Vielen Dank für diese interessanten Insights. Das hätte ich nicht erwartet, obwohl in Österreich reiner Speziallanglauf schon seit Jahren sich schwer tut, auch wenn mit Ausnahmeathleten wie Vermeulen oder Theresa Stadlober zumindest "punktuell" auf dem höchsten Niveau vorhanden ist.
Ich denke, auch in Deutschland hat Speziallanglauf massiv mit Biathlon um Lauftalente zu kämpfen und Beispiele von erfolgreichen Wechseln selbst in späteren Karrierejahren, wie Denise Hermann-Wick, bekräftigen das wohl. Trotzdem sind Deutschland und Norwegen die einzigen 2 Länder, wo alle 3 nordischen Sportarten für beide Geschlechter auf dem höchsten Weltklasse Niveau sind.
Denn man kann in der NOKO nicht erfolgreich sein, wenn man nicht beides ordentlich erlernt und über die Jahre auch regelmäßig geübt hat. Das zeigen die Beispiele bei denjenigen, die vom reinen Skispringen auf die NOKO gewechselt sind. Mir fallen bei den Damen zwei Beispiele ein: Claudia Purker und Svenja Würth.
Das ist eine interessante These und Beobachtung. Svenja Würth hat sich tatsächlich bis zum Karriereende schon sehr schwer getan auf der Laufstrecke. Purker dagegen konnte beachtliche Fortschritte in der Loipe machen, sie hat schon ein Paar Mal gute Läufe gezeigt.
Bei den Männern ist sowas eigentlich gar nicht vorzustellen. Da gibt es aber auch ein Beispiel mit Pascal Müller, der aber eben bis heute einen grossen Nachholbedarf beim Langlauf hat. Er war nämlich seinerzeit praktisch gezwungen aufs Spezialspringen zu wechseln, als in der Schweiz die NoKo-Strukturen praktisch verschwunden waren. Er hat danach in einem Interview erzählt, dass ihm seine neuen deutschen Trainer klar gemacht haben, dass er schon einige Jahre brauchen wird, um die Defizite nachzuholen.
Wir hatten aber auch in Polen einen ganz interessanten Fall. Tomasz Pochwała war 6. in der Junioren WM im Spezialspringen 2001. Nach seinem schweren Sturz beim Skifliegen in Planica 2002 hat er sich zunehmend schwer getan. Er hat danach noch ein Paar Jahre vorwiegend in Continentalcups gehüpft und dann ab Saison 2008/2009 überraschenderweise in die NoKo gewechselt. Und wie: Er ist zwar kein Spitzenathlet dort geworden, konnte im Weltcup punkten (mehrmals in Top30), war auch einmal 4. in einem Continentalcup. Das war schon beeindruckend. Vielleicht waren es seine Gene: Er ist Enkelkind von Franciszek Gąsienica-Groń, der vor genau 70 Jahren, 31.01.1956, die erste olympische Medaille für Polen bei den Winterspielen gewonnen hat, und zwar in der Nordischen Kombination
Ich vermute, dass dahin gehende Bemühungen in Ländern wie in Slowenien oder in Polen eher rudimentär vorhanden sind.
Ja genau, also ich kann vor allem von Polen berichten und dort ist die NoKo einfach nur nebenbei "geduldet". Zwar kann man anerkennen, dass der Verband eine Wettkampfserie auch für NoKo anbietet, aber die Unterschiede bei der Teilnehmeranzahl sind sehr gross. Polnische Kinder kommen zu den Club nur fürs Skispringen und wollen von der NoKo nichts hören. Vor ein Paar Jahren hat sich ein Trainer aus Zakopane - Jakub Kot, der Bruder von dem ziemlich bekannten polnischen Spezialspringer Maciej - in einem Interview beschwert, dass nicht nur Kinder selbst nicht langlaufen wollen, sondern sogar ihre Eltern sich ärgern, wenn Kinder dazu "gezwungen" werden, insbesondere bei Mädchen sei das ein Problem gewesen.
Es wird immer schwerer, Kinder zu finden, die sich das Langlaufen antun wollen oder überhaupt die sportlichen Voraussetzungen dazu haben. Und um diesen kleiner werdenden Pool streiten sich gleich drei Disziplinen.
Ich würde sogar sagen, dass dieses immer kleinere Pool an sportbegeisterten Kindern generell umkämpft wird, und zwar von allen Disziplinen. Überall hat sowieso Fussball den Vorrang und es ist ein grosses Problem. In Polen zum Beispiel, habe ich neulich gelesen, beschweren sich zunehmend Leichtathletikvereine, dass ihnen talentierte Jugend von Fussballclubs abgeworben wird.