Wie angekündigt wollte ich eigentlich warten, bis die Statistiken zum Spiel veröffentlicht sind. Einen vollständigen Statistikbogen wird es für den internationalen Test gegen Arantia Larochette offenbar nicht geben.
Inzwischen hat die Akademie aber zumindest den Endstand und die Topscorer veröffentlicht. Deshalb jetzt meine Eindrücke aus der Halle mit ein paar Zahlen dazu.
Die Akademie gewinnt 109:91 gegen Arantia Larochette.
Vorweg vielleicht etwas zum Gegner, weil ich den vor dem Spiel selbst überhaupt nicht einordnen konnte: Arantia ist kein luxemburgischer „Dorfverein“. Das Team von Daniel Brandão spielt in der höchsten luxemburgischen Liga und kommt aus einer historischen Saison mit 18:4-Bilanz und dem Gewinn des luxemburgischen Pokals.
Und die sind auch nicht mit irgendeiner Jugendtruppe nach Würzburg gekommen.
Mit dabei waren unter anderem die erfahrenen Luxemburger Vic Heuschling und Derek Wilson. Heuschling war im Pokalfinale mit 22 Punkten einer der entscheidenden Spieler. Dazu standen mehrere Importspieler auf dem Feld. Einer davon müsste Joshua McClary gewesen sein, der neu aus Portugal gekommen ist. Der 23-jährige Point Guard hat dort vergangene Saison 21,6 Punkte, 4,3 Assists und 3,8 Rebounds im Schnitt aufgelegt. Dazu meine ich auch Kevon Godwin erkannt zu haben. Godwin war vergangene Saison mit über 23 Punkten pro Spiel einer der Topscorer Arantias und machte im Pokalfinale 25 Punkte.
Das war also schon ein Gegner mit individueller Qualität und ordentlich Erfahrung.
Würzburg trat mit Scheffs, Petrić, Lican, Albus, Kayser, Plato, Barthel, Soldo, Richter, März und Leonce an. Franz Braun war nicht einsatzfähig.
Im Vergleich zum ersten Test gegen Hessing Leitershofen wirkte das Akademie-Team für mich deutlich weiter. Würzburg spielte selbstbewusst, mit Tempo und erstaunlich wenig Respekt vor der individuellen Qualität des Gegners.
Anfang des dritten Viertels stand es 59:46, knapp zwei Minuten vor Viertelende 84:72. Arantia hatte immer wieder Phasen, in denen insbesondere die individuelle Qualität der Guards sichtbar wurde. Trotzdem hatte ich eigentlich nur im letzten Viertel kurz Sorge, dass sich die Erfahrung der Luxemburger vielleicht doch noch durchsetzt. Ich meine, es stand 88:84, als Julian Albus einen wichtigen Dreier versenkte. Danach zog Würzburg wieder davon und brachte das Spiel letztlich sehr souverän nach Hause.
Was mir besonders gefallen hat, war die Mischung dieser Mannschaft. Mit Kayser und Albus stehen zwei Spieler auf dem Feld, die Erfahrung, Physis und Ruhe reinbringen. Daneben hast du mit Scheffs, Plato, Lican, Soldo, Leonce und Co. jede Menge junges Talent und Athletik.
Bester Spieler war für mich Jervis Scheffs. Er wurde im Postgame-Huddle auch entsprechend gefeiert. Inzwischen wissen wir: 24 Punkte und 3 Assists.
Paul Plato hat ebenfalls überzeugt und seine ersten beiden Punkte gleich mal mit einem schönen Poster-Dunk erzielt. Am Ende stehen bei ihm 21 Punkte, 8 Rebounds und 2 Assists.
Und dann Marko Petrić. Er kam von der Bank und hat für mich das gesamte Spiel verändert. Mehr Geschwindigkeit, Dynamik und Druck auf die Defense. Die inzwischen veröffentlichten 18 Punkte, 2 Rebounds und 3 Assists bestätigen diesen Eindruck zumindest ein Stück weit. In der zweiten Hälfte wurde er bei zwei Fastbreaks allerdings auch Opfer einer für mein Empfinden deutlich überharten Defense und vielleicht auch etwas Frust der etablierten Arantia-Spieler. Für ein Testspiel war mir das viel zu riskant. Schade auch, dass sein Halfcourt-Shot nicht zählte, weil unmittelbar vorher schon gepfiffen worden war. Hoffen wir, dass er trotz Einsatz im BBL Kader, dennoch immer wieder eingesetzt werden kann.
Lon Lican hatte für mich ebenfalls wieder einen sehr starken Impact auf das Spiel.
Natürlich muss man das Ganze einordnen. Es ist Vorbereitung und die Qualität der luxemburgischen Liga sollte man auch nicht künstlich größer machen, als sie ist. Unterschiedliche Trainingsstände, viel Rotation – und ein vollständiger Boxscore fehlt weiterhin.
Trotzdem: Nach dem 82:103 gegen Leitershofen hatte ich das Gefühl, dass die Akademie die Zeit sehr gut genutzt hat. Gegen den amtierenden Pokalsieger einer ersten Liga mit erfahrenen Spielern und Importqualität 109 Punkte aufzulegen und das Spiel über weite Strecken zu kontrollieren, ist für mich schon ein kleines Ausrufezeichen.
Und mit Scheffs 24, Plato 21 und Petrić 18 verteilt sich das Scoring zudem auf drei der jungen Spieler.
Der nächste Vergleich wird deshalb richtig interessant: Laut Akademie geht es jetzt nach Frankfurt zum nächsten Test gegen ein ProB-Team der SKYLINERS. Danach gegen Breitengüßbach - auf Regionalliga- Niveau.
Spätestens danach dürfte Jakob Burger wissen, wo sein Team steht.
Und schöner Fact nebenbei: Alen Pjanic und Leo Saffer waren zum Support ebenfalls im Sportinghouse anwesend.