Die Bühne ist bereitet für unser großer Vorrunden-Finale, und es ist wahrlich eine würdige Boxwoche, hält sie doch eine ganze Reihe hochkarätiger Kämpfe bereit, die gut gematched und ziemlich offen scheinen.
Los geht es in Usbekistan, wo die Favoritenrollen zugegebenermaßen noch recht eindeutig verteilt scheinen.
Izmailov bekommt es mit dem international unbeschriebenen Tansanier Shagembe zu tun, der zumindest acht Jahre jünger und deutlich größer ist.
Im Southpaw-Duell treffen mit Ramirez und Vokhidov zwei ehemalige Top-Amateure aufeinander, wobei Ramirez noch deutlich größeres Renommee hat und auch schon bei den Profis Weltmeister war, aber zweimal gegen Espinoza verlor.
In England trifft Charlie Edwards auf Nqothole. Riecht nach einem taktischen Kampf. Edwards ist viel unterwegs im Ring, und auch Nqothole ist nicht gerade ein Workrate-Weltmeister. Dass er gut ist, zeigte er aber auswärts gegen den starken Mexikaner Calixto. Ich hatte ihn nur hauchdünn hinten, weil er viele Runden billig abgegeben hat. In England wird er etwas tun müssen.
In Russland geht es dann morgen am Nachmittag weiter.
Tukov und Papeschi werden voraussichtlich einen eher physischen Kampf bieten. Tukov sollte der bessere Boxer und vor allem physisch größer sein.
Der Usbeke Shekhov und der Venezolaner Betancourt treten gegeneinander an. Shekhov ist ein schneller und technisch starker Southpaw, Betancourt ist auch ein guter Boxer und hat Punch, allerdings fehlt es ihm noch an Erfahrung auf großer Bühne.
Aus deutscher Sicht ist Bivol vs. Eifert ein Highlight. Bivol ist einer der fähigsten Boxer auf dem Planeten. Slick, defensiv gut, schnell, variabel, kann Schläge nehmen. Eifert hat schon auf niedriger Ebene etwas gewackelt, gegen Jean Pascal in Kanada gelang ihm aber ein großes Upset, wo er deutlich stärker als früher wirkte, auch wenn Pascal bereits 40 war. Dennoch fehlt die Fantasie, Eifert hier eine Chance auszurechnen, aber mal sehen.
Lerena und Merhy treffen sich zu einem Rematch, diesmal auf belgischem Boden. Southpaw Lerena hat sicher deutlich mehr Erfahrung auf höherem Niveau, aber Merhy ist ein physisch starker Mann und hat diesmal eben Heimvorteil. Ob er das Ding diesmal drehen kann? 50:50-Fight.
Uldedaj hat sich in England doch an die Weltspitze herangeboxt. Mit Cason bekommt er nun einen hochgewachsenen und physisch guten Gegner, der auch boxen kann, jedoch bisher auf deutlich niedrigerem Niveau unterwegs war. Nicht ganz unkompliziert, aber Uldedaj ist sicher Favorit.
Das trifft noch mehr auf Azim zu, der als eine der Hoffnungen auf der Insel gilt. Claggett ist aber ein zäher Bursche, der auch etwas Power entwickeln kann, aber vom Speed und Alter spricht schon vieles für Azim.
Ein weiteres Rematch kommt aus Magdeburg mit Lokalmatador Fress gegen Xhoxhaj. Den ersten Fight gewann Xhoxhaj, und nach den letzten Eindrücken von Fress wäre eine Wiederholung sicher keine große Überraschung. Allerdings war Xhoxhaj die letzten zwei Jahre auf etwas niedrigerem Level unterwegs, um die bittere und schnelle Niederlage gegen Cinkara zu verkraften. Für beide wäre eine Niederlage wohl das Ende größerer Hoffnungen. Von der Spannung und der Tatsache eines erwarteten 50:50-Fights ist das eine gute Nummer.
In Puerto Rico trifft Lokalmatador Acosta auf Ephraim Bui. Der am ganzen Körper tätowierte Acosta ist im Ring ein kleiner Showman. Er ist physisch groß und kann boxen, wirkt aber defensiv sloppy. Bui ist ein hart schlagender Southpaw, der etwas awkward ist und gerne sehr seitlich steht. Gegen Abrahante überzeugte er mich gar nicht, danach gegen den starken Ramirez war es trotz Niederlage deutlich besser, und zuletzt packte er gegen Acosta´s Landsmann und Stallkollegen Juan Zayas einen krachenden KO aus. Acosta wäre gut beraten, aus der Distanz mit dem Jab zu boxen, dann kann er das vielleicht sogar mehr oder weniger easy gewinnen. Aber vermutlich wird es irgendwann doch ein physischer Kampf werden, wo dann jederzeit alles passieren kann. Ich sehe beide nicht als zukünftige Weltmeister, aber das ist schon ein richtig guter Kampf zweier aufstrebender Leute, wo der Sieger sicher bald vielleicht eine große Chance bekommt.
Vielleicht ist Foster vs. Ford der internationale Kampf der Woche. Foster ist wenn er sein A-Game auspackt für mich doch close but clear der bessere Boxer als Ford. Etwas schneller, größer und defensiv weniger anfällig, er ist auch der Heimboxer. Dafür hat Ford den Promoter-Vorteil auf seiner Seite, ist jünger und Southpaw. Dazu scheint er leistungsmäßig etwas konstanter mit weniger Ausschlägen nach oben und unten.
Dann noch ein Event, wo die Damen der Schöpfung im Mittelpunkt stehen.
Desley Robinson hat sich in den letzten zwei Jahren gut entwickelt, jetzt trifft sie mit der Kanadierin Mary Spencer aber auf eine sehr erfahrene Boxerin mit starkem Amateur-Pedigree. Allerdings hat sie ihre großen Kämpfe als Profi bisher verloren, das ist hier vielleicht ihre letzte Chance. Mit 38 und 41 Jahren können sich beide auch eigentlich kaum eine Niederlage leisten.
Han und Holm boxen ein Rematch. Holm stand von 2013 bis 2025 nicht im Ring, der Kampf gegen Han war ihr zweiter nach der langen Pause. Man merkte ihr den Ringrost doch etwas an, allerdings war der Abbruch und der Gang zu den Punkten doch unglücklich, da Han´s Cut am Haaransatz auf der Stirn zwar nervig, aber ungefährlich war. Southpaw Holm ist etwas größer, aber Han´s Timing im ersten Kampf war wirklich gut, so dass sie als Favoritin ins Rematch geht. Ob Holm sich mit 44 noch mal steigern kann, sie den Ringrost abgeschüttelt hat oder sie einfach mittlerweile nun doch nicht mehr drauf hat?
Aus deutscher Sicht ist Serrano vs. Hanson sicher interessant, aber Hanson wird mutmaßlich auf verlorenem Posten stehen. Seit der unglücklichen Niederlage vor 5 Jahren gegen Fai Nitisri war sie eigentlich nur noch in der dritten und vierten Reihe unterwegs. Serrano scheint zuletzt doch etwas abgebaut zu haben, aber eigentlich sollte hier ein vorzeitiger Sieg zumindest das Ziel sein.
Highlight ist aber wohl der Kampf von Juarez gegen Valle. Juarez hat mich zuletzt überrascht, als sie Nery Plata bezwang. War hauchdünn, aber mit 39 eine Karrierebestleistung von Juarez. Die Costa Ricanerin Valle ist sechs Jahre jünger, an der Weltspitze aber etwas etablierter. Zuletzt gegen Esparza und Bustillos waren es enge Kämpfe, vermutlich wird das hier auch eine knappe Punkteentscheidung. Valle sollte hier etwas mehr boxen und weniger keilen als zuletzt, das würde ihre Chancen erhöhen.
Hier die Tippübersicht:
Viel Glück, Spaß und Erfolg!