Was haltet ihr von Kung Fu? Mein Sohn ist 8 jährig und seit einer Weile im Kung Fu, ihm macht das Ganze auch riesig spass und das sollte in dem Alter auch das wichtigste sein, aber wie effektiv ist eurer Meinung nach Kung Fu?
"Kung Fu" ist ein Oberbegriff, eigentlich nicht mal speziell in Bezug auf Kampfmethodiken (Fähigkeiten, die durch langfristige Arbeit mit etwas entstehen). Das sind buchstäblich hunderte Familienstile. In Deutschland ist es nahe an unmöglich, kompetent in etwas unterrichtet zu werden, was den ursprünglichen Methodiken bezüglich Leibwächterei (Kaiserhof) oder in entsprechenden Familien ("Hobby" und Dorfverteidigung) nahekommt.
Wenn man in der Nähe zufällig einen Verein hat, der sich an einem tatsächlichen Familienstil orientiert und das fundamental gut macht, kann man da mal längere Zeit hingehen. Das kann man nur über Erfahrung merken, ob das was ist. Gibt es, aber selten. Wichtig wäre aber, das als Hobby zu sehen, weil man Spaß daran hat.
Was man tunlichst lassen sollte, ist zu Leuten zu gehen, die einen selbstgebastelten "Stil" "unterrichten" (erkennbar an Fantasiebezeichnungen) oder die eher kommerzielle Interessen haben (z.B. Weh-Teh-Derivate unterschiedlichster Schreibweisen). Hier hilft recherchieren.
"Effektiv" ist das alles nicht. TCMA (traditional chinese martial arts) wurde als Kind angefangen und beständig praktisch täglich in kleinen Mengen über lange Zeiträume praktiziert, und so der Körper über entsprechend lange Zeit trainiert. Man kann nicht mit 25 mit "Ninja-Training" anfangen und mit 26 ein Rene Caselly sein, das holt man nie wieder auf was der zwischen 4 und 14 trainiert hat. Noch dazu sind viele Praktiken und "Techniken" die man heute oft sieht häufig Fantasie oder extrem verballhornt. Sowas hier ist z.B. Bullsh*t, die Leute haben Null Verständnis für reale Dynamik und Aktivität in einem Kampf:
Angeblich Baguazhang
Hier kann man erahnen, wie das mal ausgesehen haben könnte (die "Schubser" am Ende sind alle Ersatzhandlungen für das, was man wirklich machen würde):
Han Yanwu beim casual Spielen im Park
Ü55-50kg-Chinesin in Japan (insbesondere ab 4:57)
Meine Empfehlung für "Kämpfen lernen" ist immer gleich. Anfangs Judo und BJJ (bzw. andere Arten von Submission Grappling), später geeignetes Boxen integrieren (fluide, meid- und konterlastig, beweglich) und das BJJ immer up to date halten. Dazu *nebenbei* eine der langsamen TCMA-Trainingsvarianten für ein spezielles Körpertraining mit eigenen, so nicht anders reproduzierbar trainierbaren Effekt, z.B. Taijiquan, Baguazhang. Sehr (!) langsames Bewegen, gerne auch im Stand, Stampfübungen, Drehbewegungen. Davon reichen 15 Minuten täglich, den Effekt merkt man nach ca. 6 Wochen langsam.
Ich denke, in Deutschland ist das Ansinnen, TCMA wie Taijiquan, Baguazhang oder Bajiquan auf dem Level eines King Liyen, Chen Yu, Majiangbao oder Adam Hsu lernen zu wollen, vergeblich. Die Leute gibt es hier nicht (mehr).