Die Auswirkungen des Kriegs auf das Skispringen


Ganz sicher hat es Druck seitens des IOC gegeben. Aber die FIS hat sich diesem gebeugt. Es gibt 22 Mitglieder des FIS Council, die offensichtlich mehrheitlich entschieden haben, AIN-Starter zuzulassen. Hätten sie nicht müssen. Wenn sie nein gesagt hätten, hätte das IOC keinerlei Handhabe dagegen gehabt. Andere Verbände lassen AIN-Starter zu, andere nicht.

Deshalb nochmal: Wie kommen die Einreise-/Nichteinreiseentscheidungen einzelner Länder zustande? Geht es nach Sportart?
 
Das ist natürlich schon ein interessanter Punkt bei der Sache. Das es auch in Schweden in anderen Sportarten scheinbar weniger problematisch erscheint... Kann natürlich sein, dass ATP und WTA nochmal um einiges mächtiger sind als die FIS...
Beim Tennis läuft das anders. Dort treten sie nicht als Vertreter der Nationalmannschaft auf, sondern quasi als Einzelunternehmer. Dort konnte Navratilova (und kurze Zeit auch Lendl) als Staatenlose antreten. Das ginge bei den FIS-Sportarten und vielen anderen nicht. Dort nominiert der jeweilige nationale Verband. Es spielten damals auch Südafrikaner zu Zeiten der Apartheid mit, was in anderen Sportarten völlig unmöglich gewesen wäre. Ausnahme ist natürlich der Daviscup.
Bezweifel das Deutschland oder Österreich keine Visa ausstellen würden. Die skandinavischen und baltischen Länder sind da nochmal um einiges entschiedener in ihrer Position.
Diese Sportler brauchen ein Schengen-Visum. Eines der Schengen-Länder genügt und sie dürfen theoretisch überall im Schengen-Raum sein. Aber der Antrag muss für das Land sein, wo der Startpunkt ist und dieser muss nachvollziehbar sein. Also Malta und Zypern fallen da eher aus. Im letzten Jahr war das für die Russen Deutschland wegen der VST. Aber die deutschen Behörden haben sich Zeit gelassen, sehr viel Zeit, um diese Anträge zu bearbeiten. Und solange die Deutschen die Bearbeitung nicht abgeschlossen haben, konnten sie nirgends anders Anträge stellen - oder mit Aufwand und zeitlichen Verzögerungen. Zeit, die sie damals nicht hatten. Daher rannten die Russen vor der Mauer und die Olympia-Quali war nicht möglich.
Was aber noch dazukommt: Auch wenn die ein gültiges Schengen-Visum haben, kann ein Schengen-Land sagen, das sie das alles nicht interessiert und die trotzdem nicht einreisen lässt. Die Polen haben dies im letzten Jahr so gemacht, da gab es sogar eine gesetzliche Grundlage.

Und ja, die Nordeuropäer und Balten sind da die größten Hardliner. Beim Modernen Fünfkampf wundert es mich nicht, dass die klein beigeben. Sind sie doch gefährdet, überhaupt aus dem Olympia-Programm zu fliegen. Die FIS ist hingegen eine viel, viel größere Nummer, die mit ihren Bewerben mehr als die Hälfte des Programms bei den Winterspielen stellt. Die hätten weit mehr Macht. Welche Rolle die NoKo spielt, dass die FIS sicher eher zurückhält, kann ich nicht sagen. Glaube aber, dass das keine große Rolle spielt und der Zug bezüglich NoKo mehr oder weniger abgefahren ist.
 
Deshalb nochmal: Wie kommen die Einreise-/Nichteinreiseentscheidungen einzelner Länder zustande? Geht es nach Sportart?
Man muss zwei Dinge unterscheiden: Die Haltung des jeweiligen Weltverbandes. Und die Regelungen der einzelnen Regierungen.
Wenn also Norwegen sagt, sie wollen keine Russen sehen, dann gilt das im Prinzip auch für andere Sportarten. Wie z. B. den Eisläufern, deren Weltverband da auch einen weniger strikten Umgang pflegt.
Interessant ist auch wie die einzelnen Verbände agieren. Die FIS musste ja im Dezember 2025 das CAS-Urteil mit den neutralen Athleten hinnehmen. Danach hat sie diese Liste mit den AIN-Athleten eingeführt, war aber im letzten Winter da ziemlich strikt. Den Russen hat das nicht gepasst und sie drohten mit weiteren Klagen, vor allem nach der IOC-Entscheidung. Das FIS Council kann man in dieser Frage in drei Lager einteilen. Die Befürworter der russischen Teilnahme (kleine Gruppe), die strikten Gegner der Russen (größere Gruppe) und die dazwischen. Die dazwischen sympathisieren zwar nicht mit den Russen, aber haben eine Heidenangst vor teuren Klagen und Millionenzahlungen an die Russen. Daher ist die Abstimmung so ausgefallen.
Beim IBU ist es anders, da gibt es erstens noch kein CAS-Urteil (das soll aber in der nächsten Zeit kommen) und zweitens sind die maßgeblichen Leute stärker gegen die russische Teilnahme als bei der FIS. Die IBU hält derzeit an der strengeren Ausschlusspolitik ja fest, wenn ich mich nicht irre.
Mal sehen, was sie machen, wenn das CAS-Urteil vorliegt.
Die Rodler wehren sich auch mit Händen und Füßen, die haben sogar schon ihr CAS-Urteil bekommen, sind aber ziemlich in der Defensive. Vor allem, weil denen das IOC drohen kann wegen Ausschluss der Spiele oder so. Manchen im IOC wäre es sehr recht, wenn es keine Eiskanäle mehr gäbe.
Aber auch einzelnen Staaten wie Deutschland kann man von seiten des IOC die Rute ins Fenster stellen, wenn die Politik nicht spurt. Olympiabewerbungen oder so....

Nachtrag: Grad bekannt geworden. Der CAS hat den Russen sogar die Teilnahme bei den Eishockey-WM erlaubt.
 
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Man muss zwei Dinge unterscheiden: Die Haltung des jeweiligen Weltverbandes. Und die Regelungen der einzelnen Regierungen.

Mir ging es um die Regierungen. Und da fehlt mir das Verständnis dafür, dass Sportarten unterschiedlich behandelt werden, wie es eben im Tennis ist, auch wenn die Spieler als Einzelperson und nicht als Vertreter ihres Landesverbandes agieren. Sie vertreten dennoch ihr Land, auch ohne Flagge.

Anderes Beispiel: Im Januar dieses Jahres, also noch vor dem CAS-Urteil, haben russische Sportler unter ihrer Landesbezeichnung RUS an Para-Langlauf-Rennen in Deutschland teilgenommen. Das ging ebenso.

Nachtrag: Grad bekannt geworden. Der CAS hat den Russen sogar die Teilnahme bei den Eishockey-WM erlaubt.

Das hatte ich auch gerade gesehen. Die Männer-WM findet in Deutschland statt. Mal sehen, wie sich das entwickelt.
 
Mir ging es um die Regierungen. Und da fehlt mir das Verständnis dafür, dass Sportarten unterschiedlich behandelt werden, wie es eben im Tennis ist, auch wenn die Spieler als Einzelperson und nicht als Vertreter ihres Landesverbandes agieren. Sie vertreten dennoch ihr Land, auch ohne Flagge.
Anderes Beispiel: Im Januar dieses Jahres, also noch vor dem CAS-Urteil, haben russische Sportler unter ihrer Landesbezeichnung RUS an Para-Langlauf-Rennen in Deutschland teilgenommen. Das ging ebenso.
Das hatte ich auch gerade gesehen. Die Männer-WM findet in Deutschland statt. Mal sehen, wie sich das entwickelt.
Im Tennis, wie gesagt, läuft das anders. Da vertritt niemand seine Nation. Daher habe ich das Beispiel Navratilova genannt, die gar kein Land vertreten konnte, aber trotzdem im Tenniszirkus dabeisein konnte. Teilnahme also unabhängig von der Staatsbürgerschaft möglich. Noch dazu haben viele ihren Wohnsitz im Schengen-Raum und dort längere Aufenthaltstitel. Allerdings auch beim Tennis ging es nicht ganz problemlos: Siehe Polen und Baltikum.
Zu den Para-Athleten: Das IPC, das für die Para-Sportler zuständig ist, agiert vom IOC völlig unabhängig. Die haben schon 2025 den Russen die volle Rückkehr erlaubt. Das führte dann auch bei den Olympischen Spielen zu vielen Protesten, wenn sogar die russische Fahne erlaubt war. Viele Nationen waren strikt dagegen, andere sprachen von "Inklusion". Der Auftritt der Langläufer in Deutschland hat ziemlichen Wirbel verursacht. Die Visa waren wohl vor der Verschärfung Ende 2025 erteilt (bzw. zählt da das Antragsdatum) und man fühlte sich in Deutschland ein wenig überrumpelt.
Auf alle Fälle hat man daraus gelernt. Zumindest die deutschen Behörden. Allerdings ist es schwer zu sagen, wie das weitergeht. Ja, das mit der Eishockey-WM wird noch interessant werden.
 
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