Ich lese in jüngster Vergangenheit öfters dieses "Die Linken machen das Non Sports kaputt". Ab und an kommt auch die These "Das Non Sports war schon immer so". Letzteres ist sicherlich nicht vollkommen falsch, dennoch möchte ich mal an der Stelle ein Phänomen der letzten Jahre genauer beschreiben.
Früher war das in dem Bereich eine klassische Auseinandersetzung "Links vs. Rechts".
Das gibt es natürlich immer noch, aber mittlerweile ist da etwas neues hinzugekommen bzw. hat es sich in der Vergangenheit deutlich gesteigert: Und zwar die Auseinandersetzung (und ich formuliere das mal aus deren Sicht)
"Vernünftige Mitte / Vernünftige Linke" vs. "Diskursunfähige Linke".
Ich glaube, ich müsste lange suchen bis ich einen Konflikt finde, in dem ich involviert war und in dem nicht mindestens *ein* User aus dieser "vernünftigen Mitte-Links" Fraktion mitgewirkt hat.
Vorneweg: Natürlich muss ich mich da auch an meine eigene Nase fassen. Ich wünschte, ich wäre geduldiger. Ich wünschte, ich würde in solchen Konfliktmomenten nicht so häufig in Polemik verfallen, so gerechtfertigt ich das in dem Moment auch empfinden mag. Da gibt es User aus der linken Ecke, die deutlich geduldiger sind. Aber jeder User hat seine ganz eigenen Triggerpunkte.
Aber ich muss auch deutlich sagen: Mir geht diese "ich bin / wir sind die Vernünftigen hier, deshalb hab ich / haben wir automatisch Recht" Haltung auf den Senkel. Es hat sich zuletzt sehr anschaulich in dem von
@JL13 zitierten Non Sports Posting von
@le freaque manifestiert (2tes Posting in diesem Thread). Ein ewig langes, selbstgerechtes Posting, indem die verkorkste Atmosphäre dieses Bereichs allein diesen "diskursunfähigen Linken" zugeschrieben wird, die in ihrem "Rechthabewahn" und ihrer "moralischen Überlegenheit" keinerlei Interesse an einem "echten Meinungsaustausch" haben. Ursprünglich noch mit ein paar netten Schimpfwörtern garniert (die wurden später immerhin von Moderatorenseite entfernt) macht dieses Posting
genau das, was es der adressierten Gruppe eigentlich vorwirft - es wird nur nicht so empfunden, weil man sich selber ja als den nicht-radikalen Part der Linken wahrnimmt, der sich ja nur wehrt. Gestartet haben das andere. Es ist also letztendlich immer nur Notwehr und daher immer gerechtfertigt.
Ich habe versucht, auf dieses Posting inhaltlich zu antworten. Es wurde natürlich ignoriert.
Dafür haben es unter anderem User geliked, die sich selber wohl in dieser "vernünftigen" Ecke sehen und selber super empfindlich sind, sobald sie sich (von was auch immer) attackiert fühlen. Unter anderem gibt es da einen, der sich regelmäßig an meinem Umgangston stört, aber ein Posting mit der Haltung "Ihr Linken seid A****löcher und W*****r" offenbar okay findet. Da fühle ich mich schon ein klein wenig veralbert und frage mich, was hier von den Linken eigentlich erwartet wird.
Es sind einfach diese Art von Wahrnehmungsproblemen, die mich so stören.
Es gibt zB einen User, der sich vor Jahren unter anderem an einem (aus seiner Sicht) sexistischem Begriff störte, den ich in einer Diskussion verwendet habe - und dann schreibt dieser User nicht etwa mir, sondern
anderen Usern, dass er mit mir nicht mehr diskutieren will. Selbstverständlich ohne mich zu markieren. Fast forward in die jüngste Vergangenheit, und ich habe diesen User
direkt auf ein sexistisches Posting von ihm angesprochen. Reaktion? Beleidigt sein, Sarkasmus, Opferrolle. Und der Vorwurf, dass ich mit solchen Reaktionen das Gegenteil von dem erreiche, was ich wollte. Also sozusagen: Trotz als legitime Antwort. Selbstverständlich nur auf meine Postings, bei ihm selbst ist das ja anders.
Jüngste Diskussion um Politik, ich schreibe ein Posting mit ein paar Fragen an einen User. Dieser User antwortet in einem aggressiven Grundton, und nach einiger Zeit finde ich heraus, dass dieser User offenbar immer noch grantig war wegen einer vorherigen Auseinandersetzung, in dem ich ihn angeblich mit einem (aus seiner Sicht) diskriminierenden Begriff aus der "Political Correctness" Ecke beleidigt habe. Nach mehrfachem Nachfragen, mir diese Stelle zu zeigen, kam dann heraus, dass es das genaue Gegenteil war - ich habe explizit geschrieben, dass ich ihn
nicht so bezeichne. Was allein deshalb schon nicht möglich war weil ich damals deutlich klargemacht habe, dass ich diesen Begriff selber überhaupt nicht verwende. Aber da war es halt schon passiert: Ich versuche, sachbezogen über ein Thema zu diskutieren, und bekomme als Antwort eine heftige Reaktion aufgrund eines alten (und zum Teil eingebildeten!) Konfliktes. Ich mein, wie soll ich mit sowas denn letztendlich umgehen?
Ich könnte an der Stelle noch zig weitere Beispiele nennen. Unter anderem mein Lieblings-Moderator im Non Sports (Fans von mir wissen wen ich meine

), der sich bei Widersprüchen von mir gerne auf die Schiene zurückzieht: Das ist ad hominem, auf sowas antworte ich nicht. Fair enough, denn wie gesagt: Mein Umgangston ist sicherlich nicht immer der diplmomatischste. Aber wenn dieser Moderator dann wiederum Postings liked, in denen
ich persönlich angegriffen werde, dann ist dieser Standpunkt halt einfach heuchlerisch. Man muss sich dann schon entscheiden was man will. Sachlicher Grundton oder nicht. "Ist okay wenn es Shakey betrifft" ist dabei keine konsistente Haltung.
Alles in allem habe ich halt einfach nicht den Eindruck, dass sich die User dieser "vernünftigen Links-Mitte" Fraktion wirklich mal ernsthaft hinterfragen. Es sollen halt die anderen machen, dann man selber ist ja schließlich nicht-radikal und hat daher immer Recht. Das ist wie bereits gesagt genau die Art von moralischer Überlegenheit, die dann wiederum uns "Radikalen" vorgeworfen wird. Und wenn es dann wieder irgendwo einen Artikel gibt, mit dem man meint, diese radikalen Linken vorführen zu können, dann setzt man den hier rein - selbst wenn es von einer rechtsradikalen Quelle wie "Apollo News" kommt. Sich über Gutmenschen und Weltverbesserer lustig machen zu können hat dann einfach Vorrang.
Und dieses "sich lustig machen" / empören über bestimmte linke Ideen, über politisch korrekte Sprache oder Kritik an gesellschaftlicher Diskriminierung, das darf man im Non Sports gerne in aller Ausführlichkeit und mit jeglicher Form von Polemik zelebrieren. Da stören sich die Kritiker der Non Sports Atmosphäre offenbar überhaupt nicht dran. Aber in dem Moment, in dem ein "radikal Linker" polemisch wird, da muss man es dann einfach anprangern.
Wie gesagt: Ich versuche wirklich, mich selbst zu hinterfragen. Nicht immer bei selbst empfundenen Anzeichen von Ungerechtigkeit verbal um mich zu schlagen. Das klappt manchmal besser, manchmal schlechter. Ich finde generell (ohne mir jetzt selbst auf die Schulter klopfen zu wollen), dass mir das im Verlauf meiner Mitgliedschaft in diesem Forum im Schnitt (!) immer besser gelungen ist. Aber natürlich bin ich nicht perfekt, ist keiner von uns.
Das war mein Empfinden an der Stelle.
Es wäre generell schön, wenn User nicht allein beim Anblick eines bestimmten Usernamens gleich austicken, sondern sich erstmal auf den Inhalt konzentrieren.
Und das gilt für alle!