BBL Offseason 26/27


ALBA BERLIN​

ALBA kommt als Deutscher Meister in die Saison. Und nicht irgendwie: Berlin drehte im entscheidenden fünften Finale gegen Bayern einen 20-Punkte-Halbzeitrückstand und gewann die Serie 3:2. Justin Bean wurde Finals-MVP.

Trotzdem wäre es mir zu einfach, einfach „Meister + ein paar gute Neuzugänge = noch stärker“ zu rechnen.

Denn ausgerechnet von der Mannschaft, die in den Playoffs immer besser wurde, fehlen mit Michael Rataj, Moses Wood, J'Wan Roberts, Alex O'Connell und Bennet Hundt mehrere relevante Rotationsspieler.

Auf der anderen Seite hat ALBA im Sommer sehr gezielt Qualität eingekauft.

Und vor allem bleibt ein Kern, dem man vertrauen kann.

Was geblieben ist​

Die wichtigste Nachricht ist für mich fast nicht irgendein Transfer, sondern die Kontinuität um:

Martin Hermannsson
Jack Kayil
Malte Delow
Jonas Mattisseck
Sam Griesel
Justin Bean
Norris Agbakoko


Der aktuelle Profikader umfasst zwölf Spieler.

Hermannsson hat bis 2029 verlängert, Bean ebenfalls bis 2029. Und Jack Kayil wurde nach seiner Breakout-Saison sogar bis 2031 gebunden.

Gerade Kayil ist inzwischen kein Perspektivspieler mehr.

Mit 20 Jahren kam er vergangene Saison auf 12,4 Punkte und 3,4 Assists, wurde bester U22-Spieler der BBL und bester Nachwuchsspieler der Champions League. In den Finals gegen Bayern lieferte er 11,6 Punkte und 1,4 Steals.

Der nächste Entwicklungsschritt könnte ALBAs wichtigste interne Verstärkung sein.

Die Neuzugänge​

Der auffälligste Transfer ist für mich Joe Wieskamp.

Jena verliert seinen besten Spieler – und der Deutsche Meister nimmt ihn.

16,2 Punkte, 7,7 Rebounds und 41,1 Prozent Dreier. Wieskamp war statistisch der effektivste BBL-Spieler der vergangenen Saison.

Das ist keine Wette auf die Übertragung aus Rumänien, Polen oder der ProA. ALBA weiß bereits ziemlich genau, dass sein Spiel in dieser Liga funktioniert.

Er bringt genau etwas, das dem Meisterkader teilweise fehlte: High-Level-Shooting kombiniert mit Größe und Rebounding auf den Positionen drei und vier.

Der zweite große Zugang ist Jordan Ford.
Ford ist ein echter Scoring-Guard. Für Trento erzielte er 2024/25 17,0 Punkte in der italienischen Liga und 16,4 Punkte im EuroCup bei 44 Prozent Dreierquote. Danach folgten Trapani und Bahçeşehir.

Er muss bei ALBA nicht zwingend Point Guard spielen. Hermannsson und Kayil können organisieren – Ford kann vor allem das tun, was er am besten kann:

Punkte produzieren.

Mit Brandon Angel kommt außerdem ein interessanter Stretch-Big. In Israel erzielte er 16,8 Punkte und 7,9 Rebounds. Schon am College zeigte er bei Stanford mit 44,7 Prozent von außen enormes Shooting-Potenzial.

Und Julius Böhmer erweitert nach 10,4 Punkten in der ProA die ohnehin starke deutsche Guardrotation.

Was wurde verloren?​

Hier würde ich vor allem Michael Rataj nicht kleinreden.

Er kam erst im April, entwickelte sich aber während der Playoffs sehr schnell zu einem Leistungsträger und war zwischenzeitlich sogar Berliner Topscorer im Halbfinale. ALBA hätte ihn gerne behalten.

Auch Wood war mit 9,3 Punkten ein wichtiger Stretch-Forward. Roberts brachte Energie, Defense und Rebounding. O'Connell gab zusätzliche Guard-/Winggröße.

Damit verliert Berlin einiges an:
• Länge
• defensiver Vielseitigkeit
• Rebounding
• Frontcourt-Physis

Die neuen Spieler sind offensiv vielleicht sogar talentierter.

Ob der neue Kader defensiv genauso unangenehm wird wie die Meistermannschaft im Mai und Juni, muss sich aber erst zeigen.

Wahrscheinliche Kaderidee​

Martin Hermannsson
Jack Kayil
Joe Wieskamp
Justin Bean
Norris Agbakoko

Jordan Ford könnte genauso gut starten und sehr schnell zum besten Berliner Scorer werden.

Offensive Analyse​

Offensiv gefällt mir ALBA möglicherweise sogar besser als vergangene Saison.

Hermannsson besitzt weiterhin eines der besten Spielverständnisse der Liga. Kayil kann immer mehr selbst kreieren. Ford bringt individuelles Shotmaking. Wieskamp verändert mit seinem Shooting das Spacing.

Dazu kommen Bean als hervorragender Connector und Angel als weiterer Big, der den Court öffnen kann.

Das erlaubt Calles sehr unterschiedliche Kombinationen.

Hermannsson/Ford/Wieskamp/Bean/Angel kann beispielsweise extrem viel Shooting aufstellen.

Mit Kayil, Delow, Griesel und Agbakoko kann ALBA wiederum größer und physischer werden.

Der vielleicht wichtigste Unterschied: Berlin sollte weniger davon abhängig sein, dass Hermannsson jeden komplizierten Halbfeldangriff organisiert.

Ford und Wieskamp können schlicht selbst Punkte machen.
Das ist besonders für Playoffbasketball wertvoll.

Defensive Analyse​

Hier bin ich etwas skeptischer.

Auf dem Perimeter gibt es keinerlei Sorgen.

Kayil, Mattisseck und Delow können enormen Druck erzeugen. Griesel bringt Größe, Bean ist intelligent und beweglich.

Aber die Centerposition ist dünner, als man es von einem Meisterkandidaten erwarten könnte.

Norris Agbakoko ist mit 2,17 Metern der klare klassische Center. Dahinter steht mit Nevio Bennefeld ein 19-jähriges, 2,11 Meter großes Top-Talent, das gerade seinen ersten Profivertrag unterschrieben hat und parallel in Bernau spielen soll.

Angel kann Center spielen, ist mit 2,04 Metern aber eher moderner Small-Ball-Big.

Roberts, Wood und Rataj haben im letzten Jahr gemeinsam viel Frontcourt-Mobilität aufgefangen.

Wenn Agbakoko ausfällt oder in einem Matchup Probleme bekommt, wird es spannend.

Das ist für mich aktuell die klarste strukturelle Schwachstelle des Kaders.

Deutsche Rotation​

Hier spielt ALBA weiterhin in einer eigenen Liga.

Kayil, Mattisseck, Böhmer, Delow, Griesel, Agbakoko und Bennefeld stehen im aktuellen Kader.

Und das sind nicht einfach Spieler mit deutschem Pass.

Kayil kann Star-Potenzial entwickeln. Delow und Mattisseck sind bewährte BBL-Verteidiger. Agbakoko kann starten. Griesel gehört zur Rotation. Böhmer muss sich erst beweisen, hat aber BBL-Erfahrung.

ALBA kann komplette Lineups mit deutschen Spielern aufstellen, ohne sportlich massiv abzufallen.

Das ist über eine lange Saison ein riesiger Vorteil.

Pedro Calles und die Meister-DNA​

Auch hier sehe ich einen wichtigen Unterschied zu vielen Konkurrenten.

Calles muss keine neue Mannschaftsphilosophie installieren.

Der Kern kennt sein System. Die jungen Spieler kennen ihre Rollen. Hermannsson und Bean sind klare Führungsspieler.

Und vor allem hat diese Gruppe gerade erlebt, dass sie auch in schwierigen Situationen nicht auseinanderfällt.

Die Meisterschaft war kein souveräner Durchmarsch – vielleicht macht sie psychologisch gerade deshalb wertvoll.

Dieses Team weiß inzwischen, dass es Bayern in einer Serie schlagen kann.

Internationale Belastung​

ALBA spielt erneut in der Basketball Champions League.

Das ist Belastung – aber gegenüber vielen anderen BBL-Klubs kein neues Problem.

Berlin kennt internationale Reisen, englische Wochen und Belastungssteuerung seit Jahren. Zudem ist der Kader tief genug, um insbesondere auf den Guard- und Wingpositionen Minuten zu verteilen.

Die größere Sorge ist eher die schmale klassische Centerrotation als die Anzahl der Spiele.

Größte Stärke​

Guard-/Wingqualität plus außergewöhnlich starke deutsche Rotation.
ALBA kann groß, klein, offensiv oder defensiv spielen und besitzt sehr viele Spieler, die mehrere Rollen übernehmen können.

Größte Schwäche​

Frontcourt-Tiefe und Rim Protection hinter Agbakoko.
Wieskamp, Bean und Angel sind sehr gute Basketballspieler – aber sie ersetzen nicht automatisch die defensive Physis von Rataj, Roberts und Wood.

Swing Factor​

Jack Kayil.
Wenn das vergangene Jahr nur der Anfang war und Kayil jetzt vom besten Nachwuchsspieler der Liga zu einem der besten deutschen Guards überhaupt wird, verändert das ALBAs Niveau noch einmal.

Dann besitzt Berlin mit Hermannsson, Kayil und Ford drei sehr unterschiedliche hochwertige Creator.

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: ungefähr gleich stark, offensiv möglicherweise verbessert
Größte Stärke: Guard-/Wingtiefe und deutsche Rotation
Größte Schwäche: Tiefe auf Center
Swing Factor: Jack Kayil
Negativer Verlauf: Platz 4–6
Realistisch: Platz 1–3
Best Case: Platz 1 / Meisterschaft
Erwartete Saisonrolle: klarer Titelkandidat
Sicherheit: hoch

Tier 1.
ALBA ist für mich weiterhin ein Titelkandidat – allerdings nicht einfach deshalb, weil Berlin gerade Meister geworden ist.

Ich finde sogar, dass man die Abgänge aus der Meistermannschaft ernst nehmen muss. Vor allem Rataj war in den Playoffs wichtiger, als seine Saisonstatistik vermuten lässt.

Was mich trotzdem überzeugt, ist die Kombination aus bewiesener BBL-Qualität und Kontinuität.

Wieskamp war einer der besten Spieler der Liga. Ford hat auf hohem europäischen Niveau bereits bewiesen, dass er scoren kann. Hermannsson, Bean, Delow, Mattisseck und Agbakoko kennen das System. Und Kayil könnte noch einmal einen gewaltigen Schritt machen.

Deshalb sehe ich Berlin nicht zwangsläufig stärker als den Meisterkader – aber möglicherweise offensiv kompletter.

Die eine Frage, die ich mir bis Saisonstart wirklich stelle:
Ist dieser Frontcourt defensiv gut genug, wenn es gegen Bayerns Größe und Physis geht?

Denn genau dort sehe ich aktuell den größten Unterschied zwischen den beiden wahrscheinlich stärksten Kadern der Liga.
 

FC Bayern München Basketball​

Bayern geht nach einer ungewöhnlichen Saison in einen ziemlich grundlegenden Neustart. Die Münchner gewannen 2025/26 die Hauptrunde, verloren aber das entscheidende fünfte Finale gegen ALBA nach einer 20-Punkte-Halbzeitführung noch mit 81:84. Es war das 86. Pflichtspiel einer extrem langen Saison – und gerade im letzten Viertel wirkte der Energieverlust offensichtlich.

Jetzt verändert sich einiges: Anton Gavel übernimmt als Headcoach, Thorsten Leibenath verantwortet den sportlichen Bereich und der Kader wurde an mehreren Schlüsselstellen verändert.

Was sich nicht verändert hat: Bayern besitzt mit Abstand die größte individuelle Qualität und Tiefe der BBL.

Die spannendere Frage lautet deshalb nicht, ob Bayern gut genug für Platz eins ist.

Sondern ob Gavel aus diesem außergewöhnlichen Angebot eine Mannschaft mit klarer Hierarchie macht.

Der neue Backcourt​

Mit Duane Washington Jr. kommt einer der prominentesten Neuzugänge der Liga. Der 26-Jährige bringt 79 NBA-Spiele mit und war zuletzt bei Partizan mit 14,9 Punkten zweitbester Scorer seines Teams. Er ist in erster Linie Shotmaker: Pull-up-Dreier, schwierige Würfe, Tempo und individuelles Scoring.

Das Bemerkenswerte ist aber, dass Bayern ihn gar nicht als alleinigen offensiven Fixpunkt benötigt.

Mit Rokas Jokubaitis, Kamar Baldwin, Justus Hollatz, Justinian Jessup und Andreas Obst stehen bereits fünf weitere etablierte Guards im aktuellen Profikader. Dazu kommt Tobias Jensen.

Jensen ist dabei für mich ein richtig guter Transfer. Er war vergangene Saison mit 11,0 Punkten und 4,7 Assists EuroCup Rising Star, hat bereits 110 BBL-Spiele absolviert und kennt Gavel aus Ulm. Dass er aufgrund seiner Ausbildung in Ulm als Homegrown zählt, erhöht seinen Wert zusätzlich.

Das bedeutet:
Bayern kann organisieren lassen über Jokubaitis oder Hollatz.
Bayern kann physisch spielen mit Baldwin.
Bayern kann Shotmaking über Washington erzeugen.
Bayern kann Obst und Jessup als Elite-Offball-Schützen einsetzen.
Und Jensen kann mehrere dieser Funktionen verbinden.

Einen tieferen Backcourt gibt es in dieser Liga nicht.

Beauchamp als X-Faktor​

Der letzte externe Transfer war MarJon Beauchamp.
Und der verändert die Möglichkeiten noch einmal.

Beauchamp war 2022 Erstrundenpick, bringt bereits 155 NBA-Spiele mit und ist mit 25 Jahren trotzdem noch in einem Alter, in dem Entwicklung realistisch ist. Bayern beschreibt ihn als großen, athletischen Flügel, der scoren, Catch-and-Shoot spielen, Pick-and-Rolls übernehmen und defensiv den besten gegnerischen Wing verteidigen kann.

Wenn diese Fähigkeiten tatsächlich auf EuroLeague-Niveau zusammenkommen, ist er wahrscheinlich deutlich über dem normalen BBL-Flügelniveau.

Aber genau hier steckt auch etwas Unsicherheit.

155 NBA-Spiele klingen spektakulär. Eine tragende Rolle hatte Beauchamp dort allerdings nie dauerhaft.

Er ist deshalb weniger fertiger Superstar als außergewöhnlich hochwertiger Upside-Transfer.

Der Frontcourt​

Noch beeindruckender finde ich Bayern unter dem Korb.
Johannes Voigtmann
Johannes Thiemann
Oscar da Silva
Miles Norris
Austin Wiley


stehen im aktuellen Profikader. Dazu kommen Giffey und Lucic auf den Forwardpositionen.

Mit Austin Wiley bekommt Bayern genau das Profil, das zuvor teilweise fehlte: einen klassischen, physischen Center mit Rim Protection und herausragendem Rebounding. Wiley führte zuletzt den EuroCup mit 9,5 Rebounds pro Spiel an; zuvor war er bereits bester Rebounder in Litauen, der Türkei und der BCL.

Daneben können Voigtmann und Thiemann das komplette Gegenteil spielen.

Voigtmann öffnet das Feld, passt und liest das Spiel. Thiemann kann als Vier oder Fünf eingesetzt werden, im Post spielen, switchen und kleinere Lineups bestrafen. Der Welt- und Europameister kehrt nach zwei Jahren in Japan nach Deutschland zurück und bringt 127 EuroLeague-Partien mit.

Miles Norris wiederum gibt Gavel einen athletischen Stretch-Forward. Er kam zuletzt beim FC Barcelona zwar nur auf 4,0 Punkte und 2,6 Rebounds, hatte davor in der G-League aber 17,1 Punkte produziert und besitzt einen verlässlichen Distanzwurf.

Damit kann Bayern praktisch jede Art von Frontcourt spielen.

Wiley als klassischer Five.
Voigtmann als Playmaking-Big.
Thiemann als physischer Small-Ball-Center.
Da Silva als mobiler Four/Five.
Norris als Stretch-Four.

Diese Matchup-Flexibilität ist wahrscheinlich Bayerns größter struktureller Vorteil gegenüber dem Rest der Liga.

Was wurde verloren?​

Natürlich ist der Umbruch nicht klein.

Neno Dimitrijevic, Stefan Jovic, Leon Kratzer, Isiaha Mike und Xavier Rathan-Mayes gingen bereits nach Saisonende. Auch David McCormack und Elias Harris gehören nicht mehr zum Kader.

Gerade Dimitrijevic, Mike und Kratzer waren relevante Rotationsspieler.

Aber anders als bei fast jedem anderen BBL-Team führen solche Verluste bei Bayern nicht automatisch zu einer qualitativen Schwächung.

Washington ersetzt Shot Creation.
Jensen gibt zusätzliche Guardtiefe.
Thiemann ersetzt Qualität und Physis als deutscher Big.
Wiley bringt mehr Rebounding und Rim Protection.
Norris und Beauchamp erweitern die Wing-/Forwardrotation.

In der Summe halte ich den neuen Kader für kompletter.

Die deutsche Rotation​

Hier wird es fast absurd.

Hollatz, Obst, Jensen als Homegrown, Giffey, da Silva, Voigtmann und Thiemann geben Bayern eine Local Rotation, die teilweise allein schon Playoffniveau hätte. Hinzu kommen fünf Nachwuchsspieler, die ab dieser Saison fest zum erweiterten Profikader gehören.

Gerade in der BBL bedeutet das einen enormen Vorteil.

Gavel muss nicht überlegen, wie er deutsche Minuten irgendwie abdeckt. Er kann seine Importspieler nach Form, Matchup und Belastung einsetzen.

Das macht Bayern über 34 Spieltage deutlich weniger verletzlich als fast jeden Konkurrenten.

Die eigentliche Frage: Hierarchie​

Wenn ich eine Schwäche suchen müsste, wäre es diese.

Wer ist der primäre Ballhandler?

Jokubaitis? Washington? Baldwin?

Wer bekommt im letzten Angriff den Ball?

Wer spielt in einem engen BBL-Finale 30 Minuten – und wer trotz EuroLeague-Gehalt nur zwölf?

Und wie verteilt Gavel Minuten zwischen Wiley, Voigtmann, Thiemann und da Silva?

Bei vielen Mannschaften diskutieren wir darüber, ob genügend Qualität vorhanden ist.

Bei Bayern diskutieren wir darüber, wie man zu viel Qualität sinnvoll organisiert.

Das klingt luxuriös, ist aber nicht komplett banal. Gerade Spieler wie Washington, Baldwin, Jokubaitis und Beauchamp sind es gewohnt, mit Ball Einfluss zu nehmen.

Gavel muss daraus Rollen schaffen, die auch dann akzeptiert werden, wenn ein Spieler an einem Abend kaum BBL-Minuten bekommt.

Anton Gavel​

Und genau deshalb finde ich die Trainerwahl interessant.

Gavel gewann 2023 mit Ulm überraschend die Meisterschaft und führte Bamberg zuletzt zum Pokalsieg und ins Halbfinale. Gleichzeitig kennt er Bayern als ehemaliger Spieler und Kapitän. Sein Vertrag läuft bis 2029.

Seine Mannschaften spielen mit Tempo und aggressiver Defense – eine Philosophie, die Jensen selbst aus der gemeinsamen Ulmer Zeit beschreibt.

Das aktuelle Personal passt dazu ziemlich gut.

Hollatz, Jensen, Baldwin und Beauchamp können Druck auf den Ball erzeugen. Wiley schützt dahinter den Ring. Washington und Obst bestrafen Transition-Defenses sofort.

Wenn Gavel diese Mannschaft tatsächlich schneller spielen lässt, könnte Bayern in der BBL phasenweise brutal werden.

Das größte Problem: EuroLeague​

Bayern ist erneut Deutschlands einziger EuroLeague-Teilnehmer. Schon der Saisonstart zeigt das Problem: Am 24. September spielt München bei Hapoel Tel Aviv, kehrt am folgenden Tag zurück und empfängt am 26. September direkt ALBA.

Vergangene Saison absolvierte Bayern insgesamt 86 Pflichtspiele. Das entscheidende Finale gegen Berlin wurde nach einer 20-Punkte-Führung noch verloren; der Klub selbst verwies dabei auf den sichtbaren Energieverlust nach dieser extremen Saison.

Deshalb wird Bayern auch 2026/27 BBL-Spiele verlieren, die es auf dem Papier eigentlich nicht verlieren dürfte.

Nicht weil der Gegner besser besetzt ist.

Sondern weil München 48 Stunden zuvor irgendwo in Europa gespielt hat.

Größte Stärke​

Eine Kaderqualität und Tiefe, die in Deutschland niemand erreicht.
Bayern kann praktisch jeden Ausfall kompensieren und jedes Matchup anders beantworten.

Größte Schwäche​

EuroLeague-Belastung und Rollenmanagement.
Die Herausforderung besteht weniger darin, genügend gute Spieler aufs Feld zu bringen, sondern die richtigen Spieler zusammenzubringen und über eine extrem lange Saison frisch zu halten.

Swing Factor​

MarJon Beauchamp.
Nicht weil Bayern ihn zwingend benötigt.

Sondern weil er den Unterschied zwischen „klar bester BBL-Kader“ und einer Mannschaft machen könnte, die auch international einen zusätzlichen Sprung schafft.

Wenn seine Athletik, Defense und individuelle Creation in Europa sofort funktionieren, hat Bayern auf dem Wing etwas, das kaum ein deutscher Gegner matchen kann.

Gesamturteil​

Offseason-Tendenz: verbessert
Größte Stärke: unerreichte Tiefe und Matchup-Flexibilität
Größte Schwäche: Belastung und Hierarchie
Swing Factor: MarJon Beauchamp
Negativer Verlauf: Platz 3–4
Realistisch: Platz 1–2
Best Case: Platz 1 / Meister
Erwartete Saisonrolle: Meisterschaftsfavorit
Sicherheit: sehr hoch

Tier 1 – und für mich auf dem Papier die Nummer eins.

ALBA hat bewiesen, dass Bayern trotz größerem Budget und tieferem Kader schlagbar ist. Genau deshalb würde ich die Meisterschaft überhaupt nicht als selbstverständlich ansehen.

Aber wenn ich die Liga heute unabhängig vom Vorjahresergebnis bewerte, komme ich an München nicht vorbei.

Washington, Jokubaitis, Baldwin, Obst, Hollatz, Jensen und Jessup im Backcourt. Beauchamp, Lucic, Giffey, Norris und da Silva auf den Forwards. Voigtmann, Thiemann und Wiley im Frontcourt.

Kein anderes BBL-Team kann annähernd so viele unterschiedliche Probleme lösen, ohne dafür neue Probleme zu schaffen.

Deshalb geht Bayern für mich als Favorit in die Saison.

Nicht haushoch. Dafür ist ALBA zu gut und die Liga dahinter zu eng geworden.

Aber wenn wir jetzt alle 18 Kader nebeneinanderlegen, ist München für mich die Mannschaft, die alle anderen zunächst schlagen müssen.
 

BBL Power-Ranking 2026/27​

Nachdem jetzt alle 18 Kader einzeln durch sind, wird es Zeit, sich festzulegen. Die Liga wirkt auf dem Papier extrem eng, viele Teams spielen international und gerade im breiten Mittelfeld entscheiden für mich eher Nuancen als große Qualitätsunterschiede. Das Ranking ist deshalb keine Fortschreibung der vergangenen Saison, sondern meine Einschätzung der aktuellen Kader, Rollenverteilung, Coachingqualität, Kontinuität und Belastung – würde die Saison morgen beginnen, sähe meine Reihenfolge so aus:

Tier 1 – Meisterschaftsfavoriten​

1. FC Bayern München
Der tiefste und variabelste Kader der Liga macht Bayern trotz EuroLeague-Belastung zum Favoriten – die größte Aufgabe dürfte sein, aus der enormen individuellen Qualität eine funktionierende Hierarchie zu formen.
Floor: 3–4 | Realistic: 1–2 | Ceiling: Meister

2. ALBA Berlin
Der Meister hält einen großen Teil seines funktionierenden Kerns zusammen und bekommt mit Ford und Wieskamp zusätzliche offensive Qualität, wirkt im Frontcourt aber etwas angreifbarer als Bayern.
Floor: 4–6 | Realistic: 1–3 | Ceiling: Meister

Tier 2/3 – Unmittelbarer Verfolger​

3. Telekom Baskets Bonn
Kontinuität, Defense, Coaching und eine sehr starke deutsche Rotation machen Bonn für mich zum stabilsten Verfolger der beiden Favoriten, auch wenn der ganz große individuelle Creator im Backcourt fehlt.
Floor: 7–10 | Realistic: 3–6 | Ceiling: 2–4

Tier 3 – Klare Playoffkandidaten​

4. VET-CONCEPT Gladiators Trier
Brooks, Roland, Simon und Onu machen Trier auf beiden Seiten kompletter als im Vorjahr, jetzt müssen die Gladiators allerdings erstmals mit Erwartungsdruck, angepassten Gegnern und zusätzlicher Europe-Cup-Belastung umgehen.
Floor: 8–11 | Realistic: 4–7 | Ceiling: 2–4

5. ratiopharm ulm
Watson, Sims, Rataj und Shittu ergeben vielleicht das größte individuelle Upside hinter Bayern und ALBA, gleichzeitig muss sich aus den vielen vielseitigen Spielern erst eine neue offensive Hierarchie entwickeln.
Floor: 8–11 | Realistic: 4–7 | Ceiling: 2–4

6. Fitness First Würzburg Baskets
Carr, Mintz und Ivey hinterlassen enorme Lücken im Backcourt, aber Filipovski, Thompson und die inzwischen etablierte Würzburger Struktur geben mir weiterhin genügend Vertrauen für die direkte Playoffgruppe.
Floor: 9–12 | Realistic: 5–8 | Ceiling: 4–5

7. RASTA Vechta
Vechta ist tief, erfahren und auf den deutschen Positionen sehr gut besetzt, muss nach den Abgängen von Verge, Brown und Bamba aber erst beweisen, woher die entscheidende Top-End-Creation kommt.
Floor: 9–12 | Realistic: 6–9 | Ceiling: 3–5

8. EWE Baskets Oldenburg
Der komplette Neuaufbau wirkt erstaunlich homogen und bietet Creation, Shooting, starke deutsche Spieler und volle Trainingswochen – jetzt muss die viele neue Qualität nur noch gemeinsam auf BBL-Niveau funktionieren.
Floor: 10–13 | Realistic: 6–9 | Ceiling: 3–5

Tier 3/4 – Direkt an der Playoffgruppe​

9. NINERS Chemnitz
Williams und Smith geben Pastore einen bereits bewiesenen BBL-Backcourt, aber zwölf Neuzugänge plus EuroCup machen Chemnitz trotz des vorhandenen Talents zu einer enormen Integrationsaufgabe.
Floor: 11–14 | Realistic: 7–10 | Ceiling: 4–6

Tier 4 – Play-In mit realistischer Playoffchance​

10. MHP RIESEN Ludwigsburg
Duráns Coaching, defensive Qualität und vor allem die fehlende internationale Belastung machen Ludwigsburg für mich gefährlich, auch wenn im neuen Backcourt noch keine eindeutig bewiesene Top-Creation vorhanden ist.
Floor: 11–14 | Realistic: 7–11 | Ceiling: 4–7

11. SKYLINERS Frankfurt
Mit Arcidiacono, Mintz, Swope, Christmas und Klepeisz ist der Backcourt plötzlich richtig interessant, während die dünnere Frontcourtstruktur und der EuroCup mich noch etwas vorsichtiger machen.
Floor: 13–16 | Realistic: 9–13 | Ceiling: 6–9

12. BMA365 Bamberg Baskets
Der neue Kader besitzt viel Athletik und individuelles Potenzial, muss nach Gavels Abgang und dem Verlust fast der gesamten bisherigen Creation aber eine komplett neue Hierarchie entwickeln.
Floor: 11–14 | Realistic: 7–10 | Ceiling: 4–6

13. ROSTOCK SEAWOLVES
Rostock bringt Kontinuität, Physis und eine tiefe Rotation mit, wird durch den EuroCup und das Fehlen eines wirklich dominanten Lead Guards in diesem engen Feld aber etwas nach unten gedrückt.
Floor: 11–14 | Realistic: 7–11 | Ceiling: 4–7

Tier 4/5 – Unteres Mittelfeld mit Play-In-Chance​

14. SYNTAINICS MBC
Hunt, Clyburn, Reaves und der vielseitige Frontcourt machen Weißenfels deutlich interessanter als einen klassischen Abstiegskandidaten, offensiv hängt aber viel davon ab, ob Hunt sofort als BBL-Lead-Guard funktioniert.
Floor: 14–17 | Realistic: 10–14 | Ceiling: 7–10

15. Phoenix Hagen
Der Aufsteiger bringt ungewöhnlich viel Kontinuität, klare Rollen und gezielte Verstärkungen mit und könnte deshalb deutlich früher stabil sein, als es Platz 15 zunächst vermuten lässt.
Floor: 16–18 | Realistic: 12–15 | Ceiling: 9–12

Tier 5 – Klassenerhalt zuerst​

16. Science City Jena
Erick Neal gibt Jena einen echten Organisator und verbessert die gesamte offensive Struktur, defensiv und beim Rim Protection bleiben für mich aber genügend Fragezeichen für eine schwierige Saison.
Floor: 16–18 | Realistic: 12–16 | Ceiling: 8–11

17. Veolia Towers Hamburg
Die fehlende EuroCup-Belastung hilft enorm, trotzdem fehlen mir nach Maronkas Abgang im Vergleich zur direkten Konkurrenz weiterhin verlässliche Creation und offensives Top-End.
Floor: 16–18 | Realistic: 13–16 | Ceiling: 9–12

18. Basketball Löwen Braunschweig
Edwards und Green verbessern den Kader und Flanigans deutscher Pass hilft bei der Rotation, insgesamt sehe ich hier aber weiterhin die wenigste gesicherte Creation und den fragilsten Aufbau der Liga.
Floor: 17–18 | Realistic: 15–18 | Ceiling: 11–14

Fazit​

Vor allem zwischen Platz 4 und 13 würde ich auf kaum eine konkrete Reihenfolge viel Geld setzen. Für mich liegt genau dort die Besonderheit dieser Saison: Trier kann Dritter werden und Chemnitz Zwölfter – genauso kann sich bei ein paar funktionierenden oder eben nicht funktionierenden Transfers ein erheblicher Teil dieses Feldes innerhalb weniger Wochen komplett neu sortieren.
 

BBL-Kaderupdate​

Kurz vor September hat sich auf dem Transfermarkt noch einmal etwas getan.

Science City Jena hat die nach dem kurzfristigen Abgang von Erick Neal entstandene Lücke auf Point Guard geschlossen. Der Aufsteiger verpflichtet Isaiah Moses. Der 24-Jährige kommt aus Australien und bringt ein interessantes Scoring-Profil mit: In seinem letzten College-Jahr bei Eastern Washington legte er 17,8 Punkte und 4,2 Assists auf und traf starke 41,3 Prozent seiner Dreier. Moses ist allerdings Profi-Rookie – entsprechend spannend wird sein Sprung auf BBL-Niveau. Für Jena trotzdem eine wichtige Verpflichtung, die den Kader wieder komplettiert.

RASTA Vechta hat derweil überraschend Lloyd Pandi zurückgeholt. Der vielseitige Guard/Forward war eigentlich bereits verabschiedet worden, unterschreibt nun aber doch für eine weitere Saison. Pandi kennt Verein und Liga und bringt zusätzliche Physis und defensive Variabilität. Gleichzeitig fällt Neuzugang Lamin Sabally nach einem Eingriff am Sprunggelenk mehrere Wochen aus.

Ebenfalls bemerkenswert: Der SYNTAINICS MBC hat mit Kostja Mushidi für zunächst drei Monate einen alten Bekannten und aktuellen deutschen Nationalspieler zurückgeholt. Nach Boriša Simanić ist das der nächste interessante August-Move der Weißenfelser.

Mein Eindruck: Vor allem MBC und Vechta haben zuletzt noch einmal Qualität nachgelegt. An meiner Spitzengruppe ändert das zunächst nichts: Bayern und ALBA vorne, dahinter Bonn – Würzburg bleibt für mich weiterhin im engen Bereich um Platz 4 bis 6.
 

BBL Preseason 2026/27 – ein erster Zwischenstand​

Die übliche Einschränkung vorneweg: Testspiele bleiben Testspiele. Unterschiedliche Trainingsstände, fehlende Nationalspieler, bewusst breite Rotationen und teilweise völlig unterschiedliche Belastungen am Vortag machen die Ergebnisse nur bedingt vergleichbar.

Trotzdem finde ich es spannend, nach den ersten Wochen einmal auf alle 18 Teams zu schauen. Weniger nach dem Motto: Passt das bisher Gesehene zu dem Bild, das der Kader auf dem Papier vermittelt hat?

FC Bayern München​

Bisher: 91:86 Ulm, 112:78 Patrioti Levice.
Bayern macht bisher einfach Bayern-Dinge. Gegen Ulm wurden 13 Spieler eingesetzt, Washington, Thiemann und da Silva fehlten noch, Jokubaitis gab nach fast einem Jahr sein Comeback – und trotzdem gewann man. Gegen den slowakischen Serienmeister Levice wurde es anschließend sehr deutlich. Giffey, Norris, Wiley und Voigtmann waren früh produktiv, ohne dass überhaupt eine klare offensive Hierarchie nötig war.

Mein Eindruck: Das größte Argument für Bayern bleibt die absurde Tiefe. Noch nichts, was die Nummer eins infrage stellt.

ALBA BERLIN​

Bisher: 84:78 Wolmirstedt, 89:83 Hamburg.
Berlin ist ebenfalls 2:0 gestartet, obwohl in der Vorbereitung noch Spieler fehlten. Gegen Hamburg musste ALBA nach einem ausgeglichenen ersten Viertel deutlich mehr arbeiten, kontrollierte die Partie danach aber weitgehend.

Mein Eindruck: Noch relativ wenig Aussagekraft, aber die bekannte ALBA-Tiefe scheint sofort wieder zu funktionieren. Kein Grund, an Tier 1 etwas zu verändern.

Telekom Baskets Bonn​

Bisher: 98:89 Frankfurt, 94:110 Trier, 99:61 Oostende.
Bonn gefällt mir grundsätzlich weiterhin. Besonders interessant ist aber, dass die Vorbereitung bereits eine echte Kaderveränderung erzeugt hat: Marcus Foster war ursprünglich nur Trainingsgast, legte in den ersten drei Tests durchschnittlich 14,7 Punkte auf und wurde inzwischen für die komplette Saison verpflichtet. Gleichzeitig verpasst Tylan Birts nach einer Achillessehnen-OP den Saisonstart.

Mein Eindruck: Der Trier-Test zeigte, dass Bonn defensiv noch nicht fertig ist, der 99:61-Sieg gegen Oostende war danach aber eine deutliche Reaktion. Foster könnte sich als richtig wertvolles zusätzliches Puzzleteil erweisen.

VET-CONCEPT Gladiators Trier​

Bisher: 98:95 Manchester, 110:94 Bonn, 99:89 Antwerpen.
3:0 – und dabei 98, 110 und 99 Punkte.
Das finde ich durchaus bemerkenswert. Gegen Manchester rotierte Jacques Schneider mit zwölf Spielern und bekam extrem verteiltes Scoring, anschließend schenkte Trier einem starken Bonner Team 110 Punkte ein und schlug mit Antwerpen danach auch den amtierenden BNXT-Champion.

Mein Eindruck: Der Kader sieht nicht nur auf dem Papier gut aus. Tempo, Ballbewegung und breite Creation funktionieren offenbar früh – und die defensiven Upgrades Simon/Onu kommen noch dazu. Trier bestätigt meinen hohen Forecast bisher eher.

ratiopharm ulm​

Bisher: 93:105 Ludwigsburg, 86:91 Bayern.
0:2 klingt schlechter, als ich die beiden Tests bewerten würde. Gegen Ludwigsburg führte Ulm über weite Strecken und verlor die Partie erst mit einem schwachen Schlussviertel; gegen Bayern kam die Mannschaft mehrfach aus größeren Rückständen zurück. Was bereits auffällt: Die individuelle Qualität von Watson, Rataj und Traoré ist sofort sichtbar, gleichzeitig waren Ballverluste und Spielkontrolle schon gegen Ludwigsburg Thema.

Mein Eindruck: Eigentlich exakt das erwartete Ulm: enorme Qualität, aber die neue Hierarchie und Organisation brauchen Zeit.

Fitness First Würzburg Baskets​

Bisher: 82:78 Phoenix Hagen, 91:71 Norrköping Dolphins.
Würzburg gehört für mich bisher klar zu den interessanteren positiven Eindrücken.

Gegen Hagen lag die neue Mannschaft über weite Strecken zurück und drehte das Spiel mit einem 20:9-Schlussviertel. Besonders auffällig: Brandon Tischler mit 17 Punkten und vier Dreiern, Max Jones ebenfalls mit 17, dazu Charles Thompson mit 13 Rebounds, drei Steals und zwei Blocks.

Danach folgte im Trainingslager ein deutliches 91:71 gegen Norrköping.
Gerade letzteres gefällt mir, weil Norrköping kein beliebiger Sparringspartner ist. Würzburg hat damit die ersten beiden Spiele auf unterschiedliche Art gewonnen: einmal über Defense, Rebounding und ein starkes Schlussviertel, einmal deutlich.

Und ja – Tischlers Shooting beschäftigt mich weiterhin. Nach den Aussagen beim Medientraining, dass einige Spieler über den Sommer deutlich am Wurf gearbeitet haben, hatte ich bei dieser Aussage ehrlich gesagt nicht zuerst ihn im Kopf. Vier Dreier sind natürlich noch kein Trend. Sollte Tischler aber tatsächlich respektabler Spacer werden, verändert das seine ohnehin schon wertvolle Rolle erheblich.

Mein Eindruck: Die neue Guardrotation ist noch nicht abschließend zu bewerten und Colbert fehlte zuletzt, aber die Mannschaft wirkt schon erstaunlich stabil. Würzburg hat bei mir bisher eher Aktien gewonnen.

RASTA Vechta​

Bisher veröffentlicht: 98:74 Oldenburg, 102:97 n.V. Bremerhaven, 82:76 Rostock.
Vechta gefällt mir richtig gut. Gegen Oldenburg wurde es deutlich, in Bremerhaven drehten Kuhse und Lewis auf und gegen Rostock führte RASTA zwischenzeitlich mit 21 Punkten. Kuhse legte gegen Bremerhaven 25 Punkte, vier Assists und vier Steals auf, Lewis 19 und Pleiß 10 Punkte plus 15 Rebounds.

Mein Eindruck: Meine Sorge war die verlorene Top-End-Creation – bisher sieht es eher so aus, als könne Vechta diese Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Einer meiner bisherigen Gewinner.

EWE Baskets Oldenburg​

Bisher: 83:83 Hagen, 74:98 Vechta, 76:76 Borac Čačak, 84:98 Zlatibor, 73:81 Spartak.
Hier bin ich bisher etwas ernüchtert. Ein 0-3-2 in Testspielen allein wäre mir egal, aber mehrere Beschreibungen ähneln sich: offensive Abstimmungsprobleme, Turnover, phasenweise fehlender Rhythmus und gegen Vechta zusätzlich große Probleme am defensiven Rebound. Im Trainingslager fehlte zwar zeitweise auch Johnson, und die serbischen Gegner sind ordentlich.

Roach, Johnson und Keßen liefern durchaus positive Momente, aber jene frühe Homogenität, die ich dem Kader auf dem Papier zugetraut hatte, sehe ich bisher noch nicht.

Mein Eindruck: Kein Alarm – aber Oldenburg wäre das Team aus meiner ursprünglichen Top 8, bei dem ich momentan am ehesten ein kleines Fragezeichen ergänzen würde.

NINERS Chemnitz​

Bisher: 97:102 Bamberg, 98:92 Jena, 100:89 MBC.
Bei zwölf Neuzugängen war Integration mein größtes Fragezeichen – und genau deshalb gefällt mir Chemnitz bisher.

Schon gegen Bamberg punkteten sechs Spieler zweistellig. Gegen Jena übernahmen Smith, Fleming und Burnham das Schlussviertel, und beim 98:92 waren fünf Chemnitzer zweistellig.

Mein Eindruck: Pastore scheint erstaunlich schnell Rollen zu finden. Noch längst nicht fertig, aber für mich bislang eher ein kleiner Riser.

MHP RIESEN Ludwigsburg​

Bisher: 105:93 Ulm, 93:72 Crailsheim, 76:68 Bamberg, 72:92 Frankfurt.
Die ersten drei Spiele waren ziemlich überzeugend: Tempo, Physis, Defense und drei Siege. Dann kam gegen Frankfurt ein deutlicher Dämpfer.

Relevanter als ein einzelnes 72:92 ist für mich allerdings die Personalsituation: Keeshawn Kellman fällt wegen Knieproblemen vorerst aus, weshalb Tommy Rutherford zunächst für zwei Monate verpflichtet wurde.

Mein Eindruck: Ludwigsburg auf Platz 13 in meiner ersten Ranking-Version war zu niedrig. Dass sie nicht international spielen, könnte zusätzlich ein echter Vorteil werden. Frankfurt hat aber gezeigt, dass die neue Mannschaft noch nicht durchgehend stabil ist.

SKYLINERS Frankfurt​

Bisher: 93:92 Bamberg, 89:98 Bonn, 104:94 Manchester, 95:78 Heidelberg, 92:72 Ludwigsburg.
Für mich bisher der größte Preseason-Riser.
Fünf Spiele, vier Siege – aber wichtiger ist die Art. Manchester wurde nach Rückstand noch gedreht, Heidelberg deutlich geschlagen und anschließend gab es ein +20 in Ludwigsburg. Radii Caisin war mit 24 gegen Manchester und 19 gegen Heidelberg zweimal besonders auffällig, daneben liefern Mintz und Race Thompson früh Produktion.

Mein Eindruck: Das sieht bisher genau nach dem homogeneren Setup aus, auf das im Forum bereits hingewiesen wurde. Platz 11 aus meinem Ranking fühlt sich momentan eher zu niedrig an – die Top-8-Diskussion ist absolut offen.

BMA365 Bamberg Baskets​

Bisher: 92:93 Frankfurt, 102:97 Chemnitz, 100:80 MBC, 68:76 Ludwigsburg.
Bamberg zeigt bislang beide Seiten des neuen Kaders. Gegen MBC waren 29 Assists bei nur neun Turnovern richtig stark, alle elf eingesetzten Spieler punkteten und Hason Ward kam auf 21 Zähler. Gegen Ludwigsburg funktionierte offensiv deutlich weniger.

Mein Eindruck: Talent und Tiefe sind da. Wie schnell Ramírez daraus eine klare Guard-Hierarchie und verlässliche Halfcourt-Offense entwickelt, bleibt die entscheidende Frage.

ROSTOCK SEAWOLVES​

Bisher: 93:60 Braunschweig, 85:75 Næstved, 73:84 Hamburg, 76:82 Vechta.
Der Start war stark, danach wurde es gegen BBL-Gegner deutlich schwieriger. Gegen Hamburg verlor Rostock insbesondere das Rebound-/Possession-Duell, gegen Vechta lag man sogar 21 Punkte hinten, kämpfte sich aber noch einmal bis auf zwei heran. Copeland war mehrfach auffällig, gegen Vechta übernahm Stove mit 21 Punkten.

Mein Eindruck: Solide, aber bislang kein Hinweis darauf, dass ich Rostock aus dem breiten Play-In-Feld deutlich nach oben bewegen müsste. Die Frage nach konstanter Guardorganisation bleibt.

SYNTAINICS MBC​

Bisher: 88:78 Braunschweig, 80:100 Bamberg, 89:100 Chemnitz.
Das erste Spiel sah noch gut aus: Spencer Reaves mit 27 Punkten und 5/5 Dreiern, Hunt mit sieben Assists. Danach kassierte der MBC zweimal exakt 100 Punkte.

Das muss Anfang September noch nichts bedeuten, ist aber auffällig, weil gerade die defensive Stabilität und die neue Guard-Hierarchie ohnehin zu meinen Fragezeichen gehörten.
Mein Eindruck: Eher neutral bis leicht negativ. Hunt muss als Scorer noch mehr zeigen, und defensiv ist aktuell noch ziemlich viel Arbeit sichtbar.

Phoenix Hagen​

Bisher: 83:83 Oldenburg, 96:78 Braunschweig, 78:82 Würzburg, 102:91 Gießen.
Phoenix gefällt mir weiterhin richtig gut.

Gegen Würzburg führte Hagen fast die komplette Partie und verlor erst durch das starke Würzburger Schlussviertel. Gegen Braunschweig waren Polley mit 21 und Gibson mit 20 Punkten stark, gegen Gießen lieferte Cameron Krutwig dann 14 Punkte, 20 Rebounds und vier Assists.
Das ist genau das Interessante an Krutwig: Er muss kein klassischer Rim-Protector sein, wenn er offensiv und beim Rebounding so viel Einfluss nimmt.
Mein Eindruck: Ich würde Hagen inzwischen definitiv nicht mehr als normalen Bottom-3-Aufsteiger behandeln. Kontinuität und die neuen Imports scheinen gut zusammenzupassen.

Science City Jena​

Bisher: 96:101 Göttingen, 92:98 Chemnitz, 87:87 Śląsk Wrocław.
Die Resultate finde ich gar nicht schlecht. Besonders das 87:87 gegen den polnischen EuroCup-Teilnehmer Wrocław ist respektabel.

Allerdings hat sich seit unserer ursprünglichen Kaderanalyse ein wesentlicher Punkt verändert: Erick Neal hat Jena aus familiären Gründen wieder verlassen. Als Ersatz wurde Isaiah Moses verpflichtet – zunächst nur bis Mitte September mit Option auf Verlängerung. Moses kam beim Wrocław-Spiel noch nicht zum Einsatz.

Das heißt: Unsere damalige Bewertung mit Neal als stabilisierendem Lead Guard ist schlicht nicht mehr aktuell.
Mein Eindruck: Die Mannschaft schlägt sich ordentlich, aber die Point-Guard-Frage ist wieder offen. Moses könnte das Bild schnell verändern – den muss man jetzt beobachten.

Veolia Towers Hamburg​

Bisher: 86:48 Rist Wedel, 74:67 Bakken Bears, 84:73 Rostock, 83:89 ALBA.
Hamburg hatte ich im Power-Ranking sehr tief – und bisher sieht es nicht nach einem klaren Bottom-3-Team aus.

Der Sieg gegen den dänischen Serienmeister Bakken war ordentlich, in Rostock gewann Hamburg trotz mehrerer Ausfälle mit elf Punkten und auch gegen ALBA blieb man konkurrenzfähig. Noah Thomasson übernimmt früh Scoringverantwortung; gegen Berlin fehlten unter anderem Zeigler, Breunig, Marshall und Muenkat.
Mein Eindruck: Einer der kleineren positiven Überraschungen. Die fehlende internationale Belastung könnte tatsächlich mehr wert sein, als ich ursprünglich eingepreist hatte.

Basketball Löwen Braunschweig​

Bisher: 60:93 Rostock, 78:88 MBC, 78:96 Hagen, 91:92 Göttingen.
Das ist bislang das schwierigste Gesamtbild der Liga.

Gegen Rostock -33, gegen Hagen -18 und dabei nur 14,3 Prozent von außen. Gegen ProA-Absteiger Göttingen sah es zunächst deutlich besser aus und Braunschweig führte zur Halbzeit mit zehn, verlor die Partie aber noch in letzter Sekunde. Askew und Edwards erzielten dort jeweils 18 Punkte.
Mein Eindruck: Es gibt individuelle Scorer, aber bisher zu wenig, was meine grundsätzlichen Fragen nach Creation, Shooting und defensiver Stabilität entkräftet. Stand heute bleibt Braunschweig mein größter Abstiegskandidat.

Mein Zwischenfazit​

Wenn ich die Preseason bis hierhin überhaupt in unsere bisherigen Einschätzungen einfließen lassen möchte, würde ich noch kein neues Power-Ranking daraus machen.

Aber ein paar Pfeile würde ich setzen:
Deutlich ↑: Frankfurt
Das sieht bisher tatsächlich nach einem anderen Team als im Vorjahr aus.
↑: Würzburg, Trier, Vechta
Alle drei bestätigen bislang ziemlich deutlich, warum ich sie in der Playoffgruppe gesehen habe – Würzburg trotz nahezu komplett neuer Guardrotation.
Leicht ↑: Chemnitz, Phoenix, Hamburg
Bei allen drei funktionieren Dinge früher beziehungsweise besser, als ich erwartet hatte.

→: Bayern, ALBA, Bonn, Ulm, Bamberg, Rostock
Im Wesentlichen das, was die Kaderanalyse erwarten ließ.

Leicht ↓: Oldenburg, MBC
Nicht wegen der Testspielbilanzen an sich, sondern weil sich einige unserer vorherigen Fragezeichen bisher eher zeigen als auflösen.

Neu bewerten: Jena
Nicht wegen der Ergebnisse, sondern wegen Neals Abgang und der neuen Point-Guard-Situation.

↓: Braunschweig
Bislang leider wenig, was gegen unsere sehr skeptische Einordnung spricht.

Und Ludwigsburg? Eher leicht nach oben. Die ersten drei Tests waren gut genug, dass mir Platz 13 aus meiner ursprünglichen Rangliste weiterhin zu tief erscheint – Kellmans Knie und das 72:92 gegen Frankfurt verhindern aber, dass ich daraus schon einen größeren Hype mache.

Insgesamt bestätigt sich für mich bisher vor allem eines: Das breite Mittelfeld könnte noch enger sein, als wir es ohnehin erwartet haben. Zwischen Frankfurt, Oldenburg, Chemnitz, Ludwigsburg, Bamberg, Rostock und möglicherweise sogar Phoenix/Hamburg sehe ich nach den ersten Tests jedenfalls keinen Grund, sich im September schon besonders sicher zu fühlen.
 
Oben