System Of A Down
08.07.26 - Olympiastadion Berlin
Erst vor ein paar Wochen zu Metallica dagewesen, ging es gestern erneut zum Olympiastadion. Diesmal standen SOAD auf dem Plan.
Die Truppe ist mir seit 2001 geläufig. Alle ihre Alben stehen bei mir in der Schublade. Aber bislang hatte es sich bei mir nie ergeben, sie mal live zu sehen. Mehrmals waren sie schon in Deutschland auf Tournee.
2005 war ich noch nicht so der Konzertgänger.
2011 war ich mit irgend so einer Probezeit beschäftigt.
2013 hab ich ... wohl verpennt.
2017 hatte aus familären Gründen zeitlich nicht gepasst, glaube ich.
2020 ist die Tournee ausgefallen.
Nun also sollte es endlich mal klappen. Neben Metallica und Sepultura/Soufly eine der Bands die ich am längsten und weiterhin höre.
Die Resonanz im Freundeskreis hielt sich jedoch in Grenzen. Ein Kollege - der mit mir bei Metallica war - meinte, dass ihm das (mit Metallica) genug Leichenfledderei-Konzerte für ein Jahr sind.
So war letztlich nur ein Kumpel mit von der Partie, welcher sich dann auch - mit Telekom-was-weiß-ich-Prio-Presale - um die Tickets kümmerte.
Da er plante, in Berlin bei einem alten Kollegen zu pennen, wollte er schon einen Tag vorher anreisen und einen Tag später abreisen.
Da jener früherer Arbeitskollege großer Queens-Of-The-Stoneage-Fan sei, hatte er sich mein Kumpel ein Ticket für den "Golden Circle" geholt (gut 200€ ... also nicht so "schlimm" wie bei Metallica). Ich war - auch wegen der schon nicht gerade billigen Metallica-Tickets - eher geizig und hatte den hinteren der drei Stehplatz-Bereiche "gebucht" (ca. 110€). Ich glaube der mittlere Bereich des dreigeteilten Innenraumes kostete 160€ oder so pro Ticket. Naja ... entweder ganz vorne oder günstiger hinten. Dazwischen hat man das schlechte von beidem.
Da besagter Kumpel also ursprünglich früher anreisen wollte kam es dann also, dass ich mir ne An- und Abreise via Zug geplant hatte.
Mein erster Zug hatte gleich mal 35 Minuten Verspätung.
Perfekt, dann konnte ich nämlich etwas entspannter zum Bahnhof radeln und die Umstiegszeit in Elsterwerda reduzierte sich auf gut 5 Minuten.
Dann ging es zum Berliner Hbf, wo ich meinen Rucksack mit diesem und jenem verstaute und mir noch ne Banane und n Bier holte.
Dann gings mit der S-Bahn auf zum Olympiastadion und dann ab durch das Gewusel zum Einlass und rein in die Hütte.
Die Dixiklo-Stadt hat sich - im Vergleich zum Metallica-Konzert - um 90° gedreht (der Wahnsinn) und im Gegensatz zu jener Alte-Leute-Truppe gab es diesmal keine runde Bühne in der Mitte, sondern eine "klassische Bühne" an einem Ende des Infields.
Erwartungsgemäß stand diese gegenüber dem Haupteingang vor dem Marathontor auf der westlichen Seite des Olympiastadions.
Das bedeutete dementsprechend, dass der Großteil des hinteren Infields in brütender Hitze lag und die sinkende Sonne sich hinter der Bühne aufhielt. Wer keine Sonnenbrille mitgebracht hatte sah also nicht viel.
Wer also sich ein Sitzplatz-Ticket am östlichen Ende des Stadions geholt hatte, hatte die Bühne möglichst weit weg und saß schön in der prallen Sonne. Was will man mehr?
Den Anfang als erste Vorband machten
Acid Bath, welche bereits seit ein paar Minuten am spielen waren, als ich ankam.
Jene Sludge-Band aus den 90gern hatte sich 1997 aufgelöst, nachdem der Bassist zusammen mit seinen Eltern bei einem Autounfall (von einem betrunkenen gerammt) verstorben war. Die Band kam ohne ihren Bassisten - der wohl maßgeblich zum Songwriting beitrug - nicht aus.
28 Jahre später gab es dann aber dennoch eine Reunion. So wurde ein einmaliges Konzert beim "Sick New World"-Festival in Las Vegas angekündigt. Jenes Festival fiel schon 2024 durch ein pralles Lineup auf. Bei der 2025-Ausgabe sollten dann u.A. System Of A Down spielen. Einen Monat nach der Ankündigung des Reunion-Konzertes wurde das Festival jedoch abgesagt.
Acid Bath spielten dann doch auf anderen Stätten manch Konzerte und es kam bei der diesjährigen Auflage des Sick-New-World-Festivals dann doch zum ursprünglich geplanten Auftritt. Erneut waren SOAD als Headliner dabei.
Könnte mir vorstellen, dass irgendwer bei SOAD in den 90gern ein Acid-Bath-Fan war und es daher kein großer Zufall ist, dass jene Band nun in deren Vorprogramm tourt.
Wie dem auch sei, Acid Bath galten wohl mehr oder weniger als Kult-Band, weil man hierzulande wohl nicht so leicht an Platten von der Truppe ran kam. Nun zu Streaming-Zeiten ist das etwas einfacher und ich hab sie mir daher im Vorfeld ein bisserl angehört. Die nicht gerade überragende Produktion lässt das ganze nur mäßig klingen.
Im Stadion klang die Band dann sogar besser als im Studio ... aber wie das nunmal bei Vorbands der Fall sein kann, war der Klang nicht gerade überragend. Im Großen und Ganzen war ich nicht sonderlich angetan. Gute Gelegenheit das erste Bier (7,50€ + 3€ Becherpfand ... puh) zu holen.
Mittlerweile hatte sich auch mein Ticket kaufender Kumpel gemeldet, dass er dabei sei beim Stadion anzukommen. Weil der frühere Arbeitskollege seit Tagen nicht mehr reagierte, war sein ursprünglicher Plan flach gefallen. Und weil ich schon meine Zugreise gebucht hatte, konnte ich ihn auch nicht mehr im Auto mitnehmen.
Aber er hatte Glück und bei BlaBlaCar eine Mitfahrgelegenheit zum Konzert und zurück gefunden.
Es dauerte einige Zeit, aber nach einer Weile standen dann die
Queens Of The Stoneage auf der Bühne. Ich hatte im Vorfeld nochmal reingehört und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich 6 Songs der Truppe um den früheren Kyuss-Gitarristen Josh Homme bislang kannte.
Ich dachte der Changeover dauerte so lange, weil auf der Bühne so ein aufgehängtes Element (mit beleuchteten Schnüren unten dran) schief hing. Aber tatsächlich war das wohl so geplant. Jedenfalls hing das Teil auch bei anderen Auftritten der Tour so rum.
Der Sound im hinteren der 3 Stehplatz-Bereiche (ich nannte dies dann "Pöbel-Pit") war eher mau. Das darf vermutlich auch daran liegen, dass die 4 Türme mit Lautsprechern eher in Richtung Tribüne zielten und jene an der Bühne recht weit weg waren.
Naja, sei's drum. Obgleich mein oben genannter Kumpel sich eigentlich melden wollte, wenn er in das Stadion kommt, war er nun bereits vorne im Golden Circle und teilte mir mit, dass beim Einlass dorthin sein Ticket (alles digital) nicht einmal gescannt worden sei. Die Leute an den Kontrollen werfen wohl eh nur einen flüchtigen Blick drauf.
Naja "probieren kann man's ja mal" dachte ich mir und machte mich auf den Weg. Kollege schickte mir auch noch n Ticket-Screenshot per WhatsApp, so dass ich ggf. nicht mit meinem eigenen Ticket rumwedel, sondern mit seinem Golden-Circle-Ticket.
Der erste Kollege winkte tatsächlich einfach nur alle durch. Beim nächsten Einlass wurde sporadisch gescannt (die vor mir schon, ich nicht). Beim folgenden Einlass wurde dann gescannt. Dann nochmal. Dann ein verwirrtes Gesicht der Kontrolleurin ... naja ... was solls. Lass ihn durch und schick ihn zu dem Typen mit den Armbändern (damit man nicht mehr jedes Mal n Ticket zeigen muss, wenn man z.B. mal zur Toilette geht).
Klar liebe Kinder. Bitte nicht nachmachen! Das fällt unter "Erschleichen von Leistungen" und ich hab mich dann anschließend auch ganz schäbig gefühlt. Jaha.
War dann also doch nicht nur "vielleicht sehen wir uns vorher oder nachher noch", sondern dass wir - Glück für mich - dann doch im gleichen Bereich standen.
Vorne war es dann auch schön schattiger und der Klang deutlich besser. Der QOTSA-Auftritt gefiel und sie haben dann auch 5 der 6 Lieder gespielt, die ich bereits kannte (insgesamt umfasste die Setlist 12 Stücke).
Danach war's dann mal an der Zeit auszutreten, was zu essen und n neues Getränk zu holen. Der "Front Of Stage 1"-Bereich hatte zwei eigene Getränke-Theken (sogar mit einer kleinen automatischen Zapfanlage, unter welcher die Becher über ein Fließband liefen), bei denen die Schlangen aber auch eine gewisse Länge hatten. Der Verbindungs-Aufbau der Kartenzahlungs-Terminals dauerte so seine Zeit.
Letztlich ging der Changeover nun gefühlt zügiger von statten und
System Of A Down starteten recht pünktlich um 20 Uhr, als ich meine Pommes noch garnicht aufgegessen hatte. Nach 3 Liedern hat ich mir dann einen Weg in die Mitte vor der Bühne gesucht, um zu schauen ob da vielleicht ein paar Leute rumhüpfen. Hab dann recht bald bemerkt, dass ich da definitiv richtig war und es wohl bereut hätte, wenn ich die ganze Zeit im hinteren Bereich des Infields gestanden hätte. Quasi ähnliche Erkenntnis wie bei Metallica. Entweder ab vor die Bühne (bzw. die Möglichkeit dazu haben), oder - wenn man weiter weg unter kommt - man kann sich auch gleich n Sitzplatz holen.
Das Konzert war jedenfalls geil. In 105 Minuten wurden gut 30 Songs durchgeballert. Das Publikum war text- und taktsicher, was jetzt nicht die sooo große Überraschung ist, wenn man bedenkt, dass SOAD in den letzten 20 Jahren nur 2 neues Songs rausgebracht haben.
Daron Malakian unterhielt das Publikum mit seinen Ansagen und seiner teils schrulligen Art. Serj Tankian wirkt wie der nette Onkel, der über die Bühne spaziert. Bassist Shavo Odadijan ist am meisten unterwegs und kommt ordentlich ins Schwitzen. Und im Hintergrund trommelt John Dolmayan seine Parts mit eisiger Miene, dass es fast wirkt als wäre der Trump-Anhänger Dolmayan teilweise von den Texten genervt die Malakian und Tankian so geschrieben haben.
Jedenfalls hat es sehr Spaß gemacht, auch wenn es um 21:45 glatt schon schade war, dass die Show schon vorbei war. Aber hey ... nicht viele Bands spielen bei einem Konzert 30 Songs.
Nunja, meinen Kollegen hab ich dann anschließend nicht mehr wiedergefunden. Er war auch schon so langsam in Richtung seiner BlaBlaCar-Fahrer. Wir haben noch ein wenig geschrieben wer grad wo ist, aber weil sich mein Handy-Akku der Leere näherte, hab ich dann erwartet, dass wir uns eh nicht mehr finden.
Mit der Menschenmasse ging es dann zurück zur S-Bahn-Haltestelle und ab in eine rappelvolle S3. Diese fuhr wegen Bauarbeiten nur bis Charlottenburg und die Durchsagen waren nicht ansatzweise zu verstehen. Weil die ganzen anderen Leute in der Bahn auch häufig von außerhalb waren, wussten so einige nicht wie man dann weiter fahren muss. Mit mittlerweile leerem Handyakku hab ich dann auf die analoge Variante gesetzt und mich mit nem Liniennetzplan zurecht gefunden. Soooo kompliziert isses ja nun auch wieder nicht.
Ab zurück zum Hauptbahnhof, Rucksack holen, noch was zu Essen holen, weiter zum Flughafen BER und dort 2 Stunden auf meinen Zug zurück warten.
Weil ich mir nicht sicher war, wie lange das Konzert geht (hatte unterschiedliche Angaben gefunden, ob unter der Woche im Olympiastadion bis 22:00 oder 22:30 Uhr gespielt werden darf) und wie lange ich ggf. zum ZOB oder zum Bhf. Südkreuz brauche, hatte ich nicht auf die Variante Flixbus gesetzt, welche zu später Stunde noch fuhr (die Verbindungen waren entweder ungünstig gelegen, oder deutlich teurer). Und am späten Abend gab es halt keinen Zug mehr Richtung Dresden ... erst mitten in der Nacht mit einem RegioJet, der von Hamburg nach Prag unterwegs war, gut gefüllt mit diversen dösenden Leuten. Für den immensen Preis von 7,50€ bin ich dann zügig zurück gefahren worden, hab mir nach der Fahrt mein Rad geschnappt und ab gings nach Hause für ne kurze Rest-Nacht.