Die Unterschiedlichkeit der Urteile hat mit der Zugehoerigkeit zu unterschiedlichen sozialen Gruppen zu tun. Falls Dich der 20-jaehrige Mehmet mit seinem aufgemotzten BMW ablenkt, dann stell Dir eben den 25-jaehrigen Kevin und seinen aufgemotzten Audi vor. Du weisst schon: Dicke Reifen, teure Stereoanlage, usw.
Und nun stell Dir vor, dass Kevin (statt des 55-jaehrigen Steffen V.) den Unfall in Esslingen verursacht: Kommt schon mit ueberhoehter Geschwindigkeit an der Ampel an, dann verwirrt ihn etwas, woraufhin er ueber 5,5 Sekunden lang (das entspricht bei dieser Geschwindigkeit einer Strecke von mehr als 100 m) Gas statt Bremse bedient und letztlich 3 Menschen totfaehrt. Glaubst Du, dass ein Richter bei Kevin ebenfalls davon spraeche, er sei in einen "Ausnahmezustand" geraten und haette so seine "kognitive Fehlleistung" nicht korrigieren koennen? Oderr haette Kevin sich wohl eher so Worte wie "ruecksichtslos" oder "Gefahr fuer den Strassenverkehr" anhoeren duerfen?
Jetzt mal konkret: Welche Anhaltspunkte siehst Du denn dafür, dass die Tat in Esslingen vorsätzlich geschehen ist? Ist das Urteil überhaupt schon veröffentlicht, so dass man die Erwägungen des Gerichts nachvollziehen kann? Denn wenn Vorsatz - anders als in Berlin - nicht vorliegt, dann ist es strafrechtlich schlicht eine andere Tat und damit auch einem völlig anderem Strafrahmen unterworfen. Ganz unabängig vom Namen der Angeklagten.
Ich glaube, ich weiß sehr gut, was „ein Richter“ so denkt oder wovon er so spricht. Es gibt natürlich auch im Justizsystem strukturellen Rassismus, wie überall. Aber so plump, wie Du es hier behauptest, ist es nicht. Ein Gerichtsverfahren ist ein hochgradig formalisierter Prozess, in dem strenge Beweisanforderungen etc. gelten und der sich strikt nach dem geltenden Recht, hier dem StGB ausrichtet. Du zeichnest hier das Bild von Richterinnen und Richtern, die nach Gutdünken irgendwelche Strafen herbeientscheiden, weil ihnen das Gesicht des Beschuldigten mehr oder weniger passt. Das ist ein falsches, populistisches und gefährliches Narrativ, das zur Unterminierung unseres Rechtsstaats beiträgt, in dem wir noch immer das Glück haben, ein gut funktionierendes Justizsystem zu haben.