"Die CO2-Flottenemissionen müssen nach den neuen Regelungen ab 2035 nur noch um 90 Prozent sinken, statt um 100 Prozent. Damit können auch danach noch neue Hybrid- oder Benzinautos oder Elektrofahrzeuge mit Benzingenerator an Bord, sogenannte Range Extender, zugelassen werden.
Im Gegenzug müssen die Autobauer diese Emissionen durch den Einsatz von grünem Stahl aus der EU oder durch die Nutzung von CO2-neutralen Kraftstoffen wettmachen. Dazu zählen sogenannte E-Fuels."
Das klingt für mich einfach nur wie Symbolpolitik. Wer glaubt denn wirklich, dass es in 10 Jahren noch eine große Anzahl an Neuzulassungen (!) gäbe für Fahrzeuge, welche einen Verbrenner als Range Extender nutzen ... und dann womöglich mit synthetischen Kraftstoffen?
Die Entwicklung der Reichweite von E-Autos schreitet kräftig voran. Boliden mit einer Reichweite von 600km sind nicht mehr ungewöhnlich. Das Laden der Batterien innerhalb einer Pause - die man nach 600km Fahrt vielleicht mal machen sollte - dauert auch nicht ewig. Da wird die Entwicklung in den nächsten 10 Jahren auch keinen Rückschritt machen und darauf hindeuten, dass 2035 jemand ins Geschäft geht und sagt "Hui, ich brauch unbedingt einen fossil befeuerten Range Extender für mein E-Auto".
Und dann mit Strom synthetischen Kraftstoff herstellen um diesen dann wieder in Strom umzuwandeln? Da hau ich mir 2 Mal nen Wirkungsgrad in meinen Prozess, der das ganze einfach nur unökonimisch macht. Ein Range Extender lohnt sich in 10 Jahren finanziell vorne und hinten nicht, wenn es im Vergleich dazu darum ginge für das gleiche Gewicht (dass der zusätzliche Verbrenner unter der Haube auf die Waage bringt) nen größeren Akku einzubauen.
Das ist in der Anschaffung teurer, das ist im Unterhalt teurer, dass ist beim Betrieb teurer.
Der Benzinpreis wird nicht mehr signifikant sinken, während der Fortschritt bei erneuerbaren Energien und Speichertechnologien (Großspeicher für Strom aus Wind und Solar z.B.) den Strompreis in Relation zum Ölpreis attraktiver erscheinen lassen wird. Oder glaubt jemand, dass er 2035 noch für unter 2€/l Super tanken kann?
Selbst wenn E-Fuels irgendwann günstiger wären als fossile Kraftstoffe (vielleicht gewinnen sie auch den Preiskampf gegen Bio-Ethanol) ... sie werden immer teurer sein als das Kfz direkt mit Strom zu betreiben.
Verbrenner werden ein Nischenprodukt (brummende Porsche, die an der Ampel vom Rimac abgehängt werden) oder halt die Technik in den "Oldies".
Auch Plug-In-Hybride - die ohnehin schon ein Nischenprodukt sind - werden nach und nach am Markt zur Randerscheinung. Ihre Vorteile gegenüber "normalen" Verbrennern liegen in den geringeren Betriebskosten, wenn sie mit günstigem Strom geladen werden ... ansonsten sind sie durch das Mehrgewicht und dem doppelten Antrieb (mehr Wartungskosten) teurer. Diesen Vorteil hat nunmal auch das reine E-Auto, welches gegenüber dem Plug-In-Hybriden eine deutlich höhere elektrische Reichweite hat oder einen geringeren Verbrauch (deutlich leichter ohne zweiten Antrieb). Es wird sich irgendwann einfach nicht mehr lohnen Geld in die Entwicklung eines PHEV zu stecken, dass dann im Schaufenster neben einem E-Auto steht das deutlich günstiger ist und dessen Vorteile gegenüber einem reinen Verbrenner größer sind, während die Nachteile (die es noch gibt ... Kompromiss aus Gewicht und Reichweite) kleiner werden.
Wenn jetzt deutsche Automobil-Hersteller aufatmen, weil sie nach 2035 noch neue Verbrenner verkaufen dürfen, dann werden sie in 10 Jahren feststellen dürfen, dass sie in 10 Jahren den Preiskampf gegen E-Autos verlieren. Weil der E-Motor günstiger sein wird, weil die Akkus günstiger werden, weil die Werkstattkosten geringer sein werden, weil die Betriebskosten geringer sein werden.
Die "Lade-Infrastruktur" - auch im ländlichen Raum - wird in 10 Jahren kaum mehr so ein "Problem" sein, wie es heute für manche der Fall sein mag. Neue Ladesäulen sind da doch deutlich leichter hier und da hinzuwerfen als z.B. eine Zapfsäule für den gescheiterten Erdgas-Antrieb.
Von der Leyen mag von Pragmatismus und Flexibilität sprechen.
Aber ob nun die Auto-Hersteller "gezwungen" werden sich vom Verbrenner zu verabschieden, oder ob es der Markt und der Preiskampf gegen den E-Antrieb ihnen aufdrückt ... das macht eigentlich keinen großen Unterschied.
Wer heute glaubt, dass er in 10 Jahren noch hohe Absatzzahlen auf neue Verbrenner bekommt, so dass deren Entwicklung sich wirtschaftlich rechnet, der wird auch in 10 Jahren nicht aus seiner Krise rauskommen.