Nun da ich gerade im Zug nach Berlin sitze, kann ich die Gelegenheit ja mal nutzen und endlich meinen Text fortführen.
26. - 27
. Juni - Leipzig - Messe
Impericon Festival
Tag 2
Früh morgens - nach einer eher kurzen Nacht - bin ich aufgewacht mit der Erkenntnis, dass wir vielleicht doch hätten probieren sollen, das Schlafsofa komplett aufzubauen.
Die Breite der Liegefläche war zwar ausreichend, aber die Armlehne war meinen Füßen im Weg. Ich neige dazu meine Beine auszustrecken und mag es nicht, wenn sie am Fußende irgendwo anstoßen.
Dass das Schlafsofa zwischen dem Kühlschrank und der offenen Terrassentür stand, machte die ganze Sache nicht ruhiger. Naja ... was solls.
Richtig fit fühle ich mich nicht, aber nach dem ersten Ostfriesentee geht es so langsam. Allmählich wachen auch die anderen auf und es gibt Frühstück. Entsprechend der Festival-Tradition wurde ich genötigt Rührei zu machen.
Wir starten gemütlich in den Tag. Frühstücken ausgiebig, jeder nimmt sich seine Zeit im Bad ... zumal bei der Hitze ne weitere Dusche auch nicht schaden kann.
Erst die fünfte Band auf der Samstags-Timetable ist die erste Truppe, welche wir gerne sehen wollen.
Dabei handelt es sich um die Alternative-Metal-Band
Siamese. Diese kombiniert Rock mit Elementen elektronischer Musik, während zudem auch eine Violine gespielt wird. Das klingt ungewöhnlich, funktioniert aber recht gut. Der ein oder andere von uns hat sie schonmal hier und da in einer Playlist. Soll heißen wir sind auch mit gewissen Erwartungen angekommen.
Leider waren wir am Morgen dennoch so gemütlich, dass wir die ersten 5 Minuten verpasst haben.
Danach kommt mit
Montreal eine Pop-Punk-Band aus Hamburg. Diese scherzt, dass nun irgendwo anders eine Metal-Band auf einem Pop-Rock-Festival spielen müsse. Joa, man könnte behaupten dass Montreal etwas typischer für das Lineup des Hurricane-Festivals wären ... aber das macht nichts.
Unterhaltsam wars dennoch und die Interaktionen mit dem Publikum sorgten für manch Schmunzler. Wie z.B. der Extra-Gruß an die Leute vom Schwenkgrill, die bei hoher Hitze im Halbschatten standen und zwischen Schweiß und Senf und Ketchup ackerten.
Ein wenig kam das Gefühl auf, dass es nach ZSK im Vorjahr pro Impericon Festival eine Band braucht, die "Alerta! Alerta! Antifaschista!" anstimmt.
Danach folgten
The Browning. Hierbei handelt es sich um ein Projekt des Sängers Jonny McBee. Die Truppe spielt Trancecore, wobei sie Deathcore und Metalcore mit Hardstyle, Trance und Dubsteb mischen. Das klingt teilweise etwas chaotisch, aber McBee heizt das Publikum von der Bühne aus ordentlich ein. Es wummst ordentlich aus der PA-Anlage und es ist gut Bewegung da. Muntere Sause ... vielleicht nicht zum entspannten Reinhören, aber die Stimmung geht gut ab.
Von
I Killed The Prom Queen haben wir dann nicht so viel mitbekommen. Aus Australien kommt zwar häufig feiner Rock und Metal, aber für uns wurds langsam mal Zeit für etwas Erdbeerbowle.
Dying Wish haben wir uns dann anschließend von der Tribüne aus angeschaut. Die kurze Nacht und die hohe Hitze forderten einen gewissen Tribut. Vielleicht isses auch das Alter. Emma Boster wirbelte auf der Bühne gut umher, während sie das Mikro beanspruchte. Ich war eher dabei die Innenseite meiner Augenlieder zu kontrollieren.
Die lokale Brass-Punk-Band
100 Kilo Herz (deren Saxophonist vorher beim Auftritt von Montreal ein Lied mitgespielt hatte) haben wir uns aus mangelndem Interesse heraus nur kurz angeschaut und sind dann zum Gastro-Bereich fürs Abendessen. Ich hab mir einen doppelten Smash-Burger geholt, bei einem Stand auf welchen die West-Sonne mittlerweile voll drauf knallte. Was eine Hitze, was ein Geschwitze. Das Personal sah gut angestrengt aus, zumal der Besucher-Andrang ja durchaus gegeben war (auch wenn die Leute bei den Temperaturen nicht so lange in der Sonne stehen wollten, wie z.B. im Vorjahr).
Selten habe ich so voller Überzeugung Trinkgeld gegeben.
Danach haben wir uns
Sleep Theory angeschaut, die irgendwo zwischen Metalcore und Nu Metal liegen. Bemerkenswert ist bei der Band, dass nicht nur Sänger Cullen Moore (der die Band einst als Soloprojekt gründete) singt, sondern auch der Bassist Paolo Vergana und der Gitarrist Daniel Pruitt. Und dabei können alle 3 auch recht gut singen. So dass zwar ab und an mal Harsh Vocals daher kommen, aber zuweilen auch poplastige Elemente oder solche aus dem Bereich Rythm and Blues. Durchaus interessant. Kräftig mitgesungen hat das Publikum dann beim Cover des NSYNC-Songs "I Want It That Way".
Leider kommt der Ton in meinem Video nicht soooo gut rüber.
Danach kam die US-Punkband
The Menzingers. Die waren kacke.
Das klang einfach nicht dolle und obgleich die Band seit 20 Jahren besteht, hatte die Truppe an den Instrumenten nicht viel druff. Die Resonanz vor der Bühne hielt sich in Grenzen und wir verdrückten uns dann auch auf die Tribüne, um noch ein Nickerchen zu machen. Kraft sammeln, bevor es in den Endspurt geht.
Zur kalifonischen Hardcore-Band
Lionheart fanden wir uns wieder vor der Bühne ein. Während der Frauenanteil beim Festival sonst so bei 33-40% lag, war er nun im Pit etwas geringer. Nicht ungewöhnlich für eine Hardcore-Band könnte man meinen. Immerhin, da muss ich mir mal keine Sorgen machen, dass meine Ellbogen auf Augenhöhe einer 1,50m-Person sind.
Die Truppe heizte gut ein und organisierte einen Circle Pit "around the sound booth". Dies bedeutet beim Impericon Festival, dass es nicht nur um ein Mischpult geht, sondern auch um das der anderen Bühne, sowie um den kompletten vorderen Wellenbrecher. Der Circle Pit wurde damit zu einem riesigen Geschoss und damit der größte, den ich seit dem With Full Force 2010 gesehen habe.
Danach folgten
Mehnersmoos. Ein Hip-Hop-Duo auf einem Metal-Festival? Kann das funktionieren?
Nunja unbekannt sind sie den Metallern aufgrund gemeinsamer Auftritte oder Songs mit Electric Callboy und The Butcher Sisters ja nicht. Dennoch war ich gespannt, wieviel vor der Bühne wohl los sein würde.
Nun, es war durchaus ganz schön was los. Mehnersmoos waren dabei die einzigen des Festivals, welche die Bühne vor ihrem Auftritt mit einem großen Vorhand verdeckt haben. Der fiel dann mit dem Song "3 Bier" und gab das Bühnenbild frei, welches aus einer Nachbildung der Gebäudefront des Khan-Kiosk im Franfurt-Nordend besteht, sowie aus einer überdimensionalen Bierdose Wicküler (in welcher der DJ stand) und einem übergroßen gefüllten Aschenbecher, welcher das Podest für das Schlagzeug bildete.
Die Setlist
entsprach dem Auftritt bei Rock am Ring. Soll heißen erst ein paar Rap-Songs, zwischendrin ein paar Songs mit Gitarre und Melodica. Und zum Schluss "3 Uhr Nachts".
Das Publikum war jeweils recht textsicher und guter Laune, auch wenn die Lücken im Pit etwas größer waren als bei manch Metal-Bands. Keine Ahnung, wie es hinter den Wellenbrechern aussah. Gegen Ende des Konzertes lichtete sich das Publikum ein wenig, denn viele waren schon rüber zur anderen Bühne.
Dort stand der Auftritt der Marseille-Truppe
Landmvrks an, welche zuletzt erst vor 2 Jahren beim Impericon Festival waren.
Ich hab den Verein mittlerweile 5 oder 6 Mal gesehen, glaube ich. Seit jeher ist der Andrang ordentlich und das Publikum geht gut ab. Entsprechend sammelten sich schon ne Weile vor dem Auftritt die Leute vor der Bühne, um einen guten Platz zu ergattern.
Ich hab mich beim ersten Song durchgewurschtelt.
Beim dritten Song musste ich dann etwas "raus", weil mein rechter Fuß leicht taub wurde. Mein Versuch mit einem Zehenschutz hatte so halb geklappt. Der war verrutscht und hatte meinen großen Zeh etwas abgeschnürt. Also an die Seite setzen, Füße richten, Schuhe wieder an, bei der Bier-Bar ein Radler exen und wieder ab vor die Bühne.
Landmvrks: immer wieder geil. Da blieb mir dann keine Zeit, um Videos zu machen.
Danach war der Akku dann - wie quasi geplant - alle. Zum Abschluss kam der Auftritt von
Rise Against, welche einst als erster Headliner angekündigt wurden. Naja, man kennt so 2-3 Songs ... aber viel mehr kannte ich auch nicht. Trotzdem ordentliche Show, auch wenn wir sie uns nur von der Tribüne aus angesehen haben. Gewissermaßen wars auch ein US-Punkrock-Balsam welcher den Menzingers-Auftritt wieder gut machte.
Die Halle war mittlerweile gut gefüllt, weil der Gastro-Bereich Feierabend gemacht hatte. Viele Leute schauten sich die nunmehr letzte Band ganz gemütlich aus der Ferne an. Auch wenn die Halle klimatisiert war, die Innentemperatur ging halt dennoch in Richtun 30°C und viele Leute hatten einfach auch keine Energie mehr.
Nuja, danach ging es dann so langsam in Richtung Heimweg ... bzw. in Richtung Ferienwohnung.
Vor dem Eingang der Messe verkaufte noch jemand aus seinem Einkaufswagen heraus warme Hopfen-Torpedos. Da gönnten wir uns noch ein kleines Getränk vor dem Rückweg.
Währeneddessen schauten wir diesen und jenen Leuten zu, die sich eine Alternative für die Straßenbahn überlegten. Der komplette Straßenbahnverkehr in Leipzig war nämlich ausgefallen, weil bei 40°C die Bitumen-Masse zwischen Schiene und Asphalt aufweichte und teilweise an den Rädern klebte. Naja, die Busse fuhren noch (wenn auch nicht im höchsten Takt) und die meisten Leute waren ohnehin per Auto oder per S-Bahn angereist.
Wir hatten ja - wie gesagt - unsere Räder und auf dem Rückweg machten wir - wie am Vortag - einen Halt bei Mäcces für ein zweites Abendessen. Bei dem Wetter musste da auch ein Eis oder Milchshake verputzt werden.
Zurück in der Bude gabs noch ne Dusche, noch ein Bier, ne Runde "Lord Of The Weed" und dann wars auch schon wieder um 3 Uhr.
Die Nacht war dann wieder nicht viel länger. Nun war das Schlafsofa zwar ordentlich aufgebaut, aber ich hatte die Terrassentür aufgrund der Hitze weiterhin offen. Und am nächsten Morgen laberte irgendwer im Innenhof lauthals in sein Telefon. Naja ... Tür zu und noch ein bisserl dösen. Gemütlich frühstücken mit Rührei, klar Schiff machen und ab zurück nach Dresden.
Videos folgen... (Bluetooth und Netz sind ... lahm)