedene Optionen haben.
Fazit:
Ich glaube, dass der Grossteil der sich immer streitenden User die Streitereien bewusst oder unbewusst suchen, weil es halt einen Dopaminkick gibt und der Egopflege dient. Aber das ist sicher nicht die einzige Motivation, es ist einfach sehr verführerisch, weil es so leicht und bekömmlich ist wie fastfood. Letztlich bringt das aber niemanden weiter und ist zudem auch noch äusserst mühsam zu moderieren. Natürlich wäre es schön, alle könnten sich ändern und das Verhalten aus eigenem Antrieb anpassen. Aber das dauert lange und es ist auch nicht von den Mods kontrollierbar. Darum halte ich es für die beste Lösung, den Non-Sports ein Stück weit zu homogenisieren, indem man bestimmte Themen nur für Gleichgesinnte zulässt (etwa die Threads zu den einzelnen Parteien) und bestimmte Themen in Threads verschiebt (z.B. Nahost), welche insbesondere der reinen Information und nur einem sehr begrenzten Austausch dienen. Vielleicht würde es das Interesse am Non-Sport rapide verringern, vielleicht könnte so aber mittel- und langfristig wirklich der Boden für ein viel friedlicheres Forum geschaffen werden, das produktive Diskussionen fördert und weniger als Schnellbefriedigung für negative Triebe dient.